Die Endlösung. Vitaly Portnikov. 13.09.2026.

Остаточне рішення. Віталій Портников. 13.09.2026.

Putins Berater Anton Kobjakow hat davon gesprochen, die „Ukraine zu retten“, indem man Russen auf ukrainischem Boden ansiedelt, und daran erinnert, dass Russland die Ukraine bereits zu Zeiten der Kaiserin Katharina II. auf diese Weise „gerettet“ habe. Ein ziemlich offenes und schamloses Eingeständnis des Ethnozids als eines der Hauptziele von Putins Krieg – ohne jedes Verständnis für die Amoralität solcher Thesen. Selbst die Nationalsozialisten scheuten sich während des Zweiten Weltkriegs, der Welt von der „Endlösung der Judenfrage“ zu erzählen, und hielten die Dokumente über die Beratungen am Wannsee geheim. Und hier – eine klare Darlegung der Absichten während eines internationalen Forums!

Wenn ich seit Jahren behaupte, dass eines der Hauptziele von Putins Krieg gegen die Ukraine nicht nur die Eroberung von Territorium, sondern auch die „Endlösung der ukrainischen Frage“ ist, halten das viele für eine Übertreibung und sogar für Propaganda. Vor allem diejenigen, für die das Ukrainischsein keine Frage der Identität, sondern eines Eintrags im Pass ist. Diese Menschen müssen nicht einmal gegen die Existenz der Ukraine sein, sind aber überzeugt, dass sich für sie mit der Besetzung des Gebiets, in dem sie leben, praktisch nichts ändern würde – außer vielleicht dem Namen des Supermarkts und der Farbe der Flagge über dem Rathaus. Aus welchem Grund sollte Putin die Ukrainer in den neu besetzten Gebieten loswerden wollen? Schließlich sind in den bereits eroberten Gebieten die Einheimischen geblieben.

Diese Überlegungen könnten logisch erscheinen, wenn es nur um die „alten“ besetzten Gebiete ginge, die 2014 oder 2022 unter russische Kontrolle gerieten, als die Einwohner von Donezk oder Melitopol noch nicht mit dem massiven Terror der russischen Armee konfrontiert worden waren (eine Ausnahme bildet vielleicht Mariupol, doch auch dort findet eine planmäßige Verdrängung und Ersetzung der einheimischen Bevölkerung statt). Eine Bevölkerung, die bereits das fünfte Jahr unter Bombardierungen lebt, Menschen, die ihre Angehörigen und Freunde an der Front oder bei Angriffen auf das Hinterland verlieren, können per definitionem gegenüber der Besatzungsmacht weder loyal noch ungefährlich sein. Putin versucht auch gar nicht, ein Modell zu finden, mit dem sich eine solche Loyalität herstellen ließe – er überlegt, wie er alle vernichten und vertreiben kann.

In Wirklichkeit ist an einer solchen Praxis für Moskau nichts neu. Mehr noch: Gerade die Vernichtung, Vertreibung und Marginalisierung der einheimischen Bevölkerung war stets der Schlüssel zur Stärkung des künftigen Imperiums. Das begann bereits zu einer Zeit, als das Moskauer Fürstentum erst den Anspruch erhob, ein neues Zentrum zu werden, und begann, die benachbarten Gebiete zu verschlingen. Damals wurden die Bewohner des Fürstentums Rjasan, die es gewagt hatten, mit der Forderung nach der Rückkehr ihres eigenen Fürsten nach Rjasan zu protestieren, massenhaft in Moskauer Gebiete umgesiedelt und durch Moskauer ersetzt. Dieser Moment der Einverleibung entspricht Kobjakows These vollkommen.

Und auch danach wird Russland immer wieder Menschen nach ethnischen, religiösen oder politisch-ethnischen Kriterien verfolgen. Nach der Eroberung Kasans wurde den Tataren schlicht verboten, sich in Städten niederzulassen, um sie zu einer marginalisierten ländlichen Bevölkerung zu machen. Den Ukrainern verweigerte man das Recht auf ihre Muttersprache, und den Völkern des Baltikums versuchte man das Recht auf eigene Alphabete zu verweigern. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschloss Stalin selbst zu bestimmen, welches Volk als Nation von Verrätern gelten sollte und welches nicht – so begann die massenhafte Vertreibung ganzer Völker aus den Gebieten, in denen sie seit Jahrtausenden gelebt hatten. Und übrigens ist die Bereitschaft, sich der herrschenden Ideologie anzupassen, keineswegs ein Faktor, der einen retten kann. Krimtataren oder Tschetschenen können Sie daran erinnern, dass buchstäblich alle aus ihrer Heimat vertrieben wurden – der Feind des Regimes ebenso wie der loyale Bürger und sogar der Sekretär eines Gebietskomitees der Partei, wenn er nur die falsche Herkunft hatte. Damals gab es schlicht keine Möglichkeiten, so große Völker wie das ukrainische zu deportieren – da blieb allenfalls der Holodomor. Moderne Kriegstechnologien vereinfachen diese Aufgabe erheblich. Und ja, Putin würde tatsächlich gerne alle Ukrainer vertreiben (und diejenigen, die sich nicht vertreiben lassen, einschüchtern und „umerziehen“) und ukrainisches Land mit seinen Landsleuten besiedeln.

Um diesen verbrecherischen Plänen entgegenzutreten, muss man zunächst einmal überhaupt an sie glauben. „Wenn jemand sagt, dass er Sie töten will, dann glauben Sie ihm. Suchen Sie nicht nach rationalen Erklärungen dafür, warum das angeblich unmöglich ist, denken Sie nicht, es sei nur Bluff oder Politik. Glauben Sie es sofort“, sagte einst die ehemalige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir, und das ist eine der wichtigsten Lehren aus dem Holocaust. Diese Schlussfolgerung fällt vielen Ukrainern sehr schwer zu akzeptieren und zu begreifen. Aber sie werden sie ziehen müssen. Putin und seine Berater haben tatsächlich vor, diejenigen zu vernichten und zu vertreiben, die hier leben. Sie täuschen uns nicht. Deshalb ist es so wichtig, sie aufzuhalten.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Остаточне рішення. Віталій Портников. 13.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 13.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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