
Загибель Олешків. Віталій Портников. 25.10.2026.
Die Tragödie von Oleschky, dessen letzte Bewohner hungern und keine Chance haben, die Stadt über die verminten Straßen zu verlassen, hat sogar die Aufmerksamkeit der amerikanischen First Lady auf sich gezogen. Um sich vor den für den US-Präsidenten so wichtigen Kongresswahlen nicht mit Trump zu überwerfen, war Putin gezwungen, einer vorübergehenden Waffenruhe und einem humanitären Korridor aus der dem Untergang geweihten Stadt zuzustimmen. Doch wie es ihren Bewohnern gelingen soll, aus dieser zerbombten Falle herauszukommen, weiß heute niemand.
Das Schicksal von Oleschky ist wie das Schicksal der Ukraine. Es ist das, was sie mit uns allen machen würden, wenn sie könnten. Es ist eine Demonstration ihrer heuchlerischen Gleichgültigkeit – wenn die Bewohner eines Gebiets, die für den Anschluss an die Russische Föderation „gestimmt“ haben und zu deren Bürgern erklärt wurden, einfach ihrem Schicksal überlassen werden und sterben sollen, gerade weil ihr Leben für die „Befreier“ niemals einen Wert hatte.
Oleschky stirbt nicht zum ersten Mal. Im Jahr 1728 ging hier die Oleschky-Sitsch infolge innerkosakischer Machtkämpfe unter. Sie war nach der Niederlage im Krieg gegen Moskau und nach der Niederlage Moskaus im Krieg gegen die Hohe Pforte von Anhängern des in Ungnade gefallenen Hetmans Iwan Masepa auf dem Gebiet des Krim-Khanats gegründet worden. Diese Sitsch war das Werk des späteren Hetmans von Dubossary, Kost Hordijenko, der sich Masepa nicht aus persönlicher Ergebenheit angeschlossen hatte (Masepa konnte er nämlich nicht besonders leiden), sondern aus der aufrichtigen Überzeugung, dass die Kosaken unter Moskaus Herrschaft zugrunde gehen würden. Hordijenko gehörte zu den letzten Kosch-Atamanen, die nicht nur versuchten, Moskau zu entkommen, sondern auch die Ukraine von diesem Übel zu befreien. Doch er war gezwungen, sich in der Oleschky-Sitsch niederzulassen. Ihre Zerstörung – nicht durch Moskau, nicht durch den Khan, nicht durch den Sultan, sondern durch die eigenen Kosaken – bedeutete das Ende der politischen Karriere des Hetmans, aber dennoch nicht das Ende der Siedlung selbst. Diese blieb bis zu ihren letzten Tagen dem Erbe der Oleschky-Sitsch verbunden – ukrainisch und ukrainischsprachig. Daran änderten auch die Sowjetisierung und die Umbenennung von Oleschky in Zjurupynsk nichts, zu Ehren eines hier geborenen leninistischen Volkskommissars, eines der Organisatoren der unheilvollen Lebensmittelbeschaffungstrupps und Helden des bolschewistischen Mythos vom unglücklichen Leiter des Volkskommissariats für Ernährung, der in seinem eigenen Büro Hunger leidet – ein wunderbarer Beweis für die Effizienz der revolutionären Macht!
Doch die wichtigste Persönlichkeit für Oleschky war keineswegs ein Mitstreiter des ersten sowjetischen Führers, sondern eine bescheidene Einwohnerin, die hier ihr ganzes schwieriges Leben während der Epoche Zjurupynsks verbrachte – die Künstlerin Polina Rajko, die ihr kleines Häuschen in eine Märchenwelt verwandelte. Dieses unglaubliche Häuschen, von dem ich nur eine Nachbildung im Kyiver Mystezkyj Arsenal gesehen habe, steht mir noch immer vor Augen. Doch am 6. Juni 2023 sprengten die Russen den Damm des Kachowka-Wasserkraftwerks. Das Häuschen mit all seinen Wandmalereien ging unter. Und Oleschky ging erneut unter. Was danach kam, war nur noch ein Todeskampf – die Stadt unter Wasser, die Flucht der Bewohner, die Tragödie der Zurückgebliebenen, Minen, Drohnen, Hunger … Und die Russen? Was kümmern die Russen schon eine weitere ukrainische Siedlung, das Unglück ihrer Bewohner, der Hunger alter, gebrechlicher Menschen? Sie überfluteten die alte Stadt, zerstörten ihre Seele, die in Rajkos einzigartigen Wandmalereien bewahrt geblieben war, und sahen gleichgültig zu, wie die letzten Bewohner von Oleschky Hunger litten. Denn Oleschky ist für diesen Heuschreckenschwarm, wie das gesamte besetzte Gebiet Cherson, nichts weiter als ein Brückenkopf. So wie auch die Ukraine nichts weiter als ein Brückenkopf ist. Wie sie in den 1930er-Jahren den Holodomor organisierten und den Hunger in der Ukraine beobachteten, die für sie ein „Getreidebrückenkopf“ und ein Geldreservoir für die weitere Expansion nach Westen war, so ist es auch heute – Hunger, Gleichgültigkeit, Pläne für neue Kriege. In hundert Jahren haben sie sich selbst ohne Kommunismus nicht weiterentwickelt, sondern sind verkommen. Obwohl man meinen könnte: Wie kann man nach einer derart grauenhaften Diktatur überhaupt noch weiter verkommen? Doch, das geht!
Melania Trump ist im entscheidenden Moment noch in der Lage, den Bewohnern einer kleinen ukrainischen Stadt zu helfen, sich vor dem Hungertod zu retten, obwohl wir noch nicht wissen, was das tatsächliche Ergebnis ihrer Initiative sein wird. Doch die Ukraine selbst können weder Melania noch ihr Mann retten.
Nur die Ukrainer selbst können verhindern, dass der Heuschreckenschwarm die Ukraine in seine Gewalt bringt. Denn am traurigen Schicksal von Oleschky wissen wir bereits, was danach kommen wird.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Загибель Олешків. Віталій Портников. 25.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 25.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.