Der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, und der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation, Dmitri Peskow, haben nahezu gleichzeitig mitgeteilt, dass das erste Treffen von Vertretern der ukrainischen, russischen und amerikanischen Delegationen nach einer langen Unterbrechung, bei dem es um Möglichkeiten zur Beilegung der Situation im Zusammenhang mit Russlands Krieg gegen die Ukraine gehen soll, am 10. und 11. November in Abu Dhabi stattfinden wird. Damit beginnt die Vereinbarung, die Witkoff bei seiner Reise nach Sankt Petersburg mit dem russischen Präsidenten Putin erzielt hat, umgesetzt zu werden, und das Treffen zwischen den Delegationen wird stattfinden, wenn auch erst nach den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten.
Gleichzeitig sollte man nicht darauf hoffen, dass dieses Treffen den gesamten Kontext der Verhandlungen ernsthaft verändern wird, schon allein deshalb nicht, weil der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation mitgeteilt hat: „Die russische Delegation bei diesen Verhandlungen wird vom Berater des russischen Präsidenten, dem ehemaligen Kulturminister“ Wladimir Medinski geleitet, der bereits seit 2022 als Delegationsleiter an den russisch-ukrainischen Verhandlungen teilnimmt. Und gerade seine Anwesenheit – denn wir alle verstehen sehr gut, dass Medinski praktisch nichts entscheidet – hat es stets ermöglicht, den Verhandlungsprozess zwischen Moskau und Kyiv als reine Inszenierung zu charakterisieren. Jetzt wird sich an dieser Inszenierung allenfalls die Anwesenheit amerikanischer Vermittler ändern.
Dabei ist ein Punkt ziemlich wichtig: Nach den Verhandlungen zwischen Witkoff und Putin begann man in den Vereinigten Staaten davon zu sprechen, dass sich erstmals die Möglichkeit für Verhandlungen auf hoher Ebene eröffne. Das heißt, die Amerikaner erwarteten offensichtlich, dass der russische Präsident einen tatsächlich bevollmächtigten Beamten nach Abu Dhabi entsenden würde, der daran interessiert wäre, Kompromisse in der Frage der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu erzielen. Medinski hat eine völlig andere Funktion. Er soll einen Verhandlungsprozess vortäuschen, demonstrieren, dass der Kreml bereit ist, Aktivität zu zeigen, und an die ideologisch geprägten russischen Bedingungen erinnern, die vor allem mit der Verankerung der „russischen Welt“ im ukrainischen Recht zusammenhängen.
Die Frage einer Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front gehört jedoch offensichtlich nicht zu Medinskis Zuständigkeitsbereich. Auch sein Einfluss weckt ziemlich ernsthafte Zweifel, schon allein deshalb, weil russische Propagandisten Medinski des Verrats an den Interessen des Landes beschuldigten, als 2022 Einzelheiten der Gespräche zwischen der russischen und der ukrainischen Delegation veröffentlicht wurden. Bekanntlich bezeichnet Präsident Putin gerade dies weiterhin als Umsetzung der Vereinbarungen. Und niemand, nicht einmal Präsident Putin selbst, verteidigte den Berater des Präsidenten der Russischen Föderation oder erklärte zumindest, dass er sich bei den Verhandlungen an die Anweisungen gehalten habe, die ihm das russische Staatsoberhaupt selbst gegeben hatte. Denn meiner Ansicht nach gab es nur eine Anweisung: Zeit zu gewinnen, Möglichkeiten für eine Umgruppierung der russischen Armee zu schaffen und den Übergang von einem Blitzkrieg, der mit einem offensichtlichen Fiasko Putins endete, zu einem jahrelangen Krieg zu ermöglichen, in dem wir heute leben.
Und hier ist es wichtig zu analysieren, welche Funktionen Medinski während dieses langen Krieges erfüllt. Warum schickt Putin ihn jetzt überhaupt wieder zu Verhandlungen nach Abu Dhabi, wenn der russische Präsident nicht an einem Ende der Kampfhandlungen interessiert ist und auf die Fortsetzung der Angriffe auf die Ukraine sowie auf die Offensive seiner eigenen Armee setzt, um weitere ukrainische Gebiete zu besetzen?
Nun, diese Frage lässt sich nicht schwer beantworten, wenn wir uns daran erinnern, wann in den Vereinigten Staaten der nächste Präsident gewählt wird. Das wird bereits 2028 geschehen. In der Politik ist das keine lange Zeit. Wir nähern uns dem Ende des Jahres 2026. Das Jahr 2027 wird ein Jahr scharfer Konfrontation zwischen Präsident Trump und dem Kongress der Vereinigten Staaten sein. Und gerade diese Konfrontation wird die Voraussetzungen für einen umfassenden Wahlkampf in Amerika schaffen, der sowohl die zweite Hälfte des Jahres 2027 als auch das Jahr 2028 umfassen wird. Und ja, während dieser gesamten Zeit ist der russische Präsident daran interessiert, die aktive Phase der Kampfhandlungen in der Ukraine fortzusetzen, um 2028 über die Zukunft des Krieges zu entscheiden. Damit Trump weiterhin hofft, dass es ihm gelingen wird, den russisch-ukrainischen Konflikt beizulegen, damit keine neuen ernsthaften Sanktionen gegen die russische Wirtschaft verhängt werden, damit Trump Putin bei dessen Wunsch, der ukrainischen Staatlichkeit ein Ende zu setzen, unterstützt, statt ihn daran zu hindern, braucht es einen solchen Leiter der russischen Delegation wie Medinski.
Sollte Putin hingegen plötzlich, beispielsweise aufgrund der wirtschaftlichen Erschöpfung Russlands, den Wunsch entwickeln, echte Verhandlungen zu führen – ich sage gleich, dass es dafür keine objektiven Voraussetzungen gibt –, dann wird an der Spitze der russischen Delegation eine völlig andere Person stehen, die völlig andere Aufgaben und Funktionen haben wird. Und vor allem wird man in dieser Situation keine amerikanischen Präsidenten brauchen, die für Putin in einer solchen Konstellation ungefähr so nützlich wären wie einem Hasen ein fünftes Bein. Denn derzeit handelt es sich nicht um Verhandlungen mit der Ukraine, die den russischen Präsidenten und sein engstes Umfeld, einschließlich Medinski, überhaupt nicht interessiert. Es handelt sich vielmehr um Verhandlungen mit der amerikanischen Delegation darüber, neue Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhindern und Vereinbarungen über neue wirtschaftliche und energiepolitische Geschäfte zwischen Putin und Trump zu treffen.
Verhandlungen mit der Ukraine über Frieden und eine Beilegung des Konflikts sehen dagegen überhaupt keine Anwesenheit von Amerikanern oder auch nur Europäern am Verhandlungstisch vor. Putin wird dann der Ansicht sein, dass er alle Fragen, die den Dialog zwischen Moskau und Kyiv betreffen, eigenständig und ohne jegliche Vermittler regeln kann. Doch leider ist die Zeit für solche echten Verhandlungen zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine noch nicht gekommen. Die Voraussetzungen dafür können nur durch konkrete Maßnahmen der ukrainischen Verteidigungskräfte geschaffen werden, die darauf abzielen, das wirtschaftliche und energetische Potenzial der Russischen Föderation zu zerstören und diejenigen zu vernichten, die mit Waffen auf ukrainischen Boden gekommen sind. Das ist der wirkliche Weg zum Frieden, den wir in den kommenden Jahren der russisch-ukrainischen Konfrontation zurücklegen müssen.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Навіщо Путін повертає Мединського | Віталій Портников. 03.11.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 03.11.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.