Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, erklärte während seines Besuchs der Kyiv-Petscherska Lawra, die in der vergangenen Nacht von den russischen Besatzern bombardiert worden war, dass er dem russischen Präsidenten Putin vorgeschlagen habe, sich während des G7-Gipfels im französischen Évian-les-Bains zu treffen. Und dass bei den Verhandlungen zwischen den Präsidenten Russlands und der Ukraine der Präsident der Vereinigten Staaten sowie europäische Staats- und Regierungschefs anwesend sein sollten.
Der Präsident Russlands reagierte erwartungsgemäß nicht auf diesen Vorschlag seines ukrainischen Kollegen, und Zelensky wertete als Antwort den erneuten massiven Angriff der Russen auf Kyiv und andere ukrainische Städte.
Aus diplomatischer Sicht wirkt schon die Idee eines Treffens während des G7-Gipfels ziemlich merkwürdig. Denn bekanntlich wurde der Präsident Russlands nach der Annexion der Krim und dem Beginn des Krieges im Donbas aus diesem prestigeträchtigen internationalen Klub ausgeschlossen. Selbst als der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, während seiner ersten Amtszeit im Oval Office versuchte, Putin zum G7-Gipfel einzuladen, löste dies eine derart scharfe Reaktion der übrigen Mitglieder des Klubs aus, dass nicht nur die Einladung an Putin, sondern sogar das Treffen selbst abgesagt werden musste.
Damit stellt sich die Frage, ob der französische Präsident Emmanuel Macron überhaupt bereit gewesen wäre, den russischen Staatschef in sein Land einzuladen, selbst wenn Volodymyr Zelensky eine solche Variante mit Donald Trump abgesprochen hätte. Schließlich ist Trump nicht der Gastgeber dieses Treffens. Und die Reaktion des Élysée-Palastes auf diese Idee Zelenskys kennen wir bis heute nicht.
Offensichtlich wäre auch für Putin eine solche Variante eines Treffens mit dem ukrainischen Präsidenten inakzeptabel gewesen. Es hätte bedeutet, dass nicht der Gastgeber des Gipfels, der Präsident Frankreichs, sondern der Präsident der Ukraine den Präsidenten der Russischen Föderation zur Teilnahme am G7-Gipfel einlädt. Und Emmanuel Macron käme Zelensky lediglich entgegen. Wäre da nicht der Wunsch Zelenskys gewesen, hätte niemand Putin in die Französische Republik eingeladen.
Offensichtlich ist dies ganz sicher nicht das Format einer Begegnung mit dem ukrainischen Präsidenten, das dem russischen Diktator überhaupt in den Sinn kommen würde. Meiner Ansicht nach denkt Putin jedoch grundsätzlich nicht über die Möglichkeit eines Treffens mit Zelensky nach.
Wenn er in seinen öffentlichen Auftritten oder während Telefonaten mit Trump immer wieder sagt, er sei bereit, sich mit Zelensky in Moskau zu treffen, dann hält er dies für einen vollkommen risikofreien Zug, denn sein ukrainischer Kollege wird ganz sicher nicht in die russische Hauptstadt reisen. Auf diese Weise kann er zugleich wie jemand erscheinen, der zu einem Treffen bereit ist, und gleichzeitig jede Möglichkeit einer tatsächlichen Begegnung mit Volodymyr Zelensky zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges ausschließen.
Ich bin weiterhin der Ansicht, dass das Treffen der Präsidenten Russlands und der Ukraine während des wiederbelebten Normandie-Formats in Paris im Jahr 2019 nicht nur das erste, sondern auch das letzte Treffen des russischen und des ukrainischen Präsidenten war.
Putin brach die Kontakte zum Vorgänger Volodymyr Zelenskys, Petro Poroshenko, genau deshalb ab, weil er von seinem ukrainischen Gegenüber nicht die Kapitulation der Ukraine erhielt. Er erwartete, dass Zelensky die Fehler Poroshenkos korrigieren würde, nachdem er den vorherigen ukrainischen Präsidenten bei den Wahlen 2019 besiegt hatte.
Als Zelensky Putin zeigte, dass er nicht zur Kapitulation bereit war, verlor der russische Staatschef das Interesse an ihm und begann stattdessen mit den Vorbereitungen für einen Machtwechsel in der Ukraine sowie für einen Blitzkrieg, der in Kyiv eine Marionettenführung unter Viktor Janukowytsch und natürlich Viktor Medwedtschuk an die Macht bringen sollte.
Haben sich Putins Vorstellungen darüber geändert, inwieweit er sich mit Zelensky einigen könnte? Meiner Ansicht nach haben sie sich bis heute nicht geändert und könnten sich auch in Zukunft nicht ändern. Selbst wenn wir uns vorstellen, dass zwischen Russland und der Ukraine in fernerer Zukunft die Möglichkeit einer Einstellung der Kampfhandlungen und eines Einfrierens des Krieges entsteht, müssten sich die Präsidenten dafür keineswegs persönlich treffen.
Denn wie wir sehen, wurden die Vereinbarungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran unter Vermittlung Dritter getroffen, und Donald Trump hat sich mit keinem Vertreter der iranischen politischen Führung getroffen.
Damit eine solche Möglichkeit jedoch in absehbarer Zeit entsteht, muss man Putin weniger zu einem Treffen auffordern, als vielmehr Schritte unternehmen, die eine Fortsetzung des russischen Krieges gegen die Ukraine unmöglich machen. Dazu gehören die weitere Zerstörung des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation, ihrer Erdölraffinerien und ihrer Erdölhäfen.
Dazu gehört die Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung, die verhindern würde, dass ukrainische Städte und Ortschaften in den kommenden Monaten und Jahren dieses zermürbenden Krieges weiter zerstört werden. Und dazu gehört die endgültige Aufhaltung der russischen Truppen an der ukrainischen Front, was dem Präsidenten der Russischen Föderation die Hoffnung auf die Besetzung weiterer ukrainischer Gebiete nehmen würde. Genau diese Faktoren schaffen perspektivisch die Möglichkeit eines Einfrierens dieses Krieges, den Putin bereits 2014 gegen die Ukraine begonnen hat und der 2022 in seine heiße Phase überging.
Und wenn sich solche Umstände tatsächlich als günstig für unser Land erweisen, wird Volodymyr Zelensky Putin nicht immer wieder zu einem Treffen einladen und sein Friedensstreben mit solchen Erklärungen demonstrieren müssen. Dann wird der Präsident der Russischen Föderation selbst ein wirksames Verhandlungsformat initiieren, das zu einer Aussetzung der Kampfhandlungen führt und der Ukraine die Möglichkeit gibt, sich in den Jahren danach in eine Festung zu verwandeln, die sich gegen einen möglichen neuen Angriff der Russischen Föderation mit oder ohne Putin verteidigen kann.
Dies ist die historische Perspektive der Ukraine für die kommenden Jahre und Jahrzehnte. Und in dieser historischen Perspektive muss es möglicherweise überhaupt nicht zu einem Treffen zwischen dem russischen und dem ukrainischen Präsidenten kommen.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін ігнорує Зеленського | Віталій Портников. 25.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.