Trump ist erneut von Zelensky enttäuscht | Vitaly Portnikov. 08.12.2025.

Donald Trump ist erneut vom ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky enttäuscht, der – seinen Worten zufolge – die jüngsten Vorschläge im Zusammenhang mit einer friedlichen Regelung in der Ukraine möglicherweise nicht akzeptieren werde.

Allerdings wirken die Kommentare Donald Trumps, gelinde gesagt, seltsam. Er erklärt, dass die russische Seite dieser Initiative zugestimmt habe. Dabei haben wir aus dem Kreml bislang keinerlei offizielle Bestätigungen dafür gehört, dass die Russische Föderation dem in Moskau von den Sondergesandten Trumps, Steve Witkoff und Jared Kushner, präsentierten Friedensplan zustimmt.

Wie bekannt ist, hat der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow – und er war der einzige Beamte, der die Gespräche zwischen dem russischen Präsidenten Putin und den amerikanischen Vertretern offiziell kommentiert hat – betont, dass es in den Vorschlägen der Vereinigten Staaten Punkte gebe, denen Moskau zuzustimmen bereit sei, und Punkte, die man in der russischen Hauptstadt nicht akzeptiere. Damit gibt es schlicht niemanden, der den Umstand bestätigen könnte, dass Russland dem amerikanischen Friedensvorschlag zugestimmt habe.

Ebenso erstaunlich ist die Behauptung Trumps, dass die amerikanischen Vorschläge von ukrainischen Vertretern angenommen worden seien, die an den Konsultationen mit Witkoff und Kushner teilgenommen hätten. Denn Beamte können keine Entscheidungen anstelle von Staatsoberhäuptern treffen. Was würde Trump selbst sagen, wenn ein Untergebener – etwa der Außenminister oder der Sondergesandte Witkoff – irgendwelchen Vorschlägen zustimmen würde, ohne dass er selbst überhaupt Einsicht in den Inhalt des Dokuments gehabt hätte?

Allerdings kann ich mir durchaus vorstellen, dass so etwas bei Trump tatsächlich passieren könnte, denn es entsteht der Eindruck, dass der amerikanische Präsident Dokumente schlicht nicht bis zum Ende liest. Doch zumindest mit dem wesentlichen Inhalt der Vorschläge muss man ihn vor der endgültigen Entscheidung zwangsläufig vertraut machen. Trump ist verpflichtet zu wissen, was er unterschreibt, selbst wenn er es nicht liest.

Doch darum geht es eigentlich gar nicht. Die entscheidende Frage ist, dass Trump nicht behauptet, Zelensky habe die Vorschläge abgelehnt, weil ihm der Inhalt des amerikanischen Plans nicht gefalle. Seine Vorstellung ist vielmehr, dass Zelensky dieses Dokument gar nicht gelesen habe. Und möglicherweise bezieht er sich dabei auf den Umstand, dass Umerow und Hnatow gerade heute in London den ukrainischen Präsidenten über die Ergebnisse ihrer Gespräche mit Kushner und Witkoff informieren sollen.

Auf diese Weise sind Trumps Aussagen eine Art Druck auf Zelensky, damit dieser den Vorschlägen zustimmt, selbst wenn sie von ukrainischer Seite nicht akzeptiert werden.

Die Aufgabe der ukrainischen Vertreter bestand natürlich nicht darin, den Vorschlägen des Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten und dessen Schwiegersohn zuzustimmen oder sie abzulehnen, sondern darin, sich mit diesen Vorschlägen vertraut zu machen, eigene Vorschläge zu unterbreiten und anschließend selbstverständlich zu speziellen Konsultationen mit dem Präsidenten der Ukraine sowie mit den führenden Politikern der europäischen Staaten zu fliegen. Diese werden sich übrigens gerade heute mit Zelensky treffen und die Situation rund um den Friedensplan besprechen.

In Wirklichkeit ist all dies nichts weiter als das übliche weiße Rauschen, das der Tätigkeit Donald Trumps im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten eigen ist. Denn selbst wenn man sich vorstellen würde, dass sein Druck auf Zelensky Wirkung zeigt und der ukrainische Präsident jenen Vorschlägen der amerikanischen Seite zustimmen würde, die den nationalen Interessen der Ukraine entschieden widersprechen – etwa dem Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Teil des Gebiets der Oblast Donezk, der heute von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird –, bedeutet das noch lange nicht, dass Trump das Ende des Krieges erreichen würde. Denn wie ich bereits vielfach erklärt habe, gibt es beim Präsidenten Russlands keinerlei Interesse an einem solchen Ende des Krieges zu den Bedingungen, die Trump vorschlägt und die nicht das Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Landkarte der Welt vorsehen. Und ein solches Interesse wird es bei Putin auch nicht geben, solange sich der russische Präsident nicht vom Fehlen wirtschaftlicher und demografischer Ressourcen zur Fortsetzung des Krieges überzeugt hat.

Ohne massiven Druck genau auf Putin, ohne den Kampf um die Zerstörung der russischen Wirtschaft – und nicht mit Träumen vom Geldverdienen in der Zusammenarbeit mit Putin – werden Trump und seine Umgebung sich lächerlich machen. Und das wird für die ganze Welt offensichtlich sein. Diese ihre Schande wird noch in die Geschichte eingehen und ihnen nicht einmal einen zusätzlichen Dollar einbringen.

Allerdings muss dafür, dass Trump und jene inkompetenten Menschen, die den selbstverliebten amerikanischen Präsidenten umgeben, dies begreifen, noch etwas Zeit vergehen – meiner Einschätzung nach jedoch nicht allzu viel. Bis dahin wird Trump weiterhin handeln wie ein Elefant im Porzellanladen und versuchen, nicht auf diejenigen Druck auszuüben, auf die man tatsächlich Druck ausüben müsste, um zumindest in absehbarer Zukunft irgendein konkretes Ergebnis zu erzielen, sondern auf diejenigen, die er zwingen kann, seiner wirren Vorstellung zuzustimmen. Einfach deshalb, weil die Ukraine an der Unterstützung der Vereinigten Staaten interessiert ist.

Doch auch hier ist Trump in seinen Handlungen eingeschränkt, gerade weil er sich zusammen mit seinem Team in einer offensichtlichen politischen Minderheit in den Vereinigten Staaten befindet. Die Ukraine wird sowohl von den Wählern der Demokratischen Partei der Vereinigten Staaten unterstützt, die auf einen Sieg bei den Zwischenwahlen bereits im November des kommenden Jahres hoffen – und damit auf den Beginn des Endes der ruhmlosen Ära Trumps –, als auch von den Wählern der Republikanischen Partei der Vereinigten Staaten, von denen die Mehrheit trotz der Position der Ultrakonservativen aus der postfaschistischen MAGA-Bewegung weiterhin versteht, wo Gut und Böse liegen, und dem russischen Präsidenten Putin sowie Russland in seiner neofaschistischen Ausprägung äußerst ablehnend gegenübersteht.

Bereits im Januar dieses Jahres wird Trump, beunruhigt über das, was mit dem Wahlkampf in seinem Land und der Möglichkeit eines neuen Impeachments geschehen könnte, gezwungen sein, den Meinungen seiner Landsleute deutlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken als heute.

Man kann sagen, dass Trump derzeit die Rolle von Aschenputtel auf dem politischen Ball spielt. Bereits am 1. Januar 2026 wird die Kutsche seiner Popularität beginnen, sich in einen Kürbis zu verwandeln, und sein Umfeld in Ratten, die, wenn sie nicht in alle Richtungen auseinanderlaufen, so zumindest über ein Leben nachdenken werden, in dem es nicht nur Donald Trump selbst nicht mehr geben wird, sondern nicht einmal mehr eine Erinnerung an den amtierenden amerikanischen Präsidenten und seine Möglichkeiten. Und in dieser Situation ist die beste – ich würde sagen: instrumentelle – Handlung, um diesem ständigen Druck Trumps nicht nachzugeben, einfach den Moment abzuwarten, in dem er sich diese unangebrachte Dreistigkeit nicht mehr leisten kann.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп знову розчарований Зеленським | Віталій Портников. 08.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 08.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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