Prorussische Regierung in Bulgarien | Vitaly Portnikov. 02.11.2026.

Ilijana Jotowa, die ehemalige Vizepräsidentin Bulgariens und politische Verbündete des amtierenden Ministerpräsidenten und ehemaligen Präsidenten Rumen Radew, hat die Wahl zum neuen Staatsoberhaupt Bulgariens mit großem Vorsprung gegen den Oppositionskandidaten, den ehemaligen geschäftsführenden Ministerpräsidenten Andrej Gjurow, gewonnen.

Dieser Sieg war schon deshalb vorhersehbar, weil im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl Konstantin Kostadinow, ein Vertreter der offen prorussischen Kräfte im politischen Spektrum Bulgariens, auf dem dritten Platz lag. Und ich persönlich hatte keinerlei Zweifel daran, dass die Anhänger von Konstantin Kostadinow im zweiten Wahlgang der bulgarischen Präsidentschaftswahl gerade Jotowa unterstützen würden. Das erklärt auch ihren großen Vorsprung vor dem Oppositionskandidaten im Vergleich zum ersten Wahlgang, als ein solcher Abstand zwischen der Vertreterin der Regierung und dem Vertreter der Opposition überhaupt nicht zu beobachten war.

Die gesamte prorussische Wählerschaft wechselte zu Jotowa. Man kann sagen, dass praktisch dasselbe geschah wie bei der ukrainischen Präsidentschaftswahl 2019, als praktisch alle Wähler der prorussischen Kandidaten bei dieser Wahl, Bojko und Wilkul, für Volodymyr Zelensky stimmten. Dem damaligen Präsidenten Petro Poroschenko blieb nur die nationaldemokratisch orientierte Wählerschaft. Und selbst die, könnte man sagen, nur teilweise.

Wenn man diesen Vergleich fortsetzt, kann man erkennen, dass Andrej Gjurow unter jenen Wählern, die weiterhin am prowestlichen, proeuropäischen und NATO-freundlichen Kurs Bulgariens festhalten, tatsächlich sogar mehr Anhänger hat. Aber wie viele solcher Wähler es auch geben mag, in Bulgarien ist nun eine Machtkonstellation entstanden, die der Politik von Ministerpräsident Rumen Radew in keiner Weise im Weg stehen wird. Ihm ist es erstmals seit vielen Jahren gelungen, sämtliche Machtinstrumente in seinen eigenen Händen zu konzentrieren. Denn die neue Präsidentin Bulgariens wird eher eine Beamtin der Regierung sein als eine Persönlichkeit mit eigenständigem politischem Willen.

Das ist ein ziemlich wichtiger Punkt. Als Rumen Radew selbst Präsident war, bremste er mit seinen prorussischen Ansichten eher die Tätigkeit jener Regierungen, deren Regierungschefs versuchten, sich in Richtung einer Solidarität mit der Politik der Europäischen Union zu bewegen. 

Radew sprach sich sowohl damals als auch heute, da er die Regierung führt, gegen die Fortsetzung der militärischen Hilfe für die Ukraine und für eine sogenannte diplomatische Lösung der Ukraine-Krise aus. Mit denselben Thesen tritt auch die neue Präsidentin Bulgariens auf, die der Ansicht ist, dass militärische Hilfe für die Ukraine den russisch-ukrainischen Krieg nur verlängert und nicht zu seiner Beendigung beiträgt. Und hier können wir an der Übereinstimmung der Positionen der Präsidentin und des Ministerpräsidenten Bulgariens nicht einmal zweifeln.

Gleichzeitig sollte man daran denken, dass Rumen Radew schlicht nicht über jene Möglichkeiten verfügt, die Positionen der Europäischen Union und der NATO zu beeinflussen, die der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere hatte. Denn der bulgarische Ministerpräsident muss die wirtschaftliche Abhängigkeit seines Landes von europäischer Hilfe und europäischen Fonds berücksichtigen. Und deshalb war der neue Ministerpräsident zumindest nach der Bildung der neuen bulgarischen Regierung – und schon damals stand Radew nichts Besonderes mehr im Weg, weil Jotowa als ehemalige Vizepräsidentin die Aufgaben des bulgarischen Staatsoberhauptes wahrnahm – in seiner Haltung zur Fortsetzung der Sanktionspolitik der Europäischen Union und bei der Unterstützung von NATO-Beschlüssen dennoch ziemlich vorsichtig. Ja, mit Worten sprach er sich gegen viele Entscheidungen der Europäer aus, aber zumindest boykottierte er sie nicht und verhinderte ihre Verabschiedung nicht, wie es Viktor Orbán während seiner Amtszeit als ungarischer Ministerpräsident tat. Und wie es der slowakische Ministerpräsident Robert Fico von Zeit zu Zeit zu tun versucht.

Aber schon die Tatsache, dass es in der Europäischen Union jetzt gleich zwei Regierungen gibt, die mit vereinten Kräften Entscheidungen der Europäer blockieren und einander unterstützen können, falls Brüssel versucht, sie an ihre eigenen Verpflichtungen zur europäischen Solidarität zu erinnern, ist ein ziemlich beunruhigendes Signal für die Zukunft. Es genügt, dass ein großer europäischer Staat hinzukommt, der von Vertretern prorussischer, antieuropäischer Kräfte geführt wird. Nehmen wir beispielsweise an, dass Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich im nächsten Jahr gewinnt. Ein solches Staatsoberhaupt mit erheblichem wirtschaftlichem Einfluss könnte sich in der Europäischen Union eine ganze Koalition von Menschen schaffen, die Verständnis für die Sicherheitsbedenken des russischen Präsidenten Putin haben und sich gegen weitere Hilfe für die Ukraine aussprechen. Was sich der Ministerpräsident Bulgariens oder der Ministerpräsident der Slowakei niemals erlauben könnte, könnte sich die Präsidentin Frankreichs natürlich erlauben.

Aber die bulgarische Präsidentschaftswahl hat auch gezeigt, dass es in diesem Land viele Wähler gibt, die bereit sind, die europäische Entscheidung ihres Staates zu verteidigen, selbst angesichts der Begeisterung der Mehrheit der Bulgaren für die Persönlichkeit und die politischen Versprechen Rumen Radews. Das Wichtigste ist, dass es weder der neuen Präsidentin noch dem neuen Ministerpräsidenten gelingen wird, ihre politischen Versprechen einzulösen, die mit einer Verbesserung der Lage infolge einer engeren Zusammenarbeit mit China oder Russland verbunden sind. Und natürlich trägt auch die Tatsache, dass Radew versucht, die destabilisierende Rolle der Russischen Föderation im Schwarzen Meer und die Angriffe auf Schiffe im Schwarzmeerraum zu ignorieren, nicht zur Popularität des bulgarischen Ministerpräsidenten und der mit ihm verbundenen prorussischen politischen Kräfte bei. Man kann also sagen, dass die Grundlage für eine Wiederbelebung der proeuropäischen Rolle Bulgariens vorhanden ist.

Gleichzeitig ist aber klar, dass selbst dann, wenn es den proeuropäischen Kräften im nächsten Wahlzyklus gelingen sollte, die Macht zurückzugewinnen, nicht ausgeschlossen ist, dass sie es dann mit einer prorussischen Präsidentin zu tun bekommen, die die Wahl 2026 gewonnen hat. Und die Geschichte mit Rumen Radew wird sich unter neuen Vorzeichen wiederholen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Проросійська влада у Болгарії | Віталій Портников. 02.11.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 02.11.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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