Die neue Runde der ukrainisch-russischen Verhandlungen, die an diesem Sonntag beginnen sollte, wurde auf die kommende Woche verschoben. Bislang ist unbekannt, wann diese Konsultationen wieder aufgenommen werden und wo sie stattfinden sollen; ebenso unklar ist das Format der Beteiligung der amerikanischen Seite an diesen neuen Gesprächen.
Wie zuvor bekannt wurde, schloss der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, die Teilnahme der Sonderbeauftragten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, an den für Sonntag geplanten Verhandlungen aus, ließ jedoch die Möglichkeit einer Präsenz der Vereinigten Staaten bei den Gesprächen offen. Das heißt, an den Ort, an dem sie hätten stattfinden sollen, aber nicht stattfanden, hätten andere Vertreter der Vereinigten Staaten anreisen können.
Gleichzeitig kann man nicht sagen, dass die Vereinigten Staaten nicht am Verhandlungsprozess beteiligt sind. Denn unmittelbar vor der erwarteten Runde der russisch-ukrainischen Gespräche trafen sich Steve Witkoff, Jared Kushner und Kirill Dmitrijew, der russische Sonderbeauftragte, der nach Miami gereist war. Nach diesen Treffen wirkte Steve Witkoff optimistisch, doch wie wir sehen, sind neue Konsultationen zwischen Moskau und Kyiv bislang ausgeblieben. Warum?
Erstens würde ich mir keine allzu großen Hoffnungen auf diese Gespräche machen. Das musste schon mehrfach erklärt werden. Jegliche Gespräche über Frieden, die vor dem Hintergrund fortdauernder Kampfhandlungen stattfinden, dienen eher der Verzögerung als dem tatsächlichen Wunsch, den Krieg zu beenden. Wenn der russische Präsident wirklich an einem solchen Ende interessiert wäre, hätte der erste Schritt eine Entscheidung über die Einstellung des Feuers an der russisch-ukrainischen Front sein müssen, über die Beendigung des Beschusses ukrainischer Städte – und nicht der Wunsch, Friedensverhandlungen während aktiver Kampfhandlungen zu führen. Und als der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, dieser Formel Putins zustimmte, eröffnete er dem russischen Präsidenten faktisch den Weg zu einer jahrelangen Verzögerung.
Zweitens müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass selbst dann, wenn Vertreter der russischen und ukrainischen Delegationen gemeinsam mit den Amerikanern Details im Zusammenhang mit dem Friedensprozess diskutieren – Details, die die Streitkräfte, die Geheimdienste oder andere Kontexte betreffen, die mit dem Ende der Kampfhandlungen verbunden wären –, all diese Details nur dann wirksam werden können, wenn eine grundlegende politische Entscheidung getroffen wird.
Das heißt, wenn die Führung der Ukraine und Russlands der realen Notwendigkeit zustimmt, den Krieg zu beenden oder zumindest das Feuer einzustellen. Verhandlungen auf Expertenebene können einem solchen Prozess zwar vorausgehen, sie ersetzen ihn jedoch nicht. Und bislang sehen wir weder beim russischen Präsidenten Putin noch bei hochrangigen russischen Beamten auch nur den Schatten öffentlicher Erklärungen, dass sie zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges bereit wären.
Daher sollte man nicht erwarten, dass sich Vertreter Russlands und der Ukraine selbst unter Beteiligung von Witkoff und Kushner in Abu Dhabi oder in irgendeiner anderen Stadt treffen und vereinbaren, dass der Krieg beendet ist. In diesem Punkt hat der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, recht, wenn er sagt, dass er bereit ist, sich mit dem russischen Präsidenten Putin zu treffen, um die derzeit grundsätzlichsten Fragen des Verhandlungsprozesses zu lösen – insbesondere die Frage der Territorien und des Kernkraftwerks Saporischschja.
Doch erstens verstehen wir, dass Putin zu einem solchen Treffen mit Zelensky nicht bereit ist. Und zweitens: Wer hat gesagt, dass diese Fragen für Russland tatsächlich grundlegend sind? Ja, die Russen sprechen darüber. Sie sagen, dass es unmöglich sei, die Kampfhandlungen zu beenden, ohne dass die ukrainische Armee die Gebiete der Oblast Donezk verlässt, die sich heute unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung befinden. Doch das sind lediglich Vorwände, die es Putin erlauben, den Krieg fortzusetzen und zu erklären, warum er das Feuer nicht einstellt.
Selbst wenn man sich theoretisch vorstellt, dass die ukrainische Führung irgendeinem Schema zum Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet der Oblast Donezk zustimmen würde – und wir wissen, dass die Trump-Administration derzeit aktiv an einem solchen Schema arbeitet –, wäre auch in diesem Fall kaum zu erwarten, dass Russland tatsächlich einem Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zustimmt. Denn dies wäre keine Bedingung zur Beendigung des Krieges, sondern vielmehr eine Bedingung für seine Fortsetzung, für die weitere Destabilisierung der Ukraine und für die Suche nach Wegen einer solchen Destabilisierung.
Offensichtlich ist der russische Präsident daran interessiert, dass jegliche politischen Entscheidungen, die im Rahmen eines Friedensprozesses getroffen werden, seiner Armee die Eroberung neuer ukrainischer Gebiete erleichtern. Und er kann ernsthaft hoffen, dass, wenn die ukrainische Führung zustimmt, die Truppen kampflos aus dem Gebiet der Oblast Donezk abzuziehen, während ein großer Teil der ukrainischen Gesellschaft dies nicht akzeptiert, ihm dies die Aufgabe erleichtert, die ukrainische Staatlichkeit zu zerstören – was für Putin in diesem Krieg weiterhin das wichtigste Ziel bleibt. Kein anderes Ziel ist damit vergleichbar.
Daher stellt sich eine recht einfache Frage: Werden überhaupt neue Verhandlungen zwischen der russischen und der ukrainischen Delegation stattfinden? Ich denke, das Potenzial für Konsultationen über Details ist noch nicht ausgeschöpft, aus dem einfachen Grund, dass Putin keinen Streit mit Trump will. Und jede entschiedene Weigerung Russlands, Verhandlungen zu führen, würde demonstrieren, dass der russische Präsident nicht auf den amerikanischen hört.
Doch ob während solcher Verhandlungen irgendwelche realen Ergebnisse erzielt werden können, ist eine große Frage. Denn ein tatsächliches Ende des Krieges, ein wirklicher Waffenstillstand, hängt nicht davon ab, wie sich einzelne Beamte während Konsultationen auf Details einigen. Das Ende des Krieges hängt vom politischen Willen ab – und zwar in erster Linie von demjenigen, der diesen Krieg begonnen hat, der die Entscheidung getroffen hat, ein Nachbarland anzugreifen, um es zu zerstören.
Und beim Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, beobachten wir bis heute nicht einmal einen Hinweis auf das Vorhandensein eines solchen politischen Willens. Hingegen sehen wir Hinweise auf einen politischen Willen zur Fortsetzung des Krieges. Und deshalb können nur Druck auf Russland sowie die Schwächung seines wirtschaftlichen und militärischen Potenzials dazu führen, dass bei Putin ein anderer politischer Wille, ein anderes politisches Begehren entsteht.
Aber glauben Sie mir: Dann wird es ein völlig anderer, kein imitierter Verhandlungsprozess mehr sein. Und er wird – glauben Sie mir – von einer Einstellung des Feuers an der russisch-ukrainischen Front begleitet werden, als Voraussetzung für echte Verhandlungen zwischen Moskau und Kyiv.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Чому перенесли перемовини | Віталій Портников. 01.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.