Attentat auf einen GRU-General: die Folgen | Vitaly Portnikov. 06.02.2026.

Der Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, hat das Attentat auf den stellvertretenden Leiter der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation – das frühere Hauptverwaltungsamt für Aufklärung – Wladimir Alexejew bereits als Versuch des sogenannten Zelensky-Regimes bezeichnet, die Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zu sabotieren.

Abgeordnete der russischen Staatsduma bezeichnen Alexejew als Leiter der russischen Verhandlungsgruppe. Tatsächlich jedoch steht nicht Alexejew an der Spitze der Verhandlungsdelegation, sondern sein unmittelbarer Vorgesetzter, Admiral Kostjukow.

Doch die Frage ist natürlich nicht, wer die russische Verhandlungsgruppe bei den Konsultationen mit den Amerikanern und Ukrainern anführt, sondern vielmehr, dass – wie wir sehen – die Russische Föderation bereit ist, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, um den Verhandlungsprozess abzubrechen, sobald für den russischen Präsidenten Putin die Notwendigkeit entsteht, unangenehme Entscheidungen im Sinne russischer Zugeständnisse an Trump zu treffen.

Denn jedes Mal, wenn Verhandlungen stattfinden, erreichen die Teilnehmer einen Punkt, an dem Russland entweder einem Waffenstillstand, einem zeitweiligen Waffenruheabkommen oder der Festlegung von Standards für eine künftige Truppenentflechtung zustimmen müsste. Und all das gefällt Putin, der auf die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine ausgerichtet ist, selbstverständlich nicht. Zugleich kann er sich aber auch nicht kategorisch weigern, irgendwelche Schritte in Richtung eines zukünftigen Endes des russisch-ukrainischen Krieges zu unternehmen, da er keinen offenen Konflikt mit Trump riskieren will. Infolgedessen wird jedes Attentat auf einen hochrangigen Militärangehörigen in der russischen Hauptstadt von Moskau stets als Versuch der Ukraine dargestellt werden, weitere Verhandlungen zu vermeiden – unabhängig davon, ob ukrainische Geheimdienste tatsächlich an einem solchen Anschlag beteiligt waren oder nicht.

Obwohl General Alexejew kein Teilnehmer des diplomatischen Prozesses im Zusammenhang mit der aktuellen Phase der russisch-ukrainisch-amerikanischen Konsultationen war, gehörte er dennoch zu den auffälligen Figuren im russischen Generalstab. Gerade er war der Kurator der Wagner-Söldner. Und genau ihn sahen wir bei dem Aufruf an Prigoschin, als der Anführer der Söldnertruppe sich anschickte, mit Beschwerden über die Generäle – die er an Putin richten wollte – auf Moskau zu marschieren.

Gerade Alexejew war an dem Versuch beteiligt, Asowstal einzunehmen, und garantierte die Sicherheit der Asow-Kämpfer. Genau Alexejew könnte an den gefährlichsten Operationen der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation gegen die Ukraine beteiligt gewesen sein – und keineswegs nur gegen die Ukraine.

Und natürlich verfügte diese Person, die – wie wir aus der Situation rund um die Asow-Kämpfer und deren Sicherheit wissen – niemals ihr Wort hielt, über eine solche Menge an für Putin und sein engstes Umfeld kompromittierender Informationen, dass allein die Existenz Alexejews als unerwünschter Zeuge bereits bestimmte Gruppen im Kreml irritieren konnte – insbesondere in der aktuellen Phase der Beziehungen innerhalb der russischen Elite.

Ganz zu schweigen davon, dass es innerhalb der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation stets interne Machtkämpfe gab, über die nicht nur eine Spionagebuch geschrieben worden ist. Und man darf auch nicht vergessen: Die Hauptverwaltung des Generalstabs der russischen Streitkräfte hatte stets einen mächtigen Konkurrenten in Gestalt des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation.

Viele Menschen in Russland selbst fragen sich nun: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass General Alexejew – eine Person, die für die aus Sicht des Kreml-Regimes wichtigsten Spezialoperationen verantwortlich war, die sogar den Titel „Held Russlands“ für das Blutbad in Syrien erhielt – in einem Mehrfamilienhaus ohne jeglichen Schutz lebte, mit nicht funktionierenden Überwachungskameras? Wie konnte das einer Person mit einem derart hohen Zugang zu geheimen Informationen passieren?

Das kann eigentlich nur jene überraschen, die nicht verstehen, wie das Kräfteverhältnis innerhalb der russischen politischen Führung und der Sicherheitsdienste aussieht. Die Leiter der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation können nicht einmal annähernd auf das Sicherheitsniveau hoffen, das den Leitern des Föderalen Sicherheitsdienstes und des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation gewährt wird. Denn das russische System, angeführt von einem Mann aus dem FSB, also dem ehemaligen KGB, ist genau zum Schutz und zur Sicherheit dieser Generäle geschaffen worden.

Das Militär hingegen soll seinen Platz kennen. Und sobald es auch nur daran denkt, mehr Einfluss oder mehr Möglichkeiten zu haben, werden die FSB-Leute es stets daran erinnern, wo dieser Platz ist – ohne große Umstände, ohne Beratungen bei Putin, ohne dienstliche Vermerke. Man schickt einfach irgendeinen Killer, und anschließend beschuldigt man die ukrainischen Geheimdienste. Zumal die Ukraine mehr als genug Gründe hätte, Fragen an General Alexejew und seinesgleichen zu stellen.

Deshalb gibt es im Fall des Attentats auf Alexejew – ganz wie in den Detektivromanen von Agatha Christie – mehr als genug Personen, die diesen russischen Pseudohelden loswerden wollten. Doch nun gibt es für Putin, falls er ihn nutzen möchte, einen Vorwand, um die Friedensverhandlungen zu unterbrechen oder zumindest zu bremsen.

Es ist nicht gelungen, die eigene Position mit der erfundenen Geschichte über den Beschuss der Residenz des russischen Präsidenten in Waldaij zu stärken, weil die Amerikaner mithilfe von Satelliten- und Geheimdienstinformationen recht schnell feststellten, dass es einen solchen Beschuss nicht gegeben hatte und Putin Trump schlicht täuschte. Nun aber gibt es den schwer verletzten Körper General Alexejews im Krankenhaus, der die angebliche Unkonstruktivität der ukrainischen Bemühungen um Frieden mit Russland demonstrieren soll.

Natürlich verstehen wir sehr gut, dass Putin jeden anderen Vorwand nutzen kann – wenn er überhaupt Vorwände braucht. Doch die Geschichte um Alexejew illustriert eindrücklich, dass der Kreml zu beliebigen Maßnahmen bereit ist, einschließlich interner Abrechnungen innerhalb des russischen Generalstabs und der schweren Spannungen zwischen dem Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation und der Hauptverwaltung des Generalstabs der russischen Streitkräfte, um sich die Möglichkeit zu erleichtern, den Verhandlungsprozess mit der Ukraine abzubrechen – sobald man in der russischen Hauptstadt entscheidet, dass Verhandlungen Putin schaden und ihn zu für Russland nachteiligen Entscheidungen zwingen, allein um das Einvernehmen mit dem amerikanischen Präsidenten zu wahren.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Замах на генерала ГРУ: наслідки | Віталій
Портников. 06.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 06.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Mord in Odesa | Vitaly Portnikov. 14.03.2025.

In Odessa wurde am helllichten Tag der Aktivist Demjan Haneliuk erschossen, der von der russischen Propaganda als Organisator der Ereignisse am Gewerkschaftshaus in Odessa bezeichnet wurde.

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass dieses Mord unmittelbar nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte erfolgte, der den ukrainischen Staat faktisch für die Folgen des Brandes in diesem Gebäude verantwortlich gemacht hat. Der Brand ereignete sich vor dem Hintergrund der Versuche der Russischen Föderation, im Gefolge der Ereignisse nach dem Maidan 2013-2014 die Kontrolle über den gesamten Osten und Süden der Ukraine zu übernehmen.

Natürlich ist aus dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ersichtlich, dass die russischen Aktionen zur Destabilisierung der Lage in der Ukraine als Hauptursache für das Geschehen im Odesser Gewerkschaftshaus angesehen werden. Der ukrainischen Regierung werden Vorwürfe gemacht, insbesondere weil hochrangige Beamte, von denen wir wissen, dass sie auf der Seite Moskaus standen, nicht ordnungsgemäß von der ukrainischen Regierung verfolgt wurden und nach Russland fliehen konnten, von wo sie offensichtlich ihre Aufgaben zur Destabilisierung erhielten.

Für den Kreml und seine Agenten haben die Details des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte natürlich keine wirkliche Bedeutung. Der Fakt zählt. Die Ukraine verliert sogar einen internationalen Gerichtsprozess im Zusammenhang mit den Ereignissen in Odessa, und am nächsten Tag wird in dieser ukrainischen Stadt eine Person ermordet, die von den Russen weiterhin als Organisator des Geschehens angesehen wird. Obwohl wir sehr wohl wissen, dass es damals überhaupt keinen Organisator der Ereignisse am Gewerkschaftshaus gab. Es ging eher um eine ganze Reihe von Zusammenstößen zwischen denen, die halfen, Odessa in eine Volksrepublik zu verwandeln, und denen, die versuchten, diesen Aktionen der russischen Agentur entgegenzuwirken und zur Erhaltung Odessas und der Oblast Odessa innerhalb des ukrainischen Staates beizutragen.

Und wir alle wissen sehr wohl, dass der Kampf darum noch lange nicht beendet ist, dass die Pläne des russischen Präsidenten Wladimir Putin und seines Umfelds die Besetzung des gesamten Ostens und Südens unseres Landes, möglicherweise sogar die Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit, beinhalten, auf die man im Kreml weiterhin setzt, wenn die Ergebnisse des russisch-ukrainischen Krieges diskutiert werden, die für den russischen Staat und die russische politische Führung günstig wären.

Aus dieser Sicht ist die Destabilisierung in der Ukraine Teil der russischen Bemühungen, die Staatlichkeit der Nachbarn zu zerstören. Nicht nur der Krieg, nicht nur die Beschüsse friedlicher ukrainischer Städte mit Raketen und Drohnen, unter denen Odessa als eine der ersten leidet, sondern auch eine ernsthafte Destabilisierung der Lage, Morde, Einschüchterung der Bevölkerung und Versuche, die Ukraine in ein Gebiet des totalen Terrors zu verwandeln.

In diesem Zusammenhang fügen sich die Morde in Odessa in das Paradigma ein, das wir seit der Erschießung von Iryna Faryon in Lviv beobachten. Natürlich können die ersten Schläge genau diejenigen treffen, die Russland als Vertreter radikaler politischer Ansichten bezeichnen wird.

Aber jederzeit kann sich der Terror auch auf diejenigen ausdehnen, die Ansichten äußern, die denen der russischen Propaganda nahe kommen. Und natürlich ist dies auch eine Vorbereitung darauf, dass die Ukrainer Terror als Normalität akzeptieren und sich nicht über mögliche Anschläge und Morde an Vertretern der ukrainischen politischen und militärischen Führung wundern, was zweifellos auch zu den Plänen von Wladimir Putin, des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation, des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation und aller Institutionen gehört, die an der Liquidierung des ukrainischen Staates und der Eingliederung seiner Gebiete in Russland in den nächsten Jahren arbeiten.

Denn alle in der russischen Hauptstadt verstehen, dass das Zeitfenster der Möglichkeiten, das mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten verbunden ist, sich schließen könnte, und daher müssen die Ereignisse jetzt beschleunigt werden, damit, wie einer der engsten Vertrauten von Wladimir Putin, Nikolai Patrushev, sagte, der ukrainische Staat im Jahr 2025 nicht mehr existiert und im Kreml die Wiederherstellung seines Imperiums zumindest in den Grenzen von 1991 gefeiert wird, wenn es um die Ukraine und das benachbarte Belarus geht, das faktisch von den Russen besetzt ist.

Jedes Attentat ist also Teil einer großen antiukrainischen Strategie Moskaus. Und so muss man es auch sehen. Die Frage ist, wie die ukrainischen Institutionen auf diese offensichtliche Gefahr reagieren.

Denn es ist jetzt bekannt, dass der Odesser Aktivist sich das mit Meldungen über erhaltene Drohungen an den Sicherheitsdienst der Ukraine gewandt und um Personenschutz gebeten hat. Daher musste das Geschehen um ihn herum nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit der konkreten Person und ihrer Familie, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der Notwendigkeit geklärt werden zu verstehen, wie stark die russischen Agenten und alle, die hoffen, dass Odessa früher oder später ein ganz gewöhnliches regionales Zentrum der Russischen Föderation wird, und über den institutionellen Gebäuden dieser Hafenstadt die Trikolore Russlands wehen wird, in Odessa und in der südlichen Ukraine positioniert sind.

Und Wladimir Putin wird dann seinen Landsleuten, die auf die Eroberung des ukrainischen Südens und den weiteren Vormarsch auf Moldawien eingestellt sind, problemlos von der russischen Odessa erzählen können. 

In dieser Situation ist der Kampf gegen die Agenten, die angesichts der langjährigen Arbeit des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation und anderer russischer Geheimdienste zahlreich sind, vor allem in den Regionen, in denen prorussische Kräfte immer große Sympathien in der Bevölkerung genossen haben und aufgrund dieser Sympathien Ämter in der Regierung, Abgeordnetenmandate und die Möglichkeit erlangten, die lokale Regierung zu kontrollieren, von größter Bedeutung.

Genau diese reale Arbeit mit den Agenten, das Verständnis, wie viele von ihnen nach Beginn des großen Krieges im Februar 2022 hinzugekommen sind, ist eine Frage des Überlebens des ukrainischen Staates im Widerstand gegen die russische Aggression. Und das Verständnis, dass, wenn die Kampfhandlungen tatsächlich für einige Zeit eingestellt werden, die Bemühungen Russlands, die Lage in der Ukraine zu destabilisieren und unseren Staat in ein Gebiet des totalen Terrors und der Gefahr zu verwandeln, nicht nur nicht aufhören, sondern sich verdoppeln, verdreifachen und zu einem wichtigen Bestandteil der russischen Politik gegenüber dem Nachbarstaat werden, bis Moskau die militärischen Aktionen gegen die Ukraine wieder aufnehmen kann, um das Land, das Putin und seine Landsleute so hassen, endgültig zu vernichten.

An all diese ernsten Gefahren muss man sich nicht nur erinnern, wenn es wieder zu einem Mord kommt. Sie sind Teil unserer Überlebensstrategie in diesem schwierigen Kampf.