Provokation in Petropawliwska Borschtschahiwka | Vitaly Portnikov. 03.11.2026.

Die Personen, die sich vor dem Haus in Petropawliwska Borschtschahiwka als Mitarbeiter eines privaten Rettungsdienstes ausgaben, erwiesen sich nach einer Überprüfung nicht als medizinisches Personal, sondern als eine Gruppe von Provokateuren. Es waren Menschen, die genau wussten, was sie vor diesem Haus taten, und die keineswegs vorhatten, denjenigen medizinische Hilfe zu leisten, für die sie angeblich zu diesem Gebäude gerufen worden waren.

Die Frau, die in dieser Nacht zur Hauptfigur wurde, ist festgenommen worden. Es stellte sich heraus, dass sie zuvor einen Krankenwagen gekauft hatte und dass sich auf ihrem Telefon Korrespondenz mit Vertretern jener Telegram-Kanäle befand, die in den ersten Stunden über die gesamte Situation berichteten. Und übrigens führte gerade deren Berichterstattung dazu, dass sowohl der Kommandeur der Nationalgarde als auch der Leiter des Präsidialamtes der Ukraine und Vertreter ukrainischer Fernsehsender vor dem Haus erschienen.

Man kann sagen, dass eine groß angelegte Provokation, falls eine solche vorbereitet worden war, sogar ein Ausmaß erreichte, das ihre Organisatoren möglicherweise gar nicht geplant hatten. Denn den Organisatoren ging es darum, dass eine bestimmte Person einfach das Haus verließ, in dem sich Angehörige der Nationalgarde der Ukraine aufhielten. Mit einem solchen landesweiten Aufsehen hatten sie wohl kaum gerechnet.

Natürlich ändert das nichts an der Tatsache, dass es in der Ukraine ernsthafte Probleme bei der Organisation der Mobilisierung als solcher gibt und dass die Gesellschaft nicht versteht, dass die Mobilisierung zur Realität der kommenden schwierigen Kriegsjahre gehört. Und das sind bereits nicht nur Probleme der Mobilisierung, sondern auch der Kommunikation mit der Gesellschaft und der Vermittlung der Notwendigkeit, in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges die Standards der Landesverteidigung einzuhalten. All das ist, wie mir scheint, verständlich. Und all diese Probleme müssen gelöst werden, ebenso wie andere Probleme im Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit des Staatsapparates während eines jahrelangen Krieges, für dessen Ende es in absehbarer Zukunft kaum Aussichten gibt.

Ein wichtiger Bestandteil dieses Krieges sind jedoch auch die Provokationen des Feindes im Hinterland. Auch sie sind ein wirksames Instrument, um die ukrainische Staatlichkeit zu destabilisieren. Wenn die russische Armee an der Front keine wirklichen Erfolge erzielen kann, besteht ein wichtiger Teil des Kampfes, insbesondere für Menschen, die Berufsoffiziere des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation sind, darin, das ukrainische Hinterland zu zersetzen. Damit die Armee, die ihr Territorium verteidigt, irgendwann schlicht keinen Ort mehr hat, an den sie zurückkehren kann. Damit der ukrainische Staat in den kommenden Jahren der russisch-ukrainischen Konfrontation von innen verfault.

Natürlich liegt es mir fern, zu behaupten, dass diese ganze nächtliche Geschichte gerade von russischen Agenten organisiert worden sei. In der Ukraine gibt es genügend eigene nützliche Idioten, und die hat es immer in ausreichender Zahl gegeben. Aber man muss sich klar darüber sein, dass erstens die russischen Geheimdienste jede solche Situation propagandistisch ausnutzen werden und dass sie zweitens an den Reaktionen eines Teils der ukrainischen Gesellschaft bereits erkennen können, wo die Schwachstellen liegen, die sie treffen müssen, um die Ukraine zu vernichten und den russisch-ukrainischen Krieg schneller durch eine ukrainische Kapitulation und das Verschwinden der Ukraine von der politischen Weltkarte zu beenden.

Die Reaktion der ukrainischen Gesellschaft selbst gibt den Tschekisten im Grunde eine ziemlich wirksame Waffe in die Hand. Und wie Sie sehen, wird diese ganze Situation bereits in vollem Umfang ausgeschlachtet. Da ist die russische Propaganda, die ihrem Publikum von ukrainischen Folterkammern erzählt. Da sind auch die Reaktionen im Westen, wo Vertreter prorussischer ultrarechter Kräfte von Misshandlungen der Ukrainer sprechen und davon, dass man die Militärhilfe für die Ukraine einstellen müsse, um die Niederlage unseres Staates zu beschleunigen und die Wiederaufnahme fruchtbarer Wirtschaftsbeziehungen mit der Russischen Föderation zu ermöglichen.

Die Partei Alternative für Deutschland, die derzeit die populärste Partei ihres Landes ist und natürlich die Macht anstrebt, nach deren Übernahme sie mit Putin gemeinsame Maßnahmen zur Vernichtung unseres Landes vereinbaren will, äußert sich genau in diesem Sinne. Und man muss auch verstehen, dass die Feinde der Ukraine Argumente brauchen, um die öffentliche Meinung in den europäischen Ländern zu verändern.

Dass sich die Ukraine in nichts von Putins Russland unterscheide. Dass hier, wie uns kürzlich eine in engen Kreisen weithin bekannte Sängerin erzählte, ein regelrechtes Konzentrationslager herrsche. Dass die Ukrainer in ihrem eigenen Land eingesperrt seien und nicht ins Ausland reisen könnten, sondern stattdessen aus irgendeinem Grund ihre eigene Heimat verteidigen müssten. All das sind Argumente dafür, sowohl die militärische als auch die finanzielle Hilfe einzustellen und die Voraussetzungen für einen schnellen und bedingungslosen Sieg Russlands über die Ukraine zu schaffen. 

Und man muss sich klar darüber sein, dass die russischen Tschekisten in einem solchen Kampf, sowohl durch Agenten als auch durch den Einsatz nützlicher Idioten unter den Ukrainern selbst, weitaus geschickter und effektiver sind als im eigentlichen Krieg. Schließlich beschäftigen sie sich seit Jahrzehnten mit genau dieser Arbeit, studieren an Akademien und spezialisierten Instituten und legen Prüfungen darüber ab, wie man einen Feind ohne Waffen, ohne Raketen und Panzer vernichtet. Genau das ist es, was sie kennen und beherrschen. Wenn wir ihnen Möglichkeiten und Anlässe bieten, werden sie diese Möglichkeiten und Anlässe mit Vergnügen nutzen und, glauben Sie mir, Erfolge erzielen, deren Ausmaß wir uns heute noch nicht einmal vorstellen können.

Die Schlussfolgerung aus dieser Situation ist völlig klar, und ich habe sie bereits 2019 gezogen. Um gegen den KGB zu kämpfen, darf man nicht auf dem Niveau des KWN (eines sowjetischen und später russischen Comedy-Wettbewerbs) stehen. Und das bedeutet, dass auch die Regierung begreifen muss, dass der Mobilisierungsprozess organisiert werden muss und dass alle führenden Vertreter des Staates, angefangen beim Präsidenten des Landes, ehrlich darüber sprechen müssen. Man darf die Soldaten, die das Land in schwierigen Jahren verteidigen, die für unsere Zukunft entscheidend sein können, mit dieser Situation nicht alleinlassen.

Zweitens muss sich die Gesellschaft selbst der gesamten tatsächlichen Situation bewusst werden, in der wir uns nach den ersten fast fünf Jahren eines großen und langen Krieges um die Existenz der Ukraine und des ukrainischen Volkes befinden.

Drittens: die Existenz einer militärischen Zensur, die Existenz einer Militärjustiz, die Existenz wirksamer Instrumente der Mobilisierung. All das kann dazu beitragen, die Situation zu entschärfen und uns in Zukunft vor Schande, Scham und Niederlagen zu bewahren. Ganz zu schweigen davon, dass mit jedem weiteren Kriegsjahr, und davon könnte es noch viele geben, die Gereiztheit der Bevölkerung und die negativen Stimmungen unter den Menschen nur zunehmen können. Das ist ein Gesetz jedes Krieges ohne Ende.

Auch darauf muss man sich vorbereiten. Und dafür braucht es ebenfalls einen leistungsfähigen Staat, der in der Lage ist, auf die militärischen Herausforderungen zumindest der 2020er- und 2030er-Jahre dieses schwierigen 21. Jahrhunderts zu reagieren. Damit wir wenigstens in den 2030er-Jahren ein Plateau des Konflikts erreichen, auf dem er nicht mehr in seiner heißen Phase stattfindet, sondern in einer Phase der ständigen ideologischen Konfrontation und der Auseinandersetzung mit den Provokationen des Feindes. Das wird uns ermöglichen, uns wirksam auf neue Kriege vorzubereiten, die in den kommenden Jahrzehnten in Europa zum Alltag gehören werden.

Wenn es uns nicht gelingt, all das zu verwirklichen, nun, dann werden sich eben die Bürger der Russischen Föderation auf diese Kriege und diese Herausforderungen vorbereiten, die an unserer Stelle auf dem Gebiet der ehemaligen Ukraine leben werden. Natürlich auch in Petropawliwska Borschtschahiwka.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Провокація у Петропавлівській Борщагівці | Віталій Портников. 03.11.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 03.11.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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