Der deutsche Außenminister Johann Wadephul rechtfertigt sich weiterhin für sein Treffen mit dem Leiter des russischen Außenministeriums Sergej Lawrow, das am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung stattfand.
Es war der erste derartige Kontakt zwischen den Leitern der Außenministerien Deutschlands und Russlands seit 2022, also seit jenem Zeitpunkt, als Russland seinen groß angelegten Angriff auf die Ukraine begann.
Seitdem haben weder die Leiter des Außenministeriums in der Regierung von Olaf Scholz noch die Leiter des Außenministeriums in der Regierung von Friedrich Merz noch die meisten anderen Außenminister europäischer Länder versucht, sich mit Lawrow zu treffen – mit Ausnahme etwa des inzwischen ehemaligen ungarischen Außenministers Péter Szijjártó, der mit dem russischen Freundschaftsorden ausgezeichnet wurde.
Deshalb bedarf ein solch offensichtlicher Durchbruch der diplomatischen Isolation Russlands einer wirklichen Erklärung. Natürlich lautet die wichtigste Erklärung, die auch der deutsche Minister vorbringt, dass die Europäer den gesamten Dialog mit Russland nicht den Amerikanern überlassen wollen. Und dass andere europäische Kollegen Wadephul um ein Treffen mit Lawrow gebeten hätten.
Der entscheidende Durchbruch bei der Isolation Russlands fand also natürlich genau in dem Moment statt, als Donald Trump Putin anrief und es dem russischen Präsidenten ermöglichte, den amerikanischen Präsidenten dafür zu benutzen, weiter auf Zeit zu spielen und einen Verhandlungsprozess zu simulieren. Und wie wir uns erinnern, traf sich nach diesem Telefonat Trumps mit Putin nicht nur der amerikanische Präsident selbst mit seinem russischen Amtskollegen bei dem inhaltsleeren Treffen in Anchorage, das die russische Propaganda bis heute für ihre Zwecke nutzt, sondern auch US-Außenminister Marco Rubio traf sich mehrfach mit Lawrow. Das jüngste Treffen fand übrigens ebenfalls am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung statt, führte zu keinerlei Ergebnissen und erregte keine besondere öffentliche Aufmerksamkeit, weil die Kontakte zwischen Lawrow und Rubio leider bereits zur Routine geworden sind.
Doch es stellt sich die Frage, warum sich die Europäer dieser Linie der gegenwärtigen amerikanischen Administration anschließen sollten, wenn sie keinerlei konkrete Ergebnisse bringt. Und auch das Treffen zwischen Lawrow und Wadephul brachte keinerlei konkrete Ergebnisse – abgesehen von der Möglichkeit für die Russen, allein die Tatsache dieses Treffens für ihre Zwecke zu nutzen. Der deutsche Außenminister sagt, er habe dem russischen Außenminister entschieden erklärt, dass Handlungen wie der Versuch, den Flughafen Leipzig zu sprengen, inakzeptabel seien, dass Deutschland entschlossen handeln werde, dass Deutschland die Ukraine weiterhin unterstützen werde und dass Russland beweisen müsse, dass es Frieden wolle.
Doch das ist keine Frage von Verhandlungen. Es geht darum, eine Position deutlich zu machen, die auch ohne ein Treffen bekannt ist. Und hier kann man dem Außenminister der Russischen Föderation zustimmen, der sagte, wenn das Treffen lediglich dazu gedient habe, Moskau die Position Berlins mitzuteilen, hätte man ihn einfach anrufen können. Denn Verhandlungen – und das sollte übrigens auch Donald Trump verstehen – werden dann geführt, wenn die Seiten bereit sind, ihre Positionen aufeinander abzustimmen. Wenn sie hingegen lediglich ihre Positionen austauschen und in keiner einzigen wirklichen Grundsatzfrage zu einer Einigung gelangen können, dann sind das überhaupt keine Verhandlungen. Dann ist es eben ein Durchbrechen der diplomatischen Isolation Russlands.
Und zwar durch das Verkünden deklaratorischer Erklärungen, die die russische Führung überhaupt nicht interessieren. Und was sehen wir am Ende? Nach dem Treffen der Außenminister Deutschlands und Russlands äußert sich Lawrow auf seiner eigenen Pressekonferenz mit unverhohlener Geringschätzung über seinen deutschen Amtskollegen und betont, dass bei diesem Treffen keinerlei konkrete Vereinbarungen erzielt werden konnten.
Es ist also nicht klar, wozu dieses Treffen überhaupt notwendig war. Russland nimmt keine der deutschen Erklärungen ernst. Mehr noch: Lawrow beginnt bereits davon zu sprechen, dass die Europäer, wenn sie sich auf einen Krieg vorbereiten, diesen Krieg auch bekommen werden. Nur werde es, den Worten des russischen Präsidenten Putin zufolge, ein kurzer Krieg sein. Und die Sprecherin des russischen Außenministeriums, die widerwärtige Maria Sacharowa, demütigt Berlin weiter und betont, der deutsche Außenminister habe ausschließlich deshalb um ein Treffen mit Lawrow gebeten, um die sinkenden Umfragewerte von Bundeskanzler Friedrich Merz aufzubessern.
Und hier können wir uns tatsächlich den außenpolitischen Aspekten der Kontakte zwischen Deutschland und Russland zuwenden und darüber nachdenken, wie sie sich auf die Innenpolitik auswirken. Vielleicht hat Sacharowa recht? Vielleicht hat man in der deutschen Regierung entschieden: Wenn die Führung der Partei Alternative für Deutschland, die heute in den Wahlumfragen des Landes an der Spitze liegt, zu Gesprächen mit dem Kreml aufruft, dann könnte ein solches Gespräch, wenn es von der derzeitigen Regierung geführt wird, beweisen, dass Kontakte mit Moskau selbst dann, wenn sie stattfinden, zu keinerlei konkreten Ergebnissen führen?
Aber Verzeihung: Die Partei Alternative für Deutschland ruft keineswegs deshalb zu Gesprächen mit dem Kreml auf, um jene Positionen zu vermitteln, die Johann Wadephul Lawrow mitgeteilt hat, sondern um sich mit Moskau über die Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Pipelines zu verständigen, um wieder die Möglichkeit zu erhalten, russisches Gas für die deutsche Industrie günstiger als zu Börsenpreisen zu beziehen, und um über die Einstellung der Hilfe für die Ukraine zu sprechen. Mit einem solchen deutschen Minister, einem Minister der Alternative für Deutschland, der Lawrow faktisch die Kapitulation Deutschlands vor Russland versprechen würde, würde der Leiter des russischen Außenministeriums natürlich eine gemeinsame Sprache finden.
An der Stelle der europäischen Diplomaten würde ich es mit Kontakten zu ihren russischen Kollegen daher nicht eilig haben. Russland hat seinen klaren Kurs gewählt, einen Kurs der Konfrontation und Eskalation in Europa, und keinerlei Kontakte mit Lawrow oder irgendeinem anderen russischen Funktionär werden zu einer Änderung der russischen Position führen, solange Russland tatsächlich über genügend Kräfte verfügt, um den Krieg in der Ukraine fortzusetzen und sich auf einen Krieg in Europa vorzubereiten.
Daher müssen sich auch die Europäer nicht auf Verhandlungen und nicht auf Frieden, sondern auf Krieg vorbereiten und verstehen, wie sie dieser für sie ernsten Prüfung begegnen werden, falls Russland beschließt, von hybriden Angriffen auf europäische Länder zu einem tatsächlichen aggressiven Angriff überzugehen, oder falls Putin einen weiteren Fehler begeht und seine hybriden Provokationen sich selbst gegen den Willen des russischen Staatschefs in einen wirklichen Krieg mit Europa verwandeln – so wie der ukrainische Blitzkrieg zu einem jahrelangen Krieg gegen unser Land wurde, bei dem niemand auch nur den Hauch eines Auswegs finden kann, der auf diplomatischem Wege erreicht werden könnte.
Das ist es, was meines Erachtens die wichtigste Aufgabe der Regierung Friedrich Merz hätte sein müssen, und das ist weitaus wichtiger als irgendwelche wahltaktischen Überlegungen. Denn wie wir aus unserer eigenen Erfahrung schon seit Langem wissen: Wenn Krieg herrscht, vergisst man die Wahlen.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Вадефуль виправдовується за Лаврова |
Віталій Портников. 27.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.