Zwei russische Drohnen, die die Ukraine angriffen, gelangten in den Luftraum Lettlands. Eine von ihnen explodierte auf dem Gelände eines Öllagers in der Stadt Rēzekne. Glücklicherweise traf sie ein leeres Ölterminal. Nach der zweiten Drohne wird weiter gesucht, obwohl die nationalen Streitkräfte Lettlands den Bewohnern der Region mitgeteilt haben, dass die Gefahr bereits als beendet angesehen werden könne.
Gleichzeitig wurde der Unterricht in den Schulen der Region ausgesetzt. Und natürlich wirkt die Situation ziemlich beunruhigend für die Bewohner eines Landes, das nicht unmittelbar an Kampfhandlungen teilnimmt, dem der Krieg aber immer näher kommt.
Zuletzt wurde Luftalarm im Land am 3. Mai ausgelöst, damals ging es jedoch um die Möglichkeit, dass sich ukrainische Drohnen, die russische Militäranlagen angriffen, den Grenzen Lettlands näherten. Und nun ist Lettland ein weiteres Land in Europa geworden, auf dessen Territorium russische Drohnen gelangt sind.
Natürlich kann man es als Zufall betrachten, dass eine der russischen Drohnen gerade auf das Gelände eines Öllagers fiel. Aber wir verstehen sehr gut, dass der Zufall nicht nur darin besteht, dass die Drohne auf das Gelände des Öllagers fiel, sondern auch darin, dass sie einen leeren Tank traf. Hätte die Drohne einen mit Öl gefüllten Tank getroffen, würde in Rēzekne jetzt ein Großbrand wüten, der für die Stadt und die Region ein weitaus ernsteres Problem geworden wäre als das jüngste Auftauchen russischer Drohnen am lettischen Himmel.
Offensichtlich können sich die Russen sowohl bei den Zielen irren, die sie in Richtung Ukraine schicken, als auch testen, wie die Länder der Europäischen Union und die NATO-Staaten auf das Auftauchen russischer Drohnen reagieren werden. Jetzt wird der Himmel über Latgale, jener Region Lettlands, in die die russischen Drohnen gelangten, von NATO-Flugzeugen patrouilliert. Und das Bündnis demonstriert seine Bereitschaft, diesen Luftraum vor neuen möglichen Fehlern und Angriffen zu schützen. Aber die Russen werden meiner Meinung nach auch weiterhin den Luftraum der baltischen Staaten gerade im Hinblick auf die Bereitschaft der Luftstreitkräfte der Staaten des Nordatlantischen Bündnisses testen, das Baltikum vor möglichen russischen Provokationen zu schützen.
Bereits früher wurde betont, dass hybride Provokationen seitens Russlands gegenüber den baltischen Staaten in den kommenden Jahren Teil des russisch-ukrainischen Krieges werden könnten. Denn diese Provokationen sollten vor allem die Hilflosigkeit der NATO im Hinblick auf ihre Bereitschaft demonstrieren, ernsthaft auf russische Aggression zu reagieren. Außerdem sollten sie unterstreichen, dass die Vereinigten Staaten derzeit keine aktive Rolle in europäischen Angelegenheiten spielen.
Das ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe des Kremls – zu demonstrieren, dass in der NATO bereits reale Veränderungen stattgefunden haben und dass die Vereinigten Staaten trotz aller Hoffnungen der Europäer jene Provokationen und Zwischenfälle einfach nicht beachten werden, auf die eigentlich alle Verbündeten des Nordatlantischen Bündnisses reagieren müssten. Wie bekannt, bezeichnete auch der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, die baltischen Staaten einst als komplizierte Länder, wobei er offensichtlich sowohl ihre geografische Lage gegenüber der Russischen Föderation als auch die Ansprüche Russlands hinsichtlich der Außenpolitik dieser Länder meinte.
Wie bekannt, wurde die Aufnahme der baltischen Staaten in die NATO seinerzeit in Moskau als echte Herausforderung für Russland und als tatsächliche Revision jener Einflusssphären wahrgenommen, die sich nicht einmal im Warschauer Pakt, sondern im postsowjetischen Raum herausgebildet hatten. Und diese Eingliederung von Lettland, Litauen und Estland in das Nordatlantische Bündnis erfolgte bereits zu einer Zeit, als Putin Präsident Russlands war, was dieser Nachfolger von Boris Jelzin offensichtlich als echte persönliche politische Beleidigung wahrnahm.
Deshalb kann man auch neue Ereignisse im Baltikum erwarten. Jetzt ist es schwer, über die Möglichkeit eines realen großen Krieges zu sprechen, in einer Situation, in der praktisch alle russischen Ressourcen an der Front gegen die Ukraine konzentriert sind und Russland offensichtlich kein Interesse daran hat, in offene Konflikte mit dem Nordatlantischen Bündnis einzutreten, was insbesondere die Beziehungen beschädigen könnte, die sich zwischen dem russischen Präsidenten Putin und seinem amerikanischen Kollegen Donald Trump entwickelt haben, der auf eine besondere Partnerschaft mit der Russischen Föderation nach einem möglichen oder unmöglichen Ende des russisch-ukrainischen Krieges setzt.
Aber jede Drohne auf einem Öllager erinnert natürlich daran, dass Moskau eigene Absichten hat und zu Provokationen bereit ist. Und jede solche Provokation kann sich natürlich in eine viel größere Invasion verwandeln, wie es etwa beim Auftauchen russischer Drohnen im polnischen Luftraum war.
Eine solche Anzahl von Drohnen, wie wir sie im Luftraum des Nachbarlandes gesehen haben, konnte natürlich schon kein Zufall mehr sein oder das Ergebnis ukrainischer Systeme der elektronischen Kampfführung, die russische Drohnen von der ukrainischen Grenze weglenkten. Das konnte nur eine bewusste Provokation der Russen sein, die demonstrieren sollte, dass die Grenzen der Staaten des Nordatlantischen Bündnisses nicht vor möglichen russischen Angriffen geschützt sind.
Und vielleicht gerade deshalb, weil ein solcher massiver Angriff auf den polnischen Luftraum keine angemessene Antwort der NATO-Mitgliedstaaten erhalten hat, haben neue hybride Zwischenfälle mit russischen Drohnen nicht nur nicht aufgehört, sondern setzen sich fort und nehmen geografisch zu – im Hinblick auf europäische Länder in Nachbarschaft zu den russischen und ukrainischen Grenzen. Selbst wenn es um Länder wie Lettland geht, die scheinbar nicht unmittelbar an die Kampfzone grenzen.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Дрони вдарили по Латвії | Віталій Портников. 07.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 07.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.