Pashinyan weist Putin die Tür | Vitaly Portnikov. 03.09.2026.

Der armenische Ministerpräsident Nikol Pashinyan erklärte, er werde keine Einwände erheben, sollte Russland beschließen, die 102. Militärbasis aus dem Land abzuziehen, und betonte, dass er die Präsenz dieser Basis in Gyumri nicht für lebensnotwendig für die Republik Armenien halte. In Yerevan würde man also keine Einwände erheben, sollte Russland beschließen, dieses Militärobjekt zu schließen. Sollte man sich in Moskau jedoch dafür entscheiden, die Basis beizubehalten, ist man in Yerevan bereit, auch diesen Vorschlag der russischen Führung zu erörtern.

Die Erklärung des armenischen Ministerpräsidenten kann als eine regelrechte Ohrfeige für den russischen Präsidenten Wladimir Putin betrachtet werden. Auf seiner jüngsten Pressekonferenz in Bischkek nach dem Ende des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit griff Putin gegenüber Armenien wie üblich zu primitiver Erpressung und erklärte, sollte man in diesem Land auf die Militärbasis verzichten wollen, werde Russland seine Truppen ohne Zögern von dort abziehen.

Es ist klar, dass Putin mit einer völlig anderen Reaktion der armenischen Führung gerechnet hatte. Er wollte, dass man ihn darum bittet, die Basis zu erhalten. Er rechnete damit, dass man in Armenien schon die bloße Schließung der russischen Militärbasis als zusätzlichen Faktor mangelnder Sicherheit und als Auslöser neuer Konflikte im Südkaukasus betrachten würde. Stattdessen stieß er auf eine völlig andere Reaktion: Der armenische Ministerpräsident sagt, dass die Existenz der Basis keineswegs eine Sicherheitsgarantie für sein Land darstellt und dass die Basis genau in dem Moment geschlossen werden kann, in dem man in Russland entscheidet, dass der Kreml dieses Objekt nicht mehr braucht.

Und nun ist es nicht mehr Pashinyan, der als Bittsteller auftreten und Putin dazu überreden muss, die Militärbasis auf armenischem Boden zu erhalten. Vielmehr müsste Putin gegenüber Pashinyan als Bittsteller auftreten und ihn dazu überreden, einer weiteren Stationierung russischer Truppen auf armenischem Territorium zuzustimmen. Eine völlig andere Ausgangslage, auf die der russische Präsident ganz offensichtlich nicht vorbereitet war.

Und das ist eine weitere Fehlkalkulation, die Putins völliges Unverständnis für die Realitäten im postsowjetischen Raum demonstriert.

Erstens lässt sich Russlands heutiger Einfluss in den ehemaligen Sowjetrepubliken nicht einmal mit dem Gewicht vergleichen, über das Russland vor Beginn des großen Krieges gegen die Ukraine verfügte. Vielen im postsowjetischen Raum ist nicht nur klar geworden, dass Russland ein Koloss auf tönernen Füßen ist, sondern auch, dass dieser Staat die Souveränität seiner Nachbarn nicht respektiert, die ehemaligen Sowjetrepubliken nicht als eigenständige Staaten, sondern als Länder mit eingeschränkter Souveränität betrachtet und die Präsenz eigener Truppen nicht einfach als Ausdruck gegenseitig vorteilhafter Beziehungen, sondern als Bestätigung seines Einflusses und seines Diktats im postsowjetischen Raum versteht. Und das betrifft selbstverständlich keineswegs nur Armenien.

Bei Armenien kommt jedoch noch etwas anderes hinzu. In den vergangenen Jahren war für Yerevan vollkommen offensichtlich, dass Russland weder um die Sicherheit Armeniens noch um seine eigenen Verpflichtungen als Verbündeter dieses Landes besorgt ist. Für Russland ist es wichtig, dass Armenien und Aserbaidschan in der Falle ihres bilateralen Konflikts bleiben und gezwungen sind, Moskau darum zu bitten, nicht nur als Vermittler in ihren schwierigen Beziehungen aufzutreten, sondern faktisch als Konfliktpartei, die entscheidet, welche Seite diesmal den Vorteil haben soll.

Und die Erkenntnis dieser scheinbar elementaren Tatsache wurde nicht nur zu einer Enttäuschung für die Menschen, die Armenien heute führen. Sie ist eine der größten historischen Enttäuschungen des armenischen Volkes. Und genau deshalb erlitten die prorussischen korrupten Kräfte, die bei den jüngsten Parlamentswahlen beinahe als geschlossene Front gegen die Regierung von Nikol Pashinyan antraten, eine vernichtende Niederlage.

Und nein, das ist nicht die Niederlage Robert Kocharyans oder Gagik Tsarukyans oder anderer prorussischer Politiker, die nicht selten geradezu aus Moskau nach Armenien geschickt wurden, um dort unter Ausnutzung ihrer armenischen ethnischen Herkunft an den Parlamentswahlen teilzunehmen. Das ist eine persönliche Niederlage Wladimir Putins und eine staatliche Niederlage Russlands.

Und wie reagiert Putin auf diese Niederlage? Er greift zur Erpressung. Und diese Erpressung betrifft keineswegs nur die Fragen, die mit der Stationierung der russischen Militärbasis auf armenischem Territorium zusammenhängen.

Die Erpressung hängt auch mit den Diskussionen über Armeniens Mitgliedschaft in der Eurasischen Wirtschaftsunion zusammen, der derselbe Putin den ehemaligen armenischen Präsidenten Serzh Sargsyan beizutreten zwang, nachdem dieser unter dem Druck seines russischen Amtskollegen auf die Unterzeichnung des bereits vorbereiteten Assoziierungsabkommens Armeniens mit der Europäischen Union verzichten musste. Und nun sagt Putin, die Bereitschaft der armenischen Regierung, die Frage eines künftigen Beitritts zur Europäischen Union zu prüfen, erfordere Armeniens Verzicht auf die Mitgliedschaft in der Eurasischen Union oder zumindest eine Entscheidung Yerevans, diese merkwürdige Wirtschaftsorganisation zu verlassen.

Nikol Pashinyans Erklärung, dass bislang lediglich vorbereitende Arbeiten im Zusammenhang mit der europäischen Integration Armeniens stattfinden, stellt Putin nicht zufrieden. Sowohl er als auch die anderen Staatschefs der Länder, die der Eurasischen Wirtschaftsunion angehören, versuchen – selbstverständlich auf Weisung Moskaus –, den armenischen Ministerpräsidenten dazu zu zwingen, unverzüglich ein Referendum über die europäische Integration des Landes abzuhalten.

Und interessant ist die Frage: Was werden all diese Leute tun, wenn es den armenischen Behörden gelingt, ein erfolgreiches Referendum abzuhalten, bei dem die Mehrheit der Bürger der Republik Armenien – im Bewusstsein der tatsächlichen Rolle Russlands in der Region und der Notwendigkeit, nach neuen Garanten ihrer Sicherheit im Südkaukasus zu suchen – für die europäische Integration stimmt? Welche Mittel und Argumente zur Erpressung wird Wladimir Putin dann noch haben?

An der Basis in Gyumri scheint er sich bereits die Finger verbrannt zu haben, obwohl er offensichtlich nicht bereit ist, das einzugestehen. Nun bleibt ihm nur noch, sich auch an der europäischen Integration Armeniens, an der Öffnung der Handelswege in der Region und an all dem die Finger zu verbrennen, was Moskau zu verhindern versucht hat, um auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten im Südkaukasus dominieren zu können. Doch früher oder später musste die Geduld der Völker, die zu Putins Geiseln geworden sind, ein Ende haben.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Пашинян послал Путина | Виталий Портников. 03.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 03.09.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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