Der Aufstand im Iran, der in den letzten Tagen in diesem Land stattfindet, ist offensichtlich nicht der erste und vielleicht auch nicht der letzte Auftritt des Volkes gegen jene Diktatur, die sich im Iran nach dem Sieg der sogenannten Islamischen Revolution von 1979 herausgebildet hat. Aber dieses Mal ist der Aufstand, wie ich sagen würde, viel umfangreicher. Und das Wichtigste: Es gibt bestimmte Hoffnungen, dass dieser Aufstand sich in viel größerem Maße auf internationale Unterstützung stützen kann, als das in allen vorherigen Jahrzehnten der Fall war. Aber ist das so, und wie groß ist das Potenzial des iranischen Aufstands und sein Einfluss auf weltweite Prozesse — darüber sprechen wir mit dem Autor des Kanals „Revolution im Iran“, Mazir Mian.
Portnikov. Ich möchte, dass wir zuerst darüber sprechen, worin die grundlegende Ursache liegt, ich würde sagen, der Unterschied des jetzigen Aufstands, seines Ausmaßes, gegenüber allem, was wir in den letzten Jahren gesehen haben. Denn viele sagten, dass dieser Aufstand vor allem wirtschaftlicher Natur sei, verbunden damit, dass der Einbruch des Wechselkurses des iranischen Rial dazu geführt habe, dass eine riesige Zahl Ihrer Landsleute einfach keinen Zugang zu Dingen des täglichen Bedarfs, zu Lebensmitteln, zu notwendigen Sachen mehr hat. Und das sei der Hauptgrund geworden. Aber wir sehen, dass bereits sehr ernste politische Parolen ertönen. Irgendwie hat sich das alles sehr schnell verändert.
Mazir Mian. Ja, Sie haben das absolut richtig bemerkt. Damit es Ihren Zuschauern verständlich ist, möchte ich frühere Proteste erwähnen, um zu verstehen, worin der Unterschied zwischen ihnen liegt. Solche mehr oder weniger ernsthaften Protestwellen begannen 2009. Die Grüne Bewegung, als die Iraner nach der Fälschung der Wahlen auf die Straßen gingen, zur Unterstützung der sogenannten Reformer. In jenen Jahren setzten die Iraner Hoffnungen auf Veränderungen und Reformen innerhalb des Regimes der Islamischen Republik und vertrauten den sogenannten Reformern, dass sie diese Veränderungen im Rahmen der Islamischen Republik umsetzen würden.
Viele Jahre später, als die Menschen bereits von ihnen enttäuscht waren und verstanden, dass alles, was sie tun, die Fortsetzung der Ideologie der Islamischen Republik ist, und nachdem die Menschen keine wesentlichen Veränderungen in der Gesellschaft gesehen hatten — in den sozialen Freiheiten der Menschen, in den politischen Freiheiten der Menschen und in der wirtschaftlichen Situation im Land — verloren diese sogenannten Reformern das Vertrauen beim Volk.
Und ungefähr 2017 kam erstmals eine kleine Gruppe von Menschen, etwa einige tausend Menschen, zum Grab des großen iranischen Schahs, des großen Kyros. Und dort ertönten zum ersten Mal in der Geschichte nach der Revolution von 1979 Parolen zur Unterstützung der Monarchie. Das war 2017. Damals war es so eine sehr begrenzte Bewegung. Nach und nach wuchs sie, nahm Jahr für Jahr zu.
Und 2022, als das Mädchen Mahsa Amini wegen eines falsch getragenen Hijabs getötet wurde, gab es ebenfalls eine Protestwelle im Iran, die ein halbes Jahr dauerte. Dort klangen die wichtigsten Parolen der Menschen immer noch wie Forderungen an das Regime. Also: „Frau, Leben, Freiheit.“ Das waren Forderungen der Menschen an das Regime. Also: Wir wollen leben, wir wollen frei leben, und wir wollen, dass die Rechte der Frauen im Land anerkannt werden. Aber gleichzeitig damit ertönten auch andere Parolen. Das war „Tod dem Diktator“, „Tod der Islamischen Republik“, „Tod Khamenei“. Seitdem sind schon einige Jahre vergangen. Und heute liegt der Hauptunterschied dieser Proteste darin, dass die Menschen dem Regime nicht mehr ihre Forderungen verkünden, nicht mehr die Unterstützung der Reformern innerhalb des Regimes verkünden. Die Menschen sagen ganz konkret, was sie wollen. Genau dadurch unterscheiden sich diese Proteste heute, die stattfinden.
Sie begannen tatsächlich tatsächlich auf dem Boden des Anstiegs der Wechselkurse. Als der Wechselkurs an einem einzigen Tag um 7.000 Toman bzw. 70.000 Rial stieg, gingen auf den Teheraner Märkten – zunächst auf zwei Märkten, es waren nur zwei kleine Märkte – die Inhaber kleiner Geschäfte auf die Straße, schlossen ihre Läden und begannen am ersten Tag zu protestieren.
Portnikov. Angefangen haben Verkäufer von Mobiltelefonen. Es ist erstaunlich, ja, dass sich aus so einem Funken alles entzündet hat.
Mazir Mian. Genau so. Dort gibt es einen Markt für Mobiltelefone und noch einen Teheraner Markt. Sie schlossen ihre Geschäfte am ersten Tag. Es wurden dort keine politischen Parolen gerufen. Sie schlossen einfach ihre Geschäfte und gingen auf Protest, aber politische Parolen gab es nicht. Ab dem zweiten Tag schlossen sich andere Teheraner Märkte an. Das sind die größten Teheraner Märkte. Und dort begannen die Menschen eben zu sagen, was sie wollen. Das ist das, was ich erwähnt habe.
Diese Proteste unterscheiden sich von den vorherigen dadurch, dass die Menschen damals nur sagten: „Tod der Islamischen Republik“ oder sagten „Tod Khamenei“. Aber in diesen Protesten sagen sie klar: „Es lebe der Schah.“ Und: „Die letzte Schlacht — Pahlavi wird zurückkehren.“ Diese zwei Parolen wurden zu den Hauptparolen, die heute in mehr als fünfzig Städten wiederholt werden. Die Menschen wiederholen sie. Dort gibt es unterschiedliche Proteste, kleine, große. Diese zwei Parolen wurden die Hauptparolen in dieser Protestwelle.
Portnikov. Ich verstehe, dass der Präsident Irans, Masud Peseschkian, bereits versucht hat, sich irgendwie in diese Proteste einzuschreiten. Er sagte, dass die Menschen, sozusagen, ein wichtiger Indikator für das Handeln der Macht sein sollten. Er erklärte, dass man sich mit den letzten wirtschaftlichen Maßnahmen auseinandersetzen müsse. Man hat den Chef der Nationalbank entlassen, soweit ich verstehe. Und dennoch hatte dieser Versuch Peseschkians — der vermutlich dem Flügel der Reformern in der Islamischen Republik zugerechnet werden kann — keinerlei Wirkung. Und wie üblich ging alles zu Repressionen über.
Mazir Mian. Völlig richtig, denn den Wechselkurs haben die Menschen schon vergessen, weil jener Sprung, der da war, auf 70.000 Rial, ist schon rückgängig gemacht wurde. Jetzt pumpt die Zentralbank viel Fremdwährung aus den Gold- und Devisenreserven Irans in den Markt, um den Kurs zu halten. Und der Kurs ist tatsächlich gefallen. Und die Macht will sehr, dass diese Proteste sich nur auf wirtschaftliche Slogans, auf wirtschaftliche Probleme der Menschen beschränken. Aber wir sehen, dass das alles den Rahmen wirtschaftlicher Proteste gesprengt hat.
Die Menschen skandieren politische Parolen gegen dieses Regime und offen zugunsten des Führers der iranischen Opposition, Prinz Pahlavi. Die Menschen sprechen darüber, und wir sehen in allen Videos, dass er eine sehr große Unterstützung im Iran hat, und die Menschen begannen zu sagen, was sie wollen.
Portnikov. Und sagen Sie: Wie glauben Sie — kann man davon sprechen, dass dies so eine Art aufgeschobenes Ergebnis des zwölftägigen Krieges Irans mit Israel und den Vereinigten Staaten ist? Damals, als ein großer Teil der iranischen Militärführung liquidiert wurde, als iranische Objekte zerstört wurden, die für die Produktion von Atomwaffen oder für Vorbereitungen zu einer solchen Produktion genutzt werden könnten, sagten viele, dass das Geschehen, sozusagen, einen unauslöschlichen Eindruck in der iranischen Gesellschaft hinterlassen habe und ihr zeigen könnte, dass die Macht des Regimes nicht allmächtig ist, wie man denken konnte. Und dass diese Maschine in vieler Hinsicht längst verrottet ist, und im Grunde genommen gibt es kein effektives Luftverteidigungssystem, kein reales Verständnis der Realität seitens Ajatollah Khamenei und seines engsten Umfelds. Sie leben in einer völlig anderen Welt und glauben, dass diese, sozusagen, die Instrumentalisierung des Hasses auf Israel ihnen erlauben könnte, im Iran ungestraft alles zu tun, was sie wollen. Aber damals ist nichts passiert. Und viele sagten: „Es ist nichts passiert, aber es könnte passieren, die Gesellschaft reagiert nicht so schnell.“ Ist das mit dem zwölftägigen Krieg als Hintergrund verbunden?
Mazir Mian. Eindeutig haben diese Proteste einen Zusammenhang mit dem zwölftägigen Krieg. Aber jene Bewegung, jene Parolen, jene Stimmung der Menschen, die heute auf den Straßen Irans sichtbar wird, wurden bereits 2017 geboren, also lange vor dem zwölftägigen Krieg. Sie entwickelten sich. Mit der Zeit wurden mehr Menschen vom Regime enttäuscht und gingen zur Opposition über. Aber meiner Ansicht nach hat der zwölftägige Krieg nicht so sehr die Stimmung der Menschen beeinflusst, wie er vielmehr die Stimmung der Anhänger des Regimes beeinflusst hat — jener, die sich vom Regime abgewandt und sich der Opposition angeschlossen haben. Und davon gibt es sehr viele.
Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung Kayhan, der Hauptzeitung Irans, ist heute in der Opposition, er unterstützt den Prinzen. Sehr viele — gerade nach dem zwölftägigen Krieg — sehr viele Menschen, die sich im Lager der Republikaner sahen, das heißt, sie lehnten die Rückkehr der Monarchie im Iran ab, sehr viele dieser Menschen gingen zur Opposition gegen das Regime über, auf die Seite des Prinzen. Sie sagen bis heute: „Wir sind Republikaner, aber wir sehen keinen anderen Ausweg aus dieser Situation. Wir müssen einen Führer haben, und wir müssen unsere Handlungen koordinieren.“ Dieser zwölftägige Krieg hat der iranischen Opposition sehr geholfen, um diejenigen an sich zu ziehen, die sich im Körper der Islamischen Republik befanden, damit sie sich davon entfernen und sich der Opposition anschließen.
Portnikov. In Wahrheit ist es immer sehr wichtig zu verstehen, wie groß das Potenzial einer solchen Bewegung ist. Und das Potenzial einer solchen Bewegung hängt in Ländern wie Iran, in Ländern übrigens wie Russland, wie Belarus, sehr stark von der Geschlossenheit der Sicherheitsorgane ab. Denn wir verstehen ja gut: Die Iraner gehen nicht zum ersten Mal auf die Straße. Wenn das das Gewaltpotenzial des Regimes schwächer wäre, das haben wir in der Ukraine gut gesehen, dann hätte es sich schon vor einigen Jahren nicht mehr gehalten, sozusagen. Aber hier gibt es geschlossene Sicherheitsstrukture, die manchmal radikaler sind als die Macht selbst, die sie schützen sollen. Und hier ist es sehr wichtig zu verstehen, wie die Stimmungen im Korps der Wächter der Islamischen Revolution sind. Wie einig sind sie überhaupt, wie bereit sind sie, die Idee der Islamischen Republik selbst zu verteidigen, können sie unter dem Einfluss der Proteste wanken? Denn mir scheint, das ist entscheidend: Es gibt keinen Mangel an Protestierenden, aber gleichzeitig gibt es auch keinen Mangel an denen, die bereit sind, das Feuer auf Menschen zu eröffnen.
Mazir Mian. Sie haben absolut recht. Ich kann Ihnen das anhand der iranischen Erfahrung erklären. Wir werden diese Spaltung am letzten Tag der Existenz der Islamischen Republik sehen. Wir werden diese Spaltung am letzten Tag der Existenz der Islamischen Republik sehen, so wie es 1979 war. Am Morgen gab die Armee eine Erklärung der Neutralität ab. Und am Tag wurde das Schah-Regime gestürzt. Das heißt: In dem Moment, wenn es innerhalb der Sicherheitsapparate zu einer Spaltung kommt, hält sich das Regime nach diesem Moment nicht länger als einen Tag. Ich denke, dass ein solches Potenzial theoretisch vorhanden sein kann, aber wir werden das nicht heute sehen. Wir werden das am Ende fieser Geschichte sehen — wenn wir es sehen.
Portnikov. Ja, wenn es ein Ende dieser Geschichte gibt — das ist sehr wichtig zu verstehen, weil jeder solche Aufstand, hier ist wichtig zu verstehen: stärkt er das Regime oder schwächt er es vielmehr? Kann man sagen, dass all das das Regime dennoch untergräbt?
Mazir Mian. Diese Unzufriedenheiten, unsere Erfahrung zeigt, dass Jahr für Jahr die Unzufriedenheit der Menschen wächst, und die Menschen beginnen zu verstehen, dass, wiederum, wenn wir zu jener Geschichte zurückkehren, als 2009 die Menschen dachten, dass sie durch irgendwelche Reformen innerhalb der Islamischen Republik das Regime ändern könnten, mit der Zeit verstanden sie, dass das nicht funktioniert. Und jetzt wollen sie das Regime stürzen. Mit der Zeit gelang es dem Regime ja, diese Bewegungen auseinanderzutreiben, zu unterdrücken, aber jede Protestbewegung im Iran hinterließ Spuren in der Gesellschaft und brachte irgendein Bewusstsein für die Menschen mit sich. Das heißt: Jedes Mal, wenn es Proteste im Iran gab, begann ein Teil der Gesellschaft zu verstehen, dass das Problem nicht in der Wirtschaft liegt, das Problem nicht in der politischen Freiheit liegt und so weiter — das Problem ist das Regime selbst. Das heißt: All diese Bewegungen zeigten den Menschen mit der Zeit, dass das Problem gerade im Regime selbst liegt. Wenn es dem Regime auch dieses Mal gelingt, diese Proteste zu unterdrücken, wird die Spur in der Gesellschaft bleiben, und noch ein Teil der Menschen wird sich bei den nächsten Protesten denen anschließen, die heute auf den Straßen Irans gegen das Regime kämpfen.
Portnikov. Donald Trump hat heute erklärt, dass er bereit ist, die protestierenden Iraner zu unterstützen, und dass das Erschießen von Menschen durch das Regime eine rote Linie sein wird, und die Vereinigten Staaten werden bereit sein, dem iranischen Volk zu helfen. Das ist tatsächlich eine beispiellose Erklärung. Kein amerikanischer Präsident vor Trump, und Trump selbst übrigens in seiner ersten Amtszeit, hat jemals etwas Ähnliches gesagt. Und da stellt sich die Frage: Glauben Sie überhaupt daran – angesichts von Trumps Charakter und der Tatsache, dass er sehr oft ernsthafte Versprechen macht, die er später nicht einhält –, dass es dieses Mal anders sein wird? Dass, wenn es tatsächlich ernsthafte Schläge gegen Menschen seitens des Korps der Wächter der Islamischen Revolution oder der Polizei erfolgen, wenn es zahlreiche Opfer gibt — denn es gibt ja bereits erste Opfer — die Amerikaner tatsächlich einen Schlag führen werden, zum Beispiel gegen das Hauptquartier von Ajatollah Khamenei oder gegen das Hauptquartier des Korps der Wächter der Islamischen Revolution? Ist überhaupt ein solcher Verlauf möglich? Denn er könnte alles auf der Welt verändern.
Mazir Mian. Tatsächlich haben Sie richtig bemerkt: Das ist eine beispiellose Unterstützung seitens der USA. Sie versuchten immer, dieses Thema — die Innenpolitik der Islamischen Republik — nicht anzufassen. Und dass Trump darüber geschrieben hat, über seine Unterstützung dieser Proteste, das zeigt schon davon, dass auch die Welt beginnt zu verstehen, dass die Zeit der Islamischen Republik zu Ende geht. Glaube ich, dass Trump einen Schlag führen wird? Sehr schwer zu sagen, eher glaube ich es wohl nicht, aber man kann das von einer anderen Seite betrachten.
Ich schlage vor, das erstens als grünes Licht für Israel zu betrachten, um solche Operationen im Iran durchzuführen — sie haben diese Möglichkeit. Sie haben das im zwölftägigen Krieg gezeigt, als innerhalb von 20 Minuten die gesamte Spitze des IRGC liquidiert wurde. Das heißt, sie haben diese Möglichkeit. Die Israelis können das auf ihre Art verstehen und selbstständig handeln, ohne Unterstützung der USA. Das ist erstens.
Zweitens: Trumps Erklärung vergrößert wiederum die Spaltung unter den Eliten der Islamischen Republik. Jemand wird Angst bekommen, jemand bekommt den Wunsch, sich der Opposition anzuschließen. Das heißt: Solche Erklärungen, die Unterstützung solcher Länder wie der USA, wie europäische Länder und so weiter, vergrößern tatsächlich die Spaltung unter Sicherheitskräften, unter den Generälen, unter den Beamten der Islamischen Republik. Und das kann den Protestierenden auf den Straßen Irans ebenfalls helfen.
Und ich empfehle ukrainischen Politikern sehr, genauso zu handeln und diese Proteste zu unterstützen, weil man diese Proteste im Wesentlichen als zukünftige Verbündete betrachten sollte. Im Grunde kämpfen die zukünftigen Verbündeten der Ukraine gerade auf der Straße gegen ein Regime, das Russland unterstützt. Umso mehr skandieren sie den Namen des Prinzen Reza Pahlavi, der am vierten oder fünften Tag des Krieges Russlands gegen die Ukraine einen offenen Brief an Präsident Zelensky zur Unterstützung des ukrainischen Volkes schrieb. Auf dieser Grundlage kann man zukünftige gute freundschaftliche Beziehungen zwischen zwei Ländern aufbauen.
Portnikov. Hier gibt es noch eine politische Besonderheit. Mir scheint, wir sehen eine Achse, die aktuell real funktioniert. Das ist die Achse Russland, Iran, Venezuela, weil das iranische Regime Nicolás Maduro unterstützt, ohne das zu verbergen. Russland unterstützt sowohl Teheran als auch Caracas. Und das ist Austausch von Militärtechnologien, Austausch von Spezialisten. Im Großen und Ganzen wird das alles gemacht, um gezielt den amerikanischen Einfluss zu untergraben. Daher ist die große Frage: Verstehen sie überhaupt in der Welt, dass ein solches Netzwerk schon entstanden ist und dass es eine gemeinsame Bedrohung für die Interessen der demokratischen Welt darstellt? Denn im Grunde sehen wir eine Situation, in der die Amerikaner mit einer globalen Bedrohung umgehen müssen. Vielleicht begreifen sie es selbst nicht, aber das ist schon eine echte globale Bedrohung. Wenn wir noch China hinter all diesen Ländern bemerken, das ihnen freundlich gesinnt ist. Und in Asien, und in Lateinamerika, und in Europa gibt es Länder, die bereit sind, die Vereinigten Staaten herauszufordern und sich untereinander zu solidarisieren, trotz aller amerikanischen Sanktionen.
Mazir Mian. Ja, völlig richtig. Ich stimme Ihnen voll zu. Und ich denke, dass im Fall Irans diese Bedrohung sehr lange existiert. Und solche Leute in Trumps Administration wie Marco Rubio verstehen gut, was für eine Bedrohung das ist. Und Marco Rubio ist noch aus der Zeit, als er im Senat war, sehr gut über die Iran-Frage informiert. Er traf sich viele Male mit Prinz Reza Pahlavi und hat in seiner ganzen Karriere das Volk des Iran unterstützt. Ich bin nicht bereit zu sagen in Bezug auf Russland und China, inwieweit die Amerikaner jetzt bereit sind, zu einer ernsthafteren Konfrontation mit diesen Regimen überzugehen. Aber was Iran betrifft, beobachten wir heute schon, dass diese Bereitschaft von Tag zu Tag zunimmt. Im Grunde sagt Trumps heutige Erklärung, dass sie einen weiteren Schritt nach vorn gemacht haben — in der Unterstützung des iranischen Volkes und gegen das Regime der Islamischen Republik, mindestens auf der Ebene einer Erklärung, aber das ist schon nicht wenig. Das ist ein Schritt nach vorn.
Portnikov. Sagen Sie: Die Führer der Islamischen Republik und der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates Ali Larijani und der Außenminister Abbas Araghchi — sie machten ziemlich kriegerische, harte Erklärungen in Richtung der Vereinigten Staaten. Sie sagten sogar, dass amerikanische Objekte auf der ganzen Welt nun legitime Ziele für iranische Angriffe sein werden, und solche Warnungen hatte es früher überhaupt nicht gegeben. Warum wurde ein so harter Ton gewählt? Sie könnten doch vorsichtiger reagieren. Wiederum: In Kenntnis Trumps Emotionalität und Unberechenbarkeit könnte man in dieser Situation vorsichtiger sein.
Mazir Mian. Sie können nicht vorsichtiger sein, weil das ist das, wovor sie sich am meisten fürchten. Sie fürchten, die Macht zu verlieren. Israelische und amerikanische Schläge können für sich genommen die Frage der Islamischen Republik nicht lösen. Denn wenn die Islamische Republik Unterstützung vom Volk hätte, könnten sie lange Krieg führen. Also: Mit Luftschlägen kann man ihnen nicht viel anhaben. Aber das Gefährlichste für das islamische Regime ist, wenn es der Opposition gelingt, das Regime zu stürzen. Das ist die größte Bedrohung für sie. Sie können versuchen, irgendwie Krieg zu führen. Wenn ihnen die Macht in den Händen bleibt, haben sie später die Möglichkeit, sich wiederherzustellen und wieder anzugreifen. Aber wenn sie die Macht verlieren, verlieren sie alles. Und das ist das Heiligste. Deshalb reagieren sie so scharf. Sie sagen: „Wir bombardieren eure Basen in der Region“, und die amerikanischen Soldaten sollen vorsichtig sein. So schrieben die meisten von ihnen. Aber genau deshalb: Sie haben Angst, die Macht zu verlieren. Sie haben Angst, dass das Volk ihr Regime stürzen wird.
Portnikov. Hier ist das Andere interessant. Noch vor kurzem ging Trump sehr vorsichtig mit der Frage eines Machtwechsels im Iran um. Während des zwölftägigen Krieges, als im Grunde der Premierminister Israels Benjamin Netanyahu die Idee deklarierte, dass man das islamische Regime wechseln müsse, und dass dies kein Krieg gegen das iranische Volk sei, sondern gerade gegen das antiisraelische Regime der Islamischen Republik, war Trump viel vorsichtiger. Er sagte, man solle das Regime nicht anfassen, man müsse es nur seiner nuklearen Möglichkeiten berauben, und das ist alles. Und jetzt solche viel ernsthafteren Erklärungen. Ist das vielleicht auch das Ergebnis davon, dass Trump gerade Netanyahu getroffen hat? Vielleicht hat Netanyahu ihn überzeugt, dass die ganze Sache im Bestehen des Regimes liegt, dass solange dieses Regime an der Macht ist, nichts Gutes für Amerika passieren wird?
Mazir Mian. Donald Trump ist nicht der konsequenteste Präsident in der Geschichte. Deshalb ändern sich tatsächlich seine Positionen. Aber was Iran betrifft, muss man die Entwicklung der Ereignisse betrachten. Als Trump die Wahlen in den USA gewann, war das Erste, was er dem islamischen Regime angeboten hat, Verhandlungen: „Lasst uns uns einigen.“ Das heißt: Zuerst hat er ihnen angeboten, sich über die Themen der Proxy-Organisationen der Islamischen Republik in der Region, das Raketenprogramm, das Atomprogramm zu einigen. Er bot an, darüber zu sprechen und sich zu einigen. Mir war bekannt, dass daraus kein Ergebnis entstehen wird. Die Islamische Republik lehnte Trump in diesen Verhandlungen ab. Im Grunde trafen sie sich fünf- bis sechsmal, aber auf diesen Gesprächen geschah nichts, deshalb verstand Trump, dass daraus nichts wird. Danach kam der Schlag gegen das Atomprogramm. Nach diesem Schlag bot Trump den Iranern noch einmal an, zu Verhandlungen zurückzukehren und sich über dieselben Punkte zu einigen. Die Islamische Republik lehnte wieder ab, und dieses Mal noch in härterer Form: „man hat uns angegriffen und wir werden keine Verhandlungen führen“. Und Trump kann man verstehen, denn er wollte diese Frage durch Verhandlungen lösen, damit die Islamische Republik alle ihre Trümpfe an Trump abgibt. Ich wiederhole: das Atomprogramm, das Raketenprogramm und die Proxys in der Region. Die Islamische Republik lehnte ab. Trump bleibt nichts anderes übrig als eine ernstere Konfrontation. Auf Trumps Erklärung zu hoffen ist eine sehr schwierige Frage, aber wiederum: Das kann nicht die USA allein machen, das kann Israel sein, und die USA kann zum Schutz Israels auftreten. Das heißt: Sie können nicht an den Angriffen selbst teilnehmen, sondern danach Israel schützen, wenn die Islamische Republik beginnt, auf diese Angriffe zu antworten. Das heißt: Wenn Raketenangriffe kommen, werden die USA Israel schützen.
Portnikov. Einer meiner russischen Kollegen machte heute darauf aufmerksam, dass in Ihrem Land — und für Russland ist das angesichts der Verbote, die dort jeden Tag planmäßig eingeführt werden, besonders aktuell — in Ihrem Land praktisch alle Messenger, sozialen Netzwerke verboten sind, es gibt Einschränkungen für das Internet. Und dennoch wurde das kein einziges Mal zu irgendeiner „Pille“ gegen Proteste. Wie organisieren sich Menschen in Bedingungen, wenn nichts da ist, und es unmöglich ist, sich real zu verbinden?
Mazir Mian. Einschränkungen im Iran existieren, man kann sagen, seit 1979 — für alles. Zuerst waren es Videokassetten. Damals gab es die erste Welle der Emigration aus dem Iran, die nach der Islamischen Revolution ausreiste. Sie lebten in den USA und nahmen Videos auf und schickten das alles in den Iran, und die Menschen sahen es. Und dann wurden im Iran Videokassetten verboten. Man brach in Häuser ein mit Durchsuchungen, nahm Videokassetten weg und so weiter. Und nachdem Satellitenfernsehen kam, gab es denselben Verbot für Satellitenfernsehen, und Sicherheitskräfte drangen in Häuser ein, nahmen all diese Geräte weg und so weiter. Danach kam das Internet. Mit dem Internet kämpften sie genauso, und sie blockierten alle sozialen Netzwerke. Aber die Menschen fanden, genau wie damals mit Videokassetten, und später mit Satellitenfernsehen, einen Ausweg.
Heute gibt es im Iran sehr viele verschiedene VPNs, und die Menschen kaufen sie, und dann öffnet sich ihnen der Zugang zum Internet. Der IRGC, das Korps der Wächter der Islamischen Revolution, beschloss, auch daran zu verdienen. Deshalb sind sehr viele dieser VPNs die Produktion eben des IRGC, sie verkaufen dem Volk diese VPNs, weil laut Statistik 70% der Iraner VPN nutzen. Das ist eine sehr große Zahl, das sind mehrere Dutzenden Millionen Menschen. Deshalb gibt es Nachfrage. Und der IRGC verkauft diese VPNs mit Vergnügen an эти Dutzenden Millionen Menschen.
Portnikov. Das heißt, faktisch umgehen sie die eigenen Verbote.
Mazir Mian. Ja. Aber sie verdienen daran.
Portnikov. Die Entwicklung der Situation — wie sehen Sie sie? Werden die Proteste zunehmen, oder wird es irgendwann abflauen? Sind wir auf dem Höhepunkt oder erst am Anfang?
Mazir Mian. Das ist sehr schwer zu prognostizieren. Wenn wir auf die Erfahrung der vorherigen Proteste schauen: 2017 dauerten sie einige Tage, 2019 dauerten sie einige Wochen, 2022 dauerten sie fast ein halbes Jahr, und heute sehen wir, dass sie sich immer weiter ausweiten. Wenn diese Tendenz bleibt, werden wir sehr umfassende Proteste sehen, die das Potenzial haben, mehrere Monate zu dauern. Selbst wenn es dem Regime gelingt, sie in einer Stadt zu unterdrücken, werden sie in einer anderen Stadt beginnen — vielleicht in einer Woche, vielleicht in zwei Wochen. So sehe ich das.
Alles ist möglich, selbstverständlich: Wenn das Regime anfangen wird, Menschenmengen mit großen Opferzahlen zu erschießen, können diese Proteste früher enden. Mir ist es jetzt schwer zu prognostizieren, was passiert, aber was der Fakt ist: Das sind die ernsthaftesten Proteste in der Geschichte der Islamischen Republik gegen das Regime. Warum so? Aus mehreren Gründen. Erstens: Sie finden im ganzen Land statt. Zweitens: Weil die Parolen gegen die Islamische Republik und für den Führer der Opposition sind, der eine Alternative zur Islamischen Republik werden kann. Und drittens: Diese Proteste dauern heute den sechsten Tag, und von Tag zu Tag erweitert sich die Geografie, und die Zahl der Menschen, die daran teilnehmen, wächst ebenfalls.
Plus: Es gibt internationale Unterstützung, erst nur noch in Worten, aber sie ist da. Und dieser Schritt Donald Trumps ist ein ernster Schritt, eine ernste Erklärung. Plus: Es gibt Israel, das eindeutig daran interessiert ist, dass das Regime der Mullahs aufhört zu existieren. Ich denke, wenn sie vernünftige Menschen sind — und ich halte sie dafür — müssen sie heute in ihre zukünftige Sicherheit investieren, damit sie morgen nicht dasitzen und auf Raketen warten, möglicherweise mit nuklearen Gefechtsköpfen, in Israel.
Portnikov. Aber der Vorwurf der Verbindung zu Israel — beeinflusst er nicht die Chancen der Protestbewegung selbst, dass das alles zionistische Agenten seien?
Mazir Mian. Soll das Regime sagen, was es will. Schauen Sie: Das sind keine emotionalen Proteste, das sind Proteste, die sich über Jahre in jedem einzelnen Menschen angestaut haben, der auf die Straße gegangen ist. Man könnte sagen: Wenn es irgendeine emotionale Bewegung wäre — dem Menschen ging es heute schlecht und er ging raus, um zu schreien — dann ja, solche Vorwürfe könnte er annehmen und darüber nachdenken. Aber wenn diese Unzufriedenheit jahrelang staute und die Islamische Republik die Menschen jahrelang mit solchen Worten zu täuschen versuchte, wirkt das heute nicht mehr auf sie.
Portnikov. Ich habe übrigens bemerkt: Sie sprachen über das Ausmaß der Proteste — Ich sah, dass Menschen die Sicherheitskräfte angegriffen haben – man könnte sagen, dass sie den Sicherheitskräften in Qom Widerstand geleistet haben. Und Qom ist eine heilige Stadt der Iraner. Das ist einer der konservativsten Stützen der Islamischen Republik. Es stellt sich heraus, dass auch in dieser Stadt ein großes Protestpotenzial möglich ist. Für mich war das ehrlich gesagt eine Entdeckung.
Mazir Mian. Für mich war das auch überraschend. Man muss verstehen, was Qom ist. Die Stadt Qom ist eine Stadt, in der sich schiitische religiöse Heiligtümer befinden. Und außerdem gibt es dort eine historische Schule, in der alle Mullahs lernen. Das heißt: Alle diese Ajatollahs, die wir sehen, darunter Khamenei und andere Mullahs, die die höchsten Posten in der Islamischen Republik einnehmen, lernen in der Stadt Qom. Dort gibt es sehr viele Studenten, Mullahs, die dort leben, die aus anderen Städten kommen, sogar aus anderen Ländern — sehr viele Studenten kommen aus dem Irak dorthin. Das heißt: Das war immer eine religiöse Stadt, die immer dieses Regime unterstützte.
Außerdem muss man verstehen, dass 1979 die ernsthaften Proteste gegen den Schah genau in dieser Stadt begannen, als es Proteste in Qom gab. Und wenn ich gestern und heute diese Videos sehe, auf denen Menschen nach 47 Jahren skandieren: „Es lebe der Schah“ in der Stadt Qom — das ist natürlich etwas Interessantes, das man untersuchen muss. Wie konnte es so kommen, dass in der Stadt Qom Menschen auf diese Proteste gingen und auch noch „Es lebe der Schah“ skandieren?
Portnikov. Wie ich verstehe, haben die iranischen Machthaber noch Potenzial, zur Idee der Urananreicherung und überhaupt zur Atomprogramms zurückzukehren?Was ist infolge dieses Krieges überhaupt mit dem nuklearen Potenzial Irans erreicht worden? Falls überhaupt etwas erreicht wurde – das ist eine gute Frage.
Mazir Mian. Hier habe ich keine Insiderinformationen. Ich schaue auf das, was in offenen Quellen steht. Und ich denke, dass es zumindest aktuell gelungen ist, das Atomprogramm zu stoppen. Ich bezweifle, dass diese 400 kg auf 60% angereicherten Urans zerstört wurden. Sie sind irgendwo unter der Erde. Das Atomprogramm der Islamischen Republik wurde beschädigt, aber nicht vollständig zerstört. Und wenn die Islamische Republik eine Möglichkeit findet, vielleicht nachdem Trump den Posten des US-Präsidenten verlassen hat, könnten sie dieses Programm wieder aufnehmen und wiederherstellen. Es gibt diese Gefahr, denn derzeit deuten alle Anzeichen darauf hin, dass dieses Programm auf Pause ist: Es ist nicht vollständig zerstört, aber es ist auf Pause, und die Israelis und die Amerikaner beobachten das.
Portnikov. Soweit ich verstehe, ging es darum im Gespräch Trumps mit Netanyahu. Und vielleicht gerade nach diesem Gespräch entschied Trump, dass man die iranische Gesellschaft energischer unterstützen müsse, weil man mit Bombardierungen allein nichts erreicht.
Mazir Mian. Ja, völlig richtig. Das heißt: mit Krieg im Iran… Der Iran ist ein sehr großes Land, dort ist eine sehr komplexe Geografie. Und das ist nicht der Irak, das ist in jeder Hinsicht ein viel schwierigeres Land. Was die Geografie, und die Menschen, die dort leben, betrifft. Deshalb wird Krieg das Problem der Islamischen Republik nicht lösen. Das Problem der Islamischen Republik kann nur der Sturz des Regimes der Islamischen Republik lösen.
Portnikov. Ich danke Ihnen. Ich erinnere daran, dass wir heute mit dem Gründer und Autor des Kanals „Revolution im Iran“, Mazir Mian, über die letzten Ereignisse gesprochen haben, die in seinem Land stattfinden und einen solchen revolutionären Charakter haben. Wir wünschen Ihren Landsleuten Erfolg im Kampf gegen die Tyrannei, denn der Kampf gegen Tyrannei ist immer eine gemeinsame Sache, wie bekannt. Das heißt: Stürzt eine Tyrannei, wird es für die Menschen leichter, gegen andere autoritäre Regime zu kämpfen, leichter, gegen andere Diktaturen zu kämpfen, die, wie wir sehen, sich erfolgreich vereinen, während die demokratische Welt nicht wirklich versteht, wie sie überhaupt zu echter – und nicht nur deklarativer – Einheit gelangen kann.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Восстание в Иране: последствия | Виталий Портников. 02.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.01.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.
