J. D. Vance beschuldigt die Ukraine | Vitaly Portnikov. 07.04.2026.

Der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance beschuldigte während eines gemeinsamen Auftritts mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán die ukrainischen Geheimdienste, sich in die Wahlen in den Vereinigten Staaten und in Ungarn eingemischt zu haben.

J. D. Vance versuchte, diese seine Einschätzung dadurch abzumildern, dass an den Wahlen und an der Einmischung in sie einzelne Elemente aus den ukrainischen Geheimdiensten beteiligt seien, dass dies mit der Komplexität des Systems zusammenhänge, in dem es sowohl anständige Menschen als auch solche gebe, die bereit seien, sich in den Wahlprozess in beiden Ländern einzumischen. Doch die Tatsache bleibt bestehen. Der amerikanische Vizepräsident versuchte, Viktor Orbán zu helfen, die ukrainische Karte während einer für den ungarischen populistischen Politiker misslungenen Wahlkampagne auszuspielen.

Schon die Tatsache des Auftretens des amerikanischen Vizepräsidenten auf ungarischem Boden während dieser Wahlkampagne ist eine beispiellose Einmischung der Administration des Weißen Hauses in den Wahlprozess europäischer Länder. Und das ist, wie wir verstehen, keineswegs eine Einmischung irgendwelcher Geheimdienste. Viktor Orbán wurde offen vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump unterstützt. J. D. Vance flog gerade während eines schwierigen Verhandlungsprozesses mit dem Iran, an dem er beteiligt ist, nach Budapest, um für Viktor Orbán zu werben und diejenigen, die zu dem Treffen mit ihm und dem ungarischen Ministerpräsidenten gekommen waren, von dem unvermeidlichen Sieg des ungarischen Regierungschefs zu überzeugen. Das wirft gewisse Fragen darüber auf, ob Orbán selbst sowie seine ultrarechten Förderer in den Vereinigten Staaten im Falle einer Niederlage bei den Parlamentswahlen in Ungarn überhaupt bereit wären, diese anzuerkennen – vor dem Hintergrund des berühmten Sturms auf das Kapitol, der Donald Trump helfen sollte, nach verlorenen Präsidentschaftswahlen an der Macht zu bleiben.

Solche Annahmen sind keineswegs irgendeine Phantasmagorie. Keineswegs zufällig sagen heute viele Beobachter, dass Orbán möglicherweise nicht bereit sein könnte, die Macht abzugeben, selbst wenn seine odios ultrarechte Partei bei den Parlamentswahlen eine vernichtende Niederlage durch das ungarische Volk erleidet.

Besonders symbolisch ist die Tatsache, dass die Aussagen des amerikanischen Vizepräsidenten, der ebenfalls für seine ultrarechten Ansichten und seine Unwilligkeit bekannt ist, das zivilisatorische Wesen des europäischen Projekts zu begreifen, vor dem Hintergrund des Auftauchens eines Protokolls eines Telefongesprächs des ungarischen Ministerpräsidenten mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Vladimir Putin, in den Medien erfolgen. Während dieses Gesprächs versichert Orbán dem russischen Präsidenten – und das bereits nach Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine – seine unverbrüchliche Freundschaft, seine Bereitschaft, Putins Interessen zu verteidigen, eine Maus zu sein, die dem Löwen den Käfig öffnet.

Mit diesem Löwen bezeichnet der ungarische Ministerpräsident, wie wir verstehen können, einen odiosen Politiker, an dessen Händen das Blut ukrainischer Frauen und Kinder klebt, der aber dennoch Führer eines demokratischen Landes bleibt – eines Mitglieds der Europäischen Union und der NATO. Zugleich arbeiten seine Minister faktisch als Einflussagenten der russischen politischen Führung und russischer Oligarchen, die unter Sanktionen der Europäischen Union stehen – eben jener Sanktionen, die auch von der ungarischen Regierung gebilligt wurden.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die Aussagen von J. D. Vance noch unzulässiger, noch odioser und noch gefährlicher als zuvor, bevor die ganze Welt davon überzeugt war, dass Viktor Orbán, sein Außenminister Péter Szijjártó und andere Vertreter der ungarischen Regierung im Grunde eine russische Agentur innerhalb der Europäischen Union darstellen.

Und vor diesem Hintergrund ist es natürlich auch interessant zu betrachten, wessen Interessen Donald Trump verteidigt, wenn er Viktor Orbán unterstützt, wessen Interessen J. D. Vance verteidigt. Wie kommt es, dass die Grenzen der Unterstützung europäischer Politiker durch die Vereinigten Staaten vollständig mit den Grenzen der russischen Unterstützung derselben Politiker übereinstimmen? Hat das tatsächlich mit amerikanischen – oder vielleicht mit russischen – Staatsinteressen zu tun, die der Vizepräsident der Vereinigten Staaten in Budapest so dreist verteidigt, wenn er ukrainische und nicht russische Geheimdienste der Einmischung in die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten oder die Parlamentswahlen in Ungarn beschuldigt?

Und wie kommt es, dass wir vor dem Hintergrund der permanent antichinesischen Rhetorik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump sehen, dass auch die Grenzen der chinesischen Interessen vollständig mit jenen politischen Zielen übereinstimmen, die Donald Trump J. D. Vance vorgegeben hat? Wir erinnern uns gut daran, dass der Vorsitzende der Volksrepublik China, Xi Jinping, während seiner Europareise und seines Treffens in Frankreich mit dem Präsidenten dieses Landes, Emmanuel Macron – wobei Frankreich einer der wichtigsten wirtschaftlichen Partner Chinas ist – Belgrad und Budapest besuchte, also die Hauptstädte von Ländern, die für die Volksrepublik China keineswegs wichtige wirtschaftliche Partner sind.

Einen solchen Besuch bei Viktor Orbán konnte man durchaus als Zeichen aufrichtiger politischer Unterstützung seitens Xi Jinpings betrachten. Ebenso konnte man die Reise Viktor Orbáns in die russische Hauptstadt und seine Verhandlungen mit Putin stets als Zeichen aufrichtiger politischer Unterstützung Orbáns für den russischen autoritären Führer betrachten. Zumal, wenn man für diesen Führer eine Maus sein will, die ihn vor Angriffen der eigenen Bündnispartner schützt, kann man überallhin reisen.

All dies wirft sehr ernste Fragen darüber auf, die Administration welches Landes und welcher Interessen heute die Büros im Weißen Haus besetzt hat und für welche Länder die Hauptakteure dieser Administration tatsächlich arbeiten. Und ob die Bereitschaft von J. D. Vance, den Sieg eines Politikers zu wünschen, der Partner von Putin und Xi Jinping ist, den Interessen der Vereinigten Staaten entspricht – oder eher den Interessen Russlands und Chinas.

Und warum die Administration von Donald Trump mit solcher Hartnäckigkeit, mit solcher Energie und noch dazu während eines Krieges, der Trump seine eigenen politischen Perspektiven und Vance seinen Platz im Oval Office kosten könnte, für die Interessen von Putin und Xi Jinping kämpft, als hätten Trump und Vance keine eigenen Interessen und als hätten sie nie etwas von den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika gehört – eines Landes, das sie während ihres Staatsdienstes eigentlich hätten verteidigen sollen. Aber nein.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Венс звинувачує Україну | Віталій Портников. 07.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 07.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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