
In den letzten Jahrzehnten sind Museen der Illusionen zu einem echten Markenzeichen des Welttourismus geworden – wohin man auch reist, man kann immer ein solches besuchen. Paris, Vilnius, Barcelona, Wien, Krakau, New York, Washington, Philadelphia, San Diego, San Francisco, Denver, Tel Aviv, Dubai, Osaka, Shanghai, Kapstadt, Nairobi, Sydney… Allein die Aufzählung der Städte würde fast den gesamten Umfang dieses Textes einnehmen. Und in dieser Industrie gibt es ein bestimmtes Merkmal unserer Zeit – die Menschen wollen der Realität immer mehr entfliehen, von Computerspielen bis hin zu entsprechenden Museen…
Wenn man die Situation aufmerksam betrachtet, sehen wir, dass unser ganzes Leben inzwischen in einem Museum der Illusionen vergeht. Die Ukrainer – zumindest die überwiegende Mehrheit – hatten die Illusion, dass Russland die Ukraine niemals angreifen würde, und diese Überzeugung bestimmte auf erstaunliche Weise weiterhin die Wahrnehmung der Realität – oder, genauer gesagt, der Anti-Realität; selbst die Besetzung der Krim und des Donbas änderte daran nichts. Putin lebt weiterhin in der Illusion eines unvermeidlichen Sieges über die Ukraine – und ich weiß nicht, ob er in diesen vier Jahren seinen Glauben daran aufgegeben hat, dass die Ukrainer vom Einmarsch der russischen Truppen träumen.
Im Jahr 2014 sagte Putin, als er die Möglichkeit der Entsendung seiner Truppen in die Ukraine kommentierte, dass „doch einmal jemand von den ukrainischen Militärs versuchen solle, auf seine eigenen Leute zu schießen – die russischen Soldaten würden hinter den Menschen stehen, nicht davor, sondern dahinter“. Und ich schrieb damals einen Artikel darüber und sprach von der Bereitschaft des russischen Präsidenten, ukrainische Frauen und Kinder als lebenden Schutzschild für seine Armee zu benutzen. Daraufhin wandte sich das Außenministerium der Russischen Föderation an den Konzern, auf dessen Plattform mein Text veröffentlicht worden war, mit dem Vorwurf der Verleumdung und manipulativen Verdrehung von Putins Worten: Er habe doch gemeint, dass Frauen und Kinder selbst den Wunsch hätten, vor der russischen Armee zu stehen! Und ich wertete diese Beschwerde der russischen Diplomaten natürlich als offene Verhöhnung. Doch später, als ich sah, wie Putin seinen „Blitzkrieg“ und seine Parade plante, wurde mir klar, dass sie möglicherweise nicht scherzten – sie lebten einfach in „ihrer“ Realität.
Doch kehren wir in die Welt der Illusionen zurück. Trump lebt in der Illusion von Abmachungen mit Putin und gemeinsamen Geschäften. Ich weiß nicht, ob Zelensky tatsächlich noch immer in der Illusion lebt, er könne Putin bei einem persönlichen Treffen von irgendetwas überzeugen – aber Tatsache ist, dass er sich den Beginn seiner Präsidentschaft genau in diesem illusorischen Licht vorgestellt hatte. Gewöhnliche Menschen in vielen Ländern der Welt stimmen massenhaft und überzeugt für Gauner und Nichtsnutze, die ihnen schöne Bilder malen, statt politische Programme anzubieten. Warum man danach noch ein Museum der Illusionen besuchen und Geld ausgeben sollte, verstehe ich überhaupt nicht.
Dank des Triumphs neuer Informationstechnologien und der meisterhaften Kontrolle alter Abenteurer über die Algorithmen der Informationsverbreitung hören die Menschen auf, Illusion und Realität zu unterscheiden. Im Jahr 2019, während des Triumphs Zelenskys, beklagten viele, dass die Ukrainer für eine Fernsehserie stimmten und nicht für eine politische Position. Aber im Jahr 2026 wirkt das Abstimmen für eine Serie fast wie ein Triumph des gesunden Menschenverstands – denn ein großer Teil der Menschen ist bereit, für ein TikTok-Bild zu stimmen.
Man kann sich fragen, was ein Mensch meines Berufs außer der Annahme dieser Herausforderung tun kann – sich auf dem neuen Informationsfeld mit einer Armee inkompetenter Idioten messen, die den Menschen einfach sagen, was diese hören wollen, damit sie die Welt ihrer eigenen Erfindungen und ihrer eigenen Unwissenheit nicht verlassen müssen. Und kann ich ernsthaft hoffen, in einer Welt selbstverliebter Milliardäre und dummer „Influencer“ zu gewinnen?
Natürlich habe ich vor zu gewinnen. Mehr noch – ich bin von meinem Sieg überzeugt. Und wissen Sie, warum? Weil die Realität existiert!
Im Museum der Illusionen kann ein riesiger Lastwagen auf Sie zufahren – und es wird keinerlei Folgen haben. Auf der Straße, also im wirklichen Leben, bleibt nicht einmal ein nasser Fleck von Ihnen übrig. Im Museum der Illusionen wird man Sie – und sich selbst – davon überzeugen, dass Putin es nicht wagen wird, uns anzugreifen. Im wirklichen Leben werden unsere Städte bombardiert, man wird uns töten und erfrieren lassen. Im Museum der Illusionen werden die Ukrainer russische Panzerbesatzungen mit Blumen und Tänzen empfangen – im wirklichen Leben werden sie sie töten.
Verstehen Sie jetzt, worin der Unterschied zwischen Illusion und wirklichem Leben besteht? Ja, Sie verstehen es. Die Ukrainer sind eines der ersten Völker, die nun gezwungen sind, in einer vollkommen realen Welt zu leben, gleichgültig, welche Illusionen unser Leben begleitet haben. Aber zweifeln Sie nicht: Bald wird es viele solcher Völker geben.
Ich bin von meinem Sieg überzeugt, gerade weil ich weiß: Keine Illusion kann die Realität besiegen – ich weiß das nicht erst seit meiner journalistischen Tätigkeit, sondern seit ich mich erinnern kann. Man kann mir sagen, die Menschheit habe immer vom Glauben gelebt – und das habe ihr nicht geschadet. Aber verwechseln wir nicht die Begriffe. Glaube gewinnt nur dann Bedeutung, wenn er nicht von Worten und Gleichnissen, sondern von Taten und der Bereitschaft zur Selbstaufopferung begleitet wird. Wenn Sie mir nicht vertrauen – fragen Sie in Gedanken Jesus Christus, er wird Ihnen alles erklären.
Deshalb: Wenn Sie sich in der Welt der Realität einsam fühlen, fürchten Sie sich nicht. Die Illusion wird niemals siegen, selbst wenn sie zu Wahlerfolgen und zu Orgien in den sozialen Netzwerken fähig ist. Das Leben wird immer sowohl den Tod als auch die Lüge besiegen – und deshalb sollten Sie auf seiner Seite stehen, wenn Sie überleben und sich selbst nicht verlieren wollen.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Музей ілюзії. Віталій Портников. 22.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.