Der Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, hat das Attentat auf den stellvertretenden Leiter der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation – das frühere Hauptverwaltungsamt für Aufklärung – Wladimir Alexejew bereits als Versuch des sogenannten Zelensky-Regimes bezeichnet, die Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zu sabotieren.
Abgeordnete der russischen Staatsduma bezeichnen Alexejew als Leiter der russischen Verhandlungsgruppe. Tatsächlich jedoch steht nicht Alexejew an der Spitze der Verhandlungsdelegation, sondern sein unmittelbarer Vorgesetzter, Admiral Kostjukow.
Doch die Frage ist natürlich nicht, wer die russische Verhandlungsgruppe bei den Konsultationen mit den Amerikanern und Ukrainern anführt, sondern vielmehr, dass – wie wir sehen – die Russische Föderation bereit ist, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, um den Verhandlungsprozess abzubrechen, sobald für den russischen Präsidenten Putin die Notwendigkeit entsteht, unangenehme Entscheidungen im Sinne russischer Zugeständnisse an Trump zu treffen.
Denn jedes Mal, wenn Verhandlungen stattfinden, erreichen die Teilnehmer einen Punkt, an dem Russland entweder einem Waffenstillstand, einem zeitweiligen Waffenruheabkommen oder der Festlegung von Standards für eine künftige Truppenentflechtung zustimmen müsste. Und all das gefällt Putin, der auf die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine ausgerichtet ist, selbstverständlich nicht. Zugleich kann er sich aber auch nicht kategorisch weigern, irgendwelche Schritte in Richtung eines zukünftigen Endes des russisch-ukrainischen Krieges zu unternehmen, da er keinen offenen Konflikt mit Trump riskieren will. Infolgedessen wird jedes Attentat auf einen hochrangigen Militärangehörigen in der russischen Hauptstadt von Moskau stets als Versuch der Ukraine dargestellt werden, weitere Verhandlungen zu vermeiden – unabhängig davon, ob ukrainische Geheimdienste tatsächlich an einem solchen Anschlag beteiligt waren oder nicht.
Obwohl General Alexejew kein Teilnehmer des diplomatischen Prozesses im Zusammenhang mit der aktuellen Phase der russisch-ukrainisch-amerikanischen Konsultationen war, gehörte er dennoch zu den auffälligen Figuren im russischen Generalstab. Gerade er war der Kurator der Wagner-Söldner. Und genau ihn sahen wir bei dem Aufruf an Prigoschin, als der Anführer der Söldnertruppe sich anschickte, mit Beschwerden über die Generäle – die er an Putin richten wollte – auf Moskau zu marschieren.
Gerade Alexejew war an dem Versuch beteiligt, Asowstal einzunehmen, und garantierte die Sicherheit der Asow-Kämpfer. Genau Alexejew könnte an den gefährlichsten Operationen der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation gegen die Ukraine beteiligt gewesen sein – und keineswegs nur gegen die Ukraine.
Und natürlich verfügte diese Person, die – wie wir aus der Situation rund um die Asow-Kämpfer und deren Sicherheit wissen – niemals ihr Wort hielt, über eine solche Menge an für Putin und sein engstes Umfeld kompromittierender Informationen, dass allein die Existenz Alexejews als unerwünschter Zeuge bereits bestimmte Gruppen im Kreml irritieren konnte – insbesondere in der aktuellen Phase der Beziehungen innerhalb der russischen Elite.
Ganz zu schweigen davon, dass es innerhalb der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation stets interne Machtkämpfe gab, über die nicht nur eine Spionagebuch geschrieben worden ist. Und man darf auch nicht vergessen: Die Hauptverwaltung des Generalstabs der russischen Streitkräfte hatte stets einen mächtigen Konkurrenten in Gestalt des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation.
Viele Menschen in Russland selbst fragen sich nun: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass General Alexejew – eine Person, die für die aus Sicht des Kreml-Regimes wichtigsten Spezialoperationen verantwortlich war, die sogar den Titel „Held Russlands“ für das Blutbad in Syrien erhielt – in einem Mehrfamilienhaus ohne jeglichen Schutz lebte, mit nicht funktionierenden Überwachungskameras? Wie konnte das einer Person mit einem derart hohen Zugang zu geheimen Informationen passieren?
Das kann eigentlich nur jene überraschen, die nicht verstehen, wie das Kräfteverhältnis innerhalb der russischen politischen Führung und der Sicherheitsdienste aussieht. Die Leiter der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation können nicht einmal annähernd auf das Sicherheitsniveau hoffen, das den Leitern des Föderalen Sicherheitsdienstes und des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation gewährt wird. Denn das russische System, angeführt von einem Mann aus dem FSB, also dem ehemaligen KGB, ist genau zum Schutz und zur Sicherheit dieser Generäle geschaffen worden.
Das Militär hingegen soll seinen Platz kennen. Und sobald es auch nur daran denkt, mehr Einfluss oder mehr Möglichkeiten zu haben, werden die FSB-Leute es stets daran erinnern, wo dieser Platz ist – ohne große Umstände, ohne Beratungen bei Putin, ohne dienstliche Vermerke. Man schickt einfach irgendeinen Killer, und anschließend beschuldigt man die ukrainischen Geheimdienste. Zumal die Ukraine mehr als genug Gründe hätte, Fragen an General Alexejew und seinesgleichen zu stellen.
Deshalb gibt es im Fall des Attentats auf Alexejew – ganz wie in den Detektivromanen von Agatha Christie – mehr als genug Personen, die diesen russischen Pseudohelden loswerden wollten. Doch nun gibt es für Putin, falls er ihn nutzen möchte, einen Vorwand, um die Friedensverhandlungen zu unterbrechen oder zumindest zu bremsen.
Es ist nicht gelungen, die eigene Position mit der erfundenen Geschichte über den Beschuss der Residenz des russischen Präsidenten in Waldaij zu stärken, weil die Amerikaner mithilfe von Satelliten- und Geheimdienstinformationen recht schnell feststellten, dass es einen solchen Beschuss nicht gegeben hatte und Putin Trump schlicht täuschte. Nun aber gibt es den schwer verletzten Körper General Alexejews im Krankenhaus, der die angebliche Unkonstruktivität der ukrainischen Bemühungen um Frieden mit Russland demonstrieren soll.
Natürlich verstehen wir sehr gut, dass Putin jeden anderen Vorwand nutzen kann – wenn er überhaupt Vorwände braucht. Doch die Geschichte um Alexejew illustriert eindrücklich, dass der Kreml zu beliebigen Maßnahmen bereit ist, einschließlich interner Abrechnungen innerhalb des russischen Generalstabs und der schweren Spannungen zwischen dem Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation und der Hauptverwaltung des Generalstabs der russischen Streitkräfte, um sich die Möglichkeit zu erleichtern, den Verhandlungsprozess mit der Ukraine abzubrechen – sobald man in der russischen Hauptstadt entscheidet, dass Verhandlungen Putin schaden und ihn zu für Russland nachteiligen Entscheidungen zwingen, allein um das Einvernehmen mit dem amerikanischen Präsidenten zu wahren.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Замах на генерала ГРУ: наслідки | Віталій
Портников. 06.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 06.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.