Zelenskys Interview: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 16.09.2026.

Die Ukraine kann dem russischen Präsidenten Putin nicht vertrauen, während man in den Vereinigten Staaten Gespräche mit ihm als Ausdruck des Wunsches des russischen Präsidenten wahrnimmt, den Krieg zu beenden. Diese Aussage des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky in einem Interview mit amerikanischen Journalisten kann als Versuch betrachtet werden, dem Schwiegersohn von Präsident Trump und Sondervermittler Jared Kushner zu antworten, der nach seinen Treffen mit dem russischen und dem ukrainischen Präsidenten betonte, dass man in Moskau den Krieg gerne beenden würde und das Einzige, was einem Friedensabkommen derzeit im Wege stehe, die mangelnde Bereitschaft der Ukraine sei, sich hinter die sogenannte von Putin gezogene Linie zurückzuziehen, also die von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebiete der Regionen Donezk und Luhansk aufzugeben.

Zelensky betont, dass Putin derzeit alles Mögliche tut, um die Ukrainer im eigenen Land zu spalten, die Ukrainer und ihre europäischen Partner auseinanderzubringen und Zelensky selbst vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu entzweien. Putins Forderung, das Gebiet des Donbas aufzugeben, bezeichnet der ukrainische Präsident als den Wunsch, Zwietracht in die Beziehungen innerhalb der ukrainischen Gesellschaft und Missverständnisse zwischen der ukrainischen Armee und der Staatsführung zu bringen.

Übrigens habe ich, wie Sie sich erinnern, bereits mehrfach gesagt, dass Putins Vorschlag, die ukrainischen Truppen sollten jenen Teil des ukrainischen Territoriums verlassen, der heute in den Regionen Donezk und Luhansk von der legitimen Regierung kontrolliert wird, nicht einmal so sehr auf die Eroberung dieser Gebiete abzielt, sondern gerade auf das Bestreben, Bedingungen für eine innere Destabilisierung in der Ukraine selbst zu schaffen. Und wie wir sehen, ist dies nun auch die Sichtweise des ukrainischen Präsidenten.

In Bezug auf die Waffenruhe im Energiebereich – ein weiteres wichtiges Thema, das, wie bekannt ist, derzeit sogar auf der Ebene von Präsident Donald Trump erörtert wird, der bereits voreilig erklärt hat, Moskau und Kyiv hätten sich darauf verständigt, keine Energieanlagen in Russland und der Ukraine anzugreifen – betonte Zelensky, dass die Angriffe bislang trotz der Zustimmung der Ukraine und der Begrüßung dieser Idee durch den Kreml weitergehen und die Ukraine gezwungen sei, mit Gegenschlägen zu antworten.

Der ukrainische Präsident erinnert die Amerikaner daran, dass Russland und die Ukraine unter Angriffen auf die Energieinfrastruktur Unterschiedliches verstehen. Denn für Putin bedeutet Energie vor allem Ölraffinerien und die Erdölvorkommen selbst. Für die Ukraine hingegen bedeutet Energie das, was das Leben der Menschen und das Funktionieren der Städte gewährleistet. Und somit können die Seiten bereits mit dem Begriff der Waffenruhe im Energiebereich unterschiedliche Vorstellungen davon verbinden, wie sich die Situation entwickeln soll.

Aus diesen Äußerungen des ukrainischen Präsidenten lässt sich jedoch eine Schlussfolgerung ziehen, die, wie mir scheint, ohnehin schon nach den Worten des amerikanischen Präsidenten verständlich war. Bislang gelingt es nicht, eine wirkliche Waffenruhe im Energiebereich zu erreichen. Und Donald Trumps Worte hängen ebenfalls in erster Linie mit innenpolitischen Bedürfnissen in den Vereinigten Staaten zusammen.

Im Vorfeld der Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress, die den Republikanern ernsthafte Probleme versprechen, versucht Trump zumindest zu demonstrieren, dass er wenigstens etwas unternimmt, um die Preise an den Tankstellen, darunter auch die Dieselpreise, zu senken. Er erklärt jedoch nicht, dass der Hauptgrund für den Anstieg dieser Preise mit der iranischen Blockade der Straße von Hormus und damit zusammenhängt, dass die Länder des Persischen Golfs keine ausreichenden Mengen Dieselkraftstoff auf die Märkte liefern können.

Doch Trump, der bereits verkündet hat, dass die Vereinigten Staaten die Straße von Hormus kontrollieren, kann diese offensichtliche Tatsache schlicht nicht eingestehen und ist gezwungen, zu neuen Vorwürfen gegen die Ukraine zu greifen, die russische Ölraffinerien angreift und Russland selbst dazu zwingt, Dieselkraftstoff zu kaufen, anstatt ihn zu verkaufen.

Ein weiterer wichtiger Punkt in Zelenskys Interview ist, dass er seine Aussage wiederholt, die Russen hätten auf dem Gebiet der Republik Moldau gezielt versucht, sein Flugzeug ins Visier zu nehmen. Sowohl als der ukrainische Präsident zur Beerdigung des norwegischen Monarchen flog als auch bei seiner Rückkehr aus Norwegen. Wie bekannt ist, gab es über diese Behauptung, die erstmals vom norwegischen Ministerpräsidenten geäußert worden war, zahlreiche Diskussionen darüber, in welcher Entfernung sich die Drohnen, die sich im Luftraum der Republik Moldau befanden, vom Flugzeug der ukrainischen Delegation entfernt befanden.

Nun hilft Zelenskys Argumentation jedoch die Tatsache, dass sich russische Drohnen buchstäblich in unmittelbarer Nähe des Zuges befanden, mit dem eine Delegation westlicher Sicherheitsberater sowie der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson, der die Ukraine besucht hatte, das Land verließen. Und die Tatsache, dass die Russen völlig ungehindert gerade dort die Eisenbahn angreifen können, wo ein Zug mit hochrangigen europäischen Amtsträgern unterwegs ist, kann grundsätzlich zu einem weiteren Beleg dafür werden, dass die russischen Geheimdienste auch die ukrainische Führung mithilfe unbemannter Fluggeräte jagen können.

Vielleicht geht es bei diesen Angriffen auf dem Gebiet der Republik Moldau, bei der bloßen Präsenz von Drohnen im Luftraum dieses Landes, auch weniger um den Wunsch, den ukrainischen Präsidenten zu töten, als vielmehr um das Signal, dass Russland die Situation inzwischen so weit kontrolliert, dass es die Sicherheit Zelenskys selbst infrage stellen kann. Und dies ist ein weiteres Element des Drucks, das Putin als einen Schritt in Richtung Kapitulation des feindlichen Landes betrachten kann, das er von der politischen Weltkarte zu tilgen träumt.

Und davon spricht übrigens auch Zelensky, der in seinem Interview mit amerikanischen Journalisten betont, dass Putin die Ukraine besetzen will, dies für ihn angesichts der heutigen realen Situation jedoch unglaublich schwierig erscheint. Und ihm bleibt nichts anderes übrig, als nach Wegen für eine weitere Eskalation an der russisch-ukrainischen Front zu suchen.

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft Wahlen während des Krieges. Dieses Thema ist in der westlichen Presse stets präsent und wird nun durch die Worte des ehemaligen Verteidigungsministers Mykhailo Fedorov zusätzlich befeuert. Zelensky erklärt die Probleme bei der Durchführung von Wahlen nicht nur mit rechtlichen Hindernissen, sondern auch mit Sicherheitsfragen und fragt, wie man Wahlen durchführen soll, an denen beispielsweise neun Millionen Bürger teilnehmen müssten – genau diese Zahl nennt der ukrainische Präsident –, die sich außerhalb der Ukraine befinden. Und wie soll ihre Stimmabgabe organisiert werden, wenn zuvor im Ausland nicht mehr als 500.000 potenzielle Wähler abgestimmt haben?

Natürlich bleibt dabei auch die Frage außen vor, wie die Bürger in den vorübergehend besetzten Gebieten abstimmen sollen. Aber wir verstehen sehr gut, dass selbst dann, wenn der Krieg endet oder ausgesetzt wird, von einer Stimmabgabe der Menschen, die sich in den vorübergehend von Russland besetzten Gebieten der Ukraine befinden werden, keine Rede sein wird. Russland wird alles Mögliche tun, um diese Menschen, von denen die überwiegende Mehrheit bereits die russische Staatsbürgerschaft besitzt, von jeglicher ukrainischen Abstimmung fernzuhalten, und dabei auf seiner Souveränität über diese Gebiete der Ukraine bestehen. Aber auch diese Frage muss aus rechtlicher Sicht gestellt werden, selbst wenn man sich der Unmöglichkeit ihrer praktischen Umsetzung bewusst ist.

Auf die Frage, warum Politiker, die noch vor Kurzem Teil der ukrainischen Staatsführung waren, jetzt über Wahlen sprechen, antwortete Zelensky eindeutig: weil sie Politik machen wollen. Das ist alles. Und dies erinnert erneut daran, dass seine Konflikte mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov andauern und der Präsident und sein langjähriger Minister in der schwierigen politischen Situation, die sich in den vergangenen Monaten in der Ukraine entwickelt hat, wohl kaum zu einer Verständigung miteinander finden werden. Gerade wenn es um Menschen geht, die früher zum engen Umfeld von Volodymyr Zelensky gehörten.

Man kann also sagen, dass dieses Interview des ukrainischen Präsidenten im Grunde eine Antwort auf viele Fragen darstellt, die im Kontext jener Verhandlungsbemühungen verständlich sind, welche die Vereinigten Staaten unternehmen. Und wir können erkennen, dass wir es eher mit einem Ritual, mit einer Simulation eines Verhandlungsprozesses zu tun haben. Aus unterschiedlichen Gründen sind jedoch alle gezwungen, an dieser Simulation teilzunehmen: die Vereinigten Staaten, deren Präsident vor den für ihn wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress irgendwelche Ergebnisse vorweisen muss; der Präsident der Russischen Föderation, der keinen Streit mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten will und zugleich nicht einmal über die Möglichkeit nachdenkt, den russisch-ukrainischen Krieg in absehbarer Zukunft zu beenden; und der Präsident der Ukraine, der die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten nicht beschädigen will und offenbar auf Treffen mit Donald Trump während des G20-Gipfels in Miami hofft.

Doch das ritualisierte Verhalten der Staatsoberhäupter ist kein Weg zum Frieden, sondern lediglich eine Erinnerung daran, dass es keine Voraussetzungen für einen wirklichen Verhandlungsprozess geben kann, solange kein ausreichender Druck auf Russland und seine wirtschaftlichen Ressourcen ausgeübt wird.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Інтервʼю Зеленського: головне | Віталій
Портников. 16.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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