Solowjow wurde als Hund bezeichnet | Vitaly Portnikov. 13.01.2026.

Der russische Botschafter in Armenien, Sergej Kopyrkin, wurde ins Außenministerium dieses Landes einbestellt, um ihm im Zusammenhang mit feindseligen Äußerungen, die auf einem der Kanäle des russischen Staatsfernsehens gefallen waren, Protest zu übermitteln. Es geht natürlich um die Aussagen des Fernsehmoderators Wladimir Solowjow, der dazu aufgerufen hatte, eine sogenannte „militärische Spezialoperation“ in Armenien zu beginnen.

Diese Aufrufe Solowjows haben in Jerewan besondere Empörung ausgelöst. Der stellvertretende Sprecher des armenischen Parlaments, Ruben Rubinian, verglich Solowjow mit einem Hund, dessen Bellen den Karawanen nicht daran hindern dürfe, sich in die richtige Richtung zu bewegen.

Empörung über Solowjows Äußerungen ist auch in den Ländern Zentralasiens zu hören – bisher allerdings nur auf der Ebene einzelner Abgeordneter. So forderte der kirgisische Abgeordnete Dostan Bekeschew die Führung seines Landes auf, Wladimir Solowjow wegen seiner Aufrufe zu möglichen „Spezialoperationen“ in Zentralasien zur Persona non grata zu erklären. Und der usbekische Abgeordnete Babur Bekmurodow riet dem russischen Fernsehmoderator sogar, lieber mit seiner Nachtigall zu spielen (Wortspiel auf seinen Namen Solowjow und eine spöttische Anspielung auf sein eigenes Propagandageschwätz), statt mit Aussagen aufzutreten, die das internationale Recht verletzen.

Dabei muss man eine einfache Sache verstehen. Solowjow hat lediglich das ausgesprochen, worüber in den höchsten Kreisen der russischen politischen Führung schon lange gesprochen wird. Man kann sagen: Was Putin im Kopf hat, hat Solowjow auf der Zunge. Denn der abgebrühte russische Propagandist versucht vor allem, der russischen Obrigkeit zu gefallen.

Es interessiert ihn überhaupt nicht, was die Führungen der postsowjetischen Staaten darüber denken, wie seine Äußerungen in Jerewan, Bischkek oder Taschkent kommentiert werden. Das Hauptziel der russischen politischen Führung ist die sogenannte „Korrektur des Fehlers von 1991“, also die Rückkehr der heutigen Russischen Föderation zu den Grenzen der Sowjetunion.

Beim FSB kann man sich bis heute nicht damit abfinden, dass die Zerschlagung des Parteiapparats und seine faktische Ersetzung durch Leute aus dem System des sowjetischen KGB nur dazu geführt hat, dass der ehemalige KGB heute lediglich jenen Teil des Territoriums der Sowjetunion kontrolliert, der zum Zeitpunkt des Zerfalls des kommunistischen Imperiums die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik war. Dabei wissen wir sehr genau, dass man an der Lubjanka mit der Kontrolle über die gesamte Sowjetunion gerechnet hatte. Deshalb war die Unabhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepubliken eine so bittere Überraschung für die Tschekisten. Deshalb wird Wladimir Putin den Zerfall der Sowjetunion später als die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Deshalb wird der russische Präsident schon in seiner Zeit als Vizebürgermeister von Sankt Petersburg – man stelle sich das vor, bereits 1991 – den Bolschewiki vorwerfen, sie hätten durch die Schaffung der Unionsrepubliken selbst die Voraussetzungen für den Zerfall des einst durch den Bürgerkrieg zusammengeschweißten Imperiums geschaffen.

Und es ist klar, dass der brutale Krieg gegen die Ukraine Teil von Putins Bemühungen ist, diesen sogenannten Fehler von 1991 zu korrigieren. Denn Russland ging genau zu dem Zeitpunkt zu aktiven Kampfhandlungen gegen das Nachbarland über, als klar wurde, dass es – wenn auch in ferner Zukunft – objektive Möglichkeiten für einen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union und zur NATO gibt und damit die Möglichkeit, ukrainische Gebiete einfach in die Russische Föderation einzugliedern, ohne einen ernsthaften Konflikt mit dem Westen, nicht mehr bestehen würde.

Seit 1991 versuchte Russland, die ehemaligen Sowjetrepubliken in einer Art geopolitischem Kühlschrank zu halten. Entweder sie schlossen sich prorussischen Projekten wie der OVKS oder der Eurasischen Wirtschaftsunion an oder bewahrten zumindest Neutralität. Sobald man in Moskau sah, dass eine ehemalige Sowjetrepublik in Richtung Westen driftete, verwandelte sie sich sofort in einen „Staat mit Handicap“, in ein Land mit unklaren Grenzen.

So war es in Moldau und Georgien. Russland hielt jahrzehntelang eine geopolitische Falle im Südkaukasus für Armenien und Aserbaidschan aufrecht. Sobald klar wurde, dass eine ehemalige Sowjetrepublik reale politische Alternativen bekam, begann sofort wirtschaftlicher oder sogar militärischer Druck.

Man kann sagen, dass der große Krieg Russlands gegen die Ukraine die Kulmination dieses Drucks ist. Doch erinnern wir uns an die Kriege in Moldau und Georgien schon in den 1990er Jahren. Erinnern wir uns an den Karabach-Konflikt, an die Konflikte in Zentralasien, an den Krieg Russlands gegen Georgien 2008 – und wir verstehen, dass der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, der 2014 mit der Okkupation und Annexion der Krim begann, die Kulmination jahrzehntelanger Bemühungen des Kremls ist, den Einfluss und die Souveränität der Nachbarstaaten zu zerstören und Bedingungen für ihre spätere Einverleibung zu schaffen.

Und selbst wenn Putin heute nicht mehr die Kräfte für solche Schritte hat, so sind die Wünsche doch geblieben. Und je weniger Zeit und Möglichkeiten für die vollständige Unterwerfung der Ukraine bleiben und je brutaler der Krieg gegen dieses Land wird, desto größer werden zumindest die propagandistischen Ambitionen des Kremls.

Deshalb beleidigt Wladimir Solowjow die Nachbarstaaten Russlands ganz bewusst und beruft sich dabei auf amerikanische Aktionen in Lateinamerika. „Wenn Trump das darf, dann dürfen wir es erst recht. Denn im Unterschied zu Trump haben wir unsere Nachbarländer nie als wirkliche Staaten betrachtet.“ Genau das lässt sich aus den beleidigenden Aussagen Solowjows herauslesen.

Deshalb ging der Fernsehmoderator auch bewusst auf diese Provokation ein – in dem Wissen, dass er damit die Menschen in den Nachbarstaaten Russlands beleidigt. Aber dafür wird es Putin gefallen und all jenen, die versuchen, den russischen Präsidenten davon zu überzeugen, dass seine Pläne, Russland wieder in die Sowjetunion zu verwandeln und ihn selbst zum Imperator eines prorussischen Reiches zu machen, früher oder später Wirklichkeit werden – notfalls durch neue blutige Kriege im postsowjetischen Raum.


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Titel des Originals: Соловьева назвали собакой | Виталий Портников. 13.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.01.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Solowjow ruft zur Zerstörung der Ukraine auf | Vitaly Portnikov. 14.11.2025.

Der widerwärtige Putin-Agitator Wladimir Solowjow ruft dazu auf, Kyiv zu fluten, Charkiw, Odesa, Dnipro, Mykolajiw, Sumy und andere ukrainische Städte zu vernichten. Er schämt sich inzwischen nicht einmal mehr für diese menschenfeindlichen Aufrufe.

Noch vor einigen Jahren verstand jeder, dass Aufrufe zur Zerstörung von Städten mit Millionenbevölkerung ein echter Aufruf zum Völkermord sind, der übrigens nach den entsprechenden Artikeln des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation selbst verfolgt werden müsste. Doch heute kann man sagen, dass alle roten Linien überschritten wurden.

Solowjow versucht, ein Adept des Terrors und der Verbrechen zu sein, weil er versteht, dass solche Aufrufe dem russischen Präsidenten Putin und der politischen Führung Russlands gefallen werden, dass genau solche Pläne zur Zerstörung von Kyiv, Charkiw, Odesa und anderer ukrainischer Städte im Kreml diskutiert werden. Und er muss der Erste sein, der diese menschenfeindlichen Träume Putins ausspricht.

Wenn ich sage, dass das Hauptziel des russischen Präsidenten die Zerstörung der Ukraine sei und dass Putin das Territorium unseres Staates in erster Linie als Sprungbrett zur Kontrolle über Europa wahrnimmt, können viele denken, dass ich übertreibe, dass ich ein Propagandist sei, der sich nicht mit der Möglichkeit einer Einigung mit der Russischen Föderation abfinden könne und daher vorschlage, weiter gegen eines der brutalsten Länder der modernen Welt zu kämpfen. Aber in meinen Aussagen gibt es, wie Sie sehen, keinerlei Propaganda. Ich stelle einfach nur Fakten fest. Fakten, die mit den Überzeugungen jener Führung verbunden sind, die heute in der Russischen Föderation existiert. Fakten, die mit dem Wunsch der Propagandisten zusammenhängen, sich vor dieser Führung einzuschmeicheln – selbst durch die Verkündung der abscheulichsten Thesen der Menschheitsgeschichte, Thesen, die mit den menschenfeindlichen Plänen der Hitler-Nazis konkurrieren könnten, mit dem einzigen Unterschied, dass diese ihre Absichten – sagen wir – zur endgültigen Lösung der Judenfrage und zur Vernichtung von Millionen Menschen nicht offen aussprachen, so wie im stalinistischen Kreml die Pläne zur Vernichtung von Millionen Ukrainern infolge des verbrecherischen Holodomors nicht offen ausgesprochen wurden. Solowjow aber verkündet all diese Pläne zur Tötung von Millionen Ukrainern in den größten ukrainischen Städten im russischen Fernsehen, damit niemand an den tatsächlichen Absichten Moskaus zweifelt.

Und natürlich zerstört das völlig die russische Mythologie darüber, dass die Ukraine eine Fortsetzung Russlands sei, dass auf dem Territorium unseres Staates ein Brudervolk lebe und überhaupt darüber, dass Ukrainer dieselben Russen seien. Wenn man in Moskau das wirklich glauben würde, hätte sich der widerwärtige Propagandist nicht erlaubt, vorzuschlagen, Millionen solcher „gleichen Russen“ zu vernichten – nur weil es den russischen Banditenarmeen nicht gelingt, das Territorium unseres Landes zu besetzen und Russland nun schon seit vier Jahren gezwungen ist, der ganzen Welt seine eigene Grausamkeit, Hilflosigkeit und Niedertracht zu demonstrieren.

Wie wir sehen, gehen die russischen Propagandisten gerade aus dieser Hilflosigkeit und Niedertracht zu den schrecklichsten, hinterhältigsten, abscheulichsten Einschüchterungen über und begehen faktisch Verbrechen live auf Sendung. Wenn es der zivilisierten Welt eines Tages gelingt, durch wirtschaftlichen und politischen Druck das menschenfeindliche russische Regime zu demontieren, ist es wichtig, dass Leute wie Solowjow tatsächlich für ihre Aufrufe und ihre propagandistischen Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden, damit sie später nicht behaupten können, sie hätten alles verstanden, aber keine andere Wahl gehabt. Damit Menschen, die lebenslange Strafe verdienen und ihr ruhmloses und untalentiertes Leben im Gefängnis beenden sollten, auch tatsächlich in diesen Gefängnissen landen – ohne jede Chance, das Tageslicht wiederzusehen, nachdem sie ihre eigenen Landsleute dazu aufgerufen haben, die Ermordung von Millionen – ich betone, Millionen – Frauen und Kindern, älteren Menschen, einfach lebenden Menschen zu unterstützen, die Solowjow töten will, weil sie mit der Politik seines Herrn Putin, mit der Politik einer verbrecherischen Organisation, die nur so tut, als sei sie ein Staat, nicht einverstanden sind.

Denn Staaten verhalten sich nicht so, wie Russland sich verhält. So verhalten sich nur wilde terroristische und mafiöse Gruppierungen. Und natürlich gab es immer schon das Verständnis, den Verdacht, dass Russland eine solche mafiöse Organisation ist, die sich als Staat ausgibt. Aber jetzt hat selbst dieses russische politische Regime nicht mehr das Bedürfnis, sich zu tarnen. Und Solowjow deckt praktisch die Karten auf, die auf dem Schreibtisch des russischen Präsidenten liegen.

Das wäre übrigens etwas, was Donald Trump sich anschauen und verstehen sollte. Welche Karten hat Putin auf seinem Schreibtisch und in seinen Taschen? Karten des Mordes, der Gewalt, der Vergewaltigung, des Völkermords – zu dem vom Bildschirm des russischen Fernsehens aufgerufen wird, so wie einst in Ruanda aus den Lautsprechern eines der Radiosender zu massenhaften Morden an den eigenen Landsleuten aufgerufen wurde. 

Allerdings kamen jene, die damals dazu aufriefen – wenn auch nicht sofort, sondern nach Jahrzehnten – auf die Anklagebank des Internationalen Tribunals und befinden sich heute genau dort, wo jene sein müssen, die zu Morden an unschuldigen Menschen aufrufen. Und ich glaube aufrichtig, dass Solowjow und andere Teilnehmer seiner widerwärtigen Propagandashow ebenfalls dort landen werden, wo Wiederholungstäter, Mörder und Psychopathen landen, dort, wo jene Unmenschen sein müssen, die sich von Angst ernähren und von Träumen über die Ermordung von Millionen. Ich weiß nicht, wo überhaupt der Boden, der Tiefpunkt, für die russische Propaganda und diese Schurken ist.


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Titel des Originals: Соловйов закликає зруйнувати Україну | Віталій Портников. 14.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 14.11.2025
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Markow wurde wegen Alijew bestraft | Vitaly Portnikov. 23.08.2025.

Der russische Propagandist Sergej Markow, der viele Jahre treu und ergeben dem Tschekisten-Regime diente, ist auf die Liste der „ausländischen Agenten“ geraten – eine Liste, die ursprünglich dazu gedacht war, diejenigen zu brandmarken, die diesem Regime nicht dienen oder, sagen wir, nicht ausreichend dienen.

Markow hingegen ist überzeugt, dass er mehr als genug gedient habe, und beklagt sich in nahezu jedem seiner neuen Beiträge in den sozialen Netzwerken bei Putin, er behaupte, es sei ein „schrecklicher Fehler“ geschehen. Mir jedoch scheint, dass kein schrecklicher Fehler passiert ist, sondern vielmehr eine konsequente „Weiterentwicklung“ eben jenes totalitären Regimes, an dessen Aufbau Sergej Markow selbst tatkräftig beteiligt war.

Solche Leute träumten seit den 1990er Jahren – man könnte sagen, noch seit den Zeiten Michail Gorbatschows – von der „starken Hand“, vom Autoritarismus und von der Diktatur. Ja, sie verstanden es, sich der Demokratie anzupassen, behaupteten, sie stünden für Meinungsfreiheit, befanden sich aber in Wahrheit stets auf der Suche nach einem Diktator, der ihre Mittelmäßigkeit und ihre dienerische Loyalität angemessen zu würdigen wüsste.

Dass autoritäre Regime früher oder später ihre eigenen Anhänger verschlingen und nicht nur Gehorsam verlangen, sondern absolute Hingabe sowie das Gespür dafür, wie sich der Kurs ändert, haben sie offenbar nicht begriffen. Dabei hätten sie nur in die Geschichte der Sowjetunion blicken müssen – in die stalinistische Sowjetunion –, wo sich die Spielregeln buchstäblich jedes Jahr änderten und jederzeit ehemalige Politbüromitglieder, beliebte Schriftsteller, Journalisten und Schauspieler, die noch kurz zuvor die Gunst des „Führers“ genossen hatten, plötzlich auf der Anklagebank saßen.

Und diese Figuren waren weitaus bedeutender als ein Sergej Markow. Sie wurden nicht einfach zu „ausländischen Agenten“ erklärt – obwohl Markow das vielleicht noch bevorsteht. Sie wurden inhaftiert, in Lager geschickt oder erschossen. 

Und viele von ihnen – die, die nicht erschossen wurden – blieben dennoch Stalinisten bis ans Lebensende. Erinnern wir uns etwa an Polina Schjemtschuschina, die Ehefrau von Wjatscheslaw Molotow, die in den Lagern landete, um ihren eigenen Mann einzuschüchtern, während dieser Mitglied des Politbüros blieb. Polina blieb dennoch eine treue Stalinistin bis in ihre späten Rentnerjahre. Und ihr Enkel, Molotows Enkel, der Politologe Nikonorow, durchlief exakt denselben Weg der politischen Anpassung wie Sergej Markow – ohne jemals darüber nachzudenken, dass er selbst ein System stützte, das beinahe seine eigene Großmutter vernichtet hätte.

Genau dieses Problem hat auch Markow – das Problem aller Anpasser und Diktaturanhänger zu allen Zeiten. An ihrem Beispiel demonstriert das Regime, wie absolut loyal und wie vorausschauend man sein muss, um den Kurswechsel zu verstehen, noch bevor er offiziell vollzogen ist.

Wir alle verstehen sehr gut, dass Sergej Markow nicht zufällig in die Liste der „ausländischen Agenten“ aufgenommen wurde. Grund dafür ist, dass er offenkundige Sympathien für den aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew bekundete und Aserbaidschan unterstützte – selbst dann, als sich die Beziehungen zwischen Baku und Moskau rapide verschlechterten und der Politologe dies entweder nicht bemerkte oder nicht bemerken wollte, weil seine Verbindungen zu Aserbaidschan nicht nur „platonischer“ Natur waren.

Und so wird nun demonstriert: Lieben darf man nur Putin. Putin selbst darf hingegen jeden lieben, den er will. Ironischerweise landete Markow gerade dann auf der Liste der „ausländischen Agenten“, als der Präsident der Russischen Föderation der Ehefrau des aserbaidschanischen Präsidenten – zugleich Vizepräsidentin des Nachbarstaates – zum Geburtstag gratulierte. Doch was Putin erlaubt ist, ist Markow nicht erlaubt.

Putin wird nie auf diese Liste geraten. Er stellt sie selbst zusammen. Und Putin kann durchaus diejenigen beglückwünschen, die seine politische Linie nicht teilen – während er jene, die ihm zustimmen, gleichzeitig als „ausländische Agenten“ brandmarken kann. Hier braucht man keine besonderen Emotionen.

Und es hat auch keinen Sinn, Putin mit Worten zu beschwören: „Es ist ein schrecklicher Fehler passiert, Iossif Wissarionowitsch, pardon, Wladimir Wladimirowitsch.“ Schließlich war es Markow selbst, der uns jahrzehntelang einzureden versuchte, Putin irre sich niemals, sei ein Humanist, ein Realist – und überhaupt der gütigste Mensch auf Erden.

Warum also, wenn Putin ukrainische Frauen und Kinder tötet, wenn er ukrainische Städte bombardiert, wenn er seine Truppen in fremde Länder schickt – nach Georgien, in die Ukraine, in andere Staaten –, wenn er neue Terrorakte in Europa andeutet, wenn er die Lage destabilisiert, wenn er anständige Menschen zu „ausländischen Agenten“ erklärt und jene in Russland verfolgt, die gegen seinen Angriffskrieg aufstehen: warum irrt er sich dann nicht? Aber sobald Sergej Markow selbst zum „ausländischen Agenten“ erklärt wird, soll es plötzlich ein „Fehler“ sein?

Nein. Entweder Putin irrt sich nie – und dann ist auch die Einstufung Markows als „ausländischer Agent“, vielleicht gefolgt von einem Gerichtsverfahren und der Verbannung des Politologen in ferne Lager, kein Fehler. Oder Putin kann eine ganze Reihe von Fehlern begehen – und dann fallen eben viele dieser „Fehler“, die Markow bislang verteidigte und fast schon als Wohltaten darstellte, nun auf ihn selbst zurück.

Denn man sollte nicht dienern, nicht sein eigenes Gewissen verraten, nicht der ewige Anpasser sein, der jedem nach dem Mund redet, der ihm entweder ein Abgeordnetenmandat in der Duma oder – wenn er längst aus dem Spiel gefallen ist – eine Einladung zu irgendeiner Konferenz bezahlt, bei der er Journalisten Interviews geben und sich im Scheinwerferlicht sonnen darf.

Für alles muss man zahlen. Für Lüge, für Verleumdung, für das völlige Fehlen von Gewissen und gesundem Menschenverstand. Dafür zahlt man nicht nur in der demokratischen Welt, wo Propagandisten dieser Art ohnehin wie Kriegshetzer behandelt werden müssten. Man zahlt auch im eigenen Land – einem Land, das immer verrückter und totalitärer wird und das folglich nicht nur die Gegner bestraft, sondern ganz im Geiste des Totalitarismus auch jene, die ihm dienen.

Vielleicht sollte Markow sich, da er bald ohnehin für niemanden mehr von Nutzen sein wird, in seiner freien Zeit noch einmal die Geschichte der stalinistischen Sowjetunion vornehmen – und gründlich darüber nachdenken, was mit ihm selbst als Nächstes geschehen könnte.

Geburtstag einer Lügnerin | Vitaly Portnikov. 06.04.2025.

In der Ukraine ist heute Trauer. Trauer um die Opfer der Bombardierung von Krywyj Rih, und der Versuch, die Folgen des neuen massiven Angriffs russischer Krimineller auf ukrainische Städte und Dörfer, einschließlich Kyiv, zu verstehen.

Im Westen werden die für die Weltwirtschaft zerstörerischen Zölle von Donald Trump diskutiert, sowie der Beginn von Protesten in Amerika gegen die Politik des neuen alten amerikanischen Präsidenten.

Und Russland hat seine eigene Tagesordnung, dort ist es ein Feiertag. Und das nicht nur, weil es den russischen Mördern gelungen ist, ukrainische Zivilisten und ukrainische Infrastrukturobjekte zu zerstören. Natürlich sorgt dies immer für gute Laune im Umfeld russischer Politiker und Propaganda, denn diese Leute sind wahre Todessüchtige. Aber es gibt noch einen weiteren Grund zum Feiern. Der 45. Geburtstag der russischen Propaganda-Chefin Margarita Simonjan.

Dieses Jubiläum ist absolut nicht zufällig eine öffentliche Veranstaltung in den russischen Medien. Man kann Glückwünsche an die Propagandachefin lesen, die ein reiner Staffellauf derer ist, die man als Partei des Verbrechens und des Krieges bezeichnen kann.

Dazu gehört der russische Außenminister Sergej Lawrow, der sich längst von einem Diplomaten zu einem Verteidiger der kriminellen Putin-Politik und zu einem Menschen gewandelt hat, der alle menschlichen Werte leugnet.

Und Patriarch Kirill, der zum Oberhaupt einer menschenfeindlichen Sekte geworden ist, die sich aus unerklärlichen Gründen christliche Kirche nennt.

Und der Leiter des Untersuchungsausschusses Alexander Bastrykin, der Menschen nur deshalb festnimmt, weil sie die schreckliche und mörderische Politik des Kremls kritisieren und gegen den Krieg protestieren, den Putin gegen die Ukraine begonnen hat.

Das heißt, jeder der hochrangigen Verbrecher, der auf der Anklagebank eines neuen Nürnbergs gehört, Simonjan, die ebenfalls zusammen mit ihnen auf dieser Anklagebank sitzen sollte, zum Geburtstag gratuliert.

Aber man muss zugeben, dass Simonjan nicht nur ein Symbol der russischen Propaganda ist. Sie ist die Verkörperung ihrer Möglichkeiten. Denn Simonjan hat nicht nur eine raffinierte Lügen- und Propagandamaschine geschaffen, die Fakten erfindet und die Wahrheit verschweigt. Es ist ihr gelungen, diese Maschinerie der Lügen in der zivilisierten Welt, in den westlichen Länder zu verbreiten. 

Früher haben wir darüber gesprochen, wie effektiv die Tätigkeit der russischen Medien hier in der Ukraine ist. Denn ein großer Teil unserer Landsleute hat aufgrund des Einflusses des russischen Fernsehens für prorussische Projekte, für Populisten und andere Schurken gestimmt. 

Und das begann bereits in den 90er Jahren. Man kann sagen, dass die Wahlen von 1994, als Leonid Kutschma zum neuen ukrainischen Präsidenten gewählt wurde, genau durch den Einfluss des russischen Fernsehens beeinflusst wurden.

Und genau dank dieser russischen Unterstützung verwandelte sich die Ukraine in einen oligarchischen Staat, der die Gefahr eines russischen Angriffs nicht erkannte und sich vor dem zukünftigen Aggressor entwaffnete.

All dies dauerte Jahre, Jahrzehnte, bis 2014, als Russland, um auf einen Revanche hoffen zu können, seine eigene Propaganda-Maschine in prorussische Propagandakanäle und in die Präsenz im Internet umbauen musste. Und diese russische und prorussische Propaganda wirkt auch heute noch. 

Aber Simonjan hat es geschafft, weit mehr zu erreichen, als nur diejenigen zu bearbeiten, die früher Nachbarn in der ehemaligen Sowjetunion waren. Dank ihr arbeitet die russische Propaganda mit dem Bewusstsein der Bewohner westlicher Länder. Und sie hat auch gute Ergebnisse erzielt.

Das Wachstum prorussischer, rechtsextremer Einstellungen in Ländern wie den europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten ist also das Ergebnis der meisterhaften Tätigkeit Simonjans und derer, die sich bereit erklärt haben, für russische Rubel, die in Dollar ausgezahlt werden, für die russische Propagandamaschine zu arbeiten.

Und ja, die Ergebnisse dieser Tätigkeit können zu einer ernsthaften politischen und wirtschaftlichen Krise im Westen führen, zu einer Schwächung der zivilisierten Welt, zur Verwandlung Russlands in einen politischen Hegemon Europas. Man kann also sagen, dass die russischen Propagandisten und ihre Agenten in den westlichen Ländern nicht umsonst für Simonjan arbeiten.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der es ermöglicht, von Simonjan als einem wahren Symbol der russischen Propagandabeamten zu sprechen, ist ihre bekannte Korruption.

Aus den oppositionellen russischen Medien wissen wir bereits, dass die Familie Simonjan nicht aus Idealismus für die russische Propaganda arbeitet, dass sie, wie andere elende russische Propagandisten, die lügen und die Realität verzerren, dafür unglaubliche Möglichkeiten erhalten, und zwar aus dem russischen Staatshaushalt.

Und die Tatsache, dass es sich um Lügen für viel Geld handelt, lässt auch darauf schließen, wie ernst das Interesse all dieser Propagandisten daran ist, dass ihr Land weiterhin Böses tut. Denn, wie wir alle wissen, überleben solche Leute in einem wettbewerbsorientierten Umfeld nicht.

Ein weiteres wichtiges Merkmal von Simonjan ist, wie bei vielen ihrer Kollegen, die Mittelmäßigkeit. Ohne Putin, ohne die Rückkehr zu Lügenmedien, ohne den Wunsch, Russland in eine neue Art von stalinistischer Diktatur zu verwandeln, ohne die Zerstörung unkontrollierter Medien und sogar jener Medien, die vorgeben mussten, unkontrolliert zu sein, hätten wir nie von der Existenz all dieser Menschen erfahren. Solche Leute können nur dann lügen, stehlen und andere Länder einer Gehirnwäsche unterziehen, wenn sie einem Autoritarismus dienen, der jeglichen Wettbewerb vernichtet. 

So wie Putin nur als Politiker angesehen werden kann, weil es in Russland keine Politik gibt, so kann Simonjan nur als Journalistin angesehen werden, weil es in Russland keinen Journalismus gibt. So kann Lawrow wie ein Diplomat angesehen werden, weil es in Russland keine Diplomatie gibt, und Patriarch Kyrill kann nur wie ein Patriarch angesehen werden, weil es in Russland keinen Gott gibt. Und keine noch so große Anzahl von Glückwünschen wird diese einfachen Wahrheiten aufheben.

Die Methoden der russischen Propaganda. Vitaly Portnikov. Verkürzt. 23.01.25.

Wenn wir Russland besiegen wollen, muss unsere Einstellung zum Wert des Lebens, auch wenn es höher ist als das russische, auf dem Niveau bleiben, auf dem es sich befindet. Es geht nicht um den Wert des ukrainischen Lebens, sondern um den Wert des Lebens des Feindes in den Augen der Ukrainer.

Was bedeutet das in der Praxis? Das bedeutet unsere Bereitschaft zum Widerstand. Europäische Journalisten, Militärs haben immer gesagt, dass, wenn Russland ihre Länder angegriffen hätte, nicht klar wäre, wie hoch der Widerstand dort wäre, nicht im Hinblick auf den Mut der Bewohner dieser Länder, sondern im Hinblick auf ihre mangelnde Bereitschaft, den Aggressor zu töten, den Besatzer zu töten. Und das haben wir übrigens immer wieder gesehen, als Moskau auf europäisches Gebiet kam oder als das Dritte Reich dorthin kam.

Dieser Humanismus behindert die Möglichkeit, wirklich gegen die Gefahr zu kämpfen. Und in Aggressorstaaten, in Ländern wie Russland, ist der Wert des fremden Lebens gleich Null. Sogar eigenes Leben hat da keinen großen Wert, von dem fremden ganz zu schweigen. Es gibt eine ganze Kultur des Todes in der russischen Gesellschaft, im Alltag. Und die Russen nutzen dies, wenn sie in fremde Länder einmarschieren, dass sie völlig gleichgültig töten können, und ihre Gegner diesbezüglich Hemmungen haben.

So stellte sich heraus, dass wir viel mehr zu einem solchen Widerstand bereit sind als unsere Nachbarn in Europa. Dass der Wert des russischen Lebens bedeutet uns nicht viel. 

Und es gibt noch etwas, was ich nicht verstehen würde, wenn ich nicht an der Fakultät für Journalismus der Moskauer Universität studiert hätte. Aber da ich studiert und meinen Abschluss gemacht habe, muss ich Ihnen sagen, dass ein wichtiger Bestandteil dieser Ausbildung in der Sowjetzeit und natürlich auch in der Post-Sowjetzeit an dieser Fakultät und an den benachbarten Fakultäten die Militärfakultät war, an der Offiziere, zukünftige Propagandisten ausgebildet wurden. Ich habe an dieser Fakultät nicht studiert, weil ich aus gesundheitlichen Gründen vom Militärdienst befreit war. Aber ich wollte unbedingt verstehen, was dort studiert wird, und meine Kommilitonen brachten mir Mitschriften, darunter auch von geheimen Lehrbüchern, aus denen diese Offiziere lernten, mit denen wir jetzt konfrontiert sind. 

Ein sehr wichtiger Bestandteil dieser Mitschriften waren Lektionen über die sogenannte Zersetzung des feindlichen Hinterlandes, über die Degradation des Hinterlandes. Und dort stand deutlich geschrieben, dass eine wichtige Bedingung für den Sieg im Krieg nicht nur der Kampf gegen die feindliche Armee ist, sondern die Schaffung einer Atmosphäre in der Gesellschaft des Landes, das man angreift, des Eindrucks, dass es keinen Widerstand möglich ist. Dass die Regierung und die Gesellschaft völlig unterschiedliche Interessen haben und die Gesellschaft einfach überleben muss und nicht an den Schutz des Staates denken muss. Dass es kein Vertrauen in die eigenen Medien geben kann, was natürlich unglaubliche Möglichkeiten für feindliche Propaganda eröffnet. Dass die Idee selbst, dass man in den Krieg zieht und für das Heimatland stirbt, eine völlig blasphemische Idee ist, denn die Hauptaufgabe eines Burgers in dieser Situation ist es zu überleben und nicht zur Armee mobilisiert zu werden. Dass es ehrenhafter ist als Pazifist über den Wert des eigenen Lebens und über den Wert des Lebens dessen nachdenken muss, den man an der Front töten kann, denn man wird immer Gewissensbisse haben, dass man ein fremdes Leben genommen hat.

Und das wurde gelehrt, darüber wurden Prüfungen abgelegt. Letztendlich war es ein Teil unseres Berufs. Und natürlich, wenn ich dort nicht studiert hätte, könnte ich das alles nicht verstehen.

Und jetzt benutzen diese Leute, die neben mir studiert haben, dieselben Mitschriften. Sie haben in den letzten Jahrzehnten nichts Neues erfunden, um gegen uns zu kämpfen.

Und natürlich wurde in diesen Lehrbüchern detailliert erklärt, wie man mit Hilfe von Geld und Propaganda eine fünfte Kolonne in einem feindlichen Land aufbaut und wie man nützliche Idioten einsetzt. All dem sind wir in der Ukraine begegnet, und ich denke, wir werden in noch größerem Umfang damit konfrontiert werden.

Und natürlich ist ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit die Arbeit feindlicher Geheimdienste, die auch einen Kontext schaffen, der der Arbeit ihrer Propagandisten entspricht. Das ist es, was gerade passiert. Es findet russische Arbeit zur Degradation des ukrainischen Hinterlandes statt, was aus Sicht Moskaus dazu beitragen soll, die Zerstörung der ukrainischen Armee und des ukrainischen Staates zu erleichtern. Der Versuch, uns zu spalten, zu zerstreuen und zu vernichten.

Dies ist eine wichtige Seite der Geschichte dieses Krieges, seiner Vergangenheit und vor allem für uns, seiner Zukunft. Wir müssen also wachsam sein, Freunde.