Operation „Karthago“: Ein neuer Skandal | Vitaly Portnikov. 04.12.2026.

Im Rahmen der Operation „Karthago“ berichten das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) über die Aufdeckung einer weiteren organisierten kriminellen Gruppe. Als ihren Anführer bezeichnen NABU und SAP eine Person mit dem Spitznamen „Kriminal“. In den Medien tauchen Informationen auf, dass es sich dabei um den bereits zuvor festgenommenen Andrij Ossypow handelt, der seinerseits als eine Person gilt, die der Führung des Sicherheitsdienstes der Ukraine nahesteht. Außerdem ist von einem gewissen „Mexikaner“ die Rede, dem Anführer des Drogenkartells „Chimprom“, der nach Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine seine Tätigkeit sowohl in der Ukraine als auch außerhalb unseres Landes fortgesetzt hat. In den Ermittlungsunterlagen ist auch von einem Boxer namens Pascha die Rede, der Aufträge von „Kriminal“ ausführt.

Das Wichtigste ist jedoch, dass an dieser kriminellen Organisation amtierende hochrangige Beamte des Sicherheitsdienstes der Ukraine, der Nationalpolizei der Ukraine und der Generalstaatsanwaltschaft beteiligt waren. Und all diese Menschen hatten Verbindungen zum kriminellen Milieu, zur organisierten Kriminalität in der Ukraine. In diesem Zusammenhang fanden auch Durchsuchungen beim Sicherheitsdienst der Ukraine statt, beim Leiter der Hauptverwaltung für innere Sicherheit des SBU, Anton Krawtschuk, und beim ersten stellvertretenden Leiter der Hauptverwaltung der Abteilung zum Schutz der nationalen Staatlichkeit des Sicherheitsdienstes der Ukraine, Oleksandr Kowaltschuk.

Außerdem wird über die Festnahme des ersten stellvertretenden Leiters der Abteilung zum Schutz der nationalen Staatlichkeit des Sicherheitsdienstes der Ukraine, General Serhij Duka, berichtet. Zuvor waren Informationen aufgetaucht, wonach sich dieser Beamte mit einer Waffe in der Hand einer Durchsuchung seines Büros widersetzt hatte.

Die im Rahmen dieser Ermittlungen veröffentlichten Tonaufnahmen sind ungefähr ebenso erschütternd wie alle bisherigen Aufnahmen im Zusammenhang mit der Operation „Karthago“. In ihren Gesprächen sprechen die Mitglieder der kriminellen Organisation darüber, dass man gegen Journalisten und zivilgesellschaftliche Aktivisten vorgehen müsse, die gegen die Tätigkeit der sogenannten Callcenter protestieren. Sie diskutieren untereinander, wie man mit diesen Menschen abrechnen könnte, ohne dass dies in den westlichen Ländern größeres Aufsehen erregt. Dabei geht es insbesondere um meine Kollegen, um investigative Journalisten.

Das ist eine erstaunliche Situation, die, wie mir scheint, inzwischen zu einer alltäglichen Erscheinung in unserem Leben geworden ist. Antikorruptionsermittlungen während des Krieges. Aber ich möchte daran erinnern, dass ich gleich zu Beginn der Operation „Karthago“ dazu geraten habe, diese Operation nicht einfach als Ausdruck des Kampfes gegen Korruption zu betrachten. Ich habe empfohlen, die Situation, die sich ziemlich deutlich von einem bloßen Kampf gegen Korruption unterscheidet, so zu beschreiben, dass wir zu einem Staat geworden sind, der sich in der Geiselhaft einer regelrechten Mafia befindet. Nicht der erste und nicht der letzte Staat dieser Art.

Sie könnten fragen: „Und worin unterscheidet sich die Mafia von Korruption?“ Nun, das ist ziemlich einfach zu verstehen und zu beantworten. Es ist eine Sache, wenn man durch Bestechung oder durch Einfluss aufgrund persönlicher Beziehungen Zugang zu einem bestimmten Beamten erhält und sich dadurch einen unrechtmäßigen Vorteil verschafft, der mit der Durchsetzung der eigenen Interessen zusammenhängt. Das ist Korruption auf höchster Ebene. Mit solcher Korruption sind wir schon oft konfrontiert worden.

Eine andere Situation ist die, die wir während der Präsidentschaft von Viktor Janukowytsch in der Ukraine beobachtet haben und jetzt wieder beobachten: wenn staatliche Strukturen, die eigentlich die organisierte Kriminalität und die Korruption bekämpfen sollen, faktisch mit dem kriminellen Milieu selbst verschmelzen. Wenn man nicht mehr erkennen kann, wo der General des Sicherheitsdienstes der Ukraine aufhört und wo der Verbrecher anfängt. Wenn man zu einer Behörde geht, die organisierte Kriminalität bekämpfen soll, und Informationen über diese organisierte Kriminalität an Menschen weitergibt, die selbst Teil dieser organisierten Kriminalität sind und sie sogar organisieren. Wenn man ein ehrlicher Offizier des Sicherheitsdienstes der Ukraine oder der Nationalpolizei der Ukraine ist, die eigenen Vorgesetzten aber Banditen, Mafiosi und korrupte Beamte sind, die mit ebenjenen Callcentern Geld verdienen. Das ist organisierte Kriminalität. Das ist die Mafia. Die vollständige Verschmelzung staatlicher Verwaltungsstrukturen mit organisierter Kriminalität unterschiedlicher Art. Und das während eines Krieges.

Und stellen wir uns jetzt einfach einmal theoretisch vor, der Regierung wäre dieser Trick gelungen, die Strukturen des Nationalen Antikorruptionsbüros und der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft in die staatliche Machthierarchie einzugliedern, sodass sie dem Generalstaatsanwalt der Ukraine unterstellt wären. Ebenjenem Generalstaatsanwalt, der inzwischen ins Ausland geflohen ist, gerade weil er einer der Architekten dieses Systems mafiöser Verflechtungen war. Nun, wie Sie verstehen, wären uns all diese Informationen nicht zugänglich gewesen, die Arbeit des NABU wäre faktisch zerstört worden. Alles, was wir jetzt erfahren und wobei wir hoffen, dass dieser Kampf gegen die Mafia mit Unterstützung unserer westlichen Partner fortgesetzt wird, all das wäre uns völlig verborgen geblieben.

Ich möchte noch einmal den Menschen danken, die in Kyiv und anderen Städten der Ukraine auf die Straße gegangen sind, und unseren westlichen Partnern, insbesondere den Leitern der Botschaften der G7-Staaten, für ihren Druck auf die Regierung, der verhindert hat, dass diese faktisch letzte Operation vor der Verwandlung der Ukraine in einen klassischen Mafiastaat durchgeführt werden konnte. Ich muss sagen, dass ich mich geirrt habe, als ich erklärte, wir bräuchten ein echtes Strafverfolgungssystem, das frei von korrupten Verflechtungen ist und selbst in der Lage wäre, Missbrauch und Korruption zu bekämpfen. Dass man die Generalstaatsanwaltschaft, das Innenministerium und den Sicherheitsdienst der Ukraine nicht durch Antikorruptionsstrukturen ersetzen könne, die gewissermaßen parallel zum gewöhnlichen System der Sicherheitsbehörden und der Justiz geschaffen werden.

Und das habe ich wiederholt auch bei meinen öffentlichen Auftritten gesagt. Ich habe es auch den Leitern des Nationalen Antikorruptionsbüros gesagt, mit denen ich mich mehrfach darüber unterhalten habe. Und es stellte sich heraus, dass das, wissen Sie, eine Art romantische Vorstellung war. Denn ich wollte eine Gesundung der Sicherheitsbehörden und der Justiz in der Ukraine und versuchte, wie Sie wissen, nach 2014 meinen bescheidenen Beitrag dazu zu leisten, in jener kurzen Zeit, als die nachrevolutionären Ideale zur Gesundung der Gesellschaft hätten beitragen können.Leider endete diese Zeit mit einer erneuten Revanche.

Es stellte sich heraus, dass die Mafia ohne unabhängige Antikorruptionsbehörden das Land einfach übernommen und anschließend an Moskau verkauft hätte. Wie Sie verstehen, ist es all diesen Menschen völlig gleichgültig, unter welcher Flagge sie Geld stehlen. Sie erinnern sich doch daran, dass die Organisatoren der Callcenter, als diese Geschichte überhaupt begann, sogar versuchten, ihre kriminelle Tätigkeit als patriotisch darzustellen. Sie behaupteten, sie würden ausschließlich Russen um ihr Geld bringen, deshalb solle man sie nicht daran hindern. Und Sie sehen ja, welcher Kampf um die Kontrolle über die Callcenter in den vergangenen Jahren in der Ukraine stattfindet. Dazu gehören Auftragsmorde direkt in Monaco und die Festnahme ukrainischer Journalisten, einer Gruppe der „Ukrajinska Prawda“, in Spanien. All das wird im Grunde von derselben Mafia organisiert, die auf der einen Seite irgendeinen „Mexikaner“ und „Kriminal“ in ihren Reihen hat und auf der anderen Seite Generäle, die – Achtung – für die innere Sicherheit im Sicherheitsdienst der Ukraine selbst verantwortlich sein sollen.

Das heißt, diese Menschen sollen darauf achten, dass ihre Mitarbeiter nicht zu Mitgliedern krimineller Strukturen werden, sich nicht an korrupten Machenschaften beteiligen und ihre dienstliche Stellung nicht dazu nutzen, die Interessen irgendwelcher Unternehmen durchzusetzen. Denn wir schaffen es einfach nicht, dem Sicherheitsdienst der Ukraine seine Rolle als eine Art Wirtschaftspolizei zu nehmen. Aus unerklärlichen Gründen. Nein, die Gründe sind durchaus klar: Es geht um Geld. Und im Ergebnis setzen Sie Ihre Hoffnungen auf diese Abteilung für innere Sicherheit, während jemand, der dort arbeitet, selbst Mitglied einer mafiösen Gruppierung sein kann. 

Wohin sollen Sie dann gehen? Bei wem sollen Sie sich beschweren, wenn die Menschen, bei denen Sie sich beschweren und die Sie eigentlich schützen sollen, all das selbst geschaffen haben? Das ist die Mafia. Nicht Korruption. Denn Korruption kann man bekämpfen, indem man unehrliche Beamte ausfindig macht, sie verurteilt und durch gewissenhafte Beamte ersetzt. Aber die Mafia ist, entschuldigen Sie, unsterblich. Das wissen wir doch alle ganz genau.

Wir haben Bücher über die italienische Mafia gelesen, Filme gesehen und wissen, wie die frühere italienische Republik während der Operation „Saubere Hände“ gewissermaßen zusammenbrach. Als sich herausstellte, dass sämtliche Präsidenten des Landes, Ministerpräsidenten, Innenminister und die Vorsitzenden praktisch aller politischen Parteien – ganz gleich, welche politischen Ansichten diese Politiker vertraten, von den Christdemokraten bis zu den Sozialdemokraten und Sozialisten, die bei Wahlen scheinbar gegeneinander kämpften – Mitglieder mafiöser Strukturen waren und mit den Mafiabossen über ihre Einkünfte und Möglichkeiten sprachen. Alle.

All diese Menschen wurden im Zuge der Operation „Saubere Hände“ faktisch entlarvt. Und dann stellte sich heraus, dass der Ermittler, der sie entlarvt hatte, selbst an mafiösen Machenschaften beteiligt war, nur eben an denen einer anderen organisierten kriminellen Gruppe, die gegen alle anderen Gruppen kämpfte. Können Sie sich diesen Schrecken vorstellen? Und auf den Trümmern all dessen kam Putins Freund Silvio Berlusconi an die Macht. Erst nach seinem Tod kann man sagen, dass der italienische Staat nach all diesen Erschütterungen wieder irgendwie, entschuldigen Sie, einem Staat zu ähneln begann. In den letzten Jahren etwa unter Mario Draghi oder Giorgia Meloni.

Und das, obwohl jener Staat, der zusammenbrach, die ganze Zeit gegen die Mafia kämpfte, mutige Ermittler pries, die gegen die Mafia vorgingen, und Flughäfen nach ermordeten Polizisten benannte, die ihr Leben dem Kampf gegen die Mafia gewidmet hatten. Dabei war er selbst die Mafia. Verstehen Sie, das ist doch einfach ein entsetzlicher Albtraum. Wie kann man unter solchen Umständen überhaupt auf die Leistungsfähigkeit des Staates hoffen? Ich spreche doch ständig von der Notwendigkeit eines leistungsfähigen Staates, von der Notwendigkeit einer effektiven Arbeit der staatlichen Institutionen, um das Land in der nächsten Phase des russisch-ukrainischen Krieges zu schützen.

Verstehen Sie jetzt, warum Putin, der eine andere Mafia anführt, glaubte, er würde die Ukraine 2022 leicht besiegen? Weil er das als Konkurrenz zwischen zwei mafiösen Organismen betrachtete und nicht berücksichtigte, dass wir eine Armee und ein Volk haben. Und das berücksichtigt er bis heute nicht. Aber wissen Sie, eine Armee und ein Volk, das ist alles sehr gut. Doch wenn der Staat selbst diese Mafia hervorbringt, weiß man nicht, bei wem man Schutz suchen soll. 

Nun, was erzähle ich Ihnen eigentlich? Als ich 2022 in den ersten Wochen nach Kriegsbeginn nach Lwiw zog, als wir hier den Sendebetrieb des Fernsehsenders Espreso wieder aufnahmen, fand ich, wie Sie wissen, in meiner Wohnung ein Abhörgerät mit einer Inventarnummer. Ein Gerät mit einer Inventarnummer. Können Sie sich diesen Schrecken vorstellen? Ich wandte mich natürlich an die Nationalpolizei. Die Nationalpolizei wandte sich, wie es das Verfahren vorsieht, an den Sicherheitsdienst der Ukraine. Und der Sicherheitsdienst der Ukraine konnte in diesem Gerät keinen Straftatbestand erkennen, weil er erklärte, es handele sich nicht um ein Diktiergerät. Er könne dieses Aufnahmegerät nicht als Diktiergerät einstufen. Also liege kein Straftatbestand vor.

Damit war ich nicht einverstanden. Es gab Ermittlungen der Nationalpolizei, die ebenfalls zu nichts führten. Und wozu hätten sie führen können, wenn all das bei ebenjenen Leuten landet? Stellen Sie sich vor, die Ermittler erfüllen sogar ihre Aufgabe und könnten eine klare Antwort auf die Frage geben, was mit Ihnen geschehen ist. Schließlich sind Sie Journalist, eine Person des öffentlichen Lebens. In Ihrer Wohnung dürfen sich keine Abhörgeräte mit Inventarnummer befinden. Aber auch sie können nichts sagen, weil sie verstehen, dass ihre Vorgesetzten sie einfach entlassen würden. Das ist ein einfaches Beispiel für ein solches Verfahren.

Deshalb war ich überhaupt nicht überrascht, als es zu dieser Geschichte mit der Festnahme von Mychajlo Tkatsch und seinen Kollegen in Spanien kam. Denn ich verstehe sehr gut, wie das alles funktioniert. Und noch einmal: Als Janukowytsch in der Ukraine an der Macht war, war mir vom ersten Tag seiner Herrschaft an klar, dass die Mafia an die Macht gekommen war. Eine solche, ich würde sagen, organisierte kriminelle Gruppe, Banditen aus einer bestimmten Region. So wie es die sizilianische Mafia gibt, war das die Donezker Mafia. Selbst die Regierung bestand aus Mafiosi aus Donezk. Sie ließen niemand anderen auch nur an Regierungsämter heran. Deshalb war mir alles klar.

Als ich in meiner Wohnung in Kyiv Aufnahmegeräte fand, wunderte ich mich darüber nicht. Ich wunderte mich auch nicht über die ständige Überwachung und das Abhören, die damals stattfanden, weil ich genau verstand, dass ich in einem Land lebte, in dem ein mafiöses Regime russischen Typs die Herrschaft übernommen hatte. Auch in Russland habe ich mich, als ich dort arbeitete, über nichts gewundert, wie Sie verstehen. Aber warum sollte das jetzt so sein? Nach der Revolution von 2013 und 2014, nachdem wir Lustrationsverfahren durchgeführt haben, während wir von der Notwendigkeit eines demokratischen Staates sprechen und dieser Staat den Beitritt zur NATO und zur Europäischen Union anstrebt. Wie können wir auf all das hoffen, wenn bei uns die Mafia an der Macht ist? Das ist unverständlich.

Nun könnte man daran erinnern, dass gerade die Tatsache, dass Russland einen Krieg zu unserer Vernichtung gegen uns führt, unsere Regierung dazu zwingt, Unterstützung im Westen zu suchen. Und der Westen wiederum ist nicht damit einverstanden, dass das Geld seiner Steuerzahler auf dieselbe Weise verschwendet wird wie unser Geld. Deshalb gibt es diese unabhängigen Antikorruptionsbehörden. Deshalb gelang es in jener Zeit, während der kurzen Phase des ukrainischen Tauwetters von 2014 bis 2019, all das aufzubauen, was bis heute funktioniert, trotz aller Versuche der Mafia, es zu zerstören, weil es eine Bedrohung für sie darstellt.

Und diese Menschen können einfach nicht begreifen, dass es keine Alternative gibt. Das heißt, wenn Russland ihr Recht auf Existenz in einem Staat der Kleinrussen anerkennen würde, dann gäbe es eine Alternative. Dann würden sie sich mit Russland zu irgendeinem Unionsstaat zusammenschließen und gemeinsam mit Putin stehlen. Nun, nicht alle. Einige würden natürlich erschossen oder eingesperrt werden, aber ein Teil der Mafiosi würde bleiben, um sozusagen der Moskauer Elite zu dienen, wie es in den Regionen der Russischen Föderation geschieht. Sie würden Geld in den Kreml bringen, eine Million, zwei Millionen, drei Millionen Dollar oder Euro dafür, dass jemand auf einer Liste der Anwärter auf das Amt des ukrainischen Präsidenten steht. Ich denke, das sind natürlich kleine Summen, ich unterschätze die Gier. Und dann würden sie eben weiterarbeiten und, bildlich gesprochen, das Land ausplündern.

Aber diese Möglichkeit gibt es nicht. Sie werden trotzdem alle Gesetze verabschieden müssen, die der Westen verlangt, und die Existenz der Antikorruptionsbehörden akzeptieren müssen. Denn es ist ganz einfach: Entweder verwandelt ihr euch in ein politisches und wirtschaftliches Protektorat des Westens, oder ihr verschwindet einfach. Dann ist das hier russisches Territorium ohne Ukrainer. Diese Menschen gibt es. Vielleicht ist ihnen das gleichgültig, aber in Moskau nimmt man sie überhaupt nicht wahr. Und genau das gibt mir Anlass zu Optimismus. Ebenso wie die Tatsache, dass wir eine Gesellschaft haben, die sich mit einem solchen Zustand einfach nicht abfinden will. Selbst wenn die Mafiosi darüber nachdenken, wie sie diese Gesellschaft mit irgendwelchen Hämmern zusammenschlagen können, wie wir auf diesen Aufnahmen in russischer Ganovensprache hören. In welcher Sprache sollten sie auch sonst sprechen?

Und der Westen wird die Sache zu Ende bringen. Als Bulgarien seinerzeit der Europäischen Union beitrat, sagte man in Brüssel ganz klar: „Es wird kein Geld geben, solange bei Ihnen ein Mann das Amt des Innenministers bekleidet, den wir für den Anführer eines mafiösen Clans halten. Wir werden das Geld der europäischen Steuerzahler nicht der bulgarischen Mafia überlassen. So wird das nicht laufen.“ Und die Bulgaren waren natürlich sehr unzufrieden, weil dieser Mann eine große Rolle in der politischen Elite spielte. Aber als man schließlich vor der Wahl zwischen Geld und Wählerstimmen einerseits und einem Mafiaboss andererseits stand, musste man sich von ihm trennen, zumindest als Innenminister.

Das garantiert nicht, dass die Wähler nicht für populistische Parteien stimmen werden. Es garantiert nicht, dass sie realistisch sein und nicht irgendwelche neuen Scharlatane wählen werden. Nein, wir verstehen aus den Erfahrungen ebenjenes Bulgariens und anderer Nachbarländer, dass dies kein Wundermittel ist, das innerhalb von zwei Tagen alles heilt. Aber so oder so muss man, um Teil der zivilisierten Welt zu sein, gegen mafiöse Strukturen kämpfen. Zumindest muss man sich von der Mafia verabschieden, um der Korruption nachgehen zu können. Und das sind bereits erste Schritte zur Gesundung eines solchen Systems.

Natürlich sind das alles Situationen, die aus Sicht der Menschen, die heute unser Land verteidigen, gelinde gesagt erniedrigend wirken. Natürlich zeigt das noch einmal, wie notwendig es ist, die Sicherheitsbehörden von der korrupt-mafiösen Protektion zu befreien. Und unter diesem Gesichtspunkt ist es gut, dass der Sicherheitsdienst der Ukraine eine Erklärung veröffentlicht, in der er betont, dass er eine objektive und unparteiische Untersuchung unterstützt und die Ermittlungsmaßnahmen fördert. Ich würde mir sehr wünschen, dass dies tatsächlich nicht nur eine Erklärung bleibt, sondern sich in konkreten Handlungen zur Unterstützung der Ermittlungen niederschlägt.

Und man muss sich klar darüber sein, dass solche Ermittlungen weitergehen werden, gerade weil es sich keineswegs um vereinzelte Korruptionsfälle handelt. Wenn wir bereits mehrere organisierte kriminelle Gruppen haben, an denen hochrangige Beamte, stellvertretende Ministerpräsidenten, Minister und Führungskräfte des Sicherheitsdienstes der Ukraine und der Nationalpolizei beteiligt sind, dann stellen Sie sich das Ausmaß der Katastrophe vor. Vielleicht sollte man es sich lieber gar nicht vorstellen, um nachts ruhig schlafen zu können, sofern man unter den Bedingungen ständiger Luftalarme überhaupt ruhig schlafen kann. Aber diese Menschen tun tatsächlich das, wovon früher immer die Rede war: Sie bereichern sich am Blut anderer. Das war 2019 noch ein Sinnbild. Ein Sinnbild, das Wirklichkeit geworden ist. Wirklichkeit. Nun, das kann uns als Bürger natürlich nicht gleichgültig lassen.

Wünschen wir also den nationalen Antikorruptionsbehörden viel Erfolg. Danken wir noch einmal den Menschen, die auf den Straßen von Kyiv ihre Unabhängigkeit verteidigt haben. Erinnern wir noch einmal daran, dass unter den Bedingungen, in denen keine Wahlen stattfinden, nur der Druck der Gesellschaft auf eine inkompetente Regierung, die der mafiösen Gefahr nicht entgegentreten kann oder selbst Teil dieser mafiösen Gefahr wird, den Staat über Wasser hält und es der Armee ermöglicht, diesen Staat zu verteidigen. Und uns erlaubt, darauf zu hoffen, dass wir, wenn es uns eines Tages gelingt, einen Waffenstillstand im Krieg Russlands gegen die Ukraine zu erreichen, einen gesunden Staat ohne Mafiosi aufbauen können.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Операція «Карфаген»: новий скандал | Віталій Портников. 04.12.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 04.12.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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