Der Präsident der Russischen Föderation trat bei der Kollegiumssitzung des russischen Verteidigungsministeriums mit einer weiteren kriegerischen Rede auf. Putin versprach, alle sogenannten Ziele der „Sondermilitäroperation“ zu erreichen und betonte, dass, falls dies nicht auf diplomatischem Wege gelingen sollte, die sogenannten historischen Territorien Russlands mit Gewalt „befreit“ würden. Welche historischen Territorien das sein sollen, präzisiert das russische Staatsoberhaupt dabei wie gewohnt nicht.
Putin prahlte mit „Poseidons“, „Burewestniks“, „Oreschnik“ (Anm.: Namen russischer Waffensysteme bzw. Projekte) und widmete besondere Aufmerksamkeit den angeblichen Heldentaten der russischen Militärs, die weiterhin – wie er sich ausdrückt – Ortschaften auf unserem Territorium, also auf dem Territorium der Ukraine, „befreien“.
Putin ging zu direkten Drohungen gegenüber den Europäern über und beschuldigte sie, sich auf einen Krieg mit Russland vorzubereiten; er unterstrich, dass Russland selbst bereit sei, auf jede Stufe der Gefahr zu antworten. Mit ähnlichen Anschuldigungen gegenüber dem Westen und den Europäern trat auch der Leiter des russischen Verteidigungsministeriums, Andrei Beloussow, auf, der ebenfalls bei dieser Kollegiumssitzung sprach.
In Tonfall und Inhalt wäre an diesen Auftritten nichts Sensationelles, wenn sie sich nicht vor dem Hintergrund der sogenannten Friedensverhandlungen ereigneten, die derzeit zwischen der Ukraine, den Vereinigten Staaten und den europäischen Ländern stattfinden. Und während die Vereinigten Staaten weiterhin mit Kyiv die Parameter von Sicherheitsgarantien für die Ukraine und das Schicksal der Territorien diskutieren, die heute von der ukrainischen Armee kontrolliert werden, äußerte der russische Präsident nicht einmal den geringsten Wunsch, den Krieg zu beenden. In seiner Rede fand sich kein Platz für den Friedensprozess oder die amerikanische Vermittlung. Im Gegenteil – man kann von einem bewussten und harten Anheizen der Spannungen sprechen.
Und damit beschäftigen sich natürlich nicht nur Putin und Beloussow. Wie bekannt ist, traten bereits im Vorfeld dieser Rede des russischen Präsidenten sowohl der russische Außenminister Lawrow als auch sein Stellvertreter Rjabkow sowie Putins Sprecher Peskow mit ähnlichen Erklärungen auf. Offensichtlich kannten sie den Inhalt der Rede genau, die Putin beim Kollegium des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation halten würde.
Hier stellt sich eine völlig logische Frage. Wir verstehen, womit sich die ukrainische Diplomatie beschäftigt – sie versucht, sich nicht mit der Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu überwerfen vor dem Hintergrund der fortgesetzten friedensstiftenden Bemühungen Donald Trumps. Doch das Interessanteste ist, womit sich die amerikanische Administration selbst beschäftigt.
Wenn nach dem Aufenthalt von Steve Witkoff und Jared Kushner in der russischen Hauptstadt der Tonfall der Äußerungen des russischen Präsidenten hinsichtlich der Verschärfung der Spannungen sich nicht einmal um ein Jota verringert hat – ich würde sogar sagen, er hat sich verstärkt, denn genau seit dieser Zeit begann Putin systematisch, Europa mit Krieg zu drohen –, dann bedeutet das, dass auf irgendwelche realen Kompromisse mit der Russischen Föderation nicht zu hoffen ist. Umso mehr, als die Russen ihre Absicht nicht verbergen, sogenannte historische russische Länder zu befreien. Und zu diesen „historischen russischen Ländern“ kann man natürlich alles zählen, was der Kreml gerade will.
In einer solchen Situation sind keineswegs nur das Donezker Gebiet oder Saporischschja betroffen, sondern auch das Gebiet Kyiv, Schytomyr, Wolhynien und sogar Galizien könnten als historisches russisches Land ausgerufen werden. Und übrigens ist so etwas im Verlauf der russischen Geschichte mehr als einmal geschehen. Es genügt, sich anzusehen, was die Russen während des Ersten Weltkriegs als uraltes russisches Land betrachteten und wie sie sich über die „Heimkehr“ Lembergs freuten. Dann stellt sich die Frage, über welche diplomatischen Abmachungen und mit wem wir heute eigentlich sprechen.
Möglicherweise wissen amerikanische Beamte über Putins Stimmungen mehr als wir. Viele mögen das denken, wenn sie verfolgen, wie sich die Verhandlungen zwischen ukrainischen und amerikanischen Diplomaten entwickeln. Oder vielleicht wollen weder Witkoff noch Kushner – ebenso wenig wie Zelensky, Macron oder Merz – den amerikanischen Präsidenten Donald Trump reizen, der weiterhin in seiner eigenen Realität lebt, fern von den tatsächlichen Absichten Putins.
Und während Putin mit offentlichen Reden auftritt, die auf die Fortsetzung der Aggression gegen die Ukraine und die Zerstörung eines Nachbarstaates zielen, versucht Trump weiterhin, alle – und offensichtlich auch sein Umfeld – davon zu überzeugen, dass der russische Präsident Frieden wolle und den Krieg beenden wolle.
Doch keinerlei reale Beweise dafür sehen wir bislang. Wir sehen keine diplomatischen Erklärungen irgendeines Vertreters der russischen Führung, die von Friedensbereitschaft zeugen würden. Und wenn schon Putin selbst mit kriegerischen Aussagen auftritt, ist es überhaupt nicht interessant, welche Erklärungen andere russische Beamte abgeben.
Wir sehen, dass Russland den Vormarsch auf ukrainischem Boden fortsetzt und versucht, möglichst viele Ortschaften der Ukraine zu besetzen. Und wir verstehen sehr gut, dass es dabei keineswegs nur um jene ukrainischen Regionen geht, die nicht nur teilweise besetzt, sondern auch von der Terrorföderation annektiert wurden. Der Feind versucht auch in den Gebieten Sumy, Charkiw und Dnipropetrowsk vorzurücken.
Und wir verstehen warum: damit man dort seine Scheinreferenden abhalten, die „Angliederung“ dieser ukrainischen Gebiete an Russland verkünden und in der nächsten Phase des Kampfes den Abzug der ukrainischen Streitkräfte aus diesen Regionen verlangen kann. Die berühmte „Salami-Taktik“ Putins, die vom russischen Präsidenten unmittelbar nach dem Fiasko des Blitzkriegs 2022 gewählt wurde.
Wir sehen die fortgesetzte Zerstörung ukrainischer Infrastruktur. Odesa hat sich noch immer nicht von einem massiven Angriff erholt, andere ukrainische Städte leiden weiterhin unter infrastrukturellen Problemen. Wo sehen wir bei den Russen den Wunsch, Frieden zu erreichen? Und wo sehen wir bei den Russen die Bereitschaft, an jenem Verhandlungsprozess teilzunehmen, der sich in den letzten Wochen nach der Veröffentlichung des sogenannten Trump-Plans ereignet?
Höchstwahrscheinlich bleibt die gesamte angebliche Bereitschaft der Russen, diesen Plan zu diskutieren, nur eine Nebelwand – vor dem Hintergrund der Absicht, den russisch-ukrainischen Krieg als Abnutzungskrieg fortzusetzen, so lange, wie der russische Staatschef dafür Geld und Menschen zur Verfügung hat, die bereit sind, ukrainische Bürger für blutige Putin-Rubel zu töten.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін плює на Трампа | Віталій Портников. 17.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.12.2025.
Originalsprache: uk]
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.