Trumps Interview: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 09.12.2025.

In seinem Interview mit der Zeitschrift Politico betont der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, erneut, dass die Ukraine gezwungen sein werde, die Bedingungen eines Friedensabkommens mit der Russischen Föderation zu akzeptieren, die mit dem Verlust ukrainischen Territoriums verbunden sein könnten. Er unterstreicht, dass er vom ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky enttäuscht sei, der zum Zeitpunkt seines Gesprächs mit dem Journalisten angeblich die neuen Vorschläge der Vereinigten Staaten noch nicht gelesen habe. Er fordert die Ukraine zu Wahlen auf, weil er betont, dass man in einem Land, in dem es keine Wahlen gibt, nicht von Demokratie sprechen könne, und er kritisiert Europa scharf, das sich seiner Ansicht nach in keine besonders gute Richtung entwickle.

Das ist das, was der ukrainische Leser in den Nachrichtenagenturen lesen kann und was der Zuschauer auf dem Fernsehbildschirm oder in den sozialen Netzwerken sieht. Doch wer die tatsächliche Videoaufzeichnung des Interviews von Donald Trump sieht oder das Protokoll seines Gesprächs mit dem Journalisten von Politico liest, erkennt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten keinerlei klar formulierte Gedanken zur russisch-ukrainischen Kriegssituation äußert.

Wie so oft bei Donald Trump greift er dann, wenn er versucht, seine tatsächlichen Wünsche zu verschleiern – nicht einmal seine Absichten, sondern eben seine Wünsche –, auf verschwommene, aufdringliche Floskeln und Feststellungen zurück, die wir während seiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten längst auswendig gelernt haben. Etwa in der Art, dass es diesen Krieg überhaupt nicht gegeben hätte, wenn er Präsident der Vereinigten Staaten gewesen wäre.

Doch was man eindeutig feststellen kann, wenn man all dieses weiße Rauschen analysiert, das Donald Trump in diesem Gespräch – wie übrigens in all seinen anderen Gesprächen – produziert, ist seine aufrichtige Überzeugung, dass Russland die Ukraine allein deshalb besiegen müsse, weil es größer sei. Dabei erklärt Trump jedoch nicht, warum Russland sie in den vergangenen vier Jahren nicht besiegt hat, warum er diese Frage überhaupt an den russischen Präsidenten Putin adressiert und warum die Vereinigten Staaten zugleich ihre Unterstützung für die Ukraine nicht einstellen werden. Und auch hier kann Donald Trump nicht erklären, weshalb.

Wir wissen jedoch warum. Weil sich die Mehrheit seiner Wähler für eine solche Unterstützung ausspricht. Und genau an diese Wähler denkt Donald Trump immer aufdringlicher, wenn vom Jahr 2026 die Rede ist. Und gerade vor diesen Wählern versucht er seine Sympathien für Russland und seine offensichtliche Antipathie gegenüber der Ukraine zu verbergen, weil er weiß, dass die überwältigende Mehrheit dieser Wähler die Haltung seiner eigenen Administration, die faktisch dem russischen Präsidenten Putin entgegenkommt, nicht unterstützt.

Im Fall Europas hingegen zügelt sich Trump überhaupt nicht mit seinen Bewertungen und Aussagen – offenbar weil er möglicherweise Umfragen kennt, die zeigen, dass seine Wähler weder besondere Sympathien noch besonderes Interesse an Europa haben. Seine Äußerungen sind, wie ich sagen würde, schlichtweg dumpf, reaktionär, konservativ – solche, die sich früher niemals ein Präsident einer großen Macht erlaubt hätte. Vielleicht hätte sich ein gewöhnlicher Bürger, ein Wähler Donald Trumps, solche Beleidigungen gegenüber den Europäern erlaubt – aber nur nach ein paar Krügen Bier in einer Kneipe. Ich erinnere daran, dass der Präsident der Vereinigten Staaten selbst mit Alkohol nichts zu tun hat. Er ist ein überzeugter Abstinenzler – und er ist stolz darauf.

Ich glaube, dass gerade Trumps Antipathie gegenüber Europa auch erklärt, warum er im russisch-ukrainischen Krieg im Grunde die Seite Russlands und nicht die der Ukraine eingenommen hat. Ihm gefällt Orbáns Europa, und das betont er ganz offen. Ihm gefällt eine Welt, in der ultrarechte Politiker regieren – eine Welt, die uns an die 1930er-Jahre des 20. Jahrhunderts in Europa oder an jüngere Zeiten in Lateinamerika erinnert. Trump verbirgt auch seine Sympathien für den heutigen Präsidenten Argentiniens, Milei, nicht, dessen Politik uns an die beschämende Epoche der argentinischen Militärjuntas erinnert.

Die Ukraine jedoch – ebenso wie die Mehrheit der europäischen Länder – ist tatsächlich ein demokratischer Staat, ein Staat, in dem die Ultrarechten, anders als im Russland Putins, das ständig das Thema sogenannter traditioneller, genauer gesagt neofaschistischer, neonazistischer Werte instrumentalisiert, keinen Durchbruch erzielt haben. Und hierin liegt der Hauptpunkt, ich würde sagen, der ideologischen Verhärtung Donald Trumps.

Er ist sich völlig bewusst, wie weit er von den europäischen Werten entfernt ist, die von der Ukraine geteilt werden, die Mitglied der Europäischen Union werden möchte. Er sieht, wie die Ukrainer jahrzehntelang dafür kämpfen, dass ihr Land sich gerade dieser liberalen, demokratischen, souveränen und freien Europa annähert. Während sein persönliches Ideal Diktaturen und harte Regime sind, die den Bürgern keine andere Alternative lassen, als ihren durchgedrehten Führern Beifall zu klatschen. Und – so paradox es klingt – der Präsident des größten demokratischen Staates der Welt klatscht gemeinsam mit diesen unterdrückten Massen Beifall.

Ich erinnere an den Applaus Donald Trumps für den Präsidenten Russlands, Putin, als dieser lässig aus seinem Flugzeug auf dem Flugfeld von Anchorage stieg, um sich mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu treffen und Donald Trump erneut genüsslich ins Gesicht zu spucken. Und manchmal scheint es mir, dass wir bald dieses Anspucken nicht mehr im übertragenen, sondern im wortwörtlichen Sinne erleben werden – mit jenem, wie ich sagen würde, offensichtlichen Maß an Verachtung. Der Präsident der Russischen Föderation und seine Gefolgsleute behandeln Donald Trump und das Team des amerikanischen Präsidenten – in dem Geschäftsleute mit Anhängern ultrarechter politischer Ansichten konkurrieren, den schrecklichsten Ansichten in der Geschichte der Menschheit, mit denen es in Sachen Grauen nur noch die ultralinken politischen Ansichten aufnehmen können, die tatsächlich zu einer Alternative zum ultrarechten Vektor in der Entwicklung der Vereinigten Staaten werden könnten. Und dann wird vielleicht niemand mehr glauben, dass allein die Ultrarechten die einzige Katastrophe der Menschheitsgeschichte gewesen seien.

Und dann stellt sich die Frage: Was soll man mit diesen Aussagen Trumps anfangen? Was soll man mit seinem Druck auf den Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, anfangen? Was soll man mit seinen ständigen Versuchen anfangen, die Ukraine dazu zu zwingen, auf eigenes Territorium zu verzichten? Was soll man mit seinen ständigen Vorwürfen anfangen, dass wir keine Wahlen durchführen können, während Trump keinerlei reale Möglichkeiten hat, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, und sich lediglich in der für ihn typischen selbstverliebten Demagogie ergeht?

Gar nichts soll man tun. Man sollte sich daran erinnern, dass es keinerlei Bedingungen gibt, unter denen die Russische Föderation in absehbarer Zukunft beabsichtigt, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Folglich wird es in den nächsten Jahren möglicherweise überhaupt kein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine geben. Und wenn es doch zu einer Plattform für einen Waffenstillstand zwischen den beiden verfeindeten Ländern und Völkern kommen sollte, dann wird dies das Ergebnis einer gegenseitigen Erschöpfung dieser Feinde und ihrer Unfähigkeit sein, den Krieg fortzusetzen – und Russland als den Aggressor in diesem Krieg betrifft das in erster Linie.

Trump kann also sagen, was immer er will, die ukrainische Führung von allem Möglichen zu überzeugen versuchen – doch die Schlüssel zum Arbeitszimmer des Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, hatte, hat und wird er in absehbarer Zeit nicht haben. Deshalb muss man diesen Bewusstseinsstrom genau als das behandeln, was er ist: ein Bewusstseinsstrom, der die Hilflosigkeit, Irrationalität, Betrügerei und Kurzsichtigkeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten tarnt. Und man muss sich darüber im Klaren sein, dass diese Person mit jedem Monat des amerikanischen Wahlkampfs immer mehr daran interessiert sein wird, die Macht zu bewahren – in erster Linie als Mittel zur Bewahrung der eigenen Sicherheit und Freiheit.

Ja, auch Trump denkt an seine eigene Freiheit – nicht nur wir –, und er wird in seinem Druck auf die Ukraine immer vorsichtiger werden, weil er immer stärker um seine eigenen Wähler buhlen wird, die mit seinem offen antiukrainischen – und nennen wir die Dinge beim Namen – damit auch antiamerikanischen Verhalten unzufrieden sind.

All das ist also wie ein Gewitter. Man muss es einfach abwarten – und sich natürlich keine überflüssigen Illusionen über die Möglichkeit eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges machen, denn davon hängt es nicht ab, weder heute noch bislang, und selbst nicht von Trump, auch wenn wir hoffen wollen, dass sein wirtschaftlicher Druck auf Russland früher oder später Wirkung zeigen wird. Es hängt von Putin ab, der an diesem neuen ausführlichen Interview Trumps über den russisch-ukrainischen Krieg allerdings nicht teilgenommen hat.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Інтерв’ю Трампа: головне| Віталій Портников. 09.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 09.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung vonViktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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