Ultimatum für Trump: Warum der Kreml von der Ukraine die Aufgabe des Donbass verlangt. Kolumne von Vitaly Portnikov. 03.04.2026.


Mehrfamilienhaus in Sviatohirsk, zerstört durch russische Truppen, Oblast Donezk, Ukraine. Foto: Carl Court / Getty Images

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Der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky spricht von einem neuen russischen Ultimatum: Wenn die ukrainischen Truppen innerhalb von zwei Monaten nicht die vom legitimen ukrainischen Staat kontrollierten Gebiete der Oblast Donezk verlassen, wird Russland andere Friedensbedingungen haben — offensichtlich weniger vorteilhaft als die Aufgabe des Donbass. Das Problem besteht jedoch darin, dass es nicht um einen Weg zum Frieden geht, sondern um den Versuch, Kyiv eine Kapitulation ohne jegliche realen Sicherheitsgarantien aufzuzwingen.

Warum Russland der Ukraine zwei Monate für den Abzug der Truppen aus dem Donbass gegeben hat

Diese Frist kann auf den ersten Blick verwirrend erscheinen. Warum gerade zwei Monate? Warum kann über die Möglichkeit eines Rückzugs der ukrainischen Armee aus den Gebieten der Oblast Donezk nicht einen Monat oder vier Monate verhandelt werden?

Die Antwort liegt im amerikanischen politischen Kalender. Und dieses Ultimatum richtet sich keineswegs an Volodymyr Zelensky, sondern an Donald Trump. Wenn der amerikanische Präsident tatsächlich als Friedensstifter vor den Kongresswahlen erscheinen möchte, muss er die Ukraine unverzüglich dazu bringen, der Aufgabe des Donbass zuzustimmen. Andernfalls wird der Krieg weitergehen, und Putin wird dann nicht mehr so entgegenkommend sein.

Möglicherweise hat Zelensky gerade deshalb öffentlich über amerikanische Forderungen nach einem Truppenabzug aus der Oblast Donezk als Bedingung für die Gewährung von Sicherheitsgarantien für die Ukraine durch die USA gesprochen.

Und genau deshalb konnten Zelenskys Worte eine solche Verärgerung beim amerikanischen Außenminister Marco Rubio auslösen. Obwohl der Leiter der amerikanischen Außenpolitik — zugleich auch Berater des Präsidenten für nationale Sicherheit — einräumte, dass es ohne ein Ende des Krieges keine amerikanischen Sicherheitsgarantien geben werde. Und um den Krieg zu beenden, wie man verstehen kann, sollte die Ukraine die russischen Friedensbedingungen in Betracht ziehen. Ohne den Abzug der Truppen aus der Oblast Donezk will Russland von keinem Frieden sprechen. Die Schlussfolgerungen kann jeder selbst ziehen.

Friedensverhandlungen zur Ukraine: Bedingungen des Kremls und Zweifel in den USA

Doch in diesem Austausch liegt eine eigene Falle. Erstens ist unklar, von welchem Frieden überhaupt die Rede ist, wenn im Kreml zuvor von der Notwendigkeit die Rede war, einen umfassenden Friedensvertrag als Voraussetzung für die Beendigung der Kampfhandlungen zu unterzeichnen. Der Abzug ukrainischer Truppen aus den Gebieten der Oblaste Donezk und Luhansk ist nur eine der Bedingungen für einen Waffenstillstand. Niemand schließt jedoch aus, dass Russland, wenn die Ukraine einer solchen Entscheidung tatsächlich zustimmt, sie an andere Artikel dieses Friedensvertrags erinnern könnte, die darauf abzielen, das Land in einen echten politischen Satelliten Russlands zu verwandeln.

Auch die Gespräche über Sicherheitsgarantien wirken — zumindest solange Donald Trump im Oval Office sitzt —, gelinde gesagt, wie überzogene Erwartungen. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten offen davon spricht, bereit zu sein, die NATO zu verlassen, und sogar droht, die Hilfe für die Ukraine einzustellen, nur weil die europäischen Verbündeten seinen Forderungen zur Teilnahme an der Operation zur Öffnung der Straße von Hormus nicht zugestimmt haben, was können die Vereinigten Staaten der Ukraine dann garantieren?

Letztlich stellt sich die Frage, was die Vereinigten Staaten der Ukraine garantieren können, wenn sie nicht einmal für die Sicherheit jener Länder bürgen können, auf deren Territorium sich ihre militärischen und maritimen Stützpunkte befinden. Und das in einer Situation, in der der Krieg gegen einen nicht-nuklearen Iran geführt wird, der amerikanische Flugzeuge auf dem Territorium der Staaten des Persischen Golfs zerstört. Man stelle sich vor, was geschehen würde, wenn in einen Krieg, an dem die Vereinigten Staaten teilnehmen müssten, eine nukleare Macht eintritt.

Gerade deshalb wirkt diese ganze Diskussion eher wie eine Simulation als wie ein reales Gespräch darüber, wie der russisch-ukrainische Krieg beendet werden kann. Es existieren schlicht keine echten amerikanischen Sicherheitsgarantien für die Zeit nach dem Krieg — unabhängig davon, was diskutiert wird.

Die wichtigsten amerikanischen Sicherheitsgarantien — diejenigen, die während des Krieges hätten gegeben werden müssen — nämlich stärkerer wirtschaftlicher Druck auf Russland und die Lieferung von Langstreckenwaffen an die Ukraine, will Trump hartnäckig nicht einsetzen oder setzt sie nur selektiv und vorübergehend ein.

Offensichtlich wird er diese Instrumente irgendwann gar nicht mehr einsetzen können, da den Vereinigten Staaten selbst die Waffen fehlen werden, erschöpft durch die militärischen Entscheidungen des Präsidenten, und wirtschaftlicher Druck unter Bedingungen von Energieproblemen wirkungslos erscheinen wird.

Kein Frieden durch Gebietsaufgabe

Die Ukraine wird keinen Frieden erhalten, selbst wenn sie ihre Truppen aus der Oblast Donezk abzieht. Der Grund dafür ist, dass diese Bedingung nicht mit dem Wunsch Russlands zusammenhängt, die Kontrolle über bestimmte Gebiete zu erlangen, sondern mit dem Ziel, das Nachbarland zu destabilisieren und eine Spaltung der Gesellschaft hervorzurufen, die mit der kampflosen Aufgabe von Territorien verbunden ist. Im besten Fall (für Russland) würde dies sogar zu einem Bruch zwischen politischer Führung und Armee führen — ein echtes Geschenk für Putin.

Verhandlungen nur für Trump

Und genau deshalb ergibt auch der Verhandlungsprozess keinen Sinn — gerade weil Putin nicht beabsichtigt, den Krieg zu beenden. Dieser Prozess war für den russischen Präsidenten lediglich notwendig, um die Beziehungen zu seinem amerikanischen Kollegen nicht zu verschlechtern. Sobald Putin erkennt, dass Trump bereit ist, auch ohne dieses Verhandlungsschauspiel mit ihm zu kommunizieren, wird in Moskau sofort das Interesse an Verhandlungen aufgegeben.

Wir haben es also mit einer Scheinpolitik zu tun, die im letzten Jahr generell zum Stil Trumps geworden ist. Man kann lange darüber nachdenken, was im Kopf des amerikanischen Präsidenten vorgeht, wenn er sich die Perspektiven eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges vorstellt, aber uns sollte nicht Trumps Denken interessieren, sondern die Realität.

Und in dieser Realität kann dieser Krieg nur enden, wenn die Ressourcen der Parteien erschöpft sind — wie bereits im Februar 2022 gesagt wurde. Seitdem hat sich praktisch nichts geändert, und im Interesse der Ukraine liegt es, dass Russland zuerst erschöpft wird. Im Interesse des Westens liegt es, die Ukraine zu unterstützen, damit sie nicht zuerst zusammenbricht. Und im Interesse Russlands liegt es, die Ukraine zu erschöpfen und den Westen zu marginalisieren.

Der Krieg wird weitergehen

Wenn die europäischen Verbündeten der Ukraine keine Möglichkeiten finden, ihr finanzielle Mittel für das elementare Überleben und die Unterstützung der Armee bereitzustellen, erhält Putin eine Chance, den Krieg zu gewinnen. Das heißt, die ukrainische Staatlichkeit zu zerstören und sich in einen geopolitischen Hegemon Europas zu verwandeln, zumindest Zentral­europas. Genau das zu erreichen, wofür er diesen Krieg begonnen hat. Genau das zu erreichen, was er ursprünglich mit einem Blitzkrieg erreichen wollte.

Wenn der Westen jedoch über genügend Ressourcen und gesunden Menschenverstand verfügt, wird Russland gezwungen sein, auf seine Ambitionen zu verzichten, die Idee einer Rückkehr zu den Grenzen der Sowjetunion wird endgültig marginal werden, und die Bewohner der Russischen Föderation werden sich erstmals seit den Zeiten des Moskauer Fürstentums unter Iwan Kalita nicht mit Expansion und einem imperialen Projekt beschäftigen müssen, sondern mit dem Aufbau eines Nationalstaates — sofern das russische Volk dazu überhaupt fähig ist und sofern die Mehrheit der ethnischen Russen in dieser Situation die Interessen anderer Völker Russlands berücksichtigen kann.

Doch bislang gehören all diese Perspektiven in den Bereich der politischen Fantasie. Vorerst wird der Krieg weitergehen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Ультиматум для Трампа: зачем Кремль требует от Украины сдать Донбасс. Колонка Виталия Портникова. 03.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.04.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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