„Angriff“ auf den Turkish Stream | Vitaly Portnikov. 14.01.24.

Das russische Verteidigungsministerium hat die Ukraine beschuldigt, einen Drohnenangriff auf die Gaskompressoranlage Russkaja im Gebiet Gai Kodzora in der Region Krasnodar durchgeführt zu haben. Diese Station ist ein Teil der Infrastruktur, die mit der Route des Türkischen Stroms verbunden ist. Es ist die letzte russische Pipeline, die Gas liefert, insbesondere an die Türkei, Ungarn und weitere Länder im Süden Europas.

Es muss gesagt werden, dass in Kyiv die Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums nicht kommentiert wurde, während sie in Budapest sofort aufgegriffen wurde. Der ungarische Außenminister, Péter Szijjártó, ein enger Vertrauter von Viktor Orbán, warf Kyiv vor, die energetische Sicherheit Europas zu gefährden, und betonte, dass die Stabilität der Gaslieferungen an die europäischen Länder, insbesondere an Ungarn, aufrechterhalten werden muss.

Es ist bemerkenswert, dass der ungarische Außenminister seine Bemerkungen und Anschuldigungen gegen die Ukraine geäußert hat, bevor er auf offizielle Kommentare aus der Ukraine gewartet hat.

Dies basiert ausschließlich auf der Aussage des Ministeriums für Verteidigung der Russischen Föderation. Dies entspricht im Großen und Ganzen den Bemühungen, die die ungarischen und slowakischen Ministerpräsidenten in den letzten Wochen unternommen haben, um sowohl die Verhandlungsunfähigkeit der Ukraine zu beweisen als auch Kyivs Bestreben, die Energiesicherheit Europas zu gefährden.

Vor dem 1. Januar 2025, als der Transitvertrag zwischen Gazprom und Naftogaz der Ukraine auslief, äußerte der slowakische Premierminister Robert Fico Anschuldigungen und Drohungen gegen Kyiv. Er besuchte sogar Wladimir Putin, den Präsidenten der Russischen Föderation, im Kreml, um mitzuteilen, dass der Transit eingestellt wurde. Der Regierungschef der Slowakei hat nicht Moskau beschuldigt, wo die Entscheidung zum Beginn des großen Krieges gegen die Ukraine sowie zur künftigen Beendigung aller energiewirtschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen getroffen wurde. Vielmehr ging es um Kyiv, das sich entschied, im Fall des Gastransits nicht den Weg der Vereibarengen zu beschreiten, die von Bratislava und offensichtlich auch von Moskau vorgeschlagen wurden. Das würde bedeuten, dass man versuchen würde, das russische Gas in der ukrainischen Pipeline durch sogenanntes aserbaidschanisches Gas zu ersetzen, obwohl Baku keine zusätzlichen Gasvorräte hat, um den Transit durch das ukrainische Gastransportnetz zu ermöglichen.

Überraschend hat sich auch der ungarische Premierminister Viktor Orbán der Kritik an den Aktionen Kyivs zur Ablehnung der Fortsetzung des Transits durch das ukrainische Gastransportnetz angeschlossen. Und das, obwohl Viktor Orban noch vor dem großen Angriff auf die Ukraine einen neuen Gasvertrag mit Moskau ausgehandelt hat. Dabei möchte ich an den vergünstigten Vertrag erinnern, nach dem die Gaslieferung für Ungarn über den Türkischen Strom erfolgt. Und darüber hinaus stellte Gazprom die Bedingung zur Änderung der Transitroute als einen wichtigen Teil seiner Vorschläge für einen Rabatt auf den Bezug von russischem Brennstoff für Budapest auf.

Aus dem Grund, dass der Preis für russisches Gas derzeit höher ist als der Preis für das Gas, das an den weltweiten Märkten erhältlich ist, sprechen wir dabei weniger über einen Nutzen für Ungarn oder die Slowakei, sondern vielmehr über die Beteiligung ihrer Eliten an den nächsten russischen korrupten Energiegeschäften.

Aber aus diesem Blickwinkel bleibt es auch völlig unklar, warum sich Viktor Orbán so um den Transit durch das ukrainische Gastransportsystem kümmert, wenn der ungarische Ministerpräsident doch daran interessiert war, dass das Gas für sein Land über eine ganz andere, unabhängig von der Ukraine verlaufende Route geliefert wird.

Und jetzt verstehen wir, warum. Viktor Orbán wollte nicht nur Robert Fico bei seinem beispiellosen Angriff auf die Ukraine unterstützen, sondern auch weiterhin demonstrieren, dass die ukrainische Führung unverantwortlich handelt.

Ich möchte daran erinnern, dass die Aussagen des ungarischen Premierministers genau damit in Zusammenhang stehen, besonders in Bezug auf das angebliche Weihnachtswaffenstillstand, über das er angeblich eine Vereinbarung mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, erzielt hat, während der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, sich geweigert hat, solche Vereinbarungen zu treffen. Und nun verfolgt Budapest weiterhin die Linie, ein Bild von der Ukraine als unverantwortlich und gefährlich zu zeichnen.

Nur wenige Stunden nach der Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums über einen angeblichen ukrainischen Angriff auf den Türkischen Strom, der sich laut dieser Erklärung auf das Gebiet der Russischen Föderation bezieht, schließt sich der ungarische Außenminister – der übrigens der einzige Außenminister eines Landes der EU und der NATO ist, der in den letzten drei Jahren des großen russisch-ukrainischen Krieges regelmäßig Moskau besucht – den Vorwürfen des russischen Kriegsministeriums an und legitimiert damit diese Aussagen. Es gäbe keinen Zweifel, dass sie wahr sind und der Realität entsprechen.

Peter Szijjártó bemüht sich nicht einmal, seinen ukrainischen Kollegen Andrij Sybiha oder einen anderen ukrainischen Beamten zu kontaktieren, um zumindest herauszufinden, ob es wirklich einen solchen Angriff gab und ob dieser tatsächlich eine Bedrohung für die Sicherheit der russischen Gasversorgung Ungarns darstellte. Von der Tatsache, dass Orbáns Land längst auf russische Energie verzichten sollte, mal ganz abgesehen.

Natürlich ist ein so komplexer moralischer Entscheid keineswegs typisch für die ultrarechten Politiker der Gegenwart, die von einer Wiederherstellung der Beziehungen zu Russland vor Jahr 2022 träumen. Sie hoffen, dass die neue amerikanische Administration, mit der Viktor Orbán verbündet ist, bald die Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Wiederherstellung der Beziehungen schaffen, aber auch darauf, dass die diplomatische Erklärung von Szijjártó eher wie ein echter Ausdruck der Besorgnis als wie Propaganda aussieht. 

Es wäre natürlich sinnvoll, die Reaktion der ukrainischen Seite auf die Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums zu erfahren, wenn es eine Aufgabe zu verstehen, was wirklich mit den Gaslieferungen an eigenes Land geschieht, besteht, und nicht ein Wunsch als ein weiterer Propagandist für die Unglaubwürdigkeit und Verhanflungsunfähigkeit der Ukraine zu fungieren

Freitag, Freitag/ П’ятниця, п’ятниця

Freitag! Freitag zieht sich hin und zieht sich hin –  
Und am Samstag, und am Sonntag – Freitag!..

Am Montag will ich dich nicht mal mehr sehen,
Nicht mal mehr sehen, nicht mal mehr sehen!
Am Dienstag schäm’ ich mich, das kann ich kaum verstehen,
Kaum verstehen, kaum verstehen!
Am Mittwoch leb’ ich auf, doch fühl’ mich noch nicht frei,
Noch nicht frei, noch nicht frei!
Am Donnerstag weiß ich, bald ist Freitag, und vorbei –
Ist das Leid, ist das Leid!

Refrain:
Freitag, Freitag,
Ich weiß, dass ich ein Trinker bin,
Na und? Ich trinke,
Doch nur am Freitag macht’s noch Sinn!
Freitag, Freitag,
Zieht sich hin und zieht sich hin,
Und am Samstag, und am Sonntag –
Freitag!..

Am Montag fühlt’s sich immer in der Seele kalt,
In der Seele kalt... In der Seele kalt...
Am Dienstag weiß ich sicher, dass das Dunkel bleibt,
Dass das Dunkel bleibt... Dass das Dunkel bleibt...
Am Mittwoch spür’ ich Leben, doch’s ist noch nicht soweit,
Noch nicht soweit... Noch nicht soweit...
Am Donnerstag bin ich froh, bald ist ein neuer Tag,
Ein besonderer Tag... Ein besonderer Tag...

Refrain

Montag, Dienstag, Donnerstag und auch der Mittwoch,
Sind nur gut, weil Freitag endlich folgen darf!

Refrain (2x)

Und am Samstag, und am Sonntag – Freitag!..
Und am Samstag, und am Sonntag – Freitag!..
Und am Samstag, und am Sonntag – Freitag!..

П'ятниця! П'ятниця тягнеться і тягнеться -
І в суботу, і в неділю – п'ятниця!..

В понеділок я не хочу бачити тебе,
Бачити тебе, бачити тебе!
У вівторок мені дуже соромно за це,
Соромно за це, соромно за це!
В середу я оживаю, але ще не те,
Але ще не те, але ще не те!
У четвер я знаю скоро п'ятниця прийде -
І біда мине, і біда мине!

Приспів:
П'ятниця, п'ятниця |
Знає, що я п'яниця, |
Ну то й що, що п'яниця?.. |
Я ж лише по п'ятницях!.. |
П'ятниця, п'ятниця |
Тягнеться і тягнеться, |
І в суботу, і в неділю – |
П'ятниця!.. | (2)

В понеділок в мене завжди на душі зима,
На душі зима... На душі зима...
У вівторок точно знаю, виходу нема...
Виходу нема... Виходу нема...
В середу я відчуваю, ще не до пісень!..
Ще не до пісень!.. Ще не до пісень!..
А четвер – щасливий, адже завтра новий день!
Особливий день!.. Особливий день!..

Приспів.

Понеділок і вівторок, і четвер, і середу
Поважаю лиш за те, що п'ятниця попереду!

Приспів. (2)

І в суботу, і в неділю – п'ятниця!..
І в суботу, і в неділю – п'ятниця!..
І в суботу, і в неділю – п'ятниця!..

Die wichtigsten Risiken des Jahres 2025 | Vitaliy Portnikov @pryamiy. 30.12.24.

Korrespondent. Wohin wird der russisch-ukrainische Krieg, wenn man es sehr allgemein sagt, sich bewegten, was sich Ihrer Meinung nach im Vergleich zu dem vorherigen Jahr am meisten verändert hat?

Portnikov. Wenn wir getrennt von den politischen Ereignissen, die wir derzeit in der Welt beobachten, über den Krieg sprechen, dann können wir natürlich sagen, dass die russischen Truppen sich in diesem Jahr in die Offensive gegen die ukrainischen Positionen befinden. Und trotz der Tatsache, dass dies ein viel schnellerer Vorstoß ist als die vorherigen Aktionen der Russen, müssen wir dennoch feststellen, dass es den russischen Streitkräften nicht gelingt, sich zu den Hauptstädten der Ukraine im Donbass vorzuarbeiten. Ich spreche schon gar nicht von anderen Regionen der Ukraine. Ich stimme denen zu, die der Meinung sind, dass die Schlacht um Pokrowsk von entscheidender Bedeutung ist, möchte jedoch daran erinnern, dass es den Russen selbst nach drei Jahren eines großen Krieges nicht gelungen ist, eine tatsächliche Kontrolle über Städte wie Kramatorsk oder Slawjansk zu erlangen.

Und das ist von großer Bedeutung, denn ich möchte erinnern, dass der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, seiner Armee die Aufgabe gestellt hat, die administrativen Grenzen der Oblaste Donezk und Luhansk bereits im Februar 2022 zu erreichen. Und diese Aufgabe ist nach wie vor nicht erfüllt. Und es ist offensichtlich, dass als Putin die Aufgabe formulierte die administrativen Grenzen der Donetsk- und Luhansk-Regionen zu erreichen, er nicht ausschließlich im Sinn hatte, dass Russland sich mit diesem Gebiet zufrieden geben sollte, wie übrigens viele im Westen bis jetzt denken. Er wollte, dass diese Gebiete in ihren administrativen Grenzen zu einer effektiven Grundlage für die Besetzung des gesamten anderen Gebiets der Ukraine werden. Und hier stellt sich einfach die Frage. Wenn es der russischen Armee nicht gelingt, in drei Jahren das Ziel zu erreichen, eine effiziente Grundlage für die Besetzung anderer Regionen der Ukraine zu schaffen, wenn sie sowohl im Donbass als auch in der Region Saporischschja und Cherson feststecken, wie wollen sie weiter vorankommen und wie viele Jahre werden sie benötigen, um das gesamte ukrainische Territorium zu erobern? Vorausgesetzt, es gibt keine besonderen Ereignisse, wie diejenigen, die wir beispielsweise in Syrien gesehen haben, als der Kampf, der über viele Jahre ungelöst blieb, innerhalb von 12 Tagen zugunsten der syrischen Rebellen entschieden wurden. Aber das ist eine Seite der Medaille; auf der anderen Seite haben wir in diesem Jahr den Vormarsch der ukrainischen Streitkräfte auf dem Gebiet der Region Kursk gesehen. Und das ist ebenfalls ein recht ernstes Ereignis, das den Verlauf des Krieges politisch verändert hat. Denn alle konnten sehen, dass militärische Aktionen auf dem Territorium und in den souveränen Regionen der Russischen Föderation stattfinden können, in dem Gebiet, das nach internationalem Recht als konstitutionelles Gebiet Russlands gilt. Und wieder ist uns bewusst, dass Putin glaubte, die Region Kursk könne innerhalb weniger Wochen wieder unter die Kontrolle der russischen Truppen gebracht werden, und diesen Auftrag den russischen Streitkräften stellte.

Im Dezember 2024 konnte Putin aber bei seiner Pressekonferenz und der direkten Linie mit den Bürgern der Russischen Föderation nicht klar auf die Frage antworten, wann diese Rückkehr schließlich stattfinden wird. Und ich denke, dass dies auch ein ziemlich wichtiger Punkt ist, über den wir sprechen sollten. Der russisch-ukrainische Krieg entwickelte sich trotz der dramatischen Ereignisse in der Tendenz, die an die bekannten Zustände des Ersten Weltkriegs erinnert. Ich würde von einer fast eingefrorenen Front mit geringfügigen Bewegungen, aber mit Verlusten an Menschenleben, dem Verlust von Teilen des Territoriums und dem Leid der Zivilbevölkerung sprechen. Es ist erwähnenswert, dass die Russische Föderation in diesem Jahr ihre Angriffe auf die Infrastruktur der Ukraine verstärkt hat, um unsere Landsleute in einen kalten Winter zu stürzen. Und das ist ihr, zumindest bis heute, nicht gelungen. Auch die Ukraine begann, ernstzunehmende Angriffe auf die russische Infrastruktur durchzuführen, seit dem Ende des Jahres auch mit westlich produzierten Raketen. Und wir können klar sagen, dass der Krieg in die Wohnungen der Russen eingezogen ist, und nicht nur in die der Ukrainer, und dort für lange trübe Jahre ohne Ausweg verweilen wird. Wir wissen, dass die russische Führung unter Wladimir Putin nicht die Absicht hat, diesen Konflikt in den kommenden Jahren zu lösen, und bereit ist, nicht nur die Ukrainer, sondern auch ihre eigenen Landsleute zu Geiseln in diesem Krieg zu machen, in den sie bereits verwickelt ist. Es gibt weder eine politische noch eine militärische Lösung, und gerade deshalb sind Russland und die Ukraine wegen den imperialen Ambitionen von Wladimir Putin dazu verurteilt, diesen langen, endlosen und aussichtslosen Krieg zu führen, der nur in der Situation enden kann, wenn die russische Führung zu den Normen des Völkerrechts zurückkehrt und Frieden wünscht. Dieses Jahr  gabs keinerlei Anzeichen dafür, dass im Kreml überhaupt in diese Richtung gedacht wird, und wie ich glaube, gibt es keinen Grund zu glauben , dass solche Gedanken bei Wladimir Putin, bei seinem Umfeld und seinen Mitstreitern in den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts Einzug finden. Daher rufe ich alle dazu auf, sich auf einen langen trüben Krieg vorzubereiten und zu verstehen, dass dieser lange trübe Krieg Realität ist und darüber hinaus, dass das Gebiet dieses Krieges, und das müssen unsere Mitbürger verstehen, sich möglicherweise auf andere Regionen der Welt ausbreiten und immer mehr Menschen betreffen wird. Es sind nicht nur Ukrainer, möglicherweise werden auch Bürger anderer Länder in diesem Krieg leben und keinen Ausweg aus diesem Krieg haben. Diejenigen, die sich retteten und aus diesem Krieg geflohen sind, könnten in den nächsten Jahren buchstäblich im Epizentrum eines neuen Krieges stehen. Dem Schicksal kann man nicht entkommen. Man kann nur gegen das Schicksal kämpfen. Und das sollte jeder verstehen, dass nur, wenn es uns gelingt, die Diktatur, deren Einfluss auf die Zivilisation, deren Bereitschaft, jeden Preis für die Erreichung ihrer Ziele zu zahlen zu schwächen, wenn wir nicht versuchen, uns mit Diktaturen zu verständigen, wie es ein Teil der westlichen politischen Klasse tut, dessen Symbol der neue Präsident der Vereinigten Staaten geworden ist, sondern die Möglichkeiten der Diktatur, zumindest die wirtschaftlichen, zu zerstören, dann haben wir die Chance, in den 30er Jahren des 21. Jahrhunderts ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen und in den 40er Jahren von einem Sieg der Demokratie zu sprechen. Mit solchen Tempo wird die Zivilisation voranschreiten. 

Korrespondent. Sie haben gesagt, es ist keine Frage, es ist einfach eine Bemerkung, dass die Ausweitung dieses Konflikts und dessen Verbreitung in Europa ein Problem darstellt. Daher ist dies für viele Ukrainer sowohl Hoffnung als auch Erwartungen, dass dies letztendlich die Aufmerksamkeit auf die Existenzialität dieser Entwicklung lenken wird.

Portnikov. Oder wir finden uns auf der Peripherie des Konflikts wieder. Warum habe ich erwähnt, dass es eine neue Region geben könnte? Am Ende des Jahres fand auch ein Ereignis statt, das in den vorherigen Jahren nicht stattgefunden hat. Die nordkoreanische Soldaten erscheinen in der Region Kursk. Und dies ist ein Faktor, der zeigt, dass gegen die Ukraine bereits die Truppen zweier totalitärer Regime bereit zu kämpfen sind, während das dritte, das iranische Regime, Raketen und Drohnen liefert, um so viele Ukrainer wie möglich zu vernichten.

Korrespondent. Zwei Atommächte. 

Portnikov. Zwei Atomstaaten, selbstverständlich, gegen ein atomfreies Land, ohne Chancen, an Atomwaffen zu gelangen, wenn es nicht NATO betritt. Aber was ist der Sinn dieses Ereignisses? Wir wissen nun, dass der Vorsitzende der Arbeiterpartei Koreas Kim Jong-un selbst der Initiator der Entsendung seiner Truppen an die russische Front in der Region Kursk war. Und das bedeutet, dass Kim Jong-un möchte, dass seine Soldaten, wie es in der ersten Woche nach Bekanntwerden der Anwesenheit der NVA auf dem Gebiet der Region Kursk der Russischen Föderation gesagt wurde, Kampferfahrung sammeln, um eine große Anzahl an im Krieg geschulten Offizieren zu gewinnen. Denn wir verstehen, dass wenn es um die einfachen Soldaten geht, wird Kim Jong-un die ohne mit Wimpern zu zücken opfern. Egal wie oft wir erzählen, wie viele Nordkoreaner an der russisch-ukrainischen Front gefallen sind, es kümmert in Pjöngjang überhaupt niemanden. Wenn es nötig ist, können sie noch mehr senden. Aber wozu werden die Offiziere mit Kampferfahrung, die aus diesem Krieg zurückkehren, benötigt? Ich sage wozu. Für den Krieg auf der Koreanischen Halbinsel. Wozu ist dieser Krieg notwendig? In Südkorea befinden sich amerikanische Truppen. Sowohl für Russland als auch für China ist es sehr wichtig, die Vereinigten Staaten in eine Situation taktischer Ausweglosigkeit zu bringen, wenn die Amerikaner seinerseits gezwungen werden, Südkorea zu verteidigen, wenn es zu einem Übergriff nordkoreanischer Truppen kommt, aber gleichzeitig müssen sie die vorsichtig genug verteidigen, um keinen nuklearen Schlag zu riskieren. Hier könnten die Vereinigten Staaten in genau die Falle geraten, in der sie sich im Russisch-Ukrainischen Krieg wiederfanden, als sie um den Beginn eines nuklearen Krieges fürchteten. Und das erscheint mir absolut offensichtlich. Aber gleichzeitig denke ich, dass diese Vorsicht den Vereinigten Staaten möglicherweise Einfluss im asiatisch-pazifischen Raum kosten könnte.Verstehen Sie? Wenn wir über den russisch-ukrainischen Krieg sprechen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass die Ukraine für die Vereinigten Staaten allein genommen nicht von besonderem Interesse ist. Aus diesem Grund kann der neue Präsident Donald Trump ganz unbesorgt darüber nachdenken, welche Gebiete der Ukraine geopfert werden können oder ob die Existenz der Ukraine als unabhängiger Staat überhaupt von Bedeutung ist. Wenn man an der Idee des Nutzens festhält, dann hat die Ukraine auf der politischen Karte der Welt für einen selbst überhaupt kein Wert. Ok, Russland wird bis Uzhhorod kommen. Was macht das schon aus. Aus der Sicht der geopolitischen Interessen der Vereinigten Staaten ändert sich nichts. Mit solch einem Russland, das die Sowjetunion genannt wurde, haben die Vereinigten Staaten bis 1991 erfolgreich existiert und irgendwie hat es funktioniert. Es ist also klar, dass für Trump oder seine Gefolgsleute nicht viel bedeutet ob Russland um Ukraine zuwächst oder nicht. Der asiatisch-pazifische Raum hingegen hat Bedeutung, weil dort die grundlegenden Positionen der Vereinigten Staaten sind. Und wir erinnern uns, dass die Vereinigten Staaten gegen ihren eigenen Willen gezwungen wurden am Zweiten Weltkrieg teilzunehmen, nachdem Japan einen überraschenden Schlag gegen Pearl Harbor ausgeübt hatte. Von diesem Moment an änderte sich der Isolationismus von Präsident Franklin Roosevelt, der sich zuvor nicht stark von Präsident Donald Trump unterschied, hin zur Notwendigkeit, am Zweiten Weltkrieg teilzunehmen. Dies war das Ergebnis einer fehlerhaften Isolationistenposition der politischen Klasse der Vereinigten Staaten, die mit dem Leben Tausender junger Amerikaner bezahlt wurde. 

Korrespondent. Derzeit befinde ich mich auf der Insel Guadalcanal, wo übrigens eines der wichtigsten Schauplätze des Krieges im Nordpazifik stattfand, wo Tausende amerikanische Matrosen ihr Leben verloren, genau hier, auf dieser Insel, in der Schlacht gegen japanische Aggressoren. Und hier gibt es sogar ein Museum, im Freien, wo die zerstörte Technik untergebracht ist. 

Portnikov. Und jetzt sind die Salomonen-Inseln, wo all dies stattfand, ein Teil des politischen Einflusses Chinas nicht wahr? 

Korrespondent. Ja, das ist einfach unglaublich. Ich werde das zu einer separaten Sendung im nächsten Jahr machen. Wie China übrigens Einfluss in diesen Ländern, Vanuatu, Fidschi, Tonga, sowie Solomon-Inseln ausweitet, sie bauen sie hier Straßen, aber gleichzeitig errichten sie Präsidentenpaläste. Das heißt, sie geben einfach Bestechungsgelder an die lokalen Behörden und sagen: „No string is a touch.“ Das heißt, ohne jegliche Bedingungen und überhaupt ohne Erwartung, aber alle wissen, alle wissen zu hundert Prozent, dass es nicht so ist. Ich werde hier als Mensch wahrgenommen, der gekommen ist, um die Interessen der Ukraine zu fördern, und durch den Einfluss von China sind viele der Journalisten, die mich treffen, sehr eingeschränkt in ihrer Kommunikation mit mir und wollen meine Botschaft in ihren Medien nicht verbreiten, so funktioniert es. 

Portnikov. Und das in einem Land, das vor nicht allzu langer Zeit, in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, oder nach der Verkündung der Unabhängigkeit, im Grunde genommen ein militärisches Bündnis mit Australien hatte, so dass es China tatsächlich gelungen ist, dieses militärische Bündnis auszuschließen, und nicht nur mit Australien, sondern auch mit Großbritannien. 

Korrespondent. Und übrigens möchte ich hier hinzufügen, dass es hier vor einigen Jahren Unruhen gab, weil die Zentralregierung beschloss, ihre Bündnistreue zu ändern, der Verband mit Taiwan, weil die Solomon-Investoren Taiwan unterstützt haben und dann unter Druck von Peking haben sie sich mit Peking verbunden. Und eine  Kleiner Insel, der Malaita heißt, ist völlig gegen diese Entscheidung aufgestanden, das führte zu Unruhen. Und das ist übrigens ein sehr aufschlussreiches Thema. 

Portnikov. Nun, das sagt doch viel aus, oder? Ich bin darüber nicht überrascht. Das bringt uns zurück zum Gespräch über die koreanischen Halbinseln. Russland und China müssen etwas tun, um die Vereinigten Staaten endgültig aus der Region zu verdrängen, das heißt, die Vereinigten Staaten zu provozieren. Und vielleicht, wie während der Pearl Harbor, werden die Vereinigten Staaten nicht bereit sein zu gehen und bereit sein zu kämpfen. Und so stoßen wir auf ein  dramatisches Programm für den Dritten Weltkrieg, nicht in der Ukraine. Ich wiederhole, die Ukraine könnte dann zum Randbereich des Konflikts werden.

Die Frage ist, wie viel Kraft Russland dafür hat, aber um sicherzustellen, dass Russland diese Kräfte im Zukunft nicht hat, muss bereits jetzt gekämpft werden. Es ist nötig, dass die Ukraine den Krieg gewinnt, man muss dem Russland die Kräfte in Richtung Ukraine entziehen. Es ist mir sehr merkwürdig, dass die Amerikaner, zumindest diese Amerikaner, die die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten im Jahr 2024 gewonnen haben, dies nicht erkennen. Dass in unserem Sieg ihre Sicherheit liegt, dass wenn sie der Ukraine helfen, sich zu erholen, tausende junge Amerikaner in den kommenden Schlachten nicht sterben werden.

Und wenn sie nicht helfen, können sie bereits ruhig damit beginnen, Gräber für ihre Landsleute zu graben. Und verstehen, dass das erfolgreichste Geschäft in den Vereinigten Staaten nicht die Mauer sein wird, über die Donald Trump spricht. Und es sind nicht die Hochtechnologien von Elon Musk, der davon träumt, auf dem Mars zu fliehen und alles zu vergessen, sondern es wird das Geschäft der Bestattungsinstitute sein. Das, woran das neue Team des amerikanischen Präsidenten derzeit arbeitet, indem es darüber nachdenkt, wie man einen Kompromiss mit Putin finden kann, ist das Geschäft der Bestattungsinstitute. 

Korrespondent. Dann werden sie Aktien dieser Unternehmen kaufen. 

Portnikov. Das stimmt auch, denn das sind Menschen ohne Werte, und Menschen, die aus Eigennutz niemals an den nächsten Tag denken. 

Korrespondent. Wenn wir schon über den Zustand im Lager unserer Verbündeten sprachen, fassen wir erneut das Jahr 2024 zusammen, das beinahe zu Ende ist. Welche grundlegendsten Veränderungen was Verständnis der Essenz dieses Krieges betrifft, bei den Verbündeten der Ukraine stattgefunden haben. Hier sehen Sie, dass ist die Berichterstattung gemäß dem einflussreichen Magazin The Guardian, wie traurig das Bild in Schweden ist. Der Prozentsatz derjenigen, die glauben, dass der Westen die Ukraine bis zum siegreichen Ende unterstützen sollte, ist seit dem 23. Februar von 60 auf 50 gesunken, und die Anzahl derjenigen, die der Meinung sind, dass Russland einige Territorien behalten sollte, um diesen Krieg zu beenden, ist entsprechend von 20% auf 24% gestiegen. Das selbe sieht man in Britannien, in Deutschland ist es am schlimmsten. Dort ist die Anzahl der Befürworter eines siegreichen Endes auf 28% gefallen, während bereits 45% der Meinung sind, dass der Krieg um jeden Preis beendet werden muss. In Italien sind 55 % für den Frieden um jeden Preis. Nur 15 % glauben, dass die Ukraine bis zum Ende unterstützt werden muss. Was sind Ihre Kommentare zu diesen Zahlen und wie werden sie die Entscheidungsfindung unserer Verbündeten beeinflussen?

Portnikov. Erstens habe ich in diesen Zahlen nichts sensationelles. Wir haben seit 2022 darüber gesprochen, dass die Unterstützung für die Ukraine nachlassen wird. Der lange Krieg ist der Weg zur Senkung der Unterstützung für die Ukraine. Die Gesellschaften werden immer müde von Kriegen, insbesondere von Kriegen, die keine plötzlichen Bewegungen und keine unerwarteten Nachrichten produzieren, verstehen Sie? Wenn wir, Gott bewahre, eine neue Butscha sehen würden, bin ich überzeugt, dass diese Zahlen sich sofort ändern würden. Diese Zahlen zeigen, dass unsere Streitkräfte den Aggressor dort festhalten, wo er sich befindet, und ihm keine Möglichkeit geben, neue Verbrechen zu begehen. Aber wenn der Aggressor irgendwo durchbricht und neue Verbrechen begeht, die bewiesen werden können, das ist ebenfalls eine wichtige Angelegenheit. Es genügt nicht, dass der Aggressor durchbricht; es muss auch sichergestellt werden, dass er wieder vertrieben wird, um zu zeigen, was dort geschieht. Ich überzeuge Sie, dass sich diese Zahlen ändern werden. Aber die Zahlen der Müdigkeit von dem Krieg, in dem nichts passiert, sind absolut logisch. In den nächsten Jahren wird die Unterstützung für die Ukraine in den westlichen Gesellschaften weiterhin sinken, wenn diese Situation bestehen bleibt. Es unnötig, die Illusionen zu hegen. Umso mehr hinsichtlich der Fakten, über die bereits buchstäblich einige Wochen nach Beginn des großen Krieges gewarnt wurde, was keine Sensation ist. Und es gibt noch einen weiteren Punkt, Donald Trump. Wenn Donald Trump überzeugt, dass er die Verhandlungen führen und diesen Krieg beenden kann, denken die meisten Menschen: „na, vielleicht sollte er das besser tun und beenden, als dass wir unser Geld verschwenden, schließlich sind das alles Steuergelder. Es geht hier nicht nur um ein Gespräch über Werte, sondern um ein Gespräch über Geld. Er soll das besser mit Putin regeln, und wir werden unser Geld nicht zahlen, während die Ukrainer unter einem friedlichen Himmel leben, egal ob mit oder ohne das Territorium, denn sie kontrollieren dieses Territorium ohnehin nicht.“ Das muss man ebenfalls im Hinterkopf behalten. In dieser Hinsicht ist diese Überlegung der Europäer für mich absolut verständlich. 

Aber die Tendenz hängt nicht nur damit zusammen. Sie ist allgemein mit dem Anstieg von ultrarechten Stimmungen in der zivilisierten Welt verbunden. Das ist derzeit ein Trend. Aus irgendeinem Grund haben wir uns geschämt zu sagen, dass Donald Trump, Elon Musk und andere Personen, die die Präsidentschaftswahlen in den USA gewonnen haben, keine Vertreter der konservativen Partei sind. In Europa würden sie als Vertreter der ultrarechten politischen Kräfte bezeichnet werden. Das heißt, das ist rechter als die Konservativen. Das ist das, was in den 30er Jahren mit absolut konkreten Begriffen bezeichnet wurde. In Italien, in Spanien, Franco, in Portugal, Salazar. Ich möchte hier an Hitlers erinnern. Denn es wäre absolut unfair im Bezug auf Donald Trump. Und weil in der Weltgeschichte diese ultrarechten Strömungen mit dem Nationalsozialismus vermischt wurden. Und deshalb ist es so schwierig, etwas zu kommentieren, ohne jemandem zu verletzen. Aber das sind ultrarechte Bewegungen. In Nordamerika und in Europa nehmen sie zu, dank der Tatsache, dass die Menschen sich vor den Dritten Weltkrieg mit dem Einsatz nuklearer Potenziale fürchten. Und das nicht unbegründet, es ist möglich. Die Menschen haben Angst vor wirtschaftlichen Problemen. Es gab eine Pandemie. Auch das hat ziemlich ernsthafte Auswirkungen gehabt. Die Menschen fürchten sich vor einer Migrationskrise, und die Ultrarechten übertreiben ihre Bedeutung. Wenn Sie mit jemandem in Europa sprechen, wird man Ihnen sagen: “ ja, das ist ein reales Problem.

Liberale sind einfach nicht in der Lage, darauf zu antworten“. Und so sehen wir überall ein Wachstum ultrarechter Tendenzen. Das heißt, man kann sagen, dass die Impfung des Zweiten Weltkriegs vorbei ist und Europa sowie Nordamerika sich wieder dem Faschismus zuwenden.

Lassen Sie uns klar und deutlich sagen: Nordamerika und Europa kehren zu faschistischen Tendenzen zurück. Sie waren es vor 100 Jahren, und es ist keineswegs nur Adolf Hitler und nicht in erster Linie Adolf Hitler, sondern Benito Mussolini, Francisco Franco, António de Oliveira Salazar, Philippe Pétain und die Führer der baltischen Länder.

Korrespondent. König Michal, aus Rumänien.

Portnikov. Antonescu. Übrigens wird Georgescu, der Gewinner der ersten Runde der annullierten Präsidentschaftswahlen in Rumänien, dafür kritisiert, dass er Antonescu glorifiziert hat. Admiral Horthy aus Ungarn, all dies sind ultrarechte Politiker. Eigentlich ist Viktor Orowin im Vergleich zu Admiral Horthy noch ein großer Liberaler. Diese ultrarechten Politiker der heutigen Zeit sind im Vergleich zu den ultrarechten Politikern des 20. Jahrhunderts sogar sehr moderat.

Korrespondent. Es sind solche vegane Faschisten? 

Portnikov. Wissen Sie, wie weit sie bereit zu gehen waren? Wissen Sie, wer der erste Staatsführer war, der die italienische Besetzung Äthiopiens von 1935-1936 anerkannt hat? 

Korrespondent. Stalin? 

Portnikov. Nein, nicht Stalin. Stalin hat es entschieden verurteilt. Der Präsident Lettlands, Guntis Ulmanis, dessen Land vier Jahre nach der Besetzung von Äthiopien von der Sowjetunion besetzt wurde. Und der Präsident Ulmanis selbst starb in Krasnovodsk, im sowjetischen Turkmenistan, verstehen Sie? So war die Welt. Und ich kann Ihnen so klar sagen, sie wird auch so bleiben. Warum halte ich es für entscheidend, dass das Schicksal der Welt auf den Schlachtfeldern in der Ukraine entschieden wird? Weil, wenn der Einfluss Russlands verringert wird, wir noch eine Chance haben, den Sieg des Faschismus über die Demokratie zu verhindern. Wenn Russland diesen Triumph zeigt, oder die westliche demokratische Welt, angeführt von Donald Trump, ihre Bereitschaft zur Verhandlung mit Russland demonstriert, erwarten Sie keine Möglichkeiten für den Sieg der Demokratie. Übrigens, eine kleine Notiz. Wladimir Putin ist ebenfalls eine Person mit ultrarechten politischen Ansichten. Das, was Putin predigt. Das, was die Russische Orthodoxe Kirche, angeführt von Patriarch Kirill, predigt, ist in der Tat neofaschismus und post-faschismus.

Korrespondent. Stimmt genau. Und genau darin besteht gemeinsames Interessensfeld der Republikaner-Trump-Anhänger und Putin, und dass genau diese sogenannte Wertpolitik, Homophobie. 

Portnikov. Aber sie bemerken nicht die Tatsache, dass sie durch die Zusammenarbeit mit Putin tatsächlich eine Koalition mit dem kommunistischen China schaffen. Was wir, übrigens, in der Koalition des ultrarechten Putin-Regimes und des kommunistischen Regimes Chinas mit Xi Jinping sehen wir den auferstandenes Bündnis von Adolf Hitler und Joseph Stalin. Das ist ein Rollenspiel nur dass hier in den Rollen, das ist ein, in dem Putin die Rolle von Hitler, und Xi Jinping von Stalin spielt.

Korrespondent. Iran könnte ebenfalls hinzugefügt werden, denn Iran ist ein Land, das auch gegen die LGBTQ-Agenda propagiert. Darüber hinaus, beginnend mit Ahmadinedschad, der im Jahr 2007 in der Columbia University in New York war, ich war bei seiner Rede anwesend. Ahmadinedschad sagte, und es klang fast absurd, Sie wissen, diese Perzeption, dass es im Sowjetunion keinen Sex gab, erinnern Sie sich, und er sagte, dass es keine Homosexuelle gibt. Ihn fragte man über die Verfolgung der Homosexuälen in Iran. Er meinte: “ ich weiß nicht, wer das ist, wir haben keine Schwulen in Iran.“

Portnikov. Das ist doch nur ein Problem, solche Problemen spielen nur eine Nebenrolle. Wenn ein ultrarechter Regime, und im Iran ist es ein ultrainches theokratisches Regime, die totale Kontrolle über die Gesellschaft ausübt. Was ist der Sinn eines ultrarechten Regimes? Es ist die totale Kontrolle über die Gesellschaft, es ist die Vergötterung des Führers, Ayatollah. Es ist die Arbeit des Regimes für den Führer und die Arbeit der Gesellschaft für den Führer. Es ist das Vorschreiben von Führer der moralischen Aufgaben, nach denen die Gesellschaft existieren soll. Es ist im Großen und Ganzen eine neue Salazar-Ordnung. Nichts Neues, dies ist eine ultrarechte Ordnung, die sich im Iran hinter der schiitischen Theologie verbirgt, aber das spielt keine Rolle. Das iranische Regime hat sich den schiitischen Islam zur Legitimation ausgewählt, während Hitwa irgendwelche Lieder von Nibelungen erfand, um der Kirche zu entkommen. Ein Diktator wird immer etwas erfinden, um an der Macht zu bleiben, um unfehlbar zu sein. Das ist ebenfalls eine absolut normale Mischsituation. Daher sage ich, dass es letztendlich keine Rolle spielt, ob du ultrarechte oder ultra linke politische Ansichten hast. Der Sinn ist in der Kontrolle über die Gemeinschaft. 

Korrespondent. Die Familie, der nordkoreanischen Diktatoren haben  ihre eigene Religion erfunden.

Portnikov. Natürlich. Oder schauen Sie sich die deutsche Alternative für Deutschland an, die übrigens jetzt fast die erste Partei in Deutschland ist. Die zweite definitiv. Mit der populärsten Kandidatin für das Amt der Kanzlerin. Und diese ultrarechte Kraft findet eine gemeinsame Basis mit dem Bündnis von Sara Wagenknecht, in Bezug auf Fragen der Migration und die Frage des russisch-ukrainischen Krieges. Das heißt, wie es bereits der Fall war, finden die Ultrarechten und Ultralenkspolitischen in Deutschland in grundsätzlichen Fragen eine gemeinsame Sprache. In den 30er Jahren haben sie Deutschland durch ihren Kampf im Grunde genommen begraben, aber beide waren totalitäre Kräfte. Faktisch wählte das liberale Deutschland, das immer weniger Einfluss auf den Zustand der Gesellschaft hatte, zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus, zwischen Thälmann und Hitler. Jetzt wird das liberale Deutschland, dessen Einfluss ebenfalls mit jedem Tag abnimmt, zwischen der AFD und dem Bund Wagenknechts wählen. Das ist die mögliche Folge des russisch-ukrainischen Krieges. 

Korrespondent. Russland stellte bereits lange vor dem Krieg gegen die Ukraine, nämlich 2008 nach der großen Rezession, und als Griechenland in große Schwierigkeiten geriet, die Weichen. Russland setzte auf beide Parteien, das Schlüsselwort war ultra, ultralinks, es war die Syriza, fast die Kommunisten, und die Goldene Morgenröte, es waren die Faschisten. Es war ihnen gleichgültig, solange eine ultra Partei gewann, jede der beiden, nach Belieben. Wenn wir bereits dabei sind, das Jahr zusammenzufassen, was und warum in diesem Jahr in Georgien und Moldau in Bezug auf den prowestlichen Kurs geschehen ist, stehen diese Ereignisse überhaupt in Zusammenhang? 

Portnikov. Ich würde auch Rumänien hinzufügen, denn all diese Wahlen zeichnen sich durch entschlossenes Eingreifen Russlands in die politischen Prozesse aus. Russland beabsichtigt nicht, auf die ehemaligen sowjetischen Republiken und seinen sogenannten Einflussbereich in Mitteleuropa zu verzichten, und ist bereit, jede Technologie und Möglichkeit zu nutzen, um diesen Einfluss zu bewahren. In Rumänien gelang es Russland mithilfe einer Reihe von Technologien, einen wenig bekannten prorussischen ultrarechten Kandidaten zum ersten Platz bei den Präsidentschaftswahlen zu verhelfen. In Moldau gelang es Russland, dass ein wenig bekannter Politiker, der ehemalige Generalstaatsanwalt, als prorussischer Kandidat die Präsidentschaftswahlen auf dem Territorium von Moldau gewann. Außerdem wurde ein Referendum über die europäische Integration auf dem Territorium von Moldau verloren. Maya Sandu und die Befürworter der europäische Integration haben nur dank der Stimmen der moldawischen Diaspora gewonnen, wo der Einfluss Russlands nicht signifikant war. In der rumänischen Diaspora gab es bereits einen Einfluss Russlands. Dies ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt. Dort haben Menschen dieser Technologie sogar außerhalb Rumäniens auf den Leim gegangen. Und Georgien, wo, wie wir sehen, Russland absolut bewusst die Regierungspartei, die Partei Georgischer Traum, unterstützt hat. Und es hat bewiesen, dass seine Vorgehensweise zum Triumph führen können.

Korrespondent. Ein anderer wichtiger Theater in diesem globalen hybriden Krieg aller gegen alle ist die Zukunft von Syrien nach dem Asad. Wovon hängt es ab? Und ist es überhaupt möglich vorzustellen, dass Russland vielleicht seine Position dort halten kann, wenn es mit Ankara einig wird?

Portnikov. Ich denke, dass man sich nicht mit Ankara, sondern mit den sogenannten syrischen Rebellen einigen muss. Denn sie Türkei wird nicht den Einfluss auf das gesamte Konglomerat von Gruppen haben. Ja, sie hat geholfen, das Regime von Asad zu stürzen, aber das bedeutet nicht, dass sie das Recht haben wird zu entscheiden , wo wessen Basis bleiben wird. Die neuen Führer Syriens können darüber nachdenken, dass sie die Interessen ausbalancieren müssen, um nicht vollständig von Erdoğan abhängig zu werden. Ich spreche schon gar nicht davon, dass sie ein Gleichgewicht der Kräfte in der kurdischen Frage suchen müssen. Ich schließe nicht aus, dass in Syrien jetzt eine neue Welle des Bürgerkriegs beginnen wird. Der Kampf zwischen Islamisten und Kurden wird sogar ein größeres Ausmaß haben als der Kampf zwischen der Opposition und dem Diktator. Wir wissen nicht, wie das alles aussehen wird. Und wie wird dies die Türkei beeinflussen. Und aus dieser Perspektive wird Russland weiterhin alle Möglichkeiten suchen, um sich in diesem neuen Konflikt Vorteile zu verschaffen. Ich glaube, dass beide Seiten dieses Kampfes versuchen werden, Russland als eine Art Alternative zur Türkei zu gewinnen. Und so können die russischen Basisvorrichtungen als Stabilität der Verbindung mit den imperialistischen Bestrebungen Erdogans dienen. So geschieht es manchmal. Russland hat das mehrfach gezeigt und eine solche Situation ausgenutzt. So wird Russland kämpfen. Konflikte in Grauzonen anheizen. Das ist nicht so schwer. Der Kampf zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden. Ihn auf eine neue Ebene bringen. In der syrischen Gesellschaft gab es niemals auch nur die kleinste Erfahrung mit Demokratie. Dort gab es immer einen Kampf zwischen islamischen Kräften und den Ultrnationalisten. Ich würde sagen, das ist sogar nicht einmal ultrnationalistische, sondern eine nazistische Ideologie ist, wenn man das Kind bei Namen nennen soll. Die Partei der arabischen sozialistischen Wiedergeburt der Basis – das ist eine nationalsozialistische Partei, nach dem Vorbild der Nationalsozialisten unter Hitler. Ähnlich wie die Partei von Saddam Hussein war. Das ist eine Einheitspartei in zwei Ländern. Und die Alternative zu dieser Partei in Syrien sind die Islamisten. Im Irak war die Situation anders, im Irak gab es eine andere politische Geschichte. Wie Sie sehen, ist es im Irak gelungen, die demokratische Institutionen nicht nur im eigenen Land, sondern auch im irakischen Kurdistan zu schaffen. In Syrien sehe ich jedoch nicht viele solcher Alternativen. Daher sehe ich bisher keinen ernsthaften realen Ausweg für die Syrer, für das syrische Volk. Und ich denke, dass Russland Chancen hat, zu versuchen, seinen Einfluss zu wahren, obwohl ich das nicht wollte. 

Korrespondent. Netanyahu, Premierminister von Israel, zeigte wieder wie sehr er ein politisches Tier ist, und hat jetzt seine Position sehr gefestigt. 

Portnikov. Der Regime in Syrien ist gefallen, weil Netanjahu entschlossen die Hisbollah bekämpft hat, weil Israel die Hisbollah zerstörte, eliminierte ihre politische Führung, ihre militärische Führung und die Kämpfer im Zusammenhang mit der Operation Pager.

Aber zugleich müssen wir sagen, dass der Krieg im Nahen Osten bereits seit fast fünfhundert Tagen andauert und es keine wirkliche Lösung gibt, denn, trotz aller Forderungen von Trump, gehe ich davon aus, dass selbst das Erreichen eines Waffenstillstands nicht zu irgendeiner langfristigen Lösung führen wird, da dieser Konflikt absolut existenziell geworden ist.

Und das Einzige, worauf ich hoffe, ist, dass die Bevölkerung der palästinensischen Gebiete aufhört, die Terroristen zu unterstützen. Aktuell haben wir gesehen, dass die Popularität der Hamas gesunken ist, im Gazastreifen sogar mehr als im Westjordanland . Und vielleicht schafft dies ideale Chancen, dass nach dem Ende dieses Krieges Bedingungen geschaffen werden, unter denen gemäßigte Kräfte die palästinensischen Gebiete regieren. Aber wiederum, bedingt gemäßigten Kräfte, eins. Die Kämpfer werden nicht so einfach ihre Positionen aufgeben, zwei. Und drittens, diese ganze Geschichte hat zu einer Stärkung der ultrarechten Tendenzen in der israelischen Gesellschaft geführt. Das heißt, die Tendenzen in Israel selbst können leider die Möglichkeit einer Stärkung der gemäßigten Tendenzen in den palästinensischen Gebieten einschränken und somit eine noch blutigere existentielle Kriege im Region und die nächste Zeit verursachen. 

Korrespondent. Dieser Tendenz zeichnete sich schon lange vor dem Angriff der Hamas ab. 

Portnikov. Das ist wahr, lange bevor, aber der Angriff hat alles verändert. Viele, die dachten, Ultrarechte sollten nicht so reden, un das man Frieden mit den Palästinensern suchen soll, haben den Eindruck bekommen, das Ultrarechte recht haben. Ich denke, dass viele nach dem siebten September ihre Positionen überdenkt haben. Die Radikalisierung der Gesellschaft ist während des Krieges unausweichlich. Wer in der Ukraine bis 2022 gedacht hätte, dass es bei uns keine Straßennamen nach Puschkin oder nach Persönlichkeiten der russischen Kultur gibt, oder dass unsere Opernhäuser keine Balletts von Tschaikowski aufführen dürfen, nicht wahr? Das gab es nicht. Das ist eine absolut normale logische Radikalisierung der Gesellschaft in Zeiten großer Kriege. 

Korrespondent. ich wollte in den Bereich des internationalen Rechts eintauchen, wie es nicht nur von Seiten Putins, von den rechten Kräften und Donald Trump, sondern auch von einer Institution wie den internationalen Strafgerichten untergraben wird, wie ich mich erinnere, haben wir das im Kontext diskutiert, wie das Urteil des Gerichts verstanden wurde, welches den Haftbefehl gegen Netanjahu ausstellte, und ihn somit praktisch mit Putin gleichgesetzt. Das heißt, sie haben einfach das Ansehen und die Legitimät ihrer eigenen Entscheidungen, ihrer eigenen Institution, verwässert.

Portnikov. Wissen Sie, dass es in Israel Politiker und Aktivisten der linken Richtung gibt, die mit dem Urteil des Internationalen Strafgerichtshofs einverstanden sind? 

Korrespondent. Ich denke, es war die Haaretz, die Zeitung Haaretz. 

Portnikov. Zum Beispiel, oder ihre Leser. Das sagt auch viel aus, oder? Die Menschen in den Ländern selbst verstehen den Sinn dessen, was passiert nicht, wenn es um ihre politischen Gegner geht. So, wie viele von uns jetzt die Schuld für das Fortdauern des Krieges auf Präsident Zelensky und nicht auf Präsident Putin schieben, und wenn ich diesen Menschen sage, dass es nicht um die Frage geht, ob Präsident Zelensky effektiv oder nicht effektiv ist, und wie sehr er sich der Gefahr des Krieges bewusst war, sondern darum, dass das Übertragen der Verantwortung auf ihn neue Möglichkeiten für die Russen schafft. Denn hierbei handelt es sich um die letzte legitime Institution in der ukrainischen Staatlichkeit, zusammen mit der Werchowna Rada, will ich sagen. Und je öfter Sie sagen, dass wir uns von dieser Macht befreien müssen, desto mehr folgen Sie dem Szenario Putins. Denn was wir klar verfolgen müssen, ist das Ende des Krieges, wann auch immer es sein mag, legitime Wahlen zum Präsidenten und zum Parlament, eine Veränderung der Institutionen. Das ist alles klar, aber nur auf diesem Weg und nicht auf dem Weg eines Bürgerkonflikts während des Krieges. Im jeden Fall kann ich Ihnen eine einfache Sache sagen. Das internationale Recht nach dem Nachkriegsmodell starb. Es ist nicht nötig, weiter darüber zu sprechen, es wird nicht mehr existieren. Und die Annexion der Krim im Jahr 2014 hat klar gezeigt, dass das internationale Recht im Grab liegt, es ist nicht nötig, sich zu bemühen, es wiederherzustellen. Es ist notwendig, eine neue, weltweite Ordnung zu schaffen, die auf dem Respekt vor Grenzen, dem Wert des menschlichen Lebens und dem Wert des Überlebens der Menschheit basiert, unter Bedingungen, in denen eine nukleare Bedrohung und ökologische Probleme jeden Tag eine größere Rolle spielen. Wir vergessen das, aber es ist eine Tatsache. Und der Aufbau einer solchen Welt hängt davon ab, wie der Russland-Ukraine-Krieg enden wird. 

Korrespondent. Ein weiterer Interessenkonflikt; ich habe bereits darüber gesprochen, dass manche Ukrainer insgeheim auf eine Ausweitung dieses Konflikts hoffen, aus uns bekannten, verständlichen Gründen, aber auch hier, wissen Sie, mit der Erwähnung von Naturkatastrophen, die zunehmen, das ist auffällig. Nirgendwo mehr als hier, im südlichen Pazifik, in der Region des Ozeaniens, Melanesien, Polynesien, manche Länder verschwinden vielleicht in ein paar Jahren. Ich spreche über Kiribati und Tuvalu. Sie spüren an ihrem eigenen Leib die Folgen klimatischer Katastrophen. Wie sehr fürchten Sie selbst vor globaler Klimakrise, wie sehr sind die Ukrainer darüber besorgt, in einer Situation, in der sie um ihr eigenes Überleben kämpfen? Das heißt, hier gibt es ebenfalls einen Interessenkonflikt, worüber ich bereits gesprochen habe. Sie hoffen genau auf das, was Trump angekündigt hat, nämlich dass er die Ölproduktion erhöhen wird, was natürlich für uns alle in Bezug auf das Klima schädlich sein wird. Aber auf der anderen Seite haben wir die Hoffnung, dass dies Putins Einfluss durch das, was natürlich geschieht, durch fallenden Ölpreisen sinken wird. 

Portnikov. Ich halte diese ganze Geschichte mit den Ölpreisen für eine absolute Verschwörungstheorie, da sich die Ölproduktion aus den produzierenden Staaten nicht auf die Ölpreisobergrenze auswirken wird. Und wenn man sich das für einen Moment vorstellt, wird dies zum Zusammenbruch der amerikanischen Ölindustrie führen. Und grundsätzlich muss man, damit Russland einen gewissen Effekt spürt, einen Preis von 20-30 Dollar für mindestens ein oder zwei Jahre halten. Und dann müssen wir ein oder zwei Jahre trotz der Situation mit niedrigen Ölpreisen, weiter kämpfen. Ich halte das für völligen Quatsch, ehrlich gesagt, all diese Erzählungen.

Korrespondent. Es gibt viele einflussreiche ukrainische sprechende Köpfe, die hartnäckig…

Portnikov. Ich weiß, dass dieselben Menschen erzählen Märchen, darüber, wie die Vereinigten Staaten mit Saudi-Arabien die Senkung der Ölpreise vereinbart hätten, um die Sowjetunion zu zerstören. 

Korrespondent. Ein typisches Märchen. 

Portnikov. Das sind gebildete Menschen, nicht wahr? Aber sie leben in einer verschwörungstheoretischen Welt. Das ist genau der Grund, warum zu der Zeit, als all dies geschah, die Ukraine in tiefem Schatten der Moskau und der Sowjetunion verblieb, das sind solche Überreste kolonialen Denkens. Und ich denke nicht, dass wenn Donald Trump über das Bohren spricht, er die Ölpreise senken wird. Er denkt, dass er mehr Einnahmen für die Vereinigten Staaten sichern wird, und nicht, weil er beabsichtigt Putin damit einzuschüchtern. Zweifellos hat die Menschheit eine ziemlich einfache Wahl. Strategisch und taktisch. Jedes Land hat eine taktische und strategische Wahl. Die Ukrainer müssen natürlich jetzt überleben. Aber wenn die Ukraine überlebt, wird das nicht die Tatsache aufheben, dass wir in solch besonderen Zeiten der Geschichte der Menschheit leben. Und die Ukraine wird auf der politischen Landkarte der Welt in dieser Zeit bleiben, wenn die Wahl sehr einfach ist. Sich wegen der nuklearen Katastrophe oder Naturkatastrophen zu sterben. Und ich glaube nicht, dass die Menschheit es schafft, einer dieser Prüfungen zu entkommen, Wenceslas weiter so läuft. Deshalb glaube ich, dass ich dem Gott danken sollte, dass ich, als Journalist, in der vielleicht letzten Phase der Geschichte der Menschheit lebe. Und dass ich in der Lage bin, all diese Probleme, Leiden und Krisen zu beschreiben, die meinen Zeitgenossen widerfahren werden. Weil solche Probleme, Leiden und Krisen, gab es seit dem Mittelalter nicht, und vielleicht gab es damals auch nichts Vergleichbares, die Koinzidenz und das Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen mit der Klimakrise, die das Unglück von Millionen Menschen herbeiführen wird, ist eine der wahrscheinlichsten Herausforderungen für Menschen, die darüber schreiben, sprechen oder nachdenken können. Ich habe den Eindruck, dass wir angemessen auf diese Herausforderung reagieren und verstehen müssen, was für ein unwahrscheinliche Zeitraum uns beschieden ist, welcher unwahrscheinliche Zeitraum von Prüfungen, Problemen, Krisen und Tragödien unseren Zeitgenossen zuteil wurde. 

Korrespondent. Wir wollen unser Gespräch mit Ihrer Erlaubnis, mit einer optimistischen Note abschließen. 

Portnikov. Optimistisch, naja, ich weiß nicht, wie optimistisch, das hängt von Ihnen ab, wo das ist, natürlich, es handelt sich um den Imbräer, das ist ein sehr frisches Thema, aber es verweist uns auf das Jahr 2014, der malaysisch-niederländische Boeing, übrigens, erinnern Sie sich, ich habe vor zwei Monaten ein Interview aufgenommen, habe mit Tony Abbot gesprochen, der damals Premierminister von Australien war, der, erinnern Sie sich, erwähnte, dass er darauf bestehen will, dass die australischen Truppen nach Ukraine gelangen, um die Leichen australischer Mitbürger zu holen. Aber der malaysisch-niederländische Boeing, im Jahr 14, wurde zu einem schwarzen Schwan für Russland und zu einer Rettung für die Ukraine, in gewissem Sinne. Anders wären wir einfach leise vom Moskau ersticht. Die Frage ist, ob der aserbaidschanische Embraer zum schwarzen Schwan werden wird, natürlich ist Aliev nicht Rütte, aber …

Portnikov. ich denke überhaupt nicht, dass die malaysische Boeing irgendein schwarzer Schwan geworden ist. Er hat einfach mehr Aufmerksamkeit auf den Konflikt gerichtet, niemand würde uns auch ohne ihn aufgeben. Und das aserbaidschanische Flugzeug können Sie einfach vergessen. Russland, selbst wenn es den Fakt seiner Rakete anerkennt, wird sich vor Aserbaidschan entschuldigen; damit wird der Konflikt auf der Welt geschaffen. Wenn es nicht bereits passiert ist. Und ich verstehe überhaupt nicht, warum wir darüber sprechen. Dies ist ein Ereignis, das keinerlei Bezug zu dem hat, was im russisch-ukrainischen Krieg geschieht. Es ist einfach ein kleines Episod, auf das Sie nur hinweisen, weil es gerade jetzt passiert ist. Was natürlich nicht den Fakt der Tragödie, dieser unglücklichen Menschen, auchebt. Aber ich wiederhole meine Meinung, dass der Krieg in die Häuser Russlands gekommen ist und dort bleiben wird. Man sollte nicht nach Russland fliegen, das ist alles, was ich sagen kann. Derzeit kann in jedem russischen Flughafen ein ziviler Flugzeug ein solches Schicksal treffen. Die Menschen, die planen, nach Russland zu reisen, sollten sich dessen bewusst sein und bedenken, dass dies undurchsichtig ist, wenn sie diese Reise planen. Und jede Fluggesellschaft muss sich jetzt daran erinnern, dass es so sein kann. Dass es entweder einen Drohnenangriff geben kann oder das russische System der Luftabwehr die falsche Meldungen , die nicht der Realität entsprechen in Bezug auf den Drohnenangriff, bekommen könnte. Wie stellen Sie sich das vor, dass Präsident Aliev einen Hysterischen Anfall vor Augen Präsidenten Russlands veranstaltet? 

Korrespondent. Das ist für mich offensichtlich, aber es ist auch ein bezeichnendes Thema, das unsere Experten, Fernsehsender und Kommentatoren in sozialen Netzwerken, insbesondere auf Facebook, anfangen so darüber zu reden. Es zeigt erneut, wie traumatisiert unsere Gesellschaft ist und dass sie sich an jede neue Hoffnung klammert. 

Portnikov. Menschen wollen irgendeine Hoffnung finden, selbst mitten in der inner Tragödie, aber ich halte es für entscheidend, in bei solchen Arbeit, wenn man über den Krieg ohne Perspektiven auf ein politisches Ende berichtet, die das kühle Bluti zu bewahren und nur auf realistische objektive Umstände zu hoffen. Im nächsten Jahr muss die Ukraine ihre Streitkräfte stärken, eine effektive Mobilisierung durchführen, ernsthaft mit der Gesellschaft darüber sprechen, dass sie in einem jahrzehntelangen Krieg überleben muss, und dass die Ukraine in diesem Krieg keine  Chance leicht daraus herauszukommen hat, und die Partner zu erhalten. Wir haben bereits über Syrien gesprochen; das syrische Regime ist deswegen gefallen, weil seine Armee sie nicht verteidigen wollte, und seine Verbündeten, Russland, Iran und die Hisbollah, waren mit ihren eigenen Konflikten beschäftigt. Hier ist das Rezept für den Sieg Russlands über die Ukraine: eine Armee, die nicht bereit ist, den Staat zu verteidigen, und Verbündete, die aus verschiedenen Gründen nicht helfen wollen. Entweder nicht können oder nicht wollen. Dies ist ein klares Rezept für das Verschwinden der Ukraine von der politischen Landkarte der Welt und das Verschwinden der ukrainischen nationalen Präsenz auf dem ukrainischem Boden. Wir wissen jetzt, wie es in 12 Tagen passieren kann. Und um diese Möglichkeit zu verhindern, müssen wir unsere Armee stärken, unsere Gesellschaft festigen und diese Situation in den kommenden Jahren der Konflikte überwinden. Und natürlich sollten wir für die Hilfe unserer Verbündeten kämpfen und selbstbewusst mit denen sprechen, die die Situation nicht verstehen, sie werden sie trotzdem noch begreifen. Weil sie mit solchen Problemen, mit solchen Krisen, die auf sie undf ihre Nationen warten, konfrontiert werden, dass wenn sie das früher geahnt hätten, sich nie in die Rolle eines Präsidenten oder Premierministers gewagt hätten. Und wir müssen fähig und verantwortungsbewusst sein,  wenn wir wollen, dass der ukrainische Staat erhalten bleibt und das ukrainische Volk dort lebt, wo es lebt, und nicht in anderen Ländern, die auch von Kriegen betroffen sein können. 

Korrespondent. Das ist also  Ihr Optimismus? Noch ist Ukraines Ruhm und Freiheit nicht gestorben? 

Portnikov. Genau so. Das ist mein Optimismus, denn ich glaube, dass die Ehrlichkeit, der Mut, die Bereitschaft zu kämpfen der Ausweg für jede erwachsene Nation ist. 

Ballade von den Malven/ Балада про мальви.

Die Malven schliefen ein am Haus,
Der Mond kam still, sie wiegen aus.
Doch nur die Mutter schläft nicht ein, schläft nicht ein,
Sie wartet still auf mich allein.
Doch nur die Mutter schläft nicht ein, schläft nicht ein,
Sie wartet still auf mich allein.
O Mutter, liebe, wart’ nicht mehr auf mich,
Zu dir nach Haus’ komm’ ich wohl niemals zurück.
Aus meinem Herzen wuchs die Malve rot,
Sie blühte auf durch Blut und Tod.
Wein’ nicht, o Mutter, du bist nicht allein,
So viele Malven sät der Krieg im Hain.
Im Herbst sie flüstern leis’ und fein:
„Schlaf ein, schlaf ein, schlaf ein, schlaf ein...“
Die Mütter halten ihre Kinder fest,
Doch meine Mutter hat nur Blumen jetzt.
Die einsam blüh’n vorm Fenster still,
Schon lang in Träumen ruh’n sie viel.
Wenn steigt die Sonne – tritt hinaus und seh’,
Die Menschen neigen sich, tief vor deinem Weg.
Geh übers Feld – die Malven rings im Licht,
Berühren sanft dein Angesicht.
Das Leben ist ein Lied, das nie verweht,
In Malvenblüten mein Herz für dich steht.
Wenn meine Liebe nicht alles gab für dich –
Vergib, vergib, vergib, vergib...

Заснули мальви бiля хати,
Iх мiсяць вийшов колихати.
I тiльки мати не засне, мати не засне,
Жде вона мене.
I тiльки мати не засне, мати не засне,
Жде вона мене.
О, мамо рiдна, ти мене не жди,
Менi в наш дiм нiколи не прийти.
З мойого серця мальва проросла,
I кров’ю зацвiла.
Не плач же, мамо, ти ж бо не одна –
Богато мальв насiяла вiйна.
Вони шепочуть для тебе восени:
«Засни, засни, засни, засни...»
У матерiв є любi дiти,
А у моєi – тiльки квiти.
Самотнi квiти пiд вiкном, квiти пiд вiкном
Заснули вже давно.
Як зiйде сонце – вийди на порiг,
I люди вклоняться тобi до нiг.
Пройдися полем – мальви буйних лук
Торкнуться твоiх рук.
Життя, як пiсня, що не вiдзвенить,
Я в мальвi знов для тебе буду жить,
Якщо ж я ласку не встиг принести -
Прости, прости, прости, прости...

Trump und die „neue Ordnung“. Vitaly Portnikov. 12.01.23.

https://zbruc.eu/node/120437?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR1m0-khAlCjstlnSfq0m9ll4ki9GerFKDRvy6021vgi1SE2YI9BfDK5dWU_aem_VYG1zxeQQeZe1xhALmvUlA

Verblüfft von den Äußerungen Donald Trumps vor seiner Amtseinführung versucht die Welt eine Entschuldigung für das Verhalten des neu gewählten amerikanischen Präsidenten zu finden. Einige raten, das hohe Maß an Drohungen nicht zu beachten, und sagen, dass Trump einfach den Einsatz erhöht, um mehr von seinen Partnern zu bekommen. Andere erinnern uns an die strategischen Interessen Amerikas und die Gefahr eines wachsenden Einflusses Chinas oder Russlands in der Arktis. Und einige freuen sich, dass Trump endlich die alte Welt zerstört und eine neue Ordnung schafft. Und alles, was Länder wie die Ukraine (oder Dänemark oder Kanada) tun müssen, ist zu gehorchen. „Amerika bestimmt die Strategie, die Taktik und die Mittel zur Erreichung der Ziele, und alle anderen gehorchen“, schrieb Jegor Tschernew, ein Mitglied der derzeit regierenden Partei in unserem Land, der für seine guten Kontakte zu amerikanischen Kongressabgeordneten bekannt ist, auf seiner Social-Media-Seite. Und es würde mich nicht einmal überraschen, wenn der Parlamentarier einfach den Strom des Siegerbewusstseins nachplappert, der unter den Donald Trump nahestehenden Politikern vorherrscht.

Doch wer die Geschichte zumindest auf Schulniveau kennt oder die Ereignisse in der Ukraine in den letzten Jahrzehnten aufmerksam verfolgt hat, kommt nicht umhin festzustellen, dass nicht nur die Rhetorik, sondern auch die Instrumente von Donald Trump frappierend nicht an das Verhalten demokratischer Führer der letzten Jahrhunderte erinnern, sondern an die Instrumente, die Adolf Hitler oder Wladimir Putin vor ihren eigenen Gebietseroberungen eingesetzt haben. Bei der Vorbereitung der Annexion Österreichs oder der Eineignung des Sudetenlandes demonstrierte der Führer auch mit Hilfe nationalsozialistischer Agenten das Engagement der lokalen Bevölkerung für die territoriale Veränderung, wie beispielsweise im Falle Grönlands und der Organisation eines Treffens in Nuuk mit einem der umstrittensten Mitglieder der Entourage des neuen amerikanischen Präsidenten, seinem Sohn Donald Jr. Putin hat immer wieder dasselbe getan, und zwar mit Hilfe angeblich unbedeutender russischer Politiker, die versprachen, die Krim zu annektieren, nachdem sie von den Anwohnern positiv angenommen worden waren. Die Tatsache, dass die Ukraine diese Leute anschließend zur Persona non grata erklärte, änderte nichts an der Situation: Die Russen und die Welt sahen auf ihren Bildschirmen Krimbewohner, die darauf warteten, „in ihren Heimathafen zurückzukehren“.

Hitler begründete seine territoriale Expansion mit der Notwendigkeit, den „Lebensraum“ für die Deutschen zu erweitern und „die Gerechtigkeit wiederherzustellen“ (die letztgenannte These fand sogar in politischen Kreisen in Amerika Anklang, da viele den Versailler Frieden nach dem Ersten Weltkrieg als demütigend für Berlin empfanden). Die viel wichtigere These des Führers war jedoch sein Wille, die Welt vor der Gefahr des Bolschewismus zu schützen. Das aufgeklärte Europa hatte viel mehr Angst vor den Barbaren aus der Sowjetunion als vor Hitlers Nazis oder Mussolinis Faschisten, und so war das Hitler-Stalin-Abkommen ein echter Schock für dieses Europa. Aber wir wissen auch, wie es ausgegangen ist: Um sich selbst zu retten, waren die Demokratien gezwungen, sich mit dem stalinistischen Staat zu verbünden, weil sie, offen gesagt, keine andere Chance hatten, Deutschland zu besiegen. Nur Stalin konnte sich jahrelang widersetzen und sogar Millionen von Leichen seiner Leibeigenen in die deutschen Schützengräben werfen, ohne an die Folgen einer solchen demografischen Verwüstung denken zu müssen. Im Ergebnis gewannen die Demokratien den Krieg in Trümmern, aber mit den geringsten unter diesen Bedingungen möglichen menschlichen Verlusten, Deutschland, Italien und Japan bekamen sogar eine Chance für eine nicht nur wirtschaftliche, sondern auch demografische Erholung, während Russland und seine Kolonien, die bereits durch den bolschewistischen Bürgerkrieg und Stalins Repressionen und Hungersnöte erschöpft waren, sich in ein zivilisatorisches schwarzes Loch verwandelten – ein Ödland, aus dem wir jetzt versuchen, durch einen weiteren endlosen beängstigenden Krieg herauszukommen.

Und hier stellt sich eine recht banale Frage: Was erwartet die Welt im Falle einer zivilisatorischen Mutation der Vereinigten Staaten? Schließlich lag die Stärke dieses Landes nach den Weltkriegen nicht nur in der Menge des Geldes oder der Waffen, sondern auch in der Achtung der Werte, in der Bereitschaft, die Souveränität und Freiheit seiner Verbündeten zu verteidigen. Und wir haben uns an das Axiom gewöhnt, dass Amerika Freiheit bedeutet. Was kommt uns als erstes in den Sinn, wenn wir das Wort „Amerika“ aussprechen? Die Freiheitsstatue, richtig?

Was aber, wenn Amerika nicht für Freiheit steht, sondern für Trump, Musk und MAGA? Was, wenn Amerika für die Missachtung der Rechte anderer steht, für die Verteidigung der eigenen Interessen (oder deren Auslegung in den Köpfen von Trump und seinen Anhängern) auf Kosten von Staaten und Völkern, für die Ablehnung von Toleranz und Menschenrechten? Warum sollte ein Amerika, das kein Garant für die Zukunft mehr ist, sondern uns alle in die ferne Vergangenheit zurückzieht, ein Verbündeter sein? Und wie können wir uns vor seinem Wahnsinn und seinem Potenzial schützen?

Ganz einfach – mit Hilfe anderer Atommächte, die die Vereinigten Staaten an den Rand drängen wollen. Wenn die Demokratien des zwanzigsten Jahrhunderts sich nicht scheuten, Stalins Hilfe in Anspruch zu nehmen, um Hitler zu stoppen, warum sollten die Demokratien des einundzwanzigsten Jahrhunderts nicht die Hilfe von Xi und Putin in Anspruch nehmen, um Trump zu stoppen? Natürlich muss die Bereitschaft von Diktatoren, Millionen ihrer Landsleute in den Abgrund des Krieges zu stürzen, auch von irgendjemandes Interessen bezahlt werden – aber es ist nicht das erste Mal, dass Demokratien dies tun. Die Hauptsache ist, dass eine Welt entsteht, in der die Werte endgültig durch das Recht auf Gewalt ersetzt werden. Es entsteht eine Welt, in der Russland nicht mehr verpflichtet ist, nach den Regeln einer zivilisierten Gemeinschaft zu leben, sondern in der Amerika selbst nach den verzerrten „Regeln“ Russlands existiert und diejenigen, die ihm folgen, dazu zwingt, dies zu tun. Welchen Sinn hat es also, sich auf ein solches Amerika zu konzentrieren?

Die wichtigste Frage für uns ist: Wo ist der Platz der Ukraine in dieser Partei der narzisstischen und grausamen Autokraten? Und zu“gehorchen“ funktioniert auch nicht, tut mir leid. Auch hier lohnt es sich, an die historische Erfahrung eines anderen Landes zu erinnern. Auch die Tschechoslowakei war 1938 bereit, Großbritannien und Frankreich in allem zu gehorchen – und sie rieten ihr, auf Hitler zu hören und das Sudetenland aufzugeben; als der Führer später fast das gesamte Gebiet der Tschechoslowakei zu seinem Protektorat machte und den Rest seinen Verbündeten überließ, warfen sie einfach die Hände in den Schoß: Offenbar wollten die Tschechen es selbst so, und sie hatten keinen Willen zum Widerstand. Sind Sie übrigens sicher, dass es Sie nicht stört, dass ausgerechnet das Land, das 1938-1939 an der Zerschlagung der Tschechoslowakei beteiligt war, einen Führer hat, der gleichzeitig Putin und Trump unterstützt? Und was werden wir tun, wenn man uns nach dem begehrten Treffen mit dem Kreml-Raubtier rät, auf dessen Interessen zu hören? Werden wir zu einer Moskauer Provinz? Und werden wir uns mit der Tatsache trösten, dass es in der neuen Welt, die als Ergebnis dieser Vereinbarungen von Autokraten schnell entstehen wird, keine Ukraine und auch kein Grönland geben wird? Und nicht nur Grönland.

Große Länder mit gefestigten Identitäten, Demografien und Atomwaffen können diesen historischen Winter sicherlich überdauern – natürlich nur, wenn die Beziehungen zwischen den betagten Reitern der Apokalypse nicht zu einem nuklearen Winter führen. Die Ukraine und vor allem die Ukrainer können jedoch nur in einer Welt der Werte und des Respekts für die Gleichheit der Nationen und Kulturen auf ein Überleben hoffen. In jeder anderen Welt sind wir dazu verdammt, eine verwüstete Provinz eines hungrigen Nachbarreichs zu werden. Entweder werden wir erobert, oder unsere Freiheit und unser Leben werden benutzt, um für die Sicherheit anderer zu bezahlen, wie es in der Geschichte schon so oft geschehen ist.

Deshalb besteht unsere zivilisatorische Aufgabe nicht darin, uns an Donald Trump und seine Vision von der Welt anzupassen. Unsere zivilisatorische Aufgabe besteht darin, alles dafür zu tun, dass die Welt, von der Trump, Musk und Putin träumen, niemals entsteht und auf keinen Fall zu ihrer gemeinsamen Welt wird.

Das wird unser wahrer Sieg über das Böse sein.

Portnikovs dreifache Niederlage |Vitaly Portnikov @bestradioisrael. 08.01.24.

Korrespondent. In einem der letzten Streams mit Michail Feigin sind Sie zu dem Schluss gekommen, dass Israel für Putin derzeit wie ein rotes Tuch ist. Putin gefällt die Vorstellung, dass Israel auf der Weltkarte nicht mehr existiert und stattdessen der Arabische Osten entsteht. Lassen Sie uns über dieses Thema sprechen. 

Portnikov. Zunächst möchte ich sagen, dass Israel nicht von der politischen Landkarte der Welt verschwinden wird. Ich verspreche Ihnen das nicht nur, ich garantiere es. Zweitens wollen die Leute, die im Kreml sitzen, die Zerstörung des jüdischen Staates seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ihr erinnert euch, was sie taten, um sicherzustellen, dass Israel nicht existierte. Sie selbst waren direkt an den Aktionen beteiligt, die zum Verschwinden des jüdischen Staates führen sollten. Erinnern Sie sich an die sogenannten sowjetischen Militärspezialisten in den arabischen Ländern, die direkt an den Angriffen auf israelisches Territorium beteiligt waren und direkt am Krieg teilgenommen haben. Drittens hat Russland tatsächlich die Vorstellung, die der ehemalige Botschafter der Vereinigten Staaten in Moskau, Herr Salevan, treffend formuliert hat: Die russischen Führungskräfte sind selbsternannte Feinde Amerikas. Sie haben beschlossen, dass Amerika der Hauptfeind ist und dass alle Verbündeten der USA ebenfalls ihre Feinde sind. Je schlechter es den Ländern geht, die Verbündete der Vereinigten Staaten sind, desto größer wird ihr Einfluss. Und Sie wissen, dass es damit nicht nur um Moskau geht.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass als der US-Außenminister Antony Blinken zuletzt in Peking war, am gleichen Tag dort eine Delegation von Hamas empfangen wurde. Und, wie Sie wissen, sind die Chinesen sehr sensibel gegenüber verschiedenen protokollarischen Entscheidungen. Es kann hier keinen Zufall geben. Deshalb würde Putin sehr gerne überall verschiedene Spannungsherde schaffen, indem er die Taktik kleiner Provokationen anwendet, da er schlichtweg keine anderen Möglichkeiten hat, um den Einfluss der Vereinigten Staaten und des Kollektiven Westens zu schwächen.

Ich bin mir jedoch nicht sicher, inwieweit Russland heute in der Lage ist, tatsächlich überall solchen Schaden anzurichten. Wir sehen schließlich, dass sich derzeit fast alle russischen Streitkräfte auf die Ukraine konzentrieren.

Und das ist einer der Gründe für den Sturz von Bashars Regime. Natürlich gibt es einen weiteren wichtigen Grund, es ist der wichtigste Grund, bei dem ich dem Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zustimme. Es ist der Heldentum der israelischen Spezialkräfte und die Zerschlagung der politischen und militärischen Führung von Hezbollah, die so etwas wie das Rückgrat zur Unterstützung eines belagerten Regimes darstellte. Dies schwächt sowohl die Position des Iran in der Region als auch die Russlands. Wir erinnern uns an die grausamen Bombardierungen von Aleppo und anderen syrischen Städten. Derzeit hat Moskau nicht die Möglichkeiten dazu. 

Momentan hat sie nicht einmal die Möglichkeit, Stabilität an den Rändern der postsowjetischen Grenzen zu gewährleisten. Schauen Sie sich an, was im Transnistrien passiert. Es ist eine echte humanitäre Katastrophe. Und Russland versucht nicht einmal, die Situation zu verändern. Schauen Sie sich an, was in der Kursker Region geschieht. Es mangelt sogar an russischen Truppen für dieses Gebiet wegen dem Einmarsch der Russen in den Donbass. Und Russen haben nicht genug Mittel um auf den Gegenangriff der ukrainischen Truppen in diesem russischen Gebiet zu antworten. 

Korrespondent. Man kann noch Abchasien erwähnen. 

Portnikov. Scher, man kann auch Abchasien erwähnen. Und ch muss in diesem Zusammenhang auch sagen, dass ich seit Februar 2022 darüber spreche. Auf der einen Seite gibt es diesen allgemeinen Konflikt zwischen Demokratie und Diktatur. Auf der anderen Seite würde ich sagen, dass die Ukraine derzeit alle russischen Anstrengungen auf sich gezogen hat, und Russland hat aktuell viel weniger Möglichkeiten zur Destabilisierung der Situation im Nahen Osten. Erinnern Sie sich an die letzten Jahre, als israelische Politiker, Diplomaten und Journalisten sagten, dass Russland nun Nachbar von Israel ist? Es hat sich bequem im syrischen Gebiet und im syrischen Luftraum etabliert. Es könnte Israel schaden, wenn sich die Beziehungen zu ihm verschlechtern. Im Moment ist die große Frage, ob die russischen Militärbasen auf syrischem Territorium bleiben werden. Und wird Russland in jedem Fall den gleichen Einfluss im syrischen Luftraum haben, den es bis zum Sturz des Asad-Regimes hatte?

Korrespondent. Ja, dieser Einfluss nimmt glücklicherweise ab. Aber wissen Sie, ich habe dazu eine Frage. Wir sehen eine besondere Anziehung zwischen der Ukraine und Israel. Ich meine in Bezug auf Israelis und Ukrainer auf Menschenebene. Es besteht eine große gegenseitige Sympathie und ein tiefes Verständnis sowie Unterstützung. Jeder zieht klare Parallelen zwischen unseren Ländern.

Portnikov. Wir werden mit Waffen gleicher Herkunft beschossen.

Korrespondent. Waffen aus einheitlicher Produktion. 

Portnikov. Es kann sich um Raketen und Drohnen dieselben Typus handeln. 

Korrespondent. Die Ukraine erklärt, dass sie sich in ein neues Israel verwandeln sollte und unter feindlicher Belagerung leben muss, ähnlich wie Israel. Aber warum sehen wir auf politischer und internationaler Ebene immer noch keine Annäherung zwischen unseren Ländern, obwohl sie eigentlich enge Verbündete werden sollten? Warum ist das so? Das scheint an den Persönlichkeiten von Bibi oder Selenskyj zu liegen, vielleicht auch an veralteten sowjetischen Traditionen oder an der Angst vor Russland. Haben Sie irgendwelche Erklärungen dazu? 

Portnikov. Ich denke, es gibt hier viele unterschiedliche Aspekte, aber das hat sicherlich nichts ausschließlich mit den beteiligten Personen zu tun. Premierminister  Netanyahu ist ein erfahrener Politiker. Präsident Zelensky ist jemand, der seit mehreren Jahren ein Land führt, das sich im Krieg befindet. Ich denke, dass jeder von ihnen Prioritäten hat, die ich beispielsweise nicht als entscheidend betrachte, um festzulegen, wie Israel und die Ukraine sich in der internationalen Gemeinschaft verhalten sollten. Es ist notwendig, die Fehler beider Staaten zu kommentieren, um klare Punkte zu setzen. 

Aus Sicht Israels, über das ich seit Februar 2022 spreche, ist es wichtig, zu verstehen, dass der Krieg gegen die Ukraine kein lokaler Konflikt im postsowjetischen Raum ist. Es ist nicht nur Ausdruck spezifischer Ambitionen Moskaus, in die Grenzen der Sowjetunion zurückzukehren, sondern auch ein Konflikt um den Einflussbereich der Sowjetunion, unter anderem im Nahen Osten. Dieser Konflikt war übrigens in vielerlei Hinsicht vorbestimmt durch die Tatsache, dass Russland in Syrien Fuß fassen konnte und die Vereinigten Staaten während der Präsidentschaft von Barack Obama keinen angemessenen Widerstand leisten konnten, als es das Regime von Asad unterstützte. Deshalb habe ich von Anfang an geglaubt, dass Israel eine klare Position zum russisch-ukrainischen Krieg einnehmen sollte, so agieren sollte wie die Vereinigten Staaten und die Länder der Europäischen Union sowie Großbritannien, und zeigen sollte, dass es ein natürlicher Teil des Westens ist, damit im Falle einer Ausbreitung dieser Situation auf Israel niemand Zweifel daran hat, auf welcher Seite die Wahrheit liegt. In Israel wurde die Gefahr unterschätzt. Erinnern Sie sich noch daran? 

Korrespondent. Ja. 

Portnikov. Ich habe gesagt, dass bestimmte Orte wie Kirya Tshmene und Mitula konkret bedroht sind, und das nur wenige Wochen nach dem Beginn des russisch-ukrainischen Krieges, als bereits Charkiw, Krywyj Rih, Kyiv und Mykolaji bombardiert wurden und die russischen Truppen sich überall in der Ukraine befanden. Auf diese Ansichten wurde sanft reagiert. Meine israelischen Kollegen sprechen mit starkem Vorurteil über das Thema, was mich sehr überrascht hat. 

Jetzt wenden wir uns der Ukraine zu. Mir scheint, dass die ukrainische Führung, insbesondere Präsident Zelensky, und unsere Diplomatie der Unterstützung durch die Länder des Globalen Südens eine übertriebene Bedeutung beimessen. Ich halte diese Unterstützung für nicht besonders wichtig, und ich habe schon mehrmals öffentlich darüber gesprochen, deshalb sage ich nichts Neues. Es hat damit keinen besonderen Wert. Erinnern Sie sich an den Friedensgipfel in der Schweiz, an dem zahlreiche Vertreter aus den Ländern des Globalen Südens teilgenommen haben? Die ukrainische Diplomatie hat sehr darum gekämpft, diese „mathematische Zahl“ zu erreichen. Erinnern Sie sich, wer Israel dort vertreten hat? 

Korrespondent. Nein, ich kann mich nicht daran erinnern. 

Portnikov. Juli Edelstein. 

Korrespondent. Ja, Juli Edelstein, genau.

Portnikov. Als ein Abgeordneter der Knesset. Es ist klar, dass Juli Edelstein ein bedeutender israelischer Politiker ist. Ich habe großen Respekt vor seinem Werdegang und seinem politischen Engagement, aber er hatte zu diesem Zeitpunkt während ihrer Teilnahme an diesem Forum keine ernsten Ämter inne. Das ist eine absichtliche Minimierung der Vertretung des Israels , die, nebenbei bemerkt, auch von westlichen Diplomaten angestrebt wurde, um ja nicht irgendwelche Vertreter aus dem globalen Süden zu echauffieren. Diese Vertreter sind gekommen, haben höflich alles angehört und weiterhin ihre engen wirtschaftlichen Beziehungen zu Moskau aufrechterhalten.

Deshalb sage ich immer, dass die Ukraine, wenn sie überhaupt überleben will, westliche Mittel und westliche Waffen benötigt. Sie braucht Unterstützung aus dem Westen, denn es wird sich nichts ändern, egal ob der Globale Süden dort für irgendwelche Resolutionen stimmt oder an Forum-Veranstaltungen teilnimmt. Man sollte nicht auf diejenigen setzen, die dir weder Freunde noch Feinde sind, sondern lediglich Zeugen deiner Tragödie. Das ist das eigentliche Problem. 

Und übrigens, nach dem 7. Oktober, wie Sie wissen, habe ich mehrfach betont, dass Präsident Zelensky unverzüglich nach Jerusalem reisen sollte, um Solidarität zu zeigen. Zunächst wurde dieser Besuch von israelischer Seite verzögert, um Moskau nicht zu verärgern und nicht unnötig zu reizen. Später wurde der Besuch dann auch von ukrainischer Seite nicht besonders offensiv verfolgt, um die Länder des globalen Südens nicht zu irritieren. Und ich kann Ihnen sagen, dass es hier eine Situation gab, in der sogar im ukrainischen Expertenkreis von Präsident Zelensky – und das ist kein Scherz – ihm vorgeworfen wurde, er wolle nach Israel reisen, weil er persönliche Gefühle hat, die mit seiner jüdischen Herkunft hier zusammenhängen. Verstehen Sie? Und ich war in großer Panik, weil ich sagte. „verstehen Sie nicht, dass dieser Besuch vor allem für die Ukraine nötig ist? Präsident Biden möchte ganz logisch, dass die Ukraine in die von bösen Mächten angegriffene Achse aufgenommen wird, um es leichter zu machen, die ukrainische Hilfe in Anbetracht der Tatsache, dass alle Blicke und Ressourcen nun auf Israel nach dem 7. Oktober gerichtet sind, bereitzustellen. Die amerikanische Gesellschaft versteht diese Situation besser, wenn man sie mit Israel vergleicht. Es ist bemerkenswert, dass der Präsident der Ukraine in diesem Moment jüdischer Herkunft ist.“ Das sollte eigentlich noch stärker dafür sprechen, dass wir auf derselben Seite stehen, sozusagen am gleichen Ufer. Das würde uns bei der Unterstützung durch die Vereinigten Staaten helfen. Aber leider fand dieser Besuch nicht statt. Und ehrlich gesagt fühlt es sich für mich an wie eine dreifache Niederlage, verstehen Sie? Das ich diesen Besuch nicht gesehen habe. Sowohl als Bürger der Ukraine, als auch als Juden, der die gesamte Bedeutung Israels für jeden Juden, einschließlich, entschuldigen Sie bitte, Volodymyr Zelensky, versteht, und aus der Sicht eines politischen Analysten. Denn es handelt sich um eine einfache Aufgabe, für die es keine andere Lösung gibt und nie gegeben hat. Jede andere Lösung ist falsch. Sowohl in Kyiv als auch in Jerusalem wurde diese Aufgabe falsch angegangen. Es macht mich sehr traurig. 

Korrespondent. Präsident Zelensky gab ein Interview dem amerikanischen Journalisten Lex Friedman, in dem er unter anderem erwähnte, dass er vor möglichen Verhandlungen mit Putin zuerst mit Trump und europäischen Führern sprechen möchte, um zu Beginn über Sicherheitsgarantien für die Ukraine von den Vereinigten Staaten und europäischen Mächten zu verhandeln. Dabei sprach Präsident Zelensky nicht viel über die wesentlichen Themen der Verhandlungen mit Putin gesagt. Was wird die Ukraine, glauben Sie, in diesem Fall besprechen, sollten die Verhandlungen tatsächlich stattfinden?

Portnikov. Ich denke, dass in den nächsten Monaten und vielleicht sogar Jahren keine Verhandlungen mit Russland oder Putin zu erwarten sind. Die russische Seite ist an keinen Verhandlungen interessiert. Der Präsident Russlands, seine Umgebung und die russische Bevölkerung sind an einem Krieg zur Erschöpfung der Ukraine interessiert. Wenn Präsident Zelensky und andere Führer also überhaupt über Verhandlungen mit Putin sprechen, ist das wahrscheinlich eher ein Versuch, um in der Agenda des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und seiner Berater zu bleiben. Schon nach dem 20. Januar 2025, wie es in den Märchen über politische Aschenputtel öfter passiert, wird die Kutsche von Donald Trumps Absichten zum Kürbis werden. Und dann, wenn es wirklich ein Kürbis ist, können wir über das Menü diskutieren und herausfinden, welche Gerichte der neue amerikanische Präsident aus diesem Kürbis zubereiten möchte. Genau das wird er machen müssen. 

Korrespondent. Ja, aber dieser Lex Friedman ist wie eine Art Tucker Carlson Nummer 2. Er ist ein Trump-Anhänger. Warum hat sich Zelensky darauf eingelassen? 

Portnikov. Er ist kein Trumpist; er ein Podcaster. Er ist ziemlich angesehen unter den Leuten, die Donald Trump unterstützen.

Korrespondent. Ich habe das Gefühl, dass das für Zelensky eine sehr unangenehme Situation ist. 

Portnikov. Nein, ich denke, er fühlt sich wohl dabei. Haben Sie dieses Interview gesehen? 

Korrespondent. Ja. 

Portnikov. Es sind zwei Personen aus demselben sozialen Umfeld. Die Eltern von Lex, oder Alexei Fedorov, wie er, soweit ich weiß, früher genannt wurde, er hat nach seinem Umzug in die Vereinigten Staaten den Nachnamen seines Vaters angenommen, sie entschieden sich für die Vereinigten Staaten für ihr Kind. Die Eltern von Wladimir Selenski entschieden sich, dass er in der Ukraine bleiben sollte. Sie wussten, dass er plante, in Israel zu studieren? Hätten Friedmans Eltern entschieden, dass er in Russland bleibt oder wären sie in die Ukraine, nach Charkiw, zu der Heimat seiner Mutter gezogen, und die  Eltern von Zelensky hätten ihn vielleicht in die Vereinigten Staaten oder nach Israel geschickt. In diesem Fall könnte Volodymyr Zelensky ein Podcaster gewesen sein und Alexei Fedorov der Präsident der Ukraine. Und das wäre ein und dasselbe Gespräch gewesen. Sie würden einfach die Plätze tauschen. Wenn Sie sie intuitiv tauschen, werden Sie sehen, wie ähnlich sie in ihrem Denken sind. Es sind moderne junge Leute. Einer interessiert sich für technische Errungenschaften, der andere für das Fernsehen und hat damit Erfolg gehabt. Menschen ohne politischer Überzeugungen sind oft fasziniert von starken Persönlichkeiten und Entscheidungen. Ich denke, dass die Atmosphäre in der Zeit der Interview recht angenehm war. Allerdings möchte ich betonen, dass Volodymyr Zelensky in den Jahren des Krieges eine Entwicklung durchlaufen hat, die Friedman nicht erlebt hat. Friedman ist, wie eine Fliege im Bernstein, in der sowjetischen Vergangenheit seiner Familie stecken geblieben. Aus diesem Grund spricht er mit einer gewissen Huld über die russische Sprache, und er hat den Übergriff Russlands auf die Ukraine nicht verurteilt. Er erwähnte, dass alle Politiker schuld sind, aber die Völker verurteilt er nicht , weshalb er auch Zelensky dazu aufrief, Russisch zu sprechen. Sie erinnern sich an all das, oder? 

Korrespondent. Ja. 

Portnikov. Zelensky hat in 2019 versprochen, sich das Gesetz über die ukrainische Sprache anzusehen, sprach die Probleme, die es geben sollte. In diesen Jahren hat aber Zelensky, als Präsident der Ukraine, eine Evolution durchgemacht, so wie es fast bei jedem Präsidenten der Ukraine der Fall war, außer dem Verbrecher Viktor Janukowitsch. Er hat eine Entwicklung zu einem ukrainischen Staatsmann durchgemacht. Ich bin überzeugt, dass Alexei Fedorov-Friedman, wenn er Präsident geworden wäre, ebenfalls aufgrund der drei Jahre Krieg diese Entwicklung durchlaufen hätte. Da er jedoch in den Vereinigten Staaten lebt und in einer isolierten und sehr utopischen Blase von Donald-Trump-Anhängern kommuniziert, kann er sich einfach nicht weiterentwickeln.

Korrespondent. Ja, aber er geht davon aus, dass Putin ein legitimer Führer, ein Patriot ist, der sein Land und sein Volk liebt, während er bereits Millionen Menschen getötet hat. 

Portnikov. Ja, das sind alle sowjetische Ansichten. Putin ist kein legitimer Führer. In all den Jahren hat er nie eine Debatte mit einem einzigen Konkurrenten für das Präsidentenamt geführt. Er hat die Menschen physisch beseitigt, die seine Rivalen hätten sein können, denken wir an Boris Nemzow oder Alexei Nawalny, und letztes Jahr hat er politische Kräfte zerstört, die eine Alternative zu der korrupten Elite gewesen wären, die er an die Macht gebracht hat. Was Putins Liebe zu seinem Volk betrifft, so haben wir bereits im Jahr 2000 gesehen, wie er sich zu den unglücklichen Witwen der umgekommen U-Boot-Fahrern der U-Boot Kursk verhalten hat. Wie es ihn zum Weißglut gebracht hat, dass er überhaupt mit diesen Frauen sprechen sollte, die ihre Ehemänner verloren haben. 

Korrespondent. Übrigens, wir hatten in der letzten Stunde eine Anfrage von einem unserer Zuschauer. Ich habe es so verstanden, dass das Projekt „Minute nach Minute“ produziert einen Film, der ich noch nicht gesehen habe. Der Film dauert über zwei Stunden und behandelt den vor 30 Jahren stattgefundenen Sturm von Grozny. Wir werden Sie bitten, dazu einen Kommentar abzugeben. Wir empfinden Sie zurückblickend und aus der Sicht unseres heutigen Wissens und unserer Erfahrungen damaligen Krieg und der Persönlichkeit von Dschochar Dudajew. Denn ich höre von vielen russischen Oppositionsvertretern auf YouTube, dass er ein außergewöhnlicher und bewundernswerter Mensch, besonders im Vergleich zu Ramzan Kadyrow. 

Portnikov. Dschochar Dudajew war eine komplexe Persönlichkeit, ohne Zweifel. Er schuf eine personalistische Regime. Er lernte Staatsbildung, was oft bei Menschen passiert, die gerade in die Politik eintreten. Ich denke, die Tragödie Tschetscheniens und die Tragödie Tschetschenischen  Krieges ist nicht ausschließlich mit der Person Dschochar Dudajew verbunden. Sie sind vielmehr damit verbunden, dass der Föderale Sicherheitsdienst Russlands absichtlich Konflikte und Kriege geschaffen hat, um in Russland an die Macht zu kommen und die eigene Machtstruktur zu festigen. Für mich ist die Tragödie in gewisser Weise persönlich, ich glaube, ich habe das bereits erzählt; ich werde es Ihnen noch einmal schildern. Die Situation, als man Russen auf diesen Krieg vorbereitet hat. Ich war bei einem Treffen der Journalisten dabei, in der Fernsehsendung namens ‚Pressklub‘, die in jenen Jahren sehr beliebt im russischen Fernsehen war. Damals erschienen die ersten Fernsehreports über die sogenannten russischen Sklaven von Tschetschenen, erinnern Sie sich? 

Korrespondent. Ja, natürlich. 

Portnikov. Ich war damals die Meinung, das so etwas bereitet russische Bevölkerung auf den Krieg vor. Denn solche Dinge, wenn Menschen entführt und zur Arbeit gezwungen wurden, passierten nicht nur im Kaukasus, dem wurde aber ganz bewusst einen nationalen Charakter gegeben, verstehen Sie? Die gefürchteten Tschetschenen nutzen die Russen aus. Und als ich zu den Mikrofonen trat, erinnerte ich mich in diesem Moment an einen Bericht des Israelischen Rundfunks, den ich als Kind gehört hatte, angesichts der tragischen Ereignisse in den Lagern Sabra und Schatila. Mir ist eine kindliche Erinnerung geblieben, als der Journalist des Israelischen Rundfunks, entsetzt berichtete, was dort geschehen war, als die Milizeinheiten der Christen dort Kinder töteten. Das war eine weitere Lektion für Israel als Vertreter Westens im Nahost, nicht den blutigen Haken des Orients zu berühren. Ich habe gesagt, dass Sie hier in Russland, wenn Sie die russische Demokratie erhalten wollen, und wenn Sie nicht erneut in die Katastrophe geraten wollen, in der Sie viele Jahrzehnte gelebt haben, auf jeden Fall den blutigen Haken des Kaukasus vermeiden sollten, den Sie ständig anpacken. Und was hat mir die Moderatorin geantwortet? Eine bekannte russische Journalistin. Sie sagte: ‚Schüchtern Sie uns nicht ein, Vitaly.‘ Als ich das hörte, aus irgendwelchen Grund blieb mir dieser Satz besonders im Gedächtnis, war es für mich so, als wäre die Decke in diesem Studio über mir zusammengebrochen. Ich habe erkannt, dass die Zeit großer Kriege gekommen ist. In vielerlei Hinsicht ist der Tschetschenienkrieg eine Strategie. Beachten Sie, dass Putin derzeit über die Illegitimität von Zelensky spricht. Zudem erklärt er, dass er bereit ist, Vereinbarungen mit dem Vorsitzenden der Werchowna Rada der Ukraine zu unterzeichnen. Mit wem wurde der Khasavyurt-Vertrag unterschrieben? Erinnern Sie sich? Es war Maschadow, der Vertreter des amtierenden Präsidenten der Tschetschenischen Republik, Zelimkhan Yandarbiyev. Die Generäle Maschadow und Lebed haben die entsprechenden Vereinbarungen unterzeichnet. Warum Yandarbiyev? Weil Dudajew zu diesem Zeitpunkt bereits ermordet worden war. Russland war es sehr wichtig, die Macht in Tschetschenien zu delegitimieren, denn mit einer solchen Macht war es einfacher, Vereinbarungen über Entscheidungen zu vereinbaren, die später ohnehin gebrochen wurden. Und jetzt sehen wir das Gleiche. In der Ukraine gibt es einen vom Volk gewählten Präsidenten. Ähnlich wie der gewählte Präsident der Tschetschenischen Republik, der beseitigt wurde, um den Dialog mit Menschen zu erleichtern, die nicht über ein solches allgemeines Mandat verfügen. Putin macht nichts Neues. Er nutzt lediglich dieselben Techniken, die seine Vorgänger im FSB in den 90er Jahren verwendet haben. Viele von diesen Leute sind im Grunde genommen nie von der politischen Bühne verschwunden.

Die Quarkkuchen / Із сиром пироги

Der Kosak war beim Heere
Mit dreiundzwanzig Jahr’.
Er hatte gern ein Mädel,
die Kuchen auch gern.

Ob ihr davon schon hörtet? 
Wenn nicht, dann sagen wir:
Er hatte gern ein Mädel,
die Kuchen auch gern.

„Mein liebes schönes Mädchen,
Ich träume längst von dir.
Ich habe dich so gerne,
die Kuchen auch sehr.

Ob Quark, ob Mohn, ob Apfel,
Ob Weizen-, Roggenmehl,
Egal ob heisse, kalte –
Ich habe Kuchen gern“.

Als Mädel diese hörte, 
so freute sie sich sehr,
hat gleich ihn eingeladen
zum Kuchen und zum Tee.

Die Einladung der Süssen
nahm er sofort sehr gern.
Das Mädel tat ihn küssen,
Die Kuchen aß doch er.

Und plötzlich aus dem Walde
erschienen Feinde hier.
Erschrocken hinterm Busche
Versteckt war Kavalier.

Es waren keine Räuber.
Es waren Jäger, shit!
Sie nahmen mit das Mädel,
die Kuchen auch mit.

Der Kosak weinte bitter:
„Ihr Räuber, Schurken ihr!
Das Mädel könnt ihr nehmen!
Die Kuchen lasst doch mir!“

Wir wollen gerne sagen
Als Fazit der Geschicht’:
Der besten Kuchen gegen
Umtauscht die Liebe nicht.


Служив козак у війську, 
Мав років двадцять три. 
Любив козак дівчину 
І з сиром пироги. 
Ой чули, чули, чули, 
Ой чули, чули ви — 
Любив козак дівчину 
І з сиром пироги. 
„Дівча моє хороше, 
Чи знаєш мої сни — 
Що я тебе кохаю 
І з сиром пироги. 
Чи з сиром, чи в сметанi, 
Чи з житньоï муки, 
Горячi чи холоднi, 
А би лиш пироги. 
Дівчина, як почула 
Козацькі мрії-сни, 
Відразу запросила 
На свіжі пироги. 
І як було діждатись 
Щасливої пори, 
Дівча його цілує, 
А він їсть пироги. 
І десь тут із-за лісу 
Взялися вороги, 
Козак із переляку 
Сховався в бур’яни
А то були мисливці, 
Ніяки вороги — 
Взяли собі дівчину 
І з сиром пироги. 
Козак гірко заплакав: 
„Ви тяжкі вороги, 
Візьміть собі дівчину, 
Віддайте пироги! 
Ой хлопці, пам“ятайте 
ви, друзі дорогі –
Ніколи не міняйте 
любов на пироги!

Zwei Farben / Два кольори

Als ich ganz jung erobern wollt’ die Welt,
selbständig gehen unbekannte Wege,
gab mir die Mutter ein gesticktes Hemd,
das sie gestickt, in rot und schwarz,
gestickt für mich mit rot und schwarzen Fäden.

Ref.: 
Zwei Farben, meine Farben: rot und schwarz.
Die beiden auf dem Stoff sowie bei mir im Herz.
Zwei Farben, meine Farben: rot und schwarz:
Das Rote ist die Liebe, das Schwarze – Seelenschmerz.

Es führte mich mein Schicksal durch die Welt,
doch kehrte ich stets heim dank Mutters Segen.
Verwickelt sind wie ihre Stickerei
mir Glück und Freud, mir Schmerz und Weh,
mir Lieb und Leid auf meinen Lebenswegen.

Ref.: 

Die Jahre färben grau schon mein Haar,
doch nehme ich nichts mit auf weiten Wegen,
nur dieses Hemd, verziertes Leinentuch,
auf dem gestickt ist voll und ganz
auf dem gestickt ist voll und ganz mein Leben.

Ref.: 


Як я малим збирався навесні
Піти у світ незнаними шляхами,-
Сорочку мати вишила мені,
Червоними і чорними,
Червоними і чорними нитками.

Приспів:
Два кольори мої два кольори
Оба на полотні, в душі моїй оба.
Два кольори мої два кольори:
Червоне то любов, а чорне то журба.

Мене водило в безвісті життя,
Та я вертався на свої пороги.
Переплелись як мамине шиття
Щасливi i сумнi мої, 
щасливi i сумнi мої дороги 

Приспів:

Мені війнула в очі сивина
Та я нічого не несу додому,
Лиш згорточок старого полотна
І вишите моє життя,
І вишите моє життя на ньому.

Приспів:

Schlug mich meine Mutter  mit der Birkenrute/ Била мене мати березовим прутом

Schlug mich meine Mutter  
Mit der Birkenrute,
Dass ich nicht sollt stehen
Bei dem jungen Rekruten.

Doch ich stand nur da,
Bis die Hühner kräh’n,
Goss Wasser auf die Türen,
Dass sie nicht laut geh’n.

Goss Wasser auf die Türen,
Schlich auf leisen Zehen,
Dass die Mutter nichts hört,
Nicht beginnt zu schmähen.

Doch die Mutter schlief nicht,
Hörte alles klar,
Schimpfte mich am Ende nicht –
War doch selbst einst da.

Била мене мати
Березовим прутом,
Що б я не стояла
З молодим рекрутом.

А я собі стояла,
Аж кури запіли,
На двері воду ляла,
Щоби не скрипіли.

На двері воду ляла,
На пальцях ходила,
Щоб мати не почула,
Щоби не сварила.

А мати не спала,
Та й все добре чула,
Та мене не сварила –
Сама такая була.

Trump schockiert: Reaktion | Vitaly Portnikov. 08.01.24.

In unserem heutigen Gespräch geht es um die Auswirkungen der gestrigen, ich würde sagen, schockierenden Pressekonferenz des gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump.

Wir haben auf meinem Kanal über seine sensationellen Aussagen gesprochen. Heute ist es an der Zeit, die Reaktionen der Welt sowie der Politiker und Medien auf diese Aussagen zu diskutieren. Ich bin mir sicher, dass wir nach der Amtseinführung von Donald Trump am 20. Januar 2025 noch mehr solcher schockierender Aussagen erwarten können.

Es werden viele Überraschungen auf uns zukommen, die schwer vorstellbar sind. Insgesamt denke ich, dass wir uns alle auf eine Zeit großer Turbulenzen vorbereiten sollten, mit unvorhersehbaren Konsequenzen, die bis zu globalen Konflikten und dem Zerfall bestehender Allianzen führen können.

Die demokratische Welt befindet sich auf einem Pfad, auf dem sie sehr wahrscheinlich an die Welt der Diktaturen verlieren könnte. Ich würde sogar sagen, dass ein Sieg der demokratischen Welt in ihrem Kampf gegen die Diktaturen momentan eher ein politisches Wunder wäre, auf das ich nicht wirklich hoffe. Dies hängt natürlich in erster Linie mit dem Wandel der politischen Orientierungen in dem wichtigsten demokratischen Staat der modernen Welt, den Vereinigten Staaten von Amerika, zusammen, wo ein ultrarechter Rand der Republikanischen Partei an die Macht gelangte. Ein Rand, der die Realitäten unserer Welt nicht so sehr durch die Werte von Freiheit und Humanismus misst, die für die demokratische Welt nach den Lehren des Zweiten Weltkriegs typisch sind, sondern vielmehr durch die Werte des Imperialismus und der Stärke. Diese Werte erinnern uns an die Ideale anderer führender Akteure der modernen Welt: den Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin und den Vorsitzenden der Volksrepublik China Xi Jinping. Ihre Rolle in der Welt wächst seit der Wahl von Donald Trump regelrecht explosionsartig. Genau deshalb, weil der neu gewählte Präsident der Vereinigten Staaten im Großen und Ganzen mit der Welt die Sprache spricht, die wir bisher vom Präsidenten der Russischen Föderation gehört haben. Er wirkt wie sein politischer Zwilling. Und das ist meiner Meinung nach keine Übertreibung. Wir tun so, als ob wir das nicht wahrnehmen, dabei sollten wir es eigentlich bemerken. Man sollte die Situation von Trump, der mit seinen Ambitionen zur Erweiterung des Einflusses der Vereinigten Staaten auf verschiedene Gebiete und Länder verbunden ist, in jedem Fall gründlich analysieren.

Man sollte sofort verstehen, dass es für Amerika klar erkennbare nationale Interessen gibt, die davon abhängen, wie verschiedene Regierungen mit diesen Interessen umgehen. Ich denke, man kann sich intensiv mit politischen Diskussionen auseinandersetzen. Sollte Amerika dafür kämpfen, seine strategische Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum zu erhöhen, indem es mehr Militärbasen aufbaut und seinen Einfluss ausweitet, während es gleichzeitig mit China konkurriert? Das ist offensichtlich. Es besteht kein Zweifel, dass der führende demokratische Staat der modernen Welt, der die Demokratie verteidigt und die Stabilität Europas garantiert, Verhandlungen mit den Regierungen von Dänemark und Grönland über die Erweiterung von Militärbasen und ähnlichen Möglichkeiten führen sollte. Es geht um die Verstärkung der militärisch-wirtschaftlichen Präsenz der Vereinigten Staaten in der Region. Das geschieht ganz im Interesse der Vereinigten Staaten sowie auch von Dänemark und Grönland.

Sollte die US-Administration darüber nachdenken, ihren Einfluss auf die Situation rund um den Panamakanal tatsächlich zu verstärken, nicht im Hinblick auf die Souveränität des Kanals selbst, sondern darauf, wie viel Einfluss China derzeit auf die Infrastruktur des Panamakanals ausübt?

Inwieweit beeinflusst dieser Einfluss tatsächlich den freien Wettbewerb? Das ist natürlich ein Thema, das zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und der Regierung Panamas erörtert werden soll. Das ist alles ganz offensichtlich. 

Kann Donald Trump Verhandlungen mit der kanadischen Regierung über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern führen, insbesondere darüber, wie er diese Beziehungen sieht? Offensichtlich hat er das Recht, sich in der Einschätzung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten zu irren. Doch als neuer Präsident der Vereinigten Staaten kann er wirtschaftliche Vorschläge unterbreiten und die amerikanischen Zollgesetze ändern. Das ist auch sein offensichtliches Recht. Man kann damit einverstanden sein oder nicht, aber es handelt sich um das souveräne Recht der Vereinigten Staaten von Amerika. 

Ebenso verhält es sich mit den Maßnahmen an der Grenzlinie zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. Wenn Donald Trump Maßnahmen ergreifen möchte, um die illegale Einwanderung in die Vereinigten Staaten zu reduzieren.

Aber das Thema ist völlig anders. Es geht um die Souveränität und das offensichtliche Unvermögen von Trump, die Normen des internationalen Rechts und die Bedeutung der Souveränität in der heutigen Welt anzuerkennen. Vor dem großflächigen Überfall Russlands auf die Ukraine haben wir über die Artikel diskutiert, die vom Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Sicherheitsrates, dem ehemaligen Präsidenten Dmitri Medwedew, sowie anderen führenden Persönlichkeiten der russischen Politik veröffentlicht wurden.

In diesen Artikeln wird der Ukraine im Wesentlichen das Recht auf Selbstbestimmung und Souveränität verweigert. Es wird argumentiert, dass ein so großes Land wie die Russische Föderation das Recht hat, über das Schicksal anderer Länder zu entscheiden.

Daraufhin stellt sich eine ganz einfache Frage: Ist die Russische Föderation denn kein großes Land? Natürlich ist Russland die größte Nuklearmacht der modernen Welt, abgesehen von den Vereinigten Staaten, die in der Lage ist, die Menschheit innerhalb von Minuten zu vernichten. Dazu bedarf es nur der entsprechenden Entscheidung des obersten Befehlshabers der russischen Streitkräfte, Wladimir Putin. In dieser Situation könnte Russland selbst verschwinden, doch wie der Präsident der Russischen Föderation sagt: ‚Die von ihm vernichteten Westler kommen in die Hölle, während die Russen in den Himmel gelangen.‘ Daher gibt es nichts zu fürchten.

Wenn man es ernst meint: Was bedeutet es, dass Russland die größte nukleare Supermacht der heutigen Welt ist, ein wichtiger Energielieferant, der Staat mit dem größten Territorium weltweit und der Nachfolger der Sowjetunion im UN-Sicherheitsrat? Wie es zu diesem Platz kam, ist ein ganz anderes Thema.

Soll Russland das Schicksal der Ukraine, Weißrusslands und anderer ehemaliger Sowjetrepubliken entscheiden? Jeder versteht sehr gut, dass das nicht der Fall ist. Und worin, entschuldigen Sie, unterscheiden sich die Vereinigten Staaten von Russland? Die Vereinigten Staaten sind ebenfalls, wie Russland, die größte nukleare Supermacht der modernen Welt. Das Land mit der größten Volkswirtschaft der Welt in Bezug auf das Volumen. Ein Land, dessen Präsident die Menschheit in nur wenigen Minuten auslöschen kann, genau wie sein russischer Kollege. Letztlich gibt es weltweit nur zwei solche Führer: den Präsidenten der Vereinigten Staaten und den Präsidenten Russlands, die das Schicksal der Menschheit bestimmen können. Was bedeutet das?

Kann der Präsident der Vereinigten Staaten über das Schicksal Grönlands entscheiden, ähnlich wie der Präsident der Russischen Föderation über das Schicksal der Ukraine? Wo liegt der Unterschied? 2019 sprach Donald Trump von einem Kauf Grönlands, was viele als schlechten Witz betrachteten.

Aber jetzt geht es nicht um einen Kauf an sich, sondern darum, dass Dänemark Grönland, ein selbstverwaltetes Gebiet, das im Grunde immer in Richtung Unabhängigkeit strebte, unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten abtreten muss. Dabei wird die Perspektive sowohl Dänemarks als auch Grönlands, das über Jahrhunderte ein souveräner dänisch-grönländischer Bund war, absolut ignoriert.

Trump erklärt, dass er nicht ausschließt, militärische Gewalt einzusetzen, um Grönland entweder zu einem unter den USA stehenden Gebiet, einer Kolonie der USA oder einem Teil der USA zu machen. 

Denken Sie nicht, dass dies nur Worte sind. Wie Sie wissen, hat der Sohn von Präsident Trump, Donald Trump Jr., Grönland besucht. Er sagt, es sei ein touristischer Besuch. Es ist aber kein touristischer Besuch, dieser Besuch wurde genauso vorbereitet wie viele verschiedene Besuche russischer Politiker, die in den 2000er Jahren des 21. Jahrhunderts den Anschluss der Ukraine an unser Land vorbereitet haben, indem verschiedene Luschkows und Zatulins zu uns kamen, scheinbar mit einer positiven Mission. Sie wurden von Menschen empfangen, die sagten: „Natürlich sollte die Ukraine mit Russland verbunden sein. Natürlich haben wir nur auf euch gewartet, liebe Freunde. Was ist das eigentlich für ein Land? “ Wir verfolgen die Details von dem, was gerade passiert, nicht aufmerksam genug. Ich fange jetzt am Morgen mit grönländischen Zeitungen an. Ehrlich gesagt habe ich sie vorher noch nie gelesen.

Grönland war schon immer einer meiner Träume als reisender Mensch, aber ich kann nicht sagen, dass ich mich für die politische Landschaft Grönlands interessiere. Jetzt jedoch muss ich meinen Tag damit beginnen, zu verstehen, was in Grönland wirklich vor sich geht. Was am Flughafen Nuuk geschah, als das Flugzeug von Donald Trump Jr. landete, begleitet von anderen Mitgliedern des Teams des gewählten US-Präsidenten. Wir wissen außerdem, dass Donald Trump Jr., der für seine entschlossene antiukrainische Haltung bekannt ist, einer der engsten Berater seines Vaters ist und großen Einfluss auf dessen Entscheidungen sowie darauf hat, was Trump der Welt mitteilt. Donald Trump Jr. wird von Jörgen Bossen empfangen. Wer genau ist Jörgen Bossen? Glauben Sie, dass er der Premierminister von Grönland ist? Oder gehört er zu einer politischen Elite in diesem Land? Nein, er ist die Person, die der Meinung ist, dass Grönland Teil von

Vereinigten Staaten werden soll. Eine Person, die von der grönländischen Presse als Teil des engsten Umfelds von Präsident Donald Trump bezeichnet wird. Diese Person äußert gegenüber den Medien genau das, was Trump hören möchte. Wir sehen auch andere Menschen in ‚Make America Great Again‘-Caps, die eine eher kleine Gruppe bilden – nun, in Grönland leben insgesamt nicht viele Menschen – und die demonstrieren sollen, wie die Aussagen von Donald Trump zur Kaufabsicht und Übertragung von der einheimischen Bevölkerung wahrgenommen wird. Wer sind diese Menschen? Wie sind sie dorthin gekommen? Es fällt mir schwer, die aktuellen Geschehnisse zu bewerten. „Ich stehe Trump weder positiv noch negativ gegenüber, aber ich bin fast glücklich darüber, in welche Richtung wir uns entwickeln“, sagt einer derjenigen, die Donald Trump Jr. getroffen haben.

Natürlich sorgt dies sowohl in Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, als auch in Kopenhagen für einen echten Schock, da viele tatsächlich befürchten, dass amerikanische Marines einfach in Grönland landen könnten, das als assoziiertes Territorium zu einem Land gehört, das Mitglied der NATO und der Europäischen Union ist, und dieses Lande erobern. Der Premierminister von Grönland hat heute Kopenhagen besucht und sich mit dem König von Dänemark getroffen. In Dänemark wird ernsthaft darüber diskutiert, wie man sich in dieser Situation verhalten sollte. Man könnte sagen, das man sich in einem Zustand der Besorgnis und Schreckens befindet. Während man 2019 in Kopenhagen Trumps Äußerungen noch als schlechten Witz auffasste, versteht man dort heute ganz klar, dass dieser Trump einen neuen Typus repräsentiert, insbesondere nach den Ereignissen in der Welt seit 2019, dem russischen Krieg in der Ukraine und der Tatsache, dass Bombardierungen von Friedensstädten, das Eindringen von Truppen in fremdes Gebiet sowie Drohnen, die Menschen töten und Infrastrukturen zerstören, zur Normalität des modernen Lebens geworden sind. Von jemandem, der erklärt, bereit zu sein, ein fremdes Land zu erobern, wenn es notwendig ist, erwartet man alles Mögliche. Diese Eskapaden von Trump werden deshalb sehr vorsichtig kommentiert. Genau aus diesem Grund sind sie der Meinung, dass diese Gedanken tatsächlich umgesetzt werden könnten, und sind sich unsicher, wie Europa und die NATO darauf reagieren sollten.

Ja, in europäischen Ländern, wie beispielsweise in Frankreich und Deutschland, wird gesagt, dass Europa die Grenzen der Europäischen Union verteidigen muss. Allerdings gibt es in der Europäischen Kommission auf die klaren Fragen von Journalisten, was die Europäische Union tun wird, falls Aggression durch die Vereinigte Staaten auf ihrem Gebiet beginnt, keine deutlichen Antworten. Und das ist auch ein Zeichen des Schocks. 

Ich starte meinen Tag auch mit dem Lesen panamaischer Zeitungen. Früher war es mir beim Frühstück nicht wichtig, aber jetzt ist es Teil meines beruflichen Alltags, ähnlich wie für viele Menschen, die sich vor dem 24. Februar 2022 nicht einmal Gedanken darüber gemacht haben, wo die Ukraine liegt, zur Gewohnheit geworden ist, Texte über den russisch-ukrainischen Krieg zu lesen, da man erkannt hat, dass die Ereignisse an der Front des Krieges und die Zerstörungen in den friedlichen Städten der Ukraine durch den russischen Aggressor das Schicksal Europas und der Welt mindestens in unserem und vielleicht sogar im kommenden Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts bestimmen. Ja, natürlich betont der Außenminister Panamas, Javier Martínez Ata, dass die einzigen Hände, die den Panamakanal kontrollieren, panamaische Hände sein können. In einer Veröffentlichung des Blattes „La Prensa“ betonte Panama, dass er die Aussagen von Präsident José Ulia Olina nur unterstützen kann: Die Souveränität des Panamakanals ist unbestreitbar und Teil der Geschichte des Kampfes um die eigene Unabhängigkeit. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Kontrolle der Panamesen über den Panama-Kanal für Panama, das panamaische Volk und ganz Lateinamerika einen Sieg der Gerechtigkeit über den Imperialismus darstellt. Um diesen Wasserweg zu kontrollieren, haben die Vereinigten Staaten unter Präsident Theodore Roosevelt haben die Provinz Panama geholfen sich von dem benachbarten Kolumbien abzuspalten, da Kolumbien nicht mit den Vorstellungen der Amerikaner übereinstimmte, wie der Kanal betrieben werden sollte. Aber vielen Jahrzehnten lang wurde dem unabhängigen Staat Panama nicht erlaubt, die Kontrolle über Panamakanal zu übernehmen. Praktisch war es ein Gebiet, das von den Vereinigten Staaten und anderen Ländern besetzt und kontrolliert wurde. Die Etablierung der panamaischen Kontrolle über den Panamakanal ist ein Sieg des gesunden Menschenverstandes über Imperialismus und Kolonialismus. Präsident Jimmy Carter, von dem wir uns in diesen Tagen verabschieden, wird zu Ehren seines Andenkens die Flaggen der Vereinigten Staaten am Tag von Donald Trumps Amtseinführung auf halbmast gesetzt, was ein klares historisches Zeichen darstellt. Er hat viele umstrittene Entscheidungen getroffen. Dieser Schritt war jedoch völlig logisch. Man muss sich vorstellen, dass die Vereinigten Staaten jetzt die Kontrolle über das souveräne Territorium Panamas übernehmen; das würde bedeuten, dass Washington internationales Recht nie wieder respektieren wird, sondern nur noch das Recht des Stärkeren.

Es geht um Kanada und um militärische Invasionen, über die Donald Trump glücklicherweise bisher noch nicht gesprochen hat, im Gegensatz zu Grönland und Panama, wo er eine Eroberung von Territorien nicht ausschließt, falls ihm eine Ablehnung erteilt wird. Man könnte auch separat darüber sprechen; wir verstehen alle gut, dass die Vereinigten Staaten und Kanada zwar eng befreundete Länder sind, doch im Grunde genommen handelt es sich um unterschiedliche Zivilisationen. Kanada entstand, weil die Menschen, die dort lebten, die Beziehung zur britischen Krone aufrechterhalten wollten. Im Gegensatz dazu wurden die Vereinigten Staaten gegründet, weil die Bewohner der damals britischen Kolonien diese Bindungen lösen wollten. Das Ergebnis war eine große Völkerwanderung, bei der Hunderttausende von Menschen, die keine Verbindung zur britischen Krone haben wollten, von den heutigen Gebieten Kanadas in die Vereinigten Staaten zogen. Und umgekehrt, Menschen, die unter der Souveränität der britischen Krone bleiben wollten, kamen aus den Staaten, die ihre Unabhängigkeit von London erklärt hatten, in die heutigen Gebiete Kanadas. So entstanden die Vereinigten Staaten und so entstand Kanada. Die Vorstellung, dass Kanada nach Jahrhunderten solcher Geschichte, selbst wenn Donald Trump sich nicht dafür interessiert hat, ein Teil der Vereinigten Staaten von Amerika werden könnte, zeigt eine grundlegende Missachtung der zivilisatorischen Unterschiede, die die Menschheit auf dieser Erde interessant machen, was auch der Weg des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist. 

Ich möchte erneut auf die dänischen und grönländischen Zeitungen eingehen, die ich sorgfältig lese, und Ihnen eine bemerkenswerte Schlagzeile aus der renommierten Zeitung „Berlingske Tagender“ präsentieren. Es geht darum, dass Trump Putin ein riesiges Weihnachtsgeschenk gemacht hat. Donald Trump rechtfertigt, laut dem Journalisten dieser Zeitung, seine Ansprüche auf Grönland mit der Bedrohung durch Russland und China. Wenn Trump jedoch neue Grenzen auf der Weltkarte zieht, ist das ein Geschenk für autokratische Weltmächte. Das bringt kleine Länder wie Dänemark in eine gefährliche Lage. „Es ist noch nicht zu spät,“ merkt der Journalist sarkastisch an, „ein Weihnachtsgeschenk zu machen, falls Sie dem Kalender der Russisch-Orthodoxen Kirche folgen.“ Tatsächlich hielt Trump seine Rede am 7. Januar 2025, als der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, und sein enger Vertrauter, Patriarch Kirill von Moskau, Weihnachten nach dem Julianischen Kalender feierten. Daher kann man dies als eine weihnachtlich-russische Rede des Präsidenten der Vereinigten Staaten betrachten.

Wenn wir uns nicht auf Werte, sondern auf Macht verlassen, verstehen wir alle sehr gut, dass die Ukraine, wie auch Dänemark, auf der politischen Landkarte der Welt nichts zu suchen hat. Trump, Putin und Xi Jinping werden sich treffen und die Grenzen nach ihrem Belieben aufteilen. Jene, die nicht zustimmen, werden einfach mit Superwaffen, die diese Staaten besitzen, ausgelöscht, um den ungehorsamen Völkern zu zeigen, wo der Weg zum nächsten Friedhof führt. Das ist alles.

Wir haben uns in unserem Widerstand gegen die russische Besatzung immer auf die Werte und den Respekt des Westens für das internationale Recht gestützt. Wenn der Westen dieses internationale Recht jedoch selbst nicht respektiert, wird es niemanden geben, der es verteidigt, denn weder die Russische Föderation noch die Volksrepublik China werden irgendwelche fremden Grenzen respektieren. Man kann das ganz offen sagen.

Russland führt, wie wir sehen, einen sehr realen, blutigen Krieg zur Besetzung und Annexion der Ukraine und hat nicht vor, diesen Krieg zu beenden, bis der Präsident der Russischen Föderation erkennt, dass er sein Ziel erreicht hat: dass die Ukraine nicht mehr auf der politischen Karte existiert.

Oder dass dieser Staat zum Satelliten Russlands geworden ist und man in naher Zukunft mit seinem Verschwinden rechnen kann. Aber das ist nicht das Wichtigste. Das Wichtigste ist, dass der Westen stets solche Herangehensweise bestritten hat. Er betonte, dass jedes Land das Recht hat, seine Entscheidungen frei zu treffen. Trump lehnt im Wesentlichen dieses Recht ab, wenn es um unser Land geht, und hier sprechen wir bereits von der Ukraine.

Tatsächlich während seiner Weihnachts-Pressekonferenz erklärte der Präsident der Vereinigten Staaten, dass er die Bedenken Russlands nachvollziehen kann, da die Vereinigten Staaten die Abmachungen verletzt haben, die eine Aufnahme der Ukraine in die NATO ausschließen. Als ob die Ukraine ist aktuell schon Mitglied der Europäischen Union wäre, erstens, und zweitens könne die Ukraine nicht Mitglied der Nordatlantikischen Allianz sein, weil die Entscheidung darüber bei Russland und nicht bei der Ukraine lege.

Übrigens wollte ich näher auf diese Geschichte eingehen. Um Ihnen vielleicht zu erklären, was Sie in Trumps Worten nicht unbedingt sehen, es ist kein Quatsch. Generell kann Trump, obwohl er stundenlang über einige für uns seltsame Dinge spricht, wie dass seine Dusche wohl nicht so gut funktioniert, wie er es sich wünschen würde, und er nicht lang genug duschen kann, vollkommen logisch sein, wenn es um territoriale Fragen, Übergriffe und imperialistische Ambitionen geht.

Was meint Donald Trump eigentlich, wenn er von Vertragsverletzungen zwischen dem Westen und Russland spricht? Ich kann Ihnen sagen, dass es über viele Jahrzehnte eine recht einfache Regel gab, die sowohl im Westen als auch in Russland befolgt wurde.

Der Westen hat nie die Möglichkeit ausgeschlossen, dass ein Land der NATO beitreten könnte, aber es war ganz klar, dass, wenn ein Land in einen militärischen Konflikt mit einem anderen Land verwickelt ist und seine territoriale Integrität nicht wiederherstellen kann, es wahrscheinlich niemals Mitglied der NATO oder der Europäischen Union werden kann.

Russland hat dies seit 1991 genutzt. Sobald ein Land, das nach Auffassung des Kremls in Russlands Einflussbereich verbleiben soll und als potentielles Material für eine zukünftige Annexion dienen soll, sich dazu entscheidet sich mehr Richtung Westen zu wenden, als es dem Kreml lieb wäre; wird dieses Land verkrüppelt.

So war es mit der Republik Moldau und so war es in der Republik Georgien. Ich möchte Sie an die jahrelange Rolle Russlands an der Schaffung der Falle erinnern, die letztlich dazu führte, dass Aserbaidschan und Armenien wegen dem Berg-Karabach ruhig gestellt werden und nicht aufmucken.

Im Jahr 2014 hatte die Ukraine einen entscheidenden Moment, als Russland die Krim annektierte und den Krieg im Donbas begann. Es war völlig klar, dass der Westen so lange er will die euro-atlantischen Perspektiven der Ukraine und Georgien verkünden kann, aber tatsächlich niemals in der Lage sein wird, diese Länder in die NATO aufzunehmen, weil es nicht möglich ist ihre territorialen Streitigkeiten mit Russland zu lösen. Und Russland wird ihnen niemals erlauben, diese territorialen Probleme zu klären, weil sie nicht möchte, dass sie nach Westen ziehen oder der NATO beitreten; sie bereitet sie auf ein schleichendes Verschwinden von der politischen Weltkarte vor. Denn aus der Perspektive des Kremls ist das Schicksal der ehemaligen Sowjetrepubliken so. Der Westen muss nur abwarten, bis die Menschen in diesen ehemaligen Sowjetrepubliken, zumindest in Belarus, der Ukraine und im Kaukasus, für Kräfte stimmen, die lediglich Instrumente der Annexion sind, für einen weiteren Janukowitsch oder Lukaschenko. Mit anderen Worten, der Westen muss die euro-atlantische Integration erklären, so als ob er uns die Wahl überlassen würde und sich darüber im Klaren ist, dass wir niemals in diese Bündnisse eintreten werden, weil der Westen auf keinen Fall einen direkten Konflikt mit Moskau will. Und Russland muss seine Truppen in diesen Ländern stationieren, sozusagen, die Phase ihrer Invalidität weiterzuführen, um denen keinen Ausweg zu lassen, bis sie schließlich erkennen müssen, dass sie keine Möglichkeit haben, dass die nirgendwohin gehen können. Ein bemerkenswerter Plan. 

Was ist im Jahr 2022 passiert?  Präsident der Vereinigten Staaten, Joseph Biden, wurde gefragt, ob die Besetzung der Krim und des Donbass die euroatlantische Integration der Ukraine behindert. Und der Präsident der Vereinigten Staaten, vielleicht erinnern Sie sich, sagte: ‚Nein, das hindert nicht. Das Wichtigste ist, dass die Ukraine den euro-atlantischen Standards entspricht.‘ Das ist eine völlig andere Antwort. Das bedeutet, dass die Strategie, die Moskau über drei Jahrzehnte verfolgt hat, nun gescheitert ist. Es war völlig klar, dass die Umwandlung benachbarter Länder in dysfunktionale Staaten nicht mehr funktioniert. Es kann nur die vollständige Besetzung, Kontrolle über ihre Souveränität und Schaffung der notwendigen Bedingungen für ihre Absorption funktionieren. Die politische Annexion dieser Länder erfolgt durch den Einsatz militärischer Gewalt und die Errichtung von Marionettenregierungen.

Das ist, was Trump meint, wenn er sagt, Biden sei schuld. Er sagt das, weil er selbst so etwas natürlich niemals aussprechen würde. Das ist die Wahrheit. Biden hat sich an den Idealen orientiert, die er während seiner ganzen Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten verfolgt hat. Dank dieser Ideale sprechen wir trotz Bidens vorsichtiger Haltung zu einem möglichen direkten Konflikt zwischen Russland und den Vereinigten Staaten überhaupt miteinander.

Gäbe es damals einen anderen Präsidenten mit einem anderen Charakter, würden wir vielleicht nicht mehr miteinander sprechen, weder in diesem Land noch in dieser Sprache. Das ist auch die Realität, die man einfach akzeptieren muss. Wir sprechen schon seit etwa drei Jahren darüber.

Bedeutet es, dass Russland keine Operation gegen die Ukraine durchgeführt hätte, wenn es diese Aussage von Präsident Biden nicht gegeben hätte? Die Operation wäre trotzdem durchgeführt worden, weil Präsident Wladimir Putin überzeugt war, dass die ukrainische Regierung und der Staat schwach sind. Er war der Meinung, dass das ukrainische Volk zur Kapitulation bereit ist und ein Kompromiss mit der ukrainischen Regierung unter Zelensky nicht möglich ist.  Nach dem Treffen in Paris glaubte er, dass die offensichtlichsten Bedingungen, unter denen die Ukraine ein politischer Satellit Russlands werden könnte und die östlichen sowie südlichen Gebiete in die Russische Föderation integriert würden, ein Machtwechsel in Kyiv wäre.

Aber Trump könnte Biden als jemanden ansehen, der der Ukraine grundsätzlich nicht die NATO-Mitgliedschaft verweigert hat, selbst wenn ihr Gebiet weiterhin besetzt bleibt.

Wir sind es gewöhnt. Im Jahr 2019 wurde auch gesagt, dass die ukrainische Führung an dem Krieg interessiert ist, nicht die russische. Und an diesen Mythos glaubte die überwältigende Mehrheit der ukrainischen Bürger. Warum sollte man den Amerikanern und Trump Vorwürfe machen? Sie leben in einer Welt ihrer eigener Selbsthypnose, während wir in einer Welt unserer eigener Selbsthypnose lebten, sie wurde einfach am Anfang des großen und endlosen Kriegs Russlands gegen die Ukraine gelöst. Das ist alles.

Jetzt hat Trump natürlich keine klare Vorstellung davon, wie er aus dieser Situation herauskommen soll. Denn obwohl er Biden vorwirft, der Ukraine die euro-atlantische Integration versprochen zu haben, könnte er sich darüber im Klaren sein, dass eine Garantie, dass die Ukraine nicht Mitglied der NATO wird, für dem Putin nicht ausreichend wird. Denn, wie ich bereits gesagt habe, benötigt Putin nicht die Ablehnung der Ukraine von der euro-atlantischen Integration, sondern die Schaffung von Bedingungen, unter denen der ukrainische Staat nicht überleben kann.

Das ist der wesentliche Widerspruch.

Trump könnte zwar der Meinung sein, dass die Ukraine nicht Mitglied der NATO werden sollte, aber gleichzeitig könnte er das Ende des russisch-ukrainischen Krieges mit Sicherheitsgarantien verknüpfen, die weitere russische Angriffe auf die Ukraine verhindern würden. Und Putin könnte sich wünschen, dass der russisch-ukrainische Krieg, auch wenn er eines Tages enden sollte, Möglichkeiten für künftige, erfolgreichere und weniger kostspielige Eroberung bietet. Sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch im Hinblick auf die menschlichen Verluste durch die russischen Angriffe auf die Ukraine.

Diese Positionen könnten nicht gegensätzlicher sein; die Vorstellung, dass es einen Kompromiss zwischen dem neu gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Präsidenten der Russischen Föderation geben könnte, erscheint wie etwas aus der politischen Science-Fiction.

Deshalb spricht Trump nicht mehr über ein Kriegsende in sechs Monaten, wie es viele tun. Ich habe seine Worte verstanden und was die Möglichkeit betrifft, dass in den nächsten sechs Monaten ein Treffen zwischen den Präsidenten der beiden Supermächte stattfinden könnte, so wird dies, wie Sie verstehen, in der Tat eine ernsthafte politische Niederlage für Donald Trump bedeuten. Die Tatsache, dass Trump sich mit Putin trifft, zeigt seine Schwäche. Sein Vorgänger hatte sich nämlich geweigert, sich mit Putin zu treffen, nachdem dieser einen großen Krieg begonnen hat. Wenn der neue Präsident der Vereinigten Staaten sich mit dem russischen Präsidenten im Kontext des anhaltenden großen Krieges trifft – was logisch sein sollte –, würde er damit die fehlenden realen Einflussmöglichkeiten der Vereinigten Staaten auf die Russische Föderation anerkennen. Bis jetzt sehen wir übrigens keinen neuen echten Mechanismus, den Donald Trump nutzen könnte, um Wladimir Putins Sicht auf zukünftige politische Entwicklungen zu verändern.

Das ist die ganze Geschichte, sie ist äußerst gefährlich. Denn wenn Trump nicht aus der Sicht der Werte der westlichen Welt handelt, sondern davon ausgeht, dass es kein internationales Recht, keine Normen für die Souveränität und keine Rechte der Völker gibt, dass nur seine Wunsche existieren, und wir erkennen dies sowohl in seinen Äußerungen als auch besonders in den Worten eines seiner engsten Berater, des ultrarechten Milliardärs Elon Musk. Dann können wir darüber sprechen, dass Trumps Ansichten zur Welt, wie ich bereits erwähnt habe, mit bestimmten Meinungen von Wladimir Putin und Xi Jinping übereinstimmen. 

Dies ist eine typische Allianz der 1930er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, eine Allianz ultrarechter Führer, zu denen Putin und Trump zählen mit einem ultralinken Führer. Das einzige, was bleibt, ist die Hoffnung, dass Trump selbst nicht an einer solchen Allianz mit Putin und Xi Jinping interessiert ist, sondern möglicherweise von einer absolut fantasievollen Idee geleitet wird, das er durch die Ablehnung der Unterstützung für die Ukraine, Russland von China abkoppeln. Aber da es für Donald Trump niemals solche Perspektiven geben wird, wird das niemals geschehen.

Dies könnte den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten irgendwann dazu bringen, zum Realismus zurückzukehren. Ob es zu einer Rückkehr zum Realismus kommt, weiß ich nicht, aber ich möchte noch einmal betonen, was ich immer wieder sage. Wir sollten unsere Möglichkeiten realistisch einschätzen; sie sind nicht so schlecht, wie wir denken. Wir müssen einfach aufhören, nach Wegen zu suchen, Donald Trump zu gefallen, denn wir werden ihm sowieso nicht gefallen. Keine schmeichelnde Wörter und keinerlei Bekenntnisse zur Loyalität gegenüber Trump interessieren ihn, denn für ihn sind wir niemand. Wir sind nicht Putin und nicht Xi Jinping. Wir sind nicht auf demselben Niveau. Niemand kann mit diesen Personen, Trump und Musk, gleichziehen, das sieht man deutlich. Daher können wir nur an die Werte appellieren.

Die Demokratische Partei der Vereinigten Staaten wird ihren Kurs zur Unterstützung der Ukraine fortsetzen, es sei denn, das Verhalten unserer opportunistischen Leute, die jetzt so tun, als ob ihnen in all diesen Jahren nicht geholfen wurde, und undankbar und unfähig wirken, die historische Rolle von Präsident Biden und seinem gesamten Team zu erkennen, die Einstellung dieser Teile der Demokratie verändern wird.

Ich hoffe, Demokraten haben genug Weitsicht und kein Gleichzeichen zwischen dem  ukrainischen Regierung, Experten und Journalisten, die sich wie Leibeigene aufführen, und dem ukrainische Volk setzen.

Die Kongressabgeordneten der Demokratischen Partei und die gesellschaftlichen Kreise werden die Ukraine in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges unterstützen. Eine große Anzahl von Republikanern unterstützt uns, auch wenn es nicht die Mehrheit der Fraktion ist. Wir haben gesehen, dass die Mehrheit der Republikaner im US-Kongress deutlich gegen die Unterstützung für die Ukraine gestimmt hat, selbst als Donald Trump und Mike Johnson nach einem sechsmonatigen Plan zur Unterstützung unseres Scheiterns erlaubten, dafür zu stimmen. Doch das heißt nicht, dass es keine republikanischen Kongressabgeordneten gibt, die weiterhin weiterleitet sind. Traditionelle Konservative in der Republikanischen Partei haben komplett gegen die ultrarechte Bewegung verloren, aber das bedeutet nicht, dass sie nicht mehr existieren; es gibt viele von ihnen.

Und nach dem Ende von Donald Trumps politischer Karriere, er ist immerhin 78 Jahre alt, und seine Karriere wird enden, ob es ihm gefällt oder nicht, bin ich zuversichtlich, dass die Konservativen die Kontrolle über die Partei zurückgewinnen und die Ultrarechten durch rechtliche Ermittlungen ihrer Aktivitäten marginalisieren werden.

Aber wir müssen jetzt verstehen, dass die amerikanischen Liberalen und Konservativen gemeinsam eine Unterstützungsstruktur bilden, die Donald Trump zumindest dazu bringen kann, die Ukraine nicht aufzugeben.

Trump ist jemand, der nur starke Positionen schätzt und nur mit denjenigen umgehen kann, die stark sind. Ihn auf eigene Seite zu ziehen versuchen, nach seinem Verständnis zu suchen? Die Person, die neben Donald Trump steht, ist Vizepräsident Vence, der einst sein erbitterter Kritiker war und Trump als Faschisten bezeichnete, was wir nicht tun würden. Später stimmte er jedoch der historischen Rolle von Trump zu und wurde zum Vizepräsident der Vereinigten Staaten und möglichem zukünftigen Präsidenten im Falle eines Endes von Trumps politischer Karriere. 

Schwäche führt zum Grab, während Stärke zum Sieg führt. Wenn europäische Politiker jetzt vor Trump klein beigeben, wird er nicht nur in Grönland seine Macht ausspielen.

Wenn europäische Politiker jetzt keinen angemessenen Widerstand gegen die ultrarechten und marginalen Ansichten des umstrittenen Musk leisten, wird er sich in die Wahlen in allen europäischen Ländern einmischen und den ultrarechten Kräften helfen, wodurch Europa wie in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ins Braune abdriften könnte, selbst ohne einen russischen Sieg über die Ukraine. Und im Fall dieses Sieges garantiert. Der Faschismus in Europa steht bereits in den Startlöchern und wartet darauf, dass man ihm die Bühne bereitet. 

Und das sollte man auch realisieren: Wir müssen aufhören, in kindlichen Illusionen zu leben und verstehen, was im Jahr 2024 in den Vereinigten Staaten passiert ist und was in der Welt danach geschehen könnte.

Und es ist wichtig zu erkennen, dass man nur mit einer starken Wertehaltung aus dieser turbulenten Zeit herausfinden kann.

Die Unterstützung für die Ukraine in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges kann nur durch eine starke Position gesichert werden. Grönland, Panama, Kanada und andere Länder der Welt können nur mit einer starken Haltung vor den imperialistischen Ambitionen Trumps, seinem Umfeld und seiner Familie geschützt werden.

Sobald diese Menschen Schwäche wahrnehmen, werden sie aggressiv. Sie verfügen über solche Möglichkeiten. In dieser Hinsicht ähnelt Trump Putin ganz eindeutig und er möchte ihm nacheifern.

Und das sollte man sich auch unbedingt bewusst machen, wenn wir über diese ganze Angelegenheit sprechen.

Ich werde heute bestimmte Fragen besprechen, die mit unserer Sendung verbunden sind.

Frage. Warum sollten rückständige Diktaturen siegen? Die Deutschen und Japaner sehen heute wie rosarote Ponys aus, können aber morgen zu eisernen Wölfen werden. Das ist durchaus möglich.

Natürlich ist das nicht ausgeschlossen, aber diese Länder haben sich stets auf die Unterstützung der Vereinigten Staaten verlassen. Damit die Bundesrepublik Deutschland zu einem starken Land werden kann, benötigt sie noch Jahre für ihre Wiederaufrüstung. Übrigens, sind Sie sich sicher, dass infolge der aktuellen Trends in den Vereinigten Staaten die Partei Alternative für Deutschland nicht an die Macht kommen wird? Deutschland wird dann kein Interesse haben, gegen Russland zu gewinnen, sondern vielmehr daran interessiert sein, mit Russland Verhandlungen auf Kosten der Ukraine und Polen zu führen. Warum nicht? Es wird sich unter der Regierung der Sozialdemokraten und Christdemokraten wiederbewaffnen, und dann werden die Ultra-Rechten an die Macht kommen, und wir werden das sehen, was wir schon vor 100 Jahren gesehen haben. So sieht dann die Geschichte mit Deutschland aus. Japan hat derzeit sogar keine verfassungsmäßige Armee, aber falls sich die Situation ändern sollte. Wie können Sie sich so sicher sein, dass Japan an der Spitze der demokratischen Welt bleibt? Woher kommt diese naiv wirkende Zuversicht? Diese Tendenzen verwandeln Demokratien in Diktaturen. Wenn Sie über rückständige Diktaturen sprechen, wenn Präsident Zelensky Friedman von dem rückständigen Putin mit nacktem Hintern und von Musk, der von Reisen zum Mars träumt, erzählt. Ich entschuldige mich, aber die amerikanischen Astronauten sind auf der russischen interkontinentalen Raumstation und nicht umgekehrt. Trotz ihrer Rückständigkeit, spielt Russland weiterhin eine Rolle im militärisch-industriellen Komplex und im Weltraum. Musk möchte mit ihnen zusammenarbeiten. Vielleicht möchte Zelensky das nicht mehr, aber Musk ist definitiv interessiert, da er ihr Potenzial in Betracht zieht. Also sollte man sich nichts ausdenken. Und was China angeht, braucht man sich ebenfalls nichts auszudenken. Wenn westliche Oligarchen wie Musk die Produktion dorthin verlegt haben, wird es nicht so einfach sein, sie von dort wieder abzuziehen. Das Problem liegt nicht in der Rückständigkeit, sondern die Rückständigkeit von Diktaturen zeigt sich darin, dass sie einen geringeren Wert auf menschliches Leben legen. In Situationen, in denen man um Macht, Einfluss und fremde Territorien kämpft, ist das jedoch gerade ein Vorteil und kein Nachteil, wie Sie verstehen werden. 

Frage. Warum hat Trump sich auf Kanada und Grönland fixiert? Was ist das strategische Ziel dahinter, abgesehen von Schaden? 

Nun, erstens sind das völlig unterschiedliche Dinge. Er hat sich auf Kanada konzentriert, weil er der Meinung ist, dass das Niveau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Kanada und Vereinigten Staaten, die USA in ein Land verwandeln, das Kanada subventioniert. Er sagt: ‚Wir wollen euch nicht subventionieren, werdet Teil unseres Territoriums und lebt nach den internen Regeln der USA.‘ Das ist ähnlich zu dem, was die Russen immer über uns und Belarussen gesagt haben: ‚Wir werden euch kein Gas zu solchen Preisen liefern. Wenn ihr Gas wollt, schließt euch sich Russland an und lebt wie die Republik Tatarstan, dann bekommt ihr Gas zu internen Preisen. Seid loyal; schließt Russland regionsweise an‘. So wie Putin zu Lukaschenko gesagt hat. Das ist letztendlich dasselbe, was Trump und Musk zum Trudo sagen. ‚Du bist ein Gouverneur, also mach mit‘. Das ist genau der Slang, den man mit Putin verbindet. Es gibt keinen Unterschied. Wenn man Putin in Mar-a-Lago mit Lukaschenko sprechen lässt, sieht man einfach keinen Unterschied. Was Grönland betrifft, ist das eine völlig andere Geschichte. Ich wiederhole noch einmal: Trump argumentiert völlig logisch, wenn er auf die Notwendigkeit einer militärischen und strategischen Präsenz der Vereinigten Staaten in Grönland hinweist, da dies eine der bedeutendsten Regionen für die USA ist. Wenn die USA dort ihren Einfluss nicht verstärken, wird China seinen Einfluss und seine Investitionsmöglichkeiten ausbauen. Daran besteht sicherlich kein Zweifel. Aber warum ist es nötig, irgendein Gebiet zu besetzen, zu annektieren und den Vereinigten Staaten einzugliedern? Es könnte hier um ein neues Modell der Zusammenarbeit gehen, es könnte auch um eine ernsthaftere Einbindung Grönlands in die NATO gehen. Es gibt viele verschiedene Formen, wie die Interessen der indigenen Völker Grönlands respektiert werden könnten. Viele Bewohner Grönlands, wie ich in den grönländischen Medien lese, sagen: ‚Hört mal, wir möchten unsere Identität bewahren. Wir sehen, was die Amerikaner unseren Verwandten in Alaska angetan haben – sie haben ihre Identität verloren, und das wollen wir nicht für uns. Wir haben stets in unseren Beziehungen zu Dänemark unser Recht auf Identität verteidigt; warum sollten wir darauf verzichten?‘ Ich denke, das ist absolut logisch und entspricht dem, was wir über uns selbst sagen. Unsere Sympathien sollten in diesem Fall auf der Seite des grönländischen Volkes stehen und nicht auf der Seite der US-Administration. All diese Gespräche: ‚Oh, wir müssen ihm hinterherlaufen, weil er uns sonst nicht helfen wird‘, tut mir leid. Das ist Wahnsinn, verstehen Sie? Wenn jemand die Souveränität eines Volkes nicht respektiert, wird er auch auf die Souveränität aller anderen pfeifen. Es beginnt mit Grönland, zieht sich durch die Ukraine, und irgendwo wird es auch in Israel enden, trotz der großen Sympathie der Israelis für Trump. Sie werden einfach hören und sehen, dass sie alle betroffen sein werden. 

Frage. Wie kann die Stärke der Demokratie im Form der unabhängige Institutionen sicherstellen, um Autoritarismus zu verhindern, ohne Schwäche, die durch Volksabstimmungen entstehen kann? Kann künstliche Intelligenz eine solche Alternative darstellen? 

Volksabstimmungen sind keine Schwäche, sondern die Stärke der Demokratie. Es gibt keine andere Möglichkeit, die Demokratie ohne Volksabstimmungen aufrechtzuerhalten. Denn das ist dann keine Demokratie. Demokratie bedeutet die Macht des Volkes. Diese Begriffe übersetzen sich im Grunde genommen als Republik und Demokratie. Die Macht liegt beim Volk. Wo es keine Wahlen gibt, gibt es keine Demokratie; stattdessen herrscht Autoritarismus und die Macht der Autokraten. Künstliche Intelligenz wird Ihnen hier nicht helfen, es ist wichtig, mit der Gesellschaft zu arbeiten und den Menschen komplexe Inhalte verständlich zu machen. Es ist endlich an der Zeit, aktiver gegen Falschinformationen vorzugehen. Momentan steht uns jedoch ein völlig gegenteiliger Prozess bevor. Wie Sie sehen, hat Zuckerberg den gleichen Weg wie Musk eingeschlagen, und Facebook wird sich bald in einen Nährboden für ultra-rechte, neofaschistische und neonazistische Strömungen verwandeln. All dies wird geschehen. Sie müssen sich darauf vorbereiten. Aber das bedeutet nicht, dass Sie kapitulieren sollten. Wenn Sie kapitulieren, landen Sie zuerst im Konzentrationslager und dann im Grab. Für die Ukrainer ist der Weg dorthin viel kürzer als für die Einwohner anderer europäischer Länder, aber auch sie gelangen dorthin. Ich kann Ihnen versichern: Niemand wird entkommen. Wir müssen also um das öffentliche Klima kämpfen, für unsere Werte einstehen, oder sagen wir einfach ‚Auf Wiedersehen‘. Wir hören den Trauermarsch und nehmen Abschied.

Frage. Ist der Beitritt zur NATO oder Sicherheitsgarantien von unseren Verbündeten während eines Konflikts niedriger Intensität denkbar? 

Zunächst gibt es keine Anzeichen dafür, dass wir zum einem Konflikt niedriger Intensität übergehen werden. Russland wird daran kein Interesse haben. Russland könnte nur unter der Bedingung, dass die Ukraine niemals NATO-Mitglied wird, in einen Konflikt niedriger Intensität übergehen und sich entwaffnet, und so weiter. Daher ist es unnötig, über Dinge zu sprechen, die nicht eintreten werden. Zweitens denke ich, dass es eine Situation geben wird, in der Russland in den 2020er und 2030er Jahren erschöpft sein könnte, und erst dann können wir über die Bedingungen sprechen, unter denen Entscheidungen getroffen werden. Aber das wird erst möglich sein, wenn Russland nicht mehr in der Lage ist, seine Bedingungen zu diktieren. Wenn wir jetzt über Verhandlungen mit Russland sprechen, müssen Sie sich bewusst sein, dass der Krieg nach den Bedingungen von Putin und nicht nach unseren enden wird. Um Missverständnisse zu vermeiden, sei dies nochmals betont. Der Frieden wird erniedrigend sein und wird sich nicht mit den Sicherheitsgarantien des Westens, sondern durch die Möglichkeit eines neuen Krieges  abzeichnen. Erschöpfung des wirtschaftlichen Potenzials von Russland, selbst wenn Putin in diesem Moment glaubt, dass er in Zukunft Möglichkeiten zur politischen Kontrolle über die Ukraine haben könnte, ist dies die einzige Voraussetzung für Friedenverhandlungen in den 2020er oder 2030er Jahren des 21. Jahrhunderts. Darüber sollten wir nachdenken. Ich kann Ihnen momentan nicht sagen, wie die Sicherheitsgarantien aussehen werden. Wie Sie wissen, bin ich ein großer Befürworter eines NATO-Beitritts der Ukraine und dass die Sicherheitsgarantien auf die Gebiete ausgeweitet werden, die sie kontrolliert. Das bezieht sich auf die Formel, die Präsident Biden 2022 vorgeschlagen hat.

Frage. Wie wird die NATO auf einen Angriff auf ein NATO-Land reagieren? Es scheint, als wäre das alles nur leeres Gerede, um von der Situation in der Ukraine abzulenken.

Das ist kein leeres Gerede, denn Trump interessiert sich für die Ukraine so sehr wie für einen Koffer ohne Griff. Man sollte die Bedeutung der Ukraine für ihn nicht übertreiben. Wie die NATO reagieren wird, wissen wir nicht. Wahrscheinlich wird sie auseinanderbrechen, und das wird das Ende sein. Die Vereinigten Staaten werden sie verlassen, wenn andere Länder oder die NATO den Aktionen der Vereinigten Staaten widerstehen. Und es wird eine ganz neue Welt beginnen. Kann das so sein? Wahrscheinlich ja. Es gab bereits früher Konflikte zwischen den NATO-Mitgliedsstaaten, insbesondere in den siebziger Jahren zwischen Griechenland und der Türkei wegen Zypern, als Griechenland die NATO für eine Zeit lang verließ. Kann es jetzt so sein? Ich weiß es nicht. Wir hoffen, dass Trump im Kongress von vernünftigen Politikern von diesem Grauen abgehalten wird, aber das ist durchaus möglich. Man sollte die Ukraine nicht ins Zentrum der Welt stellen. Im Moment ist Grönland im Zentrum der Welt, nicht die Ukraine. Verstehen Sie das? Das ist jetzt viel wichtiger als die Ukraine. Es ist klar, dass Russland angegriffen hat und Teil einer anderen Welt ist. Wir müssen für ein Ende dieses Konflikts kämpfen, um Russland keine Chance auf einen Sieg zu geben. All dies sind klare Formulierungen. Und was ist, wenn die Vereinigten Staaten, die als Garanten der Sicherheit in Europa gelten, in ein Land einfallen, dessen Sicherheit sie garantiert haben? Das ist ein ganz schöner Trick. Und genau aus diesem Grund ist es derzeit das zentrale Thema der Weltpolitik. Dieses Thema ist zentral, während unser Thema eher marginal ist. Bis zu dem Zeitpunkt, wenn Trump beginnt, mit Putin zu verhandeln, und im Moment sehe ich keinen Grund, warum Putin mit ihm verhandeln sollte, denn Putin genießt einfach den Moment, wenn alle die nächsten unmöglichen Handlungen des US-Präsidenten besprechen, die sich nicht von seinen eigenen Handlungen unterscheiden.

Frage. Sollte Iran einen Verteidigungsvertrag mit Russland unterzeichnen, der angeblich für den 20. Januar geplant ist, würde dies Israel die Möglichkeit nehmen, die iranische Atomwaffenprogramme militärisch zu lösen?

Es ist möglich, dass Israel eine solche militärische Lösung anstrebt. Wir wissen jedoch nicht, ob es bereit ist, das Risiko einzugehen und abzuwarten, wie Russland reagieren wird. Unklar bleibt auch, wie Trump in dieser Situation reagieren wird und ob er bereit ist, diesen israelischen Aktionen zuzustimmen, vor allem, wenn er glaubt, dass Russland und nicht Iran antworten wird. Wir wissen aber nicht, welche realistischen Möglichkeiten es für eine militärische Lösung des iranischen Atomprogramms gibt. Das ist auch ein Teil der politischen Fantasie. Wie Sie wissen, versprach Trump gestern, die Hölle loszulassen, wenn Hamas nicht alle Geiseln freilässt. Bis zum 20. Januar sind es noch 12 Tage. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass Hamas auf Trumps Ultimatum reagieren wird. Aber hoffen wir, dass es doch noch passieren wird. Denn wenn das nicht geschieht, wird es sehr wichtig sein zu verstehen, wie die Vereinigten Staaten tatsächlich handeln werden. Dann werden wir den Unterschied zwischen Worten, Drohungen und tatsächlichen Handlungen erkennen.

Frage. Was halten Sie davon, dass die Präsidentin Mexikos heute die Rückgabe historischer Territorien Mexikos, also der südlichen Bundesstaaten der USA, gefordert hat? 

Ich denke, das ist eine rhetorische Wendung, wenn Sie verstehen, was ich meine. Es ist offensichtlich, dass kein Gebiet irgendwohin zurückkommt, aber das Polemik. Du nennst das alles Amerika, während wir es Mexiko nennen. Denn der Bundesstaat Texas war, wie Sie sich erinnern, ein Teil der mexikanischen Vereinigten Staaten und trennte sich von Mexiko, nur weil die Einwohner dieses Bundesstaates die Sklaverei bewahren wollten, während sie in Mexiko bereits abgeschafft worden war. Und dann trat es als unabhängiger Staat den USA bei. Das ist auch eine Ironie der Geschichte. Und Kalifornien ist auch ehemaliges Territorium der mexikanischen Vereinigten Staaten. Doch wenn wir internationalen Rechts respektvoll aus verschiedenen Blickwinkeln gegenübertreten, erkennen wir, dass niemand jemanden irgendwohin zurückbringen kann. All dies sind lediglich rhetorische Äußerungen der mexikanischen Präsidentin, die dort ebenfalls mit eigenen Interessen für eigenen Wählerschaft tätig ist.

Frage. Trump hat kürzlich auf Twitter eine Umfrage unter Amerikanern durchgeführt, ob die Unterstützung für die Ukraine fortgesetzt werden sollte. Ist es möglich, dass er selbst nicht weiß, ob er die Hilfe fortsetzen wird? 

Ich denke, er insgesamt nicht wirklich versteht, wie er aus dieser Situation herauskommt. Denn er lebt in seiner eigenen Welt, Putin in seiner und ich denke, dass Trump die Herausforderung gut erkannt hat. Wenn man eine solche Umfrage macht, bekommt man Antworten wie Ja oder Nein, und man kann Optionen auswählen. Er möchte einfach Spielraum für Entscheidungen und gleichzeitig auf die öffentliche Meinung eingehen. Er wird noch viele solche Umfragen durchführen, um das auszuwählen, was für ihn am bequemsten ist. 

Frage. Hat der Regierungsapparat der Vereinigten Staaten Möglichkeiten, sich vor potenziellen destruktiven Handlungen des gewählten Präsidenten zu schützen? 

Ich glaube, dass nach dem 20. Januar der tatsächliche Kampf dieses Regierungsapparates gegen Trump beginnen wird. Trump amtierte bereits als Präsident. Das Wichtigste, was er in der Anfangsphase seiner Präsidentschaft anstreben wird, ist die Zerschlagung des amerikanischen Staatsapparats. Das Ziel ist es, den amerikanischen Staat so zu schwächen, dass er ihm nie wieder im Weg steht. Der amerikanische Staat wird sich zur Wehr setzen, und deshalb sage ich erneut, dass wir uns vorbereiten und darauf achten müssen, was mit den Vereinigten Staaten geschehen wird – wer gewinnt, und welches Maß an Turbulenzen und Chaos zu erwarten ist. Wie der amerikanische Staat in interne politische Probleme verstrickt wird, wie er sie seit dem Bürgerkrieg nicht mehr erlebt hat. Und so wird es geschehen, nicht anders. Sie können sich den Grad der Turbulenzen und Herausforderungen momentan nicht vorstellen, aber nach dem 20. Januar werden wir immer wieder darüber sprechen. Wir werden die Zuschauer in diesem Theater sein, so wie Lincoln einst während seiner letzten Vorstellung im Leben Zuschauer war. Auch dies wird eine sehr interessante Aufführung in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika mit unerwarteten Wendungen sein. Mit den unvorhersehbaren amerikanischen Bergen, die in den USA nicht zufällig als russische Berge bezeichnet werden ( Achterbahn) . Und jetzt verstehen Sie, warum ein amerikanischer Berg jederzeit auch als russischer Berg erscheinen könnte. Denn wir schließen die Augen und sehen entweder Trump oder Putin, ohne wirklich zu wissen, wen wir in diesem Moment vor uns haben.