Lawrow beschuldigt den Westen eines Krieges gegen Russland | Vitaly Portnikov. 24.04.2026. 

Der Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, beschuldigte den Westen, einen Krieg gegen Russland begonnen zu haben, und erklärte, die Ukraine sei die Spitze dieses Angriffs. Und ohne die Hilfe des Westens hätte die ukrainische Führung den Widerstand gegen die russische Aggression einfach nicht fortsetzen können.

Lawrow äußerte diese Erklärung vor dem Hintergrund der Entscheidung der Europäischen Union, einen Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine freizugeben, dessen Vergabe zuvor durch ein Veto des ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán, kurz vor seiner Niederlage bei den Parlamentswahlen in seinem Land, blockiert worden war.

Wie wir sehen, hatte man in Moskau mit dieser Niederlage nicht gerechnet und darauf gehofft, dass die Ukraine in diesem Jahr ohne Geld bleiben würde und es Moskau dadurch leichter fallen würde, Druck auf Kyiv auszuüben und zugleich seine Offensive auf ukrainischem Gebiet fortzusetzen.

Dass Moskaus Pläne gescheitert sind, löste vorhersehbare Verärgerung in der russischen politischen Führung aus. Und wie immer beschloss man in Moskau, den Westen für alle Probleme verantwortlich zu machen und daran zu erinnern, dass die Ukraine ohne westliche Unterstützung ihren Widerstand gegen die russische Aggression nicht fortsetzen könnte.

Doch das Entscheidende ist hier meines Erachtens dennoch das Wort „Aggression“. Aus welchen Gründen sollten wir der Vorstellung zustimmen, dass der Westen Russland den Krieg erklärt habe, wenn doch Russland selbst bereits 2014 seinen Krieg gegen die Ukraine begonnen hat, als das Putin-Regime die Annexion der ukrainischen Krim beschloss und einen nicht erklärten Krieg im Donbas begann – unter Einsatz nicht nur eigener Saboteure, sondern auch regulärer Truppen? Und in dieser Situation können wir selbstverständlich davon sprechen, dass die Länder der zivilisierten Welt beschlossen haben, der Ukraine in diesem Kampf gegen Barbarei und gegen die Verletzung des Völkerrechts zu helfen – nicht, weil sie gegen Russland, gegen Putin oder gegen Lawrow kämpfen wollten, sondern weil sie die Prinzipien des Völkerrechts wahren wollten, die vor Beginn dieser Aggression angeblich auch von der Russischen Föderation anerkannt wurden.

So verstehen wir natürlich, warum Lawrow weiterhin den Westen beschuldigt. Denn anzuerkennen, dass die Probleme Russlands – über die nun immer mehr Bürger der Russischen Föderation erfahren, vor dem Hintergrund der Angriffe auf die Ölverarbeitungsindustrie Russlands und brennender Ölhäfen – damit zusammenhängen, dass die Streitkräfte der Ukraine eine effektive Strategie zur Verringerung der russischen wirtschaftlichen Ressourcen entwickelt haben, wäre für ihn gleichbedeutend mit dem Eingeständnis, dass nicht „die ganze Welt“ gegen Russland kämpft.

Nur würde man gerne erfahren, zu welchem Zweck. Vielleicht hängt dieser „Krieg“ damit zusammen, Russland daran zu erinnern, dass es zu einem respektvollen Umgang mit den Grenzen seiner Nachbarn zurückkehren sollte? Dass es an der Zeit ist, Drohungen mit Atomwaffen zu vergessen, dass Politik nicht nur aus dem Wunsch besteht zu töten, zu vergewaltigen, zu plündern und zu drohen – womit sich die russische politische Führung seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt? Und dass in dieser Situation der beste Weg, den Krieg gegen sich selbst zu beenden, darin besteht, aufzuhören, gegen die Nachbarn Krieg zu führen – was im Grunde die Essenz der russischen Politik während nahezu der gesamten Zeit von Putins Herrschaft in der Russischen Föderation ist.

Viele sind der Ansicht, dass diese Beschuldigungen Lawrows in erster Linie der Vorbereitung eines Krieges der Russischen Föderation gegen westliche Länder dienen. Und über die Möglichkeit eines solchen Krieges sprechen immer mehr westliche Politiker. So rief der polnische Premierminister Donald Tusk die europäischen Länder dazu auf, sich auf einen solchen Angriff nicht erst in den kommenden Jahren, sondern bereits in den kommenden Monaten vorzubereiten und sich weniger auf die Vereinigten Staaten als vielmehr auf sich selbst zu verlassen.

Doch tatsächlich verfügt die Russische Föderation über keinerlei reale Ressourcen für einen Angriff auf Europa. All ihre Ressourcen sind heute gerade an der ukrainischen Front konzentriert. Und übrigens hat Lawrow dies selbst eingeräumt, als er, unter Berufung auf europäische Militärs, betonte, dass man im Westen davon ausgehe, je länger Russland gegen die Ukraine kämpfe, desto weniger Möglichkeiten habe es derzeit, Europa anzugreifen.

Man könnte sagen, er hat damit gegen sich selbst ausgesagt, denn mit diesem Zitat unterstrich Lawrow praktisch, dass, wenn die Russische Föderation derzeit nicht gegen die Ukraine kämpfen würde und ihre Ressourcen nicht im Donbas gebunden wären, sich die russischen Streitkräfte möglicherweise bereits auf einen Angriff auf eines der anderen Nachbarländer vorbereiten würden – auf ein Land der Europäischen Union oder der NATO.

Doch zum jetzigen Zeitpunkt verfügt Russland über solche Möglichkeiten nicht einmal, um seine Nachbarländer mit seiner Armee einzuschüchtern. Und auch das ruft im Grunde zusätzliche Verärgerung bei der russischen Führung hervor, weil sie verstehen, wie ihr Land in den Augen der zivilisierten Welt aussieht.

Ein Land, das bereits im fünften Jahr um fremdes Land kämpft und dafür Tausende, Zehntausende seiner verachtenswerten Söldner geopfert hat. Ein Land, das faktisch am Rande des Zusammenbruchs seiner eigenen Rohstoffwirtschaft steht, die über Jahrzehnte die Grundlage der Existenz des Russischen Imperiums, der Sowjetunion und nun der putinschen terroristischen Föderation bildete – einer „Zivilisation“, die praktisch nie etwas produzierte, sondern mit Rohstoffen handelte und fremde Errungenschaften und Erfolge stahl, von Peter dem Großen bis zu Stalin und Putin. Diebstahl und Schande. Schande und Diebstahl.

Und natürlich bleibt in dieser Situation nur, die zivilisierte Welt zu beschuldigen – in deren Kontakten die Russen stets einen unstillbaren Minderwertigkeitskomplex verspürten – und zugleich die Möglichkeiten der Ukraine herabzusetzen, die grausamen und niederträchtigen Aggressoren zu bestrafen, die bis heute nicht von der Idee abgerückt sind, die ukrainische Staatlichkeit zu zerstören.

So sprechen Lawrows Aussagen eher nicht davon, dass Russland sich auf einen Krieg mit den westlichen Ländern vorbereitet, sondern davon, dass es wütet – gerade weil seine Möglichkeiten zu kämpfen vor dem Hintergrund der letzten Jahre des russischen Krieges gegen die Ukraine und der jüngsten Monate und Wochen von Bränden in der russischen Ölverarbeitung und in den Ölhäfen der Russischen Föderation äußerst wenig überzeugend aussehen.

Und daran ist kein Westen schuld. Schuld ist die eigene Dummheit – die von Lawrow, von Putin und von anderen Vertretern der russischen Bande, die aus irgendeinem Grund als militärisch-politische Führung Russlands bezeichnet wird.


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Art der Quelle: Artikel /
Titel des Originals: Лавров звинувачує Захід у війні проти Росії | Віталій Портников. 24.04.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: [Datum oder Epoche]
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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