Öl unter Bedrohung: Die Ohnmacht der USA | Vitaly Portnikov. 12.03.2026.

Der Energieminister der Vereinigten Staaten, Chris Wright, hat eingeräumt, dass die amerikanischen Streitkräfte derzeit nicht bereit sind, Öltanker durch die Straße von Hormus zu eskortieren. Mit einem entsprechenden Vorschlag war zuvor US-Präsident Donald Trump aufgetreten. Allerdings stellte sich heraus, dass es sehr viel schwieriger ist, Trumps Versprechen umzusetzen, als mit einem solchen Vorschlag aufzutreten.

Chris Wright stellte fest, dass das amerikanische Militär, das derzeit wiederholt Hilfsersuchen mehrerer Öltankerbesatzungen ablehnt, möglicherweise erst Ende März bereit sein wird, Schiffe zu eskortieren. Der demokratische Senator Chris Murphy, der an einer vertraulichen Unterrichtung über die Fortsetzung der amerikanisch-israelischen Operation gegen Iran sowie über die Lage in der Straße von Hormus teilnahm, betonte jedoch, dass die Führung der Vereinigten Staaten praktisch keinen Plan für eine mögliche Öffnung der Meerenge habe. Murphy äußerte sein Unverständnis darüber, dass die Initiatoren des Krieges gegen die iranischen Ajatollahs die Möglichkeit einer Blockade der Öltransportwege nicht vorausgesehen hätten.

Allerdings ist vollkommen klar, warum nichts dergleichen geschehen ist. Donald Trump bereitete sich auf einen blitzartigen Angriff gegen Iran vor und war möglicherweise überzeugt, dass nach der Beseitigung des Obersten Führers Irans, Ajatollah Ali Khamenei, sowie einer Reihe politischer Führer und Militärkommandeure der Islamischen Republik das Regime verschwinden würde, als hätte es all die Jahrzehnte nie gegeben. Doch Trumps Berechnungen sind gescheitert. Bereits dreizehn Tage nach Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran kann man von einer solchen Stabilität des Regimes sprechen, dass es selbst die Routen für den Transport von Öl diktieren kann.

Zu den Hauptnutznießern der weltweiten Energiekrise zählen derzeit zwei Länder, zwei Verbündete: Iran und die Russische Föderation. Iran hat seine Ölverkäufe inzwischen sogar gesteigert – im Gegensatz zu den Staaten des Persischen Golfs, die sowohl ihre Verkäufe als auch ihre Förderung reduzieren müssen, weil das Öl nicht über die üblichen Routen transportiert werden kann.

Gleichzeitig verbieten die Vereinigten Staaten Israel, iranische Energieanlagen anzugreifen, aus Angst, solche Angriffe könnten eine noch größere Krise auf dem Öl- und Gasmarkt auslösen und damit bereits in den Vereinigten Staaten selbst eine wirtschaftliche Krise verursachen. Dort steigen die Benzinpreise weiter, was wiederum zu höheren Preisen für zahlreiche Waren und Dienstleistungen führen wird.

Russland gehört zu den wenigen Ländern, die in der Lage sind, den Mangel an Öl auf dem Weltmarkt auszugleichen. Und die Vereinigten Staaten sind praktisch gezwungen, in ihren Beziehungen zu Wladimir Putin Kompromisse einzugehen. Putin genießt diese Verwirrung seines amerikanischen Kollegen, der bekanntlich vor einigen Tagen im Kreml angerufen hat, um Unterstützung beim russischen Präsidenten zu suchen.

Tatsächlich mussten die Vereinigten Staaten in dieser Situation praktisch darüber hinwegsehen, dass Indien – das unter dem Druck Trumps auf den Kauf russischen Öls verzichtet hatte – wieder begonnen hat, in großem Umfang russisches Rohöl zu kaufen. Damit hat sich die Situation mit den russischen Ölverkäufen und mit den russischen Tankern, die mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate lang auf See nach Käufern gesucht hatten, zugunsten Wladimir Putins gewendet. Dies wirkt sich direkt auf die Auffüllung des russischen Staatshaushalts aus, der für den Präsidenten der Russischen Föderation so wichtig ist, um den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen – jenen Krieg, den Trump noch vor seiner Rückkehr ins Oval Office zu beenden versprochen hatte. Nun zeigt sich, dass die Handlungen des amerikanischen Präsidenten nicht zur Beendigung, sondern zur Fortsetzung dieses Krieges beitragen und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zugleich ein weiteres schweres außenpolitisches Fiasko drohen.

Neben Indien versuchen inzwischen auch andere Länder, von den Vereinigten Staaten eine Genehmigung für den Kauf russischen Öls zu erhalten. Zu diesen Ländern gehört beispielsweise Bangladesch, dessen Führung sich gerade heute an das Weiße Haus mit der Bitte gewandt hat, solche Käufe zu erlauben.

Und Iran kann nun den Durchgang der Tanker durch die Straße von Hormus dirigieren. Heute hat die Führung der Islamischen Republik beispielsweise Indien mitgeteilt, dass seine Tanker diese enge Passage der Energielieferungen ungehindert passieren könnten. Mehrere indische Tanker haben bereits ihre Fahrt durch die Straße von Hormus begonnen. Dies wird den indischen Premierminister Narendra Modi selbstverständlich dazu bewegen, sich jenen anzuschließen, die ein möglichst rasches Ende der amerikanischen Operation gegen Iran fordern werden – unabhängig davon, zu welchen Ergebnissen sie führen könnte.

Allerdings scheint das iranische Regime selbst keineswegs an einem schnellen Ende interessiert zu sein, weil es auf eine öffentliche Demütigung des Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Vereinigten Staaten selbst setzt. Der Präsident Irans, Masoud Pezeshkian, erklärte bereits, dass ein Ende der Kampfhandlungen nur möglich sei, wenn Iran verlässliche Sicherheitsgarantien erhalte, die einen neuen Angriff der Vereinigten Staaten ausschließen würden, sowie die Möglichkeit, einen vollständigen nuklearen Brennstoffkreislauf zu entwickeln. Dies ist natürlich weder für den Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump noch für den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu akzeptabel. Denn dann würde sich die Frage stellen: Wozu wurde diese Spezialoperation überhaupt begonnen? Kann man die Beseitigung des sechsundachtzigjährigen Ajatollah Ali Khamenei als irgendein ernsthaftes Ergebnis betrachten, das zu Veränderungen in der geopolitischen Situation der Welt geführt hat? Und vor allem: hat es die Sicherheit des jüdischen Staates gewährleistet – was im Grunde der Sinn der Bemühungen sowohl des Präsidenten der Vereinigten Staaten als auch des israelischen Premierministers war?

Es ist klar, dass Washington auf diese Bedingungen nicht eingehen wird. Daher kann man auch die Worte des Energieministers der Vereinigten Staaten infrage stellen, der behauptete, die Maßnahmen Donald Trumps gegen Iran könnten mehrere Wochen und nicht Monate dauern. Wie im Fall des russisch-ukrainischen Krieges besitzt der Präsident der Vereinigten Staaten keinen magischen Chronometer, der es ihm erlaubt, Kriege nach Belieben zu beginnen oder zu beenden.

Sowohl der Präsident der Russischen Föderation Wladimir Putin als auch die Führung Irans und der Vorsitzende der Volksrepublik China, Xi Jinping, sind daran interessiert, dass Trump sich aus der Falle des Nahostkonflikts nicht mehr befreien kann und dass dieser Konflikt möglichst lange andauert, die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten verschlechtert und möglicherweise auch das Sicherheitsgefühl in diesem Land untergräbt. Dabei wird sogar darüber gesprochen, dass Iran versuchen könnte, mit Drohnen die Küste der Vereinigten Staaten zu beschießen, um sich für die Liquidierung des Obersten Führers und anderer Vertreter des Regimes zu rächen.

Sollte eine solche Operation tatsächlich durchgeführt werden, würde sie die Vorstellungen amerikanischer Bürger darüber, dass sie durch einen „wunderbaren Ozean“ geschützt sind, dauerhaft verändern. Dieser Mythos würde verschwinden – ebenso wie viele andere Mythen aus der Zeit der Präsidentschaft Donald Trumps.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нефть под угрозой: бессилие США | Виталий Портников. 12.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.03.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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