Ein neuer Friedensplan oder ein alter Plan der Demütigung. Vitaly Portnikov. 23.11.2025.

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Nicht nur das Schicksal, sondern auch der endgültige Inhalt des neuen „Friedensplans“ des amerikanischen Präsidenten Donald Trump bleiben ungewiss. Die Verhandlungen der amerikanischen Vertreter mit der ukrainischen Delegation und den Europäern beginnen erst. Es scheint, dass dieser Plan für den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky und sein Büro eine echte Überraschung war – obwohl man in Washington behauptete, den Inhalt der Vorschläge mit den Ukrainern besprochen zu haben. Doch der einzige Ausländer, mit dem Steve Witkoff, der Vertreter von Präsident Trump, in der Vorbereitungsphase des Plans sprechen konnte, war der russische Sonderbeauftragte Kirill Dmitrijew.

Allerdings wurde Dmitrijew nach Washington geschickt, nicht um mit Witkoff an Friedensplänen zu arbeiten, sondern um die Aufhebung oder zumindest die Verschiebung von Sanktionen gegen die größten russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil zu erreichen. Diese Aufgabe erfüllte Dmitrijew jedoch nicht. Trump implementierte nicht nur die Sanktionen, sondern versprach sogar neue, härtere Sanktionen. Doch im Weißen Haus nahm man Dmitrijews Plan positiv auf und beschloss, damit weiterzuarbeiten. Wie schon in früheren Kontakten Witkoffs mit den Russen glaubte der Sonderbeauftragte von Präsident Trump fälschlicherweise, Putin sei fest entschlossen, den Krieg zu beenden, da er Angst vor US-Sanktionen habe. Nicht zufällig fiel die Veröffentlichung des US-Plans in den Medien zeitlich praktisch mit dem Tag der endgültigen Umsetzung der Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil zusammen. Die Idee war wohl: Putin wird uns um Aufhebung der Sanktionen im Austausch für ein Kriegsende bitten, und wir bieten ihm „bequeme“ Friedensbedingungen an, die Trump längst vorgeschlagen hatte – mitsamt ukrainischer Zustimmung. Voilà!

Am Ende standen beide Präsidenten – der russische und der amerikanische – als Narren da. Putin blieb auf Sanktionen sitzen, die ihm ernsthafte Haushaltsverluste bescheren. Und Trump blieb ohne Putins Bereitschaft, den Krieg für die Aufhebung der Sanktionen zu beenden. Für den US-Präsidenten ergibt es nun keinen Sinn mehr, die Ukraine zu überreden, demütigende Friedensbedingungen zu akzeptieren, die in Wahrheit eher Kapitulationsbedingungen ähneln. Stellen wir uns vor, Trump hätte Zelensky „geknackt“ und gezwungen, Bedingungen zu akzeptieren, die von der Mehrheit der Ukrainer nicht akzeptiert würden und deren rechtliche Ausgestaltung völlig unklar ist. Und Putin hätte – wie vorhersehbar – die amerikanisch-ukrainische Vereinbarung nicht akzeptiert.

Doch auch Zelensky befindet sich in einer schwierigen Lage. Für den ukrainischen Präsidenten ist es wichtig, weder den amerikanischen – oder besser gesagt: den russischen – Bedingungen zuzustimmen, die die ukrainische Souveränität infrage stellen und eine Wiederholung der Aggression nicht ausschließen, noch sich mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu überwerfen und riskieren, keine nachrichtendienstlichen Informationen und keine Militärhilfe mehr zu erhalten. Deshalb werden sich die nächsten Tage vor allem der Lösung dieser schwierigen Aufgabe widmen. Doch Zelensky kann beruhigt sein, denn er ist in diesem Labyrinth nicht allein.

Schaut man realistisch auf die Dinge, erkennt man: Wir haben es nicht mit einem Plan von Trump, sondern mit einem Plan für Trump zu tun. Steve Witkoff verfasste dieses unprofessionelle Dokument, um Trump seine Effizienz zu beweisen – umso wichtiger angesichts des möglichen Zusammenbruchs des Friedensprozesses im Nahen Osten. Marco Rubio versucht, im Prozess zu bleiben, um sich die Gunst des Präsidenten zu sichern. Gleiches gilt für Vizepräsident J. D. Vance, der kaum verbirgt, dass er sich als Trumps Nachfolger sieht und dem Präsidenten seine eigene „Effektivität“ demonstrieren will: die Aufmerksamkeit von den „Epstein-Files“ abzulenken und einen lauten Sieg im Stil des „Trump-Friedensstifters“ zu präsentieren. Doch sowohl Vance als auch Witkoff haben buchstäblich keine Ahnung, was sie tun, und Rubio versteht sehr gut, dass mit diesem Ansatz gar nichts funktionieren kann – doch er kann dies weder offen zeigen noch aussprechen, um nicht Trumps Zorn zu provozieren. Denn dem US-Präsidenten geht es nicht nur um Frieden in der Ukraine, sondern auch um den Nobelpreis, der nach seiner Rückkehr ins Oval Office aus unerklärlichen Gründen zu einer fixen Idee geworden ist.

Heißt das also, dass Frieden in der Ukraine auf absehbare Zeit überhaupt nicht erreichbar ist? Nein, das heißt es nicht. Die Degradation des energetischen und wirtschaftlichen Potenzials Russlands wird früher oder später ein Ende seiner Möglichkeiten, den Krieg fortzuführen, erzwingen – und hier können sowohl westliche Sanktionen als auch ukrainische Angriffe auf russische Energie-Infrastruktur eine Rolle spielen. Doch Friedenspläne, die die Ukraine demütigen und Russland für seine brutale und grundlose Aggression belohnen, werden Putin nur dazu motivieren, den Krieg fortzusetzen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Новий план миру чи старий план приниження. 23.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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