Neue Terroranschläge in der Ukraine | Vitaly Portnikov. 23.02.2026.

Explosion in Mykolajiw an einer stillgelegten Tankstelle, als Polizeibeamte zur Schichtablösung dort eintrafen. Sieben Personen wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Und eine Explosion in einer Polizeidienststelle in der Region Dnipropetrowsk. Zum Glück gab es dort keine Todesopfer. Und all das vor dem Hintergrund des jüngsten Terroranschlags in Lwiw, als Polizisten zu einem fingierten Notruf wegen eines angeblichen Eindringens in ein Geschäft gerufen wurden. Wie Sie wissen, kam dabei eine Polizistin ums Leben, viele Menschen wurden verletzt.

Natürlich ist das kein Zufall. Das ist der Beginn einer neuen Putin’schen Spezialoperation gegen die Ukraine – nun verbunden mit Terror, und zwar gezielt mit Terror gegen die Nationale Polizei der Ukraine, gegen die Strafverfolgungsbehörden. Putin denkt überhaupt nicht in Kategorien eines klassischen Krieges als Frontverlauf, sondern in einer Reihe von Spezialoperationen, die er zur Erschöpfung und Zerstörung des Gegners durchführt. Das ist die elementare Logik eines Offiziers des ehemaligen Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion, das später zum Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation wurde. Und jetzt sehen wir eine neue Phase dieser Tätigkeit Putins, eine neue Spezialoperation – Terror gegen Polizisten, gegen Sicherheitsorgane.

Warum gerade gegen die Polizei? Das ist selbstverständlich der Versuch, Unzufriedenheit mit der Staatsmacht als solcher zu provozieren. „Sie ist ineffektiv, unsere Polizei ist ineffektiv. Normale Menschen werden nicht in die Luft gesprengt – Polizisten schon. Mit ihnen hat man natürlich kein Mitleid, weil sie ihre Arbeit schlecht machen. Sie sind ohnehin korrupt, sie verdienen unser Vertrauen nicht. Warum sollten wir mit ihnen Mitleid haben?“ Selbst wenn solche Stimmungen nicht unter vielen Menschen vorhanden sind, werden sie von russischen Bots in den sozialen Netzwerken angeheizt werden. Und natürlich ist auch das Teil der Arbeit zur Schwächung der Ukraine.

Schon als wir vom Terroranschlag in Lwiw erfuhren, sagte ich, dass dies erst der Anfang sei. Wie wir sehen, ließen die Ereignisse leider nicht lange auf sich warten. Man möchte den in Mykolajiw verletzten Polizisten und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aussprechen. Selbstverständlich kann es weitere Terrorakte geben, die gezielt darauf ausgerichtet sind, eine Welle des Misstrauens in der ukrainischen Gesellschaft gegenüber den Strafverfolgungsbehörden zu erzeugen.

Das ist systematische Arbeit. Es gibt einen Plan, es gibt Verantwortliche, sie erfüllen ihre Aufgaben. So war es beispielsweise auch in Russland selbst während des zweiten Tschetschenienkrieges, als plötzlich Wohnhäuser in die Luft flogen. Zunächst in Wolgodonsk – und wie es in der Russischen Föderation üblich ist, beunruhigte die Explosion eines Hauses in einer fernen Provinz niemanden besonders. Russland lebt generell nicht mit Blick auf seine Provinz. Dann begannen Häuser in Moskau selbst zu explodieren – was natürlich sofort zu Hauptnachrichten im damaligen russischen Staat wurde.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Häuser explodierten in Wohnbezirken, nicht im Zentrum Moskaus, um zu zeigen, dass die Terroristen Menschen angreifen, die völlig außerhalb der Politik stehen, außerhalb der Elite, die nichts mit den Ereignissen im Kaukasus zu tun haben. Aber diese niederträchtigen Leute töten einfache, unbeteiligte Menschen. Und die Explosionen hörten erst auf, als in einem Haus in Rjasan, das offenbar das nächste Opfer der FSB-Leute werden sollte, zufällig Sprengstoffvorräte entdeckt wurden.

Dem damaligen Leiter des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands, einem der engsten Vertrauten Putins – Patruschew –, blieb nichts anderes übrig, als die öffentliche Meinung auf ihre Gutgläubigkeit zu testen und sich damit zu rechtfertigen, dass es sich gar nicht um Sprengstoff, sondern um Zucker gehandelt habe – und überhaupt seien es nur gewöhnliche FSB-Übungen gewesen.

Dabei verstand jeder sehr gut, dass es nur eine Organisation gibt, die an jenen Sprengstoff gelangen konnte, der bei den Explosionen der Häuser in der russischen Hauptstadt verwendet wurde. Und als dieser Sprengstoff in Rjasan gefunden wurde – er wurde nur in einem einzigen Betrieb hergestellt und um ihn zu erhalten, brauchte man eine entsprechende Genehmigung aus Moskau, vom FSB –, irritierte das niemanden. Nicht einmal, als der Sänger des russischen Regimes, der Schriftsteller Prochanow, den Roman „Herr Hexogen“ über diese Ereignisse schrieb.

Und jetzt sehen wir eine sehr ähnliche Situation – ebenfalls ohne besondere, ich würde sagen, intellektuelle Anstrengung, einfach nach einem Dienstplan, der offensichtlich von jemandem aus der Führung des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands oder des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation oder eben jener Hauptverwaltung des Generalstabs gebilligt wurde, deren Leiter noch vor kurzem von Putin als Chef der russischen Delegation bei Verhandlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingesetzt wurde.

Fast jeden Tag nun Anschläge gegen Polizisten, die einerseits Hass auf die Polizei schüren und andererseits die Gesellschaft einschüchtern sollen: „Wenn sogar die Polizei in die Luft gesprengt wird, welche Sicherheitsgarantien können wir dann noch haben?“ – damit die Menschen das häufiger sagen, damit es mehr Destabilisierung gibt, damit mehr Verständnis entsteht, dass der einzige Ausweg für einfache Menschen, wenn sie überleben wollen, die Kapitulation vor Russland zu Putins Bedingungen sei.

Und dass das so nicht funktioniert, dass die Zunahme des Terrors neben den fortgesetzten massiven Angriffen gegen die Ukraine die Ukrainer nicht zur Kapitulation und zur Zustimmung zur Zerstörung ihres Staates bewegt – das beunruhigt weder Putin noch seine Kollegen an der Lubjanka. Sie sind es gewohnt, nach genehmigten Plänen von Spezialoperationen zu arbeiten und fest daran zu glauben, dass diese Pläne früher oder später zu dem Ergebnis führen werden, das der Präsident der Russischen Föderation benötigt – zur Erfüllung jener Aufgabe, die Putin seinen FSB-Leuten und Militärs bereits im Februar 2022 gestellt hat, als er die Entscheidung traf, die Ukraine anzugreifen, um die ukrainische Führung und später auch die ukrainische Staatlichkeit zu liquidieren.

Praktisch genau am 23. Februar 2022 hatte Putin sich endgültig über das Tempo seiner Spezialoperation und darüber entschieden, wie sie sich entwickeln sollte. Und jetzt, da von seinem Blitzkrieg nicht einmal mehr eine Erinnerung geblieben ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Terror fortzusetzen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нові теракти в Україні | Віталій Портников. 23.02.2026.
Autor / Verfasser / Kanal: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Terroranschlag in Lwiw | Vitaly Portnikov. 22.02.2026.

Ein schrecklicher Terroranschlag im Zentrum von Lwiw. Eine Mitarbeiterin der Strafverfolgungsbehörden kam ums Leben. Mehrere weitere Polizeibeamte wurden verletzt. Sie befinden sich derzeit im Krankenhaus. Nach vorläufigen Angaben handelt es sich um 14 Polizisten.

Die Polizeibeamten waren zu einem fingierten Notruf ausgerückt, der ein Eindringen einer Person in eines der Handelsgeschäfte in Lwiw betraf. Das heißt, der Terroranschlag war sorgfältig vorbereitet. Um möglichst viele Opfer zu fordern, wurde gemeldet, dass sich an dem Ort, an dem der Sprengsatz platziert war, ein Vorfall ereigne. Und natürlich verstehen wir, dass es sich um eine typische Waffe der Destabilisierung handelt, wie sie dem Vorgehen der russischen Spezialdienste eigen ist.

Was man vor allem nach den Worten des Beileids an die Angehörigen der Getöteten, an die Familien derjenigen, die jetzt unter diesem Terroranschlag leiden, an die Verletzten selbst sagen möchte: Im Grunde braucht man sich über diese Grausamkeit nicht zu wundern. Natürlich laufen derzeit Ermittlungen, die Ursachen werden festgestellt.

Aber sagen Sie, wie viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, dauern Ermittlungen zu Terroranschlägen auf dem Territorium der Russischen Föderation selbst? Schließlich waren die Menschen, die in Russland an die Macht kamen, nicht bereit, ihre eigenen Mitbürger zu schonen – zugunsten von Putins Ratings und seines komfortablen Machtantritts in der Russischen Föderation.

Gerade mit Terroranschlägen, gerade durch Zusammenarbeit mit Terroristen haben sie die Russen eingeschüchtert und die Schaffung dieses Tschekistenstaates ermöglicht, den sie bis heute regieren und noch viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, regieren wollen – eines Staates, der die Ukraine angegriffen hat, weil das Ziel dieses Tschekistenstaates die Rückkehr der Russischen Föderation zu den Grenzen der Sowjetunion von 1991 ist. Das wollten sie immer.

Und es scheint „nur“ ein Terroranschlag in Lwiw zu sein. Doch wir sehen, dass es eine ganze Reihe von Spezialoperationen gibt, mit denen sich diese Leute befassen, wenn sie an einem Plan zum Abbau der ukrainischen Staatlichkeit arbeiten. Ein Teil davon sind militärische Handlungen, die Besetzung von Territorium durch die russische Armee. Aber für die Leute von der Lubjanka war das immer nur ein Teil ihrer Bemühungen.

Der andere Teil des Plans sind Terroranschläge unterschiedlicher Art, die Vernichtung der ukrainischen Führung, die Ermordung von gesellschaftlichen Aktivisten und Politikern, von ukrainischen Patrioten. Übrigens sollte man daran erinnern, dass sich genau das in den letzten Jahren gerade in Lwiw ereignet hat. Propaganda, das ständige Bemühen, die ukrainische Gesellschaft durch Lügen und Zwietracht zu destabilisieren – ebenfalls ein absolut wirksames und ernstzunehmendes Instrument, mit dem sie sich, man kann sagen, seit den ersten Tagen der ukrainischen Unabhängigkeit beschäftigen.

Zunächst waren es russische Fernsehsender, Journalisten, Propagandisten, die sogar mit einer speziellen Mission in die Ukraine kamen, um dort zu arbeiten. Als nach der Annexion der Krim und dem Beginn des Krieges im Donbas der ukrainische Informationsraum von russischen Fernsehsendern gesäubert wurde, erschienen propagandistische Fernsehkanäle, die einfach weiterhin die russische Agenda in die Köpfe der ukrainischen Bürger einhämmerten.

Und dafür wurden keine Gelder gescheut. Wie bekannt, wurden ganze Holdings mit verdeckter russischer Beteiligung geschaffen. Als auch diese prorussischen Fernsehsender aufhörten zu arbeiten, begann man Telegram als Plattform für anonyme Nachrichten zu nutzen, die ebenfalls dazu dient, das Bewusstsein des ukrainischen Bürgers zu vergiften, ihn auf das Schlimmste vorzubereiten, in ihm Verzweiflung und die Überzeugung zu säen, dass der ukrainische Staat früher oder später von der politischen Landkarte der Welt verschwinden werde, dass dieser Staat es nicht wert sei, nicht nur verteidigt zu werden, sondern dass es nicht einmal wert sei, in ihm zu leben.

Jetzt, da das Vertrauen in Telegram geringer ist, versichere ich Ihnen, dass die Russen durch die Hintertür in die Ukraine zurückkehren werden – mithilfe rechtskonservativer Kräfte des Westens, aus denselben Vereinigten Staaten, aus europäischen Ländern. Formal werden es sogenannte amerikanische oder europäische Fernsehsender sein, tatsächlich aber gewöhnliche russische Propaganda, betrieben – natürlich hinter den Kulissen – von Vertretern des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation und des Auslandsgeheimdienstes Russlands. Alles wird sehr kultiviert aussehen, einfach wie der Weg der Ukraine nach Westen und nicht nach Osten.

Und auch das ist ein gewichtiger Teil ihrer Tätigkeit, denn Terror und Propaganda sind die Hauptwaffen des ehemaligen Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion, das zum Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation wurde. Und ein Vertreter dieses Dienstes ist Präsident Russlands. Er ist nicht Marschall Schukow, sozusagen, er ist Marschall Berija. Und was wir in Lwiw gesehen haben, ist die typische Handschrift eines solchen Tschekisten-Marschalls, der hofft, auf diese Weise Revanche dafür zu nehmen, dass seine Armee machtlos ist.

Und all das geschieht vor dem Hintergrund eines weiteren massiven Angriffs Russlands auf die Ukraine, denn es gibt noch eine Form des Terrors, dessen Meister sich Putin erwiesen hat: den Energieterror, den Wunsch, die Ukraine auszufrieren, den Wunsch zu siegen – wenn schon nicht im echten Krieg, weil es im echten Krieg nicht gelingt. Und wenn schon nicht im propagandistischen Krieg, weil auch das zusätzliche Anstrengungen und die Schaffung von Umgehungswegen erfordert – dann wenigstens im demografischen Krieg.

All diese Komponenten der sogenannten endgültigen Lösung der ukrainischen Frage, an die man sich immer erinnern muss, wenn wir schreckliche Explosionen im Zentrum einer ukrainischen Stadt hören – und sich diese Explosionen dann als weiterer Terroranschlag erweisen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Теракт у Львові | Віталій Портников. 22.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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