Russland und die Ukraine müssen sich untereinander einigen, und alle anderen Länder sollen lediglich zu diesen Vereinbarungen beitragen. Mit dieser Erklärung trat der russische Präsident auf der Plenarsitzung des Östlichen Wirtschaftsforums auf.
Dass Putin erneut auf die Idee von Verhandlungen zwischen Moskau und Kyiv zurückkommt und sagt, es gebe eine Chance auf eine Regelung der Situation, zeugt von einer gewissen Veränderung der Position des russischen Präsidenten, die wir buchstäblich unmittelbar nach dem Ende des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek beobachten konnten. Somit kann man davon ausgehen, dass Putins Haltung nicht durch die Appelle der amerikanischen Administration beeinflusst wurde, den Krieg zu beenden, sondern durch die Ergebnisse seiner Treffen in der Hauptstadt Kirgisistans. Offensichtlich mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China und Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas Xi Jinping sowie mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi.
Ich möchte daran erinnern, dass beide Länder faktisch die energetischen Sponsoren der Russischen Föderation sind und Putin ihre Hinweise auf die Notwendigkeit, den Krieg zu beenden, daher schlicht nicht ignorieren kann. Und die Frage ist nicht einmal, inwieweit er tatsächlich auf ein Ende eingestellt ist, sondern dass er eine solche Bereitschaft demonstrieren muss.
Nicht umsonst sagte der russische Staatschef während seines Auftritts beim Östlichen Wirtschaftsforum, dass nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch die Länder, deren Vertreter bei diesem Treffen anwesend sind, zu einem Ende des Krieges beitragen könnten.
Insbesondere die Volksrepublik China, die, ich zitiere Putin, „ständig darauf aufmerksam macht und auf jede Weise dazu beiträgt, dass das Problem gelöst wird, und zwar vor allem mit friedlichen Mitteln. Der Vertreter Xi Jinpings spricht dieses Thema bei unseren Treffen ebenfalls ständig an“, betonte Putin. Und auch diese Passage zeigt, dass die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges ohne Aussicht auf eine Regelung nicht nur zu einem Problem der russisch-amerikanischen, sondern nun auch der russisch-chinesischen Beziehungen wird.
Gleichzeitig setzt Putin seine Erpressung der Ukraine fort und sagt, dass die Worte des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky über eine mögliche Schließung des Luftraums der Russischen Föderation nicht zur Beilegung des Konflikts beitrügen, ebenso wenig wie, ich zitiere Putin, „die Beschlagnahmung ziviler Schiffe. Das erschwert zweifellos die Möglichkeiten für bilaterale Friedensverhandlungen. Diejenigen, die schweigen, diejenigen, die das ignorieren“ – womit er vor allem die westlichen Verbündeten der Ukraine meint –, sagt Putin, „werden zu Komplizen des internationalen Terrorismus.“
Aber ich möchte Ihre Aufmerksamkeit hier nicht auf Putins übliche Drohungen lenken, nicht darauf, dass er weiterhin von internationalem Terrorismus spricht, gerade während seine Armee Wohnviertel in Kyiv, Odesa und anderen ukrainischen Städten angreift, während wir die faktischen Bemühungen des russischen Militärs sehen, die gerade auf die Zerstörung der zivilen Infrastruktur der Ukraine gerichtet sind. Hier geht es darum, dass Putin bilaterale Friedensverhandlungen erwähnt hat.
Das heißt, er kehrt erneut zu einem Modell zurück, in dem die Führungen Russlands und der Ukraine in der Lage sind, sich ohne aktive Beteiligung der amerikanischen Administration untereinander zu einigen. Auch das ist ein ziemlich interessanter Punkt bei einem Menschen, der in den vergangenen Jahren praktisch versucht hat, jegliche Verhandlungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu vermeiden.
Und ein weiterer wichtiger Punkt in Putins Auftritt beim Östlichen Wirtschaftsforum ist, dass die Kontakte mit der ukrainischen Seite fortgesetzt werden. „Inwieweit bringen diese Kontakte die Seiten einem Friedensabkommen näher?“, sagt der russische Präsident. „Das fällt mir schwer zu sagen. Wir berücksichtigen jene Erklärungen, die wir in letzter Zeit von der ukrainischen Führung gehört haben, aber die Kontakte gibt es tatsächlich, und sie werden gerade jetzt, im laufenden Modus, fortgesetzt, unter anderem über die Kanäle der Geheimdienste.“
Nun, auch das, was Putin hier sagt, ist wohl kaum eine Sensation. Wir wissen, dass Vertreter der Geheimdienste Russlands und der Ukraine ständig miteinander in Kontakt stehen, unter anderem wegen der Freilassung von Gefangenen. Aber wenn Putin offen über Kontakte mit der Ukraine spricht, deren Führung er noch bis vor Kurzem auf internationaler Bühne als illegitim darzustellen versuchte, zeugt auch das von einer Korrektur seiner Position.
Putin ist buchstäblich hin- und hergerissen, hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch zu drohen, dem Wunsch zu zerstören, dem Wunsch zu bombardieren und dem Wunsch, den Willen zu einer friedlichen Regelung zu demonstrieren. Und hier ist das Wichtigste, inwieweit dieser Wille zu einer friedlichen Regelung tatsächlich mit dem Wunsch verbunden ist, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, oder ob er ausschließlich eine Demonstration von Putins Friedfertigkeit gegenüber dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und vor allem gegenüber dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping ist.
Aber in Wirklichkeit hängt das Verhältnis zwischen demonstrierter Bereitschaft und wirklicher Bereitschaft weder von Xi Jinping noch von Trump ab. Es hängt von den ukrainischen Streitkräften und von der Bereitschaft der Ukrainer ab, zu erkennen, dass gerade die Handlungen der ukrainischen Armee Putin dazu zwingen können, über die Notwendigkeit eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges nachzudenken, und Xi Jinping, vor allem Xi Jinping, dazu bringen können, diese Notwendigkeit entschiedener zu vertreten.
Denn gerade dann, wenn man in Peking die Zerstörung der russischen Infrastruktur sieht, wenn man sieht, dass Russland faktisch nicht nur geopolitisch geschwächt wird, sondern sich auf eine wirtschaftliche Katastrophe zubewegt, gerade dann kann der Staatspräsident der Volksrepublik China gegenüber dem Präsidenten der Russischen Föderation von der Notwendigkeit sprechen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden.
Denn wenn China einen Satelliten braucht, dann ganz sicher keinen Satelliten, den man in Peking jahrelang unterhalten müsste. Oder einen solchen Satelliten, der aufgrund einer schwierigen wirtschaftlichen Lage gezwungen wäre, sich – wie es bereits in der Geschichte der Sowjetunion der Fall war – mit dem Westen zu jenen Bedingungen einer Rückkehr zu zivilisiertem Verhalten zu verständigen, die der Westen stellen würde. Und in China will man eine solche Entwicklung ganz sicher nicht zulassen, keine neue Perestroika in Russland zulassen.
Je schwerer also die ukrainischen Streitkräfte die Ölraffinerien, Häfen und den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation treffen werden, je schneller der russische Luftraum geschlossen wird und je stärker Moskau den Krieg selbst zu spüren bekommt, je realistischer die Stimmung in der russischen Gesellschaft wird, desto schneller wird Putins Wunsch, über Verhandlungen zu sprechen, damit man ihn in Washington und Peking in Ruhe lässt, zu einer wirklichen Bereitschaft zu einer friedlichen Beilegung dieses grausamen Krieges werden. Eine ziemlich einfache und verständliche Formel für die kommenden Wochen und Monate – hoffentlich nicht Jahre.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Виступ Путіна у Владивостоці: головне |Віталій Портников. 03.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 03.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.