Dringendes Treffen zwischen Zelensky und Erdoğan | Vitaly Portnikov. 30.10.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky wird bereits morgen in Istanbul mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zusammentreffen.

Obwohl die Tagesordnung dieses Treffens von der Administration des türkischen Präsidenten nicht veröffentlicht wird, können wir uns vorstellen, dass es Teil jener Bemühungen ist, Wege zur Wiederaufnahme des Friedensprozesses zu finden. Diese Bemühungen haben nach den Gesprächen von Zelensky, Stubb und Støre mit dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, in Oslo sowie nach der Reise von Steve Witkoff nach Sankt Petersburg wieder an Fahrt aufgenommen. Dort führte Trumps Vertreter mehrstündige Gespräche mit Putin.

Nach wie vor besteht die Hoffnung, dass die russische Seite nach den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress nicht auf eine Fortsetzung des Verhandlungsprozesses zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten verzichten wird und zumindest ein Beratungstreffen zwischen den Delegationen der drei Länder stattfinden wird.

Doch von diesen Bemühungen um Verhandlungen in Abu Dhabi sind nicht nur die Europäer ausgeschlossen, denen faktisch ein Platz am Verhandlungstisch verweigert wurde. Außen vor bleibt auch der türkische Präsident, der als einer der Ersten versucht hatte, sowohl mit Moskau als auch mit Kyiv Kontakte aufzubauen und dazu beizutragen, zumindest begrenzte Möglichkeiten für einen Waffenstillstand zwischen den beiden verfeindeten Staaten zu finden.

Natürlich kann Erdoğan aus der Zeit des großangelegten russischen Krieges gegen die Ukraine nur ein einziges wirklich erreichtes Abkommen vorweisen: das Getreideabkommen. Und obwohl der Kreml dieses Abkommen schon bald wieder aufkündigte, bleibt es ein Beispiel dafür, wie sich der Präsident der Russischen Föderation, Putin, einen Verhandlungsprozess überhaupt vorstellt. Von Anfang an wollte der Kreml kein Getreideabkommen und ließ sich ausschließlich darauf ein, um zu demonstrieren, dass der russische Präsident bereit ist, dem türkischen Präsidenten entgegenzukommen.

Damals brauchte Putin Erdoğan gerade vor dem Hintergrund der schwerwiegenden Sanktionen gegen die Russische Föderation, die von den Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien und den Ländern der Europäischen Union, also von der gesamten zivilisierten Welt, verhängt worden waren. Und die Türkei erwies sich als eines der wenigen Länder, die bereit waren, auf eine solche Sanktionspolitik zu verzichten. 

Vor allem aber war sie faktisch das einzige Land, das nicht nur darauf verzichten konnte, Sanktionen gegen Russland zu verhängen, sondern auch Vertretern der russischen politischen und unternehmerischen Elite, unter denen sich Gerüchten zufolge auch enge Verwandte des russischen Präsidenten selbst befanden, dieselben Lebensmöglichkeiten bieten konnte, die sie zu jener Zeit gehabt hatten, als man diese Kriegsverbrecher noch in die Ferienorte des Westens einreisen ließ.

Und offensichtlich wollte Putin Erdoğan genau dafür etwas zurückgeben, allerdings nicht so lange, dass sein Abkommen mit der Ukraine tatsächlich den russischen Wunsch behindert hätte, die Wirtschaft des Nachbarlandes weiter zu zerstören. Und dass wir nach dem Ausstieg Russlands aus dem Getreideabkommen unser Getreide noch eine gewisse Zeit lang in die Welt liefern konnten, war bereits nicht mehr das Ergebnis der Vereinbarungen von Istanbul, sondern das Ergebnis der Tatsache, dass es der Ukraine gelungen war, mit eigenen militärischen Anstrengungen die Sicherheit der Handelswege zu gewährleisten.

Jetzt, da diese Anstrengungen nicht mehr ausreichen, hat Russland die Blockade der ukrainischen Handelswege im Schwarzen Meer wieder aufgenommen und hofft auf den Zusammenbruch der ukrainischen Landwirtschaft sowie auf die von Putin so dringend benötigte Hungersnot in der Welt, die ihrerseits zu massiven Migrationskrisen führen soll. Und massive Migrationskrisen destabilisieren Europa.

Aber nicht nur Europa, das für Putin weiterhin ein wichtiges Betätigungsfeld seiner aggressiven Bestrebungen bleibt, sondern auch die Türkei. Recep Tayyip Erdoğan muss sich darüber im Klaren sein, dass eine Migrationskrise in den Ländern des Globalen Südens, die mit einer nahezu unvermeidlichen Hungersnot zusammenhängt, zu einer ernsthaften Destabilisierung in der Türkei selbst führen kann. Dem türkischen Präsidenten dürften die Ereignisse im Nahen Osten und die syrischen Flüchtlinge genügen, um das Ausmaß dieses Unglücks zu begreifen, das auf die Türkei zukommt und seine eigene Macht bedrohen könnte.

Deshalb haben Zelensky und Erdoğan tatsächlich einiges zu besprechen. Selbst wenn für die Türkei am Tisch der virtuellen russisch-ukrainisch-amerikanischen Verhandlungen, die möglicherweise gar nicht stattfinden werden, kein Platz gefunden wurde. Es geht vor allem um die gemeinsame Suche nach Wegen, die Handelsmöglichkeiten der Ukraine und übrigens auch Russlands im Schwarzen Meer wieder freizugeben.

Anders als der amerikanische Präsident Donald Trump, der unter den gegenwärtigen Bedingungen eher ein Instrument der russischen Diplomatie ist, kann der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan tatsächlich über einen gewissen vertraulichen und wirtschaftlichen Einfluss auf den russischen Präsidenten und sein Team verfügen. Und er kann tatsächlich Anstrengungen unternehmen, die Putin dazu zwingen könnten, zumindest die Blockade der Handelswege im Schwarzen Meer zu lockern und damit Möglichkeiten zu schaffen, die ukrainische Landwirtschaft in den kommenden schwierigen Kriegsjahren zu retten.

Wie weit wird dieser Einfluss Erdoğans unter den neuen Bedingungen reichen, da Putin bereits darauf hofft, Amerika und Europa gegeneinander ausspielen zu können? Wie sehr ist der russische Präsident heute noch an den Diensten des türkischen Präsidenten interessiert? Das ist natürlich eine Frage, auf die wir schon bald eine Antwort erhalten werden. 

Aber die Möglichkeiten des türkischen Präsidenten zu nutzen, mit seinen ständigen Kontakten zur Führung der Russischen Föderation und seinem Interesse daran, seinen eigenen Einfluss im postsowjetischen Raum auszubauen – und natürlich nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Südkaukasus, wo Russland und die Türkei, könnte man sagen, in einem unmittelbaren geopolitischen Konflikt miteinander stehen –, all das ist notwendig.

Ebenso notwendig ist es, daran zu denken, dass Erdoğan für Putin nicht nur ein geopolitischer Konkurrent ist, sondern auch der Staatschef eines Landes, mit dem Russland weiterhin recht fruchtbare Energiebeziehungen unterhält. Und all das Geld, das Putin für den Krieg braucht, verdient er in erster Linie dank seiner Einnahmen aus dem Ölgeschäft.

Obwohl sich natürlich der Beitrag der Türkei zu diesen Möglichkeiten keineswegs mit dem Beitrag der wichtigsten Energiesponsoren der Russischen Föderation aus Peking und Neu-Delhi vergleichen lässt. Dennoch kann der russische Präsident auch Erdoğans Auffassung darüber, inwieweit Russland bei seiner Expansion im Schwarzen Meer vorsichtiger vorgehen sollte, nicht ignorieren.

Hoffen wir also, dass Erdoğan und Zelensky in Istanbul nach Wegen suchen werden, die es ermöglichen, das Schwarze Meer wieder freizugeben, so wie es nach der ersten und möglicherweise für lange Zeit letzten russisch-ukrainischen Vereinbarung aus der Zeit des großen Krieges der Fall war.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Термінова зустріч Зеленського та Ердогана | Віталій Портников. 30.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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