Der nächtliche Angriff auf die besetzte Krim hat erneut die Verwundbarkeit der Halbinsel und die Unfähigkeit der russischen Behörden demonstriert, sie vor Raketenangriffen und Drohnentreffern zu schützen. Die Beschädigung der Brücken bei Armjansk wird die Verbindung zwischen dem Gebiet der Autonomen Republik Krim und dem besetzten Teil des ukrainischen Festlands weiter erschweren und damit die ohnehin schwierige Treibstoffkrise auf der Halbinsel sowie die Möglichkeiten der russischen Streitkräfte für eine weitere Aggression gegen die Ukraine zusätzlich verschärfen.
Bereits 2014 habe ich betont, dass die Besetzung der Krim selbst ein strategischer Fehler des russischen Präsidenten Putin war, der mit einer archaischen Vorstellung von der Rolle der Krimhalbinsel und Sewastopols im Hinblick auf die militärisch-technischen Möglichkeiten Russlands zusammenhing.
Um die Wahrheit zu sagen: Nicht nur Putin irrte sich, auch die russischen Kaiser irrten sich. Die Krim hat Russland nie dabei geholfen, seine Präsenz im Schwarzen Meer oder seine Möglichkeiten in Konflikten mit anderen Staaten zu stärken. Sewastopol war immer eine Stadt der russischen Schande und keineswegs des Ruhms. Schon diese Terminologie erinnert erneut an den Wunsch der Russen, die Realität zu verfälschen, mit der ihr Land konfrontiert war. Sewastopol ist eine Stadt, die zum Symbol der schmachvollen Niederlage im Krimkrieg wurde.
Sewastopol und die Krim wurden zum Symbol der Vernichtung der letzten Inseln der antibolschewistischen Bewegung durch die sowjetische Rote Armee. Sewastopol konnte im Zweiten Weltkrieg nicht gehalten werden. Und wie wir sehen, entwickelt sich die Situation auch heute nicht besonders günstig für die von Russland besetzte Stadt.
Die Verbindung mit dem Festland ist die Antwort auf die Frage, warum man keine Hoffnungen auf die Krim setzen sollte. Als Putin ausschließlich das Gebiet der Krimhalbinsel besetzte, erinnerte er sich nicht einmal daran, dass der Krimstaat einst einen großen Teil des Festlands kontrollierte und genau dann zu verfallen begann, als die Truppen des Moskauer Staates das Krim-Khanat von diesem Festland verdrängten. Putin erinnerte sich auch nicht daran, dass die Übergabe der Krim von Sowjetrussland an die Sowjetukraine damit zusammenhing, dass die Halbinsel damals keine administrative Verbindung zum ukrainischen Festland hatte, was ihre Entwicklung behinderte.
Es wiederholte sich dieselbe Situation wie immer in der Geschichte. Die Halbinsel begann zu verfallen. Putin traf die Entscheidung, benachbarte ukrainische Gebiete zu besetzen, um die Situation auf dem besetzten Gebiet der Krim zu retten. Der große russisch-ukrainische Krieg begann.
Und dann stellte sich heraus, dass Putins Hoffnungen auf die Schwarzmeerflotte als wichtigen Faktor in diesem Krieg vergeblich waren. Die Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation konnte ausschließlich als Besatzungskontingent auftreten. Nicht als Flotte, sondern als Bande, die 2014 die Annexion der Krim durch russische Halunken auf der Schwarzmeerhalbinsel unterstützte. Doch als es zum wirklichen Krieg kam, noch bevor er sich in einen Krieg der Raketen und Drohnen verwandelte, musste die Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation, wie schon mehrfach in ihrer schmachvollen Geschichte, Sewastopol verlassen, sich in die Buchten von Noworossijsk zurückziehen und sich dort vor ukrainischen Raketen und Drohnen verstecken – vielleicht in der letzten Phase ihrer unheilvollen Geschichte.
Und nun hat sich herausgestellt, dass die Streitkräfte der Ukraine in der Lage sind, die Verbindung zwischen dem besetzten Teil des ukrainischen Festlands und der besetzten Krim zu unterbrechen. Das führt natürlich zu einer neuen schweren Krise auf der Halbinsel, zu neuen logistischen Problemen und zu dem Verständnis, dass die Krim unter russischer Besatzung nicht überleben kann.
Auf diese Weise werden objektive Voraussetzungen geschaffen, damit die russische Gesellschaft zu begreifen beginnt, dass der einzige reale Ausweg für Russland und das russische Volk in der Zukunft darin besteht, auf die geraubten, von Russland besetzten Gebiete zu verzichten und sich einzuprägen, dass die Autonome Republik Krim und Sewastopol eine ukrainische Region und eine ukrainische Stadt sind, die nichts mit russischem Raub zu tun haben.
Ja, Russland ist es mehrmals gelungen, die Kontrolle über die Krim zu erlangen. Aber die Gerechtigkeit muss früher oder später wiederhergestellt werden. Krim und Russland müssen zu gegensätzlichen Begriffen werden. Die russische Periode in der Geschichte der Krim muss sowohl in ukrainischen als auch in russischen und natürlich in krimtatarischen Lehrbüchern als eine Periode der Schande charakterisiert werden, die gestrichen und vergessen werden muss wie eine schreckliche Seite in der Geschichte der Halbinsel.
So sollte es in der Zukunft sein, wenn der russisch-ukrainische Krieg beendet ist und Bedingungen geschaffen werden, um das Völkerrecht wiederherzustellen, die russischen Handlungen nach 2014 zu verurteilen, Voraussetzungen für die Bestrafung russischer Kriegsverbrecher zu schaffen und bei den Bürgern der Russischen Föderation ein Verständnis sowohl für die strafrechtliche Verantwortung derjenigen zu entwickeln, die Verbrechen begangen haben, als auch für die moralische Verantwortung derjenigen, die diesen Verbrechen zugestimmt haben. Denn es ist kein großes Geheimnis, dass die Zustimmungswerte des russischen Präsidenten Putin unter seinen Landsleuten nach der Annexion der Krim rasch zu steigen begannen.
Somit haben wir es nicht nur mit einem unmoralischen Präsidenten, einer unmoralischen Armee und einer unmoralischen Schwarzmeerflotte zu tun, sondern auch mit einer unmoralischen Gesellschaft von Räubern, die das Völkerrecht nicht achtet und nun die offensichtlichen Folgen ihrer Unmoral zu spüren bekommt: die Verwicklung des eigenen Landes in einen Krieg und die Zerstörung der eigenen menschlichen und nationalen Perspektiven für lange, trostlose Jahrzehnte.
Und natürlich wäre es nicht wünschenswert, dass die von Russland besetzten Gebiete wie die Krim oder der Donbass dieses unglückliche Schicksal mit den Russen teilen. Denn selbst wenn es der Ukraine gelingt, sich aus den Ruinen der Kriegsgefahr zu befreien, die durch Putins Abenteuer geschaffen wurden, gibt es keinerlei Garantie dafür, dass Russland ebenfalls zu einem friedlichen Land werden kann und nicht neue Eroberungskriege beginnt, nachdem es die Ukraine nicht hat verschlingen können.
Und erneut werden Drohnen und Raketen auf die Häuser der Russen fliegen und ihre Lebensperspektiven sowie ihre Vorstellungen von der Zukunft zerstören.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Масовані удари по Криму | Віталій Портников. 11.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 11.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.
Vielen Dank für Ihren engagierten Beitrag. Die von Ihnen beschriebenen Folgen des russischen Angriffskrieges sind erschütternd und verdienen eine klare Benennung. Zugleich halte ich es für wichtig, zwischen den Entscheidungen der politischen Führung und der gesamten Bevölkerung zu unterscheiden. Kollektive moralische Urteile über Millionen Menschen bergen die Gefahr, individuelle Verantwortung und individuelles Leid aus dem Blick zu verlieren. Gerade in Zeiten von Krieg und Gewalt erscheint mir eine differenzierte, menschenwürdige Betrachtung aller Betroffenen besonders wichtig.
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