Der Triumph von Maia Sandu | Vitaly Portnikov. 01.01.2026.

Der Präsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, wurde vom angesehenen britischen Blatt The Telegraph der Titel der Weltpolitikerin des Jahres verliehen. In diesem Ranking ließ Maia Sandu sogar so bekannte Politiker hinter sich wie die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und den argentinischen Präsidenten Javier Milei – Politiker, die praktisch täglich in den Weltmedien erwähnt werden und deren Handeln in hohem Maße sowohl die Politik Europas als auch die Lateinamerikas prägt. Wie konnte es geschehen, dass ausgerechnet die Präsidentin eines kleinen Landes, das mit aller Kraft versucht, den postsowjetischen Raum zu verlassen und Teil der europäischen Staatengemeinschaft zu werden, zur Siegerin dieses Rankings wurde?

Die Journalisten nennen Maia Sandu eine Führungspersönlichkeit, die Wladimir Putin nicht brechen konnte. Und das ist wohl die treffendste Beschreibung dessen, was sich in der Republik Moldau in den vergangenen Jahren abgespielt hat.

Man sollte daran erinnern, dass Moskau, als Maia Sandu Premierministerin Moldaus wurde – und das geschah nach dem Zusammenbruch des oligarchischen Regimes von Vlad Plahotniuc –, alles daransetzte, ihre Macht zu marginalisieren und den prorussischen Präsidenten des Landes, Igor Dodon, zum alleinigen Herrscher des Staates zu machen.

Dennoch gelang es Sandu nicht nur, Dodon bei den Wahlen zu besiegen, sondern auch als erste Präsidentin in der Geschichte des Landes für eine zweite Amtszeit durch eine Volkswahl bestätigt zu werden. Das war wohl die deutlichste Bewertung ihrer Tätigkeit durch die Bürger der Republik Moldau und eine klare politische Niederlage Russlands, das beträchtliche Ressourcen und Anstrengungen in diese Wahlen investiert hatte, um den prorussischen Kandidaten zur Rückkehr an die Macht zu verhelfen.

Doch der wichtigste Versuch einer Revanche stand noch bevor – im Jahr 2025. Denn die Befugnisse des Präsidenten der Republik Moldau sind nicht mit jenen Möglichkeiten vergleichbar, über die der Premierminister verfügt, der nach den Parlamentswahlen ins Amt kommt. Und genau diese Parlamentswahlen wurden zum Hauptangriffspunkt des Kremls.

Wie bekannt ist, wurde sogar der zuständige Kurator für Moldau ausgetauscht. Der langjährige Kreml-Beauftragte für Moldau, der frühere stellvertretende Leiter der Präsidialverwaltung Russlands Dmitri Kosak, der mehrfach versucht hatte, die Republik Moldau in einen Satelliten Putins zu verwandeln, musste seine Befugnisse an einen wesentlich aggressiveren und härteren Kremlbeamten abgeben – den ersten stellvertretenden Leiter der Präsidialverwaltung Russlands, Sergej Kirijenko. Dieser hatte zuvor faktisch die Bevölkerung Abchasiens gezwungen, für einen Kandidaten zu stimmen, der der russischen politischen Führung genehm war – und das nach monatelangen Protesten in Abchasien gegen die Versuche Moskaus, die Küste dieser selbsternannten Republik zugunsten krimineller Moskauer Clans zu vereinnahmen.

Doch in Moldau erlitt Kirijenko eine politische Niederlage, die an frühere Fehlschläge des Kremls erinnerte, und die Mehrheit der Bevölkerung unterstützte die proeuropäischen Kräfte. An Damit scheiterte das für Putin und sein Umfeld wichtigste Ziel: der Versuch, die Republik Moldau in einen weiteren Brückenkopf der Instabilität in der Region und in ein Zentrum des Angriffs auf die Ukraine zu verwandeln.

Denn eine der zentralen Aufgaben der russischen Außenpolitik nach Beginn des großen Krieges gegen die Ukraine besteht darin, dieses Land mit einer ganzen Kette feindlicher Regime zu umgeben, die bereit sind, mit dem Kreml in – sagen wir – heiklen Fragen zusammenzuarbeiten. Und Moldau ist eines jener Länder, die Putin gern in der Umlaufbahn einer prorussischen Offensive gegen Demokratie und Souveränität der ehemaligen Sowjetrepubliken sehen würde.

Dass die Beharrlichkeit Maia Sandus – ich würde sagen, ihre Härte während des Wahlkampfes – es ermöglicht hat, die nationalen Interessen in einem schwierigen Kampf gegen die Anhänger des Kremls und seine bezahlten Agenten zu verteidigen, von denen einige offen aus ihren Moskauer Wohnungen heraus versuchen, die Republik Moldau zu destabilisieren, ist zweifellos ein großer Erfolg.

Vor allem, wenn man die Größe der Republik Moldau mit der der Russischen Föderation vergleicht, und wenn man sich an die Milliarden Dollar erinnert, die russische Geheimdienste und ihre politischen Agenten in Moldau ausgegeben haben, um die Lage im Land zu destabilisieren und den Sieg prorussischer, antinationale moldauische Kräfte zu sichern, die diesmal ihre Ziele nicht einmal zu verbergen versuchten.

Schon nach den Parlamentswahlen wurde deutlich, dass Chișinău bereit ist, außergewöhnliche Anstrengungen zu unternehmen, um die Lage in Gagausien zu stabilisieren – einer weiteren Region, die Moskau in ein Zentrum der Instabilität und der kriminellen Clans verwandelt hat, einen Landstrich, der zur Durchsetzung der Moskauer Agenda genutzt wird und nicht zur Verteidigung der Rechte des gagausischen Volkes, wie es im Rahmen der Autonomie Gagausiens innerhalb der Republik Moldau eigentlich vorgesehen wäre.

Es zeichneten sich auch reale Möglichkeiten für die zukünftige Integration der Region Transnistrien ab, die immer weniger von Moskauer Unterstützung abhängig ist und sich zunehmend in eine Region verwandelt, die von ihren Beziehungen zur Europäischen Union und von ihrer Integration in den moldauischen Rechts- und Wirtschaftsraum abhängt.

Damit hat Maia Sandu reale Chancen, zumindest Bedingungen zu schaffen, die helfen, diesen pro-moskauischen separatistischen Brennpunkt zu beseitigen, der zur Destabilisierung Moldaus noch in der Zeit des ersten und letzten Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, geschaffen wurde. Er versuchte damals, solche Problemregionen zu nutzen, um die sogenannte „sechzehnte Republik“ – das Unionszentrum, das seit dem bolschewistischen Umsturz und der Errichtung der Dekoration des russischen Chauvinismus in Gestalt der Sowjetunion die reale Macht ausübte – zu bewahren.

Dass die Präsidentin eines kleinen europäischen Landes heute als eine der wichtigsten Führungspersönlichkeiten Europas wahrgenommen wird und den Titel der Weltführerin des Jahres 2025 erhält, ist eine Anerkennung der Tatsache, dass man Russland auf dem politischen Feld bekämpfen kann und muss – und dass kein Geld, das Moskau in die Destabilisierung und Zersetzung des postsowjetischen Raumes investiert, so viel wert ist wie der Wunsch der Menschen, in einer normalen Welt zu leben und nicht in jenem armseligen und monströsen Leprosorium, das Wladimir Putin mit Unterstützung eines großen Teils der chauvinistisch gesinnten Bevölkerung in der Russischen Föderation errichtet hat.


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Titel des Originals: Триумф Майи Санду | Виталий Портников. 01.01.2026.]
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.01.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Budschak. Unser Europa. Vitaly Portnikov. 30.12.2025.

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Odesa, das Putin nun fast täglich terrorisiert – begleitet von Gerede über eine „russische Stadt“. Unterbrochene Straßen zwischen den beiden Teilen der Oblast Odesa. Der Versuch, die Häfen zu zerstören. In den letzten Wochen des Jahres 2025 hat all das, so würde ich sagen, eine fast rasende Intensität erreicht. Und es stellt sich die Frage: Warum gerade jetzt?

Die Russen haben Bessarabien – diese logistisch komplizierte, kulturell vielfältige Grenzregion – nie als gewöhnliches Territorium betrachtet. Und nicht nur wegen ihres multinationalen Charakters oder der Nähe zum besetzten Transnistrien. Sondern vor allem, weil man hier, am südwestlichen Rand der ukrainischen Grenze, alles miteinander verbinden kann: militärische Logistik, historische Phantome und politische Diversion. Denn Russlands Krieg ist nicht nur ein Krieg der Waffen, sondern auch ein Krieg der Erinnerung, der Symbole und der Ängste.

Das erste und naheliegende Motiv ist ein logistisches. Der Kreml versteht sehr gut, dass die Ukraine auch deshalb standgehalten hat, weil sie ihre südlichen Verkehrs- und Versorgungswege aufrechterhalten konnte. Die ukrainischen Häfen, die Eisenbahn, die Fernstraßen im Südwesten – all das sind lebenswichtige Arterien. Bessarabien ist vor allem ein Verkehrsknotenpunkt, und seine Zerstörung würde tausend Probleme bei Exporten, Versorgung und militärischen Möglichkeiten verursachen. Der russische Plan muss dabei nicht zwingend auf einen groß angelegten Durchbruch hinauslaufen – dafür fehlen ohnehin die Kräfte –, doch Destabilisierung, Blockade, Angst, Verminung, Schläge gegen Verkehrswege sind bereits eine Herausforderung. Es ist dieselbe Strategie wie bei den Angriffen auf die Region Odesa: nicht erobern, sondern zerstören.

Aber nicht weniger wichtig ist die „zweite Front“, eine bedingte und psychologische: Transnistrien. Russland hat diese Enklave jahrelang wie eine Mine gehalten, deren Explosion zum passenden Zeitpunkt erfolgen kann. Im Kreml könnte man auch jetzt daran denken – zumindest als eine Art Genugtuung für das Scheitern des Plans, im Jahr 2022 bis an die Grenze zu Transnistrien vorzustoßen. Eine Eskalation rund um Transnistrien ist nicht nur eine militärische, sondern auch eine diplomatische Provokation: Man will Moldau hineinziehen und danach auch Rumänien. Ein Bild der Instabilität erzeugen, den Westen ablenken, Chișinău zu Fehlern zwingen und Bukarest nach Auswegen suchen lassen. Vergessen wir nicht, dass prorussische Kräfte in Moldau bereits versuchen, die Situation auszunutzen: Wieder erklingen „territoriale Ansprüche“ auf den Budschak, wieder tauchen Figuren aus den 1990er Jahren auf, die schon damals von einem Bündnis mit Moskau träumten. Eine typische Taktik des Kremls, die sich noch verstärkt hat, seit der vorsichtigere Dmitri Kosak als Kurator Moldaus durch den aggressiven Sergej Kirijenko ersetzt wurde.

Und Rumänien ist in dieser Situation keineswegs nur ein externer Beobachter. Die Ultrarechten üben trotz ihrer Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen weiterhin Druck auf die schwache demokratische Koalition aus. Der Budschak ist ein Gebiet, das historisch mit einem umstrittenen rumänischen Erbe verbunden ist. Der Kreml versteht sehr gut, dass jede Zuspitzung in der Region revanchistische Stimmen in Bukarest aktivieren kann. Und wenn die Ukraine gezwungen ist, sich auf die Front und das eigene Überleben zu konzentrieren, während Moldau um seine europäische Zukunft und die Stabilität seines Kurses kämpft, dann ist Destabilisierung von innen – mit Hilfe ehemals marginaler, heute aber schon mainstreamtauglicher ultrarechter Politiker – für Moskau das bequemste Instrument.

Genau deshalb ist der Budschak für uns nicht einfach nur ein Stück Territorium. Er ist eine zivilisatorische Grenze, an der die Ukraine auf ernste Herausforderungen trifft: auf die Vergangenheit der Region, ihre Multinationalität und unsere Verantwortung für Stabilität. Und diese Stabilität muss bewahrt werden – ebenso wie das Funktionieren der Region selbst, die Russland von der Ukraine loszureißen versucht.

Neben der Logistik ist dies auch ein Test der Staatlichkeit. Die Ukraine muss die Region nicht nur halten – sie muss sie entwickeln. Und sie muss die Menschen im Budschak, in Bessarabien, davon überzeugen, wie wichtig ihre Rolle für das heutige Überleben des Staates ist.

Die Ukraine muss dabei auf mehreren Ebenen gleichzeitig handeln. Erstens: Infrastruktur und institutionelle Präsenz. Nicht deklarativ, sondern physisch – Straßen, Krankenhäuser, Schulen, lokale Selbstverwaltung. Dort, wo der Staat verschwindet, wächst der feindliche Einfluss.

Zweitens: eine durchdachte Politik der Erinnerung und Identität. Die gagausische oder bulgarische Identität muss Teil der ukrainischen Identität werden und nicht bloß eine regionale Besonderheit bleiben. Und jeder Bewohner des Budschak muss sich als Teil eines Landes fühlen, das um sein Überleben und seine Entwicklung kämpft.

Drittens: internationale Diplomatie. Die Nachbarn. Wir müssen die Zukunft der Region und der angrenzenden Gebiete Moldaus und Rumäniens gemeinsam mit Chișinău und Bukarest denken. Denn der Budschak, denn Bessarabien – das ist Europa, nicht „post­sowjetischer Raum“. Unser Europa.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Буджак. Наша Європа. Віталій Портников. 30.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Sandu hat Putin zerschmettert | Vitaly Portnikov. 29.09.2025.

Die Parlamentswahlen in der Republik Moldau endeten mit einem beeindruckenden Sieg der proeuropäischen Kräfte. Die Partei „Aktion und Solidarität“, die sich an der amtierenden Staatspräsidentin Maia Sandu orientiert, verfügt über eine stabile Mehrheit im neuen Parlament des Landes und kann eine Regierung bilden. Und der sogenannte „Patriotische Block“, an dessen Spitze die moskautreuen ehemaligen Präsidenten Igor Dodon und Wladimir Woronin standen, muss sich mit der Rolle der Opposition zufriedengeben.

Damit die prorussischen Kräfte bei diesen Parlamentswahlen ein Comeback feiern konnten, konzentrierte der Kreml enorme Anstrengungen und materielle Ressourcen. Sogar der Verantwortliche für das sogenannte „moldauische Dossier“ in der Präsidialverwaltung Russlands wurde ausgetauscht. An die Stelle von Dmitri Kosak, der über viele Jahrzehnte hinweg versucht hatte, Moldau zu destabilisieren und die prorussischen, antimoldauischen Kräfte in ihrer Politik zu unterstützen, trat der ehrgeizige Sergej Kirijenko, Erster Stellvertreter des Leiters der Präsidialverwaltung Russlands, der für seine Fähigkeit bekannt ist, mit prorussischen Politikern auf einer Wellenlänge zu liegen und der bereits bei den Präsidentschaftswahlen in der selbsternannten „Republik Abchasien“ Erfolge für moskautreue Kandidaten erzielt hatte.

Doch selbst Kirijenko gelang es nicht, den Trend zu verändern, der mit dem Streben der Gesellschaft in der Republik Moldau verbunden ist, das eigene Land als Teil der europäischen Familie und nicht der „russischen Welt“ zu sehen. Auch der Krieg im benachbarten Ukraine spielte eine Rolle. Es war offensichtlich: Sollte es den prorussischen, antimoldauischen Kräften bei diesen Parlamentswahlen gelingen, zu gewinnen, würde Moskau alles tun, um sein Transnistrien-Projekt als Instrument zur Provokation und Destabilisierung im Süden der Ukraine wiederzubeleben – was für Moldau selbst natürlich nichts Gutes verheißen würde. 

Klar war auch, dass Russland daran interessiert war, den europäischen Integrationsprozess der Republik Moldau zu bremsen – insbesondere, weil dieses kleine Land gemeinsam mit der Ukraine Beitrittsverhandlungen mit der EU führt. Den europäischen Kurs Moldaus zu blockieren, bedeutete automatisch auch eine Verlangsamung der europäischen Bestrebungen der Ukraine.

Dass die proeuropäischen Kräfte in der Republik Moldau all diese Umstände ihren Wählern immer wieder in Erinnerung riefen, spielte eine entscheidende Rolle. Und natürlich spielte auch die Entschlossenheit der moldauischen Führung eine große Rolle beim Widerstand gegen die offenen und kaum verhüllten Versuche Moskaus, die Parlamentswahlen in einem anderen Staat unter seine Kontrolle zu bringen – unter anderem durch die Finanzierung moskautreuer politischer Kräfte. Häufig erfolgte diese Finanzierung buchstäblich in den Büros sogenannter politischer Parteien, die aufgrund von Entscheidungen der Zentralen Wahlkommission Moldaus und der Gerichte nicht an den Wahlen teilnehmen durften.

Dies umfasste auch die Vorbereitung auf eine Destabilisierung der Lage in Moldau. Übrigens besteht dieses Risiko weiterhin, da wir von Ex-Präsident und Führer der sogenannten Sozialisten, Igor Dodon, Aufrufe zu Protesten wegen angeblicher Wahlfälschungen hören.

Enthüllt wurde zudem das Netzwerk des flüchtigen Geschäftsmanns Ilan Schor, der sich in Moskau aufhält und dort eine antinationale politische Initiative nach der anderen ausheckt – Projekte, die offensichtlich weniger aus seiner eigenen Feder stammen, sondern vielmehr von seinen Betreuern in den entsprechenden russischen Institutionen diktiert werden, die seit den ersten Tagen nach der Proklamation der Souveränität und Unabhängigkeit der Republik Moldau an einer Destabilisierung des Landes interessiert sind.

Natürlich wäre die Mehrheit der präsidialen Partei im Parlament nicht möglich gewesen ohne die tatkräftige Unterstützung jener Bürger der Republik Moldau, die im Ausland leben und nicht wollen, dass ihr Land erneut zu einer „besonderen Beziehung“ zu Moskau zurückkehrt. Diesen Menschen kann man danken, dass sie ihre Heimat und ihre staatsbürgerlichen Pflichten nicht vergessen haben, selbst wenn sie in anderen Ländern leben. 

Man kann jedoch auch feststellen, dass die Partei von Maia Sandu selbst ohne die Unterstützung der Diaspora die stärkste Partei nach Stimmenzahl gewesen wäre. Selbst ohne die Stimmen der Auslandswähler hätten Kommunisten und Sozialisten, vereint im pseudopatriotischen Block, keine Möglichkeit gehabt, eine neue Regierung zu bilden. 

Vielleicht hätte die Partei „Aktion und Solidarität“ in diesem Fall über eine Koalition mit anderen politischen Kräften nachdenken müssen, die ins neue Parlament eingezogen sind. Dies wäre nicht einfach gewesen, doch potenzielle Koalitionspartner für „Aktion und Solidarität“ hätten sich im neuen moldauischen Parlament offensichtlich gefunden.

Ein weiteres wichtiges, wenn auch taktisches Ergebnis dieser Wahlen ist, dass soziale Netzwerke nach wie vor eine bedeutende Rolle bei der Beeinflussung der Wählerstimmung spielen. Moldau ist hier keine Ausnahme, sondern eher eine Bestätigung dieser allgemeinen Regel, die man bei kommenden Wahlkämpfen nicht vergessen sollte. Das wichtigste Ergebnis im Zusammenhang mit dem Einfluss sozialer Medien ist der Einzug der Partei „Demokratie zu Hause“ ins Parlament. Ihr Vorsitzender Vasilii Kostjuk erhielt offensichtliche Unterstützung von rumänischen Rechtsextremen, vor allem vom Präsidentschaftskandidaten George Simion, der es in die Stichwahl um das Amt des Präsidenten des Nachbarlandes schaffte, aber dem Bürgermeister von Bukarest, Nicușor Dan, unterlag.

Nicht nur Simion unterstützte Kostjuk, dessen Partei bei den vorherigen Parlamentswahlen weit unterhalb der Bedeutungslosigkeit lag, sondern auch Kostjuks Präsenz in den sozialen Medien – vor allem auf TikTok – verschaffte ihm eine völlig neue Popularität, die es seiner Partei ermöglichte, nun ganze sechs Sitze im neuen moldauischen Parlament zu gewinnen.

Offensichtlich ist auch, dass die moldauische Gesellschaft angesichts der Konfrontation zwischen proeuropäischen, patriotischen und prorussischen antimoldauischen politischen Kräften in einem Zustand tiefer gesellschaftlicher Spaltung ist – man kann entweder für Sandus Partei stimmen und ihr helfen, an der Macht zu bleiben, oder für die ehemaligen Kommunisten und Sozialisten, die bereits an der Macht waren.

Zentristische Kräfte stoßen beim Wähler – und auch bei externen Beobachtern – auf tiefes Misstrauen. Vermutlich hängt damit auch das relativ schlechte Abschneiden des Wahlblocks „Alternative“ unter der Führung des beliebten Chișinău-Bürgermeisters Ion Ceban zusammen, der in der moldauischen Hauptstadt zwar populär ist, aber nicht genug, um dort den ersten Platz bei der Wahl zu erringen. Auch hier unterlag Cebans Block der Partei von Maia Sandu.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass es Populisten wie der Partei von Renato Usatîi in dieser Situation leichter fällt, ins Parlament einzuziehen als politischen Kräften, die – wie „Aktion und Solidarität“ – ihre proeuropäischen Grundsätze deklarieren. Die Führer einiger dieser Parteien erklärten sogar, dass sie speziell ins Parlament einziehen wollten, um eine Koalition mit der Partei von Maia Sandu zu bilden, falls die Wähler aus persönlicher Antipathie gegenüber der amtierenden Präsidentin oder ihren Verbündeten nicht für ihre Partei stimmen wollten.

Doch die Wähler erkannten diese Logik nicht und beschlossen offenbar, dass jede Stimme für alternative proeuropäische Projekte in Wirklichkeit verwässert und damit den antieuropäischen Kräften zum Sieg verhelfen würde – jenen Kräften, die durch Igor Dodon und Wladimir Woronin symbolisiert werden, sowie durch jene Politiker, die bis kurz vor der Wahl von Ilan Schor unter der natürlichen Unterstützung Sergej Kirijenkos betreut wurden.

Es ist natürlich sehr wichtig, nicht nur die Wahlen zu gewinnen, sondern auch die Stabilität zu bewahren, denn wir wissen, mit welchen Feinden die Republik Moldau es zu tun hat. Die Destabilisierung des Landes bleibt Teil der politischen Pläne der russischen Führung. Umso mehr, wenn heute Sergej Kirijenko von seinem Chef Wladimir Putin eine Standpauke hören und die bittere Frage vernehmen wird: „Dafür, Serjoscha, habe ich dir Moldau von Kosak übergeben?“

Ich denke, dass der Erste Stellvertreter des Leiters der russischen Präsidialverwaltung gemeinsam mit Mitarbeitern des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB) und des Auslandsgeheimdienstes (SWR), zusammen mit russischen Propagandisten und russischen Agenten im moldauischen politischen Lager – wie Dodon, Woronin oder der ehemaligen Gagausien-Chefin Irina Vlah – neue postelektorale Destabilisierungsprojekte in Moldau vorbereiten werden, um damit auch die Lage in der Ukraine zu destabilisieren.

Diese Gefahr müssen die Politiker in Moldau, der Präsident der Republik Moldau und die neue moldauische Regierung selbstverständlich mit Unterstützung des vereinten Europas abwehren – eines Europas, in dem immer mehr verstanden wird, dass von der Stabilität der europäischen Entscheidung Moldaus auch die Stabilität der Ukraine und übrigens auch die Stabilität des benachbarten Rumänien abhängt.

Europäer lehnen die Kapitulation der Ukraine ab | Vitaly Portnikov. 28.08.2025.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz betonte, dass die Europäer zwar für einen schnellen Frieden in der Ukraine eintreten, jedoch nicht um jeden Preis – nicht zum Preis einer Kapitulation der Ukraine. Gerade für einen gerechten Frieden arbeiten sie mit den Vereinigten Staaten und anderen Verbündeten zusammen.

Diese Worte des deutschen Bundeskanzlers können in gewissem Maße als Antwort auf jene amerikanischen Beamten betrachtet werden, die in den letzten Wochen und Tagen von der Notwendigkeit ukrainischer Zugeständnisse an Russland sprechen und sogar die Möglichkeit zulassen, dass dieser Krieg in erster Linie zu russischen Bedingungen beendet wird. Bedingungen, die echte territoriale Zugeständnisse seitens der Ukraine vorsehen. Und zwar nicht nur in Bezug auf Gebiete, die heute bereits vom Aggressor kontrolliert werden, sondern auch auf jene Territorien, die derzeit unter dem Schutz der ukrainischen Verteidigungskräfte stehen, die aber nach Putins Ansicht kampflos an die russischen Besatzer übergeben werden sollen.

Wichtig ist auch der Kontext dieser Erklärung. Friedrich Merz sprach sie im Beisein von drei weiteren Staats- und Regierungschefs aus: des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk und der moldauischen Präsidentin Maia Sandu. Man kann daher davon ausgehen, dass es sich hierbei um eine gemeinsame Sichtweise europäischer Führer handelt. Denn Merz, Macron und Tusk reisten am Unabhängigkeitstag der Republik Moldau nach Chișinău, um die Bürger dieses Landes in ihrem Wunsch nach einem Beitritt zur Europäischen Union zu unterstützen.

Dieser Besuch findet unmittelbar vor den Parlamentswahlen in Moldau statt. Wie bekannt ist, konzentriert Russland derzeit erhebliche politische, wirtschaftliche und finanzielle Anstrengungen darauf, sich für die Niederlage des prorussischen Kandidaten bei den moldauischen Präsidentschaftswahlen zu rächen. Moldau ist eine parlamentarische Republik. Sollte es den prorussischen Kräften, hinter denen selbstverständlich der Kreml steht, bei den Wahlen zum höchsten Gesetzgebungsorgan des Nachbarlandes gelingen, zu siegen, könnte dies auch im russisch-ukrainischen Krieg zu ernsthaften Problemen führen.

Denn Russland versucht, wie bekannt, die Ukraine mit feindlichen Ländern einzukreisen, die in der Lage wären, sowohl die Hilfe für unser Land als auch die europäische und euroatlantische Integration der Ukraine zu blockieren. Wir sehen das am Beispiel der politischen Positionen der Ministerpräsidenten Ungarns und der Slowakei, Viktor Orbán und Robert Fico. Die Entstehung eines alternativen Machtzentrums in Chișinău, das die Befugnisse von Präsidentin Maia Sandu beschneiden und versuchen würde, die Hilfe für die Ukraine über moldauisches Territorium zu blockieren, wäre für Moskau ein echtes politisches Geschenk.

Gerade deshalb sind Donald Tusk, Emmanuel Macron und Friedrich Merz mit diesem gemeinsamen Besuch nach Chișinău gekommen. Viele können ihn als Unterstützung der proeuropäischen Kräfte in Moldau ansehen – in ihrem Bemühen, nach den Parlamentswahlen die Hebel der Macht zu behalten und Moskau keine Möglichkeit zur politischen Rache zu geben. Aus dieser Perspektive ist auch klar, dass ein gerechtes Ende des russisch-ukrainischen Krieges eine Frage der Souveränität und Unabhängigkeit Moldaus ist.

Wir erinnern uns, dass schon im ersten Monat dieses Krieges ein dreister russischer General betonte, Ziel der Streitkräfte der Russischen Föderation sei es, die Grenzen der Ukraine bis zur selbsternannten Transnistrischen Moldauischen Republik zu erreichen. Dort befindet sich noch immer die russische Armee, und an der Macht sind Agenten des russischen Einflusses mit Moskauer Pässen.

Wir verstehen sehr gut, warum die russische Armee die Grenze der Oblast Odessa zu Transnistrien erreichen wollte. Nicht nur, um den Süden der Ukraine unter Kontrolle zu bringen und unserem Land den Zugang zum Meer zu nehmen – ein Traum, den man im Kreml nach wie vor hegt –, sondern auch, um den Krieg auf das Territorium der Republik Moldau zu tragen. Damit sollte das russische Kontingent in Transnistrien massiv verstärkt werden, das dank der gemeinsamen Haltung der Ukraine und Moldaus derzeit nicht erneuert wird, und außerdem die freie Hälfte des moldauischen Territoriums unter Kontrolle gebracht werden. Das hätte die Möglichkeit eröffnet, die Staatlichkeit nicht nur der Ukraine, sondern auch der Republik Moldau zu zerstören.

Solche Absichten gibt es im Kreml schon seit den 1990er-Jahren. Fast unmittelbar nach dem Sieg der russischen Demokraten im August 1991 unterstützte die neue demokratische Führung Russlands nicht die Regierung der Republik Moldau unter ihrem damaligen Präsidenten Mircea Ion Snegur – einem der wenigen postsowjetischen Führer, die Jelzin in seinem Kampf gegen die Putschisten unterstützten –, sondern die separatistische, pro-kremlische, antidemokratische und korrupte Macht in dem sogenannten Transnistrien unter Igor Smirnov, einem Agenten der sowjetischen und später der russischen Geheimdienste.

Dass Jelzin im Konflikt in Moldau die Verwaltung Smirnovs und nicht diejenige Snegurs unterstützte, hätte für die Führer aller anderen ehemaligen Sowjetrepubliken ein ernstes Signal sein müssen: Sie hätten erkennen sollen, welche wirkliche Haltung die russische politische Führung gegenüber ihrer Staatlichkeit einnimmt. Leider geschah dies nicht.

So erlebten wir schließlich die Machtübernahme durch Putin, der bereit war, Kampfhandlungen bereits auf das Territorium der Ukraine zu verlagern und – im Gegensatz zu Jelzin – in einem viel größeren Maßstab zu handeln, in der Hoffnung, die Unabhängigkeit aller jener ehemaligen Sowjetrepubliken zu vernichten, die der Kreml erreichen kann.

Und in dieser Situation kann die Anwesenheit des französischen Präsidenten, des deutschen Bundeskanzlers und des polnischen Ministerpräsidenten am Unabhängigkeitstag in der Hauptstadt des Nachbarlandes bedeuten, dass Europa diese Herausforderung Russlands annimmt. Zumindest, wenn es um die europäischen Länder des postsowjetischen Raumes geht, ist Europa bereit, für ihre Integration in die EU und ihre Zugehörigkeit zur zivilisierten Welt zu kämpfen – und nicht zu einer Welt, die von kriminellem Moskauer Einfluss beherrscht wird, der die Völker ihres Existenzrechts und die Länder ihres Rechts auf Souveränität und Unabhängigkeit berauben will.

Aus all dem folgt selbstverständlich, dass der russisch-ukrainische Krieg auf keinen Fall mit einer Kapitulation der Ukraine enden darf, sondern für die Russische Föderation selbst beschämend enden muss. Denn wenn die Bürger Russlands nicht alle schändlichen Folgen des Angriffs ihres Landes auf die Ukraine in den Jahren 2014 und später 2022 erkennen, kann ich Ihnen absolut garantieren, dass die Kriege im postsowjetischen Raum und in Mitteleuropa nicht aufhören, sondern mit neuer Kraft weitergehen und das politische Bild des europäischen Kontinents im 21. Jahrhundert prägen werden.

Darum müssen wir diese These vom gerechten Frieden ohne Kapitulation gegenüber einem der kriminellsten Regime des 21. Jahrhunderts – dem Putin-Regime – aufrechterhalten.

Trump hat Orbans Widerstand gebrochen | Vitaly Portnikov. 27.08.2025

Die Zeitung Politico berichtet, dass Donald Trump Viktor Orbán überzeugen konnte, den weiteren Boykott des Verhandlungsprozesses mit der Ukraine über einen Beitritt zur Europäischen Union aufzugeben. Wie bekannt ist, blockiert derzeit gerade das ungarische Veto den Beginn eines solchen Prozesses.

Die Europäische Union befand sich dadurch in einer sehr schwierigen Lage. Das betrifft nicht nur die Ukraine, sondern auch die Republik Moldau. Wie bekannt ist, gehen beide Länder gemeinsam in den Verhandlungsprozess. Wenn man jetzt keine Beitrittsgespräche mit der Ukraine und Moldau aufnimmt, könnte dies die Chancen der Partei der moldauischen Präsidentin Maia Sandu bei den kommenden Parlamentswahlen in ihrem Land beeinträchtigen. 

Wenn man jedoch die Verhandlungen ohne die Ukraine beginnt und damit Kyiv und Chișinău im Integrationsprozess auseinanderreißt, bedeutet das, anzuerkennen, dass die Ukraine gegenüber der Republik Moldau erheblich zurückliegt und unter die sogenannten wenig aussichtsreichen EU-Beitrittskandidaten fällt. Und das, obwohl in Brüssel noch vor Kurzem sogar über einen sogenannten beschleunigten Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union diskutiert wurde.

Viktor Orbán blockierte den Beginn der Verhandlungen vor allem aus politischen Gründen. Man muss verstehen: Verhandlungen bedeuten noch lange nicht die Mitgliedschaft, sondern sind ein sehr langwieriger Konsultationsprozess darüber, wie die Ukraine und die Europäische Union ihre Gesetzgebung harmonisieren und wie die Interessen der EU und der Ukraine auf den Zeitpunkt abgestimmt werden, an dem die Ukraine Mitglied wird. Für viele europäische Staaten, die der Union in den letzten Jahrzehnten beigetreten sind, nahm dieser Prozess eine lange Zeit in Anspruch – insbesondere, wenn es um nationale wirtschaftliche Interessen und Befürchtungen ging, der EU-Beitritt könne ganze Wirtschaftssektoren gefährden.

So war es zum Beispiel bei Polen, das über lange Zeit die Interessen seiner eigenen Landwirte verteidigte, was den EU-Beitritt erheblich verzögerte – am Ende jedoch tatsächlich ermöglichte, dass die polnische Landwirtschaft wettbewerbsfähig blieb.

Übrigens liegt gerade in dieser Wettbewerbsfähigkeit der polnischen Landwirtschaft – durch die Unterstützung der EU – das Geheimnis, warum polnische Bauern so verärgert reagieren, wenn ukrainische Konkurrenten auf dem europäischen Markt auftreten. Seit Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine konnten sie dort nämlich faktisch wie gleichberechtigte Vertreter eines EU-Landes handeln – obwohl die Ukraine bisher noch gar nicht Mitglied ist.

Daher kann man nicht behaupten, dass der Verzicht Viktor Orbáns auf sein Veto gegen Beitrittsgespräche automatisch die Aufnahme der Ukraine in die Europäische Union bedeutet. Das weiß auch Orbán ganz genau. Der Kern seines Vetos liegt vielmehr in seinen innenpolitischen Interessen. Orbán baut den Wahlkampf seiner Partei – die nach vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, erstmals Gefahr läuft, die Parlamentsmehrheit zu verlieren – auf anti-ukrainischer Rhetorik auf. Er erinnert die Wähler daran, dass er ein „Friedenspremier“ sei, während seine Gegner Ungarn in den Krieg führen könnten.

In diesem Kontext passen auch seine Worte, dass die Aufnahme der Ukraine in die EU einen Krieg europäischer Länder – einschließlich Ungarns – mit der Russischen Föderation bedeuten würde, perfekt ins Wahlkampfnarrativ. Obwohl man in Moskau offiziell, wie wir wissen, die europäische Integration der Ukraine nie als Bedrohung der nationalen Sicherheit Russlands darstellte. An erster Stelle steht für den Kreml die NATO. Man sollte sich erinnern: Auch das Assoziierungsabkommen der Ukraine mit der EU im Jahr 2013 rief in Moskau Verärgerung hervor, jedoch ohne militärische Drohungen. Diese entstanden erst nach dem Sturz des Marionettenregimes von Wiktor Janukowytsch.

Die Europäische Union hat jedoch, wie wir sehen, jetzt nicht die Möglichkeit, darauf zu warten, bis Orbán seine Wahlkampagne beendet. Und wie gesagt betrifft dies nicht nur die Ukraine, sondern auch die Republik Moldau – und den Wunsch, die beiden Länder im Integrationsprozess nicht auseinanderzureißen.

Es bleibt nur die Frage: Was ist für Viktor Orbán im Moment wichtiger – ein Wahlkampf mit anti-ukrainischem Beigeschmack oder eine Verschlechterung seiner Beziehungen zu Donald Trump? Denn der amerikanische Präsident betrachtet die europäische Integration der Ukraine als Teil seiner Bemühungen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden – gewissermaßen als Teil eines Systems von „Sicherheitsgarantien“, bei dem jedoch niemand tatsächlich etwas garantiert. 

Wir verstehen ja sehr gut: Ein EU-Beitritt der Ukraine, wenn er nicht mit einer euro-atlantischen Integration des Landes und verlässlichen militärischen Sicherheitsgarantien – vor allem seitens der Vereinigten Staaten und anderer Nuklearstaaten – verbunden ist, bietet keineswegs die Gewissheit, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht erneut ausbricht.

Und hier könnte Orbán übrigens recht haben: Denn es wäre der erste große Krieg Russlands auf dem Gebiet eines EU-Mitgliedsstaates – und die übrigen EU-Mitglieder könnten dann nur hilflos die Hände heben und daran erinnern, dass sie ihrem Partner zwar gern helfen würden, die Ukraine aber nun einmal nicht in der NATO ist. Und die EU hat leider keine vergleichbaren Sicherheitsverpflichtungen.

Es ist also klar: Damit der russisch-ukrainische Krieg wirklich beendet wird und nicht die Gefahr besteht, dass erneut Kämpfe ausbrechen – womöglich sogar auf dem Gebiet der Europäischen Union, falls die Ukraine ihr beitritt – braucht es eine umfassende Lösung und vor allem echten Druck auf Russland, nicht bloß verbale Drohungen, die man im Kreml ohnehin völlig ignoriert.

Aber Worte der Drohung können tatsächlich jemanden beeinflussen – nämlich Viktor Orbán, insbesondere wenn sie vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgesprochen werden. Daher dürfen wir hoffen, dass der ungarische Premierminister tatsächlich in den kommenden Wochen auf sein Veto gegen den Beginn von Beitrittsgesprächen der Ukraine und Moldau mit der Europäischen Union verzichtet. Dann könnte dieser Prozess reale Formen annehmen und beiden Ländern in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten eine echte Perspektive auf die Zugehörigkeit zu Europa eröffnen.

Das Ende der großen „Freundschaft“ (Druschba) | Vitaly Portnikov. 25.08.2025.

Nach dem ukrainischen Angriff auf die Infrastruktur der Pipeline Druschba („Freundschaft“), über die weiterhin russisches Erdöl nach Ungarn und in die Slowakei geliefert wird, treten die Regierungschefs dieser beiden Länder weiterhin mit scharfen Anschuldigungen gegen die Ukraine auf und drohen der ukrainischen Führung sogar mit Konsequenzen, falls die Infrastruktur der „Freundschaft“ nicht mehr in der Lage sei, die Energieprobleme Budapests und Bratislavas zu lösen.

Wie Ungarn die Ukraine erpressen kann, wissen wir gut aus den Ereignissen der letzten Monate. Der Ministerpräsident des Landes, Viktor Orbán, erklärte, dass sein Land nicht mit der Aufnahme von Verhandlungen zwischen der Ukraine und der Europäischen Union über einen Beitritt einverstanden sei.

Ein Veto Orbáns, sollte es im September erneut ausgesprochen werden, kann weitreichende Folgen haben. Dazu gehört die Verlangsamung der europäischen Integration nicht nur der Ukraine, sondern auch Moldau. Das wiederum könnte zum Erfolg prorussischer Parteien bei den Parlamentswahlen in Moldau führen und eine Trennung zwischen der Ukraine und Moldau im Beitrittsprozess zur EU herbeiführen. Damit würde die Ukraine auf lange Zeit in die Kategorie wenig aussichtsreicher Kandidaten für einen Beitritt zurückgestuft. Zugleich würde das die fehlende wirkliche Einheit der EU-Staaten in grundlegenden Fragen ihrer Entwicklung demonstrieren.

Doch Viktor Orbán und sein Außenminister Péter Szijjártó machen daraus kein Geheimnis. Sie betonen, dass die Aufnahme der Ukraine in die EU Europa in einen Konflikt mit der Russischen Föderation führen könne. Deshalb solle die Ukraine ein sogenannter Pufferstaat bleiben, der keinem westlichen Bündnis beitrete – weder der EU noch der NATO.

Dass Orbán und Szijjártó damit der Ukraine letztlich den direkten Weg in die Eurasische Wirtschaftsunion Wladimir Putins ebnen – wenn nicht heute, dann morgen –, scheint die ungarischen Politiker kaum zu kümmern. Die Slowakei blockiert bisher zwar die Beitrittsgespräche der Ukraine mit der EU nicht, doch ihr Außenminister Juraj Blanár erklärte bereits seinem ukrainischen Kollegen Andrij Sybiha, dass die Lage um die Pipeline Druschba auch die Energieexporte der Slowakei in die Ukraine beeinträchtigen könne.

Man könnte meinen, die Regierungen in Budapest und Bratislava verteidigten lediglich ihre nationalen Interessen, indem sie versuchen, ihre Verbraucher mit Öl zu versorgen. Doch in Wahrheit ist die Übergangsfrist, die den EU-Staaten für den Ausstieg aus russischen Energieträgern eingeräumt wurde, längst abgelaufen. Die EU hat Ungarn und der Slowakei immer wieder Ausnahmen gewährt, damit diese Staaten den Übergang fortsetzen und schließlich ganz auf russisches Öl verzichten können.

Aber weder Viktor Orbán noch sein slowakischer Amtskollege Robert Fico scheinen überhaupt die Absicht zu haben, dies zu tun. Statt die Energiebeziehungen mit Russland abzubrechen, verlangen sie von Europa, die Verhandlungen mit der Ukraine über deren mögliche EU-Mitgliedschaft abzubrechen.

Es bedarf keiner weiteren Erklärung, dass eine solche Politik vollkommen den politischen Bestrebungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin entspricht. Er ist seit vielen Jahren der Ansicht, dass die ehemaligen Sowjetrepubliken – und natürlich auch die Ukraine – im sogenannten „Kühlschrank“ verbleiben sollen: keinem Bündnis beitreten, um Russland die Möglichkeit zu erleichtern, ihre Staatlichkeit in naher Zukunft zu demontieren.

Und wenn eine solche Darstellung der russischen Absichten früher wie eine Utopie erschien, so zweifelt während des russisch-ukrainischen Krieges heute wohl niemand mehr daran, dass Putins Hauptziel die Zerstörung des ukrainischen Staates ist.

Viele russische Politiker und Propagandisten haben dies in den letzten Jahren wiederholt ganz offen erklärt. Erinnern wir uns nur an die Thesen des ehemaligen Präsidenten Russlands und heutigen stellvertretenden Vorsitzenden des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew. Und er ist keineswegs der Einzige mit der Vorstellung, dass der Krieg zwischen Russland und der Ukraine erst dann enden werde, wenn das ukrainische Parlament den eigenen Staat abschafft.

Doch dann stellt sich die Frage: Worin liegt das eigentliche Interesse von Viktor Orbán oder Robert Fico? Wollen sie wirklich, dass die Russische Föderation an ihren Grenzen erscheint?

Vielleicht glauben sie selbst nicht daran und gehen davon aus, dass eine Puffer-Ukraine mit einer Marionettenregierung, aber formalem „Souveränitätsschein“ in Europa dieselbe Rolle spielen könne wie das Belarus unter Lukaschenko. Und dass Ungarn und die Slowakei, mit ihren warmen Beziehungen zu Moskau, dann keine Angriffe auf ihre eigene Souveränität fürchten müssten.

Das ist natürlich ebenfalls eine Utopie – aber wer will populistische Politiker eines Besseren belehren, für die die Machterhaltung im Heute das Wichtigste ist? Was morgen sein wird, weiß ohnehin niemand.

Wir verstehen natürlich, wer Orbán und Fico noch umstimmen könnte: der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump. Noch vor kurzem empörte er sich darüber, dass Indien den russisch-ukrainischen Krieg finanziere, und begründete damit neue Zölle, die er gegen Indien verhängte.

Doch auch Ungarn und die Slowakei finanzieren mit ihren Käufen russischen Öls den russisch-ukrainischen Krieg. Und Donald Trump müsste dies unmissverständlich sowohl dem ungarischen als auch dem slowakischen Premierminister sagen – und von ihnen nicht nur verlangen, die Blockade der EU-Beitrittsgespräche mit der Ukraine und Moldawien aufzugeben, sondern auch, auf russisches Öl zu verzichten.

Paradoxerweise tut Donald Trump dies bislang nicht. Im Gegenteil: Auf einen Brief, den der ungarische Premier im Zusammenhang mit den Problemen der Pipeline Druschba an ihn richtete, schrieb er, er sei darüber sehr verärgert, und bat, seine Botschaft auch nach Bratislava weiterzuleiten.

Es ist klar, dass die Regierungschefs Ungarns und der Slowakei, ermutigt durch eine solche Reaktion des US-Präsidenten, ihre Linie weiterverfolgen und die Ukraine erpressen.

Dabei bleibt nur zu hoffen, dass die EU Einfluss auf Budapest und Bratislava nehmen kann – und zugleich Donald Trump überzeugt, dass die Lieferungen russischen Öls nicht den nationalen und energiepolitischen Interessen der Vereinigten Staaten entsprechen. Dann könnte die Frage der Lieferungen über die „Druschba“ vielleicht bald nur noch ein Faktum der europäischen Energiegeschichte sein – und nicht mehr ihrer Gegenwart.

Transnistrien und der Einkreisungsplan der Ukraine | Vitaly Portnikov. 04.06.2025.

Moldau spielt weiterhin eine wichtige Rolle in den Kremlplänen zur Einkreisung der Ukraine durch unfreundliche Staaten. Der Premierminister des Landes, Dorin Recean, sagt, dass der Kreml plane, einen zehntausend Mann starken Militärkontingent in die selbsternannte Republik Transnistrien einzuführen, der eine wichtige Rolle bei der weiteren Destabilisierung der Lage in der Region spielen könnte.

In den letzten Jahren hatte Moskau keine Möglichkeit, die Zusammensetzung und die technische Ausstattung der russischen Truppen, die sich in Transnistrien befinden, zu ändern. Solche Initiativen wurden sowohl von Kyiv als auch von Chisinau entschieden blockiert.

Die Ukraine hat bekanntlich den russischen militärischen Transit durch ihr Hoheitsgebiet schon vor langer Zeit eingestellt, und nach Beginn des großen Krieges zwischen den beiden Staaten ist an einen solchen Transit überhaupt nicht mehr zu denken. Aber auch die Republik Moldau hat den militärischen Transit für Transnistrien über den internationalen Flughafen in Chisinau eingestellt.

Um einen solchen Transit wiederaufzunehmen, um den Luftraum von Moldau zu nutzen, ist ein Machtwechsel in diesem Land notwendig. Deshalb hat Russland so viel Mühe darauf verwendet, seinen Kandidaten für das Präsidentenamt der Republik Moldau zu installieren. Deshalb betrachtet der Kreml die kommenden Parlamentswahlen in diesem Land als Chance für einen Revanche, und deshalb ist der neue Kurator für die moldauische Richtung in der Präsidialverwaltung Russlands der Erste Stellvertretende Leiter der Verwaltung, Sergej Kirijenko, geworden, der ein unvergleichliches politisches Gewicht besitzt, verglichen mit dem Gewicht des vorherigen Kurators der moldauischen Richtung, des stellvertretenden Leiters der Verwaltung Dmitri Kozak.

Moldau ist nur ein Teil des großen Kremlplans. Russland gibt enorme finanzielle und Informationsmittel für die Unterstützung sowohl prorussischer als auch rechtsextremer und linksextremer politischer Bewegungen in den Staaten aus, die die Ukraine umgeben. Die Erfolge in dieser Richtung liegen auf der Hand. 

Der rechtsextreme Kandidat George Simion wurde in den Kremlphantasien nach dem ersten Wahlgang zum Präsidenten Rumäniens gewählt, nachdem er 45 % der Wählerstimmen erhalten hatte. Glücklicherweise gelang es Simion nicht, tatsächlich Präsident zu werden und die Anzahl der Rumänen zu erhöhen, die bereit waren, im zweiten Wahlgang für ihn zu stimmen. Aber allein die Tatsache, dass so viele Wähler in Rumänien für einen rechtsextremen Kandidaten gestimmt haben, destabilisiert nicht nur die Lage in diesem Land, sondern natürlich auch im benachbarten Moldau.

In Polen konnte der neue Präsident des Landes, der tatsächliche und nicht nur in den Phantasien des Kremls, Karol Nawrocki, die Wahlen nur dank des Wählerpotenzials rechtsextremer Kandidaten gewinnen, die sich gegen die Unterstützung der Ukraine aussprechen und die schleichende Propagandakampagne der Russischen Föderation gegen das wichtigste Land an der Grenze zwischen Polen und Russland – die Ukraine – in vielerlei Hinsicht unterstützen.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist das Bestehen in zwei Ländern, die eine gemeinsame Grenze mit der Ukraine haben, von Regierungen, die bereit sind auf Moskau zu hören. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán und der slowakische Ministerpräsident Robert Fico erklären nicht nur, dass die russischen Forderungen berücksichtigt werden müssen, sondern treffen sich sogar mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und demonstrieren damit eine Position, die sich grundlegend von der Position der Staats- und Regierungschefs anderer Länder der Europäischen Union unterscheidet.

Daher ist jedes Land, das eine gemeinsame Grenze mit der Ukraine hat, für Russland in seinem Abnutzungskrieg gegen das Nachbarland wichtig. 

Moldau hat hier einen besonderen Wert, gerade weil auf dem Gebiet dieses Landes Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts mit Hilfe der zunächst sowjetischen und dann russischen politischen Führung eine Enklave geschaffen wurde, die die Interessen Moskaus in jeder politischen Situation gewährleisten soll.

Eine Enklave, deren Aufgabe es ist, sowohl die Republik Moldau als auch die Ukraine zu destabilisieren. Eine Enklave, die die europäische und euroatlantische Integration dieser beiden Länder verhindern und in Zukunft dazu beitragen soll, dass ihre Gebiete an die Russische Föderation angeschlossen und das russische Staatswesen in den Grenzen der Sowjetunion wiederhergestellt wird.

Das Problem verschärfte sich jedoch, nachdem die Ukraine und Moldau dieses finstere Ziel der russischen politischen Führung erkannt und Transnistrien faktisch marginalisiert hatten. Es ist jetzt schon klar, dass, wenn Russland keinen entscheidenden Sieg im Abnutzungskrieg gegen die Ukraine erringt, die Tage Transnistriens gezählt sind. Die selbsternannte Republik wird aufhören zu existieren und wird eine normale Region von Moldau werden, und die russischen Truppen, die sich auf fremdem Boden befinden, werden aus Moldau vertrieben werden, so wie sie aus anderen Ländern vertrieben wurden, in denen sie versuchten, ihre blutigen Wurzeln zu schlagen.

Die Beteiligung der russischen Führung, russischer Chauvinisten und russischer Geheimdienste an den Parlamentswahlen in der Republik Moldau soll genau diese Entwicklung verhindern. Und deshalb hat der Premierminister der Republik Moldau völlig Recht, wenn er von den hinterhältigen Plänen des Kremls in Bezug auf Transnistrien spricht, die Gelegenheit eines Machtwechsels in Moldau zu nutzen und eine Marionettenregierung des Landes, die durch die neuen Parlamentswahlen an die Macht kommen könnte, zu zwingen, die Wünsche Moskaus zu erfüllen.

Darüber können die russischen Kuratoren mit Vertretern der Sozialistischen Partei der Republik Moldau, der Kommunistischen Partei und anderer pseudo-moldauischer, eigentlich aber russischer politischer Vereinigungen auf moldauischem Boden sprechen. Und infolgedessen werden all diese Dodons, Woronins und der ganze politische Kleinoarteien an der Kreml-Leine einfach einen Krieg in ihr Land bringen, an dem sie sich bereichern wollen.

Wie wir wissen, ist auch daran nichts Neues. Die Marionetten Russlands in der Ukraine – Janukowytsch, Azarov, Medwedtschuk und andere ominöse Gestalten – haben tatsächlich einen Krieg in ihr eigenes Land gebracht, als es ihnen nicht gelang, die ukrainische Staatlichkeit zu demontieren und das Land endgültig auszuplündern, das ihnen immer fremd war und in ihrem Augen immer nur ein Anhängsel des Staates ihrer Herren und Kuratoren war.

Ob die moldauischen Wähler die Fehler der Ukrainer vor dem Hintergrund des andauernden russisch-ukrainischen Krieges nicht wiederholen werden, ist eine große Frage. Aber die Hoffnung auf Vernunft bleibt auch in einer ausweglosen politischen Situation bestehen, in der sich die europäischen Nachbarländer der Ukraine in diesen schwierigen Jahren befinden.

Trumpisten umzingeln die Ukraine | Vitaly Portnikov @noktamd. 08.05.2025.

Korrespondent. In diesem Teil der Sendung und im Allgemeinen sprechen wir heute über die Ergebnisse der Wahlen in Rumänien und was dies für die Republik Moldau und die Ukraine bedeutet, denn im ersten Wahlgang belegte ein Kandidat den ersten Platz, der sich sowohl gegen die Republik Moldau als auch gegen die Unterstützung der Ukraine ausspricht. Darüber sprechen wir mit Vitali Portnikow, Journalist und Publizist aus der Ukraine. Herr Portnikov, ich begrüße Sie. Ein weiteres Land der Europäischen Union hat einem Euroskeptiker, Isolationisten und in diesem Fall einem Menschen, der offen faschistischen Ansichten zuneigt, den Vorzug gegeben. Ist das ein gesamteuropäischer Trend oder eine Besonderheit Rumäniens? Wie beurteilen Sie das? 

Portnikov. Angesichts des wachsenden Einflusses einer Reihe rechtsextremer politischer Kräfte in allen Ländern Europas, von Portugal bis Rumänien und Bulgarien, denke ich, können wir von einem Trend sprechen. Es ist sicherlich kein rein rumänisches Phänomen. Ein Phänomen war die Figur von Călin Georgescu, als er sich von einem in Rumänien unbekannten Außenseiter des politischen Lebens in einen echten Gewinner des ersten Wahlgangs der später annullierten Präsidentenwahlen in Rumänien verwandelte. Und wir verstehen sehr gut, dass er seine Karriere vor allem über soziale Netzwerke gemacht hat. Aber bei George Simion passiert so etwas nicht. Das ist ein Mann, der in seiner politischen Karriere bekannt ist, der seit langem seine eigene Partei leitet, der, so könnte man sagen, einer der einflussreichsten Vertreter des rechtsextremen politischen Spektrums in Mittel- und Südeuropa war. Daher überrascht mich sein Erfolg nicht. Vielleicht ist er weniger charismatisch als Călin Georgescu, obwohl er bekannter ist. Aber in der gegenwärtigen Phase ist das nicht mehr das Wichtigste. Ich denke, viele Wähler haben ihm ihre Stimme aus Protest gegen die Annullierung des ersten Wahlgangs und dagegen abgegeben, dass Călin Georgescu nicht zu einer neuen Abstimmung zugelassen wurde.

Korrespondent. Wenn wir zum Thema übergehen, wie sich dies überhaupt auf die Republik Moldau und die Ukraine auswirken kann. Sowohl in der Ukraine als auch in der Republik Moldau wurde George Simion zur Persona non grata erklärt. Er darf weder die Ukraine noch die Republik Moldau besuchen. Welche Probleme könnte dies im Falle seines Sieges der Ukraine bereiten, die ohnehin schon genug Probleme hat, besonders jetzt, da wir die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten sehen, die sich zwar zu verbessern scheinen, aber dennoch. 

Portnikov. Ich möchte Sie daran erinnern, dass wir bereits solche Erfahrungen mit dem Präsidenten der Republik Moldau, Igor Dodon, gemacht haben. Igor Dodon anerkannte während seines Wahlkampfes faktisch den russischen Status der Krim, und keiner der Präsidenten der Ukraine, weder Petro Poroschenko noch Volodymyr Zelensky, hat sich mit ihm getroffen. Und er erhielt keine Einladung nach Kyiv. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in der Situation mit Rumänien dieselbe Politik verfolgen werden, wenn George Simion im zweiten Wahlgang gewinnt, und dass wir auf Regierungsebene und nicht auf Staatsoberhauptsebene Kontakt pflegen werden. Ja, das ist ein Problem, angesichts der wichtigen Rolle, die Rumänien bei der Unterstützung der Ukraine spielt, als logistischer Knotenpunkt, als Land, das viel zur Unterstützung der Ukraine in ihrem Widerstand gegen die russische Aggression getan hat. Aber höchstwahrscheinlich wird es so sein, und ich denke, der neue rumänische Präsident wird wahrscheinlich auch nicht bestrebt sein, die Ukraine oder Moldau zu besuchen, da seine politische Position kaum ernsthafte Veränderungen erfahren wird.

Korrespondent. Vor kurzem gab es die Nachricht, dass die USA das visafreie Regime aufheben, das sie Rumänien gewähren wollten. Und das geschah kurz vor dem ersten Wahlgang dieser Wahlen. Wie beurteilen Sie das? Bedeutet das einen Versuch der gegenwärtigen Regierung in Washington, den Euroskeptikern in Rumänien zu helfen, denn kein anderer als J.D. Vance, kritisierten die Entscheidung Rumäniens, die Wahlergebnisse des letzten Jahres zu annullieren. 

Portnikov. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Regierung der Vereinigten Staaten eine ziemlich große Sympathie für die Vertreter des rechtsextremen politischen Lagers in Rumänien hat, schon allein deshalb, weil diese Sympathien nie besonders verborgen wurden. Und schon allein deshalb, weil Bukarest immer für die Annullierung des ersten Wahlgangs der Präsidentenwahlen kritisiert wurde, und zwar öffentlich. Das war ein Beispiel dafür, wie es in Europa keine Demokratie gibt, man schloss die Augen davor, wie Călin Georgescu überhaupt zum Erfolg gelangte, wie legal das aus demokratischer Sicht war. Und so kann ich sagen, dass wir ohne jeden Zweifel davon sprechen können, dass die Rechtsextremen in Rumänien tatsächlich die Unterstützung der gegenwärtigen Regierung von Präsident Trump genießen, schon allein weil wir von den guten persönlichen Beziehungen von Călin Georgescu zum gegenwärtigen Gesundheitsminister der Vereinigten Staaten, Robert Kennedy, wissen, denn Robert Kennedy Jr. wollte Bukarest zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang der Präsidentenwahlen besuchen, jener Wahlen, die annulliert wurden. So kann alles hier durchaus logisch sein, und wir können über diese mögliche Aussetzung der Prüfung der Frage des Visaregimes als Element des politischen Drucks nachdenken. 

Korrespondent. Was die europäische Einheit betrifft, es gibt noch Chancen, dass Nicușor Dan, der Bürgermeister von Bukarest, diese Wahlen gewinnt, dennoch ist klar, dass George Simion der Hauptfavorit dieser Wahlen ist. Was bedeutet es für die europäische Einheit, wenn er gewinnt? Denn wir sehen diesen Trend, Ungarn, die Slowakei, Österreich vor kurzem, Deutschland, wo laut Umfragen die Alternative für Deutschland bereits bei 26 % liegt. Was ist also mit der europäischen Einheit? Sie sind alle Euroskeptiker. 

Portnikov. Es könnte eine Einheit von Konservativen und Liberalen sein, oder eine Einheit der Rechtsextremen. Es stellt sich die Frage ist, welche Einheit das sein wird. Und welche rechtsextremen Parteien die Machtstrukturen tatsächlich kontrollieren werden. Wiederum können wir nicht sicher sein, dass die Ergebnisse der Präsidentenwahlen in Rumänien auf die Parlamentswahlen extrapoliert werden können. Daher schließe ich durchaus nicht aus, dass es in Rumänien zu einer langwierigen politischen Krise kommen kann, zu einer Konfrontation zwischen Parlament und Präsident, aber keineswegs zu einer Macht der Rechtsextremen in ihrer reinen Form, das muss man auch verstehen.

Korrespondent. Aber dabei muss man sagen, dass George Simion, wenn man von europäischen Rechtsextremen spricht, näher an Giorgia Meloni steht als an der Alternative für Deutschland. Das hat meiner Meinung nach auch eine Bedeutung. 

Portnikov. Verstehen Sie, die Alternative für Deutschland steht unter den rechtsextremen Kräften ganz allein da, und sie ist in keiner der rechtsextremen Fraktionen vertreten. Nur Viktor Orbán hat sich kürzlich mit ihren Führern getroffen, aber in seiner Gruppe ist sie auch nicht im Europäischen Parlament vertreten. Es stimmt also, dass George Simion Giorgia Meloni näher steht. Und es stellt sich noch die Frage, wie seine Beziehungen zu Viktor Orbán und Robert Fico sein werden, d. h., wird es eine Art einheitliche Kette benachbarter Länder geben oder nicht. Das ist auch ein sehr wichtiger Punkt, welche Position sie einnehmen werden, angesichts der tatsächlich schwierigen Beziehungen Orbáns zu Meloni. Aber das werden wir erst verstehen können, nachdem George Simion Präsident Rumäniens geworden ist, vor allem nachdem wir verstanden haben, wie groß sein Handlungsspielraum sein wird. Der derzeitige Präsident Kroatiens ist ebenfalls, wie bekannt, ein ziemlich antiukrainisch eingestellter Mensch, aber die kroatische Regierung und das Parlament helfen unserem Land, so gut sie können. So ist hier wieder die Frage nach dem Handlungsspielraum und den Möglichkeiten.

Korrespondent. Ein weiterer Skandal, der sich gerade in Rumänien abspielt, ist der Besuch von George Simion am Wahltag in Wien, einer Drehscheibe für russische Spione und FSB-Offiziere. Sehen Sie in dem, was in Rumänien geschieht, eine Art russische Spur? Vielleicht ist es nicht ganz richtig, danach zu suchen, und wir sollten es nicht übertreiben, aber dennoch können wir es nicht ausschließen.

Portnikov. Ich würde nicht sagen, dass jemand, der nach Wien fährt, zwangsläufig mit russischen Spionen zu tun hat. Wie Sie verstehen, ist Wien die Hauptstadt eines der Länder der Europäischen Union, vor allem. Und das ist auch so eine Übertreibung, würde ich sagen, denn um darüber zu sprechen, müssen wir verstehen, mit wem sich der Kandidat für die Präsidentschaft Rumäniens in der österreichischen Hauptstadt getroffen hat, was die wirkliche Bedeutung dieser Reise war, nicht eine erfundene. Aber die Tatsache, dass Russland an der Krise in den Ländern Mittel- und Osteuropas, am Sieg der ultrarechten oder ultra-linken Politiker interessiert ist, ist kein Geheimnis.

Korrespondent. Ich spreche vom russischen Spur, erstens, weil es vor langer Zeit eine Geschichte gab, in der George Simion in Czernowitz, darüber sprechen viele Quellen, sich mit FSB-Agenten traf. Das war noch vor… 

Portnikov. Sie verstehen doch sehr gut, dass das alles reine Verschwörungstheorie ist. Denn um sich mit irgendwelchen Agenten zu treffen, muss man nicht demonstrativ nach Wien oder Czernowitz fliegen. Es ist leicht genug, ein solches Treffen irgendwo in Rumänien zu organisieren, so dass niemand etwas davon erfährt. Wenn mir also jemand sagt: „Er ist nach Wien gefahren, um sich mit Agenten zu treffen“, klingt das komisch, verstehen Sie? Es ist dann eine demonstrative Reise.

Korrespondent. Dazu noch am Wahltag. 

Portnikov. Ja, am Wahltag. Das klingt komisch. Denn wenn man ein vertrauliches Treffen organisieren will, organisiert man es nicht so, dass alle Medien darüber berichten.

Russland droht Moldau | Vitaly Portnikov. 27.03.2025.

Die in Kischinau am Flughafen bei dem Versuch, Moldau zu verlassen, festgenommene und vom Kischinauer Gericht für 30 Tage verhaftete Leiterin der autonomen territorialen Einheit Gagausien

Jewgenia Guzul wandte sich mit Appellen um Unterstützung an den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. In der Ansprache an Putin geht es jedoch in erster Linie um die persönliche Unterstützung der Başkan von Gagausien,

während sich Guzul, die während ihrer Amtszeit als Leiterin der Autonomie praktisch nichts für die Entwicklung der gagauzischen Identität und Kultur getan hat, an Erdoğan mit der Bitte wendet, gerade die Gagauzen zu unterstützen. Das Außenministerium der Russischen Föderation hat die moldauischen Behörden bereits beschuldigt, versucht zu haben,

gegen politische Gegner vorzugehen. Im Gegenzug betont das moldauische Außenministerium, dass Moskau mit solchen Erklärungen seine Bereitschaft zeigt, organisierte kriminelle Gruppen zu unterstützen. Und in dieser Anschuldigung Kischinaus liegt eine gewisse offensichtliche Logik. Seit vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, versucht Russland in seinem Bestreben, die Kontrolle über das politische und wirtschaftliche Leben der Republik Moldau zu behalten, in erster Linie ideologisch orientierte Parteien zu unterstützen, die am sowjetischen Erbe orientiert sind. 

Zunächst war es die Kommunistische Partei der Republik Moldau, der es gelang, bei den Parlamentswahlen im Land erfolgreich zu sein und über viele Jahre hinweg nicht nur den Posten des Staatspräsidenten, sondern auch die Regierung der Republik Moldau zu kontrollieren. Als dann die Popularität der Kommunisten und ihres ehemaligen Präsidenten Wladimir Woronin nachließ, setzte der Kreml auf die Sozialistische Partei der Republik Moldau, die von denselben Leuten aus der Kommunistischen Partei gegründet wurde. Auch diese Partei konnte einen recht großen Einfluss auf das politische Leben ausüben, und ihr Vorsitzender Igor Dodon gewann bekanntlich die Präsidentschaftswahlen.

Nachdem jedoch klar wurde, dass sich die Generation in Moldau verändert und immer weniger Menschen sich an die sowjetische Vergangenheit erinnern und bereit sind, für kommunistische oder postkommunistische Organisationen zu stimmen, setzte Moskau wie üblich auf das gewöhnliche Verbrecher, denn anders lässt sich die Partei Shor, die von einem flüchtigen Geschäftsmann gegründet wurde, der sich jetzt in Russland vor der Justiz versteckt, nicht bezeichnen. Genau diese Partei vertrat Jewgenia Guzul bei den Wahlen zur Başkan von Gagausien im Jahr 2023. Und genau diese Wahlen sind jetzt ein wichtiger Bestandteil der Ermittlungen gegen die Leiterin der Autonomie, die mit der illegalen Finanzierung des Wahlkampfs zusammenhängen. 

Das Nationale Antikorruptionszentrum der Republik Moldau hat Beweise dafür gefunden, dass auf die Konten von Jewgenia Guzul aus unbekannten Quellen riesige Summen überwiesen wurden, die tatsächlich im Wahlkampf verwendet wurden – die Handschrift von Ilan Shor. Und damals wurde übrigens bereits gesagt, dass der Geschäftsmann sich Gagausien gekauft habe. Dabei muss man nicht sagen, dass die moldauischen Behörden irgendwie daran interessiert waren, das Wahlergebnis des Başkan zu beeinflussen.

Auf dem zweiten Platz bei diesen Wahlen lag ein Vertreter der oppositionellen Sozialistischen Partei der Republik Moldau, der nur knapp hinter der in Komrat wenig bekannten Jewgenia Guzul zurückblieb. Und es ist ganz offensichtlich, dass, wenn in Gagausien ehrliche und nicht gekaufte Wahlen stattgefunden hätten, genau der Vertreter der Sozialistischen Partei und nicht der Kandidat irgendwelcher demokratischer Kräfte der Republik Moldau die Autonomie geleitet hätte, wie es in der vorherigen Periode ihrer Existenz bereits der Fall war. Wie wir jedoch sehen, gelang es nicht, diesen Sieg ehrlich zu erringen, ohne nicht registrierte Mittel zu verwenden. 

Darüber hinaus wird Jewgenia Guzul auch beschuldigt, mit illegalen Finanzgeschäften zu tun gehabt zu haben, als sie in der Vergangenheit eine der Leiterinnen der Shor-Partei war, als sie sich mit der Kanzlei dieser Organisation befasste, die im Großen und Ganzen ausschließlich dazu da ist, die politischen Interessen von Ilan Shor zu bedienen. Und Shor selbst verkauft diese politischen Interessen an Moskau im Austausch für Straffreiheit und natürlich im Austausch für die Möglichkeit, in der Russischen Föderation Geschäfte zu machen. 

Es stellt sich heraus, dass der Kreml im Grunde keinen anderen wirklichen Kandidaten Moskaus hat, der dem Kreml die bedingungslose Rückkehr der Republik Moldau in den Einflussbereich der Russischen Föderation versprechen könnte. Man muss sich auf Shor, seine fragwürdigen Kombinationen und seine Kandidaten verlassen, die entweder wie Guzul versuchen, das Land zu verlassen, in der Hoffnung, sich vor der Justiz zu verstecken, oder wie eine andere Mitstreiterin von Shor, Marina Tauber, die fast Bürgermeisterin der zweitgrößten moldauischen Stadt Bălți geworden wäre, bereits im Ausland vor der moldauischen Justiz fliehen. 

Das ist im Grunde genommen, gelinde gesagt, eine klassische Geschichte aus dem moldauischen politischen Leben. Zuerst gibt man unglaublich viel Geld für eine schnelle politische Karriere aus, wobei, was heißt unglaublich viel Geld, Shor ist einer der Beteiligten an der Geschichte mit dem Verschwinden einer Million, die der Republik Moldau vom Internationalen Währungsfonds zugewiesen wurde. Daher können wir uns vorstellen, woher das Geld von Tauber oder Guzul kam, und dann versucht man, Moldau zu verlassen, um nicht für die Teilnahme an der Tätigkeit einer politischen Partei verantwortlich gemacht zu werden, die sich in der Obhut einer organisierten Verbrechergruppe befindet.

Und natürlich, wenn die Strafverfolgungsbehörden der Republik Moldau professionell genug arbeiten und die Beteiligung der mit Ilan Shor verbundenen Politiker an kriminellen Machenschaften nachweisen können, was bedeutet, dass auch ihre Teilnahme an den Parlamentswahlen in Frage gestellt wird, dann besteht die Chance, dass Moskau die falsche Wette platziert hat. Und dass es im Parlament der Republik Moldau keine offen pro-russischen, vom Kreml kontrollierten Kräfte geben wird. Dies schafft tatsächlich ernsthafte Probleme für die russische Führung, die nicht nur versucht, die Republik Moldau in den Einflussbereich des Kremls zurückzubringen, sondern auch die Ukraine, gegen die der Krieg andauert, von einer Gruppe von Ländern umgeben zu sehen, die in erster Linie versuchen, ihre Außenpolitik mit der russischen und nicht mit der ukrainischen oder europäischen Politik in Einklang zu bringen.

Das heißt, im Großen und Ganzen braucht Russland die Ukraine im Ring von Feinden und Agenten. Und genau diese Rolle hat Moskau Ilan Shor und den Agenten des politischen Einflusses zugewiesen, die Shor auf die politische Bühne der Republik Moldau bringt. 

Moldau bezwingt Transnistrien | Vitaly Portnikov. 10.02.2025.

Die Führung der selbsternannten Republik  Transnistrien hat europäische Hilfe in Höhe von sechzig Millionen Dollar abgelehnt, die es ermöglicht hätte, die Energieprobleme der Region nachhaltig zu lösen.

Eine der Bedingungen für die Hilfeleistung Brüssels an die Region, die ohne kostenlosen russischen Gas geblieben war, wäre eine schrittweise Erhöhung der Tarife für die Verbraucher gewesen. Und genau diesen Schritt wollte Tiraspol nicht gehen. Wie bekannt ist, lieferte Gazprom jahrzehntelang Gas nach Transnistrien, für das praktisch keine Zahlung verlangt wurde, da es der Meinung war, dass die Regierung der Republik Moldau zahlen sollte. Gleichzeitig wurde in dem moldauischen Wärmekraftwerk Strom erzeugt, für den Moldau an Transnistrien zahlte. So eine einfache Art der finanziellen Unterstützung einer de facto von Russland besetzten Region.

Nun ist diese ganze Geschichte in einer echten Energie- und humanitären Krise geendet, aus der nur ein kurzfristiger Zuschuss der Europäischen Union heraushelfen konnte. In Moskau hat man jedoch anscheinend begriffen, dass die Idee, mit der in Transnistrien entstandenen Situation schwerwiegende Energieprobleme für die Republik Moldau zu schaffen, gescheitert ist. Und jetzt wird eine ungarische Firma Gas an der Grenze zur Republik Moldau nach Transnistrien liefern. Wir verstehen sehr gut, dass hinter dieser ungarischen Firma, wie es bei ungarischen Firmen oft der Fall ist, der Kreml stehen könnte.

Und dass es somit einen Versuch gibt, die Energieabhängigkeit Transnistriens von Russland aufrechtzuerhalten und den sogenannten Sozialstaat in Transnistrien zu erhalten, damit seine Bewohner weiterhin unter niedrigen Tarifen, aber ohne jegliche Garantie für eine stabile Energieversorgung zu überleben versuchen. Und dass Transnistrien im nächsten Winter nicht mit der gleichen Situation konfrontiert sein wird wie in den gegenwärtigen Wintermonaten. 

Dennoch hat sich die Situation für die Führung der selbsternannten Region in jedem Fall zum Schlechteren gewendet. Und sie könnte früher oder später zum Verschwinden des Transnistriens führen. Früher war die Republik Moldau energetisch von Transnistrien, vom moldauischen Wärmekraftwerk, abhängig. Diese Abhängigkeit ist endgültig beseitigt.

Jetzt wird die Republik Moldau Teil des europäischen Energiesystems sein, während Transnistrien, selbst wenn es vom Kreml unterstützt wird, Gas über das Gebiet der Republik Moldau erhalten wird, da diese ungarische Firma die Rohstoffe genau an die Grenze des Landes liefern wird.

Daher hat der Premierminister der Republik Moldau, Dorin Recean, bereits die Forderungen Chisinaus an Tiraspol mitgeteilt, um die Gaslieferungen in die selbsterklärte Republik fortzusetzen. Das ist zum einen die Freilassung politischer Gefangener aus den Gefängnissen von Tiraspol und anderen Städten Transnistriens. Wie bekannt ist, herrscht in der selbsternannten Republik ein neo-stalinistischer Regime mit der Allmacht des Ministeriums für Staatssicherheit des sogenannten Transnistriens. Und diesem Regime wird so oder so ein Ende gesetzt werden. 

Darüber hinaus müssen die transnistrischen Behörden noch eine Reihe weiterer Bedingungen erfüllen: die Ausstrahlung des moldauischen öffentlichen Fernsehens im Programm der transnistrischen Fernsehkanäle, die Lösung der Probleme mit dem Gymnasium in Rybnitsa, was den jungen Einwohnern Transnistriens Zugang zu einer vollständigen Ausbildung nach den Programmen der Republik Moldau verschaffen wird, den Abriss der sogenannten Grenzkontrollpunkte, die im Jahr 2022 zwischen Transnistrien und Moldau errichtet wurden. Das heißt, alle Maßnahmen, die Chisinau heute nicht befriedigen, müssen von Tiraspol beseitigt werden. Und ich denke, dass die Anzahl der Bedingungen, die die Republik Moldau an die sogenannte Führung des Transnistriens stellen wird, mit jedem Monat, in dem die Behörden der Region ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von Chisinau verstehen, zunehmen wird.

Es ist klar, dass Transnistrien ein politischer Rudiment ist, der nichts mit dem vollständigen Funktionieren eines wirklichen Staates zu tun hat. Die Region wurde vom Kreml ständig als Druckmittel gegen Moldau eingesetzt. Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre versuchte die damalige sowjetische Führung die Abspaltung Moldaus von der Sowjetunion zu verhindern, indem sie die separatistischen Tendenzen in Tiraspol unterstützte, versuchte. Anfang der neunziger Jahre verriet der damalige russische Präsident Boris Jelzin zusammen mit seinem engsten Umfeld Moldau , indem er die Präsenz der russischen Armee auf dem Gebiet dieses Landes aufrechterhielt, die ihrerseits das Funktionieren Transnistriens sicherstellte, das sich schnell in eine richtige Schmuggel-Enklave verwandelte, die ihre widerlichen russischen Gönner bereicherte. Dasselbe Jelzin-Modell übernahm auch der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, der es, wie wir wissen, nicht nur auf dem Gebiet Moldaus, sondern auch auf dem Gebiet der Ukraine einsetzte.

Die Situation in Transnistrien ist jedoch für Moskau weitaus komplizierter, da die Region glücklicherweise keine Grenzen zur Russischen Föderation hat. Und die Möglichkeit seines Verschwindens als eigenständiges staatliches Gebilde wird somit zu einer reinen Frage der Zeit. Aber selbst wenn man versteht, dass Transnistrien nicht lange existieren wird, versuchte Moskau in diesem Winter erneut, es als Werkzeug einzusetzen, in der Erwartung, dass die Nichtlieferung von Gas an Transnistrien ernsthafte wirtschaftliche Probleme in der Republik Moldau verursachen und dazu beitragen würde, dass prorussische, antimoldauische Kräfte, die von der russischen Führung unterstützt werden, bei den Parlamentswahlen gewinnen.

Die Kontrolle über Moldau bleibt nach wie vor eine der wichtigen politischen Aufgaben für Moskau, wie übrigens auch die Kontrolle über jede andere ehemalige Sowjetrepublik, die von der russischen Führung als Teil des zukünftigen Imperiums angesehen wird, das von Putin gebildet wird, wie wir sehen, sowohl mit militärischer Gewalt als auch mit einem jahrelangen Krieg gegen die Ukraine. Aber Transnistrien ist in dieser Geschichte und das hätten die Bewohner der Enklave längst verstehen müssen, kein eigenständiger Faktor, sondern eben ein Instrument. Und dass Russland einige Wochen nach Beginn der Energiekrise gezeigt hat, dass dieser Krise überhaupt nicht hätte sein müssen. Und dass es immer Möglichkeiten für die Gasversorgung Transnistriens gegeben hat, hätte sowohl die Führung Transnistriens als auch die Bewohner der Region zur Besinnung bringen und ihnen helfen sollen, die wahre Rolle Russlands und seine wahre Einstellung zu den Bewohnern der von Moskau besetzten Gebiete Moldaus einzuschätzen. 

Aber, wie gesagt, viele von denen, die seit Jahrzehnten unter dem Einfluss sowjetischer Propaganda und eigener Vorstellungen darüber leben, was Transnistrien ist, sind vielleicht gar nicht im Stande die Situation, in der sie sich befinden, zu analysieren.