Dringendes Treffen zwischen Zelensky und Erdoğan | Vitaly Portnikov. 30.10.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky wird bereits morgen in Istanbul mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zusammentreffen.

Obwohl die Tagesordnung dieses Treffens von der Administration des türkischen Präsidenten nicht veröffentlicht wird, können wir uns vorstellen, dass es Teil jener Bemühungen ist, Wege zur Wiederaufnahme des Friedensprozesses zu finden. Diese Bemühungen haben nach den Gesprächen von Zelensky, Stubb und Støre mit dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, in Oslo sowie nach der Reise von Steve Witkoff nach Sankt Petersburg wieder an Fahrt aufgenommen. Dort führte Trumps Vertreter mehrstündige Gespräche mit Putin.

Nach wie vor besteht die Hoffnung, dass die russische Seite nach den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress nicht auf eine Fortsetzung des Verhandlungsprozesses zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten verzichten wird und zumindest ein Beratungstreffen zwischen den Delegationen der drei Länder stattfinden wird.

Doch von diesen Bemühungen um Verhandlungen in Abu Dhabi sind nicht nur die Europäer ausgeschlossen, denen faktisch ein Platz am Verhandlungstisch verweigert wurde. Außen vor bleibt auch der türkische Präsident, der als einer der Ersten versucht hatte, sowohl mit Moskau als auch mit Kyiv Kontakte aufzubauen und dazu beizutragen, zumindest begrenzte Möglichkeiten für einen Waffenstillstand zwischen den beiden verfeindeten Staaten zu finden.

Natürlich kann Erdoğan aus der Zeit des großangelegten russischen Krieges gegen die Ukraine nur ein einziges wirklich erreichtes Abkommen vorweisen: das Getreideabkommen. Und obwohl der Kreml dieses Abkommen schon bald wieder aufkündigte, bleibt es ein Beispiel dafür, wie sich der Präsident der Russischen Föderation, Putin, einen Verhandlungsprozess überhaupt vorstellt. Von Anfang an wollte der Kreml kein Getreideabkommen und ließ sich ausschließlich darauf ein, um zu demonstrieren, dass der russische Präsident bereit ist, dem türkischen Präsidenten entgegenzukommen.

Damals brauchte Putin Erdoğan gerade vor dem Hintergrund der schwerwiegenden Sanktionen gegen die Russische Föderation, die von den Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien und den Ländern der Europäischen Union, also von der gesamten zivilisierten Welt, verhängt worden waren. Und die Türkei erwies sich als eines der wenigen Länder, die bereit waren, auf eine solche Sanktionspolitik zu verzichten. 

Vor allem aber war sie faktisch das einzige Land, das nicht nur darauf verzichten konnte, Sanktionen gegen Russland zu verhängen, sondern auch Vertretern der russischen politischen und unternehmerischen Elite, unter denen sich Gerüchten zufolge auch enge Verwandte des russischen Präsidenten selbst befanden, dieselben Lebensmöglichkeiten bieten konnte, die sie zu jener Zeit gehabt hatten, als man diese Kriegsverbrecher noch in die Ferienorte des Westens einreisen ließ.

Und offensichtlich wollte Putin Erdoğan genau dafür etwas zurückgeben, allerdings nicht so lange, dass sein Abkommen mit der Ukraine tatsächlich den russischen Wunsch behindert hätte, die Wirtschaft des Nachbarlandes weiter zu zerstören. Und dass wir nach dem Ausstieg Russlands aus dem Getreideabkommen unser Getreide noch eine gewisse Zeit lang in die Welt liefern konnten, war bereits nicht mehr das Ergebnis der Vereinbarungen von Istanbul, sondern das Ergebnis der Tatsache, dass es der Ukraine gelungen war, mit eigenen militärischen Anstrengungen die Sicherheit der Handelswege zu gewährleisten.

Jetzt, da diese Anstrengungen nicht mehr ausreichen, hat Russland die Blockade der ukrainischen Handelswege im Schwarzen Meer wieder aufgenommen und hofft auf den Zusammenbruch der ukrainischen Landwirtschaft sowie auf die von Putin so dringend benötigte Hungersnot in der Welt, die ihrerseits zu massiven Migrationskrisen führen soll. Und massive Migrationskrisen destabilisieren Europa.

Aber nicht nur Europa, das für Putin weiterhin ein wichtiges Betätigungsfeld seiner aggressiven Bestrebungen bleibt, sondern auch die Türkei. Recep Tayyip Erdoğan muss sich darüber im Klaren sein, dass eine Migrationskrise in den Ländern des Globalen Südens, die mit einer nahezu unvermeidlichen Hungersnot zusammenhängt, zu einer ernsthaften Destabilisierung in der Türkei selbst führen kann. Dem türkischen Präsidenten dürften die Ereignisse im Nahen Osten und die syrischen Flüchtlinge genügen, um das Ausmaß dieses Unglücks zu begreifen, das auf die Türkei zukommt und seine eigene Macht bedrohen könnte.

Deshalb haben Zelensky und Erdoğan tatsächlich einiges zu besprechen. Selbst wenn für die Türkei am Tisch der virtuellen russisch-ukrainisch-amerikanischen Verhandlungen, die möglicherweise gar nicht stattfinden werden, kein Platz gefunden wurde. Es geht vor allem um die gemeinsame Suche nach Wegen, die Handelsmöglichkeiten der Ukraine und übrigens auch Russlands im Schwarzen Meer wieder freizugeben.

Anders als der amerikanische Präsident Donald Trump, der unter den gegenwärtigen Bedingungen eher ein Instrument der russischen Diplomatie ist, kann der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan tatsächlich über einen gewissen vertraulichen und wirtschaftlichen Einfluss auf den russischen Präsidenten und sein Team verfügen. Und er kann tatsächlich Anstrengungen unternehmen, die Putin dazu zwingen könnten, zumindest die Blockade der Handelswege im Schwarzen Meer zu lockern und damit Möglichkeiten zu schaffen, die ukrainische Landwirtschaft in den kommenden schwierigen Kriegsjahren zu retten.

Wie weit wird dieser Einfluss Erdoğans unter den neuen Bedingungen reichen, da Putin bereits darauf hofft, Amerika und Europa gegeneinander ausspielen zu können? Wie sehr ist der russische Präsident heute noch an den Diensten des türkischen Präsidenten interessiert? Das ist natürlich eine Frage, auf die wir schon bald eine Antwort erhalten werden. 

Aber die Möglichkeiten des türkischen Präsidenten zu nutzen, mit seinen ständigen Kontakten zur Führung der Russischen Föderation und seinem Interesse daran, seinen eigenen Einfluss im postsowjetischen Raum auszubauen – und natürlich nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Südkaukasus, wo Russland und die Türkei, könnte man sagen, in einem unmittelbaren geopolitischen Konflikt miteinander stehen –, all das ist notwendig.

Ebenso notwendig ist es, daran zu denken, dass Erdoğan für Putin nicht nur ein geopolitischer Konkurrent ist, sondern auch der Staatschef eines Landes, mit dem Russland weiterhin recht fruchtbare Energiebeziehungen unterhält. Und all das Geld, das Putin für den Krieg braucht, verdient er in erster Linie dank seiner Einnahmen aus dem Ölgeschäft.

Obwohl sich natürlich der Beitrag der Türkei zu diesen Möglichkeiten keineswegs mit dem Beitrag der wichtigsten Energiesponsoren der Russischen Föderation aus Peking und Neu-Delhi vergleichen lässt. Dennoch kann der russische Präsident auch Erdoğans Auffassung darüber, inwieweit Russland bei seiner Expansion im Schwarzen Meer vorsichtiger vorgehen sollte, nicht ignorieren.

Hoffen wir also, dass Erdoğan und Zelensky in Istanbul nach Wegen suchen werden, die es ermöglichen, das Schwarze Meer wieder freizugeben, so wie es nach der ersten und möglicherweise für lange Zeit letzten russisch-ukrainischen Vereinbarung aus der Zeit des großen Krieges der Fall war.


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Titel des Originals: Термінова зустріч Зеленського та Ердогана | Віталій Портников. 30.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.10.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Massive Angriffe auf die Energieinfrastruktur | Vitaly Portnikov. 30.09.2026.

In der Ukraine, insbesondere in der Hauptstadt, hat es erstmals seit längerer Zeit wieder Stromabschaltungen gegeben. Ministerpräsident Serhij Korezkyj räumt ein, dass Russland mit massiven Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur begonnen hat.

Natürlich gab es auch zuvor bei jedem Drohnenangriff oder jedem Angriff mit ballistischen Raketen Schläge gegen ukrainische Energieanlagen. Doch jetzt können wir von einem systematischen massiven Angriff Russlands auf die ukrainische Energieinfrastruktur sprechen, mit dem auch die Stromabschaltungen zusammenhängen.

An dieser Grausamkeit dürfte kaum etwas überraschend sein. Viele gingen davon aus, dass die Russen versuchen würden, die ukrainische Energieinfrastruktur auszuschalten, sobald der erste Frost einsetzt. Genau das geschieht jetzt.

Praktisch schon die ersten nächtlichen Minusgrade haben den Aggressor zum Handeln veranlasst. Und nun wird vieles nicht nur von den Möglichkeiten abhängen, russische Drohnen und Raketen zu zerstören, die auf die ukrainische Energieinfrastruktur zielen, sondern auch davon, wie gut die ukrainischen Städte auf diese neuen Prüfungen vorbereitet sind.

Es wird deutlich, wie sehr sich der Charakter des Krieges verändert hat. Dass die militärischen Operationen an der Front längst in einer Sackgasse stecken und es weder der russischen noch der ukrainischen Armee gelingt, größere vom Gegner kontrollierte Gebiete einzunehmen, muss man meines Erachtens gar nicht mehr beweisen.

Die russische Armee hat an der Front praktisch keine nennenswerten Erfolge. Mehr noch: Derzeit haben die ukrainischen Truppen im Rahmen der Operation „Vivaldi“ die Möglichkeit, zumindest einen kleinen Teil des Territoriums vom Feind zu befreien, das sich unter seiner Kontrolle befand.

Und die ukrainische Führung schenkt dieser Operation besondere Aufmerksamkeit. Der Präsident trifft sich mit den Soldaten, die derzeit versuchen, einen Teil des ukrainischen Landes zu befreien. Die Kommandeure berichten über die Erfolge der ukrainischen Armee.

Putin kann seine besondere Aufmerksamkeit jedoch nicht auf diese Erfolge richten und auch nicht einmal auf die Tatsache, dass es unmöglich ist, den größten Teil des Donbas zu erobern. Wir können nicht davon ausgehen, dass er sich damit einfach bereits abgefunden hat, aber wir können erkennen, dass er den Schwerpunkt seiner Aggression vollständig ins Hinterland verlagert hat. Auch das ist eine logische Folge der Tatsache, dass es den Streitkräften der Russischen Föderation unter den gegebenen Umständen schlicht unmöglich ist, die Aufgaben zu erfüllen, die Putin ihnen bereits 2022 gestellt hatte.

Aber erinnern wir uns daran, welche Aufgaben das waren. Es war der Befehl, das gesamte Gebiet der Oblast Donezk innerhalb ihrer Verwaltungsgrenzen einzunehmen – und natürlich auch das der Oblast Luhansk. Doch wozu braucht Putin die gesamten Gebiete der Oblaste Donezk und Luhansk? Um diese ukrainischen Gebiete in Aufmarschgebiete für weitere Angriffe auf unser Land mit dem Ziel seiner vollständigen Eroberung zu verwandeln.

Eine vollständige Eroberung kann jedoch nicht nur durch Besatzung erfolgen, sondern auch durch die Erschöpfung des Territoriums, das nicht von der feindlichen Armee kontrolliert wird. Und genau das versucht Putin jetzt zu erreichen.

Ja, wir können über einzigartige Technologien sprechen, die der Feind derzeit einsetzt, um das ukrainische Hinterland zu erschöpfen und die Ukrainer zu einer vollständigen und bedingungslosen Kapitulation vor dem Kreml zu zwingen. Aber wir können nicht von einer einzigartigen Situation sprechen. So etwas hat es in der Geschichte der Menschheit schon mehrfach gegeben. Und ich denke, es wird auch künftig noch mehrfach geschehen.

Erinnern wir uns. Der Erste Weltkrieg. Deutschland kapituliert, obwohl sich auf seinem Territorium kein einziger ausländischer Soldat befindet. Die innere Situation im Land ist schlicht so, dass eine Fortsetzung der Kampfhandlungen nicht mehr möglich ist. Die Gesellschaft will das nicht. Auch in der Armee gibt es keine Bereitschaft mehr, den Krieg fortzusetzen.

Doch zuvor organisiert eben jenes Deutschland, das wenige Monate später kapitulieren wird, organisieren jene Menschen, die ihre Macht verlieren und gezwungen sein werden, sie anderen politischen Kräften zu überlassen, den Austritt Russlands aus dem Krieg. Auf dem Territorium des Russischen Reiches befinden sich Truppen, doch die Gesellschaft, die zu Beginn des Ersten Weltkriegs patriotisch eingestellt war, empfindet jeden weiteren Tag des Krieges als eine regelrechte Tragödie. Sie hält ihre militärische Führung und sogar das Staatsoberhaupt, den Kaiser, für inkompetent. Infolgedessen kommt es zur Februarrevolution.

Aber auch das ist noch nicht alles, denn diejenigen, die infolge dieser Revolution in Petrograd an die Macht kommen, haben keineswegs vor, den Krieg zu beenden, sondern wollen ihn effektiver führen. Und nun treten die russischen Bolschewiki auf den Plan, die enge Beziehungen zum deutschen Generalstab unterhalten und darüber hinaus von dem Wunsch erfüllt sind, um jeden Preis die Macht zu ergreifen. Und sie stellen Parolen auf, die für jeden verständlich sind, der mehrere Jahre Krieg durchlebt hat, für jeden, der sein Zuhause verlassen musste, für jeden, der einen Angehörigen an der Front verloren hat. Das erste Dekret, das Lenins bolschewistische Regierung verabschiedet, ist das Dekret über den Frieden.

Russland scheidet aus dem Krieg aus, und eine der größten Tragödien seiner Geschichte beginnt, die sich über viele Jahrzehnte hinzieht. Und gemeinsam mit Russland durchlebt diese Tragödie zunächst die unabhängige und später von den Bolschewiki besetzte Ukraine. So kann es kommen. Und das sind nur die jüngsten, uns sehr gut bekannten Beispiele aus unserer eigenen Geschichte, die wir niemals vergessen dürfen.

Putin kennt diese Geschichten natürlich ebenfalls. Was jetzt geschieht, ist eine Aufgabe, die vor allem auf die Demoralisierung der ukrainischen Gesellschaft, auf die Vorbereitung einer ganzen Reihe politischer, wirtschaftlicher und sozialer Krisen und auf die Erschöpfung der Ukraine abzielt.

Gleichzeitig wird man im Westen darauf hinwirken, dass die Unterstützung für die Ukraine eingestellt wird – durch die triumphalen Auftritte ultrarechter, Putin nahestehender politischer Kräfte in Europa und durch die Destabilisierung der Ukraine , die es diesen Kräften ermöglichen soll, zu behaupten, man müsse einem korrupten Staat, der darüber hinaus faktisch seine gesamte Infrastruktur verliert, nicht helfen. Übrigens haben wir das bereits gehört, als Donald Trump um das Präsidentenamt in den Vereinigten Staaten kämpfte – sowohl von ihm selbst als auch von seinem Sohn Donald Trump Jr., der sich als guter Freund oligarchisch-krimineller Kreise erwiesen hat, die Putin nahestehen.

Und all das zusammen soll Putin den von ihm erhofften totalen Sieg bringen, selbst unter Bedingungen, unter denen seine Armee keinen einzigen Kilometer mehr vorrückt. Und genau das ist die größte Gefahr der kommenden Jahre der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation. Das Problem Nummer eins.

Dabei können die Soldaten den Eindruck haben, dass sie, solange sie die Front halten, dem Staat nicht einmal die geringste Möglichkeit geben, über eine Niederlage im Krieg nachzudenken – und am Ende werden sie keinen Ort mehr haben, an den sie zurückkehren können, wie es in der Geschichte bereits mehrfach geschehen ist. Die Menschen im Hinterland wiederum können der Illusion erliegen, dass dem Staat nichts droht, solange die Armee den Feind nicht durchlässt – und am Ende bricht im Hinterland alles zusammen.

Genau darauf setzt der Feind. Genau daran arbeitet er beharrlich. Das sind die Pläne, die routinemäßig bei Putins Treffen mit Vertretern des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation, des Föderalen Sicherheitsdienstes und der Hauptverwaltung des Generalstabs der russischen Streitkräfte besprochen werden. Sämtliche Befehle an das Militär werden gerade unter dem Gesichtspunkt erteilt, den Nachbarstaat durch Destabilisierung und Zerstörung seines Hinterlandes zu vernichten.

Deshalb muss man die Angriffe auf die Energieinfrastruktur sehr aufmerksam und ernst nehmen. Denn Putin nutzt das Zeitfenster, in dem wir nicht in der Lage sind, Angriffe mit ballistischen Raketen und strahlgetriebene Drohnen abzuwehren, um einen großen Teil der ukrainischen Infrastrukturanlagen zu zerstören.

Wir dürfen uns nicht von dem Gedanken täuschen lassen, dass die Zerstörung des wirtschaftlichen Potenzials Russlands Putin schnell dazu bringen wird, seine Pläne aufzugeben. Nein, das wird sie nicht. Aber ohne die Zerstörung dieses Potenzials – vor allem der Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation und ihres militärisch-industriellen Komplexes – sollte man auch nicht darauf hoffen, dass sich der russische Präsident in absehbarer Zukunft für die Möglichkeit interessieren wird, nicht etwa den Krieg zu beenden – davon kann überhaupt keine Rede sein –, sondern wenigstens die Kampfhandlungen auszusetzen, zumindest im Hinterland.

Gerade eine Energiewaffenruhe, gerade die Wiederherstellung der Seewege, gerade die Einstellung der Raketen- und Drohnenangriffe auf die ukrainische Infrastruktur werden zur wichtigsten Aufgabe für das Überleben in diesem Krieg in den kommenden schweren Jahren. Selbst wenn wir keine Möglichkeit haben, die Kampfhandlungen zwischen den Armeen einzustellen, und Russland dem wohl kaum zustimmen wird, müssen wir nach Möglichkeiten suchen, die Angriffe der Russischen Föderation auf die ukrainische Infrastruktur zu beenden. Nicht so sehr mithilfe der Diplomatie, sondern vielmehr durch die Zerstörung russischer Infrastrukturanlagen, die für Russland selbst von großer Bedeutung sind – bis der Preis der russischen Verluste schwerer wiegt als Putins Traum, die Ukraine durch die Zerschlagung ihres Hinterlandes zu besiegen. 

Das ist die realistischste und verständlichste Formel, die erklären soll, was gegen Russlands Angriffe auf die Energieinfrastruktur und gegen Putins Versuche zu tun ist, die ukrainische Zivilbevölkerung frieren zu lassen und sich auf diese Weise einen entscheidenden Vorteil im Krieg gegen die von ihm verhasste Ukraine zu verschaffen – gegen eine Ukraine, von der er träumt, sie nicht nur frieren zu lassen, sondern sie vor allem von der politischen Landkarte der modernen Welt zu tilgen.


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Titel des Originals: Масовані атаки по енергетиці | Віталій Портников. 30.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.09.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Zelenskys Interview: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 16.09.2026.

Die Ukraine kann dem russischen Präsidenten Putin nicht vertrauen, während man in den Vereinigten Staaten Gespräche mit ihm als Ausdruck des Wunsches des russischen Präsidenten wahrnimmt, den Krieg zu beenden. Diese Aussage des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky in einem Interview mit amerikanischen Journalisten kann als Versuch betrachtet werden, dem Schwiegersohn von Präsident Trump und Sondervermittler Jared Kushner zu antworten, der nach seinen Treffen mit dem russischen und dem ukrainischen Präsidenten betonte, dass man in Moskau den Krieg gerne beenden würde und das Einzige, was einem Friedensabkommen derzeit im Wege stehe, die mangelnde Bereitschaft der Ukraine sei, sich hinter die sogenannte von Putin gezogene Linie zurückzuziehen, also die von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebiete der Regionen Donezk und Luhansk aufzugeben.

Zelensky betont, dass Putin derzeit alles Mögliche tut, um die Ukrainer im eigenen Land zu spalten, die Ukrainer und ihre europäischen Partner auseinanderzubringen und Zelensky selbst vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu entzweien. Putins Forderung, das Gebiet des Donbas aufzugeben, bezeichnet der ukrainische Präsident als den Wunsch, Zwietracht in die Beziehungen innerhalb der ukrainischen Gesellschaft und Missverständnisse zwischen der ukrainischen Armee und der Staatsführung zu bringen.

Übrigens habe ich, wie Sie sich erinnern, bereits mehrfach gesagt, dass Putins Vorschlag, die ukrainischen Truppen sollten jenen Teil des ukrainischen Territoriums verlassen, der heute in den Regionen Donezk und Luhansk von der legitimen Regierung kontrolliert wird, nicht einmal so sehr auf die Eroberung dieser Gebiete abzielt, sondern gerade auf das Bestreben, Bedingungen für eine innere Destabilisierung in der Ukraine selbst zu schaffen. Und wie wir sehen, ist dies nun auch die Sichtweise des ukrainischen Präsidenten.

In Bezug auf die Waffenruhe im Energiebereich – ein weiteres wichtiges Thema, das, wie bekannt ist, derzeit sogar auf der Ebene von Präsident Donald Trump erörtert wird, der bereits voreilig erklärt hat, Moskau und Kyiv hätten sich darauf verständigt, keine Energieanlagen in Russland und der Ukraine anzugreifen – betonte Zelensky, dass die Angriffe bislang trotz der Zustimmung der Ukraine und der Begrüßung dieser Idee durch den Kreml weitergehen und die Ukraine gezwungen sei, mit Gegenschlägen zu antworten.

Der ukrainische Präsident erinnert die Amerikaner daran, dass Russland und die Ukraine unter Angriffen auf die Energieinfrastruktur Unterschiedliches verstehen. Denn für Putin bedeutet Energie vor allem Ölraffinerien und die Erdölvorkommen selbst. Für die Ukraine hingegen bedeutet Energie das, was das Leben der Menschen und das Funktionieren der Städte gewährleistet. Und somit können die Seiten bereits mit dem Begriff der Waffenruhe im Energiebereich unterschiedliche Vorstellungen davon verbinden, wie sich die Situation entwickeln soll.

Aus diesen Äußerungen des ukrainischen Präsidenten lässt sich jedoch eine Schlussfolgerung ziehen, die, wie mir scheint, ohnehin schon nach den Worten des amerikanischen Präsidenten verständlich war. Bislang gelingt es nicht, eine wirkliche Waffenruhe im Energiebereich zu erreichen. Und Donald Trumps Worte hängen ebenfalls in erster Linie mit innenpolitischen Bedürfnissen in den Vereinigten Staaten zusammen.

Im Vorfeld der Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress, die den Republikanern ernsthafte Probleme versprechen, versucht Trump zumindest zu demonstrieren, dass er wenigstens etwas unternimmt, um die Preise an den Tankstellen, darunter auch die Dieselpreise, zu senken. Er erklärt jedoch nicht, dass der Hauptgrund für den Anstieg dieser Preise mit der iranischen Blockade der Straße von Hormus und damit zusammenhängt, dass die Länder des Persischen Golfs keine ausreichenden Mengen Dieselkraftstoff auf die Märkte liefern können.

Doch Trump, der bereits verkündet hat, dass die Vereinigten Staaten die Straße von Hormus kontrollieren, kann diese offensichtliche Tatsache schlicht nicht eingestehen und ist gezwungen, zu neuen Vorwürfen gegen die Ukraine zu greifen, die russische Ölraffinerien angreift und Russland selbst dazu zwingt, Dieselkraftstoff zu kaufen, anstatt ihn zu verkaufen.

Ein weiterer wichtiger Punkt in Zelenskys Interview ist, dass er seine Aussage wiederholt, die Russen hätten auf dem Gebiet der Republik Moldau gezielt versucht, sein Flugzeug ins Visier zu nehmen. Sowohl als der ukrainische Präsident zur Beerdigung des norwegischen Monarchen flog als auch bei seiner Rückkehr aus Norwegen. Wie bekannt ist, gab es über diese Behauptung, die erstmals vom norwegischen Ministerpräsidenten geäußert worden war, zahlreiche Diskussionen darüber, in welcher Entfernung sich die Drohnen, die sich im Luftraum der Republik Moldau befanden, vom Flugzeug der ukrainischen Delegation entfernt befanden.

Nun hilft Zelenskys Argumentation jedoch die Tatsache, dass sich russische Drohnen buchstäblich in unmittelbarer Nähe des Zuges befanden, mit dem eine Delegation westlicher Sicherheitsberater sowie der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson, der die Ukraine besucht hatte, das Land verließen. Und die Tatsache, dass die Russen völlig ungehindert gerade dort die Eisenbahn angreifen können, wo ein Zug mit hochrangigen europäischen Amtsträgern unterwegs ist, kann grundsätzlich zu einem weiteren Beleg dafür werden, dass die russischen Geheimdienste auch die ukrainische Führung mithilfe unbemannter Fluggeräte jagen können.

Vielleicht geht es bei diesen Angriffen auf dem Gebiet der Republik Moldau, bei der bloßen Präsenz von Drohnen im Luftraum dieses Landes, auch weniger um den Wunsch, den ukrainischen Präsidenten zu töten, als vielmehr um das Signal, dass Russland die Situation inzwischen so weit kontrolliert, dass es die Sicherheit Zelenskys selbst infrage stellen kann. Und dies ist ein weiteres Element des Drucks, das Putin als einen Schritt in Richtung Kapitulation des feindlichen Landes betrachten kann, das er von der politischen Weltkarte zu tilgen träumt.

Und davon spricht übrigens auch Zelensky, der in seinem Interview mit amerikanischen Journalisten betont, dass Putin die Ukraine besetzen will, dies für ihn angesichts der heutigen realen Situation jedoch unglaublich schwierig erscheint. Und ihm bleibt nichts anderes übrig, als nach Wegen für eine weitere Eskalation an der russisch-ukrainischen Front zu suchen.

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft Wahlen während des Krieges. Dieses Thema ist in der westlichen Presse stets präsent und wird nun durch die Worte des ehemaligen Verteidigungsministers Mykhailo Fedorov zusätzlich befeuert. Zelensky erklärt die Probleme bei der Durchführung von Wahlen nicht nur mit rechtlichen Hindernissen, sondern auch mit Sicherheitsfragen und fragt, wie man Wahlen durchführen soll, an denen beispielsweise neun Millionen Bürger teilnehmen müssten – genau diese Zahl nennt der ukrainische Präsident –, die sich außerhalb der Ukraine befinden. Und wie soll ihre Stimmabgabe organisiert werden, wenn zuvor im Ausland nicht mehr als 500.000 potenzielle Wähler abgestimmt haben?

Natürlich bleibt dabei auch die Frage außen vor, wie die Bürger in den vorübergehend besetzten Gebieten abstimmen sollen. Aber wir verstehen sehr gut, dass selbst dann, wenn der Krieg endet oder ausgesetzt wird, von einer Stimmabgabe der Menschen, die sich in den vorübergehend von Russland besetzten Gebieten der Ukraine befinden werden, keine Rede sein wird. Russland wird alles Mögliche tun, um diese Menschen, von denen die überwiegende Mehrheit bereits die russische Staatsbürgerschaft besitzt, von jeglicher ukrainischen Abstimmung fernzuhalten, und dabei auf seiner Souveränität über diese Gebiete der Ukraine bestehen. Aber auch diese Frage muss aus rechtlicher Sicht gestellt werden, selbst wenn man sich der Unmöglichkeit ihrer praktischen Umsetzung bewusst ist.

Auf die Frage, warum Politiker, die noch vor Kurzem Teil der ukrainischen Staatsführung waren, jetzt über Wahlen sprechen, antwortete Zelensky eindeutig: weil sie Politik machen wollen. Das ist alles. Und dies erinnert erneut daran, dass seine Konflikte mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov andauern und der Präsident und sein langjähriger Minister in der schwierigen politischen Situation, die sich in den vergangenen Monaten in der Ukraine entwickelt hat, wohl kaum zu einer Verständigung miteinander finden werden. Gerade wenn es um Menschen geht, die früher zum engen Umfeld von Volodymyr Zelensky gehörten.

Man kann also sagen, dass dieses Interview des ukrainischen Präsidenten im Grunde eine Antwort auf viele Fragen darstellt, die im Kontext jener Verhandlungsbemühungen verständlich sind, welche die Vereinigten Staaten unternehmen. Und wir können erkennen, dass wir es eher mit einem Ritual, mit einer Simulation eines Verhandlungsprozesses zu tun haben. Aus unterschiedlichen Gründen sind jedoch alle gezwungen, an dieser Simulation teilzunehmen: die Vereinigten Staaten, deren Präsident vor den für ihn wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress irgendwelche Ergebnisse vorweisen muss; der Präsident der Russischen Föderation, der keinen Streit mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten will und zugleich nicht einmal über die Möglichkeit nachdenkt, den russisch-ukrainischen Krieg in absehbarer Zukunft zu beenden; und der Präsident der Ukraine, der die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten nicht beschädigen will und offenbar auf Treffen mit Donald Trump während des G20-Gipfels in Miami hofft.

Doch das ritualisierte Verhalten der Staatsoberhäupter ist kein Weg zum Frieden, sondern lediglich eine Erinnerung daran, dass es keine Voraussetzungen für einen wirklichen Verhandlungsprozess geben kann, solange kein ausreichender Druck auf Russland und seine wirtschaftlichen Ressourcen ausgeübt wird.


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Titel des Originals: Інтервʼю Зеленського: головне | Віталій
Портников. 16.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.09.2026.
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