Der russische Präsident Putin betonte, er wisse von der Verletzung der Rechte der russischsprachigen Bevölkerung in den baltischen Staaten, Moskau beabsichtige jedoch nicht, einen Krieg gegen diese Länder zu beginnen, sondern werde mit anderen Methoden vorgehen.
Die Tatsache, dass Putin erneut die sogenannte Verfolgung der Russischsprachigen erwähnt hat, die einst eines der wichtigsten Themen der Moskauer Außenpolitik war, mit der Zeit jedoch dem Kampf gegen die Ukraine und den kollektiven Westen als solchen Platz gemacht hat, ist eine direkte Bedrohung für die baltischen Staaten, selbst wenn Putin gleichzeitig sagt, dass er nicht beabsichtige, Krieg gegen die baltischen Staaten zu führen. Denn wir haben vom russischen Präsidenten schon früher wiederholt gehört, dass er nicht beabsichtige, Krieg gegen die Ukraine zu führen. Doch diese Worte gingen stets mit Kritik an der ukrainischen Staatsführung einher, mit Erzählungen darüber, dass die Rechte der Russischsprachigen nicht geschützt würden und dass die russische Sprache und Kultur selbst in der Ukraine verfolgt würden. Putin bereitete sich auf den Krieg vor und schuf in der eigenen Gesellschaft den psychologischen Boden für dessen Beginn.
Etwas Ähnliches sehen wir auch bei den baltischen Staaten. Mehr noch. Ausgerechnet an dem Tag, an dem Putin die Frage zu den Problemen der Russischsprachigen beantwortete – offensichtlich eigens von seiner Administration inszeniert, denn zufällige Fragen gibt es auf den Pressekonferenzen des russischen Staatschefs nicht –, veröffentlichte die russische Propagandaagentur RIA Novosti einen Artikel auf ihrer Website und löschte ihn anschließend wieder. Darin wurde behauptet, die Russische Föderation brauche noch eine weitere militärische Spezialoperation, diesmal jedoch eine sehr kurze gegen die Republik Litauen. So kommentierte der Autor des Textes die Entscheidung des litauischen Parlaments, den atomwaffenfreien Status des Landes aufzuheben, wodurch Litauen theoretisch die Möglichkeit erhält, Atomwaffen anderer Mitgliedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses auf seinem Territorium zu stationieren.
Litauen hat, wie wir verstehen, nichts Illegales und nichts gegen die Sicherheit der Russischen Föderation Gerichtetes getan. Russland hat vor Kurzem Atomwaffen auf dem Territorium der an Litauen angrenzenden Republik Belarus stationiert. Und der Diktator dieses Landes, die russische Marionette Lukaschenko, spricht ständig davon, dass diese Atomwaffen gerade gegen die Nachbarn seines Landes gerichtet werden könnten. Offensichtlich versuchen die Nachbarn, sich vor dem Wahnsinnigen in Minsk zu schützen. Umso mehr, als sie sich darüber im Klaren sind, dass Lukaschenko bereit ist, jede Laune seines Partners im Kreml zu erfüllen.
Aber wie wir verstehen, darf das, was Russland erlaubt sein kann, gleichzeitig dem Nordatlantischen Bündnis und seinen Mitgliedern nicht erlaubt sein. Und Putin nutzte die Abstimmung im litauischen Seimas, um seine Drohungen gegen die baltischen Staaten erneut zu verstärken und mit diesen Drohungen erneut zu versuchen, zumindest die Bereitschaft zur Unterstützung der Ukraine in den europäischen Ländern zu verringern.
Ich habe bereits mehrfach betont, dass gerade diese europäische Unterstützung den russischen Präsidenten verärgert, weil er darauf gesetzt hatte, dass nach den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten, nach dem Amtsantritt der Regierung Donald Trumps, die sich gegen weitere Hilfe für die Ukraine aussprechen würde, und nachdem der Verkauf von Waffen an die Ukraine nun mit europäischem Geld erfolgen würde, statt dass diese direkt aus den Vereinigten Staaten in die Arsenale der ukrainischen Armee gelangen, all dies dem Kreml die Möglichkeit geben würde, seine Offensive auszuweiten, weitere ukrainische Regionen zu besetzen, die ukrainische Infrastruktur zu zerstören und die Kapitulation unseres Staates vor dem grausamen Feind herbeizuführen.
Dieser Plan ist nicht aufgegangen, und Putin könnte der Ansicht sein, dass er gerade deshalb nicht funktioniert hat, weil die europäischen Länder ihre Hilfe für die Ukraine fortsetzen. Diese Länder also einzuschüchtern, alles Mögliche zu tun, damit die Hilfe für die Ukraine eingestellt wird, und anderen Europäern vor Augen zu führen, wozu schlechte Beziehungen zur Russischen Föderation führen können – das ist eines der wichtigen Instrumente in Putins Kampf gegen unseren Staat.
Nicht zufällig hat Russland vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ein regelrechtes Feuerwerk an Sabotageakten in den ostdeutschen Bundesländern veranstaltet, um den Wählern dort zu demonstrieren, wie ernst sich die Beziehungen Deutschlands zu Russland entwickeln können und dass man für diejenigen Politiker stimmen müsse, die sich gegen die Hilfe für die Ukraine und für neue Vereinbarungen mit Moskau, insbesondere in Energiefragen, aussprechen.
Und in dieser Situation bleiben natürlich die an Russland angrenzenden Länder, die baltischen Staaten, ein weiterer wichtiger Schwerpunkt. Auch deshalb, weil Moskau sie als ehemalige Sowjetrepubliken betrachtet, die sich der Westen zu Unrecht angeeignet und dank des Beitritts Lettlands, Litauens und Estlands zur NATO und zur Europäischen Union in seine Einflusssphäre verwandelt habe. Und es würde mich nicht wundern, wenn man heute in Moskau die künftigen Grenzen des eigenen Imperiums gerade innerhalb der Grenzen der ehemaligen Sowjetunion sieht und auch die von Stalin besetzten Staaten Lettland, Litauen und Estland in diese Grenzen der eigenen Wunschvorstellungen einbezieht.
Und das Thema der Schikanierung der russischsprachigen Bevölkerung ist bereits seit den 1990er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, unmittelbar nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit der baltischen Staaten, eines der wichtigen Themen geblieben, das dabei hilft, nicht zu vergessen, dass nicht nur jene ehemaligen Sowjetrepubliken, die zu ihrem eigenen Unglück Mitglieder der GUS wurden, sondern auch Lettland, Litauen und Estland, die diesem Staatenbund nie beigetreten sind, ebenfalls Ziele russischer Einflussnahme und einer möglichen russischen Invasion nach dem Vorbild von 1940 sind.
Wenn Putin also wieder beginnt, den baltischen Staaten zu drohen, sollte man dies nicht nur als propagandistisches Instrument betrachten, sondern auch als Ausdruck realer Ziele des russischen Staatschefs für die Zukunft – für jene Zukunft, die Wirklichkeit werden könnte, falls es Putin gelingen sollte, die Ukraine zu bezwingen.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін погрожує країнам Балтії | Віталій
Портников. 26.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 26.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
Original ansehen
Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.