Am Vorabend der Gespräche, die der russische Präsident Wladimir Putin mit dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, führen soll, betonte der Kreml-Sprecher Dmitry Peskov, dass Russland mithilfe solcher Gespräche seine Ziele in der sogenannten besonderen Militäroperation erreichen wolle.
Damit hat Putins Vertreter das Szenario offengelegt, das der Kreml für den Verhandlungsprozess vorbereitet. Und wenn wir verstehen, dass Putins Ziel in diesem Krieg gegen unser Land darin besteht, es von der politischen Landkarte der modernen Welt verschwinden zu lassen, müssen wir begreifen, wie Putin die von US-Präsident Donald Trump initiierten Verhandlungen dafür zu nutzen beabsichtigt.
Es ist nichts besonders Kompliziertes daran. Für Putin ist es wichtig, der Ukraine Bedingungen zu stellen, die zu Destabilisierung und Zwietracht in der ukrainischen Gesellschaft führen sollen, und gleichzeitig darauf zu bestehen, dass die Regierung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump Druck auf Kyiv ausübt, um derartige Bedingungen zu akzeptieren.
Putin verliert dabei nichts. Wenn Kyiv Putins Ultimaten nicht akzeptiert — etwa den Abzug der ukrainischen Streitkräfte aus Teilen der Region Donezk, die sich derzeit unter Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung befinden —, ermöglicht dies Putin, der Ukraine Vorwürfe der Unkonstruktivität und des Unwillens zum Frieden zu machen. Dadurch könnte Trump die Möglichkeit erhalten, die Unterstützung für unseren Staat in den nächsten Phasen des russisch-ukrainischen Krieges zu reduzieren oder ganz einzustellen. Und auch ein Teil der ukrainischen Bürger würde glauben, dass die ukrainische Regierung angesichts der Lage vorsichtiger hätte sein und zu Zugeständnissen bereitstehen sollen und den Krieg nicht durch die Verteidigung eines Territoriums prolongieren dürfe, auf dem weiterhin Kämpfe stattfinden.
Wenn Kyiv dieser putinschen Bedingung zustimmt und damit betont wird, dass ein Friedensvertrag auf dem Abzug der ukrainischen Streitkräfte aus Teilen der Region Donezk basieren soll, bedeutet das noch lange nicht, dass der Krieg endet. Denn Putin kann jederzeit neue, nicht weniger destruktive Bedingungen an die ukrainische Führung stellen. Doch schon die Zustimmung zum Abzug der ukrainischen Kräfte aus dem Gebiet Donezk kann einen guten Nährboden für einen innerstaatlichen Konflikt in unserem Land oder sogar innerhalb der Streitkräfte der Ukraine schaffen. Wir hören ja bereits — zumindest in den sozialen Netzwerken —, dass unter den Soldaten unterschiedliche Positionen zur Möglichkeit eines Abzugs aus dem Gebiet Donezk bestehen. Viele sind der Meinung, dass dies einen erheblichen Verlust von Positionen für die ukrainische Verteidigung bedeuten würde.
Es gibt also zwei solcher Varianten. Stellen wir uns die aus Sicht der amerikanischen Regierung sicherste vor: Die ukrainischen Streitkräfte ziehen sich aus Teilen der Region Donezk zurück. Putin stimmt einem Waffenstillstand zu, und in der Ukraine kommt es zu keinem inneren Konflikt, sondern stattdessen werden neue Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abgehalten.
Doch ich möchte Sie daran erinnern, dass aus Putins Sicht selbst dann, wenn sich die ukrainischen Streitkräfte aus Donezk zurückziehen, der Konflikt nicht endet, sondern nur eingefroren wird. Denn die Russische Föderation beansprucht weiterhin jene Teile der Regionen Saporischschja und Cherson, die in die Verfassung Russlands als Subjekte dieser terroristischen Föderation aufgenommen wurden.
Und in diesem Fall könnten selbst dann, wenn zwischen der russischen und der neuen ukrainischen Führung Verhandlungen über eine friedliche Lösung beginnen, Forderungen nach dem Abzug der ukrainischen Streitkräfte auch aus den Regionen Saporischschja und Cherson zu neuen ultimativen Bedingungen Putins werden — damit sich der Konflikt nicht erneut entzündet.
Und stellen wir uns einen neuen ukrainischen Präsidenten vor, der das Vertrauen des Volkes genießt und natürlich nicht bereit ist, jenen Teil des Territoriums der Ukraine aufzugeben, der nach einem blutigen Krieg unter Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung steht. Für Putin, der in dieser ganzen Zeit Kräfte für einen neuen Angriff sammelt, Raketen hortet, mobilisiert und Geld bereitstellt, um seine Söldner zu bezahlen, die erneut Ukrainer töten sollen, wäre dies ein guter Vorwand, den Krieg schon wenige Monate nach dem Ende des vorherigen erneut zu entfachen — dann jedoch mit einer neuen, nicht der alten ukrainischen Führung — und zu betonen, dass die Ukrainer selbst eine Regierung gewählt hätten, die nicht zu konstruktiven Entscheidungen und Kooperation mit der Russischen Föderation fähig sei.
Hier stellt sich natürlich die Frage: Könnte die Ukraine nicht Sicherheitsgarantien erhalten, die Putin dazu zwingen, nicht zu einer neuen großen Offensive gegen unseren Staat bereit zu sein? Zunächst muss man begreifen, wie solche Sicherheitsgarantien aussehen sollten, wenn selbst zentraleuropäische NATO-Staaten derzeit nicht sicher sind, ob die Vereinigten Staaten im Falle eines russischen Angriffs bereit wären, sie zu verteidigen — oder ob Washington stattdessen einen weiteren Steve Witkoff oder Jared Kushner nach Moskau schicken würde, um Gespräche und Abmachungen mit dem russischen Präsidenten zu führen, der bekanntermaßen Begeisterung beim amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dessen engstem Umfeld auslöst — einem Umfeld, das jene ultrarechten Ansichten teilt, die der Präsident der Russischen Föderation seit Jahren und Jahrzehnten in der modernen Welt propagiert.
Wenn wir also über die Ziele der Spezialoperation sprechen, über die sogenannten Ursachen der Spezialoperation, müssen wir uns daran erinnern: Die erste Ursache ist die bloße Existenz des ukrainischen Staates auf der politischen Weltkarte. Das Ziel ist der Wunsch, diesen Staat loszuwerden und so den Prozess der Wiederherstellung des Russischen Imperiums einzuleiten, das in seiner kommunistischen Variante 1991 von der politischen Landkarte verschwand. Und Verhandlungen sind eines der Instrumente, das dem russischen Präsidenten helfen soll, diese gewünschten Ziele zu erreichen — ohne die große Fortsetzung des Krieges und ohne Verluste unter seinen eigenen Landsleuten.
Und wenn wir diese Ziele und Aufgaben der sogenannten Spezialoperation, die Ziele und Aufgaben Putins, verstehen, werden wir keinerlei Zweifel haben, in welchem Geist das heutige Treffen zwischen dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin und dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Witkoff stattfinden wird.
Und vor allem entsteht bei mir der Eindruck, dass die Vertreter der amerikanischen Regierung und Donald Trump selbst entweder nicht willens sind, dieses Ziel Putins zu sehen, oder bewusst die Augen davor verschließen. Denn Donald Trump hat in seinen öffentlichen Auftritten mehrfach gesagt, dass Putin die ganze Ukraine wolle. Die Ziele und Absichten des russischen Präsidenten sind also für den amerikanischen keineswegs ein Rätsel.
Und dann stellt sich die logische Frage: Aus welchen Gründen verschließt Donald Trump die Augen vor dieser eigenen Sichtweise und diesem eigenen Verständnis und versucht, mit dem russischen Präsidenten Vereinbarungen über Details zu erreichen, die aus Sicht der Logik und Philosophie dieses großen Krieges keinerlei realen Bezug zu den russischen Kriegszielen haben und natürlich auch nicht zu den Möglichkeiten seiner Unterbrechung oder Beendigung.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росіяни розкрили свій «мирний план» | Віталій Портников. 02.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.