Russland verabschiedet sich vom Benzin. Vitaly Portnikov. 13.07.2026.

Das Niveau der Ölverarbeitung in der Russischen Föderation ist inzwischen auf Werte gesunken, die zuletzt im fernen Jahr 2005 zu beobachten waren. B bin Derzeit produzieren alle russischen Raffinerien zusammen nicht mehr als 4 Millionen Barrel Ölprodukte, was den Bedarf des russischen Staates – und vor allem übrigens den Bedarf der russischen Armee, die ihre aggressiven Handlungen auf ukrainischem Boden fortsetzt – offensichtlich nicht deckt. In den vergangenen 100 Tagen hat die Ukraine nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg mehr als 50 Objekte der Treibstoffinfrastruktur der Russischen Föderation angegriffen, darunter mindestens 24 der 34 größten Raffinerien Russlands. Und heute wurde gemeldet, dass eine dieser Raffinerien, die Raffinerie von Syzran, nach ukrainischen Angriffen ihre Arbeit endgültig eingestellt hat und damit in die Liste der russischen Unternehmen aufgenommen wurde, die kein Erdöl mehr verarbeiten können.

Der russische Präsident Putin kann diese Situation natürlich nicht übersehen. Dennoch versichert er seinen Landsleuten weiterhin, die Lage bei den Ölprodukten werde sich normalisieren, und Russland werde der Ukraine als Antwort symmetrische, jedoch weitaus härtere Schläge versetzen. Allerdings handelt es sich dabei eher um Demagogie, die für das innenpolitische Publikum bestimmt ist. Denn keine russischen Angriffe auf die Ukraine können das Problem der Ölprodukte in der Russischen Föderation selbst lösen.

Auch das Szenario, in dem Russland sein eigenes Erdöl verkaufen und Ölprodukte aus Ländern des Globalen Südens beziehen würde, erscheint nicht geeignet, die Probleme des russischen Raffineriesektors tatsächlich zu lösen. Denn selbst unter den günstigsten Bedingungen für Lieferungen von Ölprodukten aus Ländern wie Indien könnten diese lediglich einige Prozent jener Ressourcen ersetzen, die Russland infolge der ukrainischen Angriffe auf seine Infrastruktur bereits verloren hat. Heute kann man sagen, dass die russische Führung schlicht nicht weiß, wie sie aus der Krise bei den Ölprodukten herauskommen soll – einer Krise, die sich mit jedem weiteren Tag des Krieges und mit jedem neuen ukrainischen Angriff auf die russische Raffinerieindustrie nur weiter verschärfen wird.

Außerdem muss man noch einen wichtigen Umstand verstehen. Natürlich kann man versuchen, einen großen Teil des Erdöls, das früher in russischen Raffinerien verarbeitet wurde, auf dem Seeweg auszuführen und zu verkaufen. Doch da die westlichen Sanktionen gegen Russland vor dem Hintergrund einer gewissen Normalisierung der Lage in der Straße von Hormus wieder in Kraft gesetzt wurden, lässt sich dieses Öl weder vollständig exportieren noch vermarkten.

Das ist die nächste Stufe der Folgen der ukrainischen Angriffe auf die russische Raffinerieinfrastruktur. Sie betrifft bereits die Probleme der eigentlichen Erdölförderungsbranche. Denn wenn Russland keine realen Möglichkeiten mehr hat, Erdöl zu verarbeiten und zu verkaufen, dann braucht es künftig schlicht auch nicht mehr jene Mengen an Erdöl zu fördern, die bislang gefördert wurden.

Das bedeutet die Stilllegung von Ölbohrungen – eine Katastrophe für jede Erdölindustrie in jedem Staat. Zumal sich die technologische Situation der russischen Erdölförderung heute so darstellt, dass Experten befürchten, stillgelegte Bohrungen könnten später nicht mehr wieder in Betrieb genommen werden. Selbst wenn man sich also vorstellt, dass sich die Lage der russischen Raffinerieindustrie künftig normalisiert, könnte sich herausstellen, dass Russland nicht mehr genügend Erdöl fördern kann, um seine eigenen Raffinerien zu versorgen. Und auch der Export russischen Erdöls auf den Weltmarkt würde erheblich zurückgehen, weil die dafür erforderlichen Ressourcen schlicht fehlen würden.

Genau das übrigens würden sich die Konkurrenten der Russischen Föderation auf dem Erdölmarkt wünschen – allen voran die Vereinigten Staaten. Faktisch ermöglicht Putin mit seinen eigenen Händen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, der als bekannter Verfechter der Interessen amerikanischer Erdölunternehmen gilt, eine Situation zu schaffen, in der ein Konkurrent dank der Bemühungen des ukrainischen Militärs vom Markt verdrängt wird.

Und das, obwohl man gerade den Ukrainern nur schwer vorwerfen kann, sie seien Lobbyisten amerikanischer Interessen. Sie verteidigen ihren eigenen Staat, und die Verteidigung des eigenen Staates ist mit der Zerstörung der Wirtschaft des feindlichen Landes verbunden. Jeder weiß, dass Russland eine Tankstelle ist, deren gesamter Wohlstand und deren gesamte Aggressivität gerade auf den Ölpreisen beruhen. Je weniger Erdöl Russland hat, je geringer seine Möglichkeiten sind, es zu verarbeiten, und je geringer seine Möglichkeiten sind, dieses Erdöl zu verkaufen, desto geringer wird auch die russische Aggressivität sein. Desto größer wird selbst bei der russischen Führung der Wunsch werden, sich mit den inneren Problemen ihres unterentwickelten Landes zu beschäftigen, statt fremde Gebiete erobern und fremde Bürger töten zu wollen. Das ist ein Gesetz der russischen Geschichte: Kein Geld – keine Aggressivität.

Natürlich denkt Putin heute noch nicht einmal darüber nach, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, die besetzten Gebiete zu verlassen oder seine Vorstellungen von der Wiederherstellung des ehemaligen Russischen Reiches in den Grenzen der Sowjetunion aufzugeben. Doch mit jedem weiteren Tag, an dem die finanziellen und energetischen Ressourcen der Russischen Föderation schwinden, wird Putin immer mehr darüber nachdenken müssen, was er mit seiner eigenen Politik anfangen soll und wie er gegen die Konkurrenten auf dem Energiemarkt bestehen will, die nur auf den energiepolitischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands warten.

Und wieder einmal – wie so oft in der russischen Geschichte – haben die Russen den Niedergang ihres eigenen Staates durch ihre eigenen Anstrengungen herbeigeführt. Man kann sagen, sie haben selbst die Instrumente geschaffen, die zu einer wirtschaftlichen und energiepolitischen Katastrophe führen können. 

Doch Mitgefühl sollten wir deswegen, wie Sie verstehen, keines empfinden – aus dem einfachen Grund, dass jeder neue Schlag gegen eine russische Raffinerie, und ich hoffe, dass es noch viele solcher Schläge geben wird, nicht nur den Möglichkeiten Russlands als wichtigster Tankstelle Eurasiens – inzwischen übrigens der ehemaligen – ein Ende setzt, sondern auch den Zeitpunkt näher bringt, an dem der russisch-ukrainische Krieg endet. Und ich hoffe sehr, dass er für Russland mit Schande endet und mit der Unmöglichkeit für diesen Staat, in den 20er- bis 50er-Jahren unseres schwierigen Jahrhunderts auch nur ein einigermaßen anständiges Niveau wirtschaftlicher Entwicklung zu erreichen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія прощається з бензином [Віталій Портников. 13.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 13.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Moskau brennt nach Drohnenangriffen | Vitaly Portnikov. 18.06.2026.

Die Außenbezirke Moskaus erwachten heute durch einen weiteren massiven Angriff ukrainischer Drohnen. Ziel war die Ölraffinerie in Kapotnja, die bereits vor einigen Tagen von ukrainischen unbemannten Fluggeräten angegriffen worden war. Erneut sah die russische Hauptstadt einen Brand über dieser Raffinerie, die schon vor diesem Angriff gezwungen gewesen war, ihren Betrieb zeitweise einzustellen.

Damit setzt die Ukraine ihren Plan fort, die Möglichkeiten des Energiesektors der Russischen Föderation einzuschränken und in Russland eine echte Treibstoffkrise herbeizuführen.

Dabei sollte man daran erinnern, dass es sich nicht einfach um Treibstoff handelt, der für die Bedürfnisse der russischen Bevölkerung und der russischen Wirtschaft verwendet wird. Es handelt sich vor allem um Treibstoff für die russische Armee, die ihre Besatzung ukrainischer Gebiete und ihre Offensive im Gebiet Donezk fortsetzt. Und natürlich verringert jeder solche Schlag gegen den Energiekomplex der Russischen Föderation diese Möglichkeiten.

Bereits nach dem ersten Angriff auf die Raffinerie in Kapotnja in den vergangenen Wochen sagte ich, dass Präsident Putin zwischen zwei Optionen wählen müsse: Entweder Ölprodukte aus anderen Regionen der Russischen Föderation abzuziehen, damit die Einwohner Moskaus die Folgen der Angriffe auf die lokale Raffinerie nicht spüren, oder Beschränkungen für den Verkauf von Benzin und Diesel an Moskauer Tankstellen einzuführen, so wie dies bereits in anderen Regionen Russlands geschehen ist.

Wie zu erwarten war, entschied sich Putin für die Befriedigung der Bedürfnisse Moskaus. Daher wurden an den Tankstellen der russischen Hauptstadt keine Beschränkungen eingeführt, obwohl die Kraftstoffpreise dort bereits zu steigen begannen.

Dass die russische Führung unter allen Umständen gerade die Interessen Moskaus bevorzugt, ist ein weiteres Zeichen jener Krise, die früher oder später in der Russischen Föderation durch den Gegensatz zwischen den Interessen Moskaus und denen der übrigen russischen Regionen entstehen wird. Denn bekanntlich begannen die Probleme jedes russischen Regimes genau in solchen Krisen, wenn sich alle in Russland davon überzeugten, dass Moskau das Wichtigste sei und die Regionen lediglich ein Anhängsel Moskaus.

Nach dem neuen Angriff auf die Raffinerie in Kapotnja stellt sich die Frage, ob die russische Führung diese Taktik weiterhin aufrechterhalten kann. Während es in den meisten Regionen der Russischen Föderation bereits Probleme mit Treibstoff gibt und an Tankstellen Beschränkungen eingeführt werden, beschränkt sich das Problem in Moskau bislang auf steigende Preise, ohne dass dort irgendwelche Verkaufsbeschränkungen notwendig wurden.

Nach diesem neuen Angriff könnte es jedoch schlicht an Benzin in Moskau fehlen. Die Logistik der Treibstofflieferungen zu den Tankstellen der Hauptstadt könnte in dieser kritischen Situation derart schwierig werden, dass man sich doch zumindest auf vorübergehende Verkaufsbeschränkungen einlassen muss – was natürlich ein ernstes Problem für die russische Führung darstellen würde.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass dies vor dem Hintergrund der Unterzeichnung eines Memorandums zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran geschieht. Dadurch entsteht die reale Möglichkeit, dass die Vereinigten Staaten die Lizenz nicht verlängern werden, die es den Staaten des Globalen Südens, insbesondere Indien, erlaubt hatte, russisches Öl zu kaufen, ohne das Risiko amerikanischer Sanktionen eingehen zu müssen.

Russland hat in den vergangenen Monaten die Folgen des amerikanisch-iranischen Krieges voll ausgenutzt und seinen Staatshaushalt mit Dutzenden Milliarden Dollar aufgefüllt, die für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges benötigt werden.

Darüber hinaus führten die ukrainischen Angriffe auf die russischen Raffinerien zu einem erheblichen Anstieg der russischen Ölexporte in die Länder des Globalen Südens. Dieses Öl konnte auf den russischen Raffinerien nicht mehr verarbeitet werden, wohl aber exportiert werden, wodurch Russland Dollar einnahm, mit denen anschließend Erdölprodukte im Ausland gekauft werden konnten.

Doch diese Möglichkeiten könnten nun eingeschränkt werden, weil die Russische Föderation gezwungen sein wird, ihr Öl illegal zu verkaufen.

Zwar kennen wir die beträchtlichen Möglichkeiten der russischen Schattenflotte und auch die Bereitschaft der Länder des Globalen Südens, sich an Grauzonen-Geschäften beim Kauf billigen russischen Öls zu beteiligen.

  • Aber erstens bleibt ein Graumarkt ein illegaler Markt, der nicht dieselben gewaltigen Verkaufsvolumina ermöglicht, die Russland in den vergangenen Monaten erzielen konnte.
  • Und zweitens – und das ist ebenfalls ein ernstes Problem für Moskau – wird der Preis für dieses Öl deutlich niedriger sein, denn wir werden nun alle einen erheblichen Rückgang der Ölpreise auf dem Weltmarkt beobachten.

Sollten die ukrainischen Angriffe auf die Raffinerien der Russischen Föderation in den kommenden Wochen und Monaten erfolgreich bleiben, könnte dies zum Vorboten einer schweren Energiekrise in Russland werden und zu ernsthaften Problemen für die russischen Streitkräfte führen, vergleichbar mit den Schwierigkeiten, die die russische Armee nach dem Verlust des Zugangs zu Starlink erlebte.

Dadurch könnte die Offensive der russischen Armee auf ukrainischem Boden verlangsamt werden, und die russische Führung würde mit realen Problemen bei der Logistik der Treibstoffversorgung der Streitkräfte der Russischen Föderation konfrontiert sein – zusätzlich zu den Schwierigkeiten für die russische Wirtschaft.

All dies schafft die Voraussetzungen für eben jene Krise, die in Zukunft reale Möglichkeiten für einen Verhandlungsprozess über die Beendigung oder zumindest Aussetzung des Krieges an der russisch-ukrainischen Front schaffen könnte.

Mit anderen Worten: Es könnte genau jenes Ergebnis erreicht werden, für das sich die ukrainische Führung bereits seit mehreren Monaten einsetzt.

Wie wir sehen, werden diese Vorschläge im Kreml bislang nicht ernst genommen.

Nicht ernst genommen werden sie gerade deshalb, weil es bislang noch Benzin gibt.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Москва палає від дронів | Віталій Портников. 18.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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