Hunger unter russischer Besatzung: Die Katastrophe von Oleschky. Marila Semenchenko. 11.09.2026.

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Er erzählt: „Es gibt keine Lebensmittel: kein Mehl, kein Öl, kein Getreide, keine Konserven, keinen Zucker, keinen Tee, keinen Kaffee. Keine Milch, keine Eier. Nichts. Manchmal gelingt es, ein paar Gläser Getreide einzutauschen. Oder jetzt ist es gelungen, Margarine aus dem Jahr 2021 zu kaufen, die ist also schon fünf Jahre alt. „Wir hatten hier einen Betrieb, der wurde bombardiert, später wurde er überflutet, aber der Keller blieb unversehrt. Jemand hat dort alte Margarine gefunden und sie auf den Markt gebracht … Ich habe sie aufgeschnitten – innen ist sie mehr oder weniger in Ordnung, man kann sie essen. Ich habe vorerst noch ein paar Kartoffeln und Tomaten, aber nur wenige. Zwiebeln und Karotten sind nichts geworden“.

Ich löchere ihn mit dummen Fragen über die Vorbereitungen auf den Winter. Was für Vorbereitungen auf den Winter denn, sagt er. Ich habe Kräuter getrocknet. Und was sollen wir sonst machen, wenn es nichts gibt? Die Frage ist nicht, wie wir den Winter überleben sollen, sondern wie wir den Herbst überleben sollen …

Ich frage nach Portulak: Ich habe gelesen, dass die Leute ihn kochen. Ja, sagt er, sie kochen ihn. Im Gebiet Cherson nennt man Portulak „Hladun“, weil er glatt und „fleischig“ ist. Für sich selbst kocht er noch keinen Portulak, aber für seinen Hund und sein Kätzchen. Er sagt, früher seien Rudel verwilderter, hungriger Hunde durch die Straßen von Oleschky gelaufen, die alle Katzen aufgefressen hätten, aber inzwischen gebe es fast keine mehr – sie seien verhungert. Die Hunde, die noch übrig sind, schleppen die Leichen toter Russen auseinander. Er habe gesehen, wie ein wilder Hund etwas wegschleppte, das wie ein Bein aussah.

Er erzählt, manche Menschen würden ihre Hunde vergiften, weil sie nichts hätten, womit sie sie füttern könnten, und nicht wollten, dass die Tiere leiden und verhungern.

Er sagt, dass Drohnen ständig Jagd auf Menschen machen. Viele Nachbarn und Bekannte seien auf diese Weise ums Leben gekommen – sie arbeiteten im Garten oder gingen die Straße entlang – und das war’s. Jedes Verlassen des Hauses kann das letzte sein. Selbst wenn man nur in den Garten geht. Selbst wenn man nur Wasser holen will.

Und dann sagt er plötzlich zu mir: „Weißt du, ich habe die ganze Zeit so große Lust auf Sahneeis. Ich träume sogar davon …“

Bei den Worten über das Eis haut es mich einfach völlig um.

Freunde, in Oleschky herrscht eine Katastrophe. Ich habe bereits im Frühjahr über den Hunger und die Probleme bei der Evakuierung geschrieben, inzwischen hat sich die Lage nur noch verschlimmert, und der Winter steht bevor. Die Menschen haben buchstäblich keine Lebensmittel, keine Hygieneartikel, kein Gas und keine Medikamente mehr. Die Stadt ist abgeriegelt – alles ist vermint, die Menschen werden von Drohnen angegriffen. Zuletzt wurde am 28. Mai etwas nach Oleschky gebracht (!!!). Vor einigen Tagen verbreitete sich im Internet ein Video aus russischen Kanälen, auf dem zu sehen war, wie sie mehrere Fahrzeuge angriffen, die Lebensmittel nach Oleschky brachten.

Die Menschen sind völlig ohne Ausweg und verzweifelt.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was man tun und wie man helfen kann. Lasst uns die Freiwilligen unterstützen, lasst uns auf internationalen Plattformen über den Hunger unter der Besatzung sprechen, lasst uns alles dafür tun, dass die Menschen in den besetzten Gebieten wissen, dass sie zu uns gehören und dass wir für sie kämpfen …

Und das hier ist das Video, das diejenigen, von denen ihr wisst, wer gemeint ist, selbst auf ihren Kanälen verbreitet haben – diese Fahrzeuge brachten Lebensmittel nach Oleschky. Sie kamen nicht an.

Und das Foto stammt von unserer letzten Fahrt nach Oleschky im Jahr 2021. Weder dieses Sofa noch dieses Haus gibt es noch.


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Art der Quelle: Social Media

Autor: Marila Semenchenko
Veröffentlichung: 11.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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