Der Präsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, wurde vom angesehenen britischen Blatt The Telegraph der Titel der Weltpolitikerin des Jahres verliehen. In diesem Ranking ließ Maia Sandu sogar so bekannte Politiker hinter sich wie die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und den argentinischen Präsidenten Javier Milei – Politiker, die praktisch täglich in den Weltmedien erwähnt werden und deren Handeln in hohem Maße sowohl die Politik Europas als auch die Lateinamerikas prägt. Wie konnte es geschehen, dass ausgerechnet die Präsidentin eines kleinen Landes, das mit aller Kraft versucht, den postsowjetischen Raum zu verlassen und Teil der europäischen Staatengemeinschaft zu werden, zur Siegerin dieses Rankings wurde?
Die Journalisten nennen Maia Sandu eine Führungspersönlichkeit, die Wladimir Putin nicht brechen konnte. Und das ist wohl die treffendste Beschreibung dessen, was sich in der Republik Moldau in den vergangenen Jahren abgespielt hat.
Man sollte daran erinnern, dass Moskau, als Maia Sandu Premierministerin Moldaus wurde – und das geschah nach dem Zusammenbruch des oligarchischen Regimes von Vlad Plahotniuc –, alles daransetzte, ihre Macht zu marginalisieren und den prorussischen Präsidenten des Landes, Igor Dodon, zum alleinigen Herrscher des Staates zu machen.
Dennoch gelang es Sandu nicht nur, Dodon bei den Wahlen zu besiegen, sondern auch als erste Präsidentin in der Geschichte des Landes für eine zweite Amtszeit durch eine Volkswahl bestätigt zu werden. Das war wohl die deutlichste Bewertung ihrer Tätigkeit durch die Bürger der Republik Moldau und eine klare politische Niederlage Russlands, das beträchtliche Ressourcen und Anstrengungen in diese Wahlen investiert hatte, um den prorussischen Kandidaten zur Rückkehr an die Macht zu verhelfen.
Doch der wichtigste Versuch einer Revanche stand noch bevor – im Jahr 2025. Denn die Befugnisse des Präsidenten der Republik Moldau sind nicht mit jenen Möglichkeiten vergleichbar, über die der Premierminister verfügt, der nach den Parlamentswahlen ins Amt kommt. Und genau diese Parlamentswahlen wurden zum Hauptangriffspunkt des Kremls.
Wie bekannt ist, wurde sogar der zuständige Kurator für Moldau ausgetauscht. Der langjährige Kreml-Beauftragte für Moldau, der frühere stellvertretende Leiter der Präsidialverwaltung Russlands Dmitri Kosak, der mehrfach versucht hatte, die Republik Moldau in einen Satelliten Putins zu verwandeln, musste seine Befugnisse an einen wesentlich aggressiveren und härteren Kremlbeamten abgeben – den ersten stellvertretenden Leiter der Präsidialverwaltung Russlands, Sergej Kirijenko. Dieser hatte zuvor faktisch die Bevölkerung Abchasiens gezwungen, für einen Kandidaten zu stimmen, der der russischen politischen Führung genehm war – und das nach monatelangen Protesten in Abchasien gegen die Versuche Moskaus, die Küste dieser selbsternannten Republik zugunsten krimineller Moskauer Clans zu vereinnahmen.
Doch in Moldau erlitt Kirijenko eine politische Niederlage, die an frühere Fehlschläge des Kremls erinnerte, und die Mehrheit der Bevölkerung unterstützte die proeuropäischen Kräfte. An Damit scheiterte das für Putin und sein Umfeld wichtigste Ziel: der Versuch, die Republik Moldau in einen weiteren Brückenkopf der Instabilität in der Region und in ein Zentrum des Angriffs auf die Ukraine zu verwandeln.
Denn eine der zentralen Aufgaben der russischen Außenpolitik nach Beginn des großen Krieges gegen die Ukraine besteht darin, dieses Land mit einer ganzen Kette feindlicher Regime zu umgeben, die bereit sind, mit dem Kreml in – sagen wir – heiklen Fragen zusammenzuarbeiten. Und Moldau ist eines jener Länder, die Putin gern in der Umlaufbahn einer prorussischen Offensive gegen Demokratie und Souveränität der ehemaligen Sowjetrepubliken sehen würde.
Dass die Beharrlichkeit Maia Sandus – ich würde sagen, ihre Härte während des Wahlkampfes – es ermöglicht hat, die nationalen Interessen in einem schwierigen Kampf gegen die Anhänger des Kremls und seine bezahlten Agenten zu verteidigen, von denen einige offen aus ihren Moskauer Wohnungen heraus versuchen, die Republik Moldau zu destabilisieren, ist zweifellos ein großer Erfolg.
Vor allem, wenn man die Größe der Republik Moldau mit der der Russischen Föderation vergleicht, und wenn man sich an die Milliarden Dollar erinnert, die russische Geheimdienste und ihre politischen Agenten in Moldau ausgegeben haben, um die Lage im Land zu destabilisieren und den Sieg prorussischer, antinationale moldauische Kräfte zu sichern, die diesmal ihre Ziele nicht einmal zu verbergen versuchten.
Schon nach den Parlamentswahlen wurde deutlich, dass Chișinău bereit ist, außergewöhnliche Anstrengungen zu unternehmen, um die Lage in Gagausien zu stabilisieren – einer weiteren Region, die Moskau in ein Zentrum der Instabilität und der kriminellen Clans verwandelt hat, einen Landstrich, der zur Durchsetzung der Moskauer Agenda genutzt wird und nicht zur Verteidigung der Rechte des gagausischen Volkes, wie es im Rahmen der Autonomie Gagausiens innerhalb der Republik Moldau eigentlich vorgesehen wäre.
Es zeichneten sich auch reale Möglichkeiten für die zukünftige Integration der Region Transnistrien ab, die immer weniger von Moskauer Unterstützung abhängig ist und sich zunehmend in eine Region verwandelt, die von ihren Beziehungen zur Europäischen Union und von ihrer Integration in den moldauischen Rechts- und Wirtschaftsraum abhängt.
Damit hat Maia Sandu reale Chancen, zumindest Bedingungen zu schaffen, die helfen, diesen pro-moskauischen separatistischen Brennpunkt zu beseitigen, der zur Destabilisierung Moldaus noch in der Zeit des ersten und letzten Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, geschaffen wurde. Er versuchte damals, solche Problemregionen zu nutzen, um die sogenannte „sechzehnte Republik“ – das Unionszentrum, das seit dem bolschewistischen Umsturz und der Errichtung der Dekoration des russischen Chauvinismus in Gestalt der Sowjetunion die reale Macht ausübte – zu bewahren.
Dass die Präsidentin eines kleinen europäischen Landes heute als eine der wichtigsten Führungspersönlichkeiten Europas wahrgenommen wird und den Titel der Weltführerin des Jahres 2025 erhält, ist eine Anerkennung der Tatsache, dass man Russland auf dem politischen Feld bekämpfen kann und muss – und dass kein Geld, das Moskau in die Destabilisierung und Zersetzung des postsowjetischen Raumes investiert, so viel wert ist wie der Wunsch der Menschen, in einer normalen Welt zu leben und nicht in jenem armseligen und monströsen Leprosorium, das Wladimir Putin mit Unterstützung eines großen Teils der chauvinistisch gesinnten Bevölkerung in der Russischen Föderation errichtet hat.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Триумф Майи Санду | Виталий Портников. 01.01.2026.]
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.01.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.
