Putin, Stubb und Støre: Was wurde vereinbart? | Vitaly Portnikov. 27.10.2026.

Der finnische Präsident Alexander Stubb und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre, die vor Kurzem an den Verhandlungen in Oslo mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky und dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, teilgenommen hatten, führten Telefongespräche mit dem russischen Präsidenten Putin.

Gleich zu Beginn muss betont werden, dass der finnische Präsident und der norwegische Ministerpräsident diese Gespräche ausdrücklich als Vertreter ihrer eigenen Länder und nicht als Vertreter Europas führten. Diese Konsultationen standen gerade im Zusammenhang mit der Fortsetzung des Prozesses, der in Oslo begonnen wurde und mit russisch-ukrainisch-amerikanischen Verhandlungen fortgesetzt werden könnte, die im November in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in der Schweiz stattfinden sollen. 

Allerdings schließe ich nicht aus, dass die russische Seite nach den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten das Interesse an solchen Konsultationen verlieren könnte und dass bereits die Bereitschaft, die Möglichkeit einer Wiederaufnahme russisch-ukrainisch-amerikanischer Verhandlungen anzukündigen, vor allem ein Wahlkampfgeschenk an Donald Trump war. Und dass Putin mit den Staats- und Regierungschefs Finnlands und Norwegens spricht, könnte sozusagen eine Fortsetzung dieses Wahlkampfgeschenks sein.

Die Seiten bezeichnen die Gespräche als konstruktiv und offen, und davon zeugt insbesondere die Erklärung des finnischen Präsidenten Alexander Stubb. Nach dem Gespräch mit Putin sprachen der finnische Präsident und der norwegische Ministerpräsident auch mit dem ukrainischen Präsidenten. Aber irgendwelche konkreten Einzelheiten, die es uns ermöglichen würden, uns vorzustellen, wie die russisch-ukrainisch-amerikanischen Konsultationen in Zukunft aussehen sollen und ob sie überhaupt stattfinden werden, hat das Telefongespräch zwischen Putin, Stubb und Støre natürlich nicht geklärt.

Das Wichtigste ist, dass dies das erste Gespräch des Präsidenten der Russischen Föderation mit den Staats- und Regierungschefs europäischer Länder seit anderthalb Jahren ist. Ich erinnere daran, dass der russische Präsident vor anderthalb Jahren mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron gesprochen hatte. Wie das jetzige Gespräch mit dem finnischen Präsidenten und dem norwegischen Ministerpräsidenten führte auch jenes Gespräch mit dem französischen Staatschef zu keinerlei Veränderungen der russischen Position hinsichtlich der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges. Man braucht nicht daran zu zweifeln, dass auch der Dialog mit dem finnischen Präsidenten und dem norwegischen Ministerpräsidenten die russische Position in keiner Weise verändert hat.

Was wir aus den Meldungen der Nachrichtenagenturen wissen: Putin hat sich zu keinerlei Zugeständnissen im Zusammenhang mit dem Donezker Gebiet als Voraussetzung für die Fortsetzung der Friedensverhandlungen bereit erklärt. Bekanntlich betont der Kreml ständig, dass irgendwelche realistischen Verhandlungen über eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front erst beginnen könnten, nachdem die ukrainische Armee jenen Teil des Donezker Gebiets verlassen hat, der sich heute unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Staatsgewalt befindet. Und wie wir sehr gut verstehen, bedeutet der Beginn von Verhandlungen über eine Waffenruhe noch lange nicht, dass diese Verhandlungen irgendwann mit einer Vereinbarung zwischen Moskau und Kyiv enden werden.

Natürlich mag es viele verwundern, warum Putin so hartnäckig gerade über den Donbas sprechen will, obwohl sein eigentliches Hauptziel offensichtlich die Beseitigung der Ukraine ist. Schließlich gibt es auch andere Gebiete unseres Landes, die teilweise von Russland besetzt sind und sogar in seiner inzwischen grotesken Verfassung verankert sind. Aber Putin hat durch die Gespräche über den Donbas nichts zu verlieren. 

Wenn die Ukraine nicht bereit ist, ihre Truppen aus dem Donezker Gebiet abzuziehen, aus jenen befestigten Gebieten, die den Besatzern ein weiteres Vorrücken unmöglich machen, kann Putin sowohl dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump als auch dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb und anderen Staats- und Regierungschefs, die mit ihm sprechen, erklären, warum er keine konstruktiven Friedensverhandlungen führen will. Er hat eben eine einfache Bedingung: den Donbas. Kyiv stimmt dieser Bedingung nicht zu, also wird der Krieg weitergehen. 

Und wie wir sehen, sprechen führende amerikanische Politiker inzwischen über den Donbas als Hauptgrund für die Fortsetzung des Krieges. Insbesondere sprach der amerikanische Außenminister Marco Rubio vor Kurzem genau darüber, dass dies nicht einfach ein Krieg in der Ukraine sei, sondern ein Krieg um Territorium, um den Donbas.

Stellen wir uns nun vor, dass die ukrainische Führung unter dem Druck des Präsidenten der Vereinigten Staaten, sogar im Einvernehmen mit den europäischen Partnern, beschließt, Putins Bedingungen zuzustimmen. Und die ukrainischen Truppen verlassen das Donezker Gebiet und überlassen die befestigten Stellungen den russischen Besatzern. Was geschieht dann? Schon nach wenigen Wochen, ja nicht einmal Wochen, sondern Tagen beschuldigt der Kreml die Ukraine, irgendwelche Bedingungen im Zusammenhang mit der Waffenruhe verletzt zu haben, und beginnt eine Offensive gegen ukrainische Gebiete, wobei er bereits jene neuen strategischen Möglichkeiten nutzt, die Putin durch die Besetzung des gesamten Donezker Gebiets erhält. Das geschieht einfach schneller, als diese Besetzung erfolgen könnte, wenn die russischen Truppen ihre Angriffe auf Kramatorsk, Slowjansk und andere Städte im Donezker Gebiet fortsetzen würden. Und Putin hätte mehr Menschen, mehr Reserven und mehr Ressourcen für die Besetzung weiterer ukrainischer Gebiete.

Das ist die klassische Salamitaktik, die der Präsident der Russischen Föderation anzuwenden beschlossen hat, als ihm klar wurde, dass sein Blitzkrieg im Jahr 2022 mit einem beschämenden Fiasko geendet hatte. Aus einem solchen Fiasko ziehen Politiker entweder den Schluss, dass sie den Krieg beenden und versuchen müssen, ihre Ziele mit politischen und wirtschaftlichen Mitteln zu erreichen – Putin hat sich nicht für diese Variante entschieden –, oder dass sie zur Salamitaktik übergehen und schrittweise versuchen müssen, die Gebiete eines Staates zu besetzen, dessen Beseitigung ihr wichtigstes politisches Ziel ist. Und genau mit dieser Variante haben wir es in den vergangenen viereinhalb Jahren des russisch-ukrainischen Krieges zu tun.

Man kann sagen, dass Putin kein Risiko eingeht, wenn wir uns weigern, ihm die Kontrolle über den Donbas zu überlassen, weil er auf diese Weise erklären kann, warum kein umfassender Friedensprozess stattfindet. Und er geht auch kein Risiko ein, wenn wir zustimmen, ihm die Kontrolle über den Donbas zu überlassen, weil dies sowohl zu einer inneren Destabilisierung der Ukraine führen kann, zu Konflikten zwischen denen, die dies als Verrat betrachten werden, und denen, die es als Voraussetzung für den Frieden ansehen werden, als auch neue Möglichkeiten zur Besetzung weiterer ukrainischer Gebiete eröffnen kann.

Stellen wir uns vor, dass Putin nach der Besetzung des Donezker Gebiets beginnt, an dessen Grenzen eine Pufferzone zu schaffen, anschließend in dieser Pufferzone ein Referendum durchführt und beispielsweise fordert, dass die Ukraine ihre Truppen aus dem Gebiet Dnipropetrowsk abzieht. Dann würde sich dies bereits auf den vorherigen Präzedenzfall stützen, dass ein demoralisiertes Kyiv irgendwelchen Bedingungen Moskaus zugestimmt hat, denen man auch in Washington zustimmen wird. Deshalb muss man immer daran denken, dass hinter Putins Forderungen nach der Übergabe des Donbas, die wir heute bei seinem Gespräch mit dem finnischen Präsidenten und dem norwegischen Ministerpräsidenten gehört haben, keineswegs der Wunsch steht, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden.

In den vergangenen viereinhalb Jahren hat Putin überhaupt nicht, nicht einmal für einen Augenblick, über eine solche für ihn beschämende Möglichkeit nachgedacht. Vielmehr geht es um den Wunsch, die Notwendigkeit der Fortsetzung dieses Krieges zu begründen und zugleich die eigene konstruktive Haltung zu demonstrieren, auf die man im Westen und in Kyiv nicht hören will. Das ist alles, was wir nach dem Gespräch des Präsidenten der Russischen Föderation mit dem finnischen Präsidenten und dem norwegischen Ministerpräsidenten erfahren haben. Offen gesagt hätte man sich das Gespräch mit dem russischen Staatschef auch sparen können, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін, Стубб і Стере : про що домовилися | Віталій Портников. 27.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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