Amerika bereitet sich auf den Krieg vor | Vitaly Portnikov. 08.11.2025.

Der US-Kriegsminister Pete Hegseth hat Amerika aufgerufen, sich auf den Krieg vorzubereiten, und verglich die Situation in der Welt mit den Jahren 1939 oder vielleicht 1981. Wie bekannt, begann im Jahr 1939 der Zweite Weltkrieg. Auch 1981 war kein einfaches Jahr für die Vereinigten Staaten.

Es war das Jahr des Attentatsversuchs auf den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, das Jahr, in dem die Amerikaner in einen Luftkampf mit libyschen Flugzeugen verwickelt waren und Israel den irakischen Atomreaktor zerstörte. Auch damals lag in der Luft ein Gefühl möglicher kriegerischer Auseinandersetzungen, obwohl es sich wahrscheinlich viel stärker im Westen, in der zivilisierten Welt, bemerkbar machte als in der Sowjetunion oder im kommunistischen China.

Nun, das Jahr 1939 muss man als Datum gar nicht weiter erklären, denn gerade im September 1939 begannen die Ereignisse, die zum Vorspiel des blutigsten Krieges in Europa seit dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden.

Diese Erklärung des amerikanischen Ministers zeigt, dass die Regierung von Donald Trump beginnt, die Situation in der Welt viel realistischer einzuschätzen als in den ersten Monaten, nachdem Trump das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten übernommen hatte.

Damals war der amerikanische Präsident überzeugt, er könne all diese Konflikte, die in der Welt bestehen, schnell beenden und zu einem „fairen“ Handel der Vereinigten Staaten mit anderen Ländern übergehen, wie er es nannte. Trump versprach, den russisch-ukrainischen Krieg buchstäblich innerhalb weniger Stunden zu beenden; er war überzeugt, die Lage im Nahen Osten normalisieren zu können. Und natürlich weckten auch alle anderen Konflikte, die damals stattfanden, im amerikanischen Präsidenten Hoffnungen, dass er die komplizierten Probleme lösen könne.

Der russisch-ukrainische Krieg, wie wir sehen, dauert nun schon zehn Monate, seit Donald Trump im Oval Office erschienen ist. Und selbst im Weißen Haus gibt es kaum noch große Hoffnungen, dass der russische Präsident Putin auf Trump hören wird. Trump ist zu intensivem Druck auf seinen russischen Amtskollegen übergegangen, in der Hoffnung, dass Putin erkennt, dass wirtschaftliche Schwierigkeiten mit den Vereinigten Staaten ihn ohnehin zwingen werden, den schrecklichsten Krieg auf dem europäischen Kontinent seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu beenden.

Im Nahen Osten ist die Situation bislang nicht endgültig geregelt. Niemand versteht überhaupt, wie man zu dem sogenannten „zweiten Plan“ von Donald Trump übergehen soll – zur zweiten Phase des Plans, die den Krieg Israels mit der Terrororganisation Hamas beenden sollte. Sowohl Hamas als auch andere Terrororganisationen erneuern ihre Kräfte für neue Kämpfe mit dem jüdischen Staat. Und jetzt sehen wir, dass kein arabisches Land, trotz guter Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, es eilig hat, eigene Friedenstruppen in das Gebiet des Gazastreifens zu entsenden.

Ungefähr dieselbe Situation herrscht heute in den Beziehungen der Vereinigten Staaten zur Volksrepublik China. Ja, es ist noch kein heißer Konflikt, aber bereits ein echter Wirtschaftskrieg. Und das Einzige, was Donald Trump während seines Treffens mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, erreichen konnte, war, einen Waffenstillstand zu verkünden – einen Waffenstillstand, der dem amerikanischen Präsidenten vor den Zwischenwahlen zum Kongress im kommenden Jahr in den Vereinigten Staaten notwendig ist. Diese Wahlen könnten den Demokraten eine Rückkehr an die Macht ermöglichen – ein Rückschlag, der angesichts des Triumphs des linksradikalen Kandidaten Zohran Mamdani bei der Bürgermeisterwahl in New York immer realistischer wird.

So hat Pete Hegseth allen Grund zur Sorge, dass der Frieden jetzt nicht allein durch die guten Beziehungen Donald Trumps zu autoritären Führern erreicht werden kann; dass sich die Welt auf den Krieg vorbereiten muss und dass nur, wenn Amerika stark ist, ein Dritter Weltkrieg vielleicht verhindert werden kann.

Doch es ist offensichtlich: Wenn die Vereinigten Staaten weiterhin auf ihren Dialog mit solchen Führern wie Putin hoffen, wenn Trump auch weiterhin von den Diktatoren der heutigen Welt als schwach wahrgenommen wird, dann wird keine Kriegsvorbereitung Moskau und Peking daran hindern, den Einfluss der demokratischen Welt zu verringern und ihre eigenen Spielregeln für die Zukunft aufzuzwingen.

Denn die Frage liegt nicht einmal darin, wie groß die militärischen Arsenale der Vereinigten Staaten sind und wie effektiv sich die Vereinigten Staaten auf eine mögliche Konfrontation mit autoritären Regimen vorbereiten. Die Frage liegt in der Bereitschaft, die Probleme zu lösen, die sich in den letzten Jahren angehäuft haben. Die Frage liegt im Bewusstsein des Umfangs der Aufgaben – sowohl bei Donald Trump als auch bei den Mitgliedern seiner Regierung.

Zum Beispiel ist das völlige Fehlen amerikanischer Militärhilfe für die Ukraine, das übrigens einst – mit Beteiligung eben jenes Trump – zum Verlust von Awdijiwka führte und jetzt zum Verlust von Pokrowsk führt, bereits eine echte Ohrfeige für die demokratische Welt. Es überzeugt Putin davon, dass er sich vor Donald Trump nicht zu fürchten braucht, der Russland nichts entgegensetzen kann außer intensivem wirtschaftlichen Druck – einem Druck, den der russische Präsident mithilfe bereits bekannter Mechanismen und mit Unterstützung autoritärer Regime zu umgehen gedenkt, die am Triumph Russlands über die Vereinigten Staaten und über die europäischen Länder interessiert sind, welche die Ukraine unterstützen.

Die Bereitschaft, entschieden mit Putin zu handeln, bedeutet auch, der Ukraine Langstreckenwaffen wie Tomahawks zu liefern und ihr zu erlauben, wichtige strategische Ziele auf dem Territorium der Russischen Föderation zu zerstören – sowohl militärische als auch infrastrukturelle. Wenn all das nicht geschieht, wenn sich alles ausschließlich auf Reden beschränkt, dann wird man tatsächlich feststellen müssen, dass zwar ein Verständnis des Jahres 1939 vorhanden ist, aber kein Bewusstsein darüber, was konkret getan werden muss, damit sich dieses Jahr 1939 nicht wiederholt und nicht ebenso beschämend für die Vereinigten Staaten wird wie Pearl Harbor. Genau dieses Bewusstsein fehlt.

Und übrigens, vielleicht erinnern Sie sich: Als Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, habe ich betont, dass diese Wahl möglicherweise gerade mit einem neuen Weltkrieg verbunden sein könnte. Und jetzt sieht sogar Trumps eigener Kriegsminister bereits die schrecklichen Schatten des Jahres 1939 am Horizont.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Америка готується до війни | Віталій Портников. 08.11.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 08.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.