Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, trat nach einem Telefongespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit einer Erklärung in den sozialen Netzwerken auf, in der er versuchte, den sogenannten Trump-Plan zu verteidigen, um den sich in den letzten Tagen so viele Emotionen, widersprüchliche, aber vor allem kritische Kommentare drehen.
J. D. Vance betonte, dass der Abschluss einer Friedensvereinbarung darauf abzielen müsse, die Tötungen zu stoppen, unter Achtung der Souveränität der Ukraine, und dass ein solcher Vertrag sowohl für Russland als auch für die Ukraine akzeptabel sein müsse und garantieren solle, dass der Krieg nicht wieder ausbricht.
Gleichzeitig griff der Vizepräsident der Vereinigten Staaten diejenigen scharf an, die den Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges unrealistisch einschätzen und glauben, dass ein Sieg möglich gewesen wäre, wenn die Vereinigten Staaten ihre Hilfe für die Ukraine in Form von Waffen, Geld und stärkerem Sanktionsdruck auf Russland erhöht hätten. Den Krieg könnten nach Ansicht des Vizepräsidenten weder Diplomaten noch inkompetente Politiker beenden, die sich von Fantasien leiten lassen. Diese Aufgabe sei vor allem Sache der Realisten.
Eine solche Erklärung des amerikanischen Vizepräsidenten könnte nicht nur mit dem Inhalt seines Telefonats mit Präsident Selenskyj zusammenhängen, sondern auch mit der Tatsache, dass der Trump-Friedensplan derzeit von nahezu der gesamten politischen Elite der USA hart kritisiert wird.
Ein Blick auf die Beiträge amerikanischer Kongressabgeordneter und Senatoren in sozialen Netzwerken genügt, um zu sehen, wie vernichtend und ernst diese Kritik ausfällt. Und kritisiert wird sowohl von republikanischen Senatoren und Kongressmitgliedern, die treue Anhänger Donald Trumps sind, als auch natürlich von Senatoren und Abgeordneten der Demokraten sowie Veteranen des amerikanischen politischen Lebens aus nahezu allen Lagern – sowohl republikanisch als auch demokratisch.
Aus dieser Perspektive könnte man den Eindruck bekommen, dass es in der amerikanischen politischen Elite überhaupt keine Realisten gibt – wenn man Donald Trump und J. D. Vance nicht mitzählt. Doch wir wissen das Wichtigste nicht: Inwieweit Donald Trump, der bekanntlich Dokumente selten zu Ende liest und sich vor allem auf mündliche Berichte verlässt, überhaupt versteht, was in dem Plan steht, der mit seinem Namen verbunden wird, und welche Folgen selbst die Diskussion um diesen Plan – ganz zu schweigen von seiner Umsetzung – für seinen Ruf haben könnte.
Dasselbe gilt für J. D. Vance. Es ist inzwischen offensichtlich, dass gerade er der Koordinator ist – wenn nicht des Friedensprozesses selbst, so doch der Vorbereitung der Verhandlungen, die bald beginnen könnten. Der US-Heeresminister Driscoll, der sich in der ukrainischen Hauptstadt aufhielt und sich mit Präsident Selenskyj traf, um ihm die 28 Punkte des umstrittenen Friedensplans zu präsentieren, ist der engste politische Verbündete von J. D. Vance.
Und offensichtlich möchte der amerikanische Vizepräsident keinesfalls als Versager dastehen. Wie viele in der Führung der Republikanischen Partei denkt auch J. D. Vance bereits über Trumps politisches Erbe nach – darüber, wer der nächste Präsidentschaftskandidat der Vereinigten Staaten werden wird, nachdem Donald Trump die politische Bühne Amerikas verlassen wird. Und das könnte sogar früher passieren, als man denkt, wenn man die Zahl der Skandale bedenkt, in die der amerikanische Präsident in naher Zukunft verwickelt sein wird.
Daher möchte J. D. Vance nicht mit Trumps Reputationsrisiken verbunden sein und nicht als jemand erscheinen, der bereit ist, jede russische Laune zu erfüllen. Immer mehr Menschen in den Vereinigten Staaten sind überzeugt, dass der sogenannte Trump-Friedensplan in der Administration des russischen Präsidenten geschrieben wurde – und nicht im Weißen Haus.
Es stellt sich jedoch die Frage, wie man nun aus dieser Situation herauskommt. Präsident Zelensky hat die Delegation bestätigt, die mit den Amerikanern die Details dieses Friedensplans besprechen soll. Doch wir wissen das Wichtigste nicht: Wird bei diesen Konsultationen – zumindest bei den Gesprächen ausschließlich mit den Amerikanern – eine russische Delegation anwesend sein? Und welchen Sinn haben solche Verhandlungen und Konsultationen zwischen Washington und Kyiv, wenn der Kreml bisher nicht beabsichtigt, daran teilzunehmen und nicht mitteilt, ob ihn die Punkte des Friedensplans, die in den amerikanischen Medien veröffentlicht und teilweise von der US-Regierung bestätigt wurden, überhaupt zufriedenstellen?
Man kann sagen, dass auch die europäischen Staats- und Regierungschefs jetzt versuchen werden, Donald Trump dazu zu bewegen, einen realistischeren Blick auf den Inhalt des Dokuments zu werfen, das während der Konsultationen in Genf besprochen werden soll. Doch das Problem ist, dass Donald Trump für gewöhnlich keinerlei Aufmerksamkeit auf den Inhalt eines Prozesses richtet, an dem er beteiligt ist.
Der amerikanische Präsident ist auf das Ergebnis fixiert. Und dieses Ergebnis ist jetzt mit seinem eigenen Ehrgeiz verbunden – mit seinem Wunsch, endlich den Friedensnobelpreis zu erhalten. Um jedoch auf die Shortlist dieser vom amerikanischen Präsidenten begehrten Auszeichnung zu gelangen, muss der russisch-ukrainische Krieg bereits in den kommenden Monaten beendet werden, denn sonst bleibt Donald Trump erneut ohne Preis.
Genau deshalb erwartet Trump eine schnelle Lösung der Frage nach der Beendigung des Krieges. Und auf welche Weise das erreicht wird? Unter welchen Bedingungen, mit welchen Ergebnissen? Das scheint den Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht zu interessieren.
Man kann nur hoffen, dass Donald Trump sich während der Konsultationen mit den europäischen Staats- und Regierungschefs zumindest auf Änderungen des Plans einlässt. Bislang ist Trump vor allem daran interessiert, dass das Dokument so schnell wie möglich von Präsident Selenskyj und ihm selbst unterzeichnet wird.
Dass die Unterzeichnung durch Zelensky und Trump den Krieg nicht beendet, solange die Punkte des Friedensplans nicht vollständig vom Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, akzeptiert werden, scheint Trump nicht verstehen zu wollen. Ebenso wenig will er verstehen, dass der russische Präsident auf die Verlängerung des Krieges ausgerichtet ist – nicht auf dessen Beendigung.
Wie Putin während einer Sitzung des Sicherheitsrats der Russischen Föderation klar und deutlich sagte, seien für ihn sowohl Verhandlungen als auch die Fortsetzung der Kampfhandlungen akzeptabel. Und in dieser Aussage liegt die tatsächliche Antwort auf Trumps gesamte Absicht. Solange Putin einer Feuerpause nicht zustimmt, bleiben alle diese Lösungsversuche völlig nutzlos, denn jeder echte Friedensprozess beginnt nicht mit Verhandlungen von Diplomaten – und daran ändert auch das Unverständnis dieses Faktums durch J. D. Vance nichts –, sondern mit einer Feuerpause, nach der Friedensverhandlungen beginnen.
In diesem Punkt hatte Donald Trump in seinem ursprünglichen Ansatz vollkommen recht, von dem er jedoch unter Putins Druck abgerückt ist. Und da es keine solche Voraussetzung mehr gibt, sondern das Angebot, Friedensverhandlungen unter dem Klang von Artillerie und Raketen zu führen, kann man sicher sein, dass Trumps Initiative praktisch zum Scheitern verurteilt ist. Und um dieses Scheitern zu verhindern, müsste der Druck auf Russland erhöht werden – etwas, worüber der amerikanische Vizepräsident nicht nachzudenken scheint.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Венс виправдовується перед Зеленським | Віталій Портников. 22.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.