Kein Recht auf blinden Glauben und Selbsttäuschung über die „Gewissheit eines Nichtangriffs“. Der Test für Artikel 5 der NATO. Interview mit dem schwedischen öffentlich-rechtlichen Sender SVT vom 22.08.2026. Robert „Magyar“ Brovdi

Interview des Kommandeurs der Unbemannten Systeme Robert „Magyar“ Brovdi mit dem schwedischen öffentlich-rechtlichen Sender SVT vom 22.08.2026. Die Chronologie des Interviews wurde geändert. Die aktuellen Themen befinden sich im zweiten Teil, deshalb beginnen wir mit diesem.

Magyar:All das habe ich bisher unter einem positiven Vorzeichen dargestellt. Jetzt komme ich zur negativen Seite. Der Gegner schläft ebenfalls nicht, und der Gegner ist ernst zu nehmen. Was die Unterbindung seiner Finanzierungsquellen betrifft, sind wir noch sehr weit davon entfernt, sie auch nur hypothetisch vollständig unterbinden zu können. Putin hat den Ausbau seiner Militärmaschine keine Minute lang gestoppt.

Die Finanzierung der Entwicklung von Drohnen und neuen Militärtechnologien, die kontinuierliche Produktion von Luftverteidigungssystemen, die Ausweitung der Produktion verschiedener Raketentypen, die bevorstehende Mobilisierung – all das zeugt davon, dass er die militärischen Fähigkeiten des Staates kontinuierlich ausbaut. Und dabei geht es nicht um Atomwaffen, nicht einmal um taktische.

Es geht um die Beschaffung billiger Waffen, mit denen sich Wirkung erzielen lässt. Nehmen wir die der ganzen Welt bekannten Shaheds, die wir täglich mit einer gewissen Regelmäßigkeit abfangen. Stand August sind das im Durchschnitt 300 Stück pro Tag. Und es gibt weltweit keine einzige Armee, die darauf vorbereitet ist, im laufenden Betrieb eine solche Menge an Loitering Munition abzuwehren. Am Montag 300, am Dienstag 300, am Mittwoch 300, am Freitag 300. Dazwischen zwei Raketenangriffe mit jeweils 30 oder 50 Raketen aus verschiedenen Richtungen. Und dafür traditionelle Mittel zur Abwehr ballistischer Raketen und Shaheds einzusetzen, kann keine Volkswirtschaft der Welt stemmen. Es geht ausschließlich um neue, moderne und kostengünstige Technologien.

Und Putin versteht die Wirksamkeit dieser Waffen. Ebenso versteht Putin, dass den NATO-Mitgliedstaaten eine klare und beständige Position fehlt. Deshalb erlaubt er sich die Rhetorik, dass die NATO-Staaten bereits in diesen Krieg hineingezogen seien und unmittelbar daran teilnähmen.

Was glauben Sie: Wird Putin seine Ambitionen jemals aufgeben, doch noch in das Territorium von NATO-Mitgliedstaaten einzudringen, um wieder jemanden zu „befreien“, zu „retten“ und irgendetwas mit irgendetwas zu „vereinigen“? Nehmen wir als Beispiel die baltischen Staaten, die Putin als Bruchstücke der ehemaligen Sowjetunion im Rahmen seiner imperialen Ambitionen und Vorstellungen gerne wieder zusammenfügen würde, indem er alle in der guten alten Sowjetunion vereint. Deshalb gebe ich Ihnen drei zentrale Quintessenzen, aber hören Sie mir bitte zu.

  • Erstens. Ein „Kyiv in drei Tagen“ wird es nie wieder geben, aber ob es die baltischen Staaten nicht innerhalb eines Tages treffen könnte, da bin ich mir nicht sicher.
  • Zweitens. Die Drohne ist ohne jede Dramatisierung eine reale Plage des dritten Jahrtausends. Die Mathematik belegt das.
  • Drittens. Die NATO-Partnerstaaten irren sich sehr – mir ist das Wort entfallen – sie überschätzen ihre eigene Bereitschaft erheblich, dem Druck einer feindlichen Armee standzuhalten, die moderne Technologien einsetzt und die derzeit von der Ukraine bei Russlands Offensive aufgehalten wird.

Die NATO-Staaten sind auf einen Drohnenkrieg nicht vorbereitet. Punkt. Wie auch immer die geopolitischen Karten am Ende liegen mögen, was auch immer die großen Staaten über eine mögliche Beendigung des Krieges in der Ukraine und Ähnliches vereinbaren mögen: Putin wird seine Militärmaschine nicht einmal für eine zehnminütige Abkühlung des Motors abstellen. Er wird diese Maschine weiter antreiben und Personal, Bewaffnung und Technologien maximal ausbauen, um den nächsten Schritt zu machen.

Und das ist keine leere Erklärung. Im Rahmen unserer Kommunikation und Zusammenarbeit mit den militärischen Führungen ausnahmslos aller NATO-Mitgliedstaaten geben wir unsere vorrangigen Empfehlungen für die Umsetzung der ersten Schritte, die bereits jetzt notwendig sind, um einen Angriff Putins auf Sie zu verhindern – einen erfolgreichen Angriff. Die ersten fünf Schritte zur sofortigen Umsetzung innerhalb von drei, sechs und zwölf Monaten wurden der politischen und militärischen Führung der NATO nicht nur übermittelt, sie wurden von mir bereits weltweit öffentlich gemacht. Sie wurden einfach veröffentlicht, ausgesprochen, von Journalisten wiedergegeben und in der ganzen Welt verbreitet. Man muss handeln, es gibt keine Zeit.

Was die Ukraine betrifft, liegt bereits alles offen zutage. Die Legalisierung der Mobilisierung, die Bekanntgabe und Umsetzung der Mobilisierung durch Putin, die Ausweitung der Angriffe mit Shaheds – sowohl mit strahlgetriebenen als auch mit gewöhnlichen –,und die Ausweitung gleichzeitiger Raketenangriffe. Ich spreche hier nicht von ballistischen Raketen, sondern von einer gleichzeitigen Salve aller Raketentypen, die Putin im Krieg gegen die Ukraine standardmäßig einsetzt, mit dem Ziel, unsere Infrastruktur zu zerstören, der Zivilbevölkerung das Leben in friedlichen Städten unmöglich zu machen und direkten genozidalen Terror gegen die Zivilbevölkerung auszuüben. Er kann auf dem Schlachtfeld keine Erfolge erzielen, er kann seinem Volk keine wirklichen Erfolge vorweisen. Also verlagert er den Schwerpunkt seiner Angriffe darauf, für die Einwohner, für die Zivilbevölkerung der Ukraine einen Albtraum zu schaffen.

Wir wissen, was dagegen zu tun ist. Aber auch hier liegt allem die Mathematik zugrunde, die nicht ausschließlich von uns abhängt. Zu dieser Art von Mathematik gehört auch die Beteiligung der Partner in Form rechtzeitiger – nicht nur angekündigter, sondern rechtzeitiger – finanzieller Unterstützung.

Es gibt auch kostenlose Schritte, die jedoch stark politisiert sind. Der wichtigste kostenlose, aber politische Schritt ist die Freigabe des Betriebs der Starlink-Satelliten über einem Teil des russischen Territoriums. Wir bekämpfen Drohnen, die über unser Territorium fliegen, aber wir haben nicht genügend Möglichkeiten, die Abschussvorrichtungen für Raketen und dieselben Shaheds zu bekämpfen, deren Standorte wir kennen, für die wir jedoch eine Kommunikationsverbindung brauchen.

Wir haben das in den vorübergehend besetzten Gebieten bewiesen. Aus den vorübergehend besetzten Gebieten setzt der Gegner heute bei massiven Raketenangriffen keine Raketen mehr ein, weil wir dafür gesorgt haben, dass dort keine Abschussvorrichtungen stationiert werden können. Irgendwo dort gibt es vielleicht noch welche, aber sie verstecken sich und werden nicht massenhaft eingesetzt.

Alle Starts erfolgen ausschließlich von russischem Territorium, vom Süden bis ganz in den Norden, von Rostow und Taganrog bis zu den Gebieten Brjansk, Kursk, Belgorod und so weiter. Wir kennen jede Zone, in der sich diese Abschussvorrichtungen befinden. Aber um sie zu zerstören, brauchen wir offene Augen. Keine Versprechen – offene Augen. Und dann werden wir das in kurzer Zeit bewältigen, innerhalb weniger Wochen.

Drittens – ich bin noch nicht fertig. Drittens geht es darum, dass die entscheidenden NATO-Partnerstaaten die Notwendigkeit einer Neuausrichtung und Überarbeitung ihrer eigenen Sicherheitsdoktrinen selbst erkennen und unverzüglich akzeptieren. Nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern wirklich akzeptieren. Und zwar sofort. Sofort. Wissen Sie, die Ukraine wird Ihre Länder ganz sicher mit Drohnen versorgen können, falls auf Ihrem Territorium plötzlich ein Krieg beginnt. Das kann ich heute mit Sicherheit sagen. Aber die Ukraine wird Ihnen ganz sicher nicht die Beteiligung ihrer Soldaten zur Verfügung stellen können, die Sie verteidigen werden. Wir werden schlicht nicht für Sie alle ausreichen. Und wenn Sie eine derart enge Zusammenarbeit mit uns haben, Zugang zu Analysen, zur Geschichte der Ereignisse, zu deren Auswertung und zur Übernahme unserer Erfahrungen, dann ist es, gelinde gesagt, gefährlich, jetzt keine neuen Entscheidungen für die eigene Sicherheit umzusetzen. Und das ist Ihre künftige Herausforderung.

Sie erinnern sich: Die Drohne ist die Plage des dritten Jahrtausends. Und ich scherze nicht. Außerhalb eines Krieges, in den Händen eines Terroristen oder einfach eines Rowdys, der ein Fußballspiel in einem Stadion mit 100.000 Zuschauern sprengen will. Der 11. September – ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr – musste in den Vereinigten Staaten geschehen, damit sämtliche Fragen der Sicherheit im Luftverkehr neu überdacht wurden. Ein moderner 11. September ist in Europa noch nicht geschehen, obwohl Drohnen in Leipzig bereits den Flughafen erreicht haben und, Gott sei Dank, nicht explodiert sind.

Wenn es um die Sicherheit jedes einzelnen Penthouses in einem Hochhaus irgendeiner Stadt und um den sicheren Aufenthalt irgendeiner VIP-Person darin geht, eines Bankdirektors, einer finanziell bedeutenden Person, eines Industrieunternehmers oder sonst jemandes, dann werden sie weder in die Keller gehen können, um dort zu arbeiten, noch sich in einem Hochhaus sicher fühlen können. Seien Sie sich dessen sicher. Ich drohe nicht, ich stelle fest. Selbst für den Beruf des Scharfschützen wird nicht einmal mehr in der Kriminalität Platz bleiben. Im Krieg ist der Scharfschütze bereits nicht mehr gefragt.

Frage: Eine persönliche Frage zu Ihrem Hintergrund. Was hat Sie auf Ihre jetzige Position vorbereitet? Ihre Vergangenheit? Vielleicht Ihre Rolle als Geschäftsmann, vielleicht irgendeine andere Erfahrung. Wie sind Sie hierhergekommen? Und nicht einfach nur hierhergekommen, sondern so erfolgreich. Was hat Sie am meisten darauf vorbereitet?

Magyar: Ich bin Ukrainer. Das ist das Erste. Zweitens bin ich Eigentümer von etwas Eigenem – eines Baumes, eines Hauses, eines Unternehmens, egal. Drittens bin ich Vater. Viertens ist das mein Land. Was zum Teufel soll das? 

Und dann ist da einfach dieses einzigartige Phänomen, für das es in der Geschichte vermutlich kein Gegenstück gibt: dass im Jahr 2022 die absolute Mehrheit der Widerstandskräfte aus Zivilisten verschiedenster Berufe bestand, die einfach innerhalb von fünf Tagen zu den Waffen griffen, jeder in seinem Gebiet.

Neben Mut und Patriotismus ermöglichte das, den kollektiven Verstand verschiedener Berufsgruppen an einem Ort zu konzentrieren, ausgerichtet auf die Lösung eines einzigen konkreten Problems. Keine spezialisierte militärische Erfahrung, sondern der gemeinsame kollektive Verstand von Ärzten, Ingenieuren, Sportlern, Gaunern, Geschäftsleuten – von wem auch immer. 

Die Ideen jedes Einzelnen waren anfangs auf das Überleben gerichtet, konzentrierten sich später auf die Vernichtung des Gegners mit allen verfügbaren Mitteln und im nächsten Schritt auf die Skalierung dieser Lösungen und ihre Implementierung in jene Armee, in deren heutiger Form sie jetzt am Krieg teilnimmt. Und in den meisten dieser Gruppen von Menschen verschiedener Berufe fanden sich Projektmanager, die sich schnell orientierten und faktisch die Koordinierung all dieser Handlungen übernahmen.

Das ist der grundlegende Unterschied zu einer klassischen Armee irgendeines Landes der Welt. Kein eng spezialisiertes Berufsbild, sondern kollektiver Verstand. Kollektiver Verstand, gesteuert von einem Projektmanager, der sich von Mathematik leiten lässt. Das ist das Wort, mit dem wir unser Gespräch begonnen haben. Kollektiver Verstand ist das Äquivalent eines Teams. Natürlich baut hier niemand ein Monopol auf oder betreibt ein „Ruhm mir, dem Geliebten“, all das sind Teams. Mit einem solchen Ansatz hat Putin in der Ukraine keine Aussicht auf Erfolg und wird sie auch nicht haben.

Bedauerlicherweise um den Preis des Lebens sowohl unserer Kameraden als auch von der Zivilbevölkerung. Schade ist, dass die Aktivität der Partner erst an der Schwelle zu humanitären Katastrophen einsetzt. Erst dann unternehmen sie jene richtigen Schritte, die rechtzeitig notwendig wären, aber letztlich unternehmen sie sie dennoch. Andernfalls werden auch die Partner in einer Situation des Zugzwangs sein, gelinde gesagt, oder in einer von vornherein verlorenen Konstellation der Zukunft.

Und wir waren und bleiben allen Partnerstaaten dankbar, denen das Geschehen in der Ukraine nicht gleichgültig ist und die uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen, sich beteiligen, uns unterstützen und so weiter. Wenn die NATO lange zum Anspannen braucht, dann haben Sie, die einzelnen Staaten, eine ganze Reihe anderer Formen von Bündnissen, zum Beispiel JEF.

Klopfen Sie deshalb an die Herzen Ihrer Einwohner, aber klopfen Sie noch stärker an die Köpfe Ihrer Führung. Ihre Sicherheit liegt in Ihren Händen, und die Drohnen werden in den Händen der Piloten Ihres Landes liegen. Vielleicht mit einem Ausbilder aus einem anderen Land, aber der Großteil der Piloten wird aus Ihrem Land kommen, ebenso wie die Infanterie. Obwohl ich natürlich wünsche, dass alle Kriege, an denen Schweden beteiligt war, ausschließlich Geschichte bleiben und nicht Zukunft werden.

Erster Teil

Frage: Nach dem, was wir sehen, ist es Ihnen gelungen, eine sehr erfolgreiche Kampagne durchzuführen. Welche Schlüsse ziehen Sie jetzt aus den Ergebnissen dieser Kampagne, nach dem, was Sie sehen?

Magyar: Von welcher Kampagne sprechen wir?

Frage: Von der Drohnenkampagne, „Mid-Strike“ und „Deep-Strike“.

Magyar: Sehen Sie, ich würde das nicht in Kampagnen messen. Ich würde es anhand etwas anderer Kriterien messen. Der groß angelegte Krieg, den Russland gegen die Ukraine entfesselt hat, hat innerhalb kurzer Zeit durch das Aufkommen eines neuen Waffentyps grundsätzlich sämtliche bisherigen Doktrinen, Ansätze und Vorstellungen über die Führung dieses Krieges verändert.

Das heißt, die Drohne, die 2022 bereits als Mittel der Kriegsführung in Erscheinung trat, ist 2025 und 2026 zum Hauptelement dieses Krieges geworden. Das heißt, es ist ein Mittel, das durch die Erfüllung seiner Aufklärungs- und Angriffsfunktionen faktisch ganze Truppengattungen ersetzt hat: Es hat die Funktion der Artillerie übernommen, die Funktion der Luftwaffe übernommen, die Funktion gepanzerter Fahrzeuge, von Panzern und so weiter übernommen.

Denn all die oben genannten Mittel sind, sobald sie in der Killzone auftauchen, nicht einmal mehr in der Lage, ihre Feuerstellungen zu erreichen. Sie werden zu Zielen, die leicht zerstört werden können. Und zwar werden sie auf asymmetrische Weise zerstört. Denn die Asymmetrie zwischen den Kosten dieser Mittel und ihrer Anzahl ist so groß, eine solche Drohne ist im Verhältnis zu einem Panzer, der mehrere zehn Millionen Dollar kostet, so billig, während dieser Panzer im Grunde nicht einmal zu einem Kampfeinsatz ausrücken kann, weil er sich in einer potenziellen Killzone befindet. Einer Killzone, deren Ausdehnung heute ausschließlich von den technischen Eigenschaften der Drohnen selbst und ihrer Anzahl in der Luft bestimmt wird.

Erstens ersetzt die Drohne heute Personal. Das heißt, die Konzentration von Drohnen auf einem Frontabschnitt ermöglicht es, weniger Personal einzusetzen, bei dessen Mobilisierung es in der Ukraine gewisse Probleme gibt. Denn im Laufe von viereinhalb Jahren hat sich unsere Mobilisierungsreserve erheblich verringert, und alle, die kämpfen wollten, kämpfen bereits.

Zweitens hat die Drohne den Krieg transparent gemacht. Früher erhielt die Infanterie Informationen aus irgendwelchen Aufklärungsberichten, Meldungen und anderen Quellen. Heute liegt all das offen zutage. Es ist in Echtzeit sichtbar, weil die Drohnen im ständigen Wechsel fliegen, einander ablösen und es ermöglichen, das Bild des Gefechts, die Art der Handlungen, die logistischen Absichten des Gegners und seine Angriffsabsichten zu kennen. Man weiß buchstäblich alles im Voraus und hat die Möglichkeit, sich vorzubereiten und entsprechende Schläge zu führen.

Drittens ermöglicht die Drohne, gleichzeitig einen Krieg in vier verschiedenen Tiefen zu führen. Das ist die Luftverteidigung im Hinterland unmittelbar nahe der Frontlinie und weiter im Landesinneren. Das ist die Arbeit auf taktischer Ebene, die Arbeit auf operativer Ebene und die Bekämpfung von Zielen in der Tiefe auf strategischer Ebene, was uns wiederum schrittweise ermöglicht, den Krieg auf das Territorium des Besatzers, auf das Territorium Russlands zurückzutragen.

Viertens, fünftens, zehntens. Ich könnte noch viele weitere Punkte nennen, aber vor allem ist die Drohne Mathematik, und Mathematik bedeutet die Möglichkeit einer angemessenen Analyse, Steuerung und Planung des Krieges. Mathematik. Alles steckt darin.

Frage: Man kann also nicht sagen, dass Deep Strikes wichtiger sind als Mid Strikes? Sie alle bilden ein Ganzes. Gibt es einen Unterschied bei der Priorität solcher Angriffe?

Magyar: Heute entfallen 95 Prozent aller Treffer gerade auf die taktische Ebene. Denn gerade auf der taktischen Ebene nutzt der Gegner sein im Vergleich zur Ukraine völlig anderes Mobilisierungspotenzial und wirft immer neue Soldaten nach vorn, um in weitere Gebiete einzusickern. Und gerade am Boden, auf taktischer Ebene, findet ein gewisses Vorrücken des Gegners zur Eroberung von Land statt. Es geschieht nicht aus der Luft, es geschieht nicht von Moskau aus, es geschieht konkret auf dem Schlachtfeld, Kilometer für Kilometer. Natürlich hat Putin, besonders im letzten halben Jahr, auf dem Schlachtfeld nicht viel vorzuweisen, deshalb hat er sich jetzt umorientiert und sich dem Terror gegen die Zivilbevölkerung zugewandt. Aber das ist ein anderes Thema.

Im Dezember 2025 haben wir den nächsten Punkt einer neuen Dimension des Krieges erreicht, als wir die Bilanz zwischen dem Zulauf und dem Ausfall gegnerischen Personals im Krieg ausgeglichen haben. Das heißt, die Zahl des vom Gegner unter Vertrag genommenen Personals entsprach der Zahl des vernichteten gegnerischen Personals. Gerade durch Drohnen haben wir diese Bilanz ausgeglichen. Das ist ein neuer Ausgangspunkt. Aber das löst das Problem nicht. Ich erkläre jetzt, warum.

Bis heute bezeichnet Putin diesen Krieg als militärische Spezialoperation und nutzt zur Auffüllung seines Personals ausschließlich das Potenzial von Vertragssoldaten. Das heißt, sie zahlen Geld und schließen Verträge ab – freiwillig oder nicht freiwillig, das spielt keine Rolle. Sie schließen Verträge mit Personen, die anschließend losziehen, um auf ukrainischem Boden zu sterben. Am 20. September finden bei Putin Wahlen statt. Und das ist die letzte Schwelle, die ihn derzeit noch davon abhält, jene verborgene Mobilisierung zu legalisieren, die in Wirklichkeit bereits stattfindet. Und dann wird er in seinem Land Menschen mit Gewalt zusammentreiben und sie zur Durchführung der sogenannten militärischen Spezialoperation schicken. 

Obwohl diese Mobilisierung jetzt noch als verdeckt und sozusagen „nicht bewiesen“ gilt, sehe ich das nicht so. Und ich analysiere sehr viele OSINT-Daten, Informationen und abgefangene Mitteilungen. Wir führen tiefgehende Analysen durch. Ich behaupte, dass diese Mobilisierung im Herbst beginnen wird, und dann werden wir auf einer ganzen Reihe von Frontabschnitten einen erheblichen Zustrom gegnerischen Personals spüren. Und diese Parität bei der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts von Zugängen und Ausfällen wird ihren Wettbewerbsvorteil verlieren, weil der Gegner erheblich mehr Personal zur Verfügung haben wird, auch wenn es unerfahren ist. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Das sind vollkommen offensichtliche Dinge.

Und um auf den ersten Teil Ihrer Frage zu antworten: Drohnen auf taktischer Ebene waren, sind und bleiben aus Sicht der Eindämmung des Gegners prioritär. Prioritär und am massenhaftesten eingesetzt. Das heißt, von den zehn Millionen Drohnen, die die ukrainische Militärindustrie heute produziert, wird die absolute Mehrheit der Systeme heute hier auf dem Schlachtfeld benötigt, innerhalb von 15 bis 30 Kilometern.

Operationen, die die operative und die strategische Tiefe betreffen, dienen der Erfüllung anderer Aufgaben. Eine gesonderte Operation rund um die Krim, ihre Blockade – Sie haben davon gehört – dient vor allem dazu, Putin die Nutzung der Halbinsel als militärischen Brückenkopf unmöglich zu machen, von dem aus er seine Operationen gegen die Ukraine führt.

Ihre nächste Aufgabe besteht darin, die Aktivitäten der Schattenflotte zu stoppen, die die besetzten Gebiete und entsprechend das Asowsche Meer mit der Straße von Kertsch nutzte, um Öl, Commodities und alles Mögliche andere abzutransportieren, das mithilfe der Hunderte Schiffe der Schattenflotte in unbegrenzten Mengen auf das offene Meer gelangte und dort zum Zweck des Verkaufs weiter umgeladen wurde.

Und diese Operation hatte eine blitzartige Wirkung. Sie wurde aus der Luft durchgeführt und brachte den Verkehr der Schattenflotte buchstäblich innerhalb von zwei Wochen zum Erliegen. Seit zwei Monaten läuft sie nun, und der Verkehr auf dem Asowschen Meer ist vollständig zum Stillstand gekommen. Die Straße von Kertsch ist blockiert. Der Verkehr auf dem Schwarzen Meer, zumindest in seinem nordöstlichen Teil, ist, gelinde gesagt, erheblich erschwert.

Auf der Krim gibt es eine ganze Reihe solcher Aufgaben. Ich werde sie nicht alle aufzählen. Ich nenne noch eine wichtige, die dritte. Die dritte ist die Logistik auf die Halbinsel und zu den südlichen Frontabschnitten, die intensiv als Landkorridor für Lieferungen auf die Halbinsel und an den südlichen Frontstreifen genutzt wurde – für die Zuführung von Personal, militärischer Ausrüstung, Munition und allem, was Putin die Kriegsführung auf taktischer Ebene, auf dem Schlachtfeld, ermöglicht.

Das heißt, wir schaffen Bedingungen, unter denen ein Militärkontingent nicht auf dem Territorium der Krim stationiert werden kann, um von dort gegen die Ukraine eingesetzt zu werden. Dazu kommen sämtliche begleitenden Bereiche zur Aufrechterhaltung des Lebens dort. Ein besonderer Fokus liegt auf einer Zahl in Millionenhöhe, einer Zahl, die sich auf eine Million und mehr beläuft. Das ist dieser russische kolonialistische Migrationstourismus von Menschen, die vor zehn oder 13 Jahren einfach auf unser Land kamen, die Häuser von Ukrainern bezogen und es sich unter den schönen Bedingungen auf der Krim bequem machten, nachdem sie aus den tiefsten Sümpfen gekommen waren, in denen sie gelebt hatten – im Zuge von Putins müheloser Einnahme der Krim. Denn die Krim fiel ihm leichter in die Hände, als es einem gewöhnlichen Dieb fallen würde, beispielsweise vor Ihrem Parlament ein Auto zu klauen. Dort wäre es schwieriger, denn dort gibt es Kameras und Polizei. Hier dagegen kam er einfach, nahm sich eine leichte Trophäe und machte sie obendrein noch zu etwas Sakralem.

Nun zur strategischen Ebene. Sie hat völlig andere Aufgaben. Und wir haben intensiv daran gearbeitet, die Fähigkeit zur Erfüllung dieser Aufgaben zu erlangen. Faktisch haben ukrainische Ingenieure während des Krieges, während sie das Schlachtfeld mit Drohnen versorgten, unermüdlich Drohnen entwickelt, die in der Lage sind, wesentlich tiefer zu fliegen und wesentlich wichtigere Spezialoperationen durchzuführen. Und in der strategischen Tiefe konzentriert sich die Hauptaufgabe auf drei oder vier völlig andere Zieltypen.

  • Erstens sind das sämtliche Unternehmen, die Finanzierungsquellen des Krieges darstellen.

Putin verfügt über grenzenlose Bodenschätze, durch deren Export er Devisen erhält, mit denen er den Krieg finanziert. Das heißt, sämtliche Quellen der Kriegsfinanzierung sind legitime militärische Ziele und müssen unverzüglich zerstört werden, um das System der Kriegsfinanzierung auszubluten.

Zweitens: Wenn man berücksichtigt, dass Putin nie aufgehört hat, sich auf diesen Krieg vorzubereiten. Dieses Land hat sein ganzes Leben lang seinem eigenen militärisch-industriellen Komplex große Aufmerksamkeit und erhebliche finanzielle Mittel gewidmet und tut dies weiterhin.

  • Deshalb sind die zweite Priorität strategischer Angriffe in der Tiefe sämtliche Produktionsstätten für Waffen in all ihren Formen.

Die Finanzierungsquellen des Krieges ausbluten lassen. Die Unternehmen ausschalten und zerstören, die Mittel und Waffen herstellen, die in den Krieg geschickt werden: unbemannte Systeme, gepanzerte Systeme, alles, was fliegt, schießt und so weiter. Das sind zwei wichtige Prioritäten.

  • Die dritte Priorität sind sämtliche logistischen Versorger der militärischen Spezialoperation.

Das sind Monopole innerhalb Russlands, die für die massenhafte Logistik und die Versorgung mit Gütern für militärische Zwecke sorgen. Wenn wir über bestimmte Logistikzentren sprechen, mit deren Zerstörung wir uns regelmäßig und erfolgreich beschäftigen, dann betrifft ein gesonderter Bereich die taktischen und sonstigen Luftverteidigungssysteme, die Russland noch aus den Errungenschaften der Sowjetunion geerbt hat und bis heute sehr intensiv produziert. Damit verschafft es sich den sogenannten Schild, der das Eindringen von Luftzielen tief nach Russland hinein begrenzt. Das heißt, es handelt sich um sämtliche Elemente der Luftverteidigung, von denen wir Hunderte ausschalten und dadurch das Fenster in die Tiefe des russischen Territoriums rund um die Uhr offen halten.

Obwohl der Anteil der Angriffe in der Tiefe Russlands – Sie haben die Zahl heute gehört: 95 Prozent entfallen auf die taktische Ebene – also nicht mehr als fünf Prozent beträgt, kann man heute, Stand August 2026, mit Sicherheit sagen, dass es im europäischen Teil Russlands keinen einzigen Ort mehr gibt, den der Gegner als ruhiges Hinterland betrachten kann. In jedem Winkel, auf jedem Kilometer gibt es Raum, der für Angriffe durch einen freiheitsliebenden ukrainischen Vogel erreichbar ist.

Und schließlich ist das ein gesondertes Mittel, um auf den moralisch-psychologischen Zustand der gewöhnlichen Einwohner dieses Landes, Russlands, einzuwirken, damit sie ihre eigene Verbindung zu diesem Krieg spüren. Denn all die früheren Kriege, die Russland führte, um, wie sie sagen, jemanden von irgendetwas zu befreien, berührten keinen einzigen gewöhnlichen Einwohner Russlands, weil sie nicht auf russischem Territorium stattfanden. Es brauchte vier Jahre, in denen wir den Vormarsch der Russen in den von ihnen besetzten ukrainischen Gebieten aufhielten, um 2025 und 2026 damit beginnen zu können, den Krieg in vollem Umfang auf die Seite des Gegners zu verlagern. Und das ist inzwischen nicht mehr nur eine Tatsache, sondern Alltag – ein Alltag, an den sich die Bürger des Aggressorstaates nicht gewöhnen und der für sie dennoch alltäglich geworden ist.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Без права на сліпу віру та самонавіювання про „впевненість у ненападі“. Тест Статті 5 NATO. Інтервʼю суспільному мовнику Швеції SVT від 22.08.2026. Роберт Мадяр Бровді.
Kanal: schwedischer öffentlich-rechtlichen Sender SVT
Veröffentlichung: 22.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Robert „Madjar“ Browdi: „Wir töten mehr russische Soldaten, als sie zu mobilisieren schaffen“ BBC News Ukraine. 28.04.2026.

Madjar. Madjar, Kommandeur der SBS der Ukraine, Gründer der Einheit „Vögel Madjars“. Als Einheit, als Familie, haben wir den ganzen militärischen Weg vom ersten Tag an zurückgelegt: von einem Schützenzug der Territorialverteidigung bis zur größten, stärksten Brigade unbemannter Systeme der Welt. Jetzt ist es eine Truppengruppierung unbemannter Systeme, die ich führe. Zu ihr gehören zwölf Kampfeinheiten. Die Zahl des Personalbestands werde ich, entschuldigen Sie, nicht nennen. Aber wir wachsen und formen die Drohnenlinie. Die Drohnenlinie ist ein Phänomen, das dazu bestimmt ist, den gesamten Frontstreifen zu schließen, mit allen möglichen und von uns angewandten Arten der Einwirkung auf die Front.

Frage. Wie haben Sie begonnen, mit militärischen Drohnen zu arbeiten?

Madjar. Als wir in den Süden kamen, dorthin, wo sich die Cherson-Kampagne entwickelte, hatte der Gegner Cherson eingenommen und rückte in Richtung Mykolajiw vor. Und wir fanden uns als Infanteristen in den Schützengräben wieder. Irgendetwas traf uns, wir erlitten Verluste, konnten aber nicht zurückschlagen. Denn es war kein Bild wie im Film, wenn eine Menge mit Maschinengewehren auf eine andere Menge mit Maschinengewehren zuläuft. So war es nicht, wie im Film. Wir standen auf bestimmten Positionen, auf offenem Gelände, denn in der Region Cherson gibt es nicht viel Grün. Gegenüber arbeitete von Zeit zu Zeit irgendwelche Technik, und diese Technik fügte uns Verluste zu.

Bei uns entstand organisch der Wunsch zu verstehen, was auf uns einschlägt. Denn wenn sich ein Panzer oder Artillerie der Stellung nähert, hört man, dass sie sich bewegt. In diesem Fall hörten wir nichts. Es fanden einfach Beschießungen statt, und dann wurde alles still. Damals kam zum ersten Mal die Idee einer Drohne auf, um sie steigen zu lassen und nachzusehen, was auf der anderen Seite ist. Denn die Entfernung zwischen uns betrug 1.200 bis 2.500 Meter.

Ich hatte im zivilen Leben einmal zum ersten Mal eine Drohne für meine Kinder gekauft, als ich auf einer Auslandsreise in Singapur war. Und die Kinder spielten damit. Und damals hat sich bei mir einfach irgendwie eingeprägt, dass ein Kind nun endlich mit irgendeinem Mittel fliegen kann, auf ein paar Hundert Meter aufsteigen und sehen kann, was es vom Boden aus nicht sieht. Das ist einfach eine Assoziation, die in dem Moment entstand, als du nicht verstehst, was gegen dich Krieg führt, du nur ein Gewehr in den Händen hast, höchstens ein Maschinengewehr, und du keine Chance hast, weil man mit einem Gewehr keinen Panzer stoppt. Und mit einer Granate stoppt man ihn auch nicht beim ersten Mal.

Und diese Idee entwickelte sich zunächst ausschließlich aus der Sicht der Selbsterhaltung und des Selbstschutzes und der Aufklärung. Als wir einfach eine Aufklärungsdrohne hatten, das alles geschah in einem sehr kurzen Zeitraum, wir lernten schnell, gab die Aufklärungsdrohne keine Möglichkeit, den Gegner unmittelbar zu vernichten. Und dann begannen wir, bestimmte Gefechtsköpfe an die Drohne zu schrauben. Am Anfang Granaten, dann Munition eigener Herstellung, selbstgemachte. Sie mit der Drohne über den Gegner zu bringen, mit der Drohne zu finden, wo der Gegner ist, und sie auf ihn abzuwerfen.

Das war am 5. Juni 2022… Okay, ich werde nicht sagen, zu welchem Anlass. Der Geburtstag eines mir teuren Menschen. Und ich erinnere mich, dass ich ihm mit einem Video gratulierte, wie wir abgeworfen hatten… Wir hatten schon gelernt, der Sturm-Infanterie etwas auf den Kopf abzuwerfen, Granaten abzuwerfen und sie zu töten. Und damals, am 5. Juni, zeigte ich ihm einen sehr dynamischen Fall. Es war sogar eher ein Zufall, weil es gelang, den Gegner aus 300 Metern Höhe am Kopf zu treffen. Das ist keine Arbeitshöhe, das war für uns ein neues Niveau, dass man aus solcher Höhe treffen kann. Danach haben es nur wenige wiederholt, weil die Arbeitshöhe eine ganz andere ist. Wir arbeiten mit Drohnen gegen den Gegner vom null bis etwa anderthalb Hundert Metern.

Munition abzuwerfen ist auch nicht perspektivreich, weil die Drohne anfliegt, die Granate abwirft, getroffen oder nicht getroffen, und zurückkehren muss. Und im Juni kamen FPV-Drohnen in unser Leben. Eine FPV-Drohne ist eine Einwegdrohne, sie hat schlechtere Kameraeigenschaften, aber sie ist ein Einweggerät, in eine Richtung. Sie ist billiger als eine Aufklärungsdrohne, und sie kann mehr Munition von größerem Gewicht tragen. Und in diesem Moment begann der Wendepunkt.

Frage. Wie schätzen Sie Ihre Rolle im jetzigen Krieg ein?

Madjar. Unser wertvollstes Gut sind lebende Menschen, Soldaten. Die Mobilisierung im fünften Kriegsjahr in der Ukraine ist, gelinde gesagt, schwierig. Diejenigen, die kämpfen wollten, kämpfen bereits alle. Diejenigen, die emigrieren wollten, sind bereits alle emigriert. Diejenigen, die sich vor der Armee verstecken, die nicht meinen, dass sie bereit seien, oder nicht meinen, dass sie ihr Land verteidigen müssen, auf sie zählen wir nicht. Das ist nicht das Kontingent, das nützlich sein wird. Denn unsere Rekrutierung läuft ununterbrochen. Aber die Rekrutierung verläuft längst nicht in dem Tempo, das wir bräuchten.

Entsprechend ist die Mathematik sehr einfach. Wenn man berücksichtigt, dass das wichtigste Ziel des Gegners das Personal ist, nicht ein Panzer, nicht ein Geschütz, nicht irgendeine andere Art, sondern das Personal. Kein Personal – kein Sturm. Das ist die wichtigste Priorität. Unter Berücksichtigung dieses Umstands ist die wichtigste Priorität bei der Eindämmung der Anstrengungen des Gegners die unmittelbare Einwirkung auf die zahlenmäßige Zusammensetzung seiner Truppen. Ich übersetze es ins Ukrainische: auf das Töten der gegnerischen Soldaten.

Entsprechend ist es nicht äquivalent und sehr gefährlich, das Personal mit den eigenen Ressourcen an Personal zu töten, weil Verluste nicht so schnell ausgeglichen werden können. Die Körper des Gegners, tote Körper von Militärangehörigen, gegen Metall und Plastik zu tauschen, das 300 bis 500 Dollar kostet, ist der beste Wechselkurs der Welt. Der Tausch einer Drohne für 300 Dollar gegen das Leben eines Sturm-Soldaten des Gegners. Und nachdem wir das nicht unbegrenzte menschliche Potenzial Russlands verstanden haben – und davon zeugt der Umfang der Mobilisierung –, rekrutiert Russland für den Krieg im Jahr etwas mehr als 400.000 Soldaten. Das sind 33.000 bis 35.000 Soldaten, die monatlich für die spezielle Militäroperation mobilisiert werden müssen. Seit Dezember 2025 haben wir zum ersten Mal das Gleichgewicht hergestellt: wie viele vom Gegner mobilisiert wurden und wie viel Personal des Gegners dank Drohnen vernichtet wurde, was im funktionierenden situativen operatives System „Delta“ bestätigt ist.

In der Ukraine funktioniert ein solches militärisches System, in dem jede Wirkung dokumentiert und bestätigt wird – ob ein konkreter gegnerischer Soldat getötet oder verwundet wurde. Verwundet ohne Möglichkeit der Evakuierung oder leicht verwundet und später evakuiert. Im Dezember 2025 wurde dieses Gleichgewicht erreicht, und Stand April 2026 ist das erstmals ein entscheidender Wendepunkt. Vier Monate in Folge gelingt es, dieses Gleichgewicht negativ zu halten. Das heißt, wir, die Verteidigungskräfte der Ukraine, töten mit Drohnen nachweislich mehr, als die russische Armee mobilisiert.

Frage. Wie ist es Ihnen gelungen, in den vergangenen Monaten so viele russische Soldaten zu töten?

Madjar. Das ist eigentlich nicht schwierig. Wenn man den Mobilisierungsplan versteht, und das ist kein Geheimnis: Der Gegner kennt unsere Mobilisierungspläne, wir kennen ihre Mobilisierungspläne. Es gibt noch eine Toleranz von 20 Prozent – das sind Verluste des Gegners, die wir nicht bestätigen können. Ich werde das jetzt entschlüsseln. Das sind Verluste des Gegners infolge von Kontaktkämpfen. Das sind Verluste des Gegners, wenn Artillerie arbeitet und man nicht jedes Ziel aufklären kann, dort, wo die Artillerie gearbeitet hat. Dort gibt es Verluste, aber wir können sie nicht bestätigen. Das ist die Arbeit weitreichender Drohnen, das ist die Arbeit von Mehrfachraketenwerfersystemen, das ist schließlich auch die Arbeit von Drohnen, die auf Objekte gerichtet ist, bei denen eine Bestätigung des Verlustes des Personals unmöglich ist.

Vier Sturmsoldaten springen zum Beispiel in ein kleines Gebäude in einem Ort, den sie angreifen. Wir sehen sie, eine Aufklärungsdrohne schwebt unmittelbar über dem Gebäude in dem Ort, den sie stürmen. Wir sehen sie. Sie beobachtet sie ständig, damit sie nicht entkommen. In diesem Moment beginnen Kampfdrohnen zu arbeiten. Sie führen mehrere Schläge aus, so viele wie nötig, vielleicht auch ein Dutzend, das Gebäude wird vollständig zerstört. Aber die Körper bleiben unter den Trümmern. Wir können nicht beweisen, dass diese Soldaten des Gegners zum Beispiel nicht in den Keller gekrochen sind und am Leben bleiben. Und wir können das im Delta-System nicht als zugefügte Verluste zeigen. Solche unbestätigten Verluste machen etwa 20 Prozent aus.

Die Zahlen, die ich Ihnen nenne, sind genaue Zahlen aus der Verifikation von Delta, mit Videobestätigung, Ergebnisse ausschließlich von Drohneneinheiten. Nicht nur der Kräfte unbemannter Systeme, sondern sämtlicher Drohnen der ukrainischen Armee. 

Unter der großen Zahl verschiedener Ziele gilt bei uns in der Gruppierung eine Priorität erster Ordnung. Das ist die Vernichtung gegnerischer Piloten, die den ukrainischen Verteidigungskräften große Verluste zufügen, die Logistik stören, Angriffe unterbinden, Stellungen bekämpfen und so weiter. Und die zweite Priorität ist das Personal. Für das Personal ist ein Plan festgelegt. 30 Prozent aller Ziele, die von den Kräften unbemannter Systeme getroffen werden, müssen sich auf Personal beziehen.

Frage. Worin liegt die Bedeutung von Deep Strikes, von Drohnenschlägen in die Tiefe des russischen Territoriums?

Madjar. Die Zahl der Begräbnisse auf dem Territorium Russlands führt zu gewissen sozialen Verschiebungen, denn selbst unter jener Zensur, die es in Russland mit Einschränkungen sozialer Netzwerke und dem Fehlen alternativer Meinungen gibt, stellen die Menschen einander offensichtlich eine Frage: „Wozu brauchen wir diese Spezialoperation? Fehlt uns die Region Dnipropetrowsk? Oder fehlt uns persönlich etwas, demjenigen, dessen Mann für Geld in den Krieg gegangen ist? Fehlt ihm ein Grundstück in der Region Cherson?“ Nein. Hier werden ganz andere Aufgaben erfüllt.     Und das beginnt, die Gesellschaft aufzuwühlen und eine gewisse Unruhe zu erzeugen. Wir verstärken sie durch entsprechende Angriffe in die Tiefe, die wir täglich steigern.

Und inzwischen sind selbst 1.500 bis 2.000 Kilometer tief im russischen Territorium kein ruhiges Hinterland mehr. Der freiheitsliebende ukrainische Vogel fliegt ein, wann er will und wohin er will. Ein Teil der Drohnen wird abgeschossen – die Luftabwehr arbeitet, das ist klar. Doch ein anderer Teil trifft wichtige Ziele und fügt dem militärisch-industriellen Komplex, der kritischen Infrastruktur sowie militärischen Produktions- und anderen Objekten erheblichen Schaden zu. Denn die Russen haben keine Bestätigung, dass wir Stadtviertel bombardieren, in denen Zivilbevölkerung lebt, im Unterschied zu Kyiv, Dnipro, Charkiw, Lwiw. Und es gibt keine Stadt in der Ukraine, in die keine Shahed-Drohnen fliegen; die ballistischen Raketen des Gegners zielen schlicht auf die Vernichtung der Zivilbevölkerung. Hier gibt es genug Beweise für zehn Verfahren vor dem Haager Tribunal. Doch die Schwächung der Wirtschaft und der Druck auf den ‚blutigen Dollar‘ durch Einschränkungen bei Förderung, Ölexport und Produktion schaffen, gelinde gesagt, keine gute Stimmung in Russland – und könnten den inneren Unmut bis hin zu zerstörerischen Entwicklungen steigern.

Denn wie auch immer die aktuelle Phase des Krieges endet oder gestoppt wird – wir verstehen doch, dass selbst dann, wenn Verluste Russlands, der Druck der Partner oder andere Faktoren jetzt für eine gewisse Zeit zu einem Stillstand führen, der Krieg nicht wirklich beendet sein wird. Er wird wieder aufflammen, wenn Putin oder sein Nachfolger – falls er verreckt – es wieder schafft, Kräfte aufzubauen, neue propagandistische Narrative zu finden und damit zu begründen, dass sie erneut etwas verteidigen müssen: die russische Sprache oder russische Touristen, die auf ägyptische Pyramiden klettern – was auch immer, sie werden sich schon etwas einfallen lassen. Sie werden ihre Verfassungen entsprechend anpassen und mit neuer Kraft wieder losziehen. Alles ist einfach. Die Zerstörung des militärisch-industriellen Komplexes, der Infrastruktur, militärischer Objekte, der Logistik. Die Zerstörung der Quelle der Kriegsfinanzierung. Sie tauschen die Bodenschätze ihrer Erde gegen Dollar, die sie später mit Shaheds und ballistischen Raketen gegen uns richten.

Frage. Wie erfolgreich sind Ihrer Meinung nach die Angriffe auf die russische Energiebranche?

Madjar. Sehen Sie, die wirtschaftliche Bewertung machen eben Wirtschaftsanalysten, sie berechnen die Zahlen sehr gut,     weil es hier bestimmte Besonderheiten bei der Förderung und dem Export dieser Bodenschätze gibt.    Ein Ölbohrloch kann man nicht einfach für Donnerstag und Freitag zudrehen. Es ist entweder verschlossen oder fördert. Entsprechend erfordert die Ansammlung dieser Ölprodukte große Lager, einfach gesagt. Das Fehlen dieser Lager oder ihr ständiges Brennen begrenzt diese Möglichkeiten. Und im Ergebnis erlaubt es nicht, bestimmte Mengen zu exportieren.

Nach verschiedenen Einschätzungen war die russische Ölbranche während dieser Phase anhaltender Angriffe in die Tiefe um 20 bis 30 Prozent ihres Potenzials eingeschränkt. Und wenn man das in Millionen Barrel umrechnet, die verkauft werden, ist das sehr erhebliches Geld, das die Finanzierung des Krieges ermöglicht. Und deshalb brannte gestern die Ölraffinerie Tuapse, und sie brennt auch heute noch. 

Und heute Nacht – während wir sprechen – haben wir gegen 6 oder 7 Uhr die baltischen Ölexportrouten Russlands getroffen. Ust-Luga, Primorsk und so weiter. Diesen Rhythmus muss man ununterbrochen aufrechterhalten, Denn sie erholen sich – vielleicht nicht schnell, aber doch. Alles, was durch Drohnen zerstört wird, kann wieder aufgebaut, verlegt oder ersetzt werden. Deshalb muss dieser Prozess kontinuierlich fortgesetzt werden. Und dafür muss die Zahl der Schläge in die Tiefe einfach erhöht werden – angesichts der inkonsequenten Politik unserer Partner bei der Waffenlieferung. Man muss objektiv sein: Die USA ändern ständig ihre Haltung. Im letzten Quartal, in nur drei Monaten, haben wir unterschiedliche Positionen gehört – mit wem sie Krieg führen oder wen sie bekämpfen wollen, was sie überhaupt vorhaben. Von einem solchen Partner regelmäßige Lieferungen von Mitteln für Schläge in die Tiefe zu erwarten – entschuldigen Sie, das ist meine subjektive Meinung – ist nicht besonders aussichtsreich.

Bei uns in der Ukraine werden die wirksamsten Mittel für Schläge in die Tiefe hergestellt – sagen wir es so, um jene strategischen Industriellen nicht zu beleidigen, die ihr ganzes Leben lang Panzer, Raketen oder anderes bauen. Sie erinnern sich an die unvorsichtigen Aussagen des Präsidenten von Rheinmetall und die entsprechende Reaktion. Also: die wirksamsten Mittel in diesem Krieg – ohne zu behaupten, es seien die besten der Welt. Die wirksamsten, weil sie ihr Ziel erreichen und genau die Ziele zerstören, auf die sie angesetzt sind. Deshalb sind sie effektiv und schnell an die Bedingungen angepasst, während der Gegner ständig versucht, seine Luftabwehr zu modernisieren und neue Schutzsysteme gegen diese Drohnen zu entwickeln. Und wir verbessern unsere Drohnen kontinuierlich. Wenn man sie methodisch und täglich einsetzt, ist es sehr schwer, dieser lawinenartigen Entwicklung zu widerstehen.

Frage. Warum sind Ihre Angriffe in den vergangenen Monaten effektiver geworden?

Madjar. Vor allem ist es die Schwächung der Luftabwehr des Gegners. Wir arbeiten ununterbrochen auf operativer Ebene in jener Tiefe, in der sich taktische Mittel der Luftabwehr, Flugabwehrraketensysteme, Radarsysteme und alles andere befinden, welche dazu bestimmt sind, unsere Fernangriffs-Drohnen aufzuhalten. Wenn eine große Drohne fliegt, schießen diese taktischen Luftabwehrsysteme – also Systeme kurzer Reichweite – viele Fluggeräte bereits auf dem Weg ab. Wir richten unsere Anstrengungen auf die Vernichtung, auf die Schwächung dieser Luftabwehr. 

Allein diese Gruppierung hat im Winter und in den ersten Frühlingsmonaten mehr als 100 Einheiten von Flugabwehrraketensystemen vernichtet. Wenn man berücksichtigt, dass Russland, als es seinen Krieg begann, insgesamt 150 Panzir hatte, ist die Vernichtung von jeweils 100 Einheiten in drei Monaten, gelinde gesagt, ein wesentlicher Schlag zur Schwächung der Luftabwehr des Gegners. Und das war, ist und bleibt eine Priorität. Um durch eine Tür zu gehen, muss man sie öffnen. Um weit hineinzufliegen, muss man einen Kanal freischlagen. Um einen Kanal freizuschlagen, muss man die Luftabwehr vernichten, die unter den Füßen liegt, alle Elemente der Luftabwehr. Auf sie richten wir unsere Schläge in der operativen Tiefe. Aber wiederum gibt es hier keine kategorischen Aussagen: Der Anteil der Vernichtung von Flugabwehrraketensystemen unter dem übrigen Katalog von Zielen überschreitet 20 Prozent nicht. 20 Prozent sind Luftabwehrsysteme; Von je 100 Einsätzen entfallen etwa 20 Prozent auf Flugabwehrraketensysteme und andere Luftabwehrsysteme.

Alles andere sind andere legitime militärische Ziele. Das sind Sammelorte für Personal hinter der Front in der operativen Tiefe, von wo aus Kräfte verlegt und Angriffe verstärkt werden. Das sind Munitionslager, das sind Lager für Kraft- und Schmierstoffe. Ich würde hier dennoch mehr auf dem Schlachtfeld konzentrieren als auf den Fernschlägen, weil gerade auf dem Schlachtfeld, hier auf diesen Bildschirmen, jener Kampf geführt wird, der zum Verlust oder zum Erhalt jedes Quadratkilometers der Ukraine führt. Aus diesem Raum heraus findet das massenhafteste Töten des Gegners in der Geschichte der Menschheit statt. Aus diesem Raum heraus, in dem Sie sich befinden. In zehn Monaten hat unsere Einheit die Marke von 85.000 bestätigten getöteten gegnerischen Soldaten überschritten. Das ist nicht einmal eine kleine Stadt, das ist eine große Wolke von Armeen des Gegners, vernichtet aus diesem Raum heraus mit Plastik und Metallstücken im Wert von 300 Dollar bis zu einigen Tausend Dollar. 

Derzeit geht es um die Freigabe von 90 Milliarden Euro an Hilfe für die Ukraine, die Viktor Orbán blockiert hatte, seinen Einfluss in dieser Frage jedoch verloren hat. Alle Partner haben signalisiert, dass dieses Hilfspaket umgesetzt wird. Dieses Volumen reicht meiner Ansicht nach im aktuellen Kriegsrhythmus völlig aus, um dem Gegner deutlich größere Verluste zuzufügen.

Ich nenne Ihnen ein Beispiel einfach vom Schlachtfeld. Ohne tiefgehende Treffer, ohne strategische Objekte. Wir berechnen ja auch die Ausgaben und berechnen die Kosten des Krieges. Die Kräfte unbemannter Systeme führen bis auf den letzten Cent Buch über alle ihre Ausgaben und die Schäden, die sie dem Gegner zufügen. Ich nenne Ihnen diese Zahlen. Heute, wenn wir eine bestimmte Zahl von Drohnen einsetzen, berechnen wir den Wert der Ziele, die wir vernichten oder treffen konnten. Und der Wechselkurs im taktischen Kampf beträgt heute mehr als 100. Ein Dollar, der in Drohnen investiert wird, verwandelt sich in 100 Dollar Schaden des Gegners. 

Wie berechnen wir das? Wenn wir einen Unterstand treffen, setzen wir seinen Wert mit null an, weil er von Hand gegraben wurde und keinen materiellen Wert hat. Wenn wir strategische Infrastruktur in der Tiefe treffen, können wir sie nicht berechnen. Nun, es brennt, wie viel das kostet, ist unklar. Wir berechnen auf taktischer Ebene alle Zieltypen, die genau dort an der Linie der Gefechtsberührung am Kampf teilnehmen. Wir haben als Grundlage den Wert eines gegnerischen Soldaten angesetzt. Wir haben diese Angaben von den Russen übernommen. Sie sagen, dass die russische Regierung für einen Militärangehörigen, seine Mobilisierung, seine Ausrüstung, seine Ausbildung und seine Lieferung an den Frontstreifen 56.200 Dollar ausgibt. Daraus besteht diese Zahl: 56.200 Dollar. Wir rechnen nicht ein, was sie für Gefallene zahlen oder wie teuer ihre Verträge sind. Wir legen ausschließlich diese eine, uns zugängliche Zahl zugrunde. Wenn wir ein Pkw vernichten, mit dem sich der Gegner bewegt, rechnen wir ihn mit 1.000 Dollar. Ein fairer Preis. Er kann nicht 20 Dollar kosten, und es hat keinen Sinn, ihn mit 50.000 Dollar zu berechnen. 1.000 Dollar. Nach dieser     Kostenberechnung geben allein meine Einheiten auf taktischer Ebene monatlich ungefähr 40 Millionen für Drohnen aus und fügen dem Gegner Schäden von 4 Milliarden Dollar zu. Eins zu hundert. Über zehn Monate gerechnet liegen die Kosten pro ausgeschaltetem russischen Infanteristen bei 882 Dollar. Das ist, wie ich finde, ein sehr gutes Verhältnis von Hilfsgeldern für die Ukraine zu den Verlusten beim Gegner. Die Sorge um die Sicherheit des Personals wird in reale Zahlen umgewandelt.     

Über Verlustzahlen spricht niemand gern. Die Kräfte unbemannter Systeme verbergen ihre Verluste nie. Sie sind ja selbst hier gewesen und haben die Gedenktafel gesehen, auf der die Verluste unter unseren Kameraden verzeichnet sind – unwiederbringliche Verluste. Das sind unsere gefallenen Piloten sowie Soldaten anderer Einheiten innerhalb der Kräfte unbemannter Systeme, in der Brigade ‚Vögel Madjars‘. Unsere Verluste im Jahr liegen unter 1 Prozent. Unter 1 Prozent im Jahr. Ist das kein angemessenes Risiko im Verhältnis zu den Verlusten, die dem Gegner beim Teil der lebenden Kraft zugefügt werden, beim Teil der von ihm eingesetzten Technik und Mittel, um seine Offensivhandlungen einzuschränken? 

Und zum Schluss: Seit einem halben Jahr sehen Sie, dass der Gegner, obwohl er täglich meldet, er habe irgendwo etwas Neues erobert, keinen taktischen Vorteil hat und keine größeren Erfolge vorweisen kann, die er als Schlagwort propagandistisch nutzen könnte – etwa dass er innerhalb eines Monats die Hälfte irgendeiner Region eingenommen hat. Und er ist gezwungen, sogar auf Ebene des Armeekommandos, den Kreml über seine Erfolge zu täuschen.

Frage. Über die Zukunft des Drohnenkrieges.

Madjar. In dieser Form erlauben die technischen Eigenschaften der meisten Drohnen, die jetzt eingesetzt werden, zu sagen, dass eine mindestens 25 Kilometer breite Zone bereits äußerst gefährlich für den Aufenthalt ist. Das ist das Potenzial des Perimeters der Killzone mit Stand vom 17. April. 25 Kilometer: Sie können nicht sicher sein, wenn Sie sich dort befinden, dass Sie von dort lebend zurückkehren. Denn dorthin fliegt bereits nicht eine einzigartige Drohne, sondern eine durchschnittliche Drohne, die von der Ukraine und vom Gegner in diesem Krieg eingesetzt wird. Im Laufe der Entwicklung, des Aufbaus der Zahl der Drohnen, der Entwicklung von Kommunikationstechnologien, der Entwicklung neuer Drohnenmodelle wird sich diese Killzone offensichtlich ausweiten. Und ich würde hier nicht über das Erreichen einer ganzen Tiefe sprechen, etwa wenn wir eine 50-Kilometer-Killzone erreichen, wird es uns viel leichter fallen. Nein. Das ist eine völlig offensichtliche Perspektive in dem Moment, in dem neue Arten von Mitteln entwickelt werden, alternative Kommunikationsarten entwickelt werden und die Luft mit der Zahl dieser Mittel gesättigt wird. Wenn es nicht eine zufällig fliegende Drohne ist, sondern eine ständige Präsenz und Kontrolle der Luft. Diese Killzone ist bereits Realität. Das Eindringen künstlicher Intelligenz – mit allen gefährlichen Effekten, die das nach sich zieht – verdichtet momentan nur das Feuer und verringert die Überlebenschancen der Menschen in dieser Killzone. Die Zahl des Personalbestands der Kräfte unbemannter Systeme beträgt 2 Prozent der Gesamtzahl der ukrainischen Armee. Diese 2 Prozent erbringen 35 Prozent des gesamten Ergebnisses. Das heißt, jeder dritte vernichtete gegnerische Soldat und jedes dritte feindliche Ziel wird von den Kräften unbemannter Systeme vernichtet. Ein feindliches Ziel wird von den Kräften unbemannter Systeme vernichtet. Es ist völlig folgerichtig, dass wir jetzt an der Erhöhung der Zahl der Besatzungen und des Personalbestands der Kräfte unbemannter Systeme arbeiten, weil hier Mathematik wirkt. Wenn wir 5 Prozent der Armee in den Kräften unbemannter Systeme haben, werden wir 50 Prozent und mehr aller Treffer abdecken. Und das Niveau der Verluste des Personals, das sich wesentlich von den Verlusten der Infanterie oder der Sturmtruppen unterscheidet, zeigt, dass dieser Schritt und diese Bewegung, diese Bewegungsrichtung organisch, rational und richtig ist.

Frage. Aber die Russen machen ungefähr dasselbe – sie zielen auf Ihre Kräfte.

Madjar. Um neue Territorien zu erobern, reichen Drohnen allein nicht aus. Der Gegner braucht Infanterie. Er wird mehr bezahlen müssen, er wird irgendwelche Methoden des Zwangs anwenden müssen, um Soldaten zu mobilisieren und sie in die spezielle Militäroperation zu werfen, um Sturmhandlungen auszuführen. Sich mit Drohnen zu verteidigen ist nicht dasselbe, wie mit Drohnen anzugreifen. Wir können das bei vorhandenen Drohnen über einen sehr langen Zeitraum tun. Und diese Drohnen müssen wir nicht aus dem Ausland beziehen, sie müssen nicht ausländisch sein. Das ist größtenteils in der Ukraine entwickelte Technik – nicht nur lokalisiert, sondern hier geschaffen. 

Alles, was in diesem Fall als Unterstützung notwendig ist, ist eine finanzielle Ressource. Wir warten nicht darauf, dass NATO-Truppen hier einmarschieren. Zumindest stelle ich mir nicht vor, wie hier in der aktiven Phase des Krieges Truppen Deutschlands, Britanniens oder Norwegens eintreten und neben uns mit einem Gewehr in der Hand oder mit einer Drohnensteuerung gegen den Gegner kämpfen können. Das hätte wahrscheinlich geopolitisch unkontrollierbare Folgen. Davon ist nicht die Rede, entsprechend zählen wir nicht darauf. 

Sie haben richtig über die Schwierigkeiten unserer Mobilisierung gesprochen, okay, aber wir haben ein wirksames Instrument, eine wirksame Waffe, die man zur Eindämmung des Gegners einsetzen kann, nicht einmal zur Durchführung offensiver Handlungen, sondern zur Eindämmung. Das Verhindern eines effektiven Vorrückens des Gegners auf unserem Territorium wird ihn automatisch zwingen, die Ziele und den Plan dieser speziellen Militäroperation zu überdenken. 

Also, Putin plant, sich in drei Monaten die Reste des Territoriums von 18 Prozent der Region Donezk zu holen. Allein in den verbleibenden Teilen dieses Gebiets gibt es drei, vier, ein Dutzend große Orte. Bedenken Sie, wie lange der Kampf um Myrnohrad oder Pokrowsk dauerte. Welche drei Monate denn? Was raucht er überhaupt? Das ist unrealistisch, verstehen Sie? Wir werden diese ganze Geschichte über lange Jahre hinziehen, und natürlich wird niemand freiwillig einfach so aus Kramatorsk, Slowjansk, Konstantinivka heraus aufstehen und weggehen, weil er sich gewünscht hat, die Region Donezk innerhalb der Grenzen zu besetzen, die sie in ihre Verfassung als historische Gerechtigkeit aus ihrer Sicht eingetragen haben. Das ist absurd.

Frage. Was ist Ihr größtes aktuelles Problem bei der Verteidigung der Ukraine gegen Russland? Bei der Verteidigung der Ukraine gegen Russland.

Madjar. Das Problem ist die Zeit. Ich würde nicht sagen, dass es ein Problem ist. Zeit ist notwendig, um die grundlegende Essenz der einfachen Wortverbindung aus zwei Worten vollständig umzusetzen: Drohnenlinie. Der Aufbau dieser Drohnenlinie aus diesem Frontstreifen muss so schnell wie möglich realisiert werden. Die Drohnenlinie muss zu einem geschlossenen, einheitlichen Streifen entlang der gesamten Front geschlossen werden, der auf allen vier Tiefenebenen wirkt. Sie wirkt, indem sie den Luftraum des Hinterlands schützt, sie wirkt auf taktischer Ebene, das, was Sie hier auf den Bildern sehen. In dieser 20–25 Kilometer breiten Zone, in der alle Angriffe stattfinden, zerschneidet sie auf operativer Ebene die Logistik – Munition, Treibstoff, Knoten- und Kommandopunkte – und führt gezielte Schläge in die Tiefe gegen den militärisch-industriellen Komplex aus. 

Das Schließen dieser Drohnenlinie ist unsere große und aktuelle Herausforderung. Für ihr Schließen brauchen wir technische Ausstattung, das sind Drohnen, die haben wir, dafür brauchen wir Ressourcen, und für dieses Jahr gibt es sie auch, wir brauchen Menschen und wir brauchen Zeit für ihre Ausbildung. Wir müssen keine neue Erfahrung erfinden, wir müssen die bestehende weitergeben. Und die Zahlen auf der Tafel hinter Ihnen werden einfach jeden Monat dynamischer werden. 

Die Kräfte unbemannter Systeme haben in zehn Monaten seit der Bildung der Gruppierung ihre Effektivität um das 14-Fache verbessert. Um das 14-Fache in zehn Monaten. Das nennt man einen realen, faktischen Indikator. Jeden Monat, jeden Tag töten 2 Prozent der Armee jeden dritten Gegner. Das sind 350 bis 400 Personen täglich. Unabhängig davon, ob es das Osterfest ist, sagen wir, Neujahr, Nacht, Tag, Winter, Sommer, Frühling, unabhängig davon. 350 bis 400 Einheiten des Gegners täglich, was im Monat 10.000 ergibt. 10.000 von insgesamt 30.000 – das ist jede dritte Einheit des Gegners. 

Die durch Drohnen ausgeschalteten 30.000 bis 35.000 gegnerischen Soldaten bringen die Bilanz des Gegners ins Negative. Er schafft es nicht, so viel lebende Kraft zu rekrutieren, und künftig wird das nur schwieriger werden. Denn wenn man annimmt, dass die russische Regierung irgendwelche Gewaltmaßnahmen anwenden wird, um in die Armee einzuziehen, nun, dann wird ein Soldat, der gewaltsam eingezogen wird, eine leichte Beute sein. Er wird krepieren, ohne sich der Frontlinie zu nähern. Das wird nicht normgerechtes Material sein. Es ist bei ihnen ohnehin, gelinde gesagt, schon verdünnt mit Kranken, mit Knastinsassen aus Gefängnissen und mit wem auch immer.

Frage. Werden Sie je wieder in Ihr Leben vor dem Krieg zurückkehren?

Madjar. Ich schätze die Situation leider so ein, dass eine Rückkehr zu einem friedlichen Leben in der Form, wie es früher war, unmöglich ist, da ich zu den vorrangigen Zielen der Vernichtung durch Putins Geheimdienste gehöre. Und historisch ist bewiesen, dass ihre Geheimdienste, unabhängig davon, wer bei ihnen an der Macht ist, ein tief verankertes ‚Muskelgedächtnis‘ der Vernichtung haben. Und das wird mich offensichtlich den ganzen Rest meines Lebens begleiten. Aber das beeinflusst in keiner Weise das Niveau der Motivation, der Überzeugung von der Richtigkeit der eigenen Handlungen und der Effektivität, die sich jetzt in Verluste des Gegners umwandelt. Wir werden das tun und offensichtlich unser ganzes zukünftiges Leben einer Tätigkeit widmen, die mit militärischer Expertise verbunden ist. Ausbildung, Entwicklungen, irgendwelche Planungen und so weiter, worum es erst dann gehen wird, wenn die Regeln des gegenwärtigen Krieges festgelegt sind, wenn der Moment seines Stopps festgelegt ist. Ich wiederhole noch einmal: nicht seines Endes, davon ist jetzt überhaupt keine Rede. Ohne Illusionen, ohne rosarote Brille, ohne auch nur Sekunden der Hoffnung darauf. Ein Leben, wie es war, wird es nicht wieder geben.


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Роберт „Мадяр“ Бровді: „Ми вбиваємо більше російських солдатів, ніж вони встигають мобілізувати“ BBC News Україна. 28.04.2026.

Kanal: BBC News Ukraine
Veröffentlichung / Entstehung: 28.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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