Der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, bezeichnet die jüngste Runde der russisch-ukrainisch-amerikanischen Verhandlungen als konstruktiv. Der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, Rustem Umjerow, betont, dass die Seiten über Parameter eines Waffenstillstands und über die Kontrolle der Kampfhandlungen gesprochen hätten. Auch der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, unterstreicht, dass es bald zu neuen Treffen kommen könne – diesmal in den Vereinigten Staaten. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse jener Verhandlungsrunde, die zwischen den russischen, ukrainischen und amerikanischen Delegationen stattgefunden hat.
Natürlich war für jene Menschen, die ihre Angehörigen aus russischer Gefangenschaft zurückerwartet haben, genau dies das tatsächliche Ergebnis der Gespräche. Zum ersten Mal seit langer Zeit fand ein solcher Austausch statt, und man möchte jene beglückwünschen, die aus russischen Gefängnissen freigekommen sind, ebenso wie ihre Familien und Freunde, die die Freiheit ihrer Angehörigen erleben durften. Zugleich verstehen wir jedoch sehr gut, dass ein Gefangenenaustausch während laufender Verhandlungen auch ein Zeichen dafür ist, dass der Präsident Russlands keinerlei konkrete politische Entscheidungen zu treffen beabsichtigt und – für ihn bereits typisch – das Fehlen eines echten politischen Prozesses durch eine humanitäre Schiene ersetzt.
Selbstverständlich können die Seiten auch Details im Zusammenhang mit einem Waffenstillstand erörtern. Doch man sollte sich daran erinnern, dass ein Waffenstillstand im Sinne des sogenannten „Geistes von Anchorage“, als Trump faktisch auf die Idee verzichtete, zuerst einen Waffenstillstand und danach einen Friedensprozess einzuleiten und stattdessen Putins Variante akzeptierte – nämlich dass „Friedensverhandlungen während des Krieges stattfinden können“ – die Krönung einer bereits vereinbarten Friedensregelung sein müsste. Doch es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Seiten eine Friedensvereinbarung ausgehandelt oder sich auf deren Parameter geeinigt hätten. Das ist nicht der Fall.
Aus den Verhandlungen dringen vielmehr recht seltsame Gerüchte nach außen. So heißt es etwa, dass die Russische Föderation nun nicht nur den Abzug der ukrainischen Truppen aus jenen Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk fordere, die unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung stehen, sondern auch die internationale Anerkennung der Zugehörigkeit des Donbass zur Russischen Föderation verlange. Wir verstehen, dass es für westliche Staaten, insbesondere für die Vereinigten Staaten, äußerst schwierig wäre, einer solchen Entscheidung zuzustimmen, da sie die Normen des internationalen Rechts untergraben würde. Es ist eine Sache, sich auf eine faktische Kontrolle Russlands über bestimmte ukrainische Gebiete zu verständigen. Eine völlig andere ist es jedoch, einer internationalen Anerkennung der Tatsache zuzustimmen, dass ein Staat sich das Territorium eines anderen Staates angeeignet hat.
Doch genau das will Russland. Denn wenn die Vereinigten Staaten und die NATO-Staaten anerkennen würden, dass die Gebiete Donezk und Luhansk der Ukraine tatsächlich Subjekte der Russischen Föderation seien, würde dies in Zukunft die Anwendung der sogenannten Salami-Taktik ermöglichen: die Annexion von Regionen benachbarter Staaten mit anschließender Forderung nach internationaler Anerkennung ihrer Zugehörigkeit zu Russland. Der Präzedenzfall wäre geschaffen – der Donbass wäre anerkannt – und dies wäre ein bedeutender diplomatischer Erfolg für den russischen Präsidenten.
Es stellt sich jedoch die Frage: Ist Putin wirklich so naiv und erkennt nicht, dass dem niemand zustimmen wird, wenn selbst die Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens von kaum einem Staat der Welt anerkannt wurde? Selbst einige der wenigen Staaten, mit denen Russland entsprechende Anerkennungen vereinbart hatte, zogen diese später zurück.
Nein, Putin dürfte das sehr wohl verstehen, geht jedoch möglicherweise von einer anderen Logik aus. Wenn sich etwa eine reale Kompromisslösung zur Präsenz ukrainischer Truppen im Gebiet Donezk abzeichnen sollte – etwa wenn ernsthaft über den von Jared Kushner und Steve Witkoff vorgeschlagenen Plan einer Freihandelszone gesprochen würde –, dann würde dies bedeuten, dass man einem Kriegsende zustimmen müsste.
Genau das ist jedoch nicht Teil von Putins Plänen. Sein Plan besteht darin, den Krieg so lange hinauszuzögern, bis Donald Trump das Oval Office verlässt – also bis Januar 2029, nicht etwa bis Februar 2026, Gott bewahre. Und deshalb muss Putin eine neue Bedingung erfinden, über die die Verhandlungsteilnehmer diskutieren sollen. Eine solche Bedingung könnte die internationale Anerkennung des russischen Status der Gebiete Donezk und Luhansk der Ukraine sein. Interessant ist dabei, warum nur der Donbass genannt wird und nicht auch die Krim.
Da der russische Präsident sehr gut versteht, dass dem niemand zustimmen wird – oder zumindest viele Staaten nicht –, kann er die Verhandlungen ruhig fortsetzen und hoffen, dass sie sich weiter in die Länge ziehen. Die einzige Frage ist, inwieweit der Präsident der Vereinigten Staaten an einem solchen Hinauszögern interessiert ist, nachdem er nach dieser Runde in Abu Dhabi erneut erklärte, Russland und die Ukraine stünden kurz vor dem Ende des Krieges.
Zwar hat Trump solche optimistischen Aussagen bereits mehrfach gemacht, doch inzwischen klingen sie aus seinem Mund deutlich lauter und überzeugender als noch vor einigen Wochen. Er erklärt, er habe nie mit einer solchen Zuversicht über die Möglichkeit eines Kriegsendes gesprochen. Das bedeutet, dass er auf reale Kompromisse von Putin hofft. Doch bislang sehen wir keinerlei solcher Kompromisse.
Daher kann auch das Bestreben der Amerikaner, die Treffen in die Vereinigten Staaten zu verlegen, als Zeichen dafür gewertet werden, dass sie sich aktiver in diesen Friedensprozess einbringen und ernsthafter mit Russland über ein tatsächliches Ende der Kampfhandlungen zwischen Russland und der Ukraine sprechen wollen. Umso mehr, als diese letzte Verhandlungsrunde auch vor dem Hintergrund des Auslaufens des russisch-amerikanischen Abkommens zur Reduzierung nuklearer Waffen stattfand.
De facto sind Russland und die Vereinigten Staaten – gemeinsam mit China – an einen Punkt gelangt, an dem ein echter Wettbewerb im Bereich der nuklearen Rüstung beginnt. Für Russland bedeutet dies die Suche nach konkreten Milliardenbeträgen für den Ausbau und die Modernisierung seines Nukleararsenals, wozu die Russische Föderation derzeit offensichtlich nicht bereit ist. Und deshalb könnte Trump annehmen, dass Putin vor dem Hintergrund dieser Situation – in der Amerika über ausreichende finanzielle Mittel zur Erweiterung seiner nuklearen Fähigkeiten verfügt, Russland jedoch nicht – ebenfalls an einer Verständigung mit den Vereinigten Staaten interessiert sein könnte.
Doch erneut könnten Trumps Hoffnungen auf rationales Denken Putins – sowohl im Kontext des russisch-ukrainischen Krieges als auch im Hinblick auf das nukleare Potenzial – mit der Realität kollidieren, in der wir keinerlei Rationalität in den Entscheidungen Putins erkennen können.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини в Абу-Дабі: підсумки | Віталій Портников. 05.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
Original ansehen
Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.