Trump steht kurz vor einer Niederlage | Vitaly Portnikov. 31.10.2026.

Portnikov: Die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten, auf die viele als eine gewisse Korrektur sowohl des innenpolitischen als auch des außenpolitischen Kurses der USA warten, befinden sich, kann man sagen, bereits auf der Zielgeraden. Buchstäblich nächste Woche werden wir erfahren, wie diese Wahlen tatsächlich ausgehen werden. Und natürlich verstehen wir, dass von den Wahlen auch abhängen wird, wie die amerikanische Unterstützung für die Ukraine aussehen wird, wie sich die amerikanisch-ukrainischen und übrigens auch die amerikanisch-russischen Beziehungen gestalten werden. Und über all das werden wir in den nächsten Tagen auf meinem Kanal ausführlich sprechen. Ich habe heute meinen Kollegen Ostap Yarysh zu dieser Sendung eingeladen, einen ukrainischen Journalisten, der seit vielen Jahren in den Vereinigten Staaten arbeitet.

Vielen Dank, dass wir in diesen, ich würde sagen, angespannten Tagen für die amerikanische Politik miteinander sprechen können. Aber ich möchte mit Oleschky beginnen. Denn buchstäblich vor unseren Augen läuft gerade diese humanitäre Operation ab, und eine große Zahl von Menschen, die in dieser besetzten ukrainischen Stadt tatsächlich hätten verhungern können, konnte auf das von der Ukraine kontrollierte Gebiet zurückkehren. Ein Teil der Menschen wurde in die besetzten Gebiete gebracht, über jene Wege, die für die Ausreise in Richtung des Gebiets Cherson und weiter in den besetzten Teil des Gebiets Cherson und auf die Krim eingerichtet worden waren. Mich interessiert aber vor allem die amerikanische Dimension dieser Situation. Wie nehmen Sie das grundsätzlich wahr? Wie wichtig war es für die Regierung von Präsident Trump, sich an dieser Operation zu beteiligen, und dann auch noch unter Vermittlung von Melania Trump? War das doch Teil der Wahlkampfstrategie oder ein Zusammentreffen von Umständen?

Ostap Yarysh: Ich glaube nicht, dass das Teil der Wahlkampfstrategie war, obwohl wir diese Operation tatsächlich wenige Tage vor den Zwischenwahlen gesehen haben. Ich möchte die Zuschauer daran erinnern, dass wir bereits am Dienstag die Abstimmung erwarten. Ich glaube das deshalb nicht, weil die humanitäre Operation in Oleschky vermutlich nicht das Ereignis ist, das jene Wähler überzeugen könnte, die sich entweder noch nicht entschieden haben, wen sie wählen sollen – und davon gibt es relativ wenige –, oder jene, die noch nicht entschieden haben, ob sie überhaupt zur Wahl gehen. Das ist kein Faktor, der die Meinung der Mehrheit der Amerikaner ändern kann.

Sie beschäftigen sich mit den Kraftstoffpreisen, den Lebensmittelpreisen, der Kriminalität in ihren Städten, mit Migrationsfragen und der Korruption in ihrer eigenen Regierung, aber ganz sicher nicht mit der humanitären Operation in Oleschky. Das ist nichts, was den Verlauf des Wahlkampfs irgendwie hätte verändern können. Vielleicht hat das dem Ansehen der First Lady Melania Trump, unter deren Vermittlung das geschah, einige Punkte eingebracht, und vermutlich hat es das auch getan. Obwohl es wohl richtiger wäre zu sagen, unter Vermittlung ihres Beraters, der das im Namen von Melania Trump koordinierte. Aber ich glaube nicht, dass dies irgendeine Wahlkampfstrategie von Donald Trump oder der First Lady war.

Portnikov: Gut, aber es könnte doch eine Wahlkampfstrategie Putins gewesen sein. Er könnte gedacht haben, dass er der Familie Trump ein solches Geschenk macht, damit sie als Friedensstifter erscheinen kann. Er will den Krieg nicht beenden, er will keinen Waffenstillstand verkünden. Gerade in diesen Tagen, in denen Trump sich faktisch auf die Zwischenwahlen vorbereitet, beschießt er Kyiv, beschießt Dnipro, Menschen sterben. Nun, es ist ziemlich schwierig, diesen Menschen in einer solchen Situation einen Humanisten zu nennen, nicht wahr?

Ostap Yarysh: Von Putins Seite aus ist das durchaus möglich, ja. Das heißt, von Putins Seite könnte das durchaus ein Schritt gewesen sein, um zu zeigen: „Seht her, wir lassen gewissermaßen Menschen aus Oleschky frei. Zuvor haben wir Stephen Hubbard freigelassen, einen amerikanischen Staatsbürger, den Russland vier Jahre lang gefangen gehalten hatte. Und angeblich unternehmen wir diese Schritte, zeigen gewissermaßen unsere Friedensbereitschaft und handeln humanitär. Warum also nicht beispielsweise einen Teil der Sanktionen gegen Russland aufheben oder den Import russischen Gases erlauben?“ Deshalb war das von russischer Seite zweifellos zu hundert Prozent ein Versuch, dieses Bild zu erzeugen. Ich bin mir nicht sicher, vielleicht wurde das in der Trump-Regierung auch so wahrgenommen, aber ich glaube nicht, dass die amerikanischen Wähler es unter diesem Gesichtspunkt betrachtet haben.

Portnikov: Und sagen Sie, wie erklären Sie sich die Anwesenheit eines Fernsehteams ausgerechnet des Senders Newsmax, von dem bekannt ist, dass Trump ihn sehr schätzt, dass er ihn sieht und ihm Interviews gibt? Ich habe keinerlei Einwände gegen die Reportage, die die amerikanischen Journalisten zeigten, als sie in Oleschky waren. Das ist grundsätzlich eine objektive Reportage, die Akzente werden darin klar gesetzt. Aber wie kam es Ihrer Meinung nach dazu, dass kein anderer amerikanischer Fernsehsender dorthin gelangte? War das für sie derzeit nicht besonders interessant? Oder hatte nur Newsmax diese Möglichkeit?

Ostap Yarysh: Das waren Vereinbarungen, soweit ich weiß, die mit der russischen, der ukrainischen und der amerikanischen Seite besprochen wurden. Und um eine gewisse amerikanische Präsenz sicherzustellen – wir wissen, dass keine Regierungsvertreter dort waren und dass von Anfang an auch keine amerikanischen Regierungsvertreter anwesend sein sollten. Übrigens ist Mark Beckman, den ich erwähnt habe, der Berater von Melania Trump, ein privater Berater, ein Unternehmensberater. Er ist kein Mitarbeiter ihres Büros. Um also eine gewisse amerikanische Präsenz sicherzustellen, wählte man den Fernsehsender Newsmax aus, den der amerikanische Präsident grundsätzlich schätzt, der gute Beziehungen zu ihm unterhält, und gewährte ihm diesen exklusiven Zugang. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es beispielsweise auch Fox oder irgendein anderer Fernsehsender hätte sein können, dessen Führung gute Beziehungen zu Präsident Trump und seiner Regierung unterhält. Offensichtlich entschied man sich für Newsmax für diese Operation und dafür, dass der Sender gewissermaßen die amerikanische Vertretung vor Ort sein sollte. Und ja, wir wissen, dass sie während dieser Operation in Oleschky tatsächlich die Einzigen von amerikanischer Seite waren.

Portnikov: Was meinen Sie, können sich solche Operationen noch wiederholen? Ist das einfach ein einmaliges Beispiel? Oder kann man sich vorstellen, dass Melania Trump in einem Monat Kontakt zu Putins Leuten aufnimmt und eine andere humanitäre Operation vorschlägt? Denn wir verstehen, dass Oleschky nicht der einzige Fall dieser Art ist, sondern dass es viele gibt.

Ostap Yarysh: Absolut. Wenn ich mir ehrlich gesagt ansehe, wie die Regierung jetzt reagiert, sowohl Melania Trump als auch ihr Berater, dann deuten sie darauf hin, dass dies gerade der erste Schritt sein könnte und dass weitere Operationen möglich sind, dass sie sich vielleicht in Zukunft wiederholen werden. Darüber sprach, glaube ich, Lubinez, darüber sprach die Vertreterin der russischen Seite, ich glaube, Lantratowa. Und heute habe ich das auch in öffentlichen Erklärungen aus dem Büro der First Lady und ihres Beraters gesehen. Deshalb glaube ich, dass es mich nicht überraschen würde, wenn wir nach einiger Zeit, im November oder Dezember oder vielleicht im Januar, ähnliche Initiativen sehen würden, wiederum unter Vermittlung, im Namen der First Lady, so möchte ich es formulieren.

Portnikov: Nun, als wir über diese humanitäre Operation in Oleschky gesprochen haben, sagten Sie, dass die Frage des russisch-ukrainischen Krieges für die Amerikaner grundsätzlich keine vorrangige Bedeutung hat. Und das ist eine sehr wichtige Bemerkung, denn in der Ukraine stellt man sich ständig eine ganz einfache Frage: Eine riesige Zahl von Amerikanern unterstützt die Ukraine, und wir sehen, dass diese Unterstützung buchstäblich in allen gesellschaftlichen Bereichen und in allen Wählergruppen enorm ist. Die Mehrheit der Befragten unterstützt immer die Ukraine. Nur eine Minderheit, ich würde sogar sagen, eine unbedeutende Minderheit, selbst unter den MAGA-Anhängern, unterstützt Russland, betrachtet Russland nicht als Aggressor und meint, dass man die Beziehungen zu diesem Land ausbauen müsse. Warum also nutzt man dieses Thema nicht im Wahlkampf? Liegt es vielleicht einfach daran, dass es nicht zu den wichtigsten Prioritäten gehört, wenn ein Mensch entscheidet, wen er in den Kongress wählen soll?

Ostap Yarysh: Absolut. Ich erkläre das an einem einfachen Beispiel. Wenn man die Menschen tatsächlich fragt, wenn Journalisten oder Meinungsforscher sie fragen, ob sie die Ukraine unterstützen, dann antwortet die Mehrheit, wie wir in Umfragen sehen, selbstverständlich mit Ja. Sie unterstützen Waffenlieferungen, sei es durch Verkauf oder nach anderen Modellen, sie unterstützen Sanktionen gegen Russland. Aber sie äußern diese Meinung, wenn man sie danach fragt. In den meisten Fällen werden sie sie nicht von sich aus äußern, weil das, wie gesagt, nicht einmal an fünfter oder zehnter Stelle ihrer Prioritätenliste steht, die ich bereits genannt habe. Nehmen wir beispielsweise August 2021, die Evakuierung aus Afghanistan, die Taliban übernehmen erneut die Macht in Afghanistan. In der Ukraine sympathisierte die Mehrheit der Menschen zweifellos mit dem afghanischen Volk und bekundete ihre Unterstützung. Ich denke, wenn man die Ukrainer damals, im August 2021, gefragt hätte, ob sie die Taliban oder das afghanische Volk unterstützen und ob sie sich mehr Unterstützung wünschen, hätten die Ukrainer selbstverständlich Ja gesagt. Aber stand das auf ihrer Prioritätenliste? Natürlich nicht. Ich denke, in den Vereinigten Staaten ist die Situation ähnlich.

Deshalb gibt es natürlich einen Teil der Bevölkerung, seien es Amerikaner ukrainischer Herkunft, Vertreter beispielsweise der baltischen Diasporagemeinschaften oder der polnischen Diaspora oder einfach Freunde der Ukraine in den Vereinigten Staaten, für die die Unterstützung der Ukraine durch den Präsidenten, die Republikanische Partei oder die Demokratische Partei bei ihrer Wahlentscheidung wichtig sein wird. Im konkreten Fall müssen wir daran denken, dass sie Kongressabgeordnete und Senatoren wählen. Deshalb werden diese Menschen wahrscheinlich darauf achten, wie die jeweiligen Abgeordneten die Ukraine unterstützt haben. Aber für die Mehrheit der amerikanischen Gesellschaft ist das kein vorrangiger Faktor. Und die jüngste Umfrage, beispielsweise zum Diesel, habe ich mir vor dieser Sendung angesehen. Es war mir wichtig, meine Meinung nicht nur auf persönliche Gespräche, sondern auch auf Zahlen und Fakten zu stützen. Also: 61 Prozent der US-Wähler sagen, dass sie dagegen sind, dass die Vereinigten Staaten russischen Diesel kaufen, solange der Krieg andauert. Das ist eine Umfrage von Harvard-Harris. Also 61 Prozent sind dagegen, aber gleichzeitig sagen 63 Prozent, dass ihnen die Senkung der Kraftstoffpreise wichtiger ist als die Einschränkung der finanziellen Mittel Russlands zur Fortsetzung des Krieges oder die Beschränkung des russischen Haushalts. Alle bekunden also ihre Unterstützung, aber ihre Prioritäten liegen woanders.

Portnikov: Nun bleiben buchstäblich nur noch wenige Tage bis zum Ende dieses Wahlkampfs. Wie sind denn Ihre Eindrücke? Wird es der Republikanischen Partei zumindest gelingen, die Kontrolle über den Senat zu behalten? Wie realistisch sind diese Chancen heute? Oder können wir in dieser Situation überhaupt nichts prognostizieren?

Ostap Yarysh: Das Repräsentantenhaus, die untere Kammer des Kongresses, wird allem Anschein nach an die Demokraten gehen. Und hier stellt sich eher nicht die Frage, ob das geschehen wird, sondern wie viele Sitze die Demokraten gewinnen können und wie groß ihr Vorsprung sein wird. Im Senat ist die Situation komplizierter. Für die Demokraten wird es wesentlich schwieriger sein, dort die Kontrolle zu gewinnen. Es gibt mehrere entscheidende Bundesstaaten, die dieses Ergebnis beeinflussen können. Das sind Alaska, Texas, Iowa, Ohio und möglicherweise Maine. Diese Wahlkämpfe muss man sehr aufmerksam verfolgen. Es könnte auch eine Situation entstehen, in der es 50 zu 50 steht. Denken wir daran, dass der Senat 100 Senatoren hat. Es könnte also 50 Demokraten und 50 Republikaner geben. In diesem Fall hätte Vizepräsident JD Vance die entscheidende Stimme. Und das würde in der Praxis bedeuten, dass die Republikaner weiterhin die Mehrheit hätten. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Demokraten in diesen letzten Tagen, in der letzten Woche, doch noch einen Endspurt hinlegen und ihre Wählerbasis mobilisieren können. Das ist für sie unbedingt notwendig, um ihre Chancen zu verbessern und diesen Sieg doch noch zu erringen.

Mir scheint, dass unter allen Bundesstaaten die Situation in Alaska wahrscheinlich am interessantesten sein wird. Natürlich sind auch Texas und andere Bundesstaaten sehr interessant, aber Alaska zieht aus mehreren Gründen meine besondere Aufmerksamkeit auf sich. Der erste Grund ist, dass es traditionell ein republikanischer, ein roter Bundesstaat ist und dort schon sehr lange keine demokratischen Senatoren mehr gewählt wurden. Jetzt gibt es zwei Kandidaten. Für die Demokraten kandidiert Mary Peltola, für die Republikaner Dan Sullivan. Und jetzt sagt man in der Trump-Regierung, dass das Justizministerium das Wahlergebnis anfechten könnte, falls Dan Sullivan, der Republikaner und amtierende Senator, verliert. Warum? Weil auf dem Stimmzettel auch ein dritter Kandidat mit demselben Namen steht, Daniel Sullivan. Und die Trump-Regierung sagt, dass dies die Wähler verwirren und den Republikanern einen Teil der Stimmen wegnehmen könnte. Mary Peltola, die Demokratin, sagt, dass sie von diesem dritten Kandidaten nichts gewusst habe und nicht hinter dieser Kampagne stehe. Aber ich denke, dass wir im Justizministerium der Trump-Regierung, falls die Republikaner in Alaska tatsächlich verlieren, einen Versuch sehen werden, das Ergebnis mit der Begründung anzufechten, dass es einen dritten Kandidaten mit demselben Namen wie der republikanische Senator gab, um ihm Stimmen wegzunehmen. Das ist eine sehr interessante Situation, und tatsächlich stellt sich die Frage, wie dieser Kandidat auf diese Liste gekommen ist und was wir als Nächstes sehen werden. Aber Alaska würde ich besonders aufmerksam verfolgen.

Portnikov: Kann man einen solchen Prozess vor Gericht gewinnen, also beispielsweise ein Wahlergebnis mit der Begründung anfechten, dass es einen dritten Kandidaten mit demselben Nachnamen gibt?

Ostap Yarysh: Ich denke, dass es Chancen für eine Anfechtung gibt, besonders jetzt in dieser politischen Situation. Wir wissen, dass Donald Trump versucht hat, die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen 2020 gerichtlich anzufechten. Damals, erinnern wir uns, wiesen die Gerichte in mehreren entscheidenden Bundesstaaten seine Klagen zurück. Schließlich wies auch der Oberste Gerichtshof Donald Trumps Berufung zurück, und Joe Bidens Sieg in diesen entscheidenden Bundesstaaten blieb bestehen. Jetzt denke ich, dass es, falls der republikanische Kandidat in Alaska tatsächlich verliert, erneut einen Anfechtungsversuch geben wird. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt, aber hier gibt es sehr viele Variablen und Unbekannte, die in den nächsten Tagen möglicherweise etwas klarer werden. Aber ja, ich denke, wir werden Alaska in den Schlagzeilen sehen.

Portnikov: Wissen Sie, ich verfolge in letzter Zeit mit großem Interesse die Situation im Bundesstaat Michigan. Warum? Weil ich zum ersten Mal sehe, wie ein derart linksradikaler Kandidat der Demokratischen Partei antritt. Nun, es gab die Bürgermeisterwahl in New York, aber selbst im Vergleich zum Bürgermeister von New York ist dieser Kandidat, der die Vorwahlen der Demokraten in Michigan gewonnen hat, Abdul El-Sayed, nicht wahr? Ja. Für mich ist das einfach eine Art Test, ob es irgendwelche, ich würde sagen, roten Linien gibt, die ein solcher Kandidat aus ideologischer Sicht oder, wenn Sie so wollen, auch aus Sicht der Gemeinschaft nicht überschreiten kann. Denn wenn sich herausstellt, dass das für die Wähler kein großes Problem ist, wird das der Demokratischen Partei in Zukunft mehr Spielraum geben. Sie wird keine Angst vor diesen linksradikalen Kandidaten haben. Und interessant ist, dass die Republikaner ihre gesamte politische Strategie gerade auf dem Bild dieses Kandidaten aufbauen. Es geht nicht einmal darum, dass man für ihren Kandidaten stimmen soll, sondern darum, dass man diesen nicht wählen darf, weil er ein völlig unamerikanischer Kandidat für den Senat sei. Tucker Carlson dagegen unterstützt diesen Kandidaten, so merkwürdig das auch ist.

Ostap Yarysh: Abdul El-Sayed ist tatsächlich ein sehr interessanter Kandidat. Für die Zuschauer möchte ich etwas Kontext geben. Er ist der demokratische Senatskandidat für Michigan. Er gehört zum progressiven, sozialistischen Flügel der Partei, zum linken Flügel der Partei. Er unterstützt Palästina uneingeschränkt, ist gegen die Unterstützung Israels und gegen Benjamin Netanjahu und dessen Regierung. Er wird von diesem Parteiflügel unterstützt. Auch Zohran Mamdani, der Bürgermeister von New York, unterstützt ihn aktiv. Ebenso der umstrittene Blogger aus dem prorussischen sozialistischen Lager, Hasan Piker, der vielen Amerikanern durch Aussagen bekannt ist, dass beispielsweise Amerika die Tragödie vom 11. September verdient habe, oder durch Aussagen, dass er Mao Zedong respektiere und ihn für einen der bedeutendsten Führer des vergangenen Jahrhunderts halte.

Und jetzt steht Abdul El-Sayed tatsächlich vor der Herausforderung, die Unterstützung der jüdischen Bevölkerung Michigans oder auch jener Demokraten zu gewinnen, die gemäßigtere Ansichten vertreten. Einerseits mögen sie Donald Trump und den republikanischen Kandidaten nicht, andererseits gefällt ihnen auch die sozialistische Agenda nicht besonders. Deshalb muss Abdul El-Sayed in den letzten Monaten abwägen und gewisse Kompromisse finden. Öffentlich hat er bereits gesagt, dass er die Ansichten dieses Bloggers Hasan Piker nicht teile, obwohl er zu Beginn des Wahlkampfs aktiv gemeinsam mit ihm an Wahlkampfveranstaltungen teilgenommen hatte. Deshalb wird das tatsächlich eine Herausforderung für die Demokratische Partei sein. Und mir scheint, es wird auch grundsätzlich ein Indikator dafür sein, in welche Richtung sich die Partei insgesamt bewegt.

Sie haben richtig gesagt, dass diese linken Stimmungen unter den Demokraten derzeit zunehmen, und im neuen Kongress wird es ganz sicher mehr Vertreter dieses linken Flügels der Demokratischen Partei geben. Wenn nicht im Senat, dann im Repräsentantenhaus. Wir haben gesehen, dass bei den Vorwahlen in vielen Bundesstaaten, in New York, Colorado und anderswo, gerade diese Kandidatinnen und Kandidaten der Demokratischen Partei gewonnen haben. Das zeigt, dass diese Partei tatsächlich allmählich nach links driftet. Teilweise ist das eine Reaktion auf die Politik Donald Trumps, teilweise ist es eine Zunahme, ich weiß nicht, vielleicht der Aktivität junger Wähler oder jener Wähler, die an Protesten zur Unterstützung Palästinas teilgenommen haben. Aber tatsächlich glaube ich, dass es in diesem neuen Kongress eine größere Zahl linker Kandidaten geben wird. Ob Abdul El-Sayed darunter sein wird? Ich denke, das werden wir am 3. November sehen. Für ihn wird das, wie man sagt, ein „uphill battle“, also ein sehr schwieriger Kampf, ein sehr schwieriger Wahlkampf.

Portnikov: Nun, sehen Sie, wir beide verstehen sehr gut, dass die Vertreter dieses linken Flügels der Demokraten, sagen wir, des sozialistischen Flügels der Demokratischen Partei – es ist sogar merkwürdig, das auszusprechen, weil es so etwas im politischen Sprachgebrauch überhaupt nie gegeben hat, eine derart offene Linksverschiebung der Demokraten –, Israel nicht unterstützen werden. Das verstehen wir. Und übrigens zeigte sich das bereits, erinnern Sie sich, als während der Präsidentschaft Joe Bidens über die Unterstützung der Ukraine, Israels und Taiwans abgestimmt wurde. Viele Demokraten unterstützten Israel einfach nicht, auch ganz ohne irgendwelche linken Sozialisten. Aber die Frage ist: Werden diese Menschen die Ukraine überhaupt unterstützen? Vielleicht werden ihre politischen Ansichten gerade dazu führen, dass sie Russland gegenüber gemäßigter eingestellt sind und deshalb mehr Gemeinsamkeiten mit der Regierung finden, als wir denken?

Ostap Yarysh: Ich habe die Erklärungen dieser linken Kandidaten analysiert. Das Spektrum ist sehr unterschiedlich. Abdul El-Sayed beispielsweise, den wir erwähnt haben, hat in seinem Programm klar erklärt, dass er sowohl die militärische Unterstützung der Ukraine als auch Sanktionen gegen Russland unterstützt. Ich denke, das hängt teilweise damit zusammen, dass es in Michigan eine große ukrainische Diaspora, eine ukrainische Gemeinschaft gibt und Abdul El-Sayed auch mit den Stimmen dieses Wählersegments rechnet. Andere Kandidaten, beispielsweise eine Kandidatin namens Daria Elisa Chevalier für das Repräsentantenhaus aus dem Bundesstaat New York, haben dagegen klar gesagt, dass sie die Ukraine nicht unterstützen werden. Sie hatte sogar zu Beginn der großangelegten russischen Invasion erklärt, dass angeblich die NATO und die Vereinigten Staaten Russland provoziert hätten. Als sie jetzt gefragt wurde und erklären sollte, was sie damals gemeint hatte, wich sie einer Antwort aus. Es gibt also tatsächlich Kandidaten, die sich absolut gegen jede Unterstützung aussprechen. Es gibt jene, die sagen, dass Unterstützung wichtig ist. Und es gibt auch eine mittlere Gruppe, die sagt, dass sie an der Seite der Ukraine steht, aber nicht militärischer Unterstützung, sondern der Diplomatie den Vorzug gibt. Sie bevorzugen beispielsweise nicht die Unterstützung durch Raketen, sondern die Unterstützung von Verhandlungen. Und ich denke, solche Menschen gibt es in dieser sozialistischen Gruppe am häufigsten. Obwohl es wiederum auch Kandidaten gibt, die sogar jetzt im amtierenden Kongress sowohl für Waffen für die Ukraine als auch für Sanktionen gegen Russland gestimmt haben. Auch solche gibt es. Aber diese Unterstützung ist nicht garantiert, und sie ist eindeutig nicht so stark wie bei anderen Demokraten und Republikanern, die die Ukraine konsequent unterstützen.

Portnikov: Genau deshalb frage ich. Denn es gibt jetzt eine solche Illusion: Wenn es eine demokratische Mehrheit im Senat gibt, dann ist unsere Sache sozusagen entschieden. Der Senat wird ganz sicher für solche proukrainischen Gesetze stimmen, er wird das Gesetz zur Unterstützung der Ukraine verabschieden, das bereits im Repräsentantenhaus angenommen wurde, und Trump wird zu irgendwelchen Kompromissen gezwungen sein. Es könnte sich aber herausstellen, dass die Trump-Regierung das gar nicht tun muss, dass es im Senat keine so klare Mehrheit gibt. Dass selbst dann, wenn der Vorsitzende der demokratischen Mehrheit im Senat, sofern es sie natürlich geben wird, einen solchen Gesetzentwurf zur Abstimmung stellt, weder die Republikaner noch ein Teil der Demokraten dafür stimmen.

Ostap Yarysh: Hier könnte die Situation ähnlich sein, aber ich denke, sie ist etwas komplizierter. Stellen wir uns vor, dass die Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus oder sogar über den Senat gewinnen. Wenn dann proukrainische Gesetzentwürfe eingebracht werden, die sie vorantreiben wollen, gelingt es ihnen vielleicht sogar, die notwendige Unterstützung zu bekommen. Aber dann müssen wir daran denken, dass Donald Trump den Gesetzentwurf unterzeichnen muss. Der einzige proukrainische Gesetzentwurf, den der Präsident bisher unterzeichnet hat, war das Sanktionsgesetz von Lindsey Graham. Er unterzeichnete es, weil es die Möglichkeit von Zöllen gab und weil der Präsident die Möglichkeit erhielt, diese Sanktionen aufzuheben, nicht wahr? Das war also ein Kompromiss, auf den Demokraten und Republikaner eingingen, damit Präsident Trump dieses Gesetz unterzeichnete. Andere proukrainische Gesetzentwürfe hatten diese Chance nicht. Das heißt, selbst wenn die Demokraten irgendeinen proukrainischen Gesetzentwurf verabschieden wollen, müssen sie, damit er Gesetz wird, entweder eine qualifizierte Mehrheit zusammenbringen, um ein mögliches Veto zu überstimmen, oder Donald Trump irgendwelche Kompromisse anbieten, etwa in Form der Unterstützung Israels, irgendwelcher Zölle oder anderer Dinge. Deshalb wird die Situation schwierig sein. Und ich denke, wenn die Demokraten die Mehrheit im Kongress gewinnen, werden wir Versuche sehen, bestimmte Initiativen Trumps oder seine Gesetzentwürfe zu blockieren, Ernennungen an Gerichten, Kandidaten für Botschafterposten oder andere Ämter der mittleren Ebene zu blockieren, die Finanzierung beispielsweise seines Ballsaals oder anderer Projekte, über die der Präsident spricht, zu blockieren, um einen Teil des bereits angerichteten Schadens abzuwenden. Oder sie könnten beispielsweise im Zusammenhang mit dem russischen Diesel oder den Sanktionen gegen Russland auf diese Weise die Wiederaufnahme der Waffenlieferungen an die Ukraine verlangen. Das ist eine mögliche Variante.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass proukrainische Bestimmungen in einen umfassenderen Gesetzentwurf aufgenommen werden, beispielsweise in den Verteidigungshaushalt der Vereinigten Staaten. Seine Verabschiedung für 2027 erwarten wir im Dezember, und wahrscheinlich werden wir jetzt einige zusätzliche Bestimmungen sehen, die man dort aufzunehmen versuchen wird. Diese Möglichkeit besteht. Aber man sollte keinesfalls darauf hoffen, dass sich im neuen Kongress, wie auch immer er zusammengesetzt sein wird, ob die Demokraten oder die Republikaner die Mehrheit haben, die Unterstützung der Ukraine auf magische Weise um 180 Grad dreht und wir zehn neue Gesetzentwürfe zur Unterstützung der Ukraine oder zusätzliche neue Finanzmittel sehen werden. So optimistisch wäre ich nicht. Es wird Veränderungen geben, aber sie werden nicht so grundlegend sein.

Portnikov: Sie sprechen von dem Haushaltsgesetz, das im Dezember verabschiedet werden soll. Aber darüber wird noch der alte Kongress entscheiden, in seiner bisherigen Zusammensetzung, in der die Republikaner die Mehrheit haben. Hier stellt sich allerdings die Frage nach jenen Republikanern, die nicht mehr ins Repräsentantenhaus gewählt werden oder die nicht zur Wahl standen und die jetzt nicht mehr so stark von Trumps Meinung und der Meinung seiner Regierung abhängig sein werden, wie das buchstäblich noch vor einigen Wochen der Fall war. Können sie gemeinsam mit den Demokraten eine solche proukrainische Mehrheit bilden, die bereit ist, diese Punkte in den Verteidigungshaushalt aufzunehmen? Inwieweit wird sich das überhaupt ändern?

Ostap Yarysh: Absolut. Ich höre diese Bereitschaft schon jetzt. Ich sehe sie bei mehreren republikanischen Senatoren und republikanischen Kongressabgeordneten, die bereits erklärt haben, dass sie nicht erneut kandidieren werden, oder die die Vorwahlen in ihren Bundesstaaten verloren haben. Wir sehen das sogar an den Erklärungen, Briefen und Appellen, die sie unterzeichnen, beispielsweise Senator John Cornyn aus Texas, Senator Thom Tillis aus North Carolina oder Don Bacon, ein Kongressabgeordneter aus Nebraska, der nicht erneut kandidieren wird. Diese Senatoren beteiligen sich bereits an diesen Aufrufen und Appellen an die Trump-Regierung. In dieser Übergangszeit werden sie versuchen, die Dieselgeschichte zu untersuchen und bestimmte proukrainische Maßnahmen einzubringen. Deshalb denke ich absolut, dass wir von diesen Menschen mehr Aktivitäten erwarten sollten. Ich glaube, sie verstehen, dass ihnen noch zwei Monate im Senat bleiben und dass sie bereit sind, das ihnen verbliebene politische Kapital zu nutzen, um die Situation so weit wie möglich zu verändern.

Portnikov: Sagen Sie, verstehen Sie, warum Präsident Trump und Vizepräsident Vance die Routen ihrer Wahlkampfreisen geändert haben? Diese Frage wird Donald Trump übrigens ständig gestellt: „Sind Sie müde geworden und fahren deshalb nicht nach Kansas?“ Warum fährt Donald Trump nicht in einen wichtigen Bundesstaat, in dem die Republikaner immer gewonnen haben und jetzt verlieren könnten? Was ist überhaupt mit diesen Reisen los?

Ostap Yarysh: Ich denke, dass sie sich jetzt auf einige Bundesstaaten konzentrieren, in denen der Kampf am härtesten ist. Sie sehen also, wo man die Wahl ungefähr noch gewinnen kann und wo die Situation nicht besonders gut aussieht. Beispielsweise konzentriert sich die Republikanische Partei derzeit – und ich spreche nicht nur von Präsident Trump oder JD Vance, sondern grundsätzlich auch von der Führung der Republikanischen Partei – praktisch nicht mehr auf North Carolina. Sie haben die Finanzierung zur Unterstützung des republikanischen Kandidaten fast vollständig zurückgezogen, weil sie verstehen, dass in North Carolina alle Umfragen bereits zeigen, dass höchstwahrscheinlich der demokratische Kandidat die Senatswahl gewinnen wird. Aber man muss die Ressourcen und die Unterstützung beispielsweise in Texas erhöhen. Deshalb haben wir so viele Auftritte in verschiedenen Städten und Bezirken von Texas gesehen, wo derzeit ein sehr harter Kampf stattfindet. Oder in Iowa oder Ohio, wo die Republikaner noch gewinnen können, aber ihre Wählerbasis mobilisieren müssen. Deshalb denke ich, dass sie jetzt jene Bundesstaaten ausgewählt haben, in denen diese Unterstützung am dringendsten gebraucht wird, und gewisse Ressourcen aus weniger wichtigen Bundesstaaten abziehen und in jene verlagern, die das Ergebnis beeinflussen können.

Portnikov: Wenn wir auf die Idee dieses Dieselgeschäfts zwischen Trump und Putin zurückkommen: Haben Sie überhaupt verstanden, inwieweit diese Geschichte tatsächlich mit den Wahlen zusammenhängt? Es ist schwer vorstellbar, dass Trump mit seiner, ich würde sagen, wirtschaftlichen Erfahrung wirklich aufrichtig glauben konnte, dass diese Menge russischen Kraftstoffs die Situation an amerikanischen Tankstellen verändern würde.

Ostap Yarysh: Die Situation an amerikanischen Tankstellen wird sich nicht verändern, die amerikanischen Wähler werden keine niedrigeren Preise sehen. Ich denke, es geht eher um das Narrativ, um den Versuch zu zeigen, dass er als Präsident versucht, die Situation zu lösen und die Dieselpreise zu senken, und Volodymyr Zelensky oder die Ukrainer in den Augen vieler Amerikaner dafür verantwortlich zu machen, dass diese Preise angeblich gestiegen sind. Ich denke, darum geht es mehr als um eine tatsächliche Senkung der Kraftstoffpreise. Es war für mich sehr interessant, in den letzten Tagen die Schreiben amerikanischer Senatoren und Kongressabgeordneter an Bankvorstände, Hafenleitungen und Kraftstoffimporteure zu sehen, in denen sie davor warnten, diesen russischen Diesel anzunehmen. Wir wissen, dass nächste Woche bereits die erste Lieferung russischen Diesels in den Vereinigten Staaten eintreffen soll. Und letzte Woche sahen wir eine Erklärung amerikanischer Gesetzgeber mit der Aufforderung, sämtliche Belege, Verträge und die gesamte Kommunikation in diesem Zusammenhang aufzubewahren, weil es in Zukunft wahrscheinlich Untersuchungen dazu geben wird. Außerdem wenden sich amerikanische Gesetzgeber an Vertreter der Häfen und Kraftstoffimporteure und sagen: Denken Sie an das Gesetz von 2022, das den Import russischen Kraftstoffs und russischer Energieträger in die Vereinigten Staaten verbietet. „Dass der Präsident jetzt eine Ausnahme gemacht und diesen Import russischen Diesels erlaubt hat, bedeutet nicht, dass damit nicht gegen das Gesetz verstoßen wird. Und das werden wir untersuchen“, sagen die Gesetzgeber. „Deshalb bedenken Sie bitte, dass Sie russischen Diesel annehmen können, dies aber auf eigene Gefahr tun, weil Untersuchungen sehr wahrscheinlich sind.“ Und jetzt sehe ich auch in der amerikanischen Presse Berichte darüber, dass die Trump-Regierung versucht, die potenziellen Importeure und Käufer dieses Diesels davon zu überzeugen, ihn doch zu kaufen. Sie bietet Rabatte und irgendwelche anderen Anreize an, aber die Unternehmen haben es tatsächlich nicht eilig, das zu tun, weil sie verstehen, dass diese Risiken durchaus bestehen werden. Ob unter diesem Kongress, unter dieser Regierung oder unter der nächsten. Deshalb wird es für mich sehr interessant sein zu sehen, was mit diesem Diesel geschieht, nachdem er in den Vereinigten Staaten angekommen ist.

Portnikov: Aber es ist doch seltsam, dass sie dieses Geschäft eingegangen sind, obwohl sie wussten, dass sie gegen Gesetze verstoßen und dass alle anderen Angst haben könnten, gegen das Gesetz zu verstoßen. Das ist doch das Merkwürdigste an dieser Geschichte.

Ostap Yarysh: Ich weiß nicht, ob Präsident Trump oder seine Regierung das einkalkuliert haben. Vielleicht hofften sie, dass es auf irgendeine andere Weise gelingen würde, diese Situation zu lösen, oder sie rechneten nicht, ich weiß es nicht, mit dem Druck aus dem Kongress, und zwar sowohl von Demokraten als auch von Republikanern. Oder sie hofften, dass sie sich direkt mit den Unternehmen einigen könnten. Sehr interessant. Übrigens ist New Jersey einer der Bundesstaaten, in denen dieser Diesel möglicherweise ankommen könnte, weil es dort viele Häfen gibt. Die Gouverneurin von New Jersey hat gesagt, ich möchte sie zitieren, dass sie alles Mögliche tun werde, um zu verhindern, dass dieser Diesel nach New Jersey gelangt, falls er tatsächlich dort ankommt. Wir sehen also verschiedene Schritte, um dem entgegenzuwirken. Und nochmals: Die Unternehmen selbst, die diesen Diesel kaufen könnten, haben es bisher auch nicht besonders eilig damit.

Portnikov: Und ist diese Gouverneurin eine Demokratin?

Ostap Yarysh: Ja, natürlich eine Demokratin.

Portnikov: Nun sehen Sie, wie unterschiedlich die Dinge sein können. Erinnern Sie sich an die Geschichte mit Nord Stream 2 und den Sanktionen gegen Nord Stream? Damals sagte die Ministerpräsidentin des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, dass sie einen eigenen Fonds gründen werde, falls es irgendwelche Sanktionen gebe, um den Bau dieser Nord-Stream-Pipeline zu finanzieren, damit es Arbeitsplätze in ihrem Bundesland gebe und damit dieses billige Gas zur Verfügung stehe. Das war natürlich noch vor dem großen Krieg Russlands gegen die Ukraine, aber diese Position gab es. Und hier sehen Sie, dass sich herausstellt, wie viel von der Haltung der Führung solcher, ich würde sagen, Gliedstaaten in den Vereinigten Staaten oder der Bundesrepublik abhängt. Dass man eine Position einnehmen kann, die der Haltung der Regierung widerspricht.

Ostap Yarysh: Die Gouverneurin von New Jersey, sie heißt Mikie Sherrill, sagt: „Trumps Abkommen mit Putin über Dieselkraftstoff ist korrupt und illegal. Ich prüfe mögliche Maßnahmen, um zu verhindern, dass dieser Diesel in einem Hafen von New Jersey ankommt.“ Das ist ihre Erklärung. Und nochmals: Viele Unternehmen werden in einem Artikel der Washington Post zitiert. Dort heißt es, dass „Moskau und Washington derzeit fieberhaft nach Käufern suchen, aber wir wären nicht überrascht, wenn dieser russische Diesel schließlich nach Brasilien weiterfahren würde, falls sich in den USA keine Käufer finden“. Auch diese Möglichkeit besteht also.

Portnikov: Interessant ist nun, dass Sie über die Situation im Zusammenhang mit den ukrainischen Wählern in Michigan sprechen. Inwieweit können wir sagen, dass die Rolle der ukrainischen Wähler insgesamt zunimmt? Und dass die Frage der Ukraine für diese ukrainischen Wähler eine größere Rolle zu spielen beginnt als früher. Beobachten Sie das?

Ostap Yarysh: Natürlich ist die ukrainische Diaspora nicht die größte in den Vereinigten Staaten. Deshalb ist die Unterstützung anderer Gemeinschaften, der litauischen, lettischen und polnischen Gemeinschaft, von entscheidender Bedeutung. Und gerade sie konzentrieren sich in diesen Bundesstaaten des Rust Belt, den Industriestaaten im Nordosten der USA: Pennsylvania, Ohio, Michigan. Dort gibt es viele von ihnen, und gerade dort berücksichtigen die Kandidaten besonders die Meinung der osteuropäischen Diaspora. Zweifellos nimmt diese Rolle zu, aber man muss verstehen, dass vieles fehlt. Es fehlt an politischem Einfluss, wie ihn beispielsweise die jüdischen, armenischen oder griechischen Gemeinschaften besitzen. Ich erkläre, warum und wie das in den Vereinigten Staaten funktioniert. Den wirksamsten Einfluss auf Kandidaten, seien es Senatoren, Kongressabgeordnete oder andere politische Kandidaten, haben die sogenannten Political Action Committees, politische Aktionskomitees, die Wahlkampfspenden an bestimmte Kandidaten leisten können. Dadurch können ihre Vertreter persönlich Zeit mit den Kandidaten verbringen und auf gewisse Weise Einfluss auf deren Politik nehmen. Warum ist die Lobbyarbeit der jüdischen, armenischen oder anderer Gemeinschaften so wirksam? Weil sie diese politischen Aktionskomitees haben, die bestimmten Kandidaten direkt Geld geben und zu ihren großen Spendern werden können und auf diese Weise ihre Entscheidungen beeinflussen. Ein ukrainisches Political Action Committee gibt es in den USA nicht. Es gibt andere Organisationen, die einzeln mit Spendern oder mit Kandidaten arbeiten oder andere Lobbyfirmen einschalten. Aber dieser Einfluss ist nicht so groß, wie man ihn sich vielleicht wünschen würde. Natürlich wirken auch Anrufe und direkte Gespräche mit Kongressabgeordneten, wenn ihre Wähler sie anrufen oder sich mit ihnen treffen und sagen: „Meine Damen und Herren, wir erwarten von Ihnen eine solche Entscheidung, denn wir werden im November wählen, und für uns ist die Unterstützung der Ukraine beziehungsweise Ihre Haltung dazu wichtig.“ Auch die Arbeit mit den Medien hat Einfluss, ebenso die Arbeit mit Spendern, die die Ukraine unterstützen und gleichzeitig einem bestimmten Kandidaten Geld geben. Über sie kann man diese Positionen vermitteln.

Ich habe viele Meinungen und Beiträge gesehen, vielleicht auch Vorwürfe, warum die ukrainische Diaspora nicht auf die Straße geht, warum wir in den Vereinigten Staaten keine großen Proteste sehen. Ich möchte hier erklären, dass Proteste zweifellos wichtig sind, aber in den USA eine etwas andere Rolle spielen als in der Ukraine und in vielen europäischen Ländern, wo sich das politische und wirtschaftliche Zentrum gewöhnlich in den Hauptstädten befindet oder zumindest dort der Schwerpunkt liegt. Ich gebe ein einfaches Beispiel aus den Vereinigten Staaten. Wie viele Proteste zur Unterstützung Palästinas gab es und wie viele zur Unterstützung Israels? Ich denke, alle haben sehr viele propalästinensische Proteste gesehen, während es kaum Proteste zur Unterstützung Israels gab. Aber wie sieht die Politik der USA aus? Sowohl die der Demokratischen als auch die der Republikanischen Partei, unter Biden und jetzt unter der Trump-Regierung. Haben diese riesigen Proteste mit Tausenden Teilnehmern die Politik irgendwie verändert? Nicht besonders. Israel setzte auf Lobbyarbeit, Israel setzte auf Spender, Israel setzte auf Geld, Israel setzte auf gezielte Arbeit mit den Entscheidungsträgern und den Gemeinschaften vor Ort. Deshalb funktionieren diese Dinge. Auch Medienkampagnen funktionieren, insbesondere mit Medien, die die Wahlkreise in den einzelnen Bundesstaaten vertreten. Denn die Mitarbeiter der Kandidaten legen ihnen am Ende jeder Woche einen Bericht vor: erstens über die Anrufe in ihren Büros, wer mit welchen Fragen und Forderungen angerufen hat. Zweitens bringen sie auch einen Bericht darüber, was die Presse über sie schreibt, ob die nationale oder die lokale.

Portnikov: Die lokale, die lokale wahrscheinlich, ja.

Ostap Yarysh: Ja, sowohl die nationale als auch die lokale. Denn die Kandidaten haben Büros in Washington und Büros vor Ort, in ihren Wahlkreisen. Und natürlich achten sie darauf, was die lokalen Zeitungen schreiben oder was die lokalen Fernsehsender über sie sagen.

Portnikov: Warum haben wir Ukrainer eigentlich kein solches Political Action Committee? Können Sie das erklären?

Ostap Yarysh: Das erfordert sehr viel Geld, eine Finanzierung. Und offensichtlich verwenden die Spender ihre finanziellen Mittel derzeit eher für die Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte oder für humanitäre Hilfe für die Ukraine. Die Prioritäten sind meiner Meinung nach derzeit andere. Und zweitens weiß ich nicht, warum sich diese Kultur historisch nicht herausgebildet hat, obwohl es in den Vereinigten Staaten ukrainisches Kapital gibt, sowohl bei Einwanderern der ersten Generation als auch bei Nachkommen von Ukrainern, aber …

Portnikov: Aber ein Political Action Committee bedeutet doch gerade Geld für Waffen, nur eben aus dem amerikanischen Haushalt.

Ostap Yarysh: Zweifellos, da stimme ich Ihnen vollkommen zu. Aber viele Spender bevorzugen offensichtlich die direkte Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte oder die humanitäre Hilfe, die bereits jetzt geleistet wird. Denn bei einem Political Action Committee geht es eher um langfristiges Handeln. Das kann in zwei, drei, vier oder zehn Jahren wirken, bei den nächsten Wahlen, durch die konsequente Unterstützung dieser Kandidaten. Es kann aber auch nicht funktionieren, weil sich die politische Situation verändert und der Kongress beispielsweise keine so einflussreiche Rolle mehr hat, wie wir es jetzt sehen, verglichen mit früher. Und mir scheint, dass sie ihre Prioritäten derzeit, besonders in den letzten vier Jahren, auf die direkte Unterstützung der Ukraine, der Streitkräfte oder die humanitäre Hilfe ausrichten. Vielleicht liegt es aber auch am Fehlen bestimmter historischer Voraussetzungen, vielleicht versteht man die Bedeutung dessen nicht vollständig. Ich denke, es ist eine ganze Reihe von Faktoren.

Portnikov: Man kann sagen, dass man auch in der Ukraine die Bedeutung einer solchen Arbeit und insbesondere der Arbeit mit der Diaspora nicht versteht. Dabei gibt es unterschiedliche Kreise der Diaspora, von denen ein Teil, wie mir scheint, selbst von jenen ukrainischen Behörden und gesellschaftlichen Organisationen einfach nicht wahrgenommen wird, die auf der Ebene der Diaspora arbeiten. Ich habe vor einigen Monaten, in diesem Sommer, in Sacramento in Kalifornien und in Portland im Bundesstaat Oregon Vorträge gehalten und gesehen, dass es dort große protestantische Gemeinschaften gibt, in denen dieser Prozess einer, wenn Sie so wollen, ukrainischen Verzweigung stattfindet, besonders in Sacramento, aber auch in Portland habe ich das beobachtet. Und ich sehe, dass diese Gemeinschaften und die Menschen, die versuchen, eine solche Unterstützung für die Ukraine im protestantisch-evangelikalen Umfeld aufzubauen – und das ist sehr wichtig, weil das grundsätzlich auch Einfluss auf die Republikaner bedeutet –, dies irgendwie selbstständig tun, ohne besondere Aufmerksamkeit seitens der traditionellen ukrainischen Organisationen oder des ukrainischen Staates selbst. Das hat mich sehr überrascht, denn es gibt unzählige dieser Menschen, sozusagen eine riesige Zahl.

Ostap Yarysh: Es gibt unzählige, ja, und nicht nur in Sacramento oder Portland. Es gibt sehr viele von ihnen auch im Süden der Vereinigten Staaten, in South Carolina, North Carolina, Georgia und anderen Bundesstaaten, im traditionellen Bible Belt, wie man ihn in den USA nennt. Zweifellos gibt es dort eine sehr große Gemeinschaft. Ich weiß nicht, wie aktiv die Ukraine dort arbeitet. Wir wissen selbst, dass ukrainische Evangelikale aktiv sind. Einflussreiche ukrainische Evangelikale haben eine jährliche Veranstaltung, die Ukrainische Woche, zu der sie in die Vereinigten Staaten kommen. Und die ukrainischen Evangelikalen arbeiten mit diesen Gemeinschaften zusammen. Ich weiß nicht, inwieweit der Staat daran beteiligt ist. Wenn er nicht beteiligt ist, dann liegt das meiner Meinung nach am Mangel an Finanzierung und Ressourcen, und deshalb verlässt man sich auch auf gesellschaftliche Organisationen, religiöse Organisationen und Interessenvertretungen. Und hier wird mit unterschiedlichen Gruppen gearbeitet, mit Evangelikalen, mit Katholiken, wenn wir über Religion sprechen, und gesondert mit der jüdischen Gemeinschaft. Man versucht also durchaus gezielt, diese Zugangsmöglichkeiten und Möglichkeiten zur Veränderung zu finden.

Ein sehr interessantes Beispiel: Wir haben die Evangelikalen erwähnt. Die Stadt Shreveport im Norden von Louisiana, die Heimatstadt von Mike Johnson, dem Sprecher des Repräsentantenhauses. In seiner Kirche, die er besucht und deren Mitglieder er und seine Familie seit vielen Jahren sind, gibt es einen Pastor namens John Bodine. Er unterstützt die Ukraine sehr stark und besucht sie bereits seit 2006 im Rahmen eines humanitären Projekts. Seit 2006, also lange vor dem Beginn irgendeines Krieges mit Russland. Er hat viele Missionsprojekte, hilft Waisenkindern in der Ukraine. Und dieser Pastor versteht ganz klar, wo das Gute und wo das Böse ist. Und ich weiß, dass er das in seinen Gesprächen mit Mike Johnson vermittelt. Über solche Menschen entsteht dieser Einfluss. Deshalb ist der Einfluss der evangelikalen Gemeinschaft, besonders auf die Republikaner, äußerst wichtig. Vielleicht sehen das nicht alle oder verstehen es nicht alle, aber Sie haben vollkommen recht, dass die Arbeit mit diesen Gemeinschaften ebenfalls von entscheidender Bedeutung ist.

Portnikov: Und zum Schluss: Wie hoch ist Ihrer Meinung nach die Wahrscheinlichkeit, dass Donald Trump die Ergebnisse der Kongresswahlen nicht anerkennt, falls die Republikaner diese Wahlen verlieren?

Ostap Yarysh: Ich denke, das ist punktuell in einigen Bundesstaaten möglich. In Alaska, das wir erwähnt haben, vielleicht in Texas, vielleicht auch in anderen. Ich denke, er wird es versuchen, wenn er irgendeine Chance sieht, diese Ergebnisse anzufechten, besonders wenn der Abstand gering ist. Ich denke, dass wir solche Versuche am wahrscheinlichsten in Alaska sehen werden, weil es dort die klarste Grundlage dafür gibt. Ich möchte für diejenigen, die sich erst später der Sendung angeschlossen haben, daran erinnern, dass es um zwei Kandidaten auf dem Stimmzettel mit demselben Namen geht. Donald Trump sagt, dass dies dem republikanischen Kandidaten eine gewisse Zahl von Stimmen wegnehmen könnte. Was die anderen Bundesstaaten betrifft, werden wir sehen. Donald Trump hat bereits früher erklärt, dass die Wahlen gefälscht werden könnten, dass die Demokraten oder irgendeine andere dritte Seite versuchen könnten, darauf Einfluss zu nehmen. Wir werden sehen. Ich schließe diese Möglichkeit nicht aus. Ich denke, sie ist wahrscheinlich. Aber wiederum glaube ich, dass die nächste Woche mehr Klarheit darüber bringen wird.

Portnikov: Vielen Dank, dass Sie an diesem Gespräch teilgenommen haben. Ich möchte daran erinnern, dass wir mit meinem Kollegen Ostap Yarysh, der seit vielen Jahren in den Vereinigten Staaten arbeitet, über die Situation im Zusammenhang mit den sehr wichtigen Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress gesprochen haben. Bitte schreiben Sie in die Kommentare, was Sie über die Aussichten denken, darüber, wie sich die ukrainisch-amerikanische Zusammenarbeit danach entwickeln wird und was Donald Trump tun wird. Unterstützen Sie sowohl die ukrainischen Streitkräfte als auch jene humanitären Projekte, die darauf ausgerichtet sind, der Ukraine zu helfen. Ostap ist Medienberater des Projekts Ukraine Cat, das in den vergangenen Jahren sehr viel für die Unterstützung der Ukraine getan hat. Deshalb sollten jene unserer Zuschauer und Zuhörer, die in den Vereinigten Staaten leben und diese Sendung sehen, daran denken, dass es solche Projekte gibt, die man ebenfalls unterstützen kann. Es geht um die ukrainische Militärmedizin, für die die Amerikaner sehr viel tun und damit auch unseren Verteidigern helfen, die ihre Gesundheit verloren haben, die Hilfe, Prothesen und medizinische Versorgung benötigen, um wieder auf die Beine zu kommen. All das ist also auch in unseren Gesprächen sehr wichtig, und denken Sie auch an die Ziele unserer Projekte.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Трамп за крок до поразки I Віталій Портников. 31.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 31.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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