Putin droht Europa mit Krieg | Vitaly Portnikov. 12.09.2026.

Der russische Präsident Putin droht vom BRICS-Gipfel in Neu-Delhi aus den europäischen Ländern mit Krieg. Er betont, dass es einer Kriegserklärung an Russland gleichkäme, wenn die europäischen Länder beschließen sollten, ihr Militärkontingent auf ukrainischem Territorium zu stationieren.

Auf den ersten Blick klingen solche Drohungen nicht besonders logisch. Derzeit gibt es in den europäischen Hauptstädten keinerlei Diskussion über die Möglichkeit, ein europäisches Friedenskontingent auf dem Territorium unseres Landes zu stationieren. Mehr noch: Selbst als solche Diskussionen tatsächlich geführt wurden, ging es vor allem darum, dass ein europäisches Friedenskontingent nach dem Ende der Kampfhandlungen zwischen Russland und der Ukraine und als Ergebnis von Friedensvereinbarungen zwischen diesen Ländern auf ukrainischem Territorium erscheinen könnte.

Derzeit gibt es weder einen wirklichen Verhandlungsprozess noch auch nur Entwürfe für ein Friedensabkommen, das Russland und die Ukraine als Ergebnis dieser Verhandlungen unterzeichnen müssten. Warum also macht sich Putin Sorgen? 

Tatsächlich aber liegt gerade in dieser Unlogik von Putins Prognosen und Drohungen eine gewisse Vorhersehbarkeit. Der russische Präsident ist offenbar zu dem Schluss gekommen, dass es gerade die europäische Hilfe für die Ukraine ist, die ihn daran hindert, unser Land zu erobern. Und darüber habe ich wiederholt gesprochen. 2025 konnte man im Kreml noch darauf hoffen, dass Donald Trumps Sieg bei den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten Kyiv dazu zwingen würde, über die Unvermeidlichkeit einer Kapitulation vor Russland nachzudenken.

Das noch während der Präsidentschaft Joseph Bidens für die Ukraine beschlossene Hilfspaket sollte auslaufen. Der neue Präsident hatte nicht vor, ein solches Hilfspaket bereitzustellen, und mehr noch: Er kritisierte den Ansatz seines Vorgängers hinsichtlich der weiteren Unterstützung der Ukraine bei ihrem Widerstand gegen die russische Aggression. Damit sollten die Möglichkeiten der Ukraine schwinden und die Russlands wachsen.

Doch mit der Zeit überzeugte man sich im Kreml davon, dass die europäische Hilfe es der Ukraine ermöglicht, der fortgesetzten russischen Aggression wirksam zu widerstehen und sogar die wirtschaftlichen Ressourcen der Russischen Föderation selbst zu zerstören. Schließlich äußert Putin seine Drohungen vor dem Hintergrund neuer Brände in russischen Ölraffinerien und der Zerstörung russischer Online-Marktplätze. Und mit jedem weiteren Kriegstag werden die wirtschaftlichen Verluste Russlands wachsen.

Damit muss gerade die europäische Hilfe dem russischen Präsidenten als das Haupthindernis für die Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit und die Angliederung fremder Territorien an Russland erscheinen. Putin versucht, Europa einzuschüchtern, und wie wir sehen, tut er das systematisch. 

Und er ist nicht der Einzige. Bereits vor Putins Drohungen hatten sowohl der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates der Russischen Föderation und ehemalige russische Präsident Medwedew als auch der Pressesprecher des russischen Präsidenten Peskow praktisch zeitgleich Drohungen gegen Litauen ausgesprochen, das lediglich beabsichtigt, jene Bestimmungen seiner Verfassung zu ändern, die die Stationierung von Atomwaffen auf seinem Territorium verbieten.

Eigentlich ist auch das eine völlig logische Reaktion Litauens auf Russlands Entscheidung, seine Atomwaffen im an Litauen grenzenden Belarus zu stationieren. Doch auch hier greift der Kreml zu Drohungen und betont, Litauen könne zu einem legitimen Ziel für die Russische Föderation werden, falls es seine Haltung zu Atomwaffen ändere. Dabei betrachtet im Westen, wie wir sehen, niemand Belarus als legitimes Ziel für irgendwelche Angriffe, weil auf dem Territorium dieses Landes russische Atomwaffen stationiert worden sind.

Es geht also um eine Strategie direkter Einschüchterung. Diese Einschüchterung soll nicht dazu dienen, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs heute ihre Haltung zur Unterstützung der Ukraine ändern. In Moskau versteht man sehr gut, dass dies nicht geschehen wird. Vielmehr sollen die europäischen Gesellschaften ihre Haltung ändern, damit sie beginnen, für Politiker zu stimmen, die bereit sind, sich mit dem Kreml zu verständigen.

Die Sabotageakte in Deutschland im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sowie der bevorstehenden Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern waren keineswegs zufällig. Der Kreml versucht bewusst, der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland zu Siegen nicht nur auf Landes-, sondern auch auf Bundesebene zu verhelfen. Er setzt auf Politiker, die die Möglichkeit einer Unterstützung der Ukraine aus den nationalen Haushalten ihrer Länder streichen und die Möglichkeit entsprechender Entscheidungen der gesamten Europäischen Union infrage stellen werden.

Damit diese Politiker tatsächlich die Unterstützung der Europäer gewinnen, müssen die europäischen Gesellschaften aus Sicht des Kremls verängstigt werden. Und verängstigen kann man sie gerade mit Drohungen, einen Krieg zu beginnen.

Genau das tut Putin in Neu-Delhi. Er erfindet einen Anlass, den es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Er beschuldigt europäische Politiker, bereit zu sein, ihre Truppen näher an die russischen Grenzen zu verlegen, und warnt davor, dass dies eine Reaktion der Russischen Föderation hervorrufen werde.

Die Europäer sollen sich fragen, ob sie von verantwortungslosen Menschen regiert werden wollen, die bereit sind, ihre Armeen in ein gefährliches Gebiet zu entsenden und damit die Voraussetzungen für einen Krieg mit einer Atommacht zu schaffen. Oder ob es vielleicht besser wäre, jene Politiker zu wählen, die nach Wegen zu Vereinbarungen mit dem russischen Präsidenten suchen werden: die Alternative für Deutschland oder Marine Le Pens Rassemblement National in Frankreich oder die Rechtspopulisten um Matteo Salvini in Italien. Die Liste der Parteien, deren Führer der Macht nahestehen oder bereits an Regierungskoalitionen beteiligt sind, auch wenn sie dort nicht über die entscheidende Stimme verfügen, ist lang genug.

Und man kann sagen, dass sich aus solchen Parteien mehrere europäische Regierungen bilden und die Unterstützung der Ukraine durch die Europäische Union zuverlässig blockieren ließe. Genau darauf hofft Putin. Er ist sich bewusst, dass eine Fortsetzung dieser Hilfe es ihm nicht erlauben wird, der Ukraine Kapitulationsbedingungen zu diktieren, und ihn zu einem langen Krieg zwingen wird, der früher oder später zum Zusammenbruch der Wirtschaft der Russischen Föderation führen könnte.

Deshalb werden die Einschüchterung der Europäer mit Krieg und der hybride Krieg gegen die europäischen Länder in den kommenden Monaten zu den wichtigsten Stoßrichtungen sowohl der russischen Propaganda als auch der Aktivitäten der Geheimdienste der Russischen Föderation in den Nachbarländern der Ukraine und sogar in jenen Ländern gehören, die keine gemeinsame Grenze mit unserem Staat haben, aber wichtige Zentren der Unterstützung für unser Land sind, wie etwa die Bundesrepublik Deutschland.

Jeder Fehler in diesem hybriden Krieg kann jederzeit zu einem echten Krieg führen. Das ist vielleicht etwas, dessen sich Putin nicht bewusst ist. Aber genau das geschieht in der Geschichte immer wieder, wenn die Führer autoritärer Staaten auf Gewalt als Hauptargument in ihrem Kampf um Größe und bei der gewaltsamen Unterwerfung ihrer Nachbarn setzen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін погрожує війною Європі | Віталій Портников. 12.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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