Die Verhandlungen wurden wieder aufgenommen: Tag eins | Vitaly Portnikov. 04.02.2026.

In Abu Dhabi ist die erste Runde der Verhandlungen zwischen der russischen und der ukrainischen Delegation sowie amerikanischen Vertretern zu Ende gegangen. Über die Details dieses ersten Tages der neuen Verhandlungsrunde wird nichts berichtet, doch allein die Tatsache, dass Steve Witkoff und Jared Kushner in die Vereinigten Arabischen Emirate gereist sind, zeugt zumindest von der Ernsthaftigkeit der Absichten der Amerikaner.

Ich erinnere daran, dass vor diesem neuen Treffen, als es für den 1. Februar geplant war, der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, die Möglichkeit der Anwesenheit von Witkoff und Kushner dementiert hatte. Es wurden verschiedene Formen einer amerikanischen Präsenz erwogen, doch damals kamen Beobachter zu dem Schluss, dass die russisch-ukrainischen Gespräche dieses Mal bilateral sein würden.

Dass Witkoff und Kushner nun doch in die Vereinigten Arabischen Emirate gekommen sind, spricht für eine gewisse Veränderung der Lage, möglicherweise im Zusammenhang mit dem jüngsten Aufenthalt des Sonderbeauftragten des russischen Präsidenten, Kirill Dmitrijew, in Miami. Und man muss verstehen, dass die Anwesenheit amerikanischer Vertreter zumindest verhindert, dass die russische Delegation den Ukrainern direkt ins Gesicht lügt und den Verhandlungsprozess so imitiert, dass es für Washington nicht offensichtlich ist.

Gleichzeitig setzen russische Funktionäre ihre kämpferischen Erklärungen fort, die vom Wunsch des Kremls zeugen, bei den Verhandlungen Zeit zu schinden. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, betonte, Moskau sei offen für Frieden. Doch während die Gespräche laufen, setzt Russland weiterhin die sogenannten Ziele der „militärischen Spezialoperation“ um. Und das, obwohl niemand klar definieren kann, worin diese Ziele eigentlich bestehen und was Moskau erreichen will, wenn es Objekte der ukrainischen Energieinfrastruktur zerstört, wie dies mit militärischen Zielen zusammenhängt und wie man das anders als als Völkermord bezeichnen kann.

Doch Peskow erklärt mit der für russische Beamte und Propagandisten typischen Niederträchtigkeit, dass die russischen Streitkräfte in Wirklichkeit nur Ziele angreifen würden, die mit den Streitkräften der Ukraine in Verbindung stehen. Selbst jetzt, da ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung der Ukraine geführt wird, fehlt es dem Kreml an Mut, dies zumindest einzugestehen.

Interessant ist hier auch der Kommentar der Sprecherin des Außenministeriums der Russischen Föderation, Maria Sacharowa, die betonte, dass nach der Unterzeichnung eines Friedensabkommens zwischen Russland und der Ukraine die Truppen der sogenannten Koalition der Willigen, also vor allem der Mitgliedsstaaten des Nordatlantischen Bündnisses, ein legitimes Ziel für die russischen Streitkräfte sein würden. Diese Aussage ist voller Widersprüche, denn es stellt sich die Frage: Wenn Russland tatsächlich beabsichtigt, ein vollwertiges Friedensabkommen zu unterzeichnen, von dem Putin dem amerikanischen Präsidenten wiederholt gesprochen hat, von welchen legitimen Zielen und welchen militärischen Aufgaben kann dann die Rede sein, wenn die beiden Länder nicht mehr gegeneinander Krieg führen? Und wie gedenkt Russland dann, Angriffe auf ukrainisches Territorium zu führen? Das lässt sich nur mit einer geradezu banalen politischen Schizophrenie erklären, die der russischen Führung eigen ist.

Ich habe hier jedoch auf einen anderen Aspekt geachtet. Russland beginnt zu begreifen, dass es in einem Friedensabkommen nicht alle jene Artikel diktieren kann, die die Ukraine zu seinem Protektorat machen würden. Das heißt, es gibt zumindest zum heutigen Zeitpunkt keine Hoffnung darauf, dass im Friedensvertrag eindeutig festgelegt wird, dass die Ukraine kein Recht hat, Truppen anderer Staaten auf ihrem Territorium zu stationieren, insbesondere von NATO-Mitgliedsstaaten. Dass diese Demilitarisierung der Ukraine und die faktische Entziehung ihrer Souveränität, auf die Putin hoffte – und zwar nicht erst seit Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine, sondern seit 2014, ja sogar seit 2004, als er sich erstmals unmittelbar am politischen Kampf in unserem Land beteiligte – nicht stattfinden wird.

Und dann wird nicht mehr die Ukraine eingeschüchtert, auf deren internationale Verpflichtungen, keine Truppen der Koalition der Willigen auf ihr Territorium zu lassen, man nun nicht mehr setzen sollte. Vielmehr werden westliche Länder eingeschüchtert, nach dem Motto: „Wenn ihr Friedenstruppen schafft, um einen neuen Angriff Russlands auf die Ukraine zu verhindern, werden wir vor allem euch angreifen. Wir brauchen dort eure Truppen nicht. Gebt uns die Möglichkeit, noch einen weiteren Krieg zu beginnen.“

Das ist natürlich keine Änderung der Position des Kremls, aber es ist eine Demonstration dessen, dass man in Moskau angesichts des schwierigen Zustands der russischen Wirtschaft ebenfalls daran interessiert ist, dass der Krieg so schnell wie möglich endet. Man kann sagen, dass sich die Ziele aller Teilnehmer dieser Verhandlungen – Donald Trump, Wladimir Putin und Volodymyr Zelensky – überschneiden. Nur die Vorstellungen darüber, wie der Krieg enden soll, stimmen natürlich nicht überein.

Putin muss den Krieg beenden, um die wirtschaftliche Stabilität zu retten, zumindest eine gewisse, um sein Regime zu erhalten. Dafür braucht er Zeit. Gleichzeitig muss dieser Krieg mit dem Zusammenbruch der ukrainischen Staatlichkeit enden oder zumindest mit der Umwandlung des ukrainischen Staates, dessen größten Teil seines Territoriums er nicht unter seine Kontrolle bringen kann, in ein russisches Protektorat. Genau damit hängen die Aussagen Sacharowas zusammen, denn es besteht ein klares Verständnis dafür, dass es, falls es nach dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges nicht gelingt, die Ukraine in ein solches Protektorat zu verwandeln, und falls auf ihrem Territorium Truppen von NATO-Mitgliedsstaaten erscheinen, deren Verpflichtungen zumindest mit logistischer Unterstützung der Vereinigten Staaten verbunden sein könnten, einen neuen Angriff auf die Ukraine aus der Perspektive eines möglichen Beginns eines nuklearen Krieges zwischen zwei Supermächten zu einem riskanten Unterfangen machen würde.

Zumal Putin bereits sehr gut versteht, dass die politische Karriere Trumps im Jahr 2029 enden wird. Und wie der neue Präsident der Vereinigten Staaten auf seine Handlungen reagieren wird, falls es keinen russisch-ukrainischen Krieg gibt, weiß er einfach nicht. Dieser neue Präsident könnte deutlich härter sein. 

In dieser Situation muss Moskau natürlich alles daransetzen, dass der Krieg nicht mit dem Erhalt der ukrainischen Souveränität endet. Genau damit beschäftigen sie sich. Und bis klar wird, welche konkreten Gewinne der Kreml in dieser Richtung erzielen kann – nicht einmal aus den russisch-ukrainischen Verhandlungen, sondern aus einer direkten Konsultation Putins mit Trump selbst –, kann Putin keine politische Entscheidung über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges treffen.

Und wir verstehen sehr gut, dass diese politische Entscheidung allein von ihm abhängt. Nur er, der Aggressor, der den Krieg gegen unser Land begonnen hat, kann ihn beenden. Und gerade weil es keine politische Entscheidung des russischen Präsidenten gibt, diskutieren die Delegationen bei den Verhandlungen in Abu Dhabi trotz seines Wunsches, so schnell wie möglich Ergebnisse zu erzielen, in erster Linie technische Details jener Regelung, die eintreten könnte, falls eine politische Entscheidung letztlich doch getroffen wird.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини відновилися: день перший | Віталій Портников. 04.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 04.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Kommentar verfassen