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Nach Angriffen auf Kyiv – besonders dann, wenn Menschen sterben – ist es immer schwerer.
Wenn die Russen Charkiw, Sumy, Saporischschja oder Cherson angreifen, schmerzt es Charkiw, Sumy, Saporischschja oder Cherson – und außerdem besonders sensiblen und empathischen Menschen in anderen Regionen. Ist es nicht so? Doch, so ist es.
Wenn die Russen aber Kyiv angreifen, schmerzt es allen. Der Raum zieht sich zu einem winzigen Punkt zusammen.
Das ist erklärbar und richtig. Denn Kyiv ist nicht Moskau. Es ist nicht einfach nur die Hauptstadt – es ist das wirkliche Herz des Landes. Und Kyiv hält sich im Großen und Ganzen würdig. Und die Kyiver (Einheimische wie Zugezogene) kämpfen in weit größerem Maße als die Moskauer. Und sie sterben …
Mit unserer Hauptstadt ist also alles in Ordnung.
Was nicht in Ordnung ist, das sind die Scharen emotional instabiler Mitbürger, die den öffentlichen Raum mit namenlosen Angstschreien und Appellen überschwemmen, man müsse „etwas tun“, man solle „mit uns wie mit Erwachsenen sprechen“ (und dann machen sie sofort wieder aus dem Staub), man müsse augenblicklich ein Wunder vollbringen. Dabei geht es nicht um diejenigen, die tatsächlich betroffen sind, sondern um jene, denen chronisch unwohl ist und die ständig Trost brauchen.
Wie mit Erwachsenen zu sprechen – nichts ist einfacher.
In Kyiv und der Region Kyiv sind infolge des konzentrierten Raketenangriffs 17 Menschen ums Leben gekommen und 44 verletzt worden.
In Charkiw dagegen ist es Alltag – heute Morgen wurden lediglich 11 Menschen verletzt. Zwei Banderol-Raketen. Einfach so.
Gestern haben die Russen in der Region ganz alltäglich zwei Menschen getötet. In Balaklija schlug eine Banderol ein – drei Frauen wurden verletzt (87, 79 und 82 Jahre alt). In einer Gemeinde nördlich von Charkiw haben heute die letzten drei Einwohner den Ort verlassen – früher waren es mehr als tausend. Und so weiter.
In der Region Sumy wurden durch russische Angriffe zwölf Menschen verletzt, darunter vier Kinder. In Putywl schlugen heute frühmorgens zwei FPV-Drohnen im Stadtzentrum ein (26 Kilometer von der Grenze entfernt), zwei Menschen wurden verletzt.
Gestern Abend griffen die Russen ganz alltäglich das Regionalkinderkrankenhaus von Saporischschja an – glücklicherweise ohne Verletzte.
Kann man dagegen schnell etwas tun? Natürlich. Man muss den Weg der bedingungslosen Annahme der russischen Bedingungen einschlagen.
Den Beginn dieses Weges sieht jeder – im Donbas. Und wo liegt sein Ende? Auch das ist erschreckend offensichtlich: Ukrainische Truppen in der Vorhut einer gemeinsamen Armee mit Burjaten, die den Polen erklären, wie unrecht sie doch hatten.
Wenn Sie etwas anderes glauben, täuschen Sie sich selbst. Bedingungslose Kapitulation und schnelle Entscheidungen enden genau dort.
Und wissen Sie was? Sie müssen das nicht glauben. Die Europäer dagegen sind durchaus bereit, das zu glauben. Denn unter dem Druck einer überwältigenden Macht zurückzuweichen und sich zu ergeben, ist ein zivilisierter europäischer Ansatz, die Reaktion normaler Menschen. So haben sie es noch vor gar nicht langer Zeit mehrheitlich getan.
Bis zum Tod gegen einen überlegenen Feind zu kämpfen hingegen gilt als Zeichen ostslawischer Barbarei und Verbissenheit. Und genau diese Eigenschaften sind ein untrennbarer Bestandteil unserer nationalen Mentalität.
Deshalb sind wir bis heute noch hier. Und deshalb haben wir zuvor 400 Jahre lang die fruchtbarste Ebene Eurasiens gehalten, obwohl wir keine natürlich geschützten Grenzen hatten.
Der Weg zur gemeinsamen Invasion Polens mit den Burjaten führt über ein Gefühl der Ausweglosigkeit, das die Russen geduldig heranzüchten.
Ich (und nicht nur ich, sondern viele weitaus klügere und einflussreichere Menschen) habe viel Zeit darauf verwendet, allen, die ich erreichen konnte, einen einfachen Gedanken zu vermitteln: Sobald ihr durch eure Untätigkeit die Ukrainer in die Ausweglosigkeit treibt, wartet auf Besuch. Glücklicherweise hat uns allen Genosse Trump geholfen, indem er gezeigt hat, dass die Amerikaner sich zurückziehen und euch vor dieser Schönheit nicht schützen könnten.
Und man muss Europa zugutehalten: Es wurde gewaltige Arbeit geleistet. Das hat Zeit gekostet. Und ebenso viel liegt noch vor uns.
Deshalb lautet die schnelle Lösung genau so. Gefällt sie Ihnen nicht? Dann bleibt nur die Möglichkeit, für akzeptable Bedingungen eines Friedens zu kämpfen – Bedingungen, unter denen sich der Aggressor zurückziehen muss und nicht das Opfer der Aggression.
Doch das hat seinen Preis.
Über den Preis für die Ukraine und insbesondere für die Frontregionen habe ich schon mehrfach gesprochen und erinnere beinahe täglich ein wenig daran.
Er ist schrecklich.
Deshalb bin ich ein entschiedener Anhänger der „Partei des Friedens“. Frieden – gestern schon, zu akzeptablen Bedingungen und mit anschließender Diplomatie – das ist es, was ich will. Und keineswegs nur ich. Sondern ungefähr alle, die ich kenne. Das würde Menschenleben retten.
Doch Russland will das nicht. Deshalb existiert diese Möglichkeit einfach nicht.
Sie kann erst entstehen, wenn Russland keine andere Wahl mehr hat. Dazu kann es nur gezwungen werden.
Was bedeutet das?
Man sollte sich keinerlei Illusionen machen. Es bedeutet, dass die Ukraine selbst schwer leiden wird, Russland dabei jedoch gewaltigen Schaden zufügen wird – wahrscheinlich einen Schaden, der mit dem Fortbestand des Imperiums in seiner heutigen Form unvereinbar sein wird. Vorausgesetzt, Putin hält nicht an oder wird nicht aufgehalten.
Was die konkrete Frage der Abwehr ballistischer Raketen betrifft, so habe ich darüber ebenfalls geschrieben. Unter realen Bedingungen gibt es keine Möglichkeit, die Zahl der Raketen abzufangen, die Russland starten kann. Eine solche Möglichkeit existiert technisch auf absehbare Zeit einfach nicht.
Den Druck durch ballistische Raketen kann man verringern durch:
- Einwirkung auf die Abschussanlagen;
- Einwirkung auf die Produktion;
- Sanktionen.
An all dem wird gearbeitet.
Doch erstens ist das tatsächlich äußerst schwierig (die USA und Israel können trotz völliger Luftherrschaft mit der iranischen Ballistik ebenfalls nicht fertigwerden). Zweitens hängt nicht alles von der Ukraine ab. Deshalb dauert es länger, als es dauern könnte.
Deshalb wird es weiterhin Einschläge geben. Es wird Opfer geben (ich habe vor einem Monat sogar eine ungefähre Zahl genannt) und Zerstörungen. Forderungen an die Zentralregierung und die lokalen Behörden hinsichtlich des Schutzes der Zivilbevölkerung sind berechtigt und gerechtfertigt – es wird bei Weitem nicht das Maximum getan.
Eine Chance auf eine Verringerung des Drucks könnte in einem politischen Tauschgeschäft liegen: Wir greifen Russland nicht an, sie greifen dafür bestimmte Zielkategorien bei uns nicht an. Auch daran wird gearbeitet.
So hält die Ukraine nun schon seit fast einer Woche den Rhythmus „eine Raffinerie plus ein Wildberries-Lager pro Nacht“ ein. Heute brannte ein Logistikzentrum in der Region Tula. Der Angriff auf ein Lager in Tatarstan blieb ohne Ergebnis. Macht nichts – einen Tag früher oder später …
Erfolgreich war dagegen ein weiterer (!!!) Angriff auf die Raffinerie in Ufa. OSINT-Analysten haben vorläufig festgestellt, dass die katalytische Reformieranlage L-35-11/1000 sowie die kombinierte Anlage GEXA brennen.
In den 1970er Jahren wurde diese damals revolutionäre Anlage von den Franzosen gekauft. Bis buchstäblich 2022 wurde sie auch von Franzosen gewartet, zwischen 1990 und 2010 gab es mehrere Modernisierungsphasen. Ohne technische Details: Das entspricht einer Jahresproduktion von einer Million Tonnen hochoktanigem Benzin (bis AI-100). Schmerzhaft und unerquicklich für die Russen – denn die Franzosen werden nicht mehr kommen.
Freundliche Drohnen haben die Besatzer zunächst auf der Krim vom Strom abgeschnitten, jetzt liegt der Schwerpunkt auf den vorübergehend besetzten Gebieten der Regionen Saporischschja und Donezk (unter anderem erschwert das die Arbeit der Luftabwehr, das Laden von Drohnen usw.).
Deshalb gilt:
Nutzen Sie jede Methode, die das Gefühl der Ausweglosigkeit vertreibt. Denn dafür gibt es keinen Grund.
Glauben Sie an „schwarze Schwäne“. Meditieren Sie. Schimpfen Sie über die „Odyssee“. Besticken Sie Holz mit Perlen. Gehen Sie vom schlimmsten Fall aus und bereiten Sie sich – soweit möglich – darauf vor. Denn Illusionen sind kaum besser als Ausweglosigkeit.
Zur Ablenkung können Sie sich zum Beispiel die zugleich ernüchternde und Mut machende Sendung von Yuriy Romanenko mit Viktor Kurtiev ansehen.
Morgen wird ein neuer Tag sein. Die Russen könnten auch deshalb aktiver werden, weil es heiß ist (den Juli haben wir unter anderem dank des Wetters überstanden).
Passen Sie auf sich und Ihre Angehörigen auf, tragen Sie Sonnenhüte, und wer das Glück hat, sich an einem sicheren Ort zu befinden – schwimmen Sie nicht über die Bojen hinaus.
Kommentare:
1.
Ich bin seit 2023 in Charkiw. Ehrlich gesagt, wir haben es satt – aber ein Gefühl der Ausweglosigkeit gibt es ganz sicher nicht. Das Leben pulsiert, die Menschen leben wirklich, atmen mit voller Brust. Die Uferpromenade, die Parks sind voller Familien mit Kindern, Cafés und Restaurants sind überfüllt, Theater und Ausstellungen ebenso. Und das nicht, weil wir in einer Illusion leben, sondern weil wir wissen, mit wem wir es zu tun haben. Und vor allem glauben wir an unsere Soldaten, wir glauben an uns selbst.
Uns wird niemand und nichts mehr brechen.
Und niemand wird uns dazu bringen, Frieden um jeden Preis zu wollen.
Denn der Preis ist bereits bezahlt.
Mit dem Leben Hunderttausender Gefallener.
Wir dürfen nicht aufgeben und müssen die Sümpfe ausbrennen.
Vielleicht fehlen uns die Mittel, aber wie man sagt: Steter Tropfen höhlt den Stein.
Solche Angriffe am Ende eines Krieges sind ein Zeichen dafür, dass das Imperium seinen eigenen Untergang bereits spürt – das lehrt die Geschichte.
Diese Angriffe haben keinerlei Sinn mehr, außer Angst zu verbreiten, Menschen physisch zu vernichten und sie moralisch zu brechen.
Ja, der Schaden ist gewaltig. Aber erinnern wir uns an Charkiw.
An die Jahre 2022–2023.
Damals dachten wir, dass in die leeren, zerstörten Straßen niemals wieder Leben zurückkehren würde.
Doch eine Million Menschen sind zurückgekehrt.
Wir müssen die Wirtschaft in der Ukraine unterstützen.
Ich kaufe nur ukrainische Produkte.
Keine europäischen Waren und erst recht keine chinesischen.
Boykott polnischer Produkte – aus Prinzip.
Boykott chinesischer Produkte.
Wenn jeder von uns seinen kleinen Beitrag leistet, wird unsere Wirtschaft zumindest moralisch spüren, dass wir hinter ihr stehen.
Es tut mir leid um die Menschen, die sterben. (((
Und für jeden Getöteten muss jemand zur Verantwortung gezogen werden.
⸻
2.
Russland hat seine Produktion auf 110 ballistische Raketen pro Monat gesteigert.
Und nun zerstört es systematisch einmal pro Woche mit 30 bis 40 ballistischen Raketen pro Nacht die Hauptstadt. In einem halben Jahr werden sie sie zerstört haben.
Die USA und die EU haben bewusst aufgehört, der Ukraine Patriot-Systeme zu liefern. Sie sitzen da und sehen zu, wie wir getötet werden. Sie werden tatsächlich ganz bis zum Ende an der Seite der Ukraine stehen. Daran bestehen inzwischen keine Zweifel mehr.
Das zu stoppen wäre einfach – entweder genügend Flugabwehrraketen zu liefern oder der Ukraine 110 ballistische Raketen pro Monat für Angriffe auf Moskau zu geben. Dann wäre der Terror augenblicklich vorbei. Aber unsere Partner haben andere Pläne. Ich sage Ihnen, welche: Sie wollen nicht einmal Zeit gewinnen. Sie wollen, dass Russland die Ukraine möglichst lange in Schutt und Asche legt. Jahrelang. Ist das in unserem Interesse?
Zur gleichen Zeit, in der Russland seine Produktion ballistischer Raketen auf 110 pro Monat erhöht hat, hat Shtilerman das Niveau von vier Interviews pro Monat erreicht, in denen er erklärt, dass wir bald unsere eigene Ballistik und sogar eine eigene Flugabwehrrakete haben werden. Es gibt jedoch ein großes Problem – es fehlt ein präzises Zielsystem. Wir treffen einfach nicht ins Schwarze.
Nach jedem nächtlichen Zerstörungsangriff veröffentlichen alle Medien auf Kommando Beiträge über den Wiederaufbau, den Marshallplan und so weiter und so fort. Schaut nicht nach oben. In der Nebenstraße ist gerade ein Lebensmittelmarkt.
Und absolut nichts über den tatsächlichen Stand der Dinge.
Russland wurde an der Front gestoppt, die Ukrainer haben gelernt, Schwärme von Shahed-Drohnen abzuwehren – doch Russland gewinnt den Krieg derzeit mit ballistischen Raketen.
In fünf Jahren hat die Ukraine weder eigene ballistische Raketen noch eine Flugabwehr gegen ballistische Raketen entwickelt.
Eine antiballistische Flugabwehrrakete zu entwickeln ist tatsächlich sehr schwierig. Eine gewöhnliche ballistische Rakete dagegen ist vergleichsweise leicht zu entwickeln.
Warum brauchen wir ein Leitsystem, das auf einen Quadratzentimeter genau trifft? Können wir Moskau etwa nicht treffen? Ist seine Fläche zu klein? Tausend Teufel, was soll dieser Unsinn?
Sind wir dümmer als der Iran? Es ist ein Krieg mit genozidalem Charakter – kommt schon.
Deshalb muss man sich auf die Entwicklung und Massenproduktion ballistischer Raketen im Umfang von 110 Stück pro Monat konzentrieren. Und Moskau als Antwort angreifen. Nur so lässt sich die Ukraine schützen.
Wir brauchen dringend eigene ballistische Raketen. 100 Raketen pro Monat. Eine antiballistische Flugabwehr wird fast nichts entscheiden.
Shtilerman hat doch gesagt, dass es bereits ballistische Raketen gibt. Moskau hat eine Fläche von 2.500 Quadratkilometern. Es wäre sehr schwer, es zu verfehlen. Was passiert hier eigentlich?
Hören Sie nicht auf das idiotische Narrativ, das aus allen Lautsprechern über den angeblich akuten Mangel an Patriot-Raketen verbreitet wird. Das ist Unsinn und Manipulation. Es gibt einen Mangel an ukrainischen ballistischen Raketen – und an Verstand.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Social Media
Autor: Aleksey Kopytko
Veröffentlichung: 05.08.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:
Original ansehen
Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.