Moskau brennt nach Drohnenangriffen | Vitaly Portnikov. 18.06.2026.

Die Außenbezirke Moskaus erwachten heute durch einen weiteren massiven Angriff ukrainischer Drohnen. Ziel war die Ölraffinerie in Kapotnja, die bereits vor einigen Tagen von ukrainischen unbemannten Fluggeräten angegriffen worden war. Erneut sah die russische Hauptstadt einen Brand über dieser Raffinerie, die schon vor diesem Angriff gezwungen gewesen war, ihren Betrieb zeitweise einzustellen.

Damit setzt die Ukraine ihren Plan fort, die Möglichkeiten des Energiesektors der Russischen Föderation einzuschränken und in Russland eine echte Treibstoffkrise herbeizuführen.

Dabei sollte man daran erinnern, dass es sich nicht einfach um Treibstoff handelt, der für die Bedürfnisse der russischen Bevölkerung und der russischen Wirtschaft verwendet wird. Es handelt sich vor allem um Treibstoff für die russische Armee, die ihre Besatzung ukrainischer Gebiete und ihre Offensive im Gebiet Donezk fortsetzt. Und natürlich verringert jeder solche Schlag gegen den Energiekomplex der Russischen Föderation diese Möglichkeiten.

Bereits nach dem ersten Angriff auf die Raffinerie in Kapotnja in den vergangenen Wochen sagte ich, dass Präsident Putin zwischen zwei Optionen wählen müsse: Entweder Ölprodukte aus anderen Regionen der Russischen Föderation abzuziehen, damit die Einwohner Moskaus die Folgen der Angriffe auf die lokale Raffinerie nicht spüren, oder Beschränkungen für den Verkauf von Benzin und Diesel an Moskauer Tankstellen einzuführen, so wie dies bereits in anderen Regionen Russlands geschehen ist.

Wie zu erwarten war, entschied sich Putin für die Befriedigung der Bedürfnisse Moskaus. Daher wurden an den Tankstellen der russischen Hauptstadt keine Beschränkungen eingeführt, obwohl die Kraftstoffpreise dort bereits zu steigen begannen.

Dass die russische Führung unter allen Umständen gerade die Interessen Moskaus bevorzugt, ist ein weiteres Zeichen jener Krise, die früher oder später in der Russischen Föderation durch den Gegensatz zwischen den Interessen Moskaus und denen der übrigen russischen Regionen entstehen wird. Denn bekanntlich begannen die Probleme jedes russischen Regimes genau in solchen Krisen, wenn sich alle in Russland davon überzeugten, dass Moskau das Wichtigste sei und die Regionen lediglich ein Anhängsel Moskaus.

Nach dem neuen Angriff auf die Raffinerie in Kapotnja stellt sich die Frage, ob die russische Führung diese Taktik weiterhin aufrechterhalten kann. Während es in den meisten Regionen der Russischen Föderation bereits Probleme mit Treibstoff gibt und an Tankstellen Beschränkungen eingeführt werden, beschränkt sich das Problem in Moskau bislang auf steigende Preise, ohne dass dort irgendwelche Verkaufsbeschränkungen notwendig wurden.

Nach diesem neuen Angriff könnte es jedoch schlicht an Benzin in Moskau fehlen. Die Logistik der Treibstofflieferungen zu den Tankstellen der Hauptstadt könnte in dieser kritischen Situation derart schwierig werden, dass man sich doch zumindest auf vorübergehende Verkaufsbeschränkungen einlassen muss – was natürlich ein ernstes Problem für die russische Führung darstellen würde.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass dies vor dem Hintergrund der Unterzeichnung eines Memorandums zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran geschieht. Dadurch entsteht die reale Möglichkeit, dass die Vereinigten Staaten die Lizenz nicht verlängern werden, die es den Staaten des Globalen Südens, insbesondere Indien, erlaubt hatte, russisches Öl zu kaufen, ohne das Risiko amerikanischer Sanktionen eingehen zu müssen.

Russland hat in den vergangenen Monaten die Folgen des amerikanisch-iranischen Krieges voll ausgenutzt und seinen Staatshaushalt mit Dutzenden Milliarden Dollar aufgefüllt, die für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges benötigt werden.

Darüber hinaus führten die ukrainischen Angriffe auf die russischen Raffinerien zu einem erheblichen Anstieg der russischen Ölexporte in die Länder des Globalen Südens. Dieses Öl konnte auf den russischen Raffinerien nicht mehr verarbeitet werden, wohl aber exportiert werden, wodurch Russland Dollar einnahm, mit denen anschließend Erdölprodukte im Ausland gekauft werden konnten.

Doch diese Möglichkeiten könnten nun eingeschränkt werden, weil die Russische Föderation gezwungen sein wird, ihr Öl illegal zu verkaufen.

Zwar kennen wir die beträchtlichen Möglichkeiten der russischen Schattenflotte und auch die Bereitschaft der Länder des Globalen Südens, sich an Grauzonen-Geschäften beim Kauf billigen russischen Öls zu beteiligen.

  • Aber erstens bleibt ein Graumarkt ein illegaler Markt, der nicht dieselben gewaltigen Verkaufsvolumina ermöglicht, die Russland in den vergangenen Monaten erzielen konnte.
  • Und zweitens – und das ist ebenfalls ein ernstes Problem für Moskau – wird der Preis für dieses Öl deutlich niedriger sein, denn wir werden nun alle einen erheblichen Rückgang der Ölpreise auf dem Weltmarkt beobachten.

Sollten die ukrainischen Angriffe auf die Raffinerien der Russischen Föderation in den kommenden Wochen und Monaten erfolgreich bleiben, könnte dies zum Vorboten einer schweren Energiekrise in Russland werden und zu ernsthaften Problemen für die russischen Streitkräfte führen, vergleichbar mit den Schwierigkeiten, die die russische Armee nach dem Verlust des Zugangs zu Starlink erlebte.

Dadurch könnte die Offensive der russischen Armee auf ukrainischem Boden verlangsamt werden, und die russische Führung würde mit realen Problemen bei der Logistik der Treibstoffversorgung der Streitkräfte der Russischen Föderation konfrontiert sein – zusätzlich zu den Schwierigkeiten für die russische Wirtschaft.

All dies schafft die Voraussetzungen für eben jene Krise, die in Zukunft reale Möglichkeiten für einen Verhandlungsprozess über die Beendigung oder zumindest Aussetzung des Krieges an der russisch-ukrainischen Front schaffen könnte.

Mit anderen Worten: Es könnte genau jenes Ergebnis erreicht werden, für das sich die ukrainische Führung bereits seit mehreren Monaten einsetzt.

Wie wir sehen, werden diese Vorschläge im Kreml bislang nicht ernst genommen.

Nicht ernst genommen werden sie gerade deshalb, weil es bislang noch Benzin gibt.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Москва палає від дронів | Віталій Портников. 18.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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