Die Streitkräfte der Ukraine haben im Norden der Region Donezk eine Offensivoperation begonnen. Rund 75 km² Gebiet wurden von russischer Infiltration gesäubert. Weitere 10 km² wurden von der Besatzung befreit. Die Ortschaft Serednie wurde befreit.
Säuberung von Infiltration bedeutet, dass es den ukrainischen Truppen gelingt, die Überreste jener kleinen mobilen Gruppen zu beseitigen, die in die Killzone eindringen und sich dort festsetzen, wobei sie versuchen, der ukrainischen Armee immer neue Kilometer ukrainischen Landes abzunehmen. Und somit zeugt allein die Tatsache, dass die Russen diese Positionen und sogar Gebiete verlassen müssen, die sie bereits als unter ihrer Kontrolle stehend betrachteten, einmal mehr davon, dass die Dinge für Russland an der Donezk-Front ganz und gar nicht so laufen, wie Präsident Putin es sich erhofft.
Es musste bereits mehrfach betont werden, dass es der russischen Armee nicht gelingt, jene Aufgaben zu erfüllen, die den Russen bereits im Februar 2022 gestellt wurden. Und obwohl die russischen Generäle den Präsidenten der Russischen Föderation weiterhin mit Versprechen füttern, die Kontrolle über den gesamten Donbas zu erlangen, entwickelt sich die Situation hier, wie wir sehen, ganz und gar nicht zugunsten dieser Versprechen.
Andriy Biletsky betont, dass die Operation der ukrainischen Truppen den Namen „Vivaldi“ trägt, und deutet an, dass sie noch mehrere „Jahreszeiten“ haben könnte, die den Besatzungstruppen auf dem Gebiet der ukrainischen Region Donezk unangenehme Überraschungen bringen werden. Doch ebenso offensichtlich ist die Tatsache, dass gerade die Unfähigkeit der Russen, sich an der Donbas-Front festzusetzen und neue Abschnitte ukrainischen Territoriums zu erobern, Putins Truppen dazu bringt, im ukrainischen Hinterland zu wüten.
Mir scheint, dass auch Putin selbst nicht daran glaubt, dass seine Truppen schnell die Kontrolle über das gesamte Gebiet der Region Donezk erlangen und die ukrainischen Festungsstädte in Brückenköpfe für die Besetzung immer neuer ukrainischer Gebiete verwandeln können. Gerade deshalb versucht er, das Problem einer ukrainischen Niederlage auf anderen Wegen zu lösen.
Einer davon ist diplomatischer Druck auf die Ukraine unter Nutzung der Administration von Präsident Donald Trump, wenn der Berater des amerikanischen Präsidenten und zugleich sein Schwiegersohn Jared Kushner sagt, das Problem mit einem Friedensabkommen bestehe ausschließlich darin, dass die Ukrainer sich weigern, sich hinter die von Putin festgelegte Linie zurückzuziehen.
Genau das ist ein Beleg für eine solche Nutzung. Es wird die Illusion erzeugt, der Frieden sei sehr nahe und das gesamte Problem bestehe ausschließlich darin, dass sich die Ukraine aus dem Gebiet der Region Donezk zurückzieht, also den russischen Besatzern kampflos all das überlässt, was sie nicht nur nicht erobern können, sondern, wie wir sehen, sogar verlieren.
In Wirklichkeit besteht das Wesen der Situation jedoch nicht darin, dass die Eroberung der Region Donezk durch die Russen das Ende des Krieges bringen könnte, sondern darin, dass die Eroberung der Region Donezk durch die Russen ihnen die Perspektive eröffnet, gemäß Putins Salamitaktik weitere ukrainische Regionen zu besetzen – einer Taktik, die im Krieg Russlands gegen die Ukraine bereits mehrfach angewandt wurde.
Und natürlich setzt man auf die Zermürbung des Hinterlands, auf Angriffe gegen die kritische Infrastruktur der Ukraine, auf Angriffe gegen die ukrainische Energiewirtschaft, auf Propagandaarbeit unter den Bürgern der Ukraine mit dem Ziel, sie davon zu überzeugen, dass nur eine vollständige Kapitulation vor Russland die ukrainischen Städte vor der Zerstörung und ihre Bewohner davor bewahren könne, nicht einmal in ländliche Gebiete der Ukraine, sondern in andere Staaten umziehen zu müssen, wo, wie wir sehen, mit jedem Jahr des russisch-ukrainischen Krieges die migrationsfeindlichen Stimmungen stärker werden.
Und auch das ist ein wichtiges Ziel der Russen in diesem Krieg: migrationsfeindliche Stimmungen in den europäischen Ländern zu verstärken, ultrarechten und ultralinken Parteien in den Ländern der Europäischen Union dabei zu helfen, an die Macht zu kommen – Parteien, die zu Vereinbarungen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation zu dessen Bedingungen bereit sind und die Unterstützung für die Ukraine einstellen wollen, wie etwa die Führung der berüchtigten Alternative für Deutschland.
Das heißt, man kann davon sprechen, dass die Russische Föderation den Krieg gleichzeitig an mehreren Fronten führt und dass er keineswegs nur mit der militärischen Konfrontation verbunden ist. Putin ist jedoch gerade deshalb gezwungen, einen derart umfassenden und großen Krieg zu führen, weil seine Armee praktisch seit 2023 keine ernsthaften Erfolge an der Front erzielen kann und sich, wenn wir von der Konfrontation der Truppen sprechen, in einer echten Sackgasse befindet.
Und in manchen Momenten verwandelt sich diese Sackgasse, wie wir anhand der heutigen Informationen sehen, sogar in eine Gegenoffensive der ukrainischen Armee gegen die Stellungen der russischen Truppen – dort, wo die Russen offenbar glauben, das Gebiet befinde sich eindeutig unter ihrer Kontrolle.
Und wenn die Ukraine in diesem Krieg bestehen will, muss sie somit auf alle Versuche der Russischen Föderation reagieren, die ukrainische Armee, wenn Sie so wollen, zu umgehen. Denn wie bekannt ist, kann man einen Krieg selbst dann verlieren, wenn sich kein einziger Soldat des Feindes auf dem eigenen Territorium befindet.
Man muss weiterhin keine Angst davor haben, den russischen Besatzern ihre Stellungen in den besetzten ukrainischen Gebieten wieder abzunehmen. Man muss weiterhin Angriffe auf die russische Infrastruktur durchführen und dadurch auch für die Russische Föderation selbst solche wirtschaftlichen Probleme schaffen, die sie von innen heraus zerrütten und ihren militärisch-industriellen Komplex sowie ihren Energiesektor an die Grenze des Überlebens bringen sollen.
Und es bedarf ernsthafter diplomatischer Arbeit, die nicht darin besteht, den Vorschlägen derjenigen zuzustimmen, die faktisch in familiären Beziehungen zu berüchtigten russischen Oligarchen stehen, die mit Putin verbunden sind. Und man muss mit den Europäern zusammenarbeiten und die Möglichkeiten für einen politischen Triumph jener Kräfte verringern, die sowohl vom Kreml finanziert wurden als auch Putins menschenverachtende Ideologie teilen und die heutige schwierige Situation auf dem europäischen Kontinent, der sich in Erwartung eines möglichen Krieges befindet, schlicht dazu nutzen, ihre eigenen Machtambitionen und diejenigen Putins in die Tat umzusetzen.
Der Krieg der Armeen hat sich in einen echten existenziellen Konflikt der Welten verwandelt. Und dieser Konflikt wird darüber entscheiden, wer aus ihm in den kommenden schwierigen Jahren und Jahrzehnten als Sieger und Triumphator hervorgehen wird.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Масштабний наступ ЗСУ на Донеччині |
Віталій Портников. 15.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 15.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.