
https://www.facebook.com/share/p/1EkEASct8a/?mibextid=wwXIfr
Ich musste wiederholt erklären, dass Putin nicht in den Kategorien von Krieg und Verhandlungen denkt, sondern in den Kategorien einer Spezialoperation – was angesichts seiner KGB-Ausbildung und Prägung völlig logisch ist. Und genau jetzt beobachten wir eine weitere Spezialoperation: Ein anonymer General und ein nicht anonymer Milliardär warnen uns vor schrecklichen Folgen für die Welt und für Russland selbst, falls der Krieg nicht bald beendet wird. Und als Krönung des Ganzen berichten irgendwelche anonymen Quellen im Kreml den Kollegen von der Nachrichtenagentur Reuters, dass Putin trotz all dieser Risiken bereit sei, den Krieg fortzusetzen, und ihn die Eskalation sogar zusätzlich ermutige.
Welche Schlussfolgerungen kann ein nüchtern denkender Mensch aus dieser Fülle von Informationen ziehen? Russland nähert sich mit großen Schritten einem echten Abgrund, der unvorhersehbare Folgen, Destabilisierung und eine stärkere Rolle Chinas mit sich bringen könnte – doch Putin denkt nicht daran, darauf Rücksicht zu nehmen, sondern will den Krieg fortsetzen. Offensichtlich muss alles darangesetzt werden, den Krieg zu beenden, bevor Russland in diesen Abgrund stürzt. Und wenn man Putin davon nicht überzeugen kann, dann muss man eben Zelensky überzeugen. Die Ukraine soll auf mögliche und unmögliche Kompromisse eingehen, um den Westen zu retten und Putin alles zu geben, was er verlangt.
Das ist eine so einfache und primitive Spezialoperation, dass man sie nicht einmal entschlüsseln muss – sie ist selbst für einen Erstsemester der Andropow-Hochschule offensichtlich. Unverständlich ist nur, warum die Kollegen jedes Mal wieder auf diesen Haken hereinfallen.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Der erste ist der Versuch, die Regeln des westlichen Journalismus mit dem gleichzusetzen, was in Russland geschieht. Für einen westlichen Journalisten ist es sehr schwer, sich selbst einzugestehen, dass drei Quellen im Kreml etwas völlig anderes sind als drei Quellen im Weißen Haus. Und selbst wenn er sich das eingesteht – wie soll er dann seinem eigenen Medienunternehmen seinen Nutzen beweisen? Genau deshalb täuschen die in der russischen Hauptstadt akkreditierten Kollegen seit Jahrzehnten sich selbst und ihre Arbeitgeber – und werden, statt Menschen zu sein, die Informationen beschaffen, zu einem Instrument der Informationspolitik in den Händen des FSB.
Der zweite Grund ist die Nutzung von Influencern, die von ihrer eigenen Kompetenz überzeugt sind. Das ist im Grunde der israelische Fehler. In Israel mag man glauben, die iranische Gesellschaft zu kennen, weil sich Menschen mit ihr beschäftigen, die aus dem Iran stammen, die Sprache beherrschen und die Entwicklungen verfolgen. Dabei wird oft nicht vollständig erkannt, wie grundlegend sich das Gefüge dieser Gesellschaft nach dem Sieg der Islamischen Revolution verändert hat.
Dasselbe geschieht mit der russischen Emigration. Es ist kein Zufall, dass gerade Emigranten eingesetzt werden, um Narrative zu verbreiten, die den Westen überzeugen sollen – Menschen, die fest davon überzeugt sind, die innere Lage genau zu verstehen und über außergewöhnliche Quellen zu verfügen. Würden sie sich selbst eingestehen, dass kein General ohne das Einverständnis der Lubjanka mit ihnen sprechen wird und kein Milliardär ein großes Interview gibt oder eine Kolumne veröffentlicht, ohne dass diese zuvor mit den zuständigen Diensten oder der Präsidialverwaltung Russlands abgestimmt wurde, dann würde sich sofort die Frage nach ihrer eigenen Eignung, ihrer journalistischen Autorität sowie nach dem Interesse des Publikums und der Medienunternehmen an ihren beruflichen Fähigkeiten stellen – jener Medienunternehmen, die sie weiterhin als Russland- oder postsowjetische Experten betrachten. Und so werden auch diese Menschen aus Journalisten zu Instrumenten des Informationskriegs. Dabei werden sie sich das selbst niemals eingestehen.
Man kann sich darüber wundern, dass Menschen, die in einem totalitären Staat aufgewachsen sind oder gezwungen waren, aus einem totalitären Staat auszuwandern, die Regeln nicht begreifen wollen, nach denen Informationen in einem solchen Staat funktionieren. Das Wichtigste, was sie verstehen müssten, ist: Nicht abgestimmte Informationen gibt es in einem solchen System nicht. Und die Abstimmung von Informationen ist selbst Teil einer Spezialoperation.
Deshalb besteht die wichtigste Aufgabe eines Journalisten nicht darin, die Thesen zu verbreiten, die der Urheber einer Spezialoperation vorgibt, sondern darin, deren Ziel zu verstehen.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Social Media
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 11.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:
Original ansehen
Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.