Trump hat Putin verwirrt | Vitaly Portnikov. 10.07.2026.

Offenbar ist man im Kreml von den jüngsten Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, zum russisch-ukrainischen Krieg überrascht, zugleich aber nicht bereit, einen ernsthaften Konflikt mit dem Hausherrn des Oval Office zu riskieren.

Trump hatte bekanntlich nach seinem Gespräch mit Volodymyr Zelensky angekündigt, den russischen Präsidenten anzurufen. Doch Putin wartete vergeblich auf diesen Anruf. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betonte jedoch, Trump sei offenbar sehr beschäftigt gewesen und habe deshalb keine Zeit für seinen Chef gefunden. Im Kreml sei man aber jederzeit zu einem Dialog mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten bereit.

Eine weitere Erklärung, die im Kreml auf offensichtliches Unverständnis stieß, war die Tatsache, dass der amerikanische Präsident gemeinsam mit anderen Vertretern seiner Administration die ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien und Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes faktisch unterstützte. Peskow weigerte sich jedoch, diese Haltung des amerikanischen Präsidenten als Eskalation zu bezeichnen. Er betonte, es handle sich lediglich um einen Irrtum des Präsidenten der Vereinigten Staaten – ebenso wie dessen Auffassung, militärischer Druck auf die Russische Föderation werde zu einer Lösung des Konflikts um die Ukraine beitragen.

Eine weitere Äußerung des amerikanischen Präsidenten, die in Moskau für Verärgerung sorgt, betrifft Trumps Aussage, er habe mit Zelensky über eine mögliche Schließung des ukrainischen Luftraums gesprochen – allerdings offenbar erst nach dem Ende der Kampfhandlungen. „Es hatte niemand darüber gesprochen, den ukrainischen Luftraum bereits vor dem Ende der Kampfhandlungen zu schließen“, betonte Peskow. Er erinnerte daran, dass die Schließung des Luftraums über der Ukraine den Einsatz von Streitkräften der NATO-Mitgliedstaaten voraussetze – und genau dagegen werde die sogenannte militärische Spezialoperation geführt.

Auch das ist, wie ich sagen würde, eine neue Charakterisierung der russischen Handlungen. Bisher dachten wir, die militärische Spezialoperation werde geführt, um der Bevölkerung des Donbas zu helfen oder die Ukrainer von der Herrschaft der sogenannten Nazis zu befreien. Nun stellt sich heraus, dass es in Wirklichkeit darum geht, den Einsatz der Luftstreitkräfte der NATO-Mitgliedstaaten im ukrainischen Luftraum zu verhindern.

Natürlich hat man in Moskau auch bemerkt, dass die Vereinigten Staaten die Ukraine weiterhin mit Waffen beliefern. Die einzige Reaktion des Kremls lautet, dass man dies in Moskau nicht durch die rosarote Brille betrachten werde. Gleichzeitig werde man jedoch den Umstand zur Kenntnis nehmen, dass die Amerikaner bereit seien, der Ukraine Waffen zu liefern und zugleich den Friedensprozess zu fördern. Auch das ist ein weiterer Versuch, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Mit anderen Worten: „Obwohl die Vereinigten Staaten den Ukrainern dabei helfen, russische Soldaten sowie russische Einrichtungen des Ölraffinerie- und militärisch-industriellen Komplexes zu zerstören, werden wir dennoch davon ausgehen, dass Trump Friedensbemühungen unternimmt“, weil man einen offenen Streit mit dem amerikanischen Präsidenten fürchtet.

Peskow versprach außerdem, dass die Pufferzone an der russisch-ukrainischen Grenze umso größer werde, je länger Kyiv Angriffe auf die Russische Föderation ausführe. Dementsprechend werde sich auch die Dauer der sogenannten militärischen Spezialoperation verlängern.

Diese Worte des Pressesprechers des russischen Präsidenten bestätigen im Grunde die heute von der Nachrichtenagentur Reuters verbreitete Information, wonach Präsident Putin entschlossen ist, den Krieg fortzusetzen. Er habe die Vorschläge jener Berater zurückgewiesen, die empfohlen hatten, die Kampfhandlungen entlang der Frontlinie in den Gebieten Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja einzustellen.

Putin hofft weiterhin, dass seine Truppen das gesamte Gebiet der Region Donezk erobern können, und bereitet neue Maßnahmen im Zusammenhang mit einer Mobilisierung in Russland vor. Wir verstehen jedoch sehr gut, dass die Äußerungen Donald Trumps die Stimmung des russischen Präsidenten zumindest teilweise verändern. Denn neben der Möglichkeit, die sogenannte Spezialoperation fortzusetzen, muss Putin nun auch den Faktor berücksichtigen, dass die Vereinigten Staaten bereit sein werden, der Ukraine weiterhin im Kampf gegen die russische Aggression zu helfen – die ukrainischen Möglichkeiten zur Vernichtung russischer Soldaten, die sich weiterhin auf ukrainischem Boden befinden, sowie zur Zerstörung russischer Ölraffinerien, Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes und der russischen Infrastruktur auszubauen – sowohl in den besetzten ukrainischen Gebieten als auch auf dem gesamten Territorium der Russischen Föderation, inzwischen sogar jenseits des Urals in Sibirien, wie es beim inzwischen stillgelegten Ölraffineriewerk in Omsk der Fall war.

Das könnte die Pläne des russischen Präsidenten für einen langen Krieg natürlich verändern – einfach deshalb, weil Putin dann weder über die notwendigen Ressourcen noch über genügend Geld und Menschen verfügen würde, um einen jahrelangen Krieg zur Eroberung des ukrainischen Donbas zu führen.

Deshalb wird man im Kreml nun natürlich alles daransetzen, Trump irgendwie davon zu überzeugen, dass seine während der Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten vertretene Position falsch gewesen sei und dass der amerikanische Präsident nach Wegen suchen sollte, sich mit seinem russischen Kollegen zu verständigen. Dieser ist bekanntlich zu jedem Kompliment gegenüber seinem amerikanischen Amtskollegen bereit – solange er den Krieg gegen unser Land gewissermaßen zu Vorzugsbedingungen fortsetzen kann.

Es könnte jedoch ebenso sein, dass Donald Trump:

  • erstens Putins Komplimente inzwischen leid ist, weil sie von keinerlei konkreten Zugeständnissen des Präsidenten der Russischen Föderation begleitet werden;
  • zweitens erkennt, dass die Ukraine tatsächlich in der Lage ist, das Ölraffinerie- und Ölpotenzial der Russischen Föderation zu zerstören – was den amerikanischen Interessen in einer Zeit entspricht, in der kein intensiver Krieg mit dem Iran stattfindet;
  • drittens begreift, dass die Zerstörung des russischen Militärpotenzials und die Erfolge der Ukraine im Krieg gegen die Russische Föderation nicht nur den Erwartungen der demokratischen, sondern auch der republikanischen Wählerschaft in den Vereinigten Staaten entsprechen. Somit könnten die Demütigung Russlands und Maßnahmen, die zur Niederlage eines der abscheulichsten Staaten der heutigen Welt führen sollen, den Republikanern zumindest helfen, ihre Positionen bei den schwierigen Kongresswahlen im Herbst dieses Jahres zu verbessern – auch wenn die Ukraine-Frage im laufenden amerikanischen Wahlkampf nicht zu den wichtigsten Themen gehört.

Unter diesen Umständen wird es für Putin nicht leicht sein, Trump zu überzeugen. Zumal der amerikanische Präsident ihn nicht einmal anruft.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп спантеличив Путіна | Віталій
Портников. 10.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 10.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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