Polyakova ist im „Konzentrationslager“ gelandet | Vitaly Portnikov. 11.08.2026.

In internationalen Rankings werden die von der Russischen Föderation besetzten ukrainischen Gebiete als einige der unfreiesten und gefährlichsten Territorien der heutigen Welt eingestuft. Wir sehen tatsächlich, was dort geschieht: wie Menschen wegen anderer politischer Ansichten gefoltert und getötet werden, wie die Rechtsprechung nicht funktioniert, wie Folter und andere Formen von Misshandlung und Zwang angewandt werden.

Mein Kollege Stanislav Aseyev, der derzeit in den Verteidigungskräften der Ukraine dient, hat über das, was in den besetzten Gebieten geschieht, ein Buch über „Isolazija“ geschrieben, das ehemalige Zentrum für zeitgenössische Kunst, das die russischen Besatzer und Kollaborateure in ein echtes Konzentrationslager nach dem Vorbild der Stalin- und Hitlerzeit verwandelt haben. Und wenn jemand wissen möchte, wo sich ein Konzentrationslager befindet, soll er auf Donezk, Luhansk, Simferopol schauen. Er soll auf die Orte schauen, an denen Menschen getötet und gefoltert werden.

Aber für die Sängerin Olga Polyakova befindet sich das Konzentrationslager hier, in der Ukraine, weil Vertreter des Showbusiness und andere Prominente sich in unserem Land nicht so verhalten können, als gäbe es bis heute keinen Krieg.

Man muss der Wahrheit ins Auge sehen: So war die Stimmung in der Gesellschaft nach 2014, nach der Annexion der Krim und dem Beginn des Krieges im Donbas. Eine enorme Zahl unserer Mitbürger wollte nichts hören, was ihren Komfort einschränken oder ihre Möglichkeiten mindern würde, auf den für sie gewohnten Märkten zu arbeiten. Die Menschen wollten weder ihre Gewohnheiten noch die kulturelle und politische Welt verändern, zu der sie vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine offensichtlich gehörten.

Und wie wir sehen, ist viereinhalb Jahre nach Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine der Wunsch, wieder in die vertraute komfortable Welt zurückzukehren, nicht mehr so erstaunlich und kann inzwischen auch in den sozialen Netzwerken offen geäußert werden.

Die Wahrheit ist jedoch, dass es diese komfortable Welt nie wieder geben wird. Und dass bestimmte Gewohnheiten und bestimmte Verhaltensmodelle, die in einem Kreis als anständig gelten können, unter Menschen, die den Krieg mit größerem Schmerz erleben, völlig anders aussehen können.

Es ist offensichtlich, dass sich während eines so großen Krieges, angesichts so großer Opfer und so großer Zerstörungen nicht nur Staaten, sondern auch Völker voneinander entfernen. Und das russische und das ukrainische Volk werden sich mit jedem weiteren Tag der Zerstörungen auf dem Territorium der Ukraine und Russlands und mit der Fortsetzung der Verbrechen der russischen Armee auf ukrainischem Boden weiter voneinander entfernen.

Es ist offensichtlich, dass selbst Popfestivals, die nicht in Russland stattfinden und an denen bestimmte Vertreter der russischen Emigration sowie eine gegenüber der Politik neutrale Pop-Szene teilnehmen, für jene, die die gewohnte Welt vermissen, in der Stars der ehemaligen gesamtsowjetischen Unterhaltungskultur präsent sind, als völlig richtige und akzeptable Veranstaltungen erscheinen können, von denen aber völlig anders wahrgenommen werden können, die im Krieg ihren Mann oder ihren Sohn verloren haben.

Es ist völlig offensichtlich, dass selbst die russische Sprache von jenen, die sie seit ihrer Kindheit mit ihren Eltern sprechen, und von jenen, die gehört haben, wie in dieser Sprache Befehle an diejenigen erteilt wurden, die auf ukrainischen Boden kamen, um zu töten, emotional völlig unterschiedlich wahrgenommen werden kann. Und das sind enorme Probleme einer Gesellschaft im Krieg, die man erkennen und behandeln muss – sowohl in den kommenden Jahren dieses schweren Krieges als auch in den kommenden schwierigen Nachkriegsjahrzehnten.

Aber zu glauben, dass sich ein Mensch in einem Konzentrationslager befindet, nur weil andere eine andere Meinung zu seinem Verhaltensmodell im eigenen beruflichen Umfeld haben können, scheint mir eine enorme Übertreibung zu sein. Jede öffentliche Person muss bereit sein, Kritik an ihrem Verhalten zu akzeptieren, selbst wenn sie glaubt, keine gesellschaftlichen Tabus zu verletzen. So ist die Logik eines großen Krieges. So wird auch die Logik der Suche nach Modellen des gegenseitigen Verständnisses in der traumatisierten ukrainischen Nachkriegsgesellschaft sein.

Aber ein Konzentrationslager. Ein Konzentrationslager ist „Isolazija“. Ein Konzentrationslager ist, wenn man dich foltert und dir nicht bloß rät, russische Popstars nicht zu umarmen. Ein Konzentrationslager ist, wenn man dich für ein Like in sozialen Netzwerken zu 15 Jahre Haft verurteilen kann. Ein Konzentrationslager ist, wenn man dich in einer Strafkolonie tötet, weil du über die Korruption der ersten Person im Staat berichtest. Das ist ein Konzentrationslager.

Und ich verstehe, dass es sehr, sehr schwer ist, sich von jenem Modell des Komforts zu verabschieden, an das sich Vertreter eines großen Teils der ukrainischen Elite und der ukrainischen Gesellschaft – keineswegs nur in der Kunst – in den ersten Jahrzehnten der ukrainischen Unabhängigkeit gewöhnt hatten, als die Ukraine nicht so sehr ein Staat war, sondern vielmehr eine umbenannte Ukrainische SSR. Aber diese Ukraine wird es nie wieder geben, und es wird auch kein Modell des Zusammenlebens der ukrainischen Welt mit der „russischen Welt“ geben.

Und es wird wesentlich ernstere moralische Fragen an diejenigen geben, die in der Ukraine leben und öffentliche Aufmerksamkeit beanspruchen werden. Besonders, und auch das muss man verstehen, in den Nachkriegsjahren, wann immer sie kommen mögen.

Man muss sich klar vor Augen halten: Die Ukraine kämpft in diesem Krieg nicht nur dafür, Ukraine zu bleiben, nicht nur dafür, dass das ukrainische Volk die Chance erhält, auf seinen ethnischen Gebieten zu bestehen, von denen brutale und heimtückische Besatzer es zu vertreiben versuchen, die für sich längst entschieden haben, welches Schicksal jene Gebiete erwartet, die sie besetzt haben und die sie noch besetzen wollen.

Die Ukraine kämpft auch dafür, nicht in ein Konzentrationslager nach russischem Vorbild verwandelt zu werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Полякова опинилась у концтаборі | Віталій Портников. 11.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 11.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Russische Gefängnisse in Afrika | Vitaly Portnikov. 12.06.2025.

Ein internationales Journalistenkonsortium hat eine Untersuchung durchgeführt, die man kaum als wirklich sensationell bezeichnen kann. Aber wenn es eine Sensation ist, dann dauert sie zumindest schon viele Jahrhunderte. Und sie besteht in einer ziemlich einfachen Wahrheit. Überall dort, wo Russland hinkommt, errichtet es Gulags. Manche exportieren Blumen, manche ihre Küche, und manche Gefängnisse und Lager mit Folter und Demütigung.

Diesmal geht es um Afrika, um Mali. Journalisten haben entdeckt, dass die sogenannte private Militärfirma Wagner, die natürlich immer nur eine Filiale der russischen Geheimdienste war, in diesem afrikanischen Land ein ganzes Netzwerk geheimer Gefängnisse geschaffen hat,

auf die nicht einmal die malischen Militärs Einfluss nehmen konnten, die die russische Unterstützung für einen Putsch in ihrem eigenen Land und die Errichtung der Kontrolle über das Land in Anspruch genommen haben. 

Augenzeugen berichten, dass die Wagner-Söldner in einer Reihe von Städten des Landes Gefängnisse eingerichtet haben, die sie im Wesentlichen kontrollierten. Und einige befinden sich sogar auf offiziellen malischen Militärbasen, wiederum ohne jeglichen Zugang der Offiziere der malischen Armee und der Führung des Landes. Die Wagner-Söldner richten fast überall Gefängnisse ein, wo sie sich befinden.

Dabei berichten ehemalige Häftlinge dieser Gefängnisse von einer ganzen Reihe von Foltermethoden, die von den Mördern der Prigoschin-Militärfirma angewendet werden: Schläge mit Elektrokabeln, Folter durch Ertränken, Metallcontainer unter der sengenden afrikanischen Sonne, Stromschläge, Zwangsarbeit, Folter durch Hunger. 

Und übrigens, ich denke, besonders interessant wird die Tatsache für alle Liebhaber der russischen Welt sein, dass die Wagner-Söldner die Häftlinge in der Regel unter russischer Musik folterten. Also ein Gruß an Joseph Kobzon, Babkina oder Dima Bilan. Ihre Werke sind sozusagen aus der Not heraus gefragt. Und das kann man auch als einen echten Kulturgüterexport bezeichnen. Wir haben immer gedacht: Wozu braucht man russische Popmusik? Wozu braucht man all diesen Schanson, all diese Schufutinskys und andere Interpreten von Liedern über ein schweres Schicksal?

Damit man unter dem Klang dieser jedem Bewohner der Russischen Föderation und des umliegenden Raumes bekannten Lieder Menschen mit Hunger, Elektroschocks oder Stockschlägen foltert. Damit die Geräusche der Folter übrigens nicht so gut außerhalb der Gefängnisse zu hören sind, damit man die Schreie der unglücklichen Gefangenen nicht hören kann.

Man kann also sagen, dass die russische Kultur endlich in Folterkammern und Gefängnissen in Mali ein wunderbares Zuhause gefunden hat. Und natürlich ist die Tatsache, dass Russland in Mali ein Gulag eingerichtet hat, eine weitere Erinnerung an die Folgen des russischen Kommens, wohin auch immer.

Was in Afrika passiert, erinnert verblüffend an die Aktionen des russischen Staates nach der Besetzung der Krim, der Gebiete Donezk, Luhansk und später auch Cherson und Saporischschja in der Ukraine. Auch hier gibt es Menschenraub, die Einrichtung von zunächst geheimen und dann völlig offenen Gefängnissen, Folter und Misshandlungen.

Besondere traurige Berühmtheit erlangte das berüchtigte Konzentrationslager Isolatsiya in der Oblast Donezk. Und übrigens, erinnern wir uns noch einmal, dass die Banditen, die Söldner Russlands in diesem blutenden ukrainischen Land sind, ein ehemaliges Zentrum für moderne Kunst in ein Konzentrationslager verwandelt haben. Denn so verstehen sie Kunst und Kultur. Und ich denke, man braucht es darüber nicht zu wundern. 

Natürlich kann man auch darüber sprechen, wie sehr Russland die Meinung seiner Marionetten beachtet. Im besetzten Donbass hatten die Söldner des Kremls praktisch keinen Zugang zu den Aktionen des Föderalen Sicherheitsdienstes und des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation. Das waren ihre Kuratoren, und wenn sie jemanden selbst festnahmen, hatten die Marionettenbehörden natürlich keinen Einfluss auf das Schicksal der Festgenommenen. Sie konnten sich nur um diejenigen kümmern, die sie entführt und festgenommen haben. Das gleiche geschieht auch in Mali. 

Zweitens sind es Verhaftungen und Festnahmen gegen Lösegeld. Tatsächlich haben die russischen Soldaten seit dem Tschetschenienkrieg die Entführung von Menschen zu einer Praxis gemacht, die oft nichts mit politischer Tätigkeit zu tun haben,

ausschliesslich zur Bereicherung. So war es bei normalen Zivilisten in Tschetschenien, so ging es weiter während des Krieges in der Ukraine. Wir haben erfahren, dass dies auch in Mali so ist, wenn normale Hirten oder Händler verhaftet werden, um ihre Familien dann zur Zahlung eines Lösegelds an die Wagner-Söldner zu zwingen.

Ein weiterer absolut offensichtlicher Hinweis auf die Gesetzlosigkeit ist die Tatsache, dass die Führung der Wagner-Söldner in ihren Maßnahmen zur Festnahme derer, die sie für notwendig hält, überhaupt keinen Rücksicht auf niemanden nehmen muss. Dass sie ein ganzes Gefängnisnetzwerk schaffen kann, das praktisch niemand kontrollieren kann, weder die Führung Malis noch die Führung der Russischen Föderation selbst. 

Gerade in diesen Tagen gab es eine Erklärung, dass die Wagner-Söldner ihre Mission in Mali erfüllt haben. Aber lassen Sie uns nicht täuschen und glauben, dass die Geheimgefängnisse der privaten Militärfirma von dem Territorium dieses afrikanischen Landes verschwinden werden. Nein. Da in Mali ein afrikanischer Kontingent eingesetzt ist, dessen überwiegende Mehrheit aus ehemaligen Wagner-Söldnern besteht, habe ich keinen Zweifel, dass all diese Gefängnisse vom russischen Verteidigungsministerium bereits sozusagen offiziell übernommen werden. 

Und genauso wird niemand die Führung Malis berücksichtigen, und genauso werden diese Gefängnisse zur Bereicherung der nun gewöhnlichen russischen Soldaten oder Wagner-Söldner verwendet werden, die als russische Soldaten ausgegeben werden. Denn solange Russland von nirgendwo herausscheucht, wird es das Gulag als die beste und wichtigste Form seiner eigenen Zivilisation bewahren. Und natürlich wird es in diesem Gulag Lieder von Joseph Kobzon oder Michail Schufutinsky spielen, um die Schreie und das Geheul derer zu übertönen, die geschlagen, gefoltert und ausgehungert werden, um die ganze Macht seiner kulturellen Errungenschaften zu demonstrieren.