Drohnen trafen die Moskauer Raffinerie | Vitaly Portnikov. 16.06.2026.

Am Morgen sehen die Moskauer Rauchsäulen über der wichtigsten Ölraffinerie der russischen Hauptstadt. Obwohl Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin meldet, man habe den Angriff ukrainischer Drohnen abwehren können, überzeugen eben diese Rauchsäulen die Moskauer davon, dass man von diesem Anblick nichts Gutes erwarten sollte, denn die Moskauer Ölraffinerie deckte ungefähr 35 % des Treibstoffbedarfs der russischen Hauptstadt.

Tatsächlich ermöglichten ihre Kapazitäten Moskau, bis zu 50 % seines Benzins und Dieselkraftstoffs zu beziehen. Ganz zu schweigen von den Produkten, die auf den Baustellen der russischen Hauptstadt verwendet wurden – offensichtlich entsprechend allen russischen Regeln des Lebens in einer Stadt, die schneller wächst als jede andere Ortschaft Russlands. Denn bekanntlich wollen in Russland alle, wenn schon nicht in Moskau leben, so doch zumindest dort eine Wohnung besitzen.

Und übrigens ist nicht der letzte Grund dafür die Sicherheit in der russischen Hauptstadt vor dem Hintergrund des Krieges, den Putin gegen die Ukraine begonnen hat. Es geht auch um Sicherheit im Sinne der Konzentration von Luftverteidigungskräften.

Und nun könnte eine durchaus berechtigte Frage entstehen: Warum gelingt es dieser Luftverteidigung nicht, die Sicherheit einer Ölraffinerie zu gewährleisten, die für die Bedürfnisse Moskaus so wichtig ist und sich nur 15 Kilometer vom Kreml und anderen sogenannten Entscheidungszentren der russischen Hauptstadt entfernt befindet? 

Wenn heute Drohnen den Betrieb einer Raffinerie ohne besondere Hindernisse lahmlegen konnten, bedeutet das dann nicht, dass morgen auf dieselbe Weise die Arbeit des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation oder des Generalstabs der russischen Streitkräfte, dieser offensichtlichen terroristischen Organisationen, gestoppt werden könnte?

Doch offensichtlich sorgen sich die Moskauer nicht sonderlich um das Verteidigungsministerium oder den Generalstab. Wenn sie Rauchsäulen über den Gebäuden dieser beiden kriminellen Organisationen sehen würden, würde die Mehrheit dies nicht einmal bemerken. Wenn man jedoch keine Möglichkeit mehr hat zu tanken, wird das zu einem ernsthaften Problem sowohl für das alltägliche Leben in Moskau als auch für die Moskauer Wirtschaft.

Wir verstehen, wie die russische Führung handeln wird. Für Putin ist es wichtig, dass man in Moskau keine Treibstoffkrise bemerkt, die für viele Regionen der Russischen Föderation bereits zur Alltäglichkeit wird. Und dabei geht es natürlich nicht nur um die besetzte Krim, auf der die Urlaubssaison aufgrund ihrer Isolierung vom eigentlichen russischen Territorium faktisch abgesagt wurde. Es geht zum Beispiel auch um die Republik Tatarstan, die zu den Geberregionen der Russischen Föderation und zu den wichtigsten Produzenten von Erdölprodukten für ganz Russland gehört.

Doch Tatarstan ist weit weg. Die Krim kümmert in Russland absolut niemanden und wird trotz aller Berichte der offiziellen Propaganda ohnehin nicht als echtes Russland wahrgenommen. Aber Moskau, Moskau ist eine ernste Angelegenheit – sowohl für die Bewohner der russischen Hauptstadt selbst als auch für alle, die hoffen, eines Tages dort zu leben. Wenn es in Moskau keine Sicherheit gibt, dann gibt es sie nirgendwo im Land Putins.

Der russische Präsident steht vor einer Entscheidung. Man kann natürlich Treibstoff, Diesel und andere Produkte aus anderen Regionen der Russischen Föderation abziehen und so die Voraussetzungen für eine weitere Treibstoffkrise in Russland schaffen. Und meiner Meinung nach wird genau diese Entscheidung getroffen werden, um die Moskauer nicht zu beunruhigen. Man könnte aber auch beginnen, auf den Tankstellen Moskaus Treibstoffmarken einzuführen und damit den Bewohnern der russischen Hauptstadt zeigen, dass der Krieg bereits in ihre Häuser gekommen ist und sich dort für lange Jahre der russisch-ukrainischen Konfrontation niederlassen wird.

Ihr wolltet imperiale Größe? Nun gut, dann bekommt ihr die 2020er- und 2030er-Jahre, in denen eure Autos auf eine Regelung der Situation zwischen Russland und der Ukraine in Garagen warten werden, die sich für euch zugleich in Luftschutzbunker verwandeln. Denn das sind die Realitäten eines endlosen Krieges gegen einen Nachbarstaat.

Wie wird Putins Entscheidung ausfallen? Wird sie traditionell sein, sodass Moskau verschont bleibt und alle Probleme auf die russische Provinz abgewälzt werden? Oder wird beschlossen werden, dem übrigen Russland zu zeigen, dass es auf der Welt doch noch Gerechtigkeit gibt und auch die Moskauer bereit sind, gemeinsam mit der übrigen Bevölkerung unter den Problemen dieses für das Putin-Regime so wichtigen Krieges zu leiden?

Das wird die Antwort auf die Frage sein, nach welchem Plan sich der russisch-ukrainische Krieg in den kommenden Monaten und Jahren fortsetzen wird. Denn wir verstehen immer, dass die Wahl der Gerechtigkeit die gefährlichste Wahl für jede russische Führung ist.

Ruhe in Moskau bedeutet die Möglichkeit, jegliche Maßnahmen sowohl auf außenpolitischer als auch auf innenpolitischer Ebene fortzusetzen, ohne um die Stabilität fürchten zu müssen. Hauptsache, die Moskauer fühlen sich wohl. Hauptsache, die russische Provinz weiß, dass man alle Probleme, die mit Wirtschaft, Krieg und anderen Missständen zusammenhängen, die aus den unprofessionellen Handlungen der aggressiven Tschekistenherrschaft resultieren, hinter sich lässt, sobald man nach Moskau zieht.

Doch andererseits gibt es bei dieser Entscheidung, die der russische Präsident und sein engstes Umfeld bereits heute treffen müssen, noch ein weiteres großes Problem. Diese Entscheidung hängt mit den Unzulänglichkeiten der Luftverteidigungssysteme in der russischen Hauptstadt zusammen.

Denn es ist offensichtlich, dass ganz Russland und auch Moskau sehen, dass Treffer gegen die wichtigsten strategischen Objekte der russischen Hauptstadt möglich sind, dass Moskau genauso brennen kann wie jede andere Stadt auf dem Gebiet der Russischen Föderation, dass Moskau und Krieg für die Bewohner der russischen Hauptstadt nun für viele Jahre der Konfrontation zu Synonymen werden können. Und das hat bekanntlich eine lähmende Wirkung auf das gesamte übrige Russland.

An Putins Stelle würde ich daher ernsthaft darüber nachdenken, dass er praktisch keine gute Wahl mehr hat. Aber ich befinde mich nicht an der Stelle eines Fanatikers, der bereit ist, so lange Krieg zu führen, wie ihm Kräfte und Ressourcen reichen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Дрони вдарили по Московському НПЗ |
Віталій Портников. 16.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 16.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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