
Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, und der Außenminister der USA, Marco Rubio, haben Erklärungen zum Fortgang des Verhandlungsprozesses zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten ausgetauscht.
Der ukrainische Präsident behauptet, dass die amerikanischen Teilnehmer der Gespräche Druck auf ihre ukrainischen Kollegen ausüben und verlangen, den nicht besetzten Teil des Donbas im Austausch für amerikanische Sicherheitsgarantien nach dem Ende der Kampfhandlungen aufzugeben.
Der Außenminister der USA bezeichnete diese Behauptungen hingegen als unwahr und betonte, dass Washington der Ukraine keinerlei Entscheidungen aufgezwungen habe, sondern lediglich darauf hingewiesen habe, dass Kyiv selbst seine Antwort auf die russischen Bedingungen bestimmen müsse.
Gleichzeitig könnten amerikanische Sicherheitsgarantien, so Rubio, erst nach dem Ende der Kampfhandlungen zwischen der russischen und der ukrainischen Armee in Kraft treten. Zelensky entgegnet, dies sei nur die Spitze des Eisbergs und die Bewertung der Situation hänge weitgehend von Interpretationen ab, besteht jedoch darauf: In den USA sei tatsächlich von der Aufgabe des Donbas die Rede gewesen.
All dies ließe sich als echter diplomatischer Skandal bezeichnen, wenn die Seiten nicht mit vollkommen abstrakten Dingen operieren würden. Tatsächlich gibt es derzeit keinerlei vollwertige ukrainisch-amerikanisch-russische Verhandlungen. Und die, die stattgefunden haben, erinnerten eher an ein Hinauszögern der Zeit, die Putin benötigt, um den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen und zugleich die Vereinigten Staaten davon abzuhalten, die Sanktionen gegen Moskau zu verschärfen.
Diese russische Aufführung für einen einzigen Zuschauer – Donald Trump – endet sofort, sobald Putin versteht, dass er mit ihm auch ohne jegliche Verhandlungen kommunizieren kann und dass es keine neuen Sanktionen geben wird. Und derzeit ist für den russischen Präsidenten genau ein günstiger Moment, denn der amerikanische Führer braucht russisches Öl, um wenigstens irgendwie das energetische Gleichgewicht in einer brennenden Welt aufrechtzuerhalten.
Es gibt auch kein klares Verständnis davon, was amerikanische Sicherheitsgarantien überhaupt sind. Unter Trump treten die USA entschieden gegen einen NATO-Beitritt der Ukraine auf, und auch unter der Präsidentschaft von Joe Biden war in Washington kein großer Enthusiasmus in dieser Frage zu beobachten.
Der Grund ist offensichtlich: Die Vereinigten Staaten versuchen, eine Situation zu vermeiden, in der sie in einen direkten Konflikt mit der Russischen Föderation eintreten müssten. Und das würde unvermeidlich geschehen, wenn die Ukraine Mitglied der NATO würde und Russland sie erneut angreifen würde.
Wenn die Amerikaner jedoch die Möglichkeit eines Krieges mit Russland kategorisch ausschließen, aus Angst vor einer nuklearen Konfrontation, welchen Sinn können dann irgendwelche Garantien haben? Zumal wir heute sehen, wie die Verbündeten der USA im Persischen Golf – dort, wo sich reale amerikanische Stützpunkte befinden und die amerikanische Flotte präsent ist – ihre eigene Schutzlosigkeit in vollem Umfang gespürt haben, als sie Angriffe auf amerikanische Militäranlagen und Beschuss amerikanischer Soldaten beobachteten.
In der Welt des neuen Krieges sind amerikanische Garantien ein Phantom. Aber offenbar sind weder Rubio noch Zelensky bereit, sich das einzugestehen.
Auch die Bedingung, den Krieg durch den Abzug ukrainischer Truppen aus dem Donbas zu beenden, erscheint als ein ebenso großes Phantom. Denn dann müsste man anerkennen, dass Putin vier Jahre lang Krieg geführt, Hunderttausende seiner eigenen Bürger in den Fleischwolf geworfen und enorme Ressourcen verbraucht hat – nur um die Kontrolle über Kramatorsk und Slowjansk zu erlangen.
Die Forderung nach dem Abzug ukrainischer Truppen aus dem Donbas ist lediglich Teil einer umfassenderen Operation zur vollständigen Einverleibung der Ukraine. Und der Abzug ukrainischer Truppen aus irgendeiner Stadt wird den Krieg nicht beenden – er wird ihn nur verlängern.
Somit haben wir es mit einer völlig neuen Form eines diplomatischen Skandals zu tun – einer Form, die der modernen Realität entspricht. Wenn die Seiten nicht über mögliche politische Schritte streiten, sondern über Formulierungen, die nur in der Vorstellung der Teilnehmer des politischen Prozesses existieren.
Die Amerikaner haben ihre eigenen Illusionen: dass der Krieg in der Ukraine durch ukrainische Zugeständnisse beendet werden könne und danach für beide Seiten vorteilhafte wirtschaftliche Beziehungen mit Russland wiederhergestellt werden könnten. Die Ukrainer haben andere: dass die USA Sicherheitsgarantien bieten werden, die eine neue Aggression unmöglich machen.
Weder das eine noch das andere hat etwas mit der Realität zu tun. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keinen Ausweg gibt. Es gibt ihn.
Und er hängt in erster Linie mit der Unterminierung des wirtschaftlichen Potenzials Russlands und mit Schlägen gegen seinen militärisch-industriellen Komplex zusammen. Wenn Russland keine Ressourcen für den Krieg hat, wird es auch keinen Krieg geben.
Ja, eine für beide Seiten vorteilhafte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland wird in diesem Fall unmöglich. Aber dafür entsteht die Chance, sich auf einen neuen Krieg vorzubereiten, der erneut beginnen kann – dann, wenn Russland sein wirtschaftliches Potenzial wiederherstellt und zu einem neuen Sprung bereit ist.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Скандал ілюзій. Віталій Портников. 01.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.